Stuttgart – 1000 Einsatzleiter

Die da sind Schuld

Um die 20.000 Frauen, Männer, mit Kind und Kegel, versammeln sich auf der Straße und skandieren ihre, bzw. die in ihre Köpfe gesetzten, Botschaften. Sie verzichten passend zu dem, was sie zu sagen haben, auf Masken und Abstand zueinander. Ein erwartbares und logisches Verhalten. Genehmigt wurde dies von einer zuständigen Behörde und ihrem Leiter. Der argumentiert, dass die Veranstalter schriftlich ein konträres Konzept vorlegten und der Gegenbeweis nicht angetreten werden konnte. Die zahlreichen, nach dem identischen Muster verlaufenen Veranstaltungen, reichten offensichtlich nicht. Vielleicht dachte man dabei an den Vorstoß des Berliner Innensenators, der hieraufhin seitens der Presse und der Koalition durch den Kakao gezogen wurde. Mit Sicherheit wollte ebenso niemand wieder einmal von einem Verwaltungsgericht abgekanzelt werden.

Ich fasse zusammen: 20.000 potenzielle Gefährder, mindestens ein politisch Verantwortlicher und annehmbar ein/e Verwaltungsrichter/in, bestimmten maßgeblich, kausal und ursächlich das Geschehen.

Am Tag der Demonstration passiert, was jeder mit halbwegs klarem Verstand voraussehen konnte. Eine Menschenmenge, zusammengesetzt aus Mitgliedern der „Neuen Rechten“,  Anhängern von modernen Mythen, Esoterikern, einfach strukturierten Gemütern, marschieren ohne Masken, ohne Abstand, mit Kindern und Alten durch die Straße.

Ein altes Politik - Polizei - Spiel

In der Politik aktive Personen und Führungskräfte aus den höheren Ebenen der Polizei fordern gern Erfolge, die mittels der gleichzeitig gewünschten  Vorgehensweise nicht erzielt werden können. Wahlweise nennt sich das Spiel: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ oder „Pulle voll, Frau besoffen!“

Im zivilen Leben stehen Handwerksmeister vor dem Kunden und sagen: „Klingt gut was sie wollen, geht aber so nicht. Also es geht … aber mit schwerem Gerät, vielen Arbeitsstunden und kostet eine Stange Geld. Ob es sich lohnt, müssen Sie wissen, ist schließlich ihr Grundstück.“

In der Politik läuft es ein wenig anders. Die Betreffenden zucken mit den Schultern. Erstens ist es nicht ihr Geld und im Zweifel schieben sie den „Schwarzen Peter“ jemand anderes in die Tasche.

Dieses Spiel ist heutzutage beinahe polizeilicher Alltag. Die Politik möchte dem Wähler Stärke zeigen und will deshalb einen Park geräumt haben. „Gehen sie mal hin, sprechen sie mit den Leuten und sorgen dafür, dass die da nicht wieder auftauchen. Aber bitte ohne Gewalt, viel Aufsehen und immer schön freundlich. Ich komm dann nächste Woche zu einem Pressetermin vorbei.“  Ich habe noch nie erlebt, dass sich Dealer, egal wo sie herkommen, mittels einer Powerpoint – Präsentation und einem netten Aufklärungsgespräch davon überzeugen ließen, am  besten ins nächste Kloster einzutreten.

Polizeigewalt, Polizeiproblem, „Racial Profiling“, lauten die Kommentare der kommenden Tage. Selten kommt mal jemand auf die Idee, dass es dem/der eingesetzten Polizisten/in völlig schnuppe ist, was die da im Park treiben. Ebenso „Schnurz“ ist es, was die da bei der Demo treiben. Der Einsatzbeamte/ die Einsatzbeamtin denkt sich: „Es war klar, was passieren wird, nun passiert es, also ist es von „oben“ her gewollt, zerlegt Euch Idioten doch einfach alle selbst.“ Doch dies passt nicht ins Konzept des Denkens.

Den Einsatzkräften wird ein Dagegen oder ein Dafür unterstellt. Vielleicht ist dies bei einigen Berufsanfängern der Fall, der Rest hat längst die innere Kündigung und Verabschiedung von der kompletten Gesellschaft vollzogen. Wer sich als Polizist heraushält, kriegt es von beiden Seiten, schlägt man sich auf eine Seite, wie z.B. der Vorsitzende der Polizei Grün e.V., hat wenigstens Freunde in dem einem Lager. Dann gibt es noch die Kandidaten, wie beispielsweise die Unabhängigen i.d. Polizei, welche sich in die abstrakte Paragrafen – Ecke stellen und damit die von Emotionen gelenkten Kräfte gegen sich aufbringen. Alles zusammen ergibt einen Zirkus. Die DPolG, versucht unter Führung von Rainer Wendt, Freunde im Lager der Rechtskonservativen Law & Order Fraktion zu finden und die GdP mimt den Erklärbär. Spaß machen mir neuerdings auftauchende Youngster, die sterilisierte BLOG’s betreiben und damit die Teermaschine für die Autobahn nach „oben“ anwerfen.

Der Zirkus ist in der Stadt

Die dabei zu kurz kommen, sind die Frustrierten, die einfach ihren Job durchziehen. Bei dem ganzen „Gelaber“ kommt der Mensch nicht mehr vor. Die Frau, der Mann, welcher stundenlang im „Hulk“ (Schutzkleidung) unterwegs ist, auf dem Bock riecht wie ein Iltis, im Gemüt auf einfach umschaltet, um den ganzen Zirkus ertragen zu können und sich wundert, warum eine „Hexe“ mit Zauberstab um den Wagen herumspringt und dabei brüllt: „Ich verfluche Euch!“ Ich will den Menschen sehen, der dabei über Jahre hinweg nicht irgendwann Schaden nimmt.

Und dann kommt Dir eine Torfnase in die Quere, die irgendetwas davon faselt, dass kein Mensch Bulle werden muss. Ja, korrekt! So wie auch keiner Verwaltungsrichter, Boulevardjournalist, Brunnenbohrer oder Sanitäter werden muss. Sag das mal meinen Kindern, die gerade auf Klassenfahrt fahren wollen, so ein schickes IPhone wie Du Kackvogel besitzen wollen und auf die gleichen Sneaker stehen, die Du an den Füßen hast.

Egal, zurück zu den 20.000 Deppen mit seltsamen Denkprozessen. Letztens schrieb mir einer: „Die kriegst Du nicht von der Straße! Jedenfalls nicht ohne üble Folgen!“ Stimmt! Das Geschrei wäre ordentlich. Wer will von Wasserwerfern „weggekegelte“ Kinder, alte Frauen mit Holzketten, Opas mit Mikrofaser – Jacken, Waldorf – Absolventen, sehen? Oder Tränengas? Die Bilder wären ähnlich katastrophal, so viel Globuli können die gar nicht auf einmal schlucken. Die wütenden Gegendemonstranten loszulassen würde zu einer wüsten Schlägerei führen. Ich wüsste dabei nicht einmal, auf wen ich wetten sollte. Kommt darauf an, wie viele Hools, Neue Rechte, in der Coronademo unterwegs sind.

Menschen leben, furzen, riechen, lieben, zeigen Nerven … Paragrafen nicht, und Falsches kann nicht Falsches rechtfertigen.

Masken, Abstand, Bußgelder sind realistisch mit „zahmen“ Mitteln nicht durchsetzbar. Wenn, dann nur mit dem vollen Programm. Was sich wiederum daraus ergibt, steht in den Sternen. Mir tat die junge Frau, welche in Uniform ein Herz formte, leid. Man muss recht verbiestert sein, wenn man das Herz auf die Sache an sich bezieht und nicht auf etwas Menschliches. Da gibt es nochmals Unterschiede. Mit wie vielen Unsympathen, Zuhältern, Rockern, Hools, Rechtsradikalen, habe ich in meinem Leben ein Bier getrunken. Ich hab sie nie gezählt, aber ein paar hundert kommen bestimmt zusammen. Wer anderen Menschen, jenseits der Rolle, die der andere gerade einnimmt, nicht mehr als Mensch begegnen kann – hat ein Problem! Das gilt auch, wenn ich als Polizist einem Autonomen, einem Streetfighter oder was auch immer, nicht mehr anders, als mit einem abstrakten Feindbild begegnen kann. Dann beginnt der Krieg! Erst wenn ich jemanden reduziere, kann ich ihn auch töten oder mindestens schwer schädigen. Seit zufrieden, dass sie da noch nicht ist.

Es bringt auch nichts, ständig etwas aufzurechnen. „Wenn das ein Linker, ein PoC oder Baumbesetzer, gewesen wäre … dann …!“ Es waren keine! Punkt! Falsch gelaufene Einsätze rechtfertigen keine weiteren falschen Einsätze, so einfach ist das. Der Umkehrschluss würde bedeuten: „Wenn die auf’s Maul bekamen, müssen die anderen auch auf’s Maul bekommen, dann ist die Welt in Ordnung.“ Maximal können für künftige Demonstrationen gegen Kapitalismus, Eingriffe ins Klima, Soziale Ungerechtigkeit, Argumente abgeleitet werden. „Passt mal auf ihr Vögel da „oben“, die habt ihr in Ruhe gelassen … dann gefälligst auch uns, sonst brennt hier die Luft!“ Da bin ich dabei. Ist doch prima. Die Politik ist in die Vorlage gegangen. Die nächste unangemeldete mehr oder weniger friedliche Demo von Aktivisten mit einer Stärke über ca. 5000 Teilnehmer ist gefälligst laufen zu lassen. Gleiches gilt für das Vermummungsverbot, welches quasi 1:1 zum Verweigern einer Maske zu setzen ist. Bilder, wie beim G20, bei dem das Loslaufen wegen einzelner Vermummungen verboten wird, kann es demnach nicht mehr geben und wenn doch, dann ist die Randale durchaus berechtigt.

Alles uninteressant …

Die Bullen sind schuld, es gibt ein Polizeiproblem, die Straße hätte geräumt werden müssen und es geschah nicht, weil die Bullen alle rechts sind. Na ja, wenn man keinen Bock auf Denken hat, passt das. Vielleicht gibt es aber auch ein kleines Problem mit Verwaltungsgerichten, Politik, die keine Verantwortung übernehmen will, unrealistische Vorstellungen von der Machbarkeit haben. Möglicherweise müssten sich auch mal einige „Aufgeklärte“ an die eigene Nase fassen. Es ist schon merkwürdig, wenn man sich über das beschwert, was einem widerfahren ist (Wasserwerfer, Tränengas, Schlagstock) und deshalb die gleiche Vorgehensweise gegenüber Verwirrten, Mamis und Daddys, Opis, Omis, begleitet von Hools, rechten Schlägern und rechtsradikalen Theoretikern von der AfD, NPD, fordert. Ich finde es auch merkwürdig, wenn Menschen, die politische Weitsicht, Verständigung, Gerechtigkeit, offene Kommunikation fordern, sich aufführen wie Dogmatiker auf Speed.

Aber was weiß ich schon. Wie heißt es doch immer seitens der „Aufgklärten“: „(Ex-)Bulle, mach den Kopf zu, Du stützt ein Fascho – System.“ Dazu kann ich immer nur sagen, mein Traum wäre eine Anarchie, aber ich finde weit und breit kein passendes Personal In erster Linie sind 20.000 Deppen für den ganzen Zirkus verantwortlich. Dann die, welche ihre Köpfe durcheinandergebracht haben, es folgen Politik, wenn nicht identisch mit den zuvor Angesprochenen, dann Verwaltungsgerichte, es kommt eine ganze Weile nichts, immer noch nichts, dann ein Einsatzleiter … und ganz weit zum Schluss eine Polizeihauptmeisterin.

Ein Kommentar zu „Stuttgart – 1000 Einsatzleiter

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