Drogen … kein Ende des Wahnsinns in Sicht

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Ich schrieb schon einige Male Beiträge zum Thema. Nunmehr werden wieder neue Kampagnen seitens der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig initiiert und es wird nicht besser. Ich persönlich empfehle der Frau das Studium der Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung, die um das Hundertfache fundamentierter auf die Thematik eingeht, denn sie als Beauftragte. Drogenkonsum begleitet die Menschheit bekanntlich seit Anbeginn der Entwicklung. Haschisch, Kokain, Meskalin, Tabak, Alkohol, werden seit mehreren tausend Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen konsumiert. Dies unter Strafe zu stellen, fiel den ersten ein, weil ihnen die Nebenaspekte nicht gefielen:



“ Die politische Problematisierung psychotroper Substanzen begann in der Frühen Neuzeit: Anfang des 17. Jahrhunderts war es dem osmanischen Sultan Murad IV. unerträglich, dass die Tabak- und Kaffeehäuser nicht nur Orte des entsprechenden Konsums, sondern zugleich Zentren öffentlicher Diskussion und mithin Orte der Kritik und Opposition geworden waren. Daher ließ er 1633 alle Tabakhäuser niederreißen und belegte das Tabakrauchen mit der Todesstrafe. Bei der Fahndung bediente er sich moderner Methoden, etwa der verdeckten Ermittlung und des Scheinkaufs. Das Vermögen der Hingerichteten fiel an den Sultan …“

Bundeszentrale für politische Bildung, Vgl. J.G.H., Das beliebte und gelobte Kräutlein Toback, Leipzig 1975 [1719], S. 161.


Auch damals ging es nicht um die Gesundheit der Menschen, sondern um handfeste politische Interessen. Ebenso spielten die Politik und noch mehr die Wirtschaft im I. und II. Opium Krieg die entscheidenden Rollen. Insbesondere bei den alten Drogen, chemisch unbehandelt, ist eins nüchtern festzustellen: Es sind Pflanzen, die die Natur hervorgebracht hat. Wie jeden anderen Baum, Gräser, Mose, Pilze und Blumen. Demnach ist festzustellen, dass seitens Regierungen nicht mehr und nicht weniger passiert, als das sie in diesen Fällen Pflanzen verbieten.

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Ich schrieb von unterschiedlichen Zusammenhängen. Wenn es den Mächtigen gefällt, erlauben sie Drogen, entwickeln sie weiter oder verteilen sie freizügig. Im Dritten Reich war eine ganze Nation auf Droge. Zunächst wurden ab 1940 die Soldaten der Wehrmacht mit Metamphetamin Pervitin versorgt und die trugen es weiter an die Bevölkerung an der Heimatfront. Die US Army experimentierte umfangreich mit LSD und in Vietnam hielten sich die Soldaten mit Heroin über Wasser, welches sie dann in Berlin – West als „Berliner Tinte“ an die Pusher verkauften.

Wir alle sind in eine Struktur eingebunden. Eine Vielzahl kommt mit den Anforderungen, die es an die Menschen stellt, nicht klar. Deshalb nehmen sie entweder Drogen zur Leistungssteigerung und Selbstoptimierung, zur Bekämpfung von Krankheitssymptomen oder eben zur Verhinderung einer Erkrankung. Eine weitere Personengruppe leidet an Krankheiten, bei denen sich die Medizin wieder auf alte Behandlungsmethoden besinnt. Hinzu kommt der Drogenkonsum, welcher auf der Kultur basiert, die dieses System nach und nach formt.

Leistungssteigernde Drogen sind passend zum System legal oder wenigstens unter der Hand anerkannt. Beispielsweise kann Kokain in verschiedenen Gesellschaftsschichten genauso wenig entfernt werden, wie der tägliche Kaffee Konsum. Cannabis hingegen, mit seiner richtig angewandt, entspannenden Wirkung, ist illegal und wird bewusst und gezielt diskreditiert. Ein Schelm, wer da an die Wirtschaft und ein gewünschtes über das Verträgliche gesteigerte Pensum eines Beschäftigten denkt. Viele Arztpraxen in Deutschland sind Reparaturwerkstätten für humane Maschinenteile, die so lange auf Vordermann gebracht werden, bis sie auf dem Schrotthaufen landen. Wer ernsthaft einen verträglichen Konsum von Drogen im Sinn hat, muss sich einige Gedanken mehr machen. Doch die würden in äußerst unerwünschte Gefilde führen. Es kommt nicht von ungefähr, dass wirklich erfolgreiche Therapien selten ins alte berufliche Umfeld zurückführen. Therapeuten, die Patienten analog zu mechanischen Teilen in einer Maschine passend einstellen, müssen dies mit ihrem eigenen Gewissen ausmachen.

Doch wenn ich schon nichts an den bedingenden Voraussetzungen verändere, einen Teil der Bevölkerung völlig willkürlich zu kriminalisieren und damit außerdem unbescholtene Menschen und die Polizei aufeinanderzuhetzen, ist eine widerliche Perversion der Macht, die Opfer fordert. Cannabis Konsumenten werden vor Gericht gezerrt und mit Geldstrafen überzogen, während sich der Rechtsanwalt völlig legal auf der Toilette einen Korn zur Beruhigung des Tremors genehmigt. Geld, welches erst einmal verdient sein will und deutlich sinnvoller angelegt werden könnte. Es ist kein Geheimnis, dass Cannabis quer durch die Gesellschaft konsumiert wird.

Nur dumme Politiker verbieten Cannabis.

Andreas Müller, Jugendrichter
Andreas Müller, Jugendrichter

Doch mich auf Cannabis zu beschränken geht mir nicht weit genug. Jede Sucht ist zum Ersten eine Krankheit und zum Zweiten gibt es die sogenannte Sozialverträglichkeit oder die Hilflosigkeit. Wer eine Droge nimmt und damit leben kann, soll gefälligst als freier Mensch in Ruhe gelassen werden, gerät sie oder er ins Straucheln, besteht der Anspruch auf Hilfe, wie bei jedem anderen Kranken auch. Wir verbieten keinem Bodybuilder sich die Knochen kaputtzumachen. Niemand wird wegen Völlerei und Adipositas festgenommen. Keine oder keiner bekommt eine Haftstrafe, wenn der Drang besteht, sich wie auch immer selbst zu schädigen. Niemand wird für Tablettensucht vor einen Richter gestellt. Last but not least, bekommt keine/r eine Strafe, wenn sie/er sich im wahrsten Sinne kaputt arbeitet.

Ich lasse mir jedes Verbot zur Regelung der menschlichen Unvernunft gefallen, wenn die daraus entstehenden Schäden weit über das Individuum hinaus gehen und u.U. sogar ganze Nationen bzw. alle Lebewesen treffen, aber nicht, wenn es um die Selbstschädigung eines kognitiv präsenten Menschen geht. Was der mit seinem Leben veranstaltet ist seine persönliche Angelegenheit, auch wenn für mich das Verhalten unverständlich ist. Was da bei einigen Politikern durchschimmert, ist nicht Dummheit, sondern die Hybris, über das Schicksal anderer Menschen entscheiden zu dürfen. Mehr noch, dass Individuum in eine Position der Verpflichtung zu stellen, in der es alles zu tun und zu unterlassen hat, damit es für das Volk, die Nation und die Wirtschaft gesund bleibt. Ein äußerst schwieriges Verhältnis zur Macht, welches in Deutschland eine Vergangenheit hat.

Rein argumentativ hat die Bundesdrogenbeauftragte nicht viel zu bieten. Sie sagt, dass sie keine dritte Volksdroge neben Alkohol und Tabak braucht. Bemerkenswerterweise benutzt sie hierbei die ICH – Form. Außerdem lässt sie alle anderen legalen Volksdrogen, zum Beispiel die Psychopharmaka, Schmerz – und Schlaftabletten außen vor. Weiterhin wäre es die Aufgabe, gefährliche Substanzen zu verbieten. Nun, da dürfte sie mit der Erstellung eines Katalogs mehrere Jahrzehnte beschäftigt sein. Nicht mal, wenn sie sich auf die Rauschsubstanzen beschränkt, kann sie Erfolg haben, die Grenzen der menschlichen Kreativität sind bekanntlich sehr weit gesteckt.
Entscheidend ist, dass ein ganz anderes Ziel, ein unmöglich erreichbares, verfolgt wird. Sie und Gleichgesinnte wollen in die menschliche Natur mit Verboten eingreifen. Sie fügt noch hinzu, dass die Legalisierung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung gleich kommt. Dialektisch betrachtet ist demnach alles Verbotene gefährlich und alles Erlaubte, ungefährlich. Dabei ist aber das Verbotene eine menschlich erzeugte Teilmenge vom unübersehbaren Vorhandenen. Sie argumentiert mit der toxischen Rhetorik: Alles ist erlaubt, was nicht verboten ist.
Erlaubt sollte in erster Linie sein, was ein Mensch unter Berücksichtigung eines ethisch vertretbaren Rahmens verantwortlich vertreten kann. Es ist erlaubt einen 6 – jährigen eine Dampfwalze fahren zu lassen, trotzdem kommt keiner auf diese Idee. Was allerdings der Fall ist, dass sogenannte Steuervermeider zusammen mit gewieften Juristen stets neue Lücken suchen, die erst nach geraumer Zeit in die Verbotszone geschickt werden, immer der Rhetorik folgend: erlaubt ist, was nicht verboten ist.

Fakt ist, dass sie zusammen mit Vorgängern/innen und Politikern über Generationen hinweg, Leid, Horror, Tod und Verderben über zig Menschen inklusive ihrer Familien gebracht hat und werden. Dies alles mit einem Gebaren, welches sich am besten mit einem kleinen Trick deutlich machen lässt. Das Gesagte ist ein Teil der Kommunikation. Meistens völlig überschätzt. Spannend ist die Körpersprache. Die ist gut erkennbar, wenn man einfach mal den Ton wegschaltet und die/den Redner/in auf sich wirken lässt. Ich kann dies aus meiner beruflichen Erfahrung heraus empfehlen. Deshalb am Ende noch ein Video. Einfach mal auf lautlos stellen.

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