Perspektivwechsel

Lesedauer 20 Minuten

Ein klassisches Setting

Noam Chomsky, Douglas Adams und die Script – Autoren für alle Serien nach Machart von Raumschiff Enterprise haben alle etwas gemeinsam. Sie haben bei der Betrachtung des Weltgeschehens die Perspektive eines Außerirdischen Beobachters eingebracht. Diese Perspektive ist mit die größte Abstraktion und Metaebene. Wobei ich glaube, dass dies gar nicht nötig ist, wenn man sich anstatt dessen in die Sicht eines Kindes versetzt. Egal, welchen Weg man befolgt, stellt sich schnell heraus, wie viele Axiome einem als unumstößliche Gegebenheiten des Lebens verkauft werden, die einer näheren Prüfung nicht standhalten.

Geld und Wert

Eins der prominentesten ist alles, was sich um das Thema Geld rankt. Geld ist eine Idee. Ein fünfhundert EURO Schein hat den Materialwert weniger Cent oder wenn es gar nicht um Geld gehen soll, dem, was ich im Tausch gegen eine sehr kleine Gefälligkeit nehmen würde. Bereits beim Begriff Wert wird es schwierig. Gebe ich einem kleinem Kind, welches mit einem nach dem Verständnis der Erwachsenen teuren Collier spielt, im Tausch eine große Puppe, wird es vermutlich die Puppe nehmen. Ein hart arbeitender Mann bekommt für seine Leistung 12 EUR die Stunde, während ein Rechtsanwalt für das Aufsetzen eines Schriftstücks innerhalb weniger Minuten hunderttausende EURO bekommt. Viele große Künstler lebten zu Lebzeiten in Armut, während ihre Werke heute auf Auktionen für Millionen den Besitzer wechseln.

Wie erkläre ich nun einem Außerirdischen, dass den Pflegekräften oder Lehrern, die uns im Alter betreuen oder dem Nachwuchs Wissen vermitteln sollen, deutlich weniger Geld zukommt, als andere für ein altes Pergament mit Ölfarben ausgeben? Oder besser noch, man mit dem Geld eine ganze Schule bauen könnte. Letztens kaufte ein weitläufig Bekannter für 70.000 EUR einen alten Porsche. Ein nett anzusehendes Vehikel mit einem jede Menge Liter fossilen Brennstoff verbrennenden Motor. Was könnte man mit den 70.000 EUR in den richtigen Händen alles anstellen? Was wäre, wenn ich sie irgendwo auf der Welt in eine Schule oder wenigstens in ein paar junge Menschen investierte? Niemand kann wissen, ob ich damit u.U. dem Erfinder einer Wasserstofffusion in die Spur helfe. 70.000 EUR ist auch der Betrag, der nach Untersuchungen die Grenzlinie zum Glück darstellt. Bis zu diesem jährlichen Betrag steigt nach Aussagen der Untersuchenden das subjektive Glücksgefühl, danach folgen keine weiteren Steigerungen, eher Abstriche. Im Übrigen ist dies auch der Betrag, den in Deutschland eine Frau oder ein Mann investieren muss, wenn sie/er sich für eine der großen Parteien als Direktkandidat/in bei der Bundestagswahl aufstellen lässt. Bei den kleineren Parteien wird es günstiger.

Vielleicht würde mich der Außerirdische fragen, ob der Verdienst, wie wir es nennen, von der Wertschöpfung der Arbeit abhängt. Ein afrikanischer Minenarbeiter schürft nach Diamanten, die allgemein sehr teuer gehandelt werden. Bei dem, was er dafür bekommt, sprechen wir von moderner Sklavenhaltung. Die Mitglieder der Rechtsanwaltssozietät, welche verhindern, dass sich dies ändert, bekommen das Tausendfache. Mal ganz abgesehen von dem, was die Aktionäre der Minengesellschaft erhalten. Die rein körperliche Arbeit, die Verdammung zum Vegetieren, der Raubbau an der Gesundheit und die damit einhergehende Verkürzung des Lebens, wird nicht honoriert. Und wie erklärt man das jetzt?

Was da in Afrika stattfindet, könnte man als extrem bezeichnen. Wobei anzumerken ist, dass auch dies eine Frage der Perspektive ist. Aus der Sicht eines Deutschen mag dieses der Fall sein, in der entsprechenden Region, ist es für die Kinder und Männer die normale Lebensrealität. Was passiert eigentlich mit diesen Diamanten? Einige finden den Weg in eine Juwelier – Werkstatt, wo sie in teure Schmuckstücke eingepasst werden. Diese landen wiederum in einem Schließfach und sollen bei besonderen Anlässen die optische Erscheinung eines Menschen untermalen. Unter dem Strich wurde ein sechsjähriger Junge in einer Mine gequält, damit ein anderer Mensch, der möglicherweise noch nie gearbeitet hat, anderen gefällt. Ein anderer Teil landet in der Industrie und wird dort in Maschinen eingebaut, die zusammen mit anderen Bauelementen ein Produkt herstellen, welches wiederum anteilig in Deutschland landet. Wird damit jeder von uns zum mittelbaren Sklavenhalter? Was würde in einer Utopie passieren, in der wir auf alle Produkte, Baustoffe, Ressourcen, verzichten, die unter diesen Umständen in den Kreislauf gerieten? Nun, ich denke, bei uns würden ebenfalls alle Skrupel über Bord geworfen werden und wir hätten wieder Kinderarbeit, Tagelöhner, Trockenbewohner und ein Heer von Arbeitern lebten in menschenunwürdigen Mietskasernen. Da ist es einfacher den namenlosen sechsjährigen Junge in einem fernen Land zu opfern.

Aber warum in die Ferne schweifen? Trotz aller Erleichterungen existieren selbst in den im Wohlstand lebenden industrialisierten Ländern parallel zu eher leichten Arbeiten echte Knochenjobs. Dachdecker, Handwerker, Baugewerbe, Pflegedienste, die Liste ist lang. Jetzt könnte ich dem Alien von der Errungenschaft der Rente berichten. Ein Mitglied der Gesellschaft arbeitet einen festgelegten Zeitraum, bekommt während dessen Geld zum Leben, gleichzeitig zahlt die Institution, die mit den Produkten die aus dieser Arbeit entstanden sind ebenfalls Geld verdient, einen Beitrag in eine Kasse, in die auch die Arbeiter einzahlen. Am Ende der Arbeitszeit bekommt der zum Arbeiten zu alt gewordene Mensch eine Rente. Völlig zu Recht müsste der Alien nachfragen, was ich unter zu alt verstehe. Also, wenn ich es schaffe, ihn von dem afrikanischen Kind abzulenken. Ich würde antworten, dass zu alt sehr individuell ist. Maßgeblich ist die Fähigkeit innerhalb des Berufs zu arbeiten. Hierbei müsste man einräumen, dass einen die körperliche Arbeit früher an diesen Zeitpunkt bringt, denn eine Tätigkeit in einer Schreibstube. Konsequenterweise müsste dann die körperliche Arbeit früher enden, als die leichteren Tätigkeiten. Nun gibt es Menschen, die hierzu eine brillante Idee haben. Wenn das Körperliche nicht mehr geht, könnte dieser Mensch doch in einem anderen Job arbeiten. Also z.B. den Betriebsschlosser aus der Produktion vor einen Bildschirm in der Buchhaltung setzen. Kleine Unwegsamkeiten, wie dass da schon jemand sitzt, sind Details, die zu regeln sind. Eine andere Option wäre, dass der Betriebsschlosser über sein interessantes Leben ein Buch schreibt oder sich einen Sci – Fi – Roman ausdenkt. Vermutlich würde selbst der Alien feststellen, dass dies ziemlicher Unfug ist. Vielleicht, auf jeden Fall ist es die Perspektive und Sichtweise eines politisch engagierten Rechtsanwalts, der somit die Regeln interpretiert, die sich Menschen gaben. Sie stammt von dem Rechtsanwalt, Ökonomen und stellvertretenden Bundestagspräsidenten der Bundesrepublik Deutschland Kubicki.

Zum Thema müsste ich dem Alien erläutern, dass die Menschheit einem Prinzip folgt, demnach alles Knappe eine Wertschätzung erfährt, während die Dinge, welche im Überfluss da sind, keine erfahren. Oftmals verbrauchen wir so viel von dem reichlich Vorhandenen, bis es knapp wird oder wir horten es und machen es künstlich rar, damit es eine Wertschätzung in Form von Geld erfährt. Dabei kann es zu paradoxen Situationen kommen. Bahnbrechende gute Ideen sind selten und müssten dem Prinzip nach eine hohe Wertschätzung bekommen. Allerdings bedeutet diese neue Idee u.U. einen Wertverlust für die Leute, welche noch mit der alten, damit hinfälligen, Produktionsmethode arbeiten. Dann werden die alles dran setzen, damit die Idee sich nicht durchsetzt. Wenn der Alien dies verstanden hat, verfüge ich über eine Grundlage, auf der ich ihm vermitteln kann, warum wir bereits in den 70ern des letzten Jahrhunderts Ideen hatten, um fossile Brennstoffe, von deren Schädlichkeit wir wussten, obsolet werden zu lassen, aber niemals weiter verfolgten. Mir ist klar, dass er an den Eigenschaften zweifeln würde, die die Spezies Mensch mit Vernunft, also aus abstrakten Überlegungen Schlüsse zu ziehen und Verstand, die Fähigkeit vor etwas zu stehen, zu sehen und zu analysieren, nennen.


Verstand und Vernunft

In diesem fiktiven Gespräch könnte ich lang und breit erörtern, dass meine Spezies, bezüglich der Wirkung auf den Planeten die Dominante, seit sehr langer Zeit auf einen Unterschied zu allen anderen Spezies bedacht ist. Wir behaupten, im Gegensatz zu den anderen, ein Bewusstsein zu besitzen, also die eigene Existenz wissentlich wahrnehmen, mittels Überlegungen Dinge ableiten können und anhand Beobachtungen die Zusammenhänge des Systems, von dem wir ein Teil sind, verstehen können. Gut, noch nicht so, dass wir den Planeten zu einem anderen Planeten mit ähnlichen Voraussetzungen verlassen könnten, aber immerhin können wir darüber nachdenken. Einige unserer Denker behaupten, dass dies für uns unter Umständen gar nicht möglich ist, aber dies sind Spielverderber.

Rhetorisch ist klar, was danach kommt. „Also Eure Wissenschaftler haben verstanden, dass ihr die vorhandenen Lebensgrundlagen zerstört und wenn ihr weiter macht wie bisher, nur mit technologischen Lösungen überleben könnt, die neue Probleme erzeugen?“
„Ja!“
„Aber was ist mit dem, was ihr Vernunft nennt?“
„Eine Fähigkeit ist erst einmal vorhanden. Damit ist noch nicht gesagt, dass sie auch eine Anwendung findet.“
„Andere Frage! Mir ist aufgefallen, dass sich manche Deiner Spezies in Gebieten aufhalten, die eher lebensfeindlich sind und andere leben in Regionen, die deutlich bessere Bedingungen bieten. Sind die in schlechten Gebieten zu dumm, um von dort aus zu verschwinden, ist das selbst auferlegt oder sind dies Strafkolonien? Und wie wollt ihr das regeln, wenn noch mehr Gebiete unbewohnbar werden?“
„Vor ca. hundert Jahren machten sich Menschen von einem Kontinent mit günstigen Voraussetzungen auf die Suche nach weiteren Gebieten.“
„Also, wie wir, nur dass wir andere Planeten suchen.“
„Im Prinzip ist das so. Nun waren da aber schon Menschen. Die wurden versklavt, ausgerottet oder in ungünstigen Gebieten angesiedelt.“
„Hm, d.h., wir würden Euch entweder für uns arbeiten lassen, töten oder auf einem Wüstenplaneten absetzen?“
„Jein, ihr wärt wenigstens eine andere Spezies. Jedenfalls wurden dadurch die bereits dort lebenden Menschen immer ärmer und die anderen reicher. Irgendwann wollten sich einige von denen auf den Weg machen, um auch etwas von dem Kuchen … eine Redensart bei uns … abzubekommen.“
„Legitim!“
„Nein! Die Reichen haben ihnen gesagt, sie müssen dort bleiben, wo sie geboren wurden.“
„Aber die Reichen können hingehen, wo sie wollen?“
„Ja, denn sie haben das Geld sich dieses Recht zu kaufen.“
„Sagt zum Beispiel dieser Kubicki?“
„Nein, in dem Fall sein Parteifreund Lindner! Also konkret sagte er: „Kein Mensch habe das Recht, sich nach Gutdünken seinen Aufenthaltsort auszusuchen.“ Da dies aber realistisch betrachtet, jeder aus einem reichen Land und Kleingeld in der Tasche kann, läuft es auf einen Kauf hinaus.“
„Das Geld, welches das Kind für die Arbeit in der Mine nicht bekommt? Dann hat also jemand mit mehr Geld auch mehr Rechte?“
„Ja, das kann man so stehen lassen.“


Wo sollte man anfangen?

Das Gespräch könnte lange fortgesetzt werden und es würde eine nach der andern aus Wahn entstandene Gegebenheit auf diesem Planeten hervorbringen. Wüsste man mit Sicherheit, dass die heute Armen, die Gerechten von Morgen sind, bliebe es dem Alien überlassen, sie mit Waffen auszustatten, denen die Reichen nichts entgegenzusetzen haben. Immer unterstellt, dass er und seine Freunde hierfür ein Motiv hätten. Was ich bei näherer Betrachtung ausschließe. Doch selbst wenn, denke ich, dass das nichts änderte, sondern nur die Protagonisten austauscht.

Ich bin mitten ins Gespräch eingestiegen. Was wäre, wenn wir uns nicht auf der Erde träfen? Eine Frage richtete sich wahrscheinlich nach meiner Herkunft. Spandau, Berlin, Deutschland, Mitteleuropa wären keine hilfreichen Informationen. Eher wohl nördliche Halbkugel des Planeten Erde und ich bin Humanoid. Vielleicht könnte ich noch erklären, dass sich Teile von uns zwecks der besseren Übersicht in Nationen aufteilten. Spätestens bei einer Nachfrage, warum dies nur Teile der Menschheit taten und nach welchen Kriterien diese dies vorgenommen haben, säße ich wieder in der Falle. Oder wie sollte ich erläutern, dass es Aufgabenstellungen gibt, die den gesamten Planeten und alle Spezies betreffen, jedoch nicht alle an einem Strang ziehen, schlimmer, nicht einmal in der Lage sind, trotz vorhandener Kommunikationstechnologie, uns zu koordinieren.

Wie könnte ich rechtfertigen, dass die Mehrheit der Menschen einen kleinen Minderheit dafür Geld geben muss, damit sie aufhören die Lebensgrundlagen zu zerstören? Eventuell müsste ich dem Alien erst einmal die Sache mit dem Leben auf der Erde erklären und das diese kleinen millionenfach vorhandenen Blechdinger keine Spezies sind. Die Idee hatte schon Douglas Adams. Schwer vermittelbar wäre auch der Umstand, dass wir über kein den gesamten Planeten umspannendes Mobilitätssystem verfügen, welches mit simpler Sonnenenergie angetrieben wird. Oder ist die Antwort: Wir sind seit hundert Jahren zu dämlich uns zu einigen, eine nachvollziehbare schlüssige Antwort? Warum gaben wir auf, den Wind für Meeresüberquerungen zu nutzen?

Eins ist sicher. Ich müsste den Alien nach diesem Gespräch töten. Kaum ausdenkbar, welche Folgen es haben könnte, wenn seine Spezies erkennen würde, wie simpel, dämlich, hilflos und arrogant die Spezies Mensch ist. An der Stelle weise ich auf Stephen Hawking hin, der aus diesem Grund dringlichst von einer Kontaktaufnahme mit möglichen anderen Lebensformen im Universum abriet. Immerhin hätten die unter Umständen ein Level erreicht, welches ihnen einen Besuch möglich macht.

Allen Anschein nach sind wir nicht einmal ansatzweise dazu fähig, die grundlegenden Probleme anzugehen, aber manche von uns fabulieren von technologischen Lösungen oder gar einem Verlassen der Erde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Universum Mietnomaden mit Messi – Tendenzen benötigt.

Einem Teil der Menschheit ist es außerdem nicht möglich einen Schritt neben sich zu treten und einmal genau hinzuschauen, wozu sie eigentlich tatsächlich fähig sind. Mich beschäftigte eine Weile die Aussage: „Wer Menschheit sagt, will betrügen.“ Da ist etwas dran und ich werde darauf noch einmal zurückkommen. Die hier angesprochenen Teile würden feststellen, dass sie vieles unterlassen können, aber keinesfalls mittels Handeln komplexen Prozessen einen gewünschten Verlauf geben können. Auf eine Aktion erfolgt eine Reaktion, dies gehört zu unserem gesicherten Wissen. Bestenfalls sind wir noch fähig, in einfachen Prozessen die nächsten fünf Folgen vorherzubestimmen, mit steigender Komplexität nimmt die Wahrscheinlichkeit ab. In Hinblick auf die primären Themen des 21. Jahrhunderts, der vom Menschen verursachte Klimawandel und die Zerstörung durch Verschmutzung innerhalb des Anthropozän, geht es nicht um einen Schutz, was eine Aktivität ist, sondern um ein Unterlassen weiterer schädlicher Eingriffe in ein System, welches wir bisher nicht verstehen. Mitmenschen, die sich quasi als eine Art Gottesfaktor, in dieses einklinken wollen, unterliegen einem Wahn, was sie zu Wahnsinnigen macht. Ein Wahn, der damit beginnt, dass sie der Auffassung sind, Tod, Krankheiten, Unzulänglichkeiten, Fehlbarkeit, kurzum das Menschliche, ohne Reaktion des Systems überwinden zu können. Für mich ist das aus der Evolution hervorgegangene Großhirn ein Beweis, dass es keine göttliche Macht gibt. Gäbe es sie, hätte sie bestimmt die Idee des Großhirns innerhalb des unvorstellbaren langen Zeitraums einmal durchgespielt und wäre zum Ergebnis gekommen, dass es sich konsequenterweise eines Tages selbst und jegliche andere mühselig in die Wege geleitete Schöpfung vernichtet. Stetig vergrößerte sich die Kapazität des Großhirns. Bis der Zustand erreicht war, in dem die Kapazität das Notwendige überstieg und es sich zu langweilen begann. Irgendwann zu dieser Zeit begann der Anfang vom Ende. Meiner Vorstellung nach passierte einfach alles. Ohne jeglichen Grund passten erst zwei und später sehr viele Atome zueinander. Wie daraus etwas entstanden ist, was wir als Leben bezeichnen bleibt offen. Jedenfalls wissen wir mit ziemlicher Sicherheit, dass die Evolution nichts ist, was nachdenkt, sondern ein sich selbst bedingenden Prozess darstellt. Es passiert, funktioniert oder eben nicht und entwickelt sich weiter. So simpel wie das klingt, so tückisch ist es auch. Über Millionen Jahre hinweg, ist mittels „Try and Error“ ein in sich perfekt abgestimmtes Lebenssystem entstanden, von dem wir nur sehr wenig wissen und immer wenn eine/r denkt, etwas zu wissen, tauchen hunderte neue Fragen auf. Ein perfektes Beispiel liefert die Genetik. Kaum glaubten sie den genetischen Code entschlüsselt zu haben und endlich richtig „Gott“ spielen zu können, trat den Genetikern die Epigenetik vor das Schienbein. Wann werden welche Schalter zu welchem Zeitpunkt umgelegt, was wird davon vererbt und was wiederum nicht?

Doch nicht nur Multimilliardären, denen das Geld, Macht und Möglichkeiten die Persönlichkeit durcheinander gebracht hat, unterliegen diesem Wahn, sondern ebenso die, welche ihnen in das uns alle (spätestens die Nachfolgegenerationen) betreffende Verderben folgen oder sie mit Forschungen stützen.

Man könnte alles gelassen angehen, wenn es nicht diesen unfairen Aspekt bei alledem gäbe. Die können sich gern in irgendwelche Biosphären begeben und sich dort mit einer Schar Dr. Seltsams umgeben. Doch was haben all die indigenen Völker und Menschen in entlegenen Winkeln zu tun, die versuchen redlich im Einklang mit der Natur zu leben? Wer gibt diesen Geld – Diktatoren das Recht, mittels ihrer Aktionen und Hilfe ihrer bezahlten Gefolgschaft dem Rest der Menschheit den Willen aufzudrücken?

Meine Bitte an den Alien

Hätte ich einen Wunsch frei, ginge der in die Richtung eines Tribunals. Dort müssten sich alle, die sich an der Zerstörung beteiligen verantworten und würden im Zweifel Konsequenzen zu spüren bekommen. Neben dem vorsitzenden Alien säßen bei mir als Geschworene die Vertreter von all den Geschädigten. Dann würde nicht das von Menschen erdachte Geld bzw. der Umsatz oder Verlust über alles entscheiden, sondern das reale Geschehen und damit auch ein wenig der Verstand. Ich glaube schon nach kurzer Zeit, sähe alles anders aus. Das Risiko, statt einer opulenten Managerabfindung eine langjährige Haftstrafe in Bangladesch abzusitzen, schreckte mit Sicherheit einige ab auf alles zu Pfeifen, und würde andere Entscheidungen attraktiver werden lassen.

An dieser Stelle wird begreiflich, warum ich dem Satz mit der Menschheit und dem Betrügen zustimme. Alle, die sich den Menschen näher ansahen, bekamen das Bild eines durch und durch sozialen Wesens. Bereits die Logik sagt einem, dass dies einfach so sein muss, weil wir sonst niemals so weit gekommen wären. Zum Beispiel haben Versuche ein ausgeprägtes Empfinden und Bedürfnis nach Gerechtigkeit aufgezeigt. Die funktioniert allerdings meist nur im unmittelbaren Kontakt. Da ist der Haken. Kaum etwas in uns ist auf das Zusammenleben in Massengesellschaften ausgelegt und noch viel weniger auf ein globales Geschehen. Einige, die erkannten, dass das Verhalten von Massen eine eigene Dynamik hat, schauten sich genau an, wie sie diese nutzen können. Grundsätzlich wäre dagegen nichts einzuwenden. Entscheidend ist, wofür die mannigfaltigen Möglichkeiten der Manipulation genutzt werden.

Aus den Erkenntnissen der Wissenschaften ergibt sich eine ultimative Fragestellung: Entweder, sie liegen richtig, dann befinden wir uns in einer gefährlichen Krise mit gigantischen Ausmaßen oder sie liegen daneben.

Im ersten Fall gilt es auf allen Ebenen konsequent und auch radikal zu handeln. Jeder ist das Ergebnis der eigenen Sozialisation und der Summe der gemachten Erfahrungen. Ich selbst befand mich in zig Großlagen, in denen Einsatzstäbe, besetzt mit Beratern, Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen, Taktiker und Einsatzleitern, versuchten, Geiselnahmen, Entführungen, Erpressungen, anstehende bewaffnete Raubtaten zu einem guten Ende für die Opfer zu bringen. Aufklärer, Spezialisten, Berater, haben die Eigenschaft, unliebsame Fakten mitzuteilen, die oftmals nicht in das Wunschbild der Einsatzleiter passen. Halten sie trotzdem an ihren Wunschvorstellungen fest, aus Unvermögen, Eitelkeit oder Narzissmus, geht jeder Einsatz „in die Hose“.

Überall hört man derzeit etwas von „Verantwortung tragen!“. Letztlich läuft es auf „Alles falsch gemacht!“ oder „Alles richtig gemacht!“, hinaus. In den angesprochenen Einsätzen ging es mehrfach um Leben, Tod oder mindestens eine erhebliche Schädigung des Opfers oder des Täters. Zur allgemeinen Verwendung des Worts „Verantwortung“, kommt noch die Prognose hinzu. Allgemein wird behauptet, dass Prognosen eine diffizile Angelegenheit sind und sie meistens eher zweifelhaft sind. Politiker ziehen sich gern in diese Deckung zurück. Ich wende dies hier mal auf Einsätze an. Ausgangslage: Der Täter hält bei einer Geiselnahme dem Opfer etwas an den Kopf, was aussieht wie eine Schusswaffe. Jetzt kann ich hierzu Spekulationen und Prognosen anstellen. Ist es tatsächlich eine scharfe Schusswaffe? Hat der Täter tatsächlich die Absicht zu schießen oder blufft er? Eigentlich will er Geld haben und leben, der Tod einer Geisel ist nicht das primäre Ziel. Wie schätzt er selbst die Lage ein? Wenn er mehrere Geiseln genommen hat, könnte er darauf setzen, dass die eine getötete Geisel den Druck auf die Polizei erhöht. Jenseits aller Prognosen ist der Umstand, dass das Eindringen eines Projektils in den Kopf der Geisel mit 99 % zum Tod führen wird, eine Tatsache. Alles verändert sich, wenn politische Forderungen gestellt werden. Dann wäre für den Täter bei Nichterfüllung seiner Forderungen die Tötung der Geisel und der sogenannte „Suicide by Cop“ ein Märtyrer – Akt. Gut, hier in dieser Lage eine Entscheidung zu treffen mag dem einen oder anderen noch leicht fallen. Wobei der Einsatzleiter u.U. lediglich den sogenannten „Finalen Rettungsschuss bei günstiger Gelegenheit“ freigibt. Entscheiden und den Finger krümmen muss der Schütze.

Jetzt ändere ich die Ausgangslage. Der Täter hat überlebt und seine Strafe bekommen. Nach 11 Jahren ist er wieder auf freien Fuß und plant den nächsten Coup. Davon bekommt die Polizei Wind und heftet sich an ihn. Plötzlich kommt es zu einer Situation, wo nicht klar ist, ob sich wirklich der Richtige in einem Fahrzeug befindet. Dies lässt sich nur mit einer Kontrolle ermitteln. Nur wie? Freundlich anhalten und ihn nach den Papieren fragen? Wer sagt mir, dass der nicht die Nerven verliert und sich den Weg freischießt? Die passenden Berater werden eine Kontrolle empfehlen, die rüde, aber effektiv ist und dem möglichen Verdächtigen keine Chance lässt. Womit der dann aber auch weiß, dass seine Pläne bekannt sind. Ist ein anderer Mann im Fahrzeug, liegt ein unbescholtener Bürger auf der Straße und beschwert sich lautstark über Polizeigewalt. Außerdem wird es viel schlechte Presse geben. Nun gehe ich im nächsten Schritt davon aus, dass es sich nicht um einen „normalen“ Gangster handelt, sondern den politischen Attentäter, welchen beim ersten Mal der Mut verließ, er sich deshalb weiter radikalisiert hat und bereits länger mit der Schmach leben muss, nicht den Märtyrertod gestorben zu sein. Der verlässt unter Beobachtung mit einem großen Rucksack sein Haus. Läuft zur nächsten U – Bahn und fährt in Richtung Innenstadt. Auf der Fahrt führt er mit seinem Telefon zweideutige Gespräche, die so oder so ausgelegt werden können. Und jetzt?

Im Regelfall werden sich Einsatzleiter für die Maßnahmen mit den wenigsten Folgen entscheiden. „Es wird schon gut gehen!“ Und das sich einer in der Berliner U – Bahn in die Luft sprengt, kam bisher noch nicht vor. Gleiches gilt für Ultra – Leichtflieger von Greenpeace. Das ist keine Blaupause! Es soll auch andere Entscheider geben, womit auch der Attentäter seine eigenen Risiken abwägen muss. Leute, die oft mit der Materie zu tun haben, hegen andere Gedanken. Für mich gesprochen: „Wer durch sein Vorverhalten, z.B. Hassbotschaften bei YouTube, vorangegangene Taten im Ausland o.ä., zeigte, wo die Reise u.U. hingeht, muss zwingend damit rechnen, dass er sich in akute Lebensgefahr gebracht hat u. andere nicht bereit sind, das Risiko einzugehen.“

„Es wird schon gut gehen und einen für alle hinnehmbaren Verlauf haben!“ Schlecht, wenn es anders läuft. Psychologisch gesehen kommt dabei hinzu, dass die Entscheider ein vollkommen anderes Abbild der Welt in sich haben und damit auch über eine andere Persönlichkeitsstruktur verfügen. Politiker sind es gewohnt auf Menschen zu treffen, mit denen verhandelt werden kann. Sie richten sich nach Grundsätzen, denen nach zum Beispiel ein gutes Ergebnis eine Einigung ist, bei der keiner über den Tisch gezogen wurde und auf Rache sinnt. Dies nennt sich „Win – Win – Strategie.“ Hierfür notwendig sind Handlungsspielräume. Außerdem kalkulieren sie Zeitverläufe ein, in denen der Verhandlungsgegner Geld verliert und deshalb ein Interesse an einem schnellen Abschluss hat (Arbeitgeber/Gewerkschaftler) oder sie stellen vorsätzlich inakzeptable Forderungen, die weit über das tatsächlich gewünschte Ziel hinausgehen und der vermeintliche Kompromiss entspricht dann dem eigentlich gesteckten Ziel (Seehofer: Überwachung).

Bei solchen Verhandlungen gibt es die Taktik des „Chicken – Run“. Zwei Fahrzeuge rasen aufeinander zu und wer ausweicht, verliert. Anfangs haben beide Fahrzeugführer eine identische Ausgangslage. Die ändert sich schlagartig, wenn einer der beiden das Lenkrad demontiert und es für den Gegner sichtbar aus dem Fenster hält. Jetzt ist klar: Der kann, selbst wenn er wollte, nicht mehr ausweichen. Varoufakis, damals Wirtschaftsminister von Griechenland, setzte bei den Verhandlungen mit Schäuble mehrfach auf diese Taktik. In dieser Welt leben Politiker.

Die Neoliberalen und Konservativen zeigten sich furchtbar empört, als ihnen Aktivisten entgegenschleuderten: Die Natur und das Klima verhandeln nicht. Diese Ansage wäre jenseits dessen, was man unter Demokratie versteht.

Was die Damen und Herren dabei übersehen, ist die Tatsache, dass das Klima, so man es denn personifizieren will, längst das Lenkrad aus dem Fenster gehalten hat. In Ermangelung eines echten Verhandlungspartners wenden sich die Protagonisten aus der Wirtschaft und Politik an die Wissenschaftler, um mit denen irgendwelche Vor – u. Nachteile auszuhandeln. Was sie anstreben ist eine Win – Win – Lösung. Doch die Wissenschaftler können nicht verhandeln, sie sind nur die Kundschafter und Berichterstatter dessen, was da draußen vor sich geht. Und was sie präsentieren sind keine eigentlichen Prognosen. Mit ziemlicher Genauigkeit können sie eine Momentaufnahme wiedergeben und daraus ableiten, welchen Verlauf der Prozess bei günstigster und schlechtester Annahme unter Voraussetzung unveränderter Parameter nehmen wird. Ob die sich ändern, ist eine Prognose, die schwer erstellt werden kann. Den ständig hinzugezogenen alles verändernden Meteoriteneinschlag können wir auf absehbare Zeit ausschließen, davon wüssten die Wissenschaftler. Vulkanausbrüche, Erdbeben oder die Landung von Aliens sind immer im Topf. Bahnbrechende Erfindungen und die benötigte Zeit für eine verändernde Wirkung lassen sich ganz gut herleiten. Womit auch möglich ist, sie mit den Zeitverläufen der Klimaveränderungen abzugleichen. Wobei deutlich anzumerken ist, dass das Klima eins der Probleme von vielen ist. Da sind die Folgen der Verschmutzung durch Müll, Gifte, Mikroplastik, oder die anstehenden Verknappungen von Sand, Wasser, fossilen Ressourcen aller Art, noch nicht einkalkuliert. Ein wandelbarer Parameter ist selbstverständlich das weltweite politische Handeln. Kämen innerhalb der nächsten Monate alle zur Vernunft, könnte sich alles ändern. Vielleicht sitzt auch irgendwo eine Clique in einem stillen Kämmerlein und überlegt sich, wie es wäre, wenn man das Risiko eines atomaren Krieges eingehen würde und eine große Zahl der Konkurrenz eliminiert, sodass man einfach weiter machen kann. Irgendwo beim russischen, amerikanischen oder chinesischen Militär gibt es bestimmt einige, die das mal gedanklich durchgespielt haben. Ist Trump verrückt, ignorant oder einfach nur ein eiskalter brutaler Typ, der die Vernichtung der anderen für eine Option hält? Mich, als ehemaligen Ermittler der Kripo interessiert die Position nicht. Mein Interesse gilt dem Menschen und der Persönlichkeit. Mir ist auch vollkommen egal, wie viel Geld ein Bezos, Musk oder Gates haben. Viel wichtiger ist doch, was sie von sich zeigen und wozu sie diese Macht in ihren Händen befähigt. Ein halbwegs vernünftiger Milliardär ist eine andere Hausnummer, als ein Psychopath, Soziopath, Narzisst, mit den Möglichkeiten eines Milliardärs. Heruntergebrochen auf kleine Verhältnisse: Ein schlecht ausgebildeter und einfach strukturierter Typ, dem ich die notwendigen Einzelteile und Chemikalien für einen Sprengsatz in die Hände drücke, ist ein harmloser Besitzer von Elektrokram, einem Druckbehälter und Chemikalien. Handelt es sich um eine/n Chemiestudenten/in, ambitionierten Hobbybastler oder gar Ex – Militär, wird es interessant. Warum ist eigentlich jemand so erpicht darauf, als erste Zivilperson mit einer Rakete ins All zu fliegen? Oder warum investiert jemand Unsummen zur Entwicklung von Schnittstellen zwischen Künstlicher – u. menschlicher Intelligenz, mit der Vision, das Bewusstsein auf ein unsterbliches Speichermedium zu übertragen?

Nein, es gibt meinem Verständnis nach keine Verhandlungsoptionen und auch keine Strategien, die das Aufrechterhalten des Status quo ermöglichen. ICH sehe ausschließlich notwendige radikale weltweite Veränderungen, die den kommenden nächsten drei Generationen ein nach unseren heutigen Vorstellungen menschliches Leben mit erheblichen Abstrichen zu dem, was wir, die vorhergehenden Generationen uns an Luxus erlaubt haben, ermöglichen. Das ist ungerecht, aber hat sich bedauerlicherweise so ergeben. Geschieht dies nicht, kann es zu unterschiedlichen, nach aktuellem Verständnis, üblen nicht wünschenswerten Szenarien kommen. Der Konjunktiv bezieht sich bei mir nicht darauf, das keins davon eintritt. Es ist nur nicht sicher, welches passiert. Vom Atomkrieg, ausgelöst von Mächten, die mit dem Rücken zur Wand stehen, eine Serie weltweiter konventioneller kriegerischer Auseinandersetzungen um die verschwindenden Ressourcen und attraktiven Landgebiete, die Konzentration der Weltbevölkerung auf technologisch bewohnbar gehaltener Gebiete oder brutalste dystopische Gesellschaftsverhältnisse. Persönlich glaube ich daran, dass das zuletzt genannte sich als Erstes ausbreiten wird. Ich habe Chinatown in Bangkok gesehen und mir von Brasilianern ausgiebig das Leben in Favelas beschreiben lassen. Wer als Deutscher denkt, dass das alles bei uns nicht kommt – ist naiv und gibt sich zum Selbstschutz Wunschvorstellungen hin. Dazu gehören auch die, welche die Vorstellung haben, mittels Grenzschließungen, Abschiebungen o.ä. etwas zu ändern. Wenn ich mir die Windpocken einfange – hier Klimawandel, Artensterben, Verpestung u. Zerstörung der Lebensräume -, werde ich den Ausschlag – Krisen, Unruhen, massive Fluchtbewegungen, Zusammenballung der Menschen auf wenige Gebiete, Kriege, usw. – nicht verhindern können. Andersherum heilt die Salbe gegen den Juckreiz auch nicht die Erkrankung.

Gut ist, wenn man selbst eine günstige Ausgangsposition hat. Ich frage mich immer, was die ganzen 50 – 60 -jährigen Demonstranten auf der Straße machen. Ganz besonders, wenn es Querdenker, Esoteriker, Neue Rechte, sind.

Voraussichtliche statistische 20 – 30 Lebensjahre in einem westlichen industrialisierten Land mit einer Wohlstandsgesellschaft, im Verhältnis zu anderen Staaten ziemlich optimalen Gesundheitsversorgung (sonst kämen die Rentner, welche im Ausland die Sonne genießen, nicht für Arztbesuche nach Deutschland zurück), sind doch keine schlechte Ausgangslage. Selbst wenn es in den nächsten Jahren zu Abstrichen kommt, ist der Abstand zu ärmeren Ländern immer noch so groß, dass ich mit meinen 55 Jahren, deren Verhältnisse nicht einmal als Greis erleben werde. Wenn jemand Bambule machen sollte, dann sind es die bis 30 – jährigen. Die haben ein eklatantes Problem. Sie haben die identischen reaktionären Kräfte vor sich, die nicht Lösung, sondern Teil des Problems sind, wie Gleichgesinnte und Ich in jungen Jahren. Aber wir konnten davon ausgehen, dass sich deren Gebaren in geschätzten 80 – 100 Jahren massiv auswirken wird, während vorher erst einmal kleine Hautreizungen zu spüren sein werden. In vielen Bereichen hatten wir leider recht und die Zeit verkürzt sich nun für die Jungen. Wenn meine Töchter um die 50 sind, knallt es bereits spürbar. Auch werden sie Verluste hinnehmen müssen. Selbst innerhalb mieser Verläufe finden manche immer noch Nischen, wechseln die Seiten, wiegeln ab, weil es ihnen gut geht. Dies ist dann eine eine philosophische Haltung. Ich hab’s geschafft! Was kann ich dafür, wenn die anderen es nicht hinbekommen? Beim älter werden, neigen viele zur kognitiven Dissonanz. Welcher ehemalige Revoluzzer will schon zugeben, dass er sich von der anderen Seite hat kaufen lassen? Schon gar nicht, wenn es keine persönlichen Konsequenzen hat. Für damalige Verhältnisse bin ich ziemlich jung Vater geworden. Ich merke langsam, wie unangenehm die Anklagebank sein kann. Dem einen oder anderen wird dies auch noch widerfahren. Ja, auch das ist eine neue Perspektive.

Fazit:

Ich freue mich über jede/n junge/n Frau/Mann, die den Kopf hochnehmen und aufhören sich als Deutsche zu sehen, statt dessen sich als Teil aller auf diesem Planeten lebenden Menschen und Mitlebewesen zu betrachten. Genau dieser Sichtweise dient die Einnahme der Perspektive eines Außerirdischen. Manche politischen Entscheidungen mögen kurzfristig für das Geburtsland positiv erscheinen, aber langfristig ist es in das Gesamtgeschehen eingebunden und schädigen langfristig. Griffiger ausgedrückt: Wir schwimmen im selben Becken und die Schwimmkette, die einen Bereich für Inkontinente abgrenzt, ist Kokolores. Daran muss ich oft denken, wenn in Diskussionen auf andere Staaten verwiesen wird. Diverse europäische Länder scheren sich einen feuchten Kehricht um die deutsche Energiepolitik. Viele Staaten erhöhen sogar ihr Schadpotenzial, als wenn sie es nicht abwarten könnten von der Klippe zuspringen. Aber ist das jetzt Grund genug selbst ins Wasser zu pinkeln und den Harnstoffgehalt zu erhöhen? Ist es nicht vielmehr angezeigt, wenigstens den Versuch zu unternehmen, ein wenig Verstand zu zeigen?

Ein charakteristisches Zeichen dafür, wo in meinem Geburtsland das Denken hingeht, ist das penetrante Gezeter bei Straftaten. Wurde die Tat von einem/einer/mehreren Ausländern/innen begangen? Gab es einen religiösen Hintergrund? Welchen Unterschied macht es, ob ein/e Deutsche/r das Opfer war oder die Tat von einer/m Ausländer/in begangen wurde? Erhöht oder mindert die Nationalität den Grad der Schuld? Oder geht es mehr ins Infantile? „Machst Du das zu Hause auch?“ oder „Junge, wenn Du zu fremden Leuten gehst, benimm Dich anständig!“ Macht es einen Unterschied, ob ich in Laos einen Typen umhaue oder innerhalb von Deutschland? Gut, mit Sicherheit in der Strafbemessung. OK, Thailänder haben da bei Verkehrsunfällen eine einfache Formel. „Wärst Du nicht in mein Land gekommen, hätte es zumindest diesen Unfall nicht gegeben!“ Seltsam, dass ausgerechnet meine Landsleute über diese Logik empört sind. Ich persönlich finde sie tatsächlich ein wenig fragwürdig und sie will nicht so richtig in den dort verbreiteten Buddhismus passen. In der Matrix der Betrachtung sind noch die Unterschiede bei den Opfern übrig. Ist es weniger beklagenswert, wenn das Opfer keine Wurzeln in Deutschland hat? Warum können wir uns nicht darauf einigen, dass Menschen aufeinander trafen? Ich bin nicht wirklich für meine Zurückhaltung bekannt. Wenn sich eine/r daneben benimmt und der Meinung ist, der Mittelpunkt der Welt zu sein, werde ich unangenehm. Mir ist dabei allerdings ziemlich egal, wer da vor mir steht. Ich mache da keinerlei Unterschiede. Wer bettelt, bekommt! Das ist eine recht einfache Formel.

Was da bei den Leuten durchblitzt ist der pure Nationalismus, innerhalb dessen Unterschiede in der Bewertung bestehen. Die/der Deutsche befindet sich auf einem anderen Level, wie die anderen. Ich kann nicht gelten lassen, dass es einen Unterschied darstellt, ob ich etwas zu Hause oder in der Fremde mache. Ich treib es mal auf die Spitze. Wo liegt der Unterschied, wenn mehrere Deutsche in Kambodscha systematisch 12 – 14 – jährige Mädchen sexuell missbrauchen oder 4 Afghanen dies in Europa tun?

Jetzt gerade geht im Internet ein Video von einem Protest einiger junger Frauen viral, der sich gegen einen österreichischen Sender richtet, welcher die Nationalität von 4 Sexualstraftätern und Mördern herausstellte. Die Aktion verpufft völlig, weil die jungen Frauen hysterisch schreiend unterwegs sind und sich somit Hohn und Spott einfangen. In den Social Media wird ihnen unterstellt, dass sie sich auf die Seite der Täter schlagen. Mitnichten tun sie dies. Sie verwehren sich dagegen, dass die Straftaten instrumentalisiert werden. Der Pöbel – Journalismus benutzt die Tat, um alle Afghanen zu diskreditieren und lenkt gleichzeitig von den Taten ab, die gerade in Deutschland bekannt wurden. Mir ist auch nicht bekannt geworden, dass die sich immer mehr häufenden Taten seitens katholischer Geistlicher die gleiche Honorierung in der breiten Masse erfuhren, wie die der Afghanen.

Was ich gelten lasse, ist der Umstand der fremden Sozialisation, auf die wir keinen Einfluss haben. Doch so richtig scheint unsere auch nicht zu funktionieren. Jedenfalls sprechen Pädophilen – Ringe und Taten ausgehend von Deutschen dagegen. Einzuräumen wäre auch die Folgen der Taten. Der deutsche Strafvollzug zieht Berufsverbrecher aus allen Ländern quasi magisch an. Die Betonung liegt auf: Berufsverbrecher! In deren Lebensplanung ist mindestens ein Gefängnisaufenthalt fest eingeplant. Und wenn schon, dann in Deutschland mit medizinischer Versorgung. Für professionelle osteuropäische Bandenmitglieder ist der deutsche Strafvollzug quasi ein Kur – Aufenthalt. Aber ich unterstelle den jungen Afghanen, dass sie davon weit entfernt sind. Bei denen kommt eher zum Tragen, dass sie gar keine Lebensperspektive oder Plan haben, was sie zu lebenden Zeitbomben macht.

Nein, viel relevanter ist es, warum den Menschen die Nennung der Nationalität wichtig ist, was ihnen das gibt und wer sich alles in diesen Sattel schwingt. Sie wollen die Guten sein und ihr Bedürfnis wird bedient. Sie wollen weder die Sklavenhalter, die Nutznießer weltweiter Kinderarbeit, die Verursacher von Müllhalden in Südostasien, Bangladesch, Indien, die Zerstörer fremder Märkte oder Unterstützer brutaler Regime sein. Sie möchten bei Fußballspielen, der modernen Version des römischen Zirkus Maximus, mitfiebern, ohne sich Gedanken über das kriminelle Rundherum machen zu müssen. Jedes Mitglied der einflussreichen Nationen ist äußerst pikiert, wenn es auf die Sauereien angesprochen wird. Australier mögen Hinweise auf ihre faktische Apartheid gegenüber den Ureinwohnern nicht, US – Amerikaner wollen nicht als weltweites Sicherheitsrisiko für die Gefahr eines Atomkrieges betrachtet werden, Japaner wollen nicht auf Rassismus angesprochen werden, Chinesen nicht auf ihren Kolonialismus, die Russen nicht auf ihren mafiosen Staatsapparat und die Deutschen nicht darauf, dass sie ohne Ansehen der Person und Taten jedem unter die Arme greifen, wenn der Profit stimmt. All das und vieles mehr sprühen wir auf einen Bus, der ohne Bremsen auf einen Abgrund zu rast.

OK! Dann soll es so sein. Schenk noch mal ein mein Freund.

2 Kommentare zu „Perspektivwechsel

  1. „Tu was du willst auf der Welt, alles wird in Ordnung sein, solange du nicht hinter diesen Vorhang blickst.“ (David Wonschewski, Schwarzer Frost)

    Ich habe deinen Beitrag heute vor dem Frühstück gelesen … und damit sozusagen auf nüchternen Magen wieder einmal hinter diesen Vorhang geblickt, den Wonschewski wohl meint.

    Glücklicherweise ist meine Psyche stabil genug, dass der Blick hinter den Vorhang, der Spiegel, den du mir vorhältst, keine Depression auslöst. Im Gegenteil, er macht hellwach und spornt an zu einer neuen Runde an Weitsicht, Toleranz und Bescheidenheit. Ich nehme mir einmal mehr vor, öfter, am besten einmal täglich, in diesen Spiegel zu schauen, um mein Bewusstsein nicht einschlafen zu lassen.

    Mit diesem Beitrag solltest du eine Vortrags-Tournee starten, oder wenigstens ein Vortragsvideo aufzeichnen und es ins Netz stellen, um auch die Aufmerksamkeit von Erdenbürgern zu erreichen, die nicht so gerne lesen.

    Es ist übrigens interessant, dass ausgerechnet beim Homo ‚Sapiens‘ die Schwarmintelligenz nicht dem Überleben, sondern wahrscheinlich dem Verderben, dem Untergang dient, ausser …

    … ausser die Atombombe ist tatsächlich Teil dieser ‚Evolution‘, die den grössten Teil des irdischen Lebens auslöscht, sämtliche Ismen wie Humanismus, Kommunismus, Kapitalismus, Nationalismus, Rassismus usw. vernichtet, um einen Neustart zuzulassen …

    Und am Schluss noch eine Bemerkung:
    Du hast dich von diesem Alien ausfragen lassen und schliesslich sogar eine Bitte an ihn gerichtet, aber du hast es verpasst, ihn zu fragen, wie seine Gesellschaft organisiert ist und wie wir denn unser Problem lösen könnten. Tzzzzz….

    Oder ist er noch da? Dann frag ihn doch bitte! 🙂

    1. Erstmal vornweg, ein tief empfundenes Danke für diesen Kommentar, der Ansporn und Mut gibt, weiterzuschreiben Außerdem Danke für die Anregung am Ende. Tatsächlich ist dies eine gute Frage.

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