Schwierige Zeiten

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Ein Virus infiziert die Welt und trifft auf Gesellschaften mit unterschiedlichen Kulturen. Aber sind diese Gesellschaften wirklich so unterschiedlich? Ein großer Teil hat eins gemeinsam. In den letzten zweihundert Jahren hat sich die europäische Vorstellung von wirtschaftlichen Handeln über weite Teile des Planeten ausgebreitet. Nur allzu oft, sehen gerade Europäer dies als eine absolute Selbstverständlichkeit an. Ähnlich wie das Leben in Städten, die Art der Produktion von Gütern, Besitzverhältnisse und vieles andere. Europäer bezieht sich auch auf die USA, die Südamerikanischen Staaten, Südostasien, Vorderasien, den afrikanischen Kontinent und Australien. Den Regionen wurde mittels Kolonisation oder Besiedlung das Denken, die Struktur und die Wirtschaft aufgezwungen. Will man die anderen ursprüngliche Denkweisen kennenlernen, muss man sich mit den Ureinwohnern und indigenen Völkern auseinandersetzen. Und immer, wenn man dies tut, kommt man als Europäer nicht sonderlich gut bei weg.

Bei uns in Deutschland wird darüber diskutiert oder besser debattiert, was denn die Pandemie bzw. die Gegenmaßnahmen mit der Wirtschaft, dem daran hängenden Wohlstand, mit der Lebensart, der individuellen Freiheit, macht. Eine durch und durch dekadente Angelegenheit. Worüber sollten die Leute diskutieren, wenn gar keine Intensivbetten in erreichbarer Nähe wären? Oder was ist mit den vielen Kriegs – und Krisengebieten dieser Erde? Was ist mit den Millionen Wanderarbeitern, sklavenähnlich arbeitenden Menschen in Asien, in den Minen der Mongolei, Afrika oder anderen Gebieten? Laut de.statista.com besitzen 0,9 % Menschen 43,9 % des weltweit vorhandenen Vermögens. 56,6 Prozent der Weltbevölkerung besaßen hingegen lediglich 1,8 Prozent des weltweiten Vermögens. Grob gesagt, ist die südliche Halbkugel mehr oder weniger von ein paar Ausnahmen abgesehen, gekniffen. Die Mehrheit meiner in Deutschland lebenden Zeitgenossen hat den Kontakt zu ihrer Lebensrealität im Verhältnis zur restlichen Welt verloren. Dabei ist es egal worüber sie diskutieren.

Erst vor wenigen Tagen titelte eine Zeitung mit der Aussage: 2020 wird das härteste Weihnachten der Nachkriegszeit. Gäbe es eine Zeitmaschine, würde ich mit dieser Ausgabe gern ins Jahr 1946 reisen und den Leuten im zerbombten Berlin einen kleinen Ausblick auf die Zukunft geben. Was geht im Kopf eines Journalisten vor, wenn er eine solche Schlagzeile formuliert?

Ich finde es bemerkenswert, wie sehr sich weltweit die Verschwörungstheorien unterscheiden. Eine Verschwörungstheorie ist nicht von vorn hinein Blödsinn oder dem Gehirn eines Menschen entsprungen, der vermutlich noch ganz andere gravierendere Probleme hat. Würde ich in einem südamerikanischen Staat leben, der auch noch über Rohstoffe verfügt, wäre ich bei vielen Vorgängen in meinem Staat hellwach. Die USA und die CIA haben mehrfach eindrucksvoll bewiesen, dass ihnen alles zuzutrauen ist. Überhaupt gibt es einige Regionen, in denen durchaus nachvollziehbare Verschwörungen eine Rolle spielen. Allerdings würden man mich in diesen Ländern auslachen, wenn ich ihnen mit den gängigen Verschwörungstheorien aus Deutschland, den USA oder anderen mit Europa assoziierten Staaten käme. Weltverschwörung, Bill Gates, Illuminaten, Bilderberger, QAnon etc. sind Kopfgeburten von Menschen, die in dekadenten Wohlstandsgesellschaften leben. Richtig skurril wird es, wenn in diesen Ländern von Bevölkerungskontrolle oder einer Neuen Weltordnung fabuliert wird. Neue Weltordnung, geplant und initiiert von den Superreichen 0,9 %? Finde den Fehler! Warum sollten die auch nur ansatzweise ein Interesse an einer Veränderung haben? Ich habe es anders aufgezogen. Ich habe einfach zusammen mit Indern und Asiaten über die europäischen Verwirrungen gelacht. Wenn man genug Abstand hat, ist das gar nicht so schwer. Es ist auch immer wieder lustig, wenn sich ein durchgeknallter „Backpacker“ dazu gesellt und Nachschub liefert.

Schwierige Zeiten? Ich finde sie deshalb schwierig, weil man gezwungen ist tatenlos dem schleichenden Untergang der zivilisierten Staaten zuzusehen. Letztens machte ich den Fehler mir ein Interview mit der Transformationsforscherin Maja Göpel durchgeführt vom Journalisten Jörg Thadeusz anzusehen. Die wirklich hervorragend aufgestellte und argumentierende Göpel traf auf das geballte Mittelmaß, ausgehend von einem Journalisten, der irgendwo Mitte der Achtziger stehen geblieben ist. Frau Göpel war auch entsprechend genervt. Immer mehr Wissenschaftler und Philosophen sagen zu den zentralen Themen, Epidemien, Klima, Zerstörung der Mitwelt, Künstliche Intelligenz, Entwicklung der Gesellschaften und eine gegenübergestellte, fast schon als bockigen Klerus einer Art Religion mit vorgegebenen Katechismus zu bezeichnenden politischen „Elite“, wirklich kluge Sachen. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass diese Elite gar nicht mehr anders kann, weil alle Änderungen die Gläubigen in ein heilloses Chaos stürzen würden.

In letzter Zeit gab es auch bei mir zu Hause die eine oder andere Diskussion über die Geschichten, welche gerade um uns herum statt finden. Augenscheinlich schieben gerade junge Leute einen erheblichen Frust. Oberflächlich betrachtet, können sich derzeit ein paar tausend Freaks alle Freiheiten herausnehmen, während andere, die sich Rechtsextremisten, der Unvernunft und der Bockigkeit des Establishments, entgegenstellen, Bekanntschaft mit Wasserwerfern und Schlagstock machen. Ich fühlte mich mit vertauschten Rollen in die Zeit der Achtziger versetzt. Einst saß ich vor meinem Vater und warf der Polizei eine Blindheit auf dem rechten Auge vor, kritisierte Polizeigewalt und konnte mit dem Vorgehen gegen die damals aktiven Republikaner, eine harmlosere Version der AfD nichts anfangen. Heute sitze ich jungen empörten Töchtern gegenüber.

Es kann nicht geleugnet werden, dass die Teilnehmer der Demonstrationen, organisiert von Leuten, welche sich selbst als Querdenker bezeichnen, gegen alle Auflagen verstießen. Schwer verständlich sind auch die Entscheidungen der Verwaltungsgerichte. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass Leute, die gegen Maßnahmen demonstrieren, keinerlei Veranlassung sehen, diese zu befolgen. Doch Gerichte urteilen nicht auf Basis des gesunden Menschenverstands. Die Richter müssen, selbst wenn sie es besser wissen, das angekündigte Hygienekonzept hinnehmen. Da ballt sich die Faust in der Hosentasche, aber so läuft das Spiel nun einmal und dies gilt für alle.

Halten die sich auf der Straße nicht an die Auflagen, kommt die Spielleitung in Gestalt der Polizei auf den Plan und erklärt die ehemals genehmigte und angemeldete Versammlung für aufgelöst. Ob nun links, rechts, Tierversuchsgegner, queer – Aktivisten*innen, Klima – Demonstranten, Kapitalismusgegner, in einem Punkt ähneln sich alle, Anweisungen der Polizei werden nicht hingenommen. „Und nun?“, sprach Zeus. Ich hol mal ein wenig aus. Je nach Größe der Veranstaltung befindet sich irgendwo in der großen Stadt mindestens ein Befehlsstab mit Beamten, die auf Bildschirme starren, Telefonate führen, den Funkverkehr der zahlreichen eingesetzten Kräfte auf der Straße verfolgen, die eingehenden Informationen verarbeiten, die Truppen koordinieren, Logistik organisieren, sich gegenseitig beraten und den Einsatz protokollieren. Mit jeder Veranstaltung wird die Kontrolle des Chaos ein wenig mehr perfektioniert. Aber den perfekten Einsatz wird es niemals geben. Wie auch immer! Die Polizeiführer sind bei all ihren Entscheidungen auf das fortlaufende und dynamische Lagebild angewiesen. Ein wesentlicher Faktor sind hierbei die Meldungen der Aufklärer. Die leiten Informationen über das Verhalten der Masse, die Zusammensetzung der anwesenden Gruppen, ihr Gewaltpotenzial, Taktiken von Störern, die aktuellen Gegebenheiten usw. weiter.

Die Polizei ist bei derartigen Veranstaltungen in erster Linie der Hirte, welcher Gefahren für die Herde abwendet und nicht die autoritäre Staatsmacht, welche mit Geldbussen, Festnahmen, eine Ordnungswidrigkeiten – oder Strafverfolgung einleitet. Eine Menschenmasse, meistens bestehend aus Kontrahenten, ist eine Gefahr für jeden einzelnen Teilnehmer, besonders dann, wenn alles außer Kontrolle gerät. Einige tausend Hausfrauen, unerfahrene harmlose Landbewohner, Rentner, Esoteriker, Kinder, religiös verklärte Persönlichkeiten, aufgewiegelte Bürger, durchsetzt mit Hooligans, ambitionierten Schlägern, gewalttätigen Rechtsextremisten und einigen politischen Brandstiftern von der AfD, NPD, Republikaner, können nicht einfach mal eben so von der Straße entfernt werden. Da bedarf es Augenmaß, sonst kommt es zur Katastrophe und entsprechenden politischen Nachbeben. Die von den Gegenkundgebungen sind ebenfalls nicht ohne. Engagierte junge Menschen, ergänzt durch die empörte Spitze der Mehrheit der deutschen Bürger, begleitet von gewaltbereiten politischen Aktivisten der Autonomen, linksextremistischen Szene und halbwegs entschlossenen Mitläufern, die auf ein Signal warten. Wenn die losgelassen werden, kommt es ebenfalls zur Katastrophe. Sperren, Polizeiketten, mobile Begleitung des Aufzugs – und des Abstroms, Festnahmen, auch der Einsatz von Wasserwerfern gegen die polizeierfahrenen Autonomen, sind nur ein Teil des Blumenstraußes polizeilicher Maßnahmen. Auf jeden Fall muss das Handeln auf jede Störertruppe individuell abgestellt werden. Hools agieren anders, als Zusammenschlüsse von Rechtsextremen und die unterscheiden sich wiederum ein wenig in der Taktik von Autonomen. Wenn am Ende eines solchen Tages wider Erwarten, die Mehrheit aller Beteiligten halbwegs gesund nach Hause kommt, ist der Einsatz ein Erfolg. Seit 1945 haben wir in der alten Republik und ab den 90gern auch andere Verläufe erleben müssen.

Der „normale“ Bürger sieht all dies nicht und ist meistens auch nicht wirklich daran interessiert. Die Folgen einer Forderung bis zum Ende zu analysieren, entspricht nicht dem Zeitgeist, weder beim Bürger, noch in der Politik. Vor allem ist verbal erst einmal alles zulässig, wenn es gegen die anderen geht. Wenn dann am Ende Kinder verletzt werden, harmlos wirkende Frauen mit Knochenbrüchen auf der Straße liegen, Rentner empört davon berichten, wie sie vom Strahl der Wasserwerfer erfasst wurden, dreht sich die Stimmung recht schnell. Im Prinzip haben wir das bei Stuttgart21 erlebt. Interessant ist dabei, dass einige der aktuellen Demonstranten eben genau auf jene Demonstration verweisen.

Ich frage in den Diskussionen stets, ob es das ist, was wir wollen? Nicht selten bekomme ich die Gegenantwort, dass es nicht um diese Szenarien geht, sondern schlicht um die Einhaltung der Vorgaben. Da beißt sich dann der Hund selbst in den Schwanz. Ich fühle mich dann an die schwäbischen Mütter am Görlitzer Park erinnert. „Sagen Sie bitte dem Dealer, dass er sich entfernen soll.“ Na, klar! Nach einer vorbereiteten Power Point Präsentation, zwei Tassen Tee und einer brillant vorbereiteten epischen Rede, wird der sich weinend und schuldbewusst trollen.

Anders herum wird bei diesen Demonstrationen ein Schuh draus. In Teilen hat die Gemeinschaft über lange Jahre hinweg eklatante Fehler gemacht. Da dürfen sich alle gemeinsam an die eigene Nase fassen. Den Naturwissenschaften wurde seitens Menschen, denen Einfluss auf die Gesellschaft zugebilligt wurde, vorsätzlich und bewusst das Wasser abgegraben. Schlicht weil es einigen nicht passte, dass die Aussagen formulierten, die der Religion widersprachen und deshalb Einbußen mit sich gebracht hätten. Wenn es um das große Geld ging, war den Herrschaften keine Sauerei und Manipulation zu Schade. Wie stellt man einmal verlorenes Vertrauen wieder her? Gar nicht! Versteckte Korruption, durch die Übernahme passender Posten, wurde fadenscheinig rhetorisch hoffähig gemacht. Weil man den Pöbel um den Bart gehen wollte, sprang man auf den Zug der Ausländerfeindlichkeit, der Bildung einer Assoziation zwischen Straftäter und Flüchtling, Islamfeindlichkeit, mit auf. Es wurde aus allen Ecken eine nicht haltbare 100 % Sicherheit versprochen. Das alles geschah mit den Mitteln, die schon von einer Figur aus der dunklen Vergangenheit zur Anwendung gebracht wurde. Einfache, leicht verdauliche Schlagworte und Phrasen, abgestimmt auf das einfachste Gemüt in der Zielgruppe. Viele haben sich daran beteiligt und tun es noch. Seien es Zeitungen, ehemals eine halbwegs vertrauenswürdige Säule der Demokratie, die sich zu getarnten Propagandablättern der CDU/CSU, FDP und den großen in der Wirtschaft entwickelten, private Sender, die sich zu bezahlten PR Agenturen einzelner Netzwerke machen lassen, offene PR Agenturen, die ohne Augenmaß auch noch den letzten Rechtsradikalen bei seiner Propagandaarbeit unterstützen.

Konsum, Wohlstand, Narzissmus, Selbstdarstellung, Gier und Macht prägen das Leben in unserem Land. Freiheit, Verantwortung, echte Anerkennung der Persönlichkeit, die tatsächliche Lebens – und Arbeitsleistung für die Gemeinschaft sind seit den Sechzigern, wie es von einigen klugen Gesellschaftskritikern voraus gesehen wurde, restlos ersetzt worden. Eine alte Volksweisheit besagt: Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken! Warum besorgen sich Leute einen Doktortitel? Ganz einfach! Es macht in bestimmten Kreisen etwas her, wenn man als Frau oder Herr Doktor angesprochen wird und es ist der Karriere förderlich. Warum treffen Minister Hals über Kopf Entscheidungen, obwohl ihre Staatssekretäre/innen davor warnen. Es ist das Gefühl der Macht, es tun zu können! Ich habe das oft genug in Befehlsstäben erlebt, wenn der Polizeiführer sich über alle Berater hinweg nach eigener Machtvollkommenheit entschied. ICH … der Entscheider! Ich behaupte nicht, dass der sich der einfache Bürger an diesen Unsitten orientiert. Aber es zeigt mir, wo wir stehen und was in unserer Gesellschaft für wichtig ersehen wird. Warum setzen wir im 21. Jahrhundert, nach der Überwindung des Feudalismus, politische Entscheider immer noch in Luxuskarossen, spendieren ihnen repräsentative Dinner, exklusive Opernbesuche und Luxus – Suiten? Warum halten wir die Auszahlung von pornorösen Manager Gehältern für vollkommen normal? Was gibt uns das Lebensgefühl einer I. und einer II. Klasse in Flugzeugen, Bahnen, Bussen? Ich lasse das mal offen.

Neuerdings kommt der Trend auf, sich mit Widerstandskämpfern und bis in den Tod hinein verfolgte Mitbürger jüdischen Glaubens gleich zu setzen. Ich beiße mal die Zähne zusammen und gestehe den Leuten zu, dass sie an das tatsächlich glauben, wovon sie da sprechen. Ich will es mal so beschreiben: Ich habe in meinem Leben schon einige Diskussionen, u.a. mit Lebensabschnittsbegleiterinnen geführt, die mir atemberaubende Vergleiche um die Ohren gehauen haben. Die Situationen hatten alle eins gemeinsam. Die da vor mir standen, befanden sich immer in einer luxeriösen gesicherten Position, die es ihnen erlaubte, sich der Realität zu entziehen und ihre sicheren Luftschlösser zu bauen. Doch wehe, wenn die Mauern eingerissen wurden. Was es bedeutet verfolgt zu werden, sich in die Lage eines Menschen zu versetzen, der so etwas erleben muss, sprengt deren Vorstellungskraft und empathische Fähigkeiten. In ihrer Gefühlswelt sehen sie sich existenziell bedroht, denn echte, rational als solche bewertbare, Bedrohungen der Freiheit, der Existenz, des nackten Leben, kennen sie nicht. Sie sind das berüchtigte Beispiel der verwöhnten Blondine mit einem abgebrochenen Fingernagel, der gefühlt alles Wichtige entgleitet. Spontan mag das für den einen oder anderen verwerflich klingen, aber wer hat denn zugelassen, dass diese Dekadenz entstanden ist? Das ist der Preis des Wohlstands: der langsame Verfall!

Die sind Zeiten in Deutschland sind schwierig, weil sie nicht schwierig sind. Der Wohlstand, die vielen falschen Versprechungen, die Assekuranz Gesellschaft, haben die Köpfe verkleistert. Auch wenn der Mensch nicht sonderlich gut darin ist, langfristige Prozesse zu verstehen und sich statt dessen auf das kurzfristige Geschehen konzentriert, könnten wir erkennen, wo es hingeht. Das ganze Gerede über wirtschaftliche Folgen, die Diffamierung der Mahner in Sachen Klima, Artensterben, globale Folgen, basiert auf der simplen Gier und der Arroganz des Großhirns, dass es in der Lage ist eine eigene Welt mit von ihm erdachten Regeln zu erschaffen. Ein Großhirn, welches jeder Mensch besitzt, aber nicht zwingend benutzt. Ganz im Gegenteil! Es wäre großartig, wenn sich Menschen wie Computer für eine gesteigerte Rechenleistung zusammen schließen lassen würden. Leider sinkt nachweislich der IQ des Einzelnen in der Masse. Nicht einmal die alte Marxistische Theorie, dass der Mensch mit steigenden Wohlstand, befreit von der alltäglichen Sorge nur mit knüppelharter Arbeit überleben zu können, beginnt seine grauen Zellen zu benutzen, scheint sich zu bestätigen. Bis vor wenigen Jahren war ich noch ein Fan des bedingungslosen Grundeinkommen, weil ich der Überlegung folgen konnte, dass dann die Kreativität und der Wille zur Gestaltung zum Zuge kommen. Aber wenn man ehrlich ist, scheint dabei eine Menge Grütze herauszukommen. Dies scheint erneut am alten Problem zu liegen: Wie mache ich jemanden klar was Kälte ist, wenn er nur die Wärme kennt? Hinzu kommt die jahrzehntelange Konditionierung. Freiheit ist, wenn ich mir kaufen kann, worauf ich gerade Lust habe. Wenn ich mich in ein Auto setzen kann und bei 200 km/h technischen Errungenschaften vertraue, deren Entwicklern ich bei der Klimadiskussion misstraue. Ein Auto ist eine Ansammlung von naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen. Anerkennung ist, wenn der Nachbar neidisch auf meinen Garten ist und mir zum polierten schwarzen SUV unter dem Car – Port gratuliert. Erfolg ist die Deckungssumme meiner Kreditkarte. Wichtig ist, dass ich meine menschlichen Unzulänglichkeiten mittels Optimierung überwinde. Die Techniken liefern mir hierzu Schwätzer, die mir entweder in einem gemieteten Saal eines Hotels Zeit und Geld stehlen wollen oder im Internet wertvolle Rechenkapazitäten verballern.

Aber dies sind alles die Erscheinungsformen, das Sichtbare, von dem was um uns herum los ist. Wie setzt man sich mit über Fünfzig darüber mit unter Dreißigjährigen auseinander? Demokratie? Die Notwendigkeit andere Meinungen, Weltbilder, auszuhalten. Da ist eine Partei, ihre Anhänger und eine Gruppe von verquert denkenden Zeitgenossen, die mit ihrem Verhalten alles einreißen, was andere mühsam aufgebaut haben oder zum Beispiel durch das Einhalten der Vorgaben versuchen abzuwenden. Ist es ihnen, den Jungen zu verübeln, wenn sie denen am liebsten eine auf das Maul geben würden? Was sagt man denen, wenn die AfD, NPD, Neue Rechte, ihren provokativen Müll absondern, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Ignorieren? Predigten wir nicht immer, dass dies gefährlich ist? Wie erklärt man ihnen Charaktere wie eine Weidel, von Storch, Gauland, Höcke, Byston, u.a.? Was sagt man ihnen über Menschen, die zu Gunsten von einem aktuellen Wirtschaftswachstum einen feuchten Kehricht auf ihre Zukunft geben? Vor allem, wenn man selbst keinerlei Antworten hat.

Bei aller erworbenen Gelassenheit und geforderter Zurückhaltung ist das nicht einfach. Über Fünfzig bedeutet auch, dass man ein wenig zurückschauen kann. Seit den Achtzigern ist der Kreis der Egoisten, der Verrohten, den gesellschaftlich Ausgegrenzten größer geworden. Auch ist der Abstand zwischen Vermögenden, Politik und der breiten Masse größer geworden. In der Gesellschaft haben sich Gräben gebildet, die noch vor dreißig Jahren kleine Mulden waren. Vielleicht bin ich längst kein Diskussionspartner mehr.

Zu einer Diskussion gehören immer noch zwei mit einem gemeinsamen Ziel, die die Bereitschaft haben, sich auf einen Weg einigen zu wollen oder wenigstens darüber reden wollen. Bei einer Debatte, wäre das Ziel, die Zuhörer auf die eigene Seite ziehen zu wollen. Ehrlich? Weder das Eine, noch das Andere ist der Fall. Bei den wichtigen Themen habe ich mich auf die Seite der Naturwissenschaftler geschlagen und da geht es um Fakten. Bei den menschlichen Themen rede ich nur noch mit Leuten, die in ihrem Leben mindestens eine Nacht auf einem nasskalten Fußboden übernachtet haben, Hunger kennen und der stinkenden Toilette die freie Natur vorzogen. Ich erinnere mich gut an einen Bekannten, der einen dreifachen Triathlon bewältigte und zu mir sagte: „Trölle, ihr habt alle keine Ahnung davon, was echte Müdigkeit ist!“ Zwischen uns beiden war der Erfahrungsabstand gar nicht so groß. Aber was soll ich mich mit einem oder einer über Flüchtlinge unterhalten, die den Weg vom erweiterten Döner Imbiss in Marzahn bis zur Buchte im Plattenbau für eine Challenge halten und davon auch noch das Recht ableiten, „Absaufen!“ schreien? Nein, meine Töchter sind anders unterwegs, aber bei denen renne ich bei solchen Themen in der Regel offene Türen ein. Dies ist dann weder Debatte noch Diskussion, jedenfalls nicht dabei.

Letztens sprachen wir über die Geschichten, die sie von Geflüchteten zu hören bekommen. Vielleicht muss ich anders ansetzen. Zuvor ging es darum, dass mir die Leute auf den Zünder gehen, welche ihre Forderungen nicht zu Ende denken. Die Forderung Demonstrationen aufzulösen mündet in Gewalt. Und jeder muss sich fragen, ob das gewollt ist. Ich hab damit kein Problem. Heute! Mit Achtzehn dachte ich darüber anders. Einige Tage später sprachen wir über die Geschichten, die wo anders statt finden. Bombenanschläge, Messer in den Bauch, Blutrache, prügelnde Väter, die nackte alltägliche Gewalt. Sich damit zu beschäftigen, ist ein aktiver Akt. Ich muss den Willen haben, mich mit der Welt jenseits meiner heilen Gefilde zu beschäftigen. Meiner Meinung nach eine Notwendigkeit. Andere sehen dies anders. Eine ehemalige Freundin sagte zu mir, ich solle doch anderen den Luxus lassen, dass sie ein schönes unbeschwertes Leben führen. Können sie gern tun. Aber dann sollen sie den Mund halten und nicht auf der Straße demonstrieren gehen, sondern ihr Leben im berühmt berüchtigten „Gelsenkirchner Barock“ genießen und die Klappe halten.

Dies könnte tatsächlich ein Faktor sein: Ich bin kein Gesprächspartner! Schlicht, weil mir die Bereitschaft fehlt. Wie war das damals? Ich um die Achtzehn, der Alte und meine Mutter um die 38 Jahre jung an Jahren. Zwei völlig andere Generationen als heute treffen aufeinander. Die mit ihren gegenwärtigen und ich mit den rudimentären Erinnerungen an die Grauzonen der Kindheit in den Siebzigern der alten Republik. Seit dieser Zeit hat sich alles geändert. Die Digitale Revolution, mit ihrer Schnelllebigkeit und dem Wertverlust prägt das Leben. Bilder befinden sich in einer Cloud und werden nicht mehr in ein Bilderalbum als Lebenserinnerung eingeklebt. Ich habe heute noch ein Bild meiner Großmutter. Es ist ein nachkoloriertes Bild vom Brocken. Musik? Musik ist heute wie ein Joghurt Becher. Haste gehört, die Titten der Sängerin bewundert, hat sich erledigt. Aber ich bin fair. Es ist nicht so, dass das die aktuelle Generation nicht erkannt hätte. Ich empfehle hierzu SPD https://youtu.be/PGEpUuloh44, mit dem Song “ Das Lied“ Mit einem gewissen Reststolz muss ich hinzufügen, dass sie von meiner alten Schule kommen. (Uwe es war nicht alles schlecht).

Aber gut, ein BLOG Beitrag, soll nicht dem puren Erbrechen dienen. Ich habe mir in der letzten Zeit viele Gedanken gemacht. Sie schimpfen uns Boomer und meinen es nicht nett. OK, das kann man aushalten. Jedenfalls wenn man es mit einer gewissen Selbstreflexion angeht. Das ist das Problem mit dem pauschalen Aburteilen. Die Boomer hatten Punks, New Romantics, Rocker, New Wave, die Junge Union, die Falken, die Alternativen, BWLer, Bullen, Makler, das volle Programm. Heute mit über Fünfzig gehen mir die auf den Zünder, welche sich in den Achtzigern die Birne mit XTC, LSD und anderen Substanzen weich gemacht haben. Oder die, welche ihre Neurosen seit 30 Jahren vor sich her tragen. Ich denke, diese Kandidaten hat jede Generation. Aber an die gerichtet, welche diesen BLOG hier mitlesen, dass wir beim Anpfiff des Endspiels auf dem Platz auflaufen, hatten wir alle nicht auf dem Schirm. Zahlen, Fakten, Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, Artensterben, die Dinge, welche wir sehen, wenn wir mal die Blase verlassen, versetzen einen in Alarmstimmung. Ich weiß: das will niemand wahr haben und alle wiegeln ab. Hach ja, gab es schon immer, und dann ging es doch weiter! Nein! Hört den Leuten unserer Geburtsjahrgänge, die sich mit diesen Dingen beschäftigt haben, zu. Das ist nicht mehr lustig und vor allem nicht mehr zu ignorieren. Ich bin in dieser Kette, als Bulle und Dipl. Verwaltungswirt, mit Sicherheit das schwächste Glied. Mir wurde die Freiheit gegeben, mich auf die Reise zu machen und mir den Kram unmittelbar vor Ort anzusehen. Mir verschlug es die Sprache. McFloyd! Wach werden!

Spiritualität war für mich bis vor wenigen Jahren ein Wort, bei dem ich spontan den Notausgang suchte um das Weite zu suchen. Da schwang für mich immer der Glaube an einen oder mehrere Götter, Astronomie, Homöopathie, Anthroposophie oder ähnliches Unverdauliches mit. Ich fange an zu begreifen, dass es um etwas anderes geht. Nämlich alles jenseits von Konto, Dispo, Führungsverantwortung, Altersvorsorge, Vermögenswirksame Leistungen, Ausbildung der Kinder und einiges andere. Wir sind alles geworden. Führungsoffiziere, Schulleiter, Abteilungsleiter, Hauptverantwortliche, CEO, Professoren, Personalabteilungsleiter … und? Wir schicken Kinder auf die besten Schulen, Internate, fördern ihre sportlichen Aktivitäten, sind offen für sexuelle Ausrichtungen, kämpfen für den Feminismus unserer Töchter, kümmern uns um Flüchtlinge, versuchen die Welt ein wenig besser zu machen. Aber am Ende müssen wir hinnehmen, was um uns herum passiert. Das ist zutiefst frustrierend.

Ich weiß nicht, wie ihr das seht. Aber die Ballerköppe unserer Generation fahren die Nummer gerade an die Wand. Jeder kämpft auf seine Art. Ich u.a. hier mit diesem BLOG. Typen, wie die von der FDP, CDU, AfD, können einen wahnsinnig machen. Die GRÜNEN? Lackierte Schwarze! Spießer mit einem Müsli zum Frühstück. Die SPD auf Bundesebene? Wie macht man aus dem Akronym SPD: „Ich will auch etwas von den Kuchen abhaben?“. Halt einem Arbeiterkind niemals Geldscheine vor die Nase, das geht immer schief. LINKE? Oh, ich bin gebildet, Papa und Mama haben finanziert, dass ich viele Fremdwörter kenne und ein Leben jenseits der Realität führen kann.

Stimmt, ich bin kein Gesprächspartner mehr, deshalb habe ich mich auf das Schreiben verlegt. Vor einigen Stunden habe ich zu meinen Alten gesagt: „Was soll ich hier noch? Diese verblödeten Trottel gehen mir auf den Zünder und ich möchte den Rest für mein Leben noch genießen.“ Ich gehe lieber auf die Insel und genieße die Sonnenstrahlen einer Südsee Insel. Dann kam die Einschränkung. Zur Unterstützung des Wahlkampfs meines persönlichen Wahlkampfkandidaten der SPD auf lokaler Ebene bin ich wieder da. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er gestaltet (neue Generation) und ich dafür sorge, dass nicht die Falschen durchkommen. Na gut, … den Weg kann man gehen. Ich glaube, so etwas nennt sich hoffnungslos verloren. Ist halt mein Plan. Für die fetten Jobs bei XX und an der Uni XX hat es halt nicht gereicht. (Swinker Smiley … für die, welche sich angesprochen fühlen).

Ich habe mit meinen Erfahrungen aus Under Cover Einsätzen, Entführungen, Erpressungen, Terror Anschlägen, heraus analysiert, wo wir stehen. Meiner Meinung nach: Houston wir haben ein Problem. Das ist meine Stärke und das was ich gelernt habe. Verschiedenen Fakultäten in einem Einsatz zuzuhören. Aufklärern, Technikern, Theoretikern, IT Spezialisten, Verhandlern, Verdeckten Ermittlern, Vertrauenspersonführern, Einsatzkräften vor Ort, sogenannten benachbarten Kräften, den Wissenschaftlern, dem BND, MAD, Bundeswehr, SEK, GSG9, KSK, ein Ohr zu schenken und daraus eine Entscheidung zu stricken. Mein Ergebnis: Langkawi!

Wo wollte ich hin mit diesem Beitrag? Keine Ahnung! Vielleicht einfach mal Luft machen.

Gewidmet: Flummi, Mistacker, dem roten Thomas, Boris, Gregor, Rainer (dem gerade die Sonne Floridas auf den Hintern scheint) , Uli Baer (der tatsächlich manchmal in New York hier mit liest), Anette, die vermutlich nicht begeistert ist, meiner Ex – Frau, die heimlich mit liest, Lydia in Bukarest, die vor Langeweile stirbt, Michaela, die sich fragt, was hat er denn jetzt wieder angestellt, Ela, die immer noch über die Achtziger Anspielung nachdenkt, meine Töchter, die sich über das Wort „Fremdschämen“ Gedanken machen, und meine Eltern, die in sich hinein Grinsen. Sollte ich jemanden vergessen haben … z.B. meine alten Mitstreiter Bodo, Jule, Whity, Sorry …. Gruss an alle.

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