Rückblick 2019

Lesedauer 8 Minuten

Das Jahr 2019 endet in wenigen Stunden. Danke an die Mitleser des BLOG’s zu sagen, ist eigentlich ein wenig in die falsche Richtung gedacht. Ich habe geschrieben, versucht zu informieren, ab und zu etwas zu bewegen, manchmal informiert und andere Male mir einfach Luft gemacht. Ihr wart interessiert und bereit, wertvolle Lebenszeit für das Lesen zu investieren. Selbst schuld! Nein, das ist nicht ernst gemeint. Vor allem die Rückmeldungen haben mir viel Freude bereitet. Wie ich es bereits mehrfach schrieb: Warum teilen wir anderen unsere Meinung mit? Sehr einfach, wir wollen nicht allein mit ihr sein. So sind wir Menschen. Egal, wie verschroben und frustriert man auch sein mag, an unserem sozialen kooperativen Grundmuster kommen wir nicht vorbei.

2019 hat sich meiner Beobachtung nach fortgesetzt, was bereits in den Jahren zuvor passierte.

Deutschland und Europa bewegen sich weiterhin in Richtung eines immer mehr verbreiteten Denken, welches allgemein als «rechts» bzw. «konservativ» einsortiert wird. Überall wird es gleichzeitig ein wenig bürgerlicher. Ich, einer der sich als eher linksorientiert ersieht, muss dieses hinnehmen. Ich habe mir die Grundhaltung angewöhnt, keinerlei Angst vor Dingen zu haben, die ohnehin eintreten werden. Der Tod ist jedem sicher, nur der Zeitpunkt ist fraglich. Der Klimawandel wird nicht kommen, wir sind mittendrin. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Menschen unter Umständen dazu in der Lage sind, kleinere lokale Lösungen und Veränderungen auf die Beine zu stellen, doch im Großen bleibt der Mensch dazu unfähig. Insofern gibt es keinerlei Veranlassung, etwas Gegenteiliges anzunehmen, denn uns die Wissenschaftler prognostizieren. Schon in 20 Jahren wird sich die Welt, wie meine Eltern und ich sie kennenlernten, massiv verändert haben. Ich ersehe es als eine Epoche, die ich erleben durfte.

Mit dem Jahr 2020 endet das 20. Jahrhundert endgültig. Ähnlich müssen sich die Menschen gefühlt haben, die noch ohne Industrialisierung ins Leben starteten, die Anfänge der Revolution mitmachten und starben, als sie richtig Fahrt aufnahm. Ich bin noch ohne die Digitalisierung geboren worden und nun stecke ich mittenmang. In meiner Jugend sprachen wir über die Menschen in der III. Welt, als wären sie auf einem anderen Planeten. Heute kommen sie zu uns. Hinzukommen werden die Klimaflüchtlinge. Schneller, als sich die mitteleuropäischen Gesellschaften darauf einzustellen gedenken. Auch einer dieser misslichen Umstände. Die bleibende Zeit wird nicht entsprechend genutzt. Dies wird sich rächen.

Ein paar demonstrierende Schüler werden nichts Gravierendes bewirken. Genau genommen, hat sich bereits alles im Sande verlaufen. Ein paar der Aktivisten bekommen Ehrungen und Streicheleinheiten, dabei hat sich nichts verändert. Das sind Mechanismen zur Verteidigung des bestehenden Systems. Im Hintergrund passieren ganz andere Dinge. Die großen Spieler am Tisch zocken und in der Mitte liegen die letzten Ressourcen. Jeder versucht, sich in Sicherheit zu bringen. Dabei wird es Verlierer geben. Wie eine Welt aussehen könnte, in der dies passiert, haben Orwell, Huxley und einige andere schon vor 100 Jahren vorausgesehen. Meine persönlich favorisierte Dystopie ist eine Mischung aus Soilent Green, John Carpenters The Escape from New York und «Eine schöne neue Welt» mit technischen Spielereien aus «1984».

Zumindest die Vorbereitungen sind überall bereits zu sehen. Gegenbewegungen finden kaum statt. Vielleicht waren die Visionen dieser großen Vordenker deshalb so präzise, weil sie eine gewisse Logik in sich bergen, der wir nicht entkommen können.

In der Deutschen Gesellschaft befindet sich ein Prozess in der Abschlussphase. Die Verwaltung und Kategorisierung der breiten Masse ist nahezu in Gänze vollzogen. Im Prinzip sind alle Deutschen in einer großen Datenbank erfasst, die mit nutzerorientierten Kriterien abgefragt wird. Aus der Abfrage resultieren Gruppen, in der sich ähnliche Personen befinden, deren Bedürfnisse zielgerichtet und manipulativ bedient werden. Gruppen üben bekanntlich Druck aus, womit die Individualität und Freiheit des Einzelnen zu einer Suggestion wird. Ausbrüche aus diesen Gruppen sind entweder extremer Natur oder wenigstens für die breite Masse befremdlich.

Bekanntlich ist die Angst ein wesentliches Steuerungsmittel der Massen. Seitens aller politischen Vertretungen, die sich derzeit im Bundestag befinden, wird dieses Mittel hemmungslos eingesetzt. Gleichsam wird mit der Sprache gearbeitet. Mit ihr wird einerseits Angst erzeugt und andererseits wird gesteuert. Im Grunde genommen verfolgen CDU/CSU, FDP, AfD keine ernsthaft unterschiedlichen Ziele. Die Verkaufstaktik ist nur anders. Im Vordergrund stehen das klassische deutsche Leistungsdenken, eine klar vorgegebene Hierarchie, Wachstum und der hemmungslose Konsum, welcher die Konjunktur in Schwung halten soll. Außerdem die Abgrenzung von allem Fremden, sowie das Setzen auf nationale Lösungen. Die Überschrift lautet: Deutsch ist gut! Nicht ohne Grund wurde eine Debatte der «Deutschen Leitkultur» und «Deutsche Werte» angestrebt. Es ist keine aufklärerische oder humanitäre, wie sie einst mit dem Ziel der Verständigung und Abschaffung der Monarchie geführt wurde, sondern eine, die der Herrschaft des Geldes und die eines «Deutschen Idealbilds» den Weg bereiten soll. Geschmackssache! Mein Ding ist es nicht.

Natürlich haben sie bereits jetzt Europa faktisch abgeschottet, um auf dem Planeten die anstehenden Bevölkerungsbewegungen ein wenig abfedern zu können. Die Wüste und das Mittelmeer werden als natürlicher Todesstreifen genutzt. Gleichermaßen werden die Witterungsverhältnisse in den nördlichen Regionen benutzt. Alles was unterwegs stirbt, kommt bei uns nicht an. Die Rüstungsfirmen bieten auf ihren Seiten im Internet längst für moderne Grenzen jede Menge Equipment an. Kameras mit KI, Kampfroboter, Sensoren, die große Flächen abdecken können, spezialisierte Drohnen, teilweise fiese kleine, kaum größer als Insekten, die im Zweifel große Menschenmengen töten können. Vielerlei Entwicklungen sind abgeschlossen und warten nur noch auf den Einsatzbefehl bzw. Käufer.

2019 hat mir im Sicherheitsbereich noch einen anderen Trend gezeigt. Teilgruppen der Gesellschaft werden mit der Funktion «Polizei» gesteuert. Die gesellschaftlichen Entwicklungen bedingen terroristische und Einzelanschläge, vermehrten Drogenkonsum und Straftaten, die auf Traumatisierungen zurückzuführen sind. Eine effektive Prävention wäre ausschließlich über mannigfaltige gesellschaftliche Veränderungen möglich. Hierfür gibt es aus vielerlei Gründen keine Bereitschaft. Deshalb muss eine andere Taktik her. Nicht die Gesellschaft mit ihrer Unfähigkeit die bedingenden Prozesse zu stoppen ist verantwortlich, sondern die Sicherheitsbehörden des Staats. Mit Staatsversagen wird nicht benannt, was es eigentlich bedeutet. Den Staat bilden wir alle. Ein Versagen weist auf unser gemeinsames Fehlverhalten und unsere falschen Konzepte hin. Wenn überhaupt, kann es sich ausschließlich um ein Versagen der Sicherheitsbehörden handeln. Bei einem Körper würde man sagen, dass die Sicherheitsprobleme letztlich sichtbare Symptome einer innerlich tobenden Krankheit sind. Immerhin, wir können sie sehen. Was wäre, wenn man sie nicht sehen könnte? Wenn die Sicherheitsbehörden alles im Keim ersticken könnten? Ich denke, dann wäre die Kacke richtig am Dampfen. Dagegen wäre «1984» ein Paradies.

2019 war ein Jahr, in dem diverse Vorfälle bei der Polizei aufgebauscht wurden. Bei der allgemeinen Entwicklung bleibt es nicht aus, dass diverse Gruppierungen auch gewaltsam aufeinander treffen bzw.versuchen, die Starre durch Angriffe aufzulösen. Die Polizei steht mit Teilaufgabenstellungen dazwischen. Das wird noch übler werden. Bei all den Debatten wurde stets die Verbrechensbekämpfung aus dem Auge verloren. Der deutsche Bürger hat eine seltsame Vorstellung von international agierenden Verbrechern. Eine, die sich ein mit der Verbrechenseindämmung betrauter Beamter nicht leisten kann. Jedenfalls nicht, wenn er lebend nach hause kommen will. Deutschland ist diesbezüglich ein Legoland. In anderen Staaten werden beispielsweise Fahrzeugkontrollen mit mindestens bereitgehaltener Maschinenpistole durchgeführt. Der Zugriff auf Verdächtige erfolgt ohne Körperkontakt mittels Heruntersprechen bei vorgehaltener Waffe. Zieht einer ein Messer ist die Antwort der Polizei vorher geregelt. Die Täter wissen das und richten sich darauf ein.

Polizisten ringt der Spruch: «Sehe ich aus, wie ein Verbrecher?», nur noch ein sarkastisches Gesichtszucken ab. Die Tätowierung «Verbrecher» gibt es nicht. Ebenso wenig gehört die berühmte Glaskugel zur Ausstattung eines Polizisten. Wir sind an einem Punkt angekommen, in der jede Situation urplötzlich kippen kann. Wenn ein erlebnisorientierter «Rapper» aggressiv herumpöbelnd auf der Straße Faxen machen kann, habe ich dafür kein Verständnis. Der Typ gehört in eine sichere Bodenlage – fertig! Gleichfalls bestimmt ein Verdächtiger über seine Behandlung selbst, wenn er öffentlich damit prahlt, wie er gedenkt, sich bei einer Festnahme zu verhalten oder gar androht, andere zu töten, weil sie nicht seinem Glauben angehören. Ja, die Gesellschaft hat ihn geformt, aber der Polizist muss ihn aus dem Rennen nehmen. So läuft das nun einmal.

Der Bürger benötigt die Buhmann Rolle des Polizisten oder Verfassungsschützers. Könnte das eingetretene Ereignis nicht abgeschoben werden, würde dies zwei Dinge bedeuten. Erstens er hat selbst etwas damit zu tun und zweitens, die Abwendbarkeit ist mehr ein Zufall, als tatsächlich kontrollierbar. Den richtigen Terroristen mit Maßnahmen zu überziehen ist ein Glücksfall.

Ein Ergebnis aus Risikobewertung, Animus, Kommissar Zufall, Vorurteile, Profiling und eine gehörige Portion Zufall bzw. Glück. Wer etwas anderes behauptet, hat in einer anderen Gesellschaft seinen Job gemacht, wie ich. Du läufst vierzehn Tage dem Top Gefährder hinterher und am Ende kommt der um die Ecke gebogen, den keiner auf dem Zettel hatte. Was nicht einmal bedeutet, dass der Top Mann der Falsche war. Der Zeitpunkt stimmte halt nicht. Dies will der Bürger nicht realisieren.

Diese ganzen Untersuchungsausschüsse sind Kokolores. Jeder Profi fühlt sich von denen verarscht. Auf der einen Seite haben wir eine Vielzahl hoch spezialisierter Beamter. Da wären die Observationsbeamten, welche jahrelang trainieren Personen im schwierigsten Umfeld verdeckt zu beobachten. Die so genannte «Derrick Gedenkobservation», wie sie im Fernsehen gezeigt wird, gibt es nicht. Dann die Ermittler, welche mit viel Erfahrung Leute aus der Szene betreuen. Mir ist bisher nicht der Fall bekannt geworden, in dem einer in eine Moschee ging und mal eine kleine Umfrage startete, wer denn Lust hätte ein paar potenzielle Terroristen zu verraten. Aushänge im Eingangsbereich habe ich auch nie zu Gesicht bekommen. Dies ist ein ganz eigener Job und es braucht Jahre, bis man ihn gut macht. Hinzu kommen Analysten mit dem richtigen Riecher und Ermittler, die Horden von ehrgeizigen Rechtsanwälten abwehren, die sich eine neue S – Klasse bestellen wollen.

Wen haben wir auf der anderen Seite? Interessierte und ambitionierte Laien, welche mal eben im Vorbeigehen ein wenig etwas gelesen haben. Mit dumm oder schlau hat das nichts zu tun. Jeder Handwerker kennt das Problem. Niemand unterstellt dem Herrn Doktor, der ein Haus bestellt hat, mangelnde intellektuelle Fähigkeiten. Aber er weiß eben nicht, welche Tücken der Einbau einer Fußbodenheizung, die Verlegung von Versorgungsleitungen oder ähnliche Arbeiten mit sich bringen. Jeder Chirurg wird vor einem komplizierten Eingriff auf die Risiken hinweisen. Es kann klappen, muss es aber nicht. Manch ein Politiker glaubt auch, wenn er sich ein – bis zweimal auf einen Wagen gesetzt hat, gehört er dazu. Nur mal so, ich habe über 30ig Jahre bei der Kripo gearbeitet. Davon über 20 Jahre in einer Spezialeinheit, in der Schutzpolizei und Kripo zusammen arbeiten, und trotzdem habe ich als Kripo Kommissar immer nur eine Teilakzeptanz der Schupo bekommen. Das hat seine Gründe und ich akzeptiere sie in voller Breite. Es ist eine Sache des Respekts. Ein freundlicher Politiker ist nach drei Tagen immer noch ein Politiker, der nicht einmal ansatzweise die Mentalität eines Polizisten versteht.

Traurigerweise wissen oftmals selbst leitende Polizeibeamte wenig über die Arbeit der Spezialisten. Dies führt dann zu Außendarstellungen, die einem die Haare ausfallen lassen. Ich kenne Journalisten mit mehr Einblick.

2019 war auch das Jahr, in der von rechten Umtrieben in der Polizei die Rede war. Na ja, Anarchisten und Autonome sind dort nicht zu erwarten. Das Menschenbild wird nach einigen Jahren auch nicht besser. Davon sind selbst die neuerdings verstärkt in Erscheinung tretenden internen Kritiker nicht frei. Liest man sich ihre Kommentare analytisch durch, sind die ebenfalls verbiestert. Ihr Frust richtet sich nach innen und nicht nach außen. Der eine oder andere hat bestimmt einiges mitmachen müssen. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Für mich macht es wenig Unterschied, ob ich intern einen Generalverdacht formuliere oder externe Gruppen meine. Das gedankliche Prinzip ist identisch. Aus meiner Sicht ist es vollkommen irrelevant, ob es in der Polizei «Rechte» gibt. Die Polizei ist ein Dienstleister und setzt Vorgaben um. Spätestens Mitte der Achtziger machten sich Innensicherheitspolitiker und Polizei Gedanken über Einsatzkräfte, die sich robust einem wütenden Mob entgegenstellen konnten. Vorreiter war damals Berlin.
Anfangs waren den Einsatzführern aus dem restlichen Bundesgebiet diese Einheiten nicht geheuer. Später sahen sie ein, dass es einfach nicht mehr anders ging und sie übertrugen den «Schmuddel – Job» an die Bundespolizei, bis sie selbst passend reagierten. Der moderne Strassenkämpfer politisch oder über Gewalt motiviert, geht soweit, wie es zugelassen wird. Dieser Art Kämpfer Chorknaben entgegenzustellen, wäre ein wenig merkwürdig. Politisch darf sich darüber niemand wundern. Wer mit arroganten politischen Machtdemonstrationen agiert, darf sich über die gerufenen Geister nicht wundern. Und das Heranwachsende oder Jungerwachsene, die sich in immer mehr bestehenden sozialen Brennpunkten selbst überlassen sind, Randale liefern, ist es ebenfalls nicht verwunderlich.

Der deutsche Bürger hat ein Wunschbild vom Menschen. Mit der Realität hat es wenig zu tun. Einer meiner Lieblingspolitiker Christian Lindner, meinte anlässlich der Ermordung von Walter Lübcke: «In welcher Welt lebe ich eigentlich mittlerweile?» Wäre es möglich gewesen, hätte ich ihn gern angerufen: «Junge! Willkommen in der Realität! Komm mal aus Deinem Elfenbeinturm heraus.» Ihr alle gemeinsam habt über Jahrzehnte hinweg die Gesellschaft gespalten, Gräben geschaffen, soziale Trennlinien geschaffen und der Verrohung zugesehen, im Gegenzuge habt ihr es versäumt die Sicherheitsbehörden in eine härtere Gangart umzuschalten – nun habt ihr die Ergebnisse. Für eine Sache hättet ihr Euch entscheiden müssen. Entweder die Gräben und die Verrohung stoppen oder die Ergebnisse zu bekämpfen. Beides zu unterlassen, ist keine gute Idee.

Ich zolle jedem Respekt, der diese «Wasch mich, aber mach mich nicht nass» Nummer weiter mitmacht. Rechts – unter Umständen, aber entscheidend ist die Auftragslage. Man kann recht zuverlässig davon ausgehen, dass die Polizei das unternimmt, was vorgegeben wird. Polizei Putsche sind recht selten. Wo ich 2020 lande, ist noch nicht ganz raus. Unter Umständen stelle ich mich der Gesellschaft mit anderen Vorzeichen nochmals zur Verfügung. Ich bin ein Teil des Ganzen und damit ist es auch eins von mir. Ein Funke Gestaltungswille ist noch in mir und vielleicht gibt es Positionen, in denen man wenigstens in Nuancen etwas bewirken kann. Immer nur ans Bein pinkeln ist auf Dauer auch keine befriedigende Lösung. Na mal sehen … ich werde berichten.

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