Wütende Gedanken zum Thema „Weißer Mann!“ an eine fiktive Frau

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Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße? Mag sein! Ist mir persönlich auch egal. Dies sind nicht meine Fragen an einen Menschen. Wann hast Du das erste Mal auf die Fresse bekommen? Wann haben sie Dir Deinen Lederball, auf den Du stolz wie Bolle warst, weggenommen? Wann hat der Vater Deines besten Kumpels seinen Sohn erstmalig krankenhausreif geprügelt? Wann hast Du Dich erstmalig über die Verletzungen von der Mutter Deiner Freundin gewundert? Wann hast Du das erste Mal selbst zugeschlagen? Wie war es? Was fällt Dir zu Beton und nach Urin stinkenden Fahrstühlen ein? Oder zu Kindern, die mit der Gebissplatte eines Springers Fußball spielen? Wann waren das erste Mal Deine Finger kaputt? Wie war das Gefühl, als Du das letzte Mal die Tür hinter Dir zu gemacht hast und in eine andere Gegend gezogen bist? Wann hast Du zum ersten Mal diesen Schmerz gespürt, den Du immer wieder spürst, wenn Du in große aufgerissene Kinderaugen schaust?

Wenn mich etwas triggert, gehe ich auf die Suche. Warum? Mich hat in den vergangenen Monaten die Rassismusdebatte getriggert. Es ist gar nicht lange her, als ich an einem Tresen saß und mir eine junge Frau sagte: „Ich seh Dir an, dass Du aus der Gegend hier kommst. Du stellst mir Fragen. OK. Warum sollte ich sie beantworten? Kümmert sich einer um uns hier? Ich muss mich um genau zwei Menschen kümmern. Meinen Sohn und mich!“ Oder ihre Freundin mit der Tätowierung auf dem unteren Rücken. „Bückstück“ … „Passt zu meinem Leben!“, sagte sie zu mir.

Ja, Rassismus, Messer, Fahrradketten, Erdnägel, Diskriminierung und Fäuste tun weh. Misshandlungen tun weh, der Verlust von Freunden an die Nadel tut weh, alles sollte nicht sein, ist aber so. Das passiert in dieser Stadt jeden Tag. „Schade das Beton nicht brennt!“, stand mal auf irgendeiner Wand. Und der Sprayer hatte recht. Du hast eine andere Hautfarbe und sie haben Dich dafür maß genommen? Tut weh, kann ich verstehen. Andere sagen nicht rechtzeitig „Guten Tag!“, und schon fliegt ihnen der Kopf von den Schultern. Manche geben das Taschengeld nicht her und beißen deshalb in den Bordstein.

Weil ich Schmerz kenne, kann ich Deinen verstehen. Wie viele andere aus der alten Hood auch. Aber sprich Du mir nicht meinen ab. Ich weiß nicht, wo Du aufgewachsen bist. In welchem Land oder Vorstadtghetto. Ich weiß nur eins, die diesen Dreck kennengelernt haben, erkennen sich am Gang. Meine Fäuste flogen erstmalig mit 12. Der erste Zahn war mit 13 im Fahrstuhl fällig. Ja, viele von uns haben Geschichte und wollen nicht, das andere die Geschichte zu spüren bekommen. 

Diese und andere Städte kennen viele Opfer. Wenn die Türen auf den langen Fluren zugehen, passieren viele Geschichten. Nein, das ist alles kein Rassismus. Beton – Bauten sind da recht neutral. Nein, es ist kein Rassismus, einfach ein Leben ohne Privilegien, begleitet von Gewalt, verprügelten Frauen und dem täglichen Kampf, eines Tages woanders zu leben. „Halt die Fresse, weißer Mann!“, sagst Du? Schade, wir werden niemals ins Gespräch kommen und an einem Strang ziehen. Warum kann ich mit einigen, die auch eine andere Hautfarbe haben, über dies alles sprechen?  

Eigentlich ganz einfach, weil Dreck auf der Haut und der Seele alle gleich werden lässt und die Farbe des Bluts identisch ist. Ohne Frage gibt es in dieser Stadt Berlin Rassisten und alle haben ausnahmslos auf die Fresse verdient, aber sprich den anderen Atzen nicht ihre Erfahrungen ab und verbiete ihnen den Mund.

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