Strategen der Macht – Zweitliga gegen braune Profis

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Was ist bei der Wahl in Thüringen zwischen den Zeilen passiert? Da gab es einen Kandidaten der LINKS Partei, der im Land die meisten Stimmen holen konnte, aber nicht genug, um mit einer Mehrheit seine Vorstellungen allein umsetzen zu können. Im Zweifel hätte er einen Konsens zwischen FDP, CDU, LINKE, GRÜNE erzeugen müssen. In blinder politischer Vernageltheit konnten sich die CDU und FDP, letztere gerade mit Ach und Krach zum Mitspieler geworden, nicht anfreunden.

Bundesweit wurde und wird die Kampagne gefahren, dass in Thüringen Pest und Cholera viele Wählerstimmen bekamen, und die CDU zusammen mit der FDP ein letztes Aufgebot der aufrichtigen Mitte stellte. Dies scheint bundesweit bei der CDU und FDP die Gangrichtung bzw. Selbstverständnis zu sein. Wir gegen die Extremisten, die roten Socken der SPD, welche doch auch verkappte Kommunisten sind, die Stalinisten der LINKS Partei, die Ökofaschisten der GRÜNEN und die Neo – Faschisten in der AfD. Eine ziemlich bemerkenswerte Weltanschauung.

Mich erinnert sie ein wenig an den Kalten Krieg und die mit ihm einhergehende beidseitige Propagandaschlacht. Zur Erinnerung: Reagan und Thatcher zogen in die letzte entscheidende Schlacht. Reagan wollte den Kalten Krieg um jeden Preis beenden und kurbelte ohne Rücksicht auf Umwelt, soziale Verhältnisse, Kosten für Waffensysteme, den nackten Kapitalismus an, um den Ostblock wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Alles Soziale, jegliches Bestreben sich mit der verschärfenden Verschmutzung der Erde u. zeigenden Klimakrise auseinanderzusetzen, wurde dämonisiert bzw. diffamiert. Selbst die Gefahr eines Weltkriegs wurde billigend in Kauf genommen. Mehrfach stand die Welt, wie wir sie kennen, am Abgrund. Einmal war es einzig der Verdienst eines einzelnen Russen, dass er einen Befehl nicht ausführte – sonst hätte sich die Welt im atomaren Krieg befunden.

Es ging in diesem Kalten Krieg neben anderen Machtaspekten um gigantische Summen Geld u. persönliche Macht. Ich trenne bei den Gesellschaftsmodellen stets die Vordenker von denen, die es betrifft und die Mitläufer. Faschistische Vordenker haben etwas anzubieten. Die innerhalb eines politischen Gebildes – die Nation – lebenden Bürger, sollen ggü. Aussenstehenden Privilegien erfahren. Nationen stehen bei ihnen in einem sozial – darwinistischen Kampf, aus dem am Ende die mit der besten Bewertung als Sieger hervorgeht. Trifft das auf die eigene Nation nicht zu, muss irgendeiner unfair am Rad gedreht haben. Faschisten sind aus ihrer Sicht immer die „Besten“ u. behauptet einer etwas anderes, irrt er böswillig.

Ausserdem bieten sie einem erlesenen Kreis die absolute Machtvollkommenheit an, die mit erheblichen Verdienstmöglichkeiten einher geht. Mit anderen Worten: Denker, die den Faschismus favorisieren, wissen viel über die niederen Triebe ihrer Mitmenschen und was man damit alles anstellen kann. Sie wissen ebenfalls sehr gut, dass ein Aussenfeind eine innere Einigkeit produziert. Gleichfalls ist ihnen bekannt, dass das Individuum in einer Gruppe, den eigenen Status durch Herabsetzen eines anderen hebt. Dies passt nicht ausschliesslich auf einzelne Personen, sondern auch auf feste Gruppen, die zu einer Person mit eigenen Moralvorstellungen u. Direktiven mutieren, welche dann andere schwächere (z.B. intern inhomogene Gruppen) herabwürdigen.

Es ist davon auszugehen, dass bei allem was einem an Meuthen, Gauland, Weidel, Höcke u. Konsorten abstösst, dieses Wissen und die Bereitschaft zur Anwendung vorliegt. Sie können sich genüsslich zurücklehnen u. die von PR Strategen der CDU (u.a. Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, mit samt ihrer Institutionen u.a. der bezahlte Journalismus der WELT; sowie der gut finanzierten Stiftungen der FDP) inszenierten Kampagnen gegen das „Gespenst“ Kommunismus geniessen. Sie erzeugen kostenfrei den notwendigen Außenfeind u. bedienen die niederen Instinkte. Analytisch äußerst abwegig, da es den einen Kommunismus, genau so wenig, wie den einen Sozialismus gibt. Aber Propaganda ist Vereinfachung und für die breite Masse reicht es aus. Gegenüberstehend gibt es keine sich selbst einige linke Position. Die Gruppen und Strömungen gliedern sich auf. Damit ist die Diffamierung und Herabsetzen der Positionen recht einfach. CDU, CSU, FDP ziehen hier mit der AfD an einem Strang.

Die lächerlichen 5,005 % der Thüringer FDP sind ausreichend Hinweis dafür, dass es nicht um den Willen des Souverän ging, sondern um Macht. Damit kennt sich ein Höcke aus. Geschickt hat er sie alle an dem Punkt gegriffen. Die Aussage, eine politische Mitte anzubieten ist reines Geschwafel. Als neoliberaler Interessenverein, kann die FDP nicht in der Mitte der Gesellschaft stehen, was auch die 5 % ausdrücken. Die CDU hat zusammen mit der SPD Anteile an der Mitte, so auch teilweise die GRÜNEN in ihrer Ursprünglichkeit als ökologische Partei. Kapitalismus – Ja – aber mit Beschränkung durch ökologische Regulierungen. Die aktuelle LINKE verfolgt in der Hauptmasse keinen reinen Kommunismus nach populären Vorstellungen, sondern ist auf der Suche nach Verteilungsgerechten Gesellschaftsmodellen, die in Zeiten der digitalen Revolution u. Globalisierung die Fehlentwicklungen der vorhergehenden industriellen Revolution und Koloniallisierung, abwenden. Insofern gehört sie in weiten Teilen auch zur Mitte.

Aber ein Höcke weiss, dass die politischen Führungsfiguren neben einer Überzeugung, ein Machtbestreben haben. Für ein wenig Anpieken der Mächtigen u. sabotieren des latenten Nationalistischen u. Denken in Elitegruppeneinheiten ist die LINKE immer gut. Damit wird sie zur Gefahr der Ideologen um Merz, Lindner, Werteunion, Wirtschaftslobby. Temporär können er und die Neue Rechte ohne Bauchschmerzen diese Ideologen unterstützen. Sie übernehmen die teure Vorarbeit. Erst im zweiten Schritt kommt der entscheidende Schlag der faschistischen Ideologie. Sind die LINKEN als Hauptgegner beiseite geräumt, kann man sich dem Kapital als die eigentliche gewinnbringende Investition der Zukunft anbieten. Gleichgeschaltete Produzierende u. Konsumenten, die kritiklos ihre Freiheit aufgeben und sich mit der Befriedigung ihres Egos als bessere Nation, u. Vergabe einer käuflichen Identität, zufrieden geben. Angeführt von wenigen, die für das Grosskapital jeden Weg ebnen, wenn sie als Gegenleistung gesellschaftlich vollkommene Macht ausführen dürfen. Höcke nennt dies die Sehnsucht des Deutschen Volks nach einer starken Führung. Darauf basiert u.a. das Leugnen des Klimawandels, der den Konzernen freien Weg verspricht.

Mitte mag nett klingen, aber der dialektische Gegenpart zur faschistischen Ideologie sind die Gedankenmodelle, welche den produzierenden Menschen eine höhere Stellung u. Einfluss geben wollen, statt die Steuerung einer finanzkräftigen Elite zu überlassen, denen der Sinn nach Profit, ohne Berücksichtigung der Folgen steht. Die Mitte hat sich im Bestehenden eingefunden und lässt sich in Teilen schnell ins neue Rechte steuern.

Wenn die Vasallen des Großkapitals nicht schleunigst umdenken und sich an ihre Rolle in Weimar erinnern, werden sie erneut erleben, wie schnell sich Konzerne anderer Dienstleister bedienen.

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