Reagenz Corona

Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff


Das Narrenschiff – Reinhard Mey

Was ist eine Politikerin oder Politiker in der repräsentativen Demokratie? Vertreten sie das deutsche Volk oder sind sie, wie jeder andere Deutsche, Vertreter/in des Volks. Oder vertreten sie die Interessen derer, die explizit die Ideen wählten, für die sie stehen? Eher nicht, denn dann würde sich die Frage stellen, wie es passieren kann, dass eine Kleinstpartei, wie die FDP in einer Regierung mitmacht. Ist nicht jede/r mit der deutschen Staatsbürgerschaft ein/e Volksvertreter/in, die/der mit Handlungen, Äußerungen, Lebensart, Deutschland vertritt? Werden nicht vielmehr für den Zeitraum von vier Jahren Frauen und Männer gewählt, denen Lenkung und Führung eines Staatsvolks anvertraut wird? Ich meine, niemand käme auf die Idee Kapitäne, wenn man sie wählen könnte, Besatzungsvertreter zu nennen. Als die aktuelle Regierung gewählt wurde, konnte niemand etwas von Covid-19 wissen bzw. machte die Wahlentscheidung davon abhängig, wie gut eine/r das Land durch eine Pandemie bringen kann.

Mit sehr viel Weitsicht und Interesse an dazu passenden Publikationen könnten Wähler berücksichtigen, dass Pandemien, Naturkatastrophen, unkontrollierte Digitalisierung, Blackouts, häufiger werden und Politiker der Zukunft hierfür Skills mitbringen sollten. Aber wer macht das schon? Fakt ist, dass es weniger um die Vertretung, denn um die Lenkung geht. Der Begriff Volk ist ohnehin schwer auf einen modernen Staat anwendbar. Die Völkerwanderung, innerhalb der sich Stämme über eine gemeinsame Sprache auf Zusammenschlüsse einigten, ist lange her. Da gab es noch Häuptlinge, die nach unterschiedlichen Kriterien, meistens im Kriegsfalle einen übergeordneten Anführer bestimmten.

Wenn schon einige von Germanen, Teutonen, Sachsen, Franken, Goten, sprechen, sollte berücksichtigt werden, dass sie zwar gern die Errungenschaften und Vermögenswerte des Römischen Imperiums haben wollten, ihnen aber das Talent für eine Verwaltung und Einigung fehlte. Historisch betrachtet befindet sich das deutsche Staatsgebiet auf dem Areal verschiedener Völker. Wenn ich es also mit temporär gewählten Führungskräften zu tun habe, die Entscheidungen in einer für sie ungewohnten Lage zu treffen haben, muss ich auf ihre Führungsfähigkeiten schauen. Meiner persönlichen Erfahrung nach, sind die geeignet, welche ihren mangelnden Sachverstand akzeptieren und vernünftig genug sind, die richtigen Fachleute auszuwählen und sie miteinander zu koordinieren. Hierzu bedarf es einer stabilen psychischen Gesundheit. Leute mit Persönlichkeitsstörungen wie Narzissmus, Komplexen, der Neigung Macht nicht als Werkzeug für die Koordinierung unterschiedlicher Kompetenzen zu verstehen, sondern zur Selbstverwirklichung zu missbrauchen, sind Fehl am Platz. Nichts ist schlimmer als beratungsresistente unflexible Führungskräfte, die sich nicht auf dynamische Prozesse einstellen können.

Der Kanzlerin hat vermutlich ausnahmsweise die berufliche Ausbildung und das Studium der Naturwissenschaften geholfen. Nicht, weil dies sonst abträglich gewesen wäre, sondern die Praxis des Denkens in der Pandemie förderlich ist. Ähnlich erging es Alt – Bundeskanzler Schmidt, erst noch als Hamburger Lokalpolitiker während der Sturmflut und später im sogenannten „Heißen Herbst“. Recht unverhohlen gab er zu, dass ihm jeweils seine Erfahrungen als Frontoffizier zuträglich waren. Sie weiß um den schwierigen Umgang mit Wissenschaftlern und wie kompliziert der Zusammenschluss mit praktischen Taktikern ist. Ihr und noch einer kleinen Anzahl an Mitstreitern steht eine Meute gegenüber, die von allem etwas wissen, aber mit Sicherheit nichts über Führung. Doch auch die müssen innerhalb eines Einsatzes, ich bedien mich mal an meiner alten Sprache bei der Polizei, als Teil des Geschehens angenommen werden. Womit ich wieder bei den Vertretern des Volks, oder besser ausgedrückt, den Vertretern des Staats, nämlich allen auf dem Staatsgebiet Deutschland lande. Vertreter mit sehr unterschiedlichen Rollen. Journalisten, Redakteure, Verlagsleiter, Polizisten, Richter, Künstler, Mitglieder der Feuerwehr, Pflegekräfte, Ärzte, Virologen, Manager, haben als Vertreter des Staats eine Funktion. Denn der Staat ist die Gesamtheit aller auf dem Boden eines völkerrechtlich anerkannten Staatsgebiets. Und wenn ich kein konsequenter Aussteiger bin, will ich zusammen mit allen anderen durch die Pandemie kommen.

Eine Führungskraft hat es in der Krise leichter, wenn eine für solche Anlässe passende Organisationsstruktur besteht und alle ein gemeinsames Interesse am Erfolg haben. Früher gab es mal einen Witz über NATO – und Warschauer Pakt Streitkräfte. In ihm haben sich die von der NATO in der unteren Etage verschanzt und die vom Warschauer Pakt sitzen eine darüber fest. Der Gruppenführer vom Warschauer Pakt entsendet einen Kundschafter. Nach einer Weile kommt der zurück und meldet sechs feindliche Soldaten. Kurze Zeit später schickt der NATO Gruppenführer einen los. Nach fünf Minuten gibt es einen lauten Knall und kurz danach meldet der Kundschafter: „Sechs feindliche Soldaten erspäht und mit einer Handgranate erfolgreich bekämpft!“ Mitdenken, an einem Strang ziehen und den Erfolg suchen versus stoischer Befehlsausführung. Früher ist relativ! Eine ganze Weile gab es in Deutschland einen Aufwärtstrend, während dessen sogenannte mündige Bürger, die Basis eines modernen Staatssystems heranwuchsen.

2021 erlebe ich andere Charaktere. Große Teile sind nicht mehr vom Wunsch geleitet, eigene Verantwortung zu übernehmen und Führung als eine Koordination zu verstehen, sondern sie erwarten, dass man ihnen sagt, was sie zu tun oder zu lassen haben. Das hat etwas Infantiles mit all den dazugehörigen Konsequenzen an sich. Deutschland befindet sich hinsichtlich der Pandemie in einer günstigen Lage. Es gibt Krankenhäuser, Ärzte in erreichbarer Nähe, Krankenversicherungen, Intensivmedizin, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Intensivbetten und die Mehrheit kann im Fall einer Quarantäne zu Hause versorgt werden. Alles Dinge, die mehrheitlich in anderen Staaten nicht existieren. Ich kann verstehen, wenn die meisten auf die schauen, welche ähnlich aufgestellt sind. Doch meiner Meinung nach sollte dabei nicht aus den Augen verloren werden, dass diese Staaten auf der Erde eine Ausnahme darstellen. Diesen Luxus verteidigen wir. Die aktuellen Maßnahmen dienen der Reduzierung, damit dieses bestehende Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Anders: Es soll dafür gesorgt werden, dass die schweren Fälle behandelt werden können. Parallel wird versucht, das Virus direkt zu bekämpfen und Therapien für die Heilung zu entwickeln.

Für mich hat die Pandemie bei einigen Zeitgenossen bemerkenswerte Persönlichkeitsanteile untermalt. Da gibt es die leise vor sich hin Leidenden. Der Preis, welcher für die Verteidigung gezahlt wird, ist an der einen oder anderen Stelle hoch. Vieles wird sich erst im Verlauf der nächsten Zeit zeigen. Zu den Personen gehören die, welche mit ihrer minimalen Rente nicht leben können und sich mittels Flaschensammeln gerade mal über Wasser hielten. Dann die Studenten/innen, die sich das Studium mit einem Zusatzjob in der Gastronomie finanzieren. Auswirkungen von finanziellen Krisen zeigen sich in der Regel erst mit einem zeitlichen Verzug, weil die Leute versuchen über einen gewissen Zeitraum den Schein aufrechtzuerhalten. Viele, die sich mit Jobs retteten, die von den Maßnahmen betroffen sind, werden in der Armut landen oder noch ärmer werden, denn sie ohnehin schon sind.

Diejenigen mit der besten Lobby werden Zuwendungen erhalten, die ohne werden die Verlierer sein. Zu Verlierern wurden bereits jetzt, die Leute, welche Teil der Spaß – und Unterhaltungsbranche sind. Betreiber von Clubs heulen auf und weisen darauf hin, dass sie Teil der Kultur sind. Eine große Gruppe mehr oder weniger talentierter Sängerinnen und Sänger sehen ihr Lebensmodell zusammenbrechen. Solange sie jung und gutaussehend sind, wollten sie dies und ein wenig „Lala“ vermarkten. Es brechen auch schwere Zeiten für eher mittelmäßige Komödianten an, die sich selbst über Jahre hinweg, als Satiriker, Entertainer oder Stand-up-Comedians sahen, vielleicht aber doch nicht mehr sind, als ambitionierte Witzemacher bei einer Fastnachtsveranstaltung. In der letzten Zeit haben sich diesbezüglich Spreu und Weizen getrennt. Schon immer konnten wenige mit solchen Aktivitäten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Eine Menge talentierter Musiker spielen nebenher zu einem Brötchen liefernden Beruf, wahrlich bissige, hochintelligente Satiriker, spielen in der Freizeit auf Kleinkunstbühnen oder in Kneipen. Mich würde es nicht verwundern, wenn manch einer hämisch den Abgang der Überbezahlten verfolgt. Die „Spaßgesellschaft“ und die auf Dilettantismus setzten, müssen Federn lassen. Ein wenig ist das mit der alten Baubranche zu vergleichen. Die ungelernten Hilfsarbeiter verdienen während der Konjunktur gutes Geld, oft mehr wie die Fachkräfte. Aber in der Krise sind sie die ersten, welche ohne Job dastehen.

Wirklich traurig finde ich die Schäden für kleine Läden, die sich mit Kreativität und Charme gegen die Großen wehrten und ihre Nischen fanden. Vermutlich werden nach der Pandemie endgültig die großen Ketten, Luxus – Anbieter und die mit dem kriminell erwirtschafteten Geld die Straßen prägen. Dies müsste nicht sein, wenn ihnen konsequent Grenzen gesetzt werden würden. Aber nach kurzer Zeit melden sich dann die Eiferer, welche den „freien“ Markt propagieren. Dieser Gedanke, der nach und nach jedes kleinere Gewerbe an die Wand gedrückt hat und etwas erschuf, was alles andere denn frei ist. Die wenigen Wochenmärkte und Markthallen, welche noch übrig blieben, wirken wie Erzählungen über eine Zeit, in der Händler, Produkt und Kunde, etwas mit Menschlichkeit zu tun hatten. Damit haben die Neoliberalen wenig am Hut. Sie stellen sich vor die Mikrofone und fordern Alternativen, Lösungen, Konzepte, damit die Wirtschaft aufrechterhalten bleibt, allein fehlen ihnen Vorschläge, die nicht in den Kollaps führen. Bockig beten sie ihre Litanei herunter. Alternativen suchen, andere Wege gehen! Ich glaube die würden für ihre Ersatzreligion Neoliberalismus selbst noch mit dem Sensenmann verhandeln wollen. Sie kapieren es einfach nicht. Klima, Natur, Viren, sind keine Verhandlungspartner, mit denen man gewinnbringende Verträge aushandeln kann. Früher waren dies für mich die Vertreter, welche sich in Einsatzbesprechungen benahmen, als wenn man einen Täter mal eben privat anrufen könne, um mit ihm einen Geschehensablauf für die kommende Woche festzulegen.

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Und es ist nicht nur der Neoliberalismus mit seiner Zerstörungskraft. Hinzu kommt die Regelungswut gepaart mit der Bereitschaft das Lebendige gegen etwas Aseptisches einzutauschen.In Asien habe ich die täglichen Nachtmärkte, die Walking – Streets und die Street – Kitchen genossen. In Deutschland unvorstellbare Einrichtungen. Dort in Südostasien werden sie die Pandemie überleben. Bei uns verstießen sie gegen ganze Bücher voller Regeln. Das Faszinierende ist dabei, wie die Teutonen das Erlebnis genießen, aber zu Hause das Gewerbeamt wegen eines Verstoßes ins Spiel bringen. Wirklich schlimm kann das mit den mangelnden Hygienevorschriften nicht sein, mir wäre aufgefallen, wenn die Leute in Bangkok wie die Fliegen an Lebensmittelvergiftungen sterben. Die Wut der kleinen Händler, geboren aus der Verzweiflung, kann ich absolut nachvollziehen. Besonders wenn sich Fußballmillionäre mit völligem Realitätsverlust zu Wort melden, in Hotels „Business Veranstaltungen“ genehmigt werden, Autohäuser öffnen oder andere seltsame Ausnahmen existieren. Nicht, weil es nicht verboten wurde, sondern was sollen all die Opfer, wenn es Deppen mit einem Kopfball zu viel oder Wichtigtuer/innen mit Krawatten und Business – Outfit konterkarieren.

Bereits mehrfach habe ich meine Meinung über die Mentalität der Deutschen, sich stets lebende oder institutionelle Leitfiguren zu suchen, denen sie im Zweifel die Schuld in die Schuhe schieben können, geäußert. Vater Staat, „Mutti“ Merkel, die Alt – Parteien, die Regierung, die Polizei stets wird die Eigenverantwortung abgegeben. Wie bereits erwähnt, haben die mit dem Begriff des mündigen Bürgers, der verständig und vernünftig entscheidet, nichts zu tun. Vom damaligen „Hitler war der Böse!“ bis zu, „die Politik hat versagt!“, das Muster ist immer identisch. Allen voran preschen dabei die Liberalen, die Konservativen und ihre Propagandaorgane, wie die WELT, BILD und diverse andere der bekannten großen Verlagsketten. Wenn ich einer Führung hinterherlaufe, muss ich selbst nicht viel denken, keine eigenen Initiativen einbringen und wenn es schiefläuft, habe ich jemanden oder eine Institution, der ich es in die Schuhe schieben kann. In den Überschriften ist dann von Staatsversagen, was genau genommen gar nicht verkehrt ist, wenn man sich wie angeführt an der Definition Staat, in der damit alle Bürger auf einem Staatsgebiet gemeint sind, orientierte. Dies ist aber nicht der Fall. Die meinen entweder ein Versagen der Regierung oder das vermeintliche Unvermögen von „Mutti“. Dabei versagt der Verstand und die Vernunft diverser Mitbürger, denen es eine kindliche Wonne bereitet, gegen quasi elterliche Regeln zu verstoßen, statt den tieferen Sinn zu erkennen. Und auch Journalisten oder ihre Redakteure sind für mich Mitbürger, die in der Pandemie mit allen anderen zusammen im Boot sitzen. Was viele von denen tun, ist nichts anderes als sinnfreies Stänkern gegen die Einsatzleitung, anstatt sich mal alle vorzuknöpfen. „Hossa, jetzt hab ich Held es dem Einsatzleiter mal richtig gegeben! Ja, Du Gehirn, aber leider ist jetzt auch die Geisel tot!“ Als ich Ausschnitte der Dokumentation über die BILD – Zeitung sah, bekam ich meine persönliche Bestätigung. Da rennen eine Menge kleine Mädchen und Jungs herum, die sich diebisch darüber freuen, dass sie der Frau Lehrerin einen Kaugummi auf den Stuhl gelegt haben. Jeder kennt sie aus der eigenen Schulzeit. Mit lauten „Hemmung!“ – Rufen stacheln sie andere an und wenn sich jemand gegen sie stellt, diffamieren sie diesen als „Streber!“ oder „Schleimer!“. Bei der BILD haben sie hierfür ihre Schlagzeilen.

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Folgerichtig halten die ganz harten Kandidaten das Virus an sich für den Bogeyman (aufgrund einiger Aktivisten mit mangelndem Wissen über die Herkunft des Begriffs „Schwarzer Mann“, weiche ich mal auf die englische Version aus). Einige, die den Anspruch haben, die unterschiedlichen Gruppen auf dem Staatsgebiet Deutschland führen zu können, sollten mal nachdenken, wie dieses infantile Denken entstanden ist. Oder wenn es nicht entstanden ist, sondern unter Umständen aus einer Zeit herrührt, in der eine politische Führung die DDR-Bürger an die Hand nahm und wesentliche Teile der Realität vorenthielt, überlegen, warum seit 1989 niemand Aufklärung leistete. Vielleicht ist es aber auch das Ergebnis jahrzehntelanger Vertuschung, Unaufrichtigkeit, Blendung, ausgehend von einem abgehobenen politischen Establishment. Wie heißt es so schön? „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Allerdings kommt im Fall Covid-19 noch mehr hinzu. Wenn die Fakten auf der Hand liegen, glaube ich selbst einem notorischen Lügner.

Fest steht, Deutschland ist das Land der Regeln, in dem die Bürger fortwährend das alltägliche Leben der Verwaltung und den staatlichen Institutionen übergeben. Für den durchschnittlichen Deutschen, von dieser Art treiben sich im Parlament Dutzende herum, ist alles erlaubt, was nicht irgendwie mittels einer Regel oder Gesetz verboten wurde. Dabei gibt es vieles, was man lieber nicht tun sollte, weil es nach verständiger und vernünftiger Betrachtung, entweder schädlich oder gar das Leben gefährdend ist. Bei uns muss sogar verboten werden, dünnes Eis zu betreten und selbst wenn dann doch jemand dämlich genug ist, erfolgt eine Rettung durch andere, die wiederum ihr eigenes Leben riskieren.

Wie auch immer, es rumort, erst war es leise und langsam wird es lauter. Vielleicht sollte man einfach alle Maßnahmen einstellen und dem Unheil seinen Lauf lassen. Einer alten Volksweise nach lernt das Kind die Gefahr einer warmen Herdplatte am ehesten durch Anfassen kennen. In der deutschen Politik wurde jahrzehntelang das Kunststück vollbracht, die breite Masse mittels Zugeständnisse gerade mal so am Rand ernsthafter zum Widerstand ermunternder Unzufriedenheit zu halten. Wenn in Deutschland die medizinische Versorgung ins Schlingern kommt, die Beerdigungsinstitute die Kühlhäuser voll haben und die Leichen anders unterbringen müssen, wird es spannend. Mal sehen, wie sich dann damit die „Schreiber“ bei der WELT, BILD, NZ, BZ und dem restlichen propagandistischen Organen der angeblich Freiheitsliebenden auseinandersetzen. Bei diversen Themen denke ich mittlerweile: „Was soll das Theater? Den Leuten wurde ein Angebot gemacht. Wenn sie es ausschlagen – bitte!“ Man mag meinen, dass die Lektion bestehend aus Weimar und dem Dritten Reich heilsam gewesen wäre. Wenn es der Politik nicht weiterhin gelingt, die Masse zu sedieren, knallt es und was daraus hervorgeht ist ungewiss. Doch vielleicht müssen sie es immer wieder und wieder durchlaufen, bis eines Tages was Gutes bei herauskommt.

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Eine ganz andere Gruppe, läuft bei mir unter der Bezeichnung „Mops“. Rein biologisch ist der Mops ein Hund. In seiner Erscheinung ist er eine arme Kreatur, die von perversen dekadenten Menschen zu ihrer Unterhaltung gezüchtet wurde, die nicht in der Lage ist, eigenständig das Leben eines Hundes zu führen. Jede Menge Zeitgenossen wären in einem Lebensumfeld jenseits des sie umgebenden Wohlstands, des Übermaßes und der allumfassenden Versorgung, vollkommen lebensunfähig. Manch einer oder einem ist dies bewusst, aber sie finden daran nichts Schlechtes. Dem Mops geht es auf der Couch mit regelmäßigen Futter und einem Menschen, der die Augen reinigt und ab und zu die Schnauze säubert, ähnlich. Würden diese Menschen auf einer Insel stranden, verhungerten und verdursteten sie nach einer Diskussion über die korrekte Anrede, ob die Frauen, die Männer oder die mit dem unspezifischen Geschlecht das Feuer machen sollen. Selbst eine herannahende Unwetterfront würde sie dabei nicht aus dem Konzept bringen. Handeln und Probleme nach Priorität abzuarbeiten ist nicht deren Stärke. Auch diese Gruppe ist mit Schuldzuweisungen schnell dabei und ihre vermeintliche Toleranz, ist mehr eine Tarnung. Werden sie kritisiert, mutieren sie vom Mops spontan zur Hyäne, wenigstens verbal.

Eine Führung ohne geeignetes Personal hat es schwer. Das Personal beschränkt sich für mich nicht auf die Mitglieder in der Regierung, sondern auf alle Mitbürger, immerhin sind alle Betroffene. Wenn es das Stereotyp des Deutschen Bürgertum gibt, dann ist dabei ein typisches historisch immer wieder auftretendes Krisenverhalten zu beobachten. Nimm ihnen etwas vom Wohlstand weg, auferlege ihnen Beschränkungen und sie werden nach einer starken autoritären Führung schreien, die ihnen das Blaue vom Himmel verspricht, ihnen das selbstständige Denken erspart und die lästige Eigenverantwortung von den Schultern nimmt. Diesbezüglich denke ich auch immer an die Polizei. Wer von einem Spiegelbild der Gesellschaft spricht, hat nicht verstanden, dass sie ein Bestandteil der Gesellschaft ist. Sie ist, wie sie ist, weil es eine deutsche Polizei ist. In anderen Ländern sieht sie anders aus. Nicht besser und auch nicht schlechter – eben anders. Wie überall in Deutschland wird dort die Hierarchie gepflegt. Die Oben haben gesagt, ich gehorche, Ende! Selbst wenn der Beamte remonstriert, geht das Programm ab, eben mit deutlichem Hinweis auf den Anordnenden. Und selten genug hat dabei jemand den Überblick über alles. Im Zweifel hat man den Rücken frei und kann alles auf den „besser“ bezahlten weiter oben schieben. Zum Beispiel ist in Malaysia immer der oder seltener, die Jüngste, am Misserfolg schuld. Ältere haben bei denen schlicht einen anderen Stellenwert.

Ich finde, alle sollten sich stets vor Augen halten, dass in Deutschland nahezu jedes von „oben“ her ergangene Verbot und Beschränkung eine Reaktion auf Dämlichkeit, Unvernunft und Abgabe der Verantwortung ist. Nach all den Jahren der Verantwortungsabgabe haben die Menschen schlicht verlernt, wie es geht. In manchen asiatischen Staaten, Indien, Afrika, haben die Verbote inklusive knallharter Umsetzung, einen anderen Charakter. Dort wägen die Menschen ab. Bei einer Ansteckung stehen die Chancen auf ein Überleben bei mindestens 50 %. Halten sie sich an die Maßnahmen, sinkt die Prozentzahl erheblich. Auf die gesamte Bevölkerung betrachtet sieht es anders aus, aber wer achtet darauf, wenn es um das eigene nackte Überleben und der nahen Familienangehörigen geht. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt.

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