Kollaps, Apokalypse, Untergang

Lesedauer 11 Minuten

Die Erde ist ein lebender Organismus. Sie kann Zerstörung nur bis zu einer gewissen Grenze tolerieren. Dann beginnt sie, sich selbst zu reinigen. Wenn das heißt, der Mensch muss verschwinden, dann wird das passieren.

John Fire Lame Deer, Häuptling der Mnikowoju-Lakota-Indianer

Ich habe mir zum Prozess der Zerstörung des Lebenssystems des Planeten Erde jede Menge Videos angesehen, Texte, Artikel und Bücher gelesen. Neben dem Blick aus der Ferne, habe ich die Auswirkungen an verschiedenen Orten selbst gesehen. Vor ca. 10 Jahren wusste ich von all diesen Dingen, aber rückblickend stelle ich fest, dass mir weder bezüglich des IST – Zustands alles klar und noch weniger das Ausmaß der weltweiten Untätigkeit bewusst war. Doch es ist nicht allein die Untätigkeit, die mich regelmäßig zornig macht, vielmehr sind es die Dinge, welche den wenigen Aktiven entgegengesetzt werden. Dahinter stehen Interessen, Motive und vor allem ein Vorsatz.

Mich macht es fassungslos, dass die weltweit größten Ölkonzerne bereits in den Siebzigern ziemlich genau wussten, wo die Reise hingeht und sie aus rein finanziellen Motiven heraus eine genau entgegengesetzte PR Kampagne starteten. Was geht einer oder einem im Kopf vor, wenn er alles weiß, aber sich dafür Geld geben lässt, alles an die Wand zu fahren? Was mache ich daraus, wenn ich erfahre, dass im Kalten Krieg, besonders unter der Federführung von Ronald Reagan und Magaret Thatcher, alle Satelliten Auswertungen bezüglich Klima Veränderungen sabotiert wurden? War es das Wert? War die Angst vor dem bösen Russen größer, als die Zukunft der kommenden drei Generationen. Beide leben nicht mehr. Es kann ihnen egal sein, sie haben ihr Ding gemacht.

Die Apokalypse spielte in den Religionen der Menschen schon immer eine Rolle

Gut, dies ist die Vergangenheit. Was heute passiert ist nicht besser. Nahezu jeder populäre Beitrag wird mit der Formel eingeleitet: Menschen glaubten schon immer an die Apokalypse und sie ist nie eingetreten. Meistens folgt noch der Verweis auf den Maya – Kalender, den einige verwirrte Esoteriker als Anlass für die Verkündung des nahenden Weltuntergangs nahmen. Das Ziel ist eindeutig. Jeder, der auf die stattfindenden Prozesse und den sicheren, eher noch tief gestapelten Folgen hinweist, soll in eine religiöse Ecke geschoben werden. Tief gestapelt? Alles was den Naturwissenschaftlern bekannt ist, bezieht sich auf Simulationen mit den ermittelten Parametern, sich katalytisch auswirkende Faktoren, die aus Ergänzungen innerhalb der komplexen Prozesse entstehen, können schwer berücksichtigt werden. Zum Beispiel können die kompletten Auswirkungen verursacht durch das Auftauen des Permafrost und die damit verbundene Freisetzung von Klimagasen kaum eingerechnet werden. Aber eins steht fest, es wird mit absoluter Sicherheit nicht zur Verbesserung führen, sondern es ist nur fraglich, wie viel schlimmer und vor allem schneller es dadurch wird.

Nein! Es geht nicht um Glauben, Religion, Apokalypse! Weltuntergang! Früher ging es den Religionsführern darum, den Menschen die Hybris abzugewöhnen und ihnen immer wieder die Demut vor dem Höheren, welches sie vernichten oder leben lassen kann, zu vermitteln. Eben jene Demut, die der Mensch links liegen ließ und sich anderen Ideologien zuwandte, die die Hybris favorisierten. Im 21. Jahrhundert stehen wir an einem völlig anderen Punkt. In großen Teilen der Welt haben die Gesellschaften das zentralistische Weltbild aufgegeben und sich den Naturwissenschaften zugewandt. Diese Naturwissenschaften haben Dinge möglich gemacht, deren Tragweite damals nicht gesehen wurde, aber heute mit der gleichen Methodik sichtbar wird. Der erste Teil gefiel uns, der zweite bedeutet Einbußen bei dem, was wir heute ohne jegliche Kritik als Lebensqualität erachten. Wer sich für verständliche aufbereitete Daten interessiert, findet sie auf der Seite Deutsches Klimaportal. Es gibt aber auch die ganz kurze Form. Der Philosoph Precht wurde gefragt, was er einem Leugner dieses Wandels entgegnen würde. Er meinte, dass er einfach die Bilder der Enkelkinder hoch halten würde. Die passenden Diskussionsbegriffe heißen prognostizierter Kollaps oder Sturz in den Abgrund. Die Welt wird nicht untergehen. Das Leben, wie wir es kennen und mit dem heutigen Verständnis als lebenswert erachten, wird ein von uns selbst herbei geführtes Ende finden. Ich verwende den Begriff Kollaps nicht in einer unmittelbaren Anlehnung an die in Frankreich entstandene Bewegung der Collapsologie. Obwohl ich vieles, was die dort für die Zukunft sehen, selbst als mögliche Folgen sehe.

Mit Panik sollen Verbote durchgesetzt werden

Wird denen, die radikale Veränderungen und besonders eine verbindliche globale Zusammenarbeit fordern, keine Pseudo – Religion unterstellt, kommt die Kritik einer vermeintlichen Panikmache. Mir hat kürzlich ein Bild gefallen, welches sich mit meiner Berufserfahrung deckt. Ein mehrstöckiges Mietshaus brennt und durch den Hausflur zieht dicker giftiger Rauch. Einer der eingesetzten Polizisten übernimmt den Job, sich von Tür zu Tür zu kämpfen, die Bewohner zu warnen und sie zum Verlassen des Hauses aufzufordern. Ist der Polizist ein Panikmacher? Oder noch ein anderes Beispiel. Es kommt immer mal wieder zu Chemieunfällen, bei denen geruchlose hochgiftige Gase austreten. In der Regel wird eine Bannmeile eingerichtet, an deren Grenzen Einsatzkräfte mit ABC Schutzanzügen und Dosimetern stehen. Panikmacher? In den Augen diverser Zeitgenossen auf jeden Fall. Es ist immer wieder erstaunlich, wie penetrant einige versuchen, die Absperrungen zu überwinden. Bei den Wohnhäusern ist es nicht anders. „Ich sehe keine Flammen, also bleibe ich!“

Ich selbst wurde schon einige Male gefragt, ob ich Angst hätte und deshalb meine Argumentation führen würde. Nein! Warum sollte ich Angst haben? Ich gehöre zu den Menschen, die sich aufgrund diverser Lebensereignisse über jeden neuen Tag als unerwarteten Zusatzbonus freuen. Bei einer realistischen Einschätzung einer möglichen Lebenserwartung, wird mich die volle Härte nicht mehr treffen und wenn doch, nur für einen überschaubaren Zeitraum. Mir geht es um Prinzipien. Erstens habe ich Kinder, für die ich mich bewusst entschlossen habe und nach meinem Lebensverständnis resultiert hieraus eine Verantwortung. Außerdem ersehe ich keinen Lebenssinn darin, mein Leben dem Schaden anderer Menschen, bekannte oder unbekannte, zu widmen. Ich halte diese Prinzipien für sehr archaisch. In meinem BLOG habe ich schon mehrfach meine Verwunderung über die Leute geäußert, welche sich als konservativ bezeichnen. Für eine wesentlich längere Zeit als das Zeitalter der Industrialisierung war es für Siedler und Nomaden selbstverständlich die Ressourcen des vorgefundenen Landes nicht überzustrapazieren. Dieses Verhalten war vermutlich u.a. der ziemlich schnell folgenden Bestrafung geschuldet. Alle Zivilisationen, die sich daran nicht hielten, gingen deshalb daran zu Grunde. Aber der Schaden blieb örtlich begrenzt und wurde uns in der Regel erst durch Archäologen bekannt.

Die alten Völker der Erde schlagen Alarm

Noch heute gibt es auf der Erde Völker, die sich als Bestandteil ihres Lebensraums verstehen. 2009, also auch schon wieder einige Jahre her, veröffentlichte die Zeitung GEO eine Reportage über die Natives der kolumbianischen Sierra Nevada. Die Mitglieder der Arhuaco, Wiwa und Kogui verstehen sich selbst als „Große Brüder“ und bezeichnen alle anderen Menschen, zu denen sie normalerweise jeglichen Kontakt vermeiden als „Kleine Brüder“. Irgendwann bemerkten sie, wie sich um sie herum alles veränderte. Ihnen fiel das Schmelzen der Gletscher auf, bisher nie dagewesene Wetterereignisse und der für sie sichtbare Wandel der Vegetation. In unzähligen Zusammenkünften prüften sie ihr eigenes Verhalten. Doch sie konnten keine Fehler finden, also musste etwas anderes nicht stimmen. Dann stellten sie fest, dass es an den kleinen Brüdern liegen müsste und sie entsandten eine Delegation. Ein Ereignis! Niemals zuvor hatten sie dies getan. In der Delegation befand sich einer ihrer Weisen mit dem Namen Mamo Shipulata. Seine Botschaft an die kleinen Brüder aus der vermeintlichen Zivilisation lautete:

„Kleine Brüder, hört genau. Wir werden lernen, was Mutter Lagune ist. Für uns ist Mutter Lagune das Herz, wie auch die Gipfel das Herz sind. Sie lassen uns atmen. Sie geben uns Nahrung. Was geschieht, wenn ein Mensch kein Herz hat? Er stirbt! Heute sehe ich Dinge, die ich niemals sah. Der Schnee ist geflohen. Der Regen kommt in Farben. Ihr sprecht oft darüber, wie man die Welt ums bewahrt. (Vor der Entsendung der Delegation hatten sie eine Art Außenstation eingerichtet um die „Kleinen Brüder“ zu verstehen). Aber ihr habt nichts davon verstanden. Ihr müsst lernen, was bewahren bedeutet. Ihr müsst Euer Leben ändern.“

Mamo Shipulata, Nativ aus der Sierra Nevada, Kolumbien

Eine Botschaft von einem Mann, dessen Volk nichts, aber wirklich gar nichts für die Situation kann. Welches Recht haben wir für unser Leben sein Leben zu zerstören? Ein anderer vom Nordamerikanischen Kontinent kämpft aktuell gegen die Fracking Konzerne in den USA. Der Häuptling der Dakota Chief Arvol Looking Horse (in 19. Generation Träger der Heiligen Weißen Pfeife) prägte die Worte: „Mutter Erde ist nicht die Lieferantin für Ressourcen, sondern die Quelle des Lebens!“ Es handelt sich bei den Konzernen, die mal wieder Reservate zerstören wollen, um die Konzerne, welche wenn es nach dem Willen der Deutschen Konservativen geht, Deutschland die für als notwendig erachtete Energie liefern sollen.

Alles halb so wild, dann erfinden wir halt etwas

Die Perversität derer, welche weiter machen wollen, wie bisher, kennt keine Grenzen. Es gibt Zeitgenossen, die die Entwicklung durchaus sehen, doch statt ihr entgegen zu wirken, setzen sie auf eine imaginäre technische Innovation, die ein Leben mit den veränderten und lebensfeindlichen Bedingungen ermöglichen. Dies kostet selbstverständlich Geld und setzt Knowhow voraus, welches in den Schwellenländern nicht vorhanden ist. Historisch sieht das für mich wie folgt aus: Mittels Kolonisation, künstlicher Grenzziehungen und massiver Eingriffe in die Gesellschaftsstrukturen , legten unsere Ahnen die Grundlagen für das Dilemma der Schwellenstaaten. Für die war das völlig in Ordnung, da sie von minderwertigen Rassen ausgingen. Eine einfache konsequente Fortsetzung der christlichen Kirche. Mit den erbeuteten Rohstoffen wurde nicht nur der Wohlstand begründet, sondern gleichzeitig der Zerstörungsprozess eingeleitet. Dagegen gedenken wir nichts zu unternehmen. Statt dessen richten wir uns auf die absehbaren Folgen ein, lassen aber die Schwellenländer außen vor. Wenn die sich das nicht gefallen lassen, machen wir die Grenzen dicht und lassen es konsequent zu einem Klimakrieg kommen, den zu führen meine Generation den Kindern überlässt. Was bin ich froh, genau in der Mitte, der goldenen Ära Europas geboren zu sein.

Ein nicht zu verachtender Umstand. Es geht vielen leicht über die Lippen, dass sie sich um ihre Kinder und deren Zukunft sorgen. Das klingt gut, selbstverständlich und stößt auf keinen Widerstand. Die Realität sieht meiner Meinung nach ein wenig aus. Diversen Eltern sind ihre Kinder vollkommen egal. Und inwiefern Frauen und Männer, die keine Kinder haben, zwingend an eine nächste Generation denken, weiß ich nicht. Ich will es niemanden absprechen, aber selbstverständlich davon auszugehen halte ich für gewagt. Zu diskutieren wäre auch, ob sich die, welche sich den Kindern verpflichtet fühlen, nur auf ihre eigenen beziehen oder ein globales Denken entwickeln. Bei den Anhängern der beschriebenen Anpassungstaktik ist es hundertprozentig nicht der Fall, denn die wollen ihre Kinder gegen die Kinder der anderen Länder in den Krieg schicken. Ich frage mich, ob sie sich der Parallelen zum Denken der alten Kolonialisten bewusst sind. Die industrialisierten Staaten mit Waffen gegen die vermeintlich „primitiven“. Ich gehöre nicht zu denen, die schnell die Rassismuskeule aus der Schatulle holen, aber an der Stelle ziehe ich sie hervor. Ein Teil des Lösungsprozesses wäre es, endlich dieses nationale Denken abzulegen und wenn überhaupt den Begriff Deutschland als die Bezeichnung für eine noch zu entwickelnde Idee zu verstehen. Ähnlich, wie die USA einst das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war und zum kulturellen „Melting Pot“ wurde. Die US Republikaner haben diese Karte verspielt und sie werden dafür teuer bezahlen. Skurril ist dabei, dass dieses in einem Land passierte, in dem die echten Amerikaner keine gesellschaftliche Rolle spielen.

Mit der richtigen Rhetorik lächelnd in den Abgrund

Klimaleugner und Skeptiker sind weltweit kein gravierendes Problem. Im Verhältnis zu denen, die verstanden haben wo wir stehen, sind sie eine Clownsarmee. Die wirkliche Gefahr geht von denen aus, die Bescheid wissen, aber nicht konsequent handeln.

Sie kämpfen mit allen Mitteln. Angeblich schützen sie die Umwelt. Also die Welt um den Menschen herum. Das suggeriert ein Wesen außerhalb des Ganzen, welches sich anmaßt, als Starker Schutz zu bieten. Schutzgelderpresser gehen in ein Lokal hinein und bieten Schutz vor sich selbst an. Zahlt das Opfer nicht, kommen sie vorbei und zerlegen alles. Umweltschutz scheint das Gleiche zu meinen. Denn vor wem wollen wir denn diese Umwelt schützen? Vor uns selbst und niemanden anders. Stellt sich nur die Frage, wie die anderen Lebewesen bezahlen sollen, damit wir aufhören alles zu zerstören. Der Ansatz ist völlig falsch. Was wir betreiben ist ein erweiterter Suizid ohne Botschaft. Denn wer sollte sie lesen? Klimaschutz! Wir, ein Teil der Menschheit, schützen das Klima. Interessant!

Laut Umweltbundesamt ist Klima der mittlere Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Gebiet über einen längeren Zeitraum. Als Zeitspanne empfiehlt die Weltorganisation für Meteorologie (WMO – World Meteorological Organization) mindestens 30 Jahre, aber auch Betrachtungen über längere Zeiträume wie Jahrhunderte und Jahrtausende sind bei der Erforschung des Klimas gebräuchlich. Das Klima wird durch statistische Eigenschaften der Atmosphäre charakterisiert, wie Mittelwerte, Häufigkeiten, Andauerverhalten und Extremwerte meteorologischer Größen.

Um diese Zeitspannen zu untersuchen schickt man Wissenschaftler ins ehemals „ewige“ Eis, die mittels Kernbohrungen das Gedächtnis der Erde befragen. Siehe da, Streifen für Streifen lässt sich beweisen, was wir alles veranstaltet haben und welche Auswirkungen dies hat. Bei einem Bericht darüber dachte ich: „Du armer Irrer!“. Sie ließen einen jungen Kanadier zu Wort kommen, der die Hinterlassenschaften von Bleioxid untersuchte. Begeistert beschrieb er, wie wirkungsvoll sich das Verbot Ende der Achtziger ausgewirkt hat. Wenn dies möglich gewesen ist, bestehe doch für CO2, andere Klimagase und Giftstoffe noch Hoffnung. Ich weiß nicht, mit welchen Drogen sie auf der Station versorgten, aber sie müssen gut gewesen sein. Das Klima kann nicht beschützt werden, es kann nur vermieden werden, in die Prozesse mittels Beigabe von Stoffen, den Treibhauseffekt über das lebensnotwendige Maß in alles Lebende bedrohende hinauf zu steigern. Ein Schutz wäre die Abwehr eines Kometen oder Maßnahmen gegen Sonnenstürme.

Sie versprechen eine Energiewende oder besser eine Decarbonisierung. Überall sollen alternative Energiegewinnungen erforscht und installiert werden. Die Sache hat mehrere Haken. Parallel entwickelt sich die Technisierung rasant weiter. Damit steigt in den Industriestaaten der tägliche Hunger nach Energie. Begeistert klatschen die Jünger der Wachstumsreligion in die Hände und freuen sich über die immer kürzer werdenden Abstände der Innovationsschübe und die schwindelerregende Geschwindigkeit mit der sich Rechenkapazitäten erhöhen. Doch wenn man schon jetzt nicht mit alternativen Energien, die teilweise den Nachteil haben, dass ihre Bestandteile zwar nicht unbedingt das Klima beeinflussen, dafür aber nachhaltig die anderen Lebensgrundlagen vergiften, den aktuellen Bedarf decken kann, wie will man dann der Innovation hinterher kommen? Eine Textaufgabe, die selbst für mich als Mathematik Vollidiot, verständlich ist. Eine Schnecke kriecht mit 0,003 km/h einem 170 km/h fahrenden ICE hinterher. Kann die Schnecke den Zug einholen, bevor er mit voller Geschwindigkeit in den Poller am Ende des 10 km entfernten Bahnhof kracht? Ich denke, auch ohne es zu berechnen: Nein! Mal ganz abgesehen davon, dass es vollkommen unerheblich ist, ob sie ihn einholt. Der entscheidende Punkt ist der Poller, der der ganzen Angelegenheit eine endliche Note gibt.

Doch meiner Beobachtung nach, denken Leute aus unseren Gefilden ohnehin völlig anders. Auf einer abgelegenen Insel in der Andamanensee traf ich an einem einsamen Strand eine deutsche Touristin mit ihrem Mann. Der Strand war nur mittels Kanu oder einem beschwerlichen Marsch durch den Dschungel zu erreichen. Er hatte vielleicht die Größe eines deutschen Vorstadt Einfamilienhausgarten. Begrenzt war er von hohen Felsen, die im hinteren Bereich eine Lücke ließen, in der der besagte Dschungelpfad mündete. Ebenfalls dort am Ende, hatte sich eine Art ca. 1,50 Meter hoher Damm aus Plastik Müll gebildet. Flaschen, Gläser, Verpackungen aller Art, Medikamentenstreifen, alte Schuhe, Tüten, eben alles womit die Meere vermüllt sind. Entstanden war der Wall durch die Flut, die dort alles ablagerte, so dass der vordere Teil nahezu sauber war. Wir kamen miteinander ins Gespräch. Sie erzählte mir, wie gern sie zu diesem Strand kommen würde. Im Gegensatz zu anderen wäre er sehr sauber, was wohl an der Abwesenheit von Einheimischen läge. Europäer achteten halt mehr auf die Umwelt. Ich will nicht behaupten, dass alle Insulaner Unschuldslämmer sind. Grundsätzlich sind sie nicht einmal die echten Einheimischen. Bis zum Ende der Achtziger waren es die Moken, welche dann vom Tourismus vertrieben wurden. Mit dem Tourismus hätte man sich Gedanken über den Müll machen müssen. Doch der Müll, welcher durch den Tourismus auf den Inseln entsteht, ist nicht der, welcher von der Flut gebracht wird. Der stammt von den Kreuzfahrtschiffen, Seglern, den zahlreichen Fähren, Ausflugsbooten und den Frachtschiffen in der Straße von Malacka. Die Aussage der Touristin, um die 50, tief gebräunt und der Ausrüstung ihres Mannes nach zu urteilen, nicht die Ärmste, verschlug mir die Sprache.

An dieser Stelle magst Du Dir die Frage stellen: Wie ist er denn da hingekommen?

Stimmt! Mit dem Flugzeug! Einem Schadstoff ausstoßenden Flugzeug. Mit einer Fluglänge, die meinen CO2 – Abdruck mit Sicherheit in die Höhe getrieben hat. Also den persönlichen, welcher noch zu dem addiert werden muss, den ich als Deutscher per Anteil an dem der Deutschen Industrie ohnehin habe. Warum? Weil ich ein Heuchler bin, der Wasser predigt und Wein trinkt? Ja, damit sind alle schnell dabei. Wäre es eine Entschuldigung, wenn ich feststelle, dass ich mit 40 das erste Mal überhaupt geflogen bin? Nun, der statt dessen zum Reisen benutzte Opel Omega Kombi oder mein Sprit schluckender T2 waren auch nicht viel besser. Wahrscheinlich rettet mich nicht einmal, dass ich bereits seit Jahren kein Auto mehr habe. Keine Ausflüchte! Ich sag, wie es ist. Ich bin es leid auf die Rolle geschoben zu werden. Was nutzt all das individuelle Verhalten eines Bürgers, wenn die Regierungen dieser Welt, zumeist Priester des Neoliberalismus und der Ideologie des Wachstums, keinerlei Einsicht zeigen. Ein nebenberuflich als Pilot arbeitender Bekannter fliegt für seine Pflichtmeilen leere Maschinen in der Gegend herum, schlicht weil die Dinger am Boden mehr Geld kosten, als in der Luft. Überall wo ich hinkomme stehen Kaffee Kapsel Maschinen. Wenn ich an der Bushaltestelle stehe, fährt ein SUV nach dem anderen an mir vorbei. Laufe ich durch die Innenstadt, ist die völlig nutzlos von tausenden Lampen erleuchtet. Die Aktionäre der deutschen Energieriesen verdienen sich an dieser scheinbaren Energiewende dumm und dusslig. Kauft sich eine oder einer ein neues Auto bekommt er vom Staat Geld hinzu, gehe ich in den nächsten Fahrradladen gibt mir niemand etwas. Leute fahren zum Skiurlaub und weil durch den Wandel kein Schnee mehr fällt werden für sie an sieben Tagen der Woche 24 Stunden lang Schneekanonen in Betrieb genommen. Ein paar Stunden von Berlin entfernt steht eine Kunstskihalle. Kleinkram! Mit Korruption, übelsten verbrecherischen Machenschaften, sorgen deutsche Ikonen des deutschen Fußballzirkus für eine Fussball – WM in einem Wüstenstaat. Wann folgt dort die erste Winterolympiade? Damit könnte ich unzählige Zeilen füllen. Ja, es gilt, dass man das eigene Unrecht nicht mit den Missetaten anderer rechtfertigen kann. Ich bin der Überzeugung, dass die paar Flüge meines Lebens etwa dem Effekt entsprechen, den ich mit dem Pinkeln in den Indischen Ozean auf der Insel Langkawi erziele. Mein mich in einer repräsentativen Demokratie vertretender Energieminister, verbraucht allein durch seine Leibesfülle bei einem Flug mindestens 1/3 CO2 mehr als ich. Da hat der noch nicht einmal den Mund aufgemacht und Wachstum gesagt.

Kommentar verfassen