Fayez, der Fallensteller

Lesedauer 3 Minuten

„Ein Künstler, der nicht provoziert, wird unsichtbar. Kunst, die keine starken Reaktionen auslöst, hat keinen Wert. “

Marilyn Manson, Musiker

Ein Provokateur wirft seine Angel aus und die Fische im Teich beißen an. Gemeint ist der syrische Youtuber Fayez Kanfash. Flüchtling, Syrer, vermeintlicher Islamist, dass ist in etwa, als wenn ich meine Angel mit einem fetten Wurm in ein Becken mit Hechten halte, die sich wegen einer Nahrungsknappheit beginnen selbst zu fressen.

Was hat er getan? Einmal hat er sich dabei filmen lassen, wie er einen anderen Typen, der sich mittels Maske und Perücke als französischer Staatspräsident verkleidet hat, an einer Leine hinter sich herzieht. Dabei ruft er „Gott ist groß“ (es gäbe noch 3 – 4 andere Übersetzungen), also Allahu Akbar. Der Ausruf, welcher bei Europäern die Nackenhaare hochstellt, weil sie ihn mit Anschlägen gleich setzen. Ein Erfolgsergebnis der religiös motivierten Terroristen. Übersehen wird dabei, dass dieser Ruf in der islamischen Welt etwas völlig Normales ist. Nun, dies wollten die Terroristen erreichen und sie haben es geschafft. Wann tat er es? Ausgerechnet nach Anschlägen in Frankreich und nachdem Macron die Offensive gegen den Islamismus angekündigt hat.

In einem anderen Video wird eine Geschichte erzählt. Anfangs sieht man in einem Wald einen arabisch aussehenden Vater mit seinem Kind. Irgendwie kommt ein anderer Typ aus dem Unterholz hinzu. Dann erscheint eine Gruppe Polizei, die wohl den Vater (alles ein wenig unübersichtlich und vor allem schlecht aufgenommen) festnehmen. Der andere Kerl legt sich auf den Boden und eröffnet einen Schusswechsel. Die Sache setzt sich im Unterholz fort, der Typ massakriert nach und nach die Polizisten und irgendwie ist dann Ende.

Selbstverständlich setzt hier bei vielen eine Schnappatmung ein und die Kommentare unter den Videos sind entsprechend. OK! Der Mann will offensichtlich provozieren und genau diese Schnappatmung erreichen. Ich mache ihm mal diese Freude nicht, sondern gehe einige Schritte beiseite und schau anders drauf.

In der westlichen Welt ist es üblich, dass in Filmen die Bösen entweder die Russen oder böse Islamisten sind und wie es sich gehört verlieren die am Ende auch immer. Das Setting ist bekannt. Ein wenig passt eine von mir erlebte Geschichte. Ich saß zusammen mit einem älteren Malaien vor dem Fernseher eines Guesthouses. Es lief der amerikanische Film „Black Hawk Down“, in dem die Schlacht um Mogadischu an den Tagen 3. – 4. Oktober 1993 dargestellt wird. Und wie nicht anders zu erwarten wird die Geschichte aus der US Perspektive erzählt. Der Mann neben mir sagte irgendwann: „Bullshit!“, woraufhin sich zwischen ihm und mir ein Gespräch ergab. An den Kampfhandlungen waren maßgeblich von Pakistan und Malaysia gestellte Blauhelme beteiligt. Nur kommen die in dem Film kaum vor. Doch mein Gesprächspartner war dabei. Über mehrere Stunden hatte er sich als Sniper von Haus zu Haus vorgekämpft um die US Soldaten aus ihrer Lage zu befreien.

Solche Geschichten kommen bei uns nicht vor. Frauen und Männer aus der islamischen Welt, die vom Terrorismus und Krieg deutlich mehr betroffen sind, denn es wir in den westlichen Ländern jemals sein werden. Noch anders formuliert: Wenn in irgendwelchen PC – Spielen Spezialeinheiten vorrücken und stereotyp aussehende Araber, neben völlig unschuldigen Zivilisten abknallen, regt dies niemanden auf. Doch was wäre mit einem Video – Spiel, in dem iranische Revolutionsgarden in Berlin KSK Soldaten der Bundeswehr im Häuserkampf besiegen? Ich weiß, es klingt verquer, aber warum sollten Millionen Gamer aus einem anderen Teil der Welt nicht auf ihre Kosten kommen?
Diese Spiele sind pervers und genau genommen sind die ganzen Action – oder Kriegsfilme nicht weniger übel. Nahezu alle, selbst die Klassiker „Platoon“ oder „Apokalypse Know“ erzählen die Geschichte nur aus einer Sicht. Ich habe bisher noch keinen Film gesehen, in dem die andere Seite eine Rolle spielte. Bezüglich des Vietnam Kriegs, wurde sie mir erst in Vietnam, Kambodscha und Laos bewusst.

Ich muss die Ansichten des Youtubers nicht teilen oder die von ihm gewählte Art und Weise für Gut befinden, aber ich kann nachvollziehen wohin die Richtung geht. Bei Macron wollte er einen Stachel setzen. Ihr macht Euch über Mohammed lustig und nehmt Euch das Recht heraus, diesbezüglich Karikaturen, Witze usw. zu machen. Dann greife ich doch mal Eure Ikonen an und schau mal was passiert. Bezüglich Polizei habe ich oben genug ausgeführt. Gut, mon Ami, bei mir persönlich läufst Du ins Leere. Bei mir zieht Deine Provokation nicht. Ich bin gegen alle Dogmatiker, Orthodoxe und Leute, die sich wegen der Beleidigung, Veralbern der Ikonen, Götter, wie ein Maikäfer aufpumpen, Hasstiraden in die Welt hinaus schreien oder am Ende aus Worten Taten folgen lassen.

Aber, man muss anerkennen, dass er es geschafft hat, vielen den Spiegel vor die Nase zu halten. Die Folgen sind klar. Er hat den Hass auf sich gezogen. Ein Schicksal was er mit diversen Provokateuren teilt. Vielleicht sogar noch ein wenig mehr, als einen Spiegel. Leute wie er, schaffen es immer wieder, diverse Zeitgenossen dahin zu bringen, ihr „echtes“ Innere zu zeigen. Was er produziert hat, gefällt mir nicht, aber letztlich ist es Kunst. Ich finde aus dem Ansatz hätte man mehr, vor allem ästhetischer und ein wenig subtiler, machen können. Doch letztlich hat es funktioniert. Immerhin hat es mich dazu angeregt, diese Zeilen zu schreiben.

Kommentar verfassen