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Für mich selbst ist es an der Zeit, das in den letzten fünf Jahren Gesehene und Erlebte zu bewerten. Wohlstand geht immer mit Organisation, Regulierungen, Über- und Unterordnungsprozessen einher. Rein theoretisch wäre auch eine Selbstorganisation denkbar. Doch diese fordert den Mitgliedern einer Gesellschaft ein hohes Mass an sozialen, kooperativen, kommunikativen Fähigkeiten ab. In den meisten Gesellschaften wird dies aus unterschiedlichen Gründen nicht gefördert bzw. sogar bewusst abtrainiert. Der Mensch an sich kommt mit den passenden Anlagen zur Welt. Nach der Geburt erfolgt eine Sozialisation, d.h. Anpassung an das System, in das der Mensch hinein geboren wurde.

Wohlstand bringt unbenommen Vorteile mit sich. Sicherheit, medizinische Versorgung auf höchsten Niveau, soziale Absicherung, auch bei Fehlentscheidungen, vorgezeichnete absehbare Zukunftsperspektiven. Die Struktur, Organisation, Systematik, erleichtert die persönliche Entscheidungsnotwendigkeit bzw. minimiert sie. Entscheidungen gehen immer mit Angst und Einschränkungen daher. Insofern gibt es einem ein wohliges Gefühl, wenn man dieses von sich geben kann und im schlimmsten Fall den externen Entscheider für das entstandene Dilemma verantwortlich machen kann.

Der Preis für den Wohlstand und Sicherheit wird in Freiheitseinheiten bezahlt. Je mehr ich davon haben will, um so höher wird sie Summe der veräußerten Einheiten. Die Übertragung der Verantwortung, die Zuteilung an eine externe Instanz Regeln aufstellen zu dürfen, vergibt je nach Ausmaß Macht an die Verwaltungsorgane und deren Exekutive. Dies kann bei Übermaß diktatorische Züge annehmen.

Wohlstand ist nicht nur von Vorteil, sondern hat auch Nachteile, derer man sich bewusst sein sollte. Einmal genossen, möchte ihn die Mehrheit nicht mehr missen und ist bereit horrende Preise zu zahlen. Wohlstand vermittelt Illusionen. Es wird die Überwindbarkeit von Tod, Siechtum, Lebensrisiken, Kriminalität, Seuchen, angenommen. Treten sie wider Erwarten doch auf, wird die Lösung in einer noch tiefer gestaffelten Organisation und Regelung gesucht. Im Prinzip kommt dies einem Ameisenstaat gleich, in dem jeder seine Rolle für den Staat hat und so das Überleben, im Zweifel durch Opferung, gewährleistet. Der Mensch hat nicht umsonst eine Entwicklung von der umherziehenden Horde zur Staaten bildenden Spezies vollzogen.

Die Geschehnisse rund um die Corona Pandemie entsprechen den Reaktionen eines Insektenstaats. Schutz der Königin, Isolation, Abschottung vorübergehend verzichtbarer Areale, Aufrechterhaltung der Versorgung des Staats u. Gewährleistung der Verteidugungsfähigkeit gegen mutmaßliche Angreifer.

Auf der anderen Seite der Medaille befinden sich die Staaten oder bisweilen völkerrechtlich nicht anerkannte Menschenansammlungen ohne Recht auf ein eigenes Stadtgebietes. Der bereits jetzt bestehende Abstand zum Wohlstand in den organisierten sog. industrialisierten Staaten wächst beständig. Hierdurch werden sie immer mehr zu einem externen bedrohlichen Faktor, kurz: Feind! Feinde, die sich teilweise in Strukturen des 19. Jahrhunderts, den Religionen, neu aufstellen. Den Wohlstandsgesellschaften bleibt beim bestehende globalen System nichts anderes übrig, als sich gegen diese „Feinde“, in den sich am Horizont erscheinenden Krisen, Klima, Seuchen (die bei den bestehenden Verhältnissen nicht ausbleiben werden, siehe gerade mal so abgewehrter Outbreak von Ebola in einer Afrikanischen Metropole, immer mal wieder aufkommende Pest, mutierende Viren, multiresistente Keime pp.), massiv abzuschotten.

Auch die Wohlstandsstaaten, eifersüchtige Konkurrenten um die schwindenden Ressourcen bei gleichzeitig steigenden Energiehunger, werden immer feindlicher zueinander. Auch das hat Corona gezeigt: die nach 1945 bedingt existierende solidarische Weltgemeinschaft hat ausgedient. Krieg ist wieder eine Option. Auf Hochtouren wird an der Entwicklung von Techniken gearbeitet, die einen atomaren Gegenschlag des Gegners verhindern und so einen eigenen erfolgreichen Erstangriff möglich machen. Ausserdem bestehen Forschungen im Bereich Insect Allies, die einen biologisch – genetischen Angriff auf Nutzpflanzen möglich machen sollen. Was man damit alles anstellen kann, bleibt der Fantasie überlassen. Keiner will Krieg führen, aber alle bereiten sich darauf vor.

Die Kriegserklärung der Wohlstandsstaaten Europas gegen die ärmeren Staaten wurde längst unterschrieben und die ersten Schüsse sind gefallen. Der Rest ist Eigendynamik, die die Überlebenden dieser Epoche in Geschichtsüberlieferungen nachvollziehen können. Drohnen, „Kampfroboter“, Überwachungstechnik mit KI, modernste Hightech Grenzsicherungen sind längst schon auf dem Markt. Allgemein nennt sich dies Mobilmachung.

Soweit in Ansätzen meine Sicht auf die Dinge. Abwendbar? Durch persönlichen Einsatz veränderbar? Ich glaube nicht dran, zumal einiges schon Fahrt aufgenommen hat. Spätestens die Reaktionen auf Corona haben ein wenig Klarheit geschaffen. Ich persönlich gehe auch davon aus, dass der anstehende Seuchenausbruch und zu erwartende heftige Verlauf innerhalb der Flüchtlingsströme und Lager billigend in Kauf genommen wird. Gibt es eine einfachere, günstigere Methode? Man mag mir Zynismus unterstellen, aber ich weiss, dass ich beruhigt jede Wette eingehen kann. Die Szenarien wurden von den Diensten längst durchgespielt. Opferzahlen kalkulieren, Folgen zu analysieren und den Verkauf dieser zu arrangieren, ist deren täglich Brot. Aus dem Kalten Krieg kennt man die Arbeitsteilung bei den unterschiedlichen Aufgaben.

Bleibt nur, für sich selbst und nächste Personen das Beste herauszuholen. Aber wie das genau aussieht, ist nichts für einen BLOG. Doch das gerade Jüngere die Solidarität mit der Gesellschaft instinktiv kündigen, kann ich nachvollziehen. Aber viele von denen werden sich langfristig für die sich abschottende Wohlstandsgesellschaft entscheiden. Spätestens, wenn sie das Gegenteil am eigenen Leibe verspürt haben. In Freiheit zu leben kostet, kann ziemlich hart sein und erfordert einiges an Stärke. Das ist und muss nicht jedermanns Ding sein. Ich will dies gar nicht bewerten. Auch sich dagegen zu entscheiden, ist von der Freiheit gedeckt. Aber entscheiden muss man sich wohl oder übel … diese eine kann einem keiner abnehmen. Ich lass mich dann mal in den nächsten zwei Jahren selbst überraschen, ob alles ganz anders kommt. Es sind ja noch diverse unkalkulierbare Variablen im Topf.

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