Vergangenheit, Augenblick, Zukunft.

Lesedauer 3 Minuten

Das Hostel, in dem ich mich derzeit befinde, hat etwas sehr spezielles an sich. Es ist einer dieser Orte, die das Zeug haben zum Symbol zu werden. Backpacker aus aller Welt kommen auf die Insel Langkawi u. steigen dort ab. Viele bleiben nur 2 – 3 Tage, doch nicht wenige bleiben über Wochen hinweg. Zwischen ihnen entsteht so etwas wie eine kurzfristig existierende Gemeinschaft. Gespräche über die Welt, gemeinsame Parties, Ausloten der kulturellen Unterschiede u. Sprachtraining.

Gerade den Jüngeren fällt der Abschied oftmals schwer. Jede neue Gruppe ist ein wenig anders. Nicht besser, herzlicher, kreativer, sondern schlicht anders. Jeder schreibt seine eigene Geschichte.

Das hat mich an etwas erinnert. Es gab da dieses Team, welches 10 Jahre seine Geschichte schrieb. Entführungen, Erpressungen, Terror, Mord, Todesfälle, Vaterschaften, Scheidungen, tatsächlich ein wenig Familie auf Zeit. Irgendwann war es vorbei. Viele gingen u. widmeten sich neuen Aufgaben. Wenige blieben u. wurden Mitglieder in anderen Teams.

Viel Schutt, Ärger über unliebsame Neuentwicklungen, private Ereignisse, die gesellschaftlichen Veränderungen u. die negativ empfundene Entwicklung des Berufsbilds, legte sich über diese Zeit.

Doch es war unsere Zeit. Mit unseren Symbolen, Werten, Spass, Trauer, Frust, Wut. Was heute unter einem Einsatzteam verstanden wird, wie die Neuen ihre eigene Geschichte schreiben, steht nicht zur Debatte. Ihr Ding, ihr Leben!

Der Satz: „Das ist nicht mehr meine Polizei!“ ist vollkommen korrekt. Es gibt im Verhältnis zu 1989 – 2000 eine neue Polizei. Sie ist anders, doch deshalb nicht zwingend eine schlechtere, aber auch nicht besser. Ich persönlich kann mich mit dem Alten identifizieren, hingegen will ich mit dem Aktuellen nichts zu tun haben. Einfach nicht meine Welt.

Doch das, woran ich einst glaubte u. dafür lebte, kann ich mit ruhigen Gewissen vertreten. Lange Zeit habe ich das negiert. Heute bin ich stolz auf unsere Geschichte. Meine Einheit, wie sie einstmals arbeitete, sich vollkommen hinter die Aufgabe stellte, existiert nicht mehr. Ein zeitlicher Aspekt. Faktisch lässt sie sich nicht löschen, sie ist Teil meines Lebens.

So wie sich jeder Backpacker an seine 4 – 8 Wochen im Gecko Hostel auf Langkawi zurück erinnern wird. Wer man damals war. Was die Zeit mit einem machte u. welche Initiative sie für die folgenden Geschehnisse im Leben hatte.

Es ist wichtig, die Ereignisse immer wieder auf den ehemals bestehenden Kontext zu beziehen. Egal, ob es gut o. schlecht lief. Aktuell wäre ich nicht mehr bereit, die Risiken von damals einzugehen, bzw. mein gesamtes Leben auf den Beruf auszurichten. Da spielt vieles eine Rolle. Mit dem aktuellen Mainstream in der Gesellschaft will ich mich nicht arrangieren, geschweige denn, ihn zu unterstützen. Selten gab es Politiker, die so offen zeigten, dass die Gier und Hybris sie antreibt. Wenn ich das abgehobene Gedöns, ausgehend von Mitbürgern, die ihr Leben, Kritik, Denken, nach Wunschvorstellungen an ein idealisiertes Bild des Menschen ausrichten, schwindet bei mir jedes Verständnis.

Der Mensch ist nicht schlecht und auch nicht gut. Diese Kategorien sind Ausgeburten unseres Gehirns. Wenn, dann sind viele Mitglieder dieser Spezies überfordert und neigen zur Hybris. Eine, die sie verkennen lässt, dass sie nicht ein externes Element des Lebenssystem Erde sind, sondern Teil dessen.

Die Traveller im Gecko sind meistens ältere Solisten, die eine Entscheidung für ein Leben jenseits des vorhergehenden getroffen haben. Die jungen Backpacker haben noch alles vor sich. Sie bereiten sich auf Entscheidungen vor. Die Alten staunen, wie anders die Jungen ins Leben starten. Diese wiederum schauen, wohin der Weg, die Summe aller kommenden Entscheidungen sie führen wird.

Ich setze ein wenig auf sie. Wenn sie nicht alles vergessen, haben sie viele Beispiele im Kopf, wohin es gehen kann. Der australische Alkoholiker am Tresen, der etablierte Online Nomade, der schrullige Holländer, späte Hippies aus UK, Aussteiger aus Deutschland, Zufriedene, Gesetzte …

Keine idealisierten Bilder, sondern echte Erfahrungen, mit denen sie arbeiten können. Vor allem haben sie Erfahrungen mit allen Kulturen gesammelt u. viel über den Zustand des Globus erfahren.

Gut wäre es, wenn die alte engstirnige Welt endlich den Löffel abgibt (hat nichts mit dem Alter zu tun). Sie ist ohnehin zum Sterben verurteilt, warum nicht in absehbarer Zeit?

Gerade passend zum Thema, hat ein polnisch stämmiger Belgier einen Song über das Gecko geschrieben u. komponiert. Dazu sagte er: In 20 Jahren können wir uns mit dem Lied, an die grossartige Zeit im Gecko erinnern. Wer weiss … was aus den Backpackern alles wird.

Ein Kommentar zu „Vergangenheit, Augenblick, Zukunft.

Kommentar verfassen