Die Sache mit der Gesellschaft

Bei meinen Reisen der letzten zwei Jahre entstand in meinem Kopf folgendes  Bild. Die Welt, in der ich lebe, als eine Bühne, auf der sich Darsteller nach eigenen Vorstellungen hin – und herbewegen. Dabei treffen sie aufeinander, geben sich Impulse, womit neue Aktionen entstehen. Es gibt keine Regieanweisungen. Die Darsteller besitzen in ihrer Struktur, Verhalten, Möglichkeiten und Fähigkeiten Überschneidungen, doch gleichsam bestehen Unterschiede. Manches ist deshalb in Ausschnitten vorhersehbar, anderes ergibt sich völlig unberechenbar und vor allem lässt sich nicht mehr feststellen, welcher Ursprungsimpuls für das Geschehen wenige Minuten später ursächlich war.

Die Kulissen sind die wechselnden Orte, an denen man sich befindet. Die Bühne bleibt immer dieselbe. Ob ich nun in Ulan Bator in einem Cafe saß, bei den Hmong in Laos in einer Hütte oder am Lagerfeuer mit einem buddhistischen Mönch über das Leben sinnierte. Immer gab es Überschneidungen, die den Homo sapiens an sich ausmachen und Unterschiede, die sich aus dem Spiel ergaben. Auf der Bühne wird es immer welche geben, zu denen man sich hingezogen fühlt, dann die Abstoßenden, oder andere, die einen auf eine andere Stelle hin stoßen.

Staaten, Nationen, Gesellschaft, Gemeinschaften, sind Wortfindungen für Areale auf der Bühne, in denen sich aus welchen Gründen auch immer, viele Darsteller zusammenfinden. Befindet man sich selbst in einer günstigen Position, die sich meist am Rande befindet, steht es einem frei, sich aus der Gruppe zu entfernen, sich einer anderen anzuschließen oder sich alles, wenigstens eine Zeitlang, von einer Position aus dem Abseits heraus zu betrachten. Am Rand zu stehen, bekommt in diesem Zusammenhang plötzlich einen positiven Touch, während die Insider, die Etablierten, eingekeilt sind und gezwungenermaßen in der Gruppe bleiben müssen. Bezüglich der Areale ist es entscheidend, wie groß ich die Bühne gestalte. Reduziere ich sie auf die Größe eines Staats oder Nation, ist nur Platz für die Gruppen, die sich innerhalb dessen befinden. Im Prinzip beginnt es mit meinem Kiez, erweitert sich um den Bezirk, die Stadt, das Land, den Kontinent und endet mit dem Planeten Erde.

Da es sich um ein Bild in meinem Kopf handelt, ist es mir selbst überlassen, wie groß ich die Bühne gestalte. Ich kann mich willentlich in eine Gruppe hinein manövrieren lassen, es selbst aktiv tun, oder mich ganz anders entscheiden. 

Immer wenn ich das aktuelle Geschehen betrachte, rufe ich dieses Bild in mir ab.

Schauspieler lernen das stille Spiel. Wer für die Szene keine tragende Rolle hat, agiert unauffällig und untermalt quasi das Hauptgeschehen durch seine Anwesenheit. Ärgere ich mich allzu sehr über etwas, bemühe ich mich einen Platz im Zuschauerraum einzunehmen. Überall finden kleine Begegnungen statt, bei denen man zusehen kann, was aus ihnen folgt. Einiges drängt sich durch die Lautstärke und das fordernde Spiel der Darsteller auf, wiederum andere stehen abseits und spielen still. Mit wachsender Lebenserfahrung ist es einem möglich partiell Voraussagen zu treffen. Doch plötzlich kommt eine oder einer mit ungewöhnlichen Verhalten dazu und alles nimmt einen unerwarteten Verlauf.  

Änderung der Spielregeln

Der Ablauf eines Spiels wird durch die Spielregeln gesteuert. Ändere ich sie, wird sich der Verlauf abweichend zum Geschehen vor der Änderung gestalten. Bringe ich Anreize für bestimmte Handlungen ein, verhänge Sanktionen oder nehme jeden von der Bühne herunter, der sich nicht an konkrete Vorgaben hält, wird sich auf der Bühne ein vom ehemals rein menschlichen Faktoren bestimmten Spiel, unterscheidendes Szenario einstellen. Ich kann einigen Spielern Vorteile versprechen, andere mit Macht über Gruppen ausstatten usw. Für den Zuschauer wird dann spannend herauszubekommen, was da eigentlich passiert ist.

Der Homo sapiens ist in seiner grundsätzlichen Ausrichtung bis in die Gene hinein sozial. Ohne dieses Sozialverhalten wäre er bereits vor hunderttausend Jahren von der Bildfläche verschwunden. Manche Wissenschaftler behaupten, alle Probleme begannen ab dem Zeitpunkt, wo das Großhirn die für das Überleben notwendige Kapazität überschritt und sich begann zu langweilen. Ich finde, da ist etwas dran. Prinzipiell spielen da auf der Bühne spärlich behaarte Affen mit trockenen Nasen, die bei Langeweile auf dumme Gedanken kommen.

Mir fiel unterwegs auf, wie hilflos und ausgeliefert gut behütete Mitteleuropäer im Verhältnis zu den Menschen in Schwellenländern sind. Manche sind in bestimmten Situationen durchaus willig, aber sie müssen quasi von Anfang an wieder anfangen. „Seht her: Das ist ein Feuer!“ In Malaysia begegnete mir ein weiteres Phänomen. Je höher der Wohlstand, um so mehr zeichnete sich vor dem Hintergrund der in einfacheren Verhältnissen lebenden Menschen, ein Hang zu schlicht strukturierten Denken, Anfälligkeit für das Unterdrücken der Intelligenz durch benebelnde Werbung, ab.
Wir sind schnell mit Bezeichnungen wie Dumm oder verblödet bei der Hand. Blöd und dumm sind sehr wenige Menschen, sie haben lediglich nicht gelernt mit dem was sie haben, umzugehen. Es kommt immer auf beide Komponenten an: das Werkzeug und den in der Benutzung geschulten Anwender. Was nutzt eine Bohrmaschine mit elektronischer Anlaufregulierung in den Händen einer jungen Frau, der niemand gezeigt hat, wie damit umzugehen ist? Mit Gehirnen verhält es sich wahrscheinlich nicht anders. Der historische Buddha soll deshalb von seinen Schülern Gedanken gleich abgeschossenen Pfeilen, statt ausschweifendes Umherirren, gefordert haben. Auch in der Antike, z.B. bei Sokrates, drehte sich alles um das richtige Denken.

Aktuelles Geschehen - moderne Mystiker

Wen sehe ich derzeit auf den Straßen in Deutschland, welches Verhalten, woher kommen die Impulse und was kann daraus werden?

Zunächst einmal viele, die von Freiheit, dem Verlust dieser und Grundrechten sprechen. Der Freiheitsbegriff scheint bei ihnen davon geprägt zu sein, dass sie selbst entscheiden wollen, ob sie andere Menschen anstecken dürfen oder nicht. Folge ich diesem Gedanken, wird jeglicher Seuchenschutz, sowie die ärztliche Meldepflicht von besonderen Infektionskrankheiten hinfällig. Freiheit wird bei ihnen zum Garant, alles nach eigenem Ermessen tun zu können. Mich würde in einem Gespräch interessieren, ob dieser Freiheitsbegriff auf alle Menschen anzuwenden ist oder nur für sie gilt.   

Andere behaupten, dass Personen der Zeitgeschichte den Plan verfolgen, die Bevölkerungszahl der Erde zu reduzieren. Warum sollte diese eine Bundeskanzlerin, der Gründer von Microsoft oder andere Beschuldigte tun wollen? Ich kann kein Motiv erkennen. Gleichermaßen sieht es mit Chemtrails aus. Mal ganz vom technischen Unsinn abgesehen, stellt sich die Frage nach dem Ziel. Um Menschen zu sedieren? Sie vom Putsch der Regierung abzuhalten? Haben RTL, SAT1 oder andere private Sender ihr Programm eingestellt? Mal am Rande: Letztens sah ich eine Testfahrerin, die einen neuen monströsen BMW SUV testete. Im Gesamtergebnis war sie zufrieden mit dem Platzangebot, der PS – Leistung und Innenausstattung. Einzig die Ledersitze bemängelte sie, hier hätte sie sich die Option einer veganen Ausstattung erwünscht. Ernsthaft? Wozu Chemtrails?

Die nächsten behaupten standhaft, dass alles eine pure Erfindung wäre. Mit anderen Worten: Weltweit haben sich miteinander konkurrierende Staaten auf ein gemeinsames Täuschungsmanöver geeinigt, von dem die meisten ausschließlich Nachteile haben. Wie mache ich so etwas in meinem Kopf schlüssig? Das Großhirn ist auf Kausalitäten angewiesen. Es will verstehen bzw. Begründungen bekommen. Die Existenz von Viren und Bakterien, ihre Eigenarten, die biologischen Vorgänge, überfordern diese Menschen offensichtlich, deshalb greifen sie zu einfacheren Erklärungen. Demnach werden ihre analytischen und kognitiven Fähigkeiten gesprengt, wenn ein Sachverhalt minimal komplexer wird. Nun, solange sich dies auf etwa 100.000 Personen begrenzt, kann man damit umgehen. 

Doch einige unter ihnen scheinen in der Lage zu sein, in anderen Lebensbereichen durchaus zum Begreifen komplexer Vorgänge fähig zu sein. Dies bedeutet, manche Informationen können sie verarbeiten, andere wiederum nicht. Möglicherweise liegt es an der Art, wie sie die Informationen bekamen und inwieweit sie trainiert sind, eine Quellenauswertung vorzunehmen. Für mich blicken dabei ein wenig die Religionsgemeinschaften um die Ecke. Die Hardcore Auslegungen der religiösen Mythen in Kontraposition zur sich immer weiter entwickelnden Wissenschaft beginnt mit dem 19. Jahrhundert. Die Erde als ein wenige tausend Jahre junges Gebilde, die Einzelerschaffung aller Arten usw., wie es im Kreationismus, orthodoxen Judentum und Islam, ausgelegt wird, erscheinen mir ähnlich an den Haaren herbeigezogen, wie Chemtrails, Weltverschwörungen und der ganze andere Kram. Das Großhirn, welches sich in jeder Sekunde des Lebens eine eigene Story erzählt. Vielleicht hätte man die ganze Nummer von Anfang anders aufziehen müssen. „Wir verbieten, Euch mit Masken zu schützen, weil damit unser schöner Plan der Reduzierung der Weltbevölkerung und das Einatmen der Chemtrail – Chemikalien konterkariert wird.“ Aber dann wären die anderen abgesprungen.

Letztens las ich von einem äußerst interessanten Ansatz. Wie lautete meine Antwort, wenn mich jemand danach fragte, ob ich es zuließe oder wenigstens teilweise in Erwägung zöge, meine Töchter spirituell in der Schule ausbilden zu lassen, ihnen die Esoterik, germanische Naturreligionen näherzubringen oder orthodoxe religiöse Vorstellungen zu vermitteln. Ich glaube, als meine Kinder im Schulalter waren, hätte ich dies nicht gern gesehen.
Wie aber lautete meine Antwort, wenn sich die Frage auf die Aborigines, Moken, Hmong, Dakotas, bezöge? Würde ich denen mit gleicher Inbrunst ihren Wunsch nach Verbundenheit mit der Natur, ihren alten Mythen, Naturgeistern, ausreden wollen? Eher nicht!

Folgen eines Verlustes?

Mit meiner Zuwendung zur buddhistischen Philosophie verließ ich selbst den absoluten naturwissenschaftlichen rationalen Weg. Wenn ich auch anmerken will, dass mich die tiefe glasklare Logik in den Bann zog. Doch spätestens, wenn ich mich mit einem knallharten naturwissenschaftlichen Nerd über das tieferliegende eigentliche Wesen jedes Lebewesen, jenseits des mir mit meinen Sinnen und seinen Instrumenten Zugänglichen unterhalte, bestellt der mir einen Jägermeister und wechselt das Thema. Mein kleinlautes: „Aber Sokrates hat auch …!“, ginge vermutlich unter.

Was auch immer es ist, was das Großhirn umtreibt, es benötigt diesen Kram, bei einigen weniger, bei anderen mehr. Ist dies die Antwort für das seltsam anmutende Spiel, welches einige auf der Bühne aufführen? Wäre ihnen mit einer starken Katholischen Kirche geholfen gewesen? 

Ich habe die Dialoge in einigen Telegram – Chats verfolgt. Es fällt mir schwer, bei den Äußerungen nicht ein simples: „Die sind komplett Plemplem!“ zu denken. Aber so schwer es einem auch fallen mag, wenn ich den einen den Glauben an eine kosmische Schildkröte zugestehe, kann ich schlecht bei anderen sagen, dass sie irre sind. Zumal der Glaube an außerirdische Vorfahren, die Vorstellung des Planeten Erde als Scheibe, eher harmlos sind. Sich für etwas Besseres zu halten, weil man innerhalb einer Nation mit der Bezeichnung Deutschland sozialisiert wurde, ist eine andere Nummer, an der ein ganzer Rattenschwanz hinten dran hängt.

Oder doch alles ganz anders?

Impfgegner haben derzeit einen schweren Stand. Als in den 90ern meine Töchter geboren wurden, wollten meine Frau, eine überzeugte Homöopathin und ich alles richtig machen. Heutzutage gibt es eine Unmenge an Literatur, die einen mit Verlaub, wahnsinnig werden lassen kann. Plötzlich ist da dieser zunächst kleine, später größere Zweifel. Unbestritten gibt es Impfschäden und Statistiken dazu. Mathematik ist nicht mein Ding und mit Statistiken habe ich überhaupt nichts am Hut, also bin ich darauf angewiesen, sie mir erklären zu lassen. Nun gut, dienstlich fälschte ich derart kreativ Statistiken, dass ich sie mittlerweile ein wenig besser einschätzen kann. Doch als junger Mann sah dies anders aus. Also wanderte ich, um im Bild zu bleiben, in meiner Gruppe mit Fragen herum. Homöopathen sind erstaunlich gut mit Medizinern vernetzt. Meiner Auffassung nach, ein sehr dunkles Kapitel des deutschen Gesundheitswesens. Einst hatte ich vor Ärztinnen/Ärzten einen höllischen Respekt, heute schaue ich sehr genau, wer mir gegenüber steht. Viele sind schlicht ehemalige Studenten/innen, die auf knirsch ihr Examen bestanden und danach einmal zu viel am Giftschrank naschten. Ich geriet an vermeintliche Fachliteratur, in der schlüssig und nachvollziehbar stand: „Impfen ist Unsinn!“ Die Problematik besteht darin, dass ein Laie nicht in der Lage ist, richtige Schlussfolgerungen von falschen zu unterscheiden. Erst der gesamte Überblick, mit allen Hintergründen, befähigt mich dazu. Bei einer Menge Themen bleibt mir nur das Vertrauen in eine oder mehrere Personen bzw. ein gesundes Bauchgefühl.

Spätestens als die eine Ärztin, eine Gynäkologin, der ich vertrauen sollte, erläuterte, dass die Kombination meines Sternzeichens, Aszendenten, und die Tatsache, dass ich eine Vaginalgeburt bin, meinen Charakter erklären würde, wurde ich stutzig. Meine Skepsis stieg, als ich die mir empfohlene Literatur bei Leuten im Regal fand, die ihre Entscheidungen auspendelten, sich der Kraft simpler Steine anvertrauten und mich auf meine gestörte Aura hinwiesen. Glück gehabt!

Wie mag es anderen junge Menschen ergehen, die gesteuert von einem Algorithmus im Internet mit passenden Informationen bombardiert werden? Die Protagonisten der Szene sind nicht doof, ganz im Gegenteil, auf ihre Art sind sie teilweise brillante Rhetoriker, welche die Argumente der Gegenseite genauestens kennen und auseinandernehmen. Homöopathen, Esoteriker, Scientologen, religiöse Sekten, agieren alle auf einer Ebene und sind für die Außenwelt, oder die anderen Areale auf der Bühne schwer zugänglich. Teilweise ist das alles nachvollziehbar. Vieles in unserem Gesellschaftssystem bedingt psychologische Probleme, Entfremdung vom menschlichen Leben, manifestierte psychosomatische Krankheiten usw., da greift man gern nach dem vermeintlich rettenden Strohhalm. Zu meinem Erstaunen stellte ich z.B. in Malaysia fest, dass auf den Inseln und ländlichen Gegenden das Phänomen des Ritzens ausschließlich über die Touristen bekannt ist.

Für mich steht fest: die Durchlässigkeit der Gesellschaft für Sozio – und Psychopathen in die höheren Ränge des politischen und wirtschaftlichen Geschehens  (es gibt dazu zahlreiche spannender Untersuchungen), die Traumata des Zweiten Weltkriegs, des DDR – Regimes, der von der Werbebranche gesteuerte Konsum, der die niedrigsten Instinkte der menschlichen Natur ansteuert, die für diese Zwecke exzessive Nutzung der Digitalisierung, die ausgefeilten Instrumente der Massenmanipulation,  die Korrumpierung der sogenannten „Vierten Gewalt“ (exklusive des Investigativen Journalismus), der Anstieg des Verbrauchs von Psychopharmaka und Drogen, sowie der Verlust von Vernunft und Ratio, stehen miteinander in Verbindung.

Besonders die Presse muss sich meiner Meinung nach einige Fragen stellen. Früher bekamen die Leute eine echte Chance zwischen neutraler Pressearbeit, Lobbyismus und parteilicher Propaganda zu unterscheiden. Ob nun Hochglanzmagazine, Online – oder Printausgaben, heutzutage steht man dort vor dem gleichen Problem, wie ich als junger Mann mit meiner „Fachliteratur“. Die Zeiten des offenen Visiers, wie beim Bayernkurier (CSU), Vorwärts (SPD), Rote Fahne (KPD), Neues Deutschland (die Linke), sind längst vorbei. Mich würde wirklich mal interessieren, wie viel Arbeitgeberverbände, die Konservativen, jährlich in die Pressearbeit investieren, es müssen Unsummen sein. Irgendwann wird denen dies Mal auf die Füße fallen. Spätestens wenn die Leute die Folgen des aktuellen Prozesses nicht mehr mutmaßen, sondern unmittelbar betroffen sind. Ich weiß nicht, ob Landwirte, Betroffene aus der Holzwirtschaft, noch lange die Folgen der Eingriffe ins Klima wegstecken. Bei anderen Themen wird auch noch der letzte Depp merken, dass er mit BILD – Schlagzeilen „Frau an Impfung“ verstorben, in die Walachei geführt wurde. Wer mit dem Benzin Kanister spielt, sollte rechtzeitig das Weite suchen, irgendwann bekommt man auf’s Maul.

Überhaupt eine gute Frage. Wie lange kommt man mit Skrupelosigkeit durch? Wann ist der Punkt erreicht, an dem die anderen schmale Augen bekommen? Ich bin gespannt.

Bühne oder Zuschauerraum?

Noch stehe ich im Kontakt mit Menschen, die sich wehren und  etwas bewegen wollen. Mir sind nicht die latenten Töne einer Radikalisierung entgangen. In meiner Jugend tobte der Kalte Krieg und die Menschen gingen ziemlich unbedarft, teilweise von Dollarzeichen in den Augen gesteuert, mit Öl und Atomenergie um. Der Krieg war konkret. Mehrfach stand die Welt, wie wir sie kennen, wenige Millimeter vor dem Abgrund. Aber es gab immer noch die Hoffnung, dass derjenige, welcher den Knopf drückt, einen letzten Funken Menschlichkeit in den Knochen hat. Was uns alle tatsächlich in Person eines Russen auf einem Atom – U – Boot rettete. Realistisch gesehen, stoppten wir die Atomenergie zu spät. Die Hinterlassenschaften für die nächsten tausend Generationen sprengen jede Vorstellungskraft. Und wenn man es sauber betrachtet, haben wir sie nicht wirklich gestoppt. Gleichfalls sind wir immer noch auf den Anonymous eines Helden angewiesen, der einen Befehl verweigert. Was wir heute, hier und jetzt, erleben, ist nochmals eine andere Dimension. Da sitzt keiner mehr an einem An – und Ausschalter. Es ist ein sich quasi minütlich weiter entwickelnder Prozess. 

Nahezu täglich teile ich auf Twitter Horrormeldungen aus aller Welt. Meine eigene kleine Reichweite liegt bei knappen 1.000 Usern. Mit einem BLOG – Beitrag zur Lage von Polizisten in Deutschland habe ich es auf 20.000 und 5.000 Zugriffen auf diese Seite gebracht.

Die bösen Staatsfeinde

Feinde des Staats? Ergo Feinde aller Bürger auf dem völkerrechtlich anerkannten Gebiet mit der Bezeichnung Deutschland? Oder Feinde des Neoliberalismus? Warum eigentlich Feind? Ein Feind muss zwingend ein Gegenüber haben, das er besiegen will. Die Ignoranz? Die Jünger eines post – christlichen Glaubens an den Freien Markt, die steuer -, grenzenlose Entwicklung und Fortschritt des Homo sapiens, frei von jeder ethischen Überlegung? Vielleicht sind es Krieger und Kämpfer für etwas. So etwas wie Samurai, die sich in den Dienst einer Sache stellen. Dann wären manche Polizisten, Autonome, Streetfighter, Radikale, ungewollt gar nicht so weit auseinander. Würden einige wirklich miteinander sprechen, wären sie überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten sie besitzen.

Lassen wir mal das ganze Gedöns, Grundgesetz, Gesetze, Verfassung, außen vor. Jeder will durchkommen und die Engagierten wünschen sich eine Welt, in der dieser ganze Scheiß hinter uns liegt. Frage: Wie stellen wir es an? Jeder Kriminalbeamte, der in sich geht, wird zugeben müssen: ab einer bestimmten Ebene wird die Luft dünn. Und in den Hochgebirgsregionen, werden die Entscheidungen getroffen, die uns auf die Füße fallen. Die Containerschiffe mit Plastikmüll, die illegalen Emissionen, Einleitungen von Chemikalien im großen Stil, die fetten Waffengeschäfte, die Geldwäsche auf oberster Ebene, die Sauereien bei internationalen Verträgen, sind außerhalb unserer Liga. Bisweilen geht das schon auf ziemlich unteren Niveau los. „Stellen sie die Ermittlungen ein, die Bevölkerung könnte einen falschen Eindruck von der Berliner Politik erhalten!“ Diese Worte brannten sich bei mir ein. Ebenso wie: „Hol noch mal was, der Alte braucht mehr Koks!“. Ich sag’s mal so: Innerhalb der sauberen Kripo, gab’s zumindest früher, eine, wie man heute sagen würde „abgefuckte“ Kripo.

Krieger! Wollen diejenigen, welche als Menschen, auf beiden Seiten knietief im Dreck standen, sich gegenseitig einen Vorwurf machen? Wer auch immer mir aus welcher Szene damit kommt, muss verdammt gute Sprüche auf Tasche haben. Noch einmal, die Weichen sind gestellt. Der von diesen Idioten propagierte „Freie Markt“ ist zu großen Teilen von der Organisierten Kriminalität übernommen worden. Der Begriff ist abstrakt, kann aber mit Leben erfüllt werden. Typen, denen alles egal ist, Hauptsache ihre Tasche ist gefüllt, sie können in der Hotellobby des besten Hotels vor Ort sitzen, einen Whisky trinken und das Escortgirl ist bezahlt. Glaubt mir jemand, dass mich mein schlechtes Namensgedächtnis ärgert? Die echten Unternehmer kotzen im Strahl. Gern gesehen sind auch die Naiven, welche niemals sahen, wie ihr Konzern in einem von ihnen weit entfernten Teil der Welt agierte. Aber schön ist, wenn sie sich rächen.     

Ein ehemals bei einem süddeutschen Chemiekonzern beschäftigter Malaie sagte zu mir: „Glaub mir, die Deutschen im Wasser taten mir wirklich leid, als ich die Chemikalien über Bord gingen ließ. Aber ich dachte mir, sind doch die Landsleute vom Chef.“ Nein, von Krieger zu Krieger, manchmal sind wir gar nicht so weit auseinander.

Am Anfang des 21. Jahrhundert gilt es Entscheidungen zu treffen. Staatsfeind? Das ist nicht mehr die Frage. Der Tipping – Point ist in Sicht und wie jeder Mensch in Zeitenwenden muss man sich selbst die Frage stellen: Wo stehst Du? Zuschauerraum? Bühne? Stilles Spiel? Tragende Rolle? Ich behalte mir meine Entscheidung vor. Zurzeit sitze ich mit meiner Popcorntüte im Zuschauerraum. Letztens las ich bei Twitter amüsiert: „Die CDU macht, dass ich wieder 18 bin!“ Ich weiß genau, was der Twitter er meinte. Vielleicht haue ich aber auch einfach ab. Auf Langkawi saßen 2020 ein Pensionierter vom BND, einer vom MAD, ein aktiver vom BKA, ein ehemaliger Kollege von einem Abschnitt, ein aktiver Polizist aus Malaysia, ein Soldat aus Australien und ich bei einer German – Bomb (Jägermeister, Cola) und Zauberkraut zusammen. „Und? Jungs? Was ist der Plan?“ Schau’n wir mal! Vielleicht sieht man sich wieder. Eins ist sicher: Ich stehe niemanden mehr im Weg, der versucht das Ruder neu auszurichten. Die andern auch nicht. Ich glaube, die Bühne wird es nicht mehr werden.

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