TROELLE

Texte & Cartoons, für offene Menschen und Reisende est. 1999

Jill: „Auf was wartet er da draußen? Was tut er?“
Cheyenne: „Er schnitzt ein Stück Holz. Und ich denke, wenn er aufhört zu schnitzen, wird etwas passieren!“

Schlussszene aus Spiel mir das Lied vom Tod.

Kürzlich zuckte mir ein Gedanke wie ein Blitz durch den Kopf. Blitze sind Entladungen von Spannungen, die sich über längere Zeit aufbauen. Ähnlich war es bei diesem Gedanken. Lächelnd zündete ich mir danach eine Zigarette an und trank ein Bier dazu. Ich habe gelernt, dass irgendwann der Punkt gekommen ist, an dem man zu seinen Überzeugungen stehen muss. Nach allem was ich gesehen, gelesen und erlebt habe, gehe ich persönlich davon aus, dass ich dem Ende einer Zeit zusehe. In den vergangenen 50 Jahren habe ich einen Gletscher schmelzen sehen, Meere und Strände noch sauber kennengelernt, an denen heute schwarze Fladen angeschwemmt werden und wenn die Strömung ungünstig steht, sieht es aus, wie die Müllkippe, auf der ich mich als Junge herumtrieb. Mir sind Frauen und Männer begegnet, die mir gegenüber zugegeben haben, was sie im Auftrag von Firmen veranstaltet haben und darüber beinahe den Verstand verloren. Ich habe Agenten, korrupte Politiker, arrogante Drecksäcke, von jeglichen Skrupeln befreite Geschäftsleute, halt den Menschentyp, der hauptamtlich für die Wirtschaft verantwortlich ist, observiert. Betrüger, Schwätzer, Blender, Hochstapler, notorische Lügner, Narzissten, über all die Jahre habe ich gelernt, sie instinktiv zu erkennen. Den einem oder anderen gab ich privat sogar eine Chance.

Letztlich endete es immer wie mit dem Dialog zwischen Frosch und Skorpion. Der Skorpion sitzt am Ufer eines Sees und bittet einen Frosch ihn auf seinem Rücken auf die andere Seite zu bringen. Der Frosch entgegnet, dass dies von ihm ziemlich blöd wäre, weil er ihn erstechen wird. Ziemlich plausibel erklärt ihm der wiederum die mangelnde Logik, weil er ja dann ebenfalls ertrinkt. Auf der Mitte des Sees ersticht der Skorpion den Frosch. Sterbend fragt der Frosch: „Warum?“ Die Antwort: „Ich bin ein Skorpion und es ist meine Natur, ich komme nicht dagegen an.“ Mit Menschen ist es nicht anders. Sie sind und bleiben, was sie sind: Menschen! Du kannst bei Menschen mit Sicherheit auf eins vertrauen, sie werden im Zweifel machen, was sie können oder Du zulässt.

Kapitalismus, Kommunismus, Neoliberalismus, Links, Rechts, Oben, Unten, Punk, Anarchismus, es ist alles sowas von egal. Teile der Menschheit können es einfach nicht und ein unseliges Ur – Programm führt dazu, dass die alle anderen mit ins Verderben reißen. Mir tut es nur leid um die Unschuldigen, die versteckt, jenseits der perversen Seitenarme der menschlichen Entwicklung mit ins Verderben gerissen werden. Sie sind die echten Verlierer, jedenfalls unter den Humanoiden. Keine Schrittfehler gemacht, mit der Natur im Einklang gelebt, sich den Gesetzen des Lebens gebeugt und dennoch in den Allerwertesten gekniffen. Von all den anderen Lebewesen, die wir ins Verderben gerissen haben, mal ganz abgesehen. Ich hatte zweimal im Leben die Gelegenheit, völlig unschuldige Menschen am Beginn des Lebens im Arm zu halten. Kopf in der Hand und der Hintern ruhte am Ende meines Unterarms. Es ist ein merkwürdiges Gefühl in dieser Stunde Null in das Gesicht eines Neugeborenen zu blicken. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mir damals überlegte, ob es eine gute Idee ist, in dieser meiner Interpretation dieser Welt, für zwei weitere menschliche Leben verantwortlich zu sein. Ganz sicher bin ich mir heute noch nicht. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich ihnen Ratschläge erteilen will, die längst jegliche Bedeutung verloren haben. „Mach eine Ausbildung, such Dir einen Beruf, eine Nische, mach was aus Deinem Leben!“, höre ich mich sagen. Ich glaube, ich sage dies alles nur, weil man es mir so beigebracht hat. Was sollte ich als Vater sagen? „Bring Deinen Arsch rechtzeitig in Sicherheit! Wenn Du in meinem Alter bist, sieht es alles ein wenig anders aus!“ Alles, was ich mal mit Anfang 20 lernte, ist auf gut Deutsch gesagt: „Asche!“.

Überzeugungen! Ich höre die Worte der Kritiker! Es kann alles ganz anders kommen, die Hoffnung stirbt zum Schluss, keiner kann in die Zukunft schauen! Leute, die Zukunft hat längst begonnen. Die Zukunft ist heute Mitte 30. Sie halten sich an Begriffen auf, statt zu schauen, was damit völlig unsinnig in einen Schraubstock zusammengepresst wird. Die Lage ist recht einfach umrissen. Es wird wärmer und die Gletscher schmelzen. Ich habe nicht davon gehört; ich habe es gesehen! Die Lebewesen um uns herum sterben. Ich bin kein Meeresbiologe, aber ich kann schwimmen und meinen Kopf etwas über eine Minute unter Wasser halten. Der Name „White Death“ ist für Korallen ist recht zutreffend, auch wenn einige beim Sterben schwarz werden. Ich habe verendete Meeresschildkröten gesehen. Eine schwamm neben mir mit einer Plastiktüte über dem Kopf. Ich habe von Bohrtürmen zerstörte Landschaften gesehen. In der Dämmerung haben hunderte Türme etwas von einem dystopischen Cover bei Pink Floyd. Nein, ich habe nicht davon gehört, ich habe es mir angesehen. Jeden Tag zerstören wir ein wenig mehr unseren Planeten. Was können wir dagegen tun? Na ja, ist wie mit dem Rauchen! Einfach aufhören! Wenn der Wille da ist, funktioniert es. Ich bin es auch leid, eloquente Worte für etwas zu finden, was nicht mehr freundlich zu beschreiben ist. Einen Dreck auf die alt-humanistische Ausbildung, die zertifizierte Sprachintelligenz: „Wir sind am Arsch!“

Ein Blitz? Erstens haben die meisten den Knall verpasst! Mir hat man beigebracht, nicht zu überheblich zu sein. Arroganz ist ganz schrecklich. Wie kannst Du behaupten es besser zu wissen? Ich weiß, dass ich nichts weiß! Wenn ich da, wo ich aufwuchs, das Gelernte darbot, hieß es: „Quatsch nicht so schlau!“ Die ich kennenlernte, welche sich zu „Menschenführern“ berufen fühlten, fuhren eine andere Strategie. Auf den Punkt gebracht, beginne ich jeden Tag beim Lesen der Nachrichten, der Kommentare bei Twitter, Schauen von Interviews oder Talkshows zu lachen. Was für lächerliche Figuren! Wenn man schon nicht in der Lage ist als vergeistigter Mensch mit seinen Händen etwas anzufangen, sollte man wenigstens sein Gehirn für logische Hochleistungen benutzen. All das wäre nicht weiter dramatisch, wenn wir uns nicht in einer besonderen Situation befänden. Selbst die klügsten Köpfe in meinen Freundeskreis sind an der Dekadenz gescheitert und machen einfach nur mit. Ich gebe zu, auf die hatte ich ein wenig gesetzt. Ich kenne das! Wenn sie Dir Geld auf den Tisch packen, musst Du eine Entscheidung treffen. Mich fragte ausgerechnet ein Psychologe. Meine Gegenfrage verblüffte ihn und ich bin ein wenig stolz drauf. „Was muss ich dafür tun?“ Es wäre ein Verrat an dem gewesen, wofür ich stehe. Ich werde niemals diese gesellschaftliche Hierarchie unterstützen, in der die Charakterschwächen, welche ich im Grunde meines Herzens ablehne, den Weg nach oben schaffen. Oh, und ich weiß genau, wem ich gerade alles vor den Kopf gestoßen habe. Euer Gewissen, Eure Kinder, nicht mein Problem!

Ein Blitz? Yeap! Jeder, der nicht erkennt, dass wir erstens eine klare Ansage für die Frage: „Wie weit darf der Mensch gehen?“ und zweitens sich nicht die Frage stellt: „Gibt es noch eine Chance, die Katastrophe abzuwenden?“, ist für mich eine nicht ernstzunehmenden Lachnummer. Jeder innovative Vorschlag sollte erlaubt sein. Alte Lösungen für neue Probleme eher nicht. Ich schreibe derzeit am Webbook „Why Not!“. Ganz bewusst taste ich mich mit einem Kapitel zum nächsten vor und ich werde immer ehrlicher. Das ist Plan und kein Zufall. Ich besinne mich langsam darauf, dass ich Euch über 20 Jahre aus der Deckung heraus beobachtet habe. Ihr habt mich nicht gesehen, aber ich war da. Ich hab Euch beobachtet, wenn Ihr mit mieser Laune kurz vor dem Länderspiel mit dem Hund herausgegangen seid. Ich habe Eure Dates beobachtet. Jeden Spruch am Tresen gehört. Ich saß in der Lobby vom Hotel, wenn Ihr Euch mit einem Investor aus Saudi – Arabien getroffen habt. Ich war der Typ am Tresen vom Edelpuff, während Ihr zugekokst mit den Nutten im Pool geschäkert habt. Ich war der Kellner, der Euch den Cocktail hingestellt hat. Ich war das Geräusch, wenn Ihr die zweite Sicherheitsrunde um den Block gedreht habt. Ich war der arrogante Geschäftsmann vom BER, während Ihr den Champagner am Tresen gezahlt habt. Briefumschläge, teure Whiskys, Uhren, Drogen, Spaß, ich kenne die Fassade und das Dahinter! Alles vergessen … aber das Spiel ist vorbei. Ihr könnt Euch Euren freien Markt und die helfende Hand, da wo es immer dunkel ist, hinpacken. Meine sündhaft teuren braunen rahmengenähte Schuhe stehen im Wintergarten, die Anzüge sind definitiv aus der Mode und alles wo Cartier drauf steht, ist weg.

Ein Blitz! Ja! Aus dem Spiel ist längst ernst geworden. Wir reden nicht mehr darüber, ob einer auspackt. Wir sprechen darüber, ob unsere Kinder so etwas wie eine Zukunft bekommen. Was haben meine ehemaligen Mitstreiter gemacht? Ihre Kinder auf Eliteschulen geschickt, damit sie überleben. Na gut, manch einer ist auch schlicht verroht. Die sind verloren. Ich kenne keinen aus meinem alten Genre, der sich nicht sagt, rette wer sich kann und ich mache meine Kinder fit, dass sie sich selbst retten können. Da muss ich den Jungs von der KSK mal Abbitte leisten. Ich habs Euch schon damals gesagt: „Kauft Euch eine Scholle und versteckt Euch!“ Wir verdeckten haben einen anderen Plan, der etwas mit Gehirnschmalz zu tun hat. Auch so ein Punkt. Ihr werft Männer in eiskaltes Wasser, die Tauchen im Dunkeln mehrere Kilometer, die booten aus Torpedorohren aus (nicht angenehm, habs hinter mir) und erwartet, dass die danach einen Jasmin – Tee trinken? Oder GSG9, die haben die Vorgaben der Sprücheklopfer aus der Rot – Grünen – Regierung umgesetzt, bevor überhaupt die Rede von einem Einsatz in Afghanistan war. Ihr kleinen Arschgeigen fabuliert über den Weltfrieden, und gleichzeitig findet um Euch die Hölle statt. Was kotzen mich diese Wichser an, die mit einem steifen rechten Arm, gekleidet mit einer Tatonka – Jacke dusseliges Zeug labern, während arme Schweine in Afghanistan im Kugelhagel stehen.

Ein Blitz! Zwei Deutschland! Im Buch „Im Westen nichts Neues“, kehrt ein Frontsoldat nach Hause zurück und hört die Sprüche der Bürger im Biergarten. Ziemlich lange her und dennoch aktuell. Ich warte auf ein Buch eines jungen Mannes, der diesen ganzen Scheiß mitgemacht hat. An dem Punkt frage ich mich immer, ob ich so etwas wie eine Verantwortung habe. Kann ich schreiben? Hab ich das Zeug dazu? Mein letzter Chef (ein vollkommen durchgeknallter Typ, Sorry Helmuth), meinte in einem Wiener Café zu mir: „Trölle ziehst Du blank?“ Ich bin erfahren genug, um zu wissen, dass sich die alle einen suchen, der blank zieht, damit sie es nicht tun müssen. Immerhin war er auf einem Schweizer Eliteinternat. Da muss jetzt nicht das Spandauer Kant – Gymnasium, wenn es auch eine gewisse Tradition hat, vorpreschen.

Ehrlich? Heute las ich bei einer Twitter – Trulla, wer mit über 30 Jahren noch gegen den Kapitalismus ist, ist lächerlich. Baby, komm mal auf Armlänge! Ich bin nicht gut, aber mit Sicherheit auch nicht der Schlechteste. Meine Botschaften mögen dem einen oder anderen nicht gefallen, ob ich richtig liege, werden wir in knapp 20 Jahren sehen.Pi mal Daumen 65 Leser, womit ich schon mal eine Kneipe voll kriegen würde, mehr als ich mir jemals erhofft habe. Überzeugung! Jupp! Das war der Blitz! Ich habe eine Überzeugung. Arrogant? Wichtig? Undankbar gegenüber einer Behörde? Verrat? Ich glaube, in einer Pandemie, ist mit 55 Jahren, einem Lebensabschnitt in dem eine dieser Neugeborenen mir quasi einen Rollator anbot, zwei bis drei gute Freunde schon das zeitliche gesegnet haben, die Zeit gekommen, reinen Tisch zu machen … und keine Sorge, da sind noch ein paar Sachen in der Pipeline. Aber eins ist mir wichtig. Ich will nicht Nachtreten, sondern noch was sagen, bevor ich endgültig abhaue.

Ehrlich, kein Spruch, ich warte jeden Tag darauf, dass sie mich auf dem Schirm haben. Aber wahrscheinlich haben sie mittlerweile ganz andere Probleme. Wenn ich noch etwas zur Rettung beitragen kann, bin ich dabei, Aber ich denke, dass ich unter Spinner laufe.

Nachtrag: Ich zieh das jetzt durch!

Ein Gedanke zu “Die letzte Observation

  1. Karin sagt:

    Harte Wahrheiten.Mich tröstet,das ich den Scheide bald hinter mir habe.

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