Die Macht der Gier

Lesedauer 17 Minuten

Das Großhirn erzählt sich eine Geschichte

Befolge keine falschen Gesetze; sei nicht unachtsam; glaube keine falschen Lehrmeinungen. Folge nicht dem Weg der Welt.

Buddha, Pali Kanon

Auf dem Planeten Erde existiert Leben. Bei der für das menschliche Gehirn unvorstellbaren Anzahl von möglichen, der Erde ähnlichen Planeten, ist die Wahrscheinlichkeit für die Existenz weiteren Lebens, wie wir es kennen, ebenso hoch, wie die Möglichkeit der Einzigartigkeit. Aber für die Betrachtung der Erde ist dies unerheblich.  Lebewesen des Planeten Erde benötigen Sauerstoff und Wasser. Hinzu kommt etwas, was wir als Element bezeichnen, innerhalb dessen  ein Lebewesen lebt. Säugetiere, die nicht fliegen können oder im Meer leben, benötigen Grund unter sich. Die meisten Vögel können nicht ohne den Luftraum auskommen und Fische nicht ohne Wasser. All dies sind existenzielle Voraussetzungen für etwas, was vor 3,5 Milliarden Jahren seinen Anfang hatte.

In all diesen Zeiten konkurrierten die Spezies um diese Lebensgrundlagen. Aus dieser Konkurrenz entstand ein fragiles Gleichgewicht, welches nach und nach die Entwicklung vom Einzeller zum komplexen Organismus ermöglichte. Es ist ein bekanntes Gedankenspiel, sich diese Zeit als eine Uhr vorzustellen und die Existenz des Homo sapiens einzuordnen. Mit einem analogen Zeiger ist es nicht machbar. Richtig schwierig wird es, wenn man sich ausschließlich auf den modernen Menschen oder sich nur auf die letzten 300 Jahre bezieht.

Damit steht fest, dass weder Religionen, Ideologien, Theorien, Thesen, Gesetze, noch Gesellschaftssysteme etwas mit der Evolution, dem Lebenssystem Erde zu tun haben. Es sind Konstrukte des Großhirns. Wirklich relevant sind die Regeln, welche zur Entwicklung der Spezies führten. Womit sie höherrangig sind. Dies wird immer wieder verdrängt, wenn Menschen über Systeme, Regeln oder Gesetze sprechen. In Zeiträumen, die wir nicht überblicken können, setzt sich am Ende immer die im System Erde innewohnende Logik durch.

Die Idee, dass Mitglieder einer Spezies Grund und Boden, Ressourcen, Wasser, Luft und anderes, was das Lebenssystem anbietet, als persönlichen Besitz betrachtet und darüber hinaus gegen eine Erfindung, die vom Großhirn als Geld definiert wurde, veräußern darf, ist recht jung und wird eines Tages rückblickend einen minimalen Zeitraum in der Geschichte der Erde darstellen. Dessen sollte man sich bewusst sein. Konjunktiv! Faktisch ist dies nicht der Fall. Ich stolpere immer wieder über den Begriff „Menschenrechte“. Er suggeriert, dass die Spezies Homo sapiens eine besondere Stellung innerhalb des Systems hat. Objektiv ist dies innerhalb des Systems nicht vorgesehen.

Alles worüber Menschen diskutieren und debattieren hat allein innerhalb der Welt, die das Großhirn konstruiert, eine Berechtigung. Nichts, kein Gesellschaftssystem, keine vom Menschen erdachten Gesetze, Moral, Religion, hat den Charakter eines Naturgesetzes. Alles, was bisher erdacht wurde, kann verändert oder beibehalten werden. Dabei muss für jedes Mitglied der Spezies eine Maxime gelten: Inwieweit ist mein Verhalten und Leben konform mit übergeordneten Prinzipien.

Durchblick? Wissen?

Ich möchte eins vorwegschicken. Ich gehöre nicht zu den Wissenden, erhebe keinen Anspruch darauf und genau genommen schreibe ich in diesem BLOG, eben weil ich vieles nicht verstehen kann oder oftmals mich verweigere. Meine Lieblingsgeschichte zu diesem Thema ist vom Dorftrottel, der sich von einem „Heiligen Mann“ beraten ließ.

Die Geschichte vom Dorftrottel

Vor langer Zeit – im letzten Jahrhundert oder so – lebte in einem kleinen russischen Dorf ein Mann, der als Kind manches etwas langsamer gelernt hatte als andere Kinder. Deshalb kam man im Dorf zu dem Schluss, er sei etwas dumm. Und das sagte man ihm auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Der Mann bemühte sich sehr, alles genau so zu machen und zu sagen wie seine Mitdörfler, aber je mehr er sich bemühte, desto mehr nahmen sie seine Bemühungen als Beweis, dass er eben dumm, kurz: ein Trottel, sei. Sie lachten ihn aus und hänselten ihn. Der Mann konnte das nicht verstehen: Er machte doch alles genau so wie die Anderen und trotzdem wurde er immer nur wie ein Trottel behandelt.

Eines Tages kam ein Heiliger auf Wanderschaft in das Dorf. Er unterhielt sich mit den Dorfbewohnern über Sorgen und Nöte, Gott und die Welt. Die Dorfbewohner waren sich einig, dass dies ein wirklich weiser Mann war. Da fasste sich unser Dorftrottel ein Herz und er sprach den Fremden im Vertrauen an. Er schilderte ihm sein Problem, was seinen Mitdörfler von ihm dachten und wie sie ihn behandelten.

Der Heilige hörte sich die Geschichte an, sah den „Dorftrottel“ intensiv an und sprach: „Das ist leicht zu ändern. Du musst nur Folgendes tun: Jedesmal, wenn ein Dorfbewohner mit dir spricht und dabei eine Aussage macht oder von einer Erfahrung berichtet, dann antworte: ‚Das glaube ich nicht, beweise es mir!‘ oder ‚Wie kannst du dir dessen sicher sein?'“

Der Heilige fuhr nach kurzer Pause fort: „Der Witz an der Sache ist: Diese Fragen sind nicht zu beantworten. Es gibt nichts zu beweisen. Wenn jemand zu dir sagt: ‚Heute ist aber ein schöner Frühlingsmorgen‘, und du sagst: ‚Beweise mir, dass der Morgen schön ist! Woher willst du wissen, dass das wahr ist?‘, dann wird dieser Mensch verstummen und sich beschämt fühlen, denn er kann es nicht beweisen. Und wenn jemand sagt: ‚Die Rosen duften wunderbar!‘, dann sagst du einfach wieder: „Beweise es mir, dass die Rosen wirklich wunderbar duften.‘ Die Leute werden sich dir automatisch unterlegen fühlen.“

Der Heilige überzeugte sich noch, dass unser „Dorftrottel“ die Sache richtig verstanden hatte, dann sagte er: „Ich reise morgen weiter. Nächstes Jahr will ich wieder hier im Dorf sein, dann berichte mir, wie sich die Sache angelassen hat.“

Ein Jahr später war der Heilige wieder im Dorf. Der ehemalige Dorftrottel war jetzt der Einberufende des Dorfrates und wurde wegen seines großen Wissens und seiner Weisheit von vielen Dorfbewohnern um Rat gefragt – kurz: er genoss ein großes Ansehen. Zu dem Heiligen aber sprach er: „Es ist komisch: Letztes Jahr war ich noch der Dorftrottel, jetzt gelte ich als weise. Ich habe alles befolgt, was du mir geraten hast. Und dabei bin ich doch noch derselbe Mensch! Das alles nur, weil ich die Menschen immer wieder auffordere, mir zu beweisen, dass die Dinge wirklich so sind, wie sie sie erleben. Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist.“

Da sah ihn der Heilige lange an und sprach dann endlich:
„Was glaubst du, wie ich ein Heiliger geworden bin?“

Quelle: unbekannt

Ich habe mir angewöhnt, mich nicht von meinen Wunschvorstellungen, wie Menschen sein sollten, leiten zu lassen. Meiner Erfahrung nach bestehen die Hauptziele eines Menschen darin, von den ihn umgebenden Leuten anerkannt zu werden, einen Status und eine Identität zu begründen, seine Bedürfnisse zu befriedigen, zu denen das Vorgenannte auch gehört, sowie seine Streicheleinheiten zu bekommen. Damit dies alles funktioniert, gibt er sich gern Illusionen hin und verbiegt das Tatsächliche gern zu etwas angenehmen. Es gibt keinen Altruismus,  bei allem, was ein Mensch unternimmt, spielt der eigene Vorteil und sei es nur das gute Befinden, eine Rolle. Wie dieses sich gut fühlen beim Einzelnen aussieht, ist sehr individuell. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, mir gefällt es nur nicht, wenn andere deshalb leiden müssen, weil sich diverse Zeitgenossen in die eigene Tasche lügen.

Europäer, allen voran die Deutschen, sind nach meinem Empfinden Meister darin, sich als die Heilsbringer zu verkaufen. Dabei leben wir objektiv auf Kosten und dem Leid vieler anderer. Aber dies zuzugeben wäre schmerzlich und erforderte Ehrlichkeit. Ich wäre dafür, dass jeder vor eine Entscheidung gestellt wird. Was willst Du? Weiterleben, wie bisher, mit all dem Wohlstand, der immer weiter in die Dekadenz führt und sich auf Kosten der restlichen Welt abspielt? Dann nimm zur Kenntnis, dass dieses nicht ohne jede Menge Sauereien abgeht und halte gefälligst den Mund, wenn  staatliche Institutionen eben jenes in Deinem Namen veranstalten. Oder willst Du, dass sich die gesamte Menschheit der vorhandenen Ressourcen bedienen kann und wir alle etwas davon haben? Beides Fragen, die niemals gestellt werden. Ich glaube, besonders jüngere haben das Ausmaß von allem noch nicht realisiert. Sie wollen beides. Sie spüren, da passiert einiges, was ganz und gar nicht in Ordnung ist. Wenn sich ein Politiker, wie Horst Seehofer vor die Kameras stellt und glücklich verkündigt, dass die zu seinem Geburtstag passende Zahl Afghanen abgeschoben wurde, zeigt sich, wo wir stehen. Menschen werden etwas Abstraktes, lästige Themen, Zahlen, politisches Mittel. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Da sind wir schon lange nicht mehr.

Die Distanz zum Menschlichen

Wenn dem einzelnen Menschen eine Chance gegeben wird, ist er eigentlich ein recht verträgliches Lebewesen. Viele fühlen sich gut, wenn es anderen gut geht. Wir können uns in die Lage anderer Wesen hineinversetzen, ihnen helfen und mit ihnen zusammenleben. Es steht und fällt  mit der Motivation und den Umständen. Sicher gibt es Ausnahmen, aber ich glaube so viele sind dies gar nicht. Trotzdem wird sinnlos gemordet, andere Lebewesen gequält, das Elend von Mitgliedern der eigenen Spezies ignoriert oder sie werden ausgebeutet. Die Natur wird missachtet, zerstört, vermüllt.

Solchen Sachen gehen Distanzierung, Abstraktion, Versachlichung, Verlust der Verantwortlichkeit für das eigene Handeln, Trugbilder und Manipulationen voraus. Nicht ohne Grund wurden sogenannte Distanzwaffen entwickelt. Ein Mann zu erwürgen oder mit einem gezackten Bajonett im Graben aufzuspießen, ist etwas anderes, als in Rammstein einen Joystick zu bedienen und in mehreren tausenden Kilometer Entfernung eine Familie zu killen. Für den unmittelbaren Kampf brauche ich mehr Aufwand bei der Manipulation. Oder für Karl – Heinz und Elfriede ist das Mittelmeer ein schöner Platz, aber die meiste Zeit des Jahres ein ferner Ort. Und in der Regel sehen sie den Strand mit dem seichten Küstenbereich. Sie könnten objektiv auch an einem großen See mit Salzwasser liegen, der Unterschied würde ihnen nicht auffallen. Sie sind keine Seeleute, womit zum Begriff Meer und was da stattfindet, eine Distanz entsteht. Sie haben keinerlei Vorstellung davon, was es bedeutet mit Verdurstenden, Verängstigten, Verhungernden, Frauen, Kindern, Männern, in einem Schlauchboot auf dem offenen Meer zu treiben. Würden sie selbst in einem Schlauchboot sitzen, wegen meiner nach einem Schiffbruch, sähe alles ganz anders aus. Selbst wenn ihnen Bilder, ohne Ton, Geruch, Schreie, präsentiert werden, schützen sie sich, in dem sie behaupten, dass alles eine Fälschung ist. All dies sind Verstöße gegen das übergeordnete Prinzip. Dies gilt insbesondere, wenn wiederum andere aus der Distanz eine Regel aussprechen, der nach Menschen, die sich nicht in der Distanz befinden, keine Hilfe leisten dürfen. Jene haben dann gar keine andere Option mehr, als gegen die in fremden Großhirnen entstandenen Regeln zu verstoßen. In einem nächsten Schritt verfallen die Regelaufsteller auf den Plan, die notwendige Distanz wieder herzustellen und untersagen den Helfenden, sie mittels Auslaufen der Boote zu überwinden.

Das Verb distanzieren ist interessant. Ich kann mich nur distanzieren, wenn ich zuvor an einem Ort war und mich davon entferne. Der entstandene Zwischenraum ist dann die Distanz. Im Grundsatz sind bei der Geburt alle Menschen seelisch und in ihrer Eingebundenheit in die Ordnung alle am gleichen Punkt. Großhirn, Intelligenz, Empathie, körperliche Fähigkeiten und Ausstattung, alles ist noch vorhanden, dies gibt die Ordnung, mit Ausnahmen vor. Eine Ausnahme bilden Menschen mit speziellen Abweichungen, bei denen man nie wissen kann, ob sie eventuell die nächste Stufe der Evolution ankündigen. Dies zu beurteilen, liegt fern der Fähigkeiten des Großhirns. Ein besseres Wort wäre oftmals die Abgrenzung. Es besagt, dass ich selbst eine Haltung habe, eine Art inneres Terrain, auf dem meine Regeln gelten.

Egal um welchen Verstoß gegen das Übergeordnete es geht, die meisten Menschen reagieren völlig anders, wenn sie unmittelbar konfrontiert werden. Die Distanz muss nicht zwingend räumlich bestehen. Auch eine seelische innere Distanz, erzeugt den gleichen, von manchen gewünschten, Effekt. Sie ist die effektivste. Irgendwie muss erreicht werden, dass eine Entfernung zwischen dem entsteht, als das der Mensch geboren wurde, und was er sein soll, damit er innerhalb des menschlich erdachten Systems funktioniert. Hierfür kann ich Menschen von einem Individuum zum Teil einer abstrakten Gruppe werden lassen, der ich dann wiederum übergreifende zusammenfassende Eigenschaften zuordne. Oder ich kann Leute davon überzeugen, dass sie eine wichtige Funktion innehaben und ihre Aufgaben nur dann bewältigen können, wenn sie sich selbst distanzieren. Sozialisation, an sich ein neutraler Begriff, wird oftmals positiv besetzt. Ich bin da vorsichtig. Mafiosi, Gefängnisinsassen, Dealer, Investmentbanker, Waffenhändler, Terroristen, werden passend zu der Struktur sozialisiert, in der sie leben. Sozialisation ist die Anpassung an eine Struktur, durchgeführt von Individuen, die sich bereits innerhalb befinden und sie angenommen haben. Wer von einer erfolgreichen Sozialisierung spricht, muss sich auch anschauen, an welche soziale Struktur die Anpassung stattgefunden hat.

Diese seelische Distanz spielt noch in einem anderen Zusammenhang eine Rolle. Ich meine die Traumatisierung, in der die dem Menschen gegebenen inneren Strukturen an ihre Grenzen geraten. Die Folgen sind Dissoziationen (Abspaltung/Trennung von ehemals zusammengehörenden Gefühl, Emotionen, Ratio, Körperempfinden, Impulsdurchbrüche) sowie Distanzverluste. Gesunde Menschen, verfügen über einen natürlichen Schutzbereich zu anderen. Der lässt sich gut testen, in dem man Leuten sagt, sie sollen aufeinander zugehen und sie sollen „Halt!“ sagen, wenn sie ein inneres Gefühl des Unwohlseins verspüren. Traumatisierte sagen entweder gar nicht oder sehr spät etwas. Ihr Schutzraum ist auf ein Minimum reduziert und innerlich verkapselt. Dies hat ihnen ein oder mehrere Ereignisse beigebracht, in den der Schutzbereich brutal verletzt wurde und die letzte Zuflucht das Innere war. Ein Inneres, welches mit dem Panzer der Ratio geschützt wird und die Emotionen tief drinnen in Sicherheit bringt. Im schlimmsten Fall kommt es zur Reaktion des Kleinkinds, welches sich zu Boden wirft und eine embryonale Hockstellung einnimmt. Raus aus der Welt, geschützt von der Außenhaut, zurückgezogen ins Innere.

Auch hier zeigt sich mir, wie wichtig dem Menschen der Abstand zu Dingen, Handlungen, Geschehnissen ist, die mit der ursprünglichen Programmierung nicht ausgehalten werden können. Übrig bleiben diejenigen welche beruflich dazu aufgefordert sind, sich dem im Auslieferungszustand unerträglichen zu stellen und sich anpassen müssen. Ein Kollege sagte mal, bei der Polizei bekommst Du in den ersten drei Jahren eine grundlegende Traumatisierung, die Dich befähigt den Dienst zu machen. Ein Stück weit kann ich dies bestätigen. Wie vermutlich die meisten hielt ich mich und meine Reaktionen für das Normalste der Welt, während mir andere oft etwas seltsam vorkamen. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man in einer Psychosomatischen Klinik nach und nach begreift, was denn die gesunden Verhaltensweisen sind. Bedrückend wird es, wenn eine Psychologin einen selbst für ein Beispiel einer multitraumatisierten Persönlichkeit vorstellt. Nun, insofern glaube ich, ein wenig mitreden zu können.

Virtuelles Leben

Ein indischer Meister sagte : Wenn ein Kind mit einem teuren Schmuckstück spielt und man es bittet, es herzugeben oder eine Puppe hinhält, wird es nicht über den Gegenwert in Geld nachdenken.

Ich unterscheide zwischen echten anfassbaren realen Leben und  einem künstlichen, virtuellen, distanzierten, fernab dessen, was der Mensch per Geburt ist. In den letzten drei Jahren gab es in meinem Leben einige Ereignisse, die vielleicht nicht alles auf den Kopf stellten, aber deutlich meine Sicht veränderten. Viel früher gab es mal den Spruch eines Bekannten, der meinte: „Du bist doch kein Spießer!“ Ich antwortete: „Da bin ich mir nicht sicher. Über 80 Quadratmeter Wohnfläche, Garten, zwei Terrassen, alles auf einem Kirchengelände, Beamter, verheiratet, zwei Kinder, ein Opel Kombi und ein VW Bus auf eigenem Parkplatz. Wie genau definierst Du Spießer?“

Dieses Leben ist längst Vergangenheit. Zwischenzeitlich saß ich im Norden Laos in einer Hilfseinrichtung für Kinder der Hmong, eins von vielen gebeutelten Völkern im sogenannten Goldenen Dreieck, habe die Slums von Ulan Bataar gesehen, schaute mir China Town in Bangkok an und freundete mich mit dem Leben der „Beachboys“, den malaiischen Rebellen meiner Generation und jünger auf den Inseln an. Und ich kam mit diversen buddhistischen Mönchen, Äbten, ins Gespräch.

Es gibt überall auf der Welt so etwas, wie ein alltägliches Leben. Fast nirgendwo ist dieses derart eng mit staatlichen Institutionen, Vorgaben und Regeln verbunden, wie in Deutschland. Die Deutschen leben mit der Erwartung, dass die Institutionen für sie alles richten sollen. Ich kenne auch andere europäische Staaten. Zum Beispiel nimmt der Einfluss der Politik in Griechenland, Italien, Frankreich, immer mehr ab, desto mehr man sich von Athen, Rom oder Paris entfernt. In Südostasien ist sie in den entlegenen Regionen kaum noch spürbar und wenn, dann meistens repressiv. Etwa wie der Elternteil, der sich immer heraushält, dazu gezwungen wird einzuschreiten, und dann besonders autoritär auftritt. Ich hab bisher auch noch nicht verstanden, wie einige dieses Korruptionsranking aufstellen. Woher bekommen die ihre Zahlen? Von denen, die Geld dafür genommen haben, die passenden Werte zu liefern?

Und dann gibt es die Leute, welche sich dazu berufen fühlen, Politik zu machen und ich glaube, nach dem Aufwachen ist der erste Gedanke Kaffee und der zweite dreht sich in irgendeiner Form um Geld. In einer deutschen Talkshow saß letztens eine studierte Wirtschaftsjournalistin, die ein typisches Statement abgab. Sie fände es problematisch Reiche zu besteuern oder zu kritisieren, weil dann bei jungen Menschen die Motivation sinken würde, selbst Unternehmer zu werden. Da war es wieder: Geld!

Mit Geld bekommt man kein Schiff aus einer Brandung, keiner kann damit alleine eine schützende Hütte auf einer Insel bauen, Fische fangen, Feuerholz schlagen, notdürftig die Schnittwunden eines Kindes behandeln, essbares von ungenießbaren unterscheiden, trösten, beschwichtigen oder andere menschliche Züge zeigen. Geld war einmal eine geniale Erfindung. Wer will schon 10 km mit ein paar Schweinen ins nächste Dorf ziehen, um sie gegen die notwendigen Lebensmittel und Werkzeuge für die kommenden Tage einzutauschen? Unter diesem Gesichtspunkt ist Geld eine echte Erleichterung. Leistungen ohne Produkt, also Beratungen, Wissensweitergabe, geistige Bereicherungen, wurden einst in Naturalien bezahlt. Bei den Mönchen im Goldenen Dreieck läuft das immer noch in dieser Art ab. Und wenn die Mönche Hilfe im Kloster brauchen, kommt das Dorf zusammen und arbeitet das Notwendige ab. Solche Abläufe sind echtes Leben.

Handwerk ist echtes Leben. Es wird gemeinsam gearbeitet und am Ende schaut man auf Gegenständliches. Dabei herrscht auch mal rauer Ton, gegenseitige Beschimpfungen passieren und wer sich herausnimmt, bekommt eine Ansage, doch letztlich haben alle ein Ziel vor Augen oder müssen gemeinsam den Misserfolg tragen. Es läuft alles auf eine Gewichtung hinaus. Was ist wirklich von Bedeutung und worüber kann hinweggesehen werden? Wie auch immer, erst die Distanzierung vom echten Leben, die Virtualität, das Abstrakte, machen  möglich, was ums uns herum passiert.

Nur noch sehr wenige Menschen haben zu dem, was wir alltäglich verspeisen, einen realen Kontakt. Die Mehrheit kennt Fleisch in der Verpackung. Selbst die Darbietung, wie sie in vielen Ländern noch üblich ist, bei der die Pfoten an Keulen gelassen werden oder die Köpfe in den Auslagen liegen, verstören deutsche Kunden. Daran, ein Tier selbst zu töten, ist gar nicht zu denken. Die Sprache spiegelt es deutlich. Wir sprechen von Fleischerzeugern, die hochwertige Produkte herstellen und sie dem Verbraucher präsentieren. Die Erzeugung von Fleisch ist nach meinem Verständnis die Geburt eines Lebewesens, die Herstellung eines hochwertigen Produkts, ist das Heranwachsen eines Tieres und der klinisch sauberen Präsentation geht das blutige Handwerk des Schlachtens voraus.

Bauern sind mittlerweile überwiegend hoch spezialisierte Agrar – Ökonomen, die sich neben dem eigentlichen Gebiet auch mit Wirtschaft, EU Recht und dem neuesten Stand der Technik und Gen – Forschung auskennen müssen. Das Wort Lebensmittel ist ein Hohn, die können sich nur gut verdienende Leute leisten, alle anderen bekommen Designer – Nahrung, eine Art AGAR für Menschen.

Es wäre verfehlt, in diesem Zusammenhang von der Menschheit zu sprechen. Diese Abstraktion findet im Wesentlichen in den westlichen Industriestaaten statt und wirkt auf alle anderen ein, ob die nun wollen oder nicht. Wobei auch westliche Industriestaaten längst überholt ist. China, Japan, Korea, sind ebenfalls betroffen.

Schlagworte sagen nichts aus

Links, rechts, Faschismus, Sozialismus, Öko – Sozialismus, Öko – Diktatur, Anti – Faschistisch, rassistisch, Kommunismus, Faschismus … die Liste der Bezeichnungen, mit denen komplexe innere Gedankenkonzepte bezeichnet werden, ist lang und ständig werden es mehr. Worum geht es denn?

Menschen treffen auf Menschen und müssen in irgendeiner Form ihr Zusammenleben regeln. Aus umherziehenden Familiensippen wurden Horden, einige begannen zu siedeln, andere zogen weiter umher. Es entstanden Völker, die um Gebiete konkurrierten. Es bildeten sich Staaten, Imperien, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Bis zur Zeit x gab das übergeordnete System vor, wo die Grenzen all dieses Treiben liegen. Da der taktische Schutz eines Gebirges, dort fruchtbarer Boden, Flüsse, Seen, Meere, Vulkane, all dies nahm Einfluss. Kain erschlug Abel, weil der sich als Hirte nicht an die Grenzen des siedelnden Kain hielt. Ganze Völker der Antike gingen unter, weil sie es mit der Ausbeutung der Umgebung übertrieben. Archäologen gehen davon aus, dass der einzige Grund für das Ansiedeln am Fuße eines Vulkans das dort reichlich vorhandene Gold war.

Lange vor den Sozialisten und Kommunisten machten sich Frauen und Männer ihre Gedanken darüber, wie man es hinbekommt, dass dieses ständige gegenseitige Töten und Überfallen mal ein Ende hat. Für mich ist der Knaller dabei, dass sie ausnahmslos zu einem identischen Ergebnis kamen, welches sie in Nuancen voneinander abweichend formulierten. Im Grunde genommen waren Lao Tze, Konfuzius, Buddha, Moses, Jesus, Johannes der Täufer, Mohammed, jeder Weise der Hindus, allesamt etwas, was man heute als Anti – Kapitalist, Sozialist, Kommunist o.ä. bezeichnen würde. Babylon, Sodom und Gomorrha, die Lehrreden der alten asiatischen Weisen für die Kaiser, Fürsten, die aufgestellten Regeln, der Wandel des brutalen Kriegsherren Ashoka zum Verbreiter des Buddhismus, der Kampf gegen den Pharao, seit etwa 5000 Jahren dokumentiert und vermutlich schon davor, dreht sich alles immer um eins: Die Gier des Menschen und wie man damit am ehesten umgehen kann. Äußerst spannend finde ich dabei auch die Entwicklung der alten Debatten. Im Alten Testament ging es noch richtig zur Sache. Selbst das Halten von Sklaven und das Töten anderer, wenn sie dem falschen Glauben anhingen, zur damaligen Zeit de facto einer anderen Volksgruppe angehörten, war O.K.  Mit Jesus kam die Erkenntnis ins Spiel, dass das kontraproduktiv ist. 

In Asien gab es einen Philosophen, der es zum Dreh und Angelpunkt seines kompletten Gedankengebäudes werden ließ: Gautama Siddhartha, genannt der Erleuchtete, der historische Buddha. Wobei sich seine Lehren, nicht im großen Maße von Lao Tze und Konfuzius unterscheiden. Gier, ist eine problematische Übersetzung des Gemeinten. Bei Gier haben Europäer einen schlingenden Hund vor Augen.

Es geht um die Unzufriedenheit, die daraus entsteht, wenn man stets mehr haben will, als benötigt wird. Ein Armer, der zu Geld kommt, wird nicht zu einem besseren Reichen. Oftmals wird von Verzicht gesprochen. Dies ist der Fall, wenn ich bewusst auf die Befriedigung meiner Grundbedürfnisse verzichte, aber nicht, wenn ich von dem loslasse, was ich alles nicht brauche. Ich verzichte nicht auf ein Auto, ich benötige es schlicht nicht. Wenn dies der Fall ist, besorge ich mir eins für den Zweck. Würde ich verzichten sagen, bedeutete dies, dass ich als Mensch einen Anspruch darauf hätte.

Im Zusammenhang mit der Gier wird auch gern von Neid gesprochen. Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn eine oder ein Anderer mehr hat, doch hängt daran meist eine Menge hinten dran. Diese Eigenart des Menschen immer mehr haben zu wollen erzeugt überall Leid, Not und Zerstörung, die alle Menschen betrifft. Damit wird die oder der Reiche zum Problem. Autos sind bei uns ein Statussymbol. Eine Daimler – Benz S – Klasse hat de facto keinen höheren Nutzen, als ein Fahrzeug aus der Mittelklasse. Gleichermaßen verhält es sich mit Fahrzeugen, die zwar einen E – Antrieb haben, aber  auf eine maximale Geschwindigkeit von 250 km/h  ausgelegt sind. Anstatt sich auf die sinnvolle Reichweite zu konzentrieren, wird auf eine unsinnige Geschwindigkeit geachtet. Der Entwickler des AUDI Quattro hat einen Motor gebaut, der mit Ethanol läuft, aber leider nur eine Geschwindigkeit von 130 km/h leistet. Außerdem haben sich alle so sehr auf die E – Fahrzeuge gestürzt, dass ihm am Markt keine Chancen gegeben werden. Erneut geht es um Geld, Profit, Gewinn, statt um die Vernunft.

In einer Fernsehsendung beschrieb eine Autorin ein Spiel, welches funktionieren würde, wenn die Spielregeln eingehalten werden. Sie erläuterte, dass sie unterschiedliche Entlohnungen und Statussymbole durchaus favorisiert, wenn jeder die Chance bekommt mit Arbeit und Strebsamkeit daran Teil zu haben. Aktuell würde es aber auf ein Monopoly Spiel hinauslaufen, in denen manche jedes Mal 1000 EUR kassieren, wenn sie über Los ziehen, während der andere Mitspieler nur 100 EUR bekäme und auch noch nur einen Würfel bekäme. Viele könnten sich abrackern wie sie wollen, würden aber niemals ein Vermögen aufbauen können.

Ich finde, sie hat dies nicht zu Ende gedacht. Arbeiten, nicht um zu leben, sondern zum Aufbau eines Vermögens. Eins der Bauteile des Gier – Systems. Oh Graus, was würde passieren, wenn diese Anreize nicht mehr existierten? Chaos, die Wirtschaft bricht zusammen, kein Konsum, kein Kauf völlig unsinniger Produkte, einfach alles, was uns einen Sinn stiftet, wäre weg. Wir könnten Status, Freiheit, Identität, Liebreiz, Attraktivität, Eros, nicht mehr Produkten ersetzen. Naturwissenschaftler müssten wieder der Neugierde folgen und nicht dem Geld. Wahrlich eine Horrorvision der Zukunft.

Naive utopische Gedanken?

Selbstverständlich weiss ich, dass ein Systemhack des im Menschen vorhandenen Gier – Programms, bei aller tatsächlich bestehenden Notwendigkeit, eine pure Utopie ist. Aber ich will es nicht naiv nennen. Naiv ist für mich die Annahme, dass sich ohne jemals etwas verändert. Utopien erfahren ihre Berechtigung darin, dass sie zeigen, was möglich ist oder passieren kann. Schlecht ist es, wenn sie wie „1984“ oder „Eine schöne Neue Welt“ zur Blaupause der Politik werden.

Die wenigsten Deutschen oder Einwohner aus einem der reicheren Industrieländern haben eine Vorstellung davon, wie eiskalt, abgebrüht und ausschließlich den Regeln der Taktik folgend ein Teil der Gesellschaft unterwegs ist. Früher war dies ein wenig anders. Die Leute waren härter, rationaler und realistischer. Meinem Gefühl nach, besteht mittlerweile eine klare Grenzlinie zwischen einer Mehrheit mit Wunschvorstellungen, wie Menschen sein sollten und einer Minderheit, die sich die Realitätsferne zunutze machen.

So wie ich es erfahren habe, sind weder die Charaktere noch die Verhaltensweisen von einem Dealer, der einige hundert Gramm Kokain verkaufen will, einem Falschgeldhändler, der eine Million Blüten an den Mann bringen will, einem Politiker dem Geld versprochen wurde oder windige Freischärler der ehemaligen DDR, von gravierenden Unterschieden geprägt. Wenn sie Geld gesehen oder gar angefasst haben, gibt es kein Halten mehr.

Damit steht und fällt meiner Meinung heutzutage die Politik, Wirtschaft und alles was sich um die für die zukünftig notwendigen Richtungsentscheidungen rankt. Alle Ideen, Theorien, Abhandlungen, die von Neoliberalen Vordenkern aufgestellt wurden, haben einen Haken. Keiner von Ihnen lebte jemals in einem kriminellen oder von Nachrichtendiensten geprägten Milieu. Außerdem stammen sie ausnahmslos aus reichen Industriestaaten. Ein Umstand, der mit Sicherheit das Denken prägte.

Sie gingen und ihre Jünger gehen  heute noch von Prämissen aus, die zwar als nahezu absolut vorgegeben gelten, dennoch Konstrukte des Gehirns sind und somit von Menschen ihrer Zeit als Vorgaben hingenommen werden. Hayek, einer der Godfather des Neoliberalismus wollte künftige Kriege verhindern. Aber er ging nicht so weit, dass er die Grundideen der Menschen anzweifelte. Zu seiner Person muss ergänzt werden, dass er sicherlich niemals die globale Begrenztheit der Ressourcen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen der Menschen im Hinterkopf hatte.

Warum soll Grund und Boden nicht Allgemeingut wie bisher Wasser und Luft sein? Bisher – diese Einschränkung deshalb, weil die ersten auch nach dem Wasser ihre Finger ausstrecken. Dies tun sie immer, wenn etwas knapp wird, menschliches von selbsternannten Sittenwächtern (Alkohol, Prostitution) oder wegen angeblicher Moral (Waffenembargo) verboten wird. Unter dem Strich geht es auch bei Waffen, die Herstellung und wer sie bekommen darf, ausschließlich um Geld. Ich gehe davon aus, dass in Zukunft auch für verträgliche Luft und der Aufenthalt in zum Leben geeigneten Regionen bezahlt werden muss. Wer nicht zahlt, wird von denen, die welche haben dürfen, mit Waffen abgewehrt. Im gewissen Sinne ist dies bereits der Fall. Der neoliberale deutsche Politiker Christian Lindner sagte in einem Interview, dass es kein Menschenrecht wäre, sich seinen Aufenthaltsort frei auszusuchen. Fakt ist, für Reiche gilt dieses sehr wohl. Geld öffnet jede Grenze und wie ich es mir besorge, ist von meinen Möglichkeiten, meinen Skrupeln und meiner Kreativität abhängig.

Wie ganz am Anfang gesagt, ist alles von Menschen erdacht. Kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten konstruiert sich ein eigenes Lebenssystem, teilt Grund und Boden zu, sieht sich in der Position ins übergeordnete System einzugreifen, oder erfindet den Kauf – oder Verkauf von Dingen, die zum Leben unabdingbar notwendig sind. Ebenso ist keins in der Lage, zum echten Leben eine Distanz herzustellen. In der Theorie könnten wir genauso gut vollkommen anders herangehen.

Also bleibt eine Frage offen: Warum tun wir es nicht? Meine persönliche Antwort: Gier und Anhaften an dem, was die Gier erzeugt hat. Ein primitives Überbleibsel aus der Zeit, in der Menschen in Höhlen lebten und vom Horten das Überleben abhängig war. Doch wer weiß, vielleicht wird dieses Verhalten, wenn Utopisten, Apokalyptiker, die Szenarien wie Mad Max, Flucht aus L.A. ( The Snake), Das Buch Eli, oder Klassiker wie H.G. Wells „die Zeitmaschine“ ersannen, richtig liegen, wieder wichtig. Auf jeden Fall ist die Mehrheit in den reichen Staaten auf dem absteigenden Weg. Die beschäftigen sich mit sich selbst und realisieren nicht, was auf dem restlichen Erdball passiert.

Ein paar Freunde und ich schauen bisweilen mit bitteren Gedanken auf dieses Trauerspiel. Vergleiche wurden schon viele angestellt. Es wird über Sozialismus, Kapitalismus, Verbote, Freiheit, Beschränkungen und was weiß ich noch alles diskutiert. Die Krönung von allem war die Empörung einiger, als Aktivisten vollkommen korrekt formulierten: Die Natur verhandelt nicht! Der Umstand, dass dies den Horizont einiger Entscheidungsträger sprengte, zeigte das volle Ausmaß der Misere. Sie glauben tatsächlich an das Gebilde, welches im Großhirn entstanden ist, nämlich an ihren selbst zugeteilten „Gott“ – Status. Diese Haltung entspricht einem Politiker, der sich auf einer Hallig einer Sturmflut entgegenstellt und mit ihr diskutieren will oder einem Vulkan versuchen einen Termin für den nächsten Ausbruch abzuringen.

Die Lage ist eindeutig: Entweder ein halbwegs dem Leben der tausenden vorhergehenden Generationen ähnliches, oder ein menschlich konstruiertes auf Technik basierendes Leben, mit dem erheblichen Risiko in einer üblen Dystopie zu landen.

Bereits jetzt 2021 ist die erste Option recht unwahrscheinlich geworden. Denn es geht nicht nur um das Klima, sondern auch um die Veränderungen, die die Verschmutzung und die anderen Eingriffe mit sich bringen. Wenig Hoffnung macht auch das Feilschen um Zahlen und Werte. Die sind bei vernünftiger Betrachtung erst einmal zweitrangig. Sie bekommen erst Priorität, wenn es mal wieder um Profite und Gier geht. Würde ernsthaft jemand sagen: „Ups, das ist jetzt aber doof, wir sind 10 Jahre zu früh klimaneutral.“ Oder: „So ein Mist, jetzt haben doch glatt 1000 Arten mehr überlebt, als wir kalkuliert haben.“ Also in meiner Gedankenwelt ist das ziemlich hirnrissig.

 

Ich begann mit einem Zitat aus dem Pali Kanon und will damit auch enden:

Wer das zentrale Lebensgesetz übertritt, wer unwahr redet oder sich über künftige Leben lustig macht, ist zu jeglichem Bösen fähig.

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