PR Kampagnen können tödlich sein

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Philosophen diskutieren seit sehr langer Zeit darüber, wie im Kopf eines Menschen Abbilder der Welt entstehen, in der er lebt. Inwieweit ist er das Produkt dessen, was ihn umgibt, also das System innerhalb dessen er sich bewegt, und was ist wirklich pure Individualität. Ein schwieriges Thema, an das sich vieles anschliesst. Darin steckt z.B. auch die Frage, ob Lebewesen etwas besitzen, was sich allem entzieht, wie z.B. eine Seele, die prädisponiert.

Während letzteres diskutiert werden kann, ist der Einfluss des Systems unfraglich. Die Praxis des Denkens, welche Informationen verarbeitet werden, was für wahrscheinlich u. im Gegenzuge als unwahrscheinlich betrachtet wird, wie Einzelereignisse zu einer Geschichte verknüpft werden, die sich das Gehirn jeden Tag selbst erzählt, all das lernt der Mensch innerhalb eines ihn beeinflussenden System.

Könnte ich die Zeit anhalten und mir die Gedanken eines Menschen ansehen, sähe ich ein Ergebnis, welches sich aus der Biografie, den Erfahrungen, Wahrnehmungen und den vorhergehenden Handlungen zusammensetzt. All dies wird ständig miteinander verknüpft, ausgewertet und verarbeitet. Nicht alles ist ratio, sondern vieles ist Hormonen und uralten Programmabläufen geschuldet.

Unser System bedingt die Entstehung unterschiedlicher Herangehensweisen – Praxis – beim Denken, also der erwähnten Analyseprozesse. Es gibt grundsätzliche weit verbreitete, aber auch eher weniger anzutreffende. Teilweise ist dies Abhängig vom Wissensstand über die menschliche Wahrnehmung, die „Streiche“ welche uns das Gehirn spinnt, dem Wissen über die genannten uralten Programmabläufe innerhalb des Menschen.

Ich persönlich halte die Befriedigung der Grundbedürfnisse des Lebewesen Mensch für eine absolut bedingende Prämisse. Alles darüber hinaus sind Wünsche, Ideologische Betrachtungen. Wasser, ausreichende lebensnotwendige Nahrung, ein sicherer Schlafplatz, eine Schutz bietende Behausung, das Streben nach Unversehrtheit, die Anerkennung im Sinne eines von Anderen gesehen werden u. der damit verbundene Trieb sich in einer Gemeinschaft zu befinden, sowie das Bedürfnis über all das ein subjektives Gefühl der Einflussmöglichkeit und Kontrolle spüren zu können.

Taucht bei diesen Bedürfnissen ein Mangel auf, kommt es zu einer Disharmonie, die ausgeglichen werden will.

Ein Amokläufer ist irgendwie geformt worden. Seine Praxis hat ihn zu Schlüssen kommen lassen, die das Töten anderer Menschen notwendig erscheinen lassen. Vielleicht haben zusätzlich Kräfte eingewirkt, die die Fähigkeiten Verstand und Vernunft beeinträchtigten. Gleichsam stellt er, und gleiche Persönlichkeiten, eine Bedrohung für Andere dar. Wenn die Gesellschaft sie abwenden will, muss sie genau analysieren, welche Prozesse innerhalb des Systems diese Praxis bei einem hat entstehen lassen.

Wenn jemand beim Herannahen eines erfahrungsgemäss gefährlichen Tieres Angst bekommt, ist sie real und analysierbar. Wegrennen, Bekämpfen, Stehen bleiben! Im schlimmsten Fall besteht Hilflosigkeit u. aus eigenen Stücken kann gegen die Gefahr nichts unternommen werden.

Wenn mir ein selbsternannter, von mir als vertrauensvoll bewerteter, oder von einer durch mich als kompetent erachtete Person/Institution benannter Experte etwas von einer bedrohlichen unkontrollierbaren Flüchtlingsflut erzählt, wird es subtil. Ich selbst kann es mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen. Flut klingt nicht gut. Vor Fluten muss man sich seit Menschen existieren, in Acht nehmen. Eine unkontrollierte Flut ist besonders schlimm. Die Deiche und die Wehren, werden nicht standhalten und alles ist bedroht.

Mit Kurzbegriffen wie Stalinismus, Marxismus, wird nicht das Tatsächliche angesprochen, sondern gemeint ist: Jemanden ins Lager stecken, hinrichten lassen, Enteignung, Auflösung des vermeintlich existierenden Individuellen u. Freiheitsbeschränkung. Zumindest Marx würde sich wundern, was er alles gesagt u. gefordert haben soll. Wieder wird subtil agiert.

Im Prinzip bin ich ein Einsatzleiter für mein Leben und höre entsandten Kundschaftern zu, die mir die Lage beschreiben. Ein Kundschafter, der mir aus Unfähigkeit oder Böswilligkeit heraus falsche Informationen liefert, ist unbrauchbar und gefährlich, weil ich wegen ihm falsche Entscheidungen treffe.

Um über den Wert eines Kundschafters entscheiden zu können benötige ich Erfahrungen, Kriterien u. Berater. Ausserdem sollte ich mich hüten, mich auf einen Kundschafter zu verlassen.

Mich überkommt immer häufiger das Gefühl, dass ich es in den einfach zugänglichen Quellen selten mit guten zu tun habe. Spätestens wenn einer Superlative verwendet, sich leicht durchschaubarer Euphemismen bedient und die Ausführungen leicht erkennbare logische oder klassische Gedankenfehler aufweisen, werde ich skeptisch. Das Auftreten, das Schwelgen in rhetorischen Stilmitteln, die Gestik, liefern mir den Rest.

Wenn die Gesellschaft ernsthaft eine Abwehr der Bedrohung „Amokläufer“ aufbauen will, muss im System die Fähigkeit vermittelt werden, schlechte u. gute Kundschafter unterscheiden zu können. Frauen und Männern, die anderen etwas über eine vernünftige Denkpraxis vermitteln können müssen gefördert werden. Das System muss bezüglich der Führungspositionen und der Faktoren, die einen Aufstieg in solche ermöglichen, überprüft werden.

In früheren Zeiten war die Verbreitung von Theorien, Denkansätzen, Analysen, ungleich komplizierter, bis hin unmöglich. Einerseits konnte dies seitens Herrschender zur Kontrolle benutzt werden, andererseits hatte dies auch etwas regulierendes an sich. Vollkommen abstruse Sachen wurden meistens schnell isoliert. Heute kann jeder, der seine Stromrechnung bezahlt hat, etwas in die Welt setzen. Von Vorteil ist für die Beherrschten, dass es echte Geheimnisse nicht mehr gibt. Die aufgedeckten Skandale sprechen für sich. Geld beiseite zu schaffen, Korruption, Machtmissbrauch gab es schon immer. Erst wenn man davon nichts mehr hört, sollten die Alarmglocken schrillen. Keine grössere Nachrichtendienstoperation, keine „geheimen“ Absprachen, bleiben auf Dauer verborgen. Jeder kann sich Informationen über das Innere von Freimaurergesellschaften, alten Geheimbünden, oder vertrauliche Protokolle besorgen. Es liegt alles offen. „Sauereien“ werden heute nicht mehr versteckt, sondern umgedeutet, sprachlich verschleiert.

Aber es mangelt an der Zeit und die passenden Kenntnisse, dies alles selbst zu tun. Womit wieder die Kundschafter bzw. Scouts ins Spiel kommen.

Der Amokläufer von Hanau ist innerhalb des Systems entstanden. Den bisherigen Informationen nach sind im Laufe seines Lebens Persönlichkeitsstörungen u. Wahnvorstellungen entstanden, die dazu führten, dass er die kursierenden Kampagnen, in denen den Bürgern subtile Ängste eingeflösst werden sollen in seiner ihm eigenen Art verarbeitete. In ihnen wird ein Sozialdarwinismus propagiert, in dem ein Kampf ums Überleben gezeichnet wird. Muslime gegen Christen, Nordafrikaner gegen Deutsche, Deutsche Kultur gegen andersartige fremde Kulturen. Dann die Linken, welche dies nicht einsehen und eine Neuauflage des stalinistischen Russland inszenieren wollen. Russland, das alte Gespenst des kalten Krieges wird wieder als Instrument der Propaganda eingesetzt, um den Kauf, Verkauf und die Entwicklung neuer Waffen zu rechtfertigen und politisch den nahezu paranoiden Anti – Kommunismus zu schüren.

Er hätte mit seinen Voraussetzungen auch einen guten islamistischen Amokläufer abgegeben. Aber in seinem Falle war die Beschäftigung mit den dort kursierenden Kampagnen eher unwahrscheinlich. In seinem Umfeld war es wahrscheinlicher, dass er sich den dominanten Kampagnen widmete. Diese als ausschliesslich von der AfD ausgehend zu betrachten, greift meiner Meinung nach zu kurz.

CSU/CDU, FDP, ihnen zugewandte Medien, Think Tanks, PR Agenturen arbeiten ebenfalls mit der Angst und dem Apell ans Irrationale. Im Unterschied zur AfD machen sie es nicht mit dem Vorschlaghammer, der gleichzeitig eine radikale Lösung anbietet, sondern sie stoßen gezielt Gedankenprozesse an, deren Ergebnis wohl kalkuliert ist. Auch sie sprechen von einer bedrohlichen Flut und dem drohenden Verlust der Kontrolle. Wie wehrt man eine Flut ab? Wie bekommt man die Kontrolle? Mit Dämmen/Grenzen, Abwehrmassnahmen gegen ankommende Menschen,Überwachung dieser und im Inneren, Sammeln der wegen ihrer Herkunft potenziell Verdächtigen in Lagern.

Hinzu kommen Abschreckung und eine Umgehung des unliebsamen Völkerrechts. Wir Deutsche zahlen den EU Aussenstaaten Geld, damit die Ankommenden dort bleiben. Praktischerweise wird durch den Verkauf deutscher Waffen und Sicherungssysteme gleichzeitig ein wenig Konjunktur gemacht.

Um all dies zu begründen müssen im Unterbewusstsein die Ängste erzeugt werden. Auch dies wirkt auf Männer wie den Attentäter aus Hanau ein. Sie sind billigend in Kauf genommene Extremfälle, sozusagen bedauerliche Betriebsunfälle der PR Maschinerie. Die aber den Vorteil haben, dass sie für neue Kampagnen genutzt werden können.

Propaganda oder euphemistisch Public Relation, ist fest im System verankert und extrem gefährlich. In einem System, welches vermehrt psychisch Kranke erzeugt, gerät sie schnell ausser Kontrolle. Aktuell kommt es zu einer Massenhysterie, weil ein Virus kursiert, der eine Krankheit verursacht, die bei geschwächten Personen tödlich verlaufen kann. Davon gibt es einige und täglich sterben Menschen. Es ist keine Seuche, bei der die Erkrankten überwiegend sterben. Die in „entwickelten“ Ländern zahlreich vorhandenen Phobiker können einem Leid tun. Aber vielleicht schwappt auf diesem Wege die asiatische Mode des Maskentragens nach Europa über. Die tragen die Dinger meist nicht wegen einer Ansteckungsgefahr, sondern viele junge Frauen benutzen sie analog zum Make-up.

Bei dem Attentäter wird breit von einem rechten Terroristen gesprochen. Man folgt damit dem PR Muster, jeden Amokläufer der Allah Akbar ruft, als islamistischen Terroristen zu bezeichnen, und jeden randalierenden Heranwachsenden der sich mit der Einpassung ins System nicht anfreunden kann, als linken Terroristen zu bezeichnen.

Es gibt ihn den Terrorismus. Ausgehend von Leuten, die sich bewusst und vorsätzlich zusammenschliessen und eiskalt kalkulierend den Terror als taktisches Mittel einsetzen. Al Quaida wollte und will das Grauen, welches in einigen Ländern stattfindet, in die westlichen Gesellschaften bringen. Diese sollen sich dann vehement gegen die wahrhaft Gläubigen wenden und so ihr wahres Gesicht offenbaren. Die RAF hatte teilweise ähnliche Ansätze. Der repressive Staat, das Schweinessystem, sollte vorgeführt werden. In der Abschottung begannen sie sich im Kreis zu drehen. Das Netzwerk der NSU wollte die Initialzündung für den Kampf gegen die Volksschädlinge und Invasoren eröffnen. Terror ist ein strategisches Mittel, welches von Taktikern in der Geschichte zigfach eingesetzt wurde.

Ist einer, der mit einer Waffe aus dem Haus geht, mehrere Mitbürger erschiesst, dann seine Mutter hinrichtet und am Ende sich selbst tötet, ein kalkulierender Stratege? Oder war er eine gezielt rekrutierte Persönlichkeit, die von Hintermännern gezielt eingesetzt wurde? Letzteres werden Ermittlungen ergeben. Das Erste schliesse ich allein wegen des Tatverlaufs aus.

Alles und jeden sofort als Terroristen zu bezeichnen, erscheint mir unscharf und ist nicht zielführend bei der Abwehr. Die Polizisten, welche sich unter dem Namen Hannibal vereinten und Pläne schmiedeten, sind echte Terroristen. Die wussten genau, was sie vorhaben und warum. Beim NSU Netzwerk stellen sich ebenfalls wenige Fragen, wobei die Festgenommen und toten Täter meiner festen Überzeugung nach, vorgeschickte, rekrutierte Handlanger von Leuten im Hintergrund sind. Autonome, Hausbesetzer, Strassenkämpfer, sind für mich ein soziologisches Gesellschaftsproblem. Es fehlt bereits die ideologische Führung und die Einigung auf ein gemeinsames Ziel. Es mag linke Terrornetzwerke geben, zeigen tun sie sich aktuell nicht. Ich denke da z.B. an die gezielte Setzung von Spuren seitens der RAF, die eine klare Urheberschaft signalisierte und die Mitglieder konkrete Ziele verfolgten. Einige erkannten allerdings, dass sie mit der Annahme, einige Frauen und Männer würden am Hebel sitzen, falsch lagen und mit der Ermordung/Entführung dieser nichts ausrichteten, mussten sie sich anderes einfallen lassen.

Mit der unscharfen Benutzung des Begriffs Terror, wird anderes erreicht. Quasi umsonst wird benutzbare Angst geliefert, die sich kanalisieren lässt. Viele tappen bereits jetzt in die Falle. Mehr Überwachung, erweiterte Sicherheitsmaßnahmen und Ausweitung des Apparates mit dem Ziel der Bekämpfung des „rechten“ Randes wird gefordert. Das funktioniert so nicht. Diese Maßnahmen treffen immer alle Bürger. Wenn Gesetze erlassen werden, die tiefere Eingriffe in die Freiheit zu lassen, treffe ich jeden. Fordere ich verschärftes Vorgehen der Dienste, öffne ich Schubladen, die Law&Order u. staatliche Überwachung aller enthalten. Dessen sollte sich jeder bewusst sein.

Wer von Versagen des Rechtsstaats, Bürgerkrieg, Terror u.ä. spricht, beschreibt Lagen, wie sie in Deutschland bereits vorkamen. Begonnen mit den Barrikaden der Revolution, weitergehend mit dem Blutmai in Berlin, oder Schiessereien zwischen KPD und Nationalsozialisten. Ebenso haben wir staatlich inszenierten Terror erlebt. Da sind wir nicht, also sind die Begriffe unzulässig. Wenn es an dem wäre, würde das Grundgesetz hierfür den Einsatz der Bundeswehr und den bewaffneten Kampf des Bürgers gegen die Angreifer auf Artikel 1 u. 20 GG vorsehen.

Neben anderen Problemen, haben wir die Situation, dass einsame Menschen sich durch die alltägliche Propaganda immer tiefer in Gedankengebäude versteigen, die sie zu Mördern werden lassen, die ihre Tat als gerechtfertigt und notwendig sehen. Viele von ihnen sind auf der Suche nach einer Identität, die sie spätestens mit der Berichterstattung der Boulevardpresse bekommen. Es macht auch einen eklatanten Unterschied ob jemand ein einfacher Mörder ist oder das Attribut Terrorist bekommt. Terrorist klingt nach Revolte, Freiheitskampf, Widerstand. Schon deshalb sollte man mit der Bezeichnung vorsichtig sein. Das ist wie mit einem gewöhnlichen miesen Verbrecher und einem Gangster. Letzteres klingt cooler.

Ich habe einen gewissen Respekt vor Terroristen. Ob sie als solche bezeichnet werden oder am Ende Freiheitskämpfer waren, entscheidet die Zeit danach. Unsere Zeit ist hysterisch und es besteht kaum Spielraum für eine kritische Analyse, wer den Täter von Hanau nicht als rechten Terroristen bezeichnet, begibt sich gesellschaftlich auf glattes Parkett und schlittert schnell in eine Ecke. Anders herum bekommt man die gleichen Probleme, wenn man einen religiösen Fanatiker nicht als islamistischen oder wütenden Heranwachsenden nicht als linken Terroristen identifiziert.

Doch nur wenn ich den Ursprung einer Gefahr korrekt identifiziere, habe ich eine Chance dagegen vorzugehen. Ich bin diesbezüglich pessimistisch. Dafür haben viel zu viele Leute ein Interesse daran, die Geschehnisse für sich auszunutzen.