Die Farbe Schwarz

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Die Steigerung des gegnerischen Arguments ins Absurde bzw. Lächerlichkeit ist ein rhetorisches Stilmittel. Insofern es vom Gegner angewendet wird, kann ich dies nachvollziehen. Doch was ist, wenn jemand ohne Not seine eigene Position bis ins Lächerliche steigert und sich damit selbst das Wasser abgräbt? Ich denke, dies kann zumindest ungeschickt genannt werden.

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Münchener haben beschlossen, den Begriff „Schwarzfahren“ nicht mehr zu verwenden. Die Intention erscheint erst einmal klar. Der deutschen Sprache weniger mächtige könnten dieses Wort mit Rassismus in Verbindung bringen. Auf Nachfrage hin räumen sie selbst ein, dass durchaus bekannt ist, wie wenig das Wort etwas mit Hautpigmenten zu tun hat. Ob nun die Ableitung aus dem Jiddischen – „shvarts – armut“ richtig ist, es mehr in die Richtung der alten Schmuggler, die sich das Gesicht schwarz färbten, oder die Strandräuber geht, welche alle Orientierungslichter verdunkelten, damit die Schiffe aufliefen, ist egal. Man muss schon recht verbohrt sein, wenn man überall, wo die Farbe Schwarz auftaucht, einen rassistischen Hintergrund sieht.

Was ist mit dem „Schwarz – Weiß – Denken“? Oder der Schnitter, welcher traditionell mit einer schwarzen Mönchskutte und Sense dargestellt wird? Wie passt das „kleine Schwarze“ zur Cocktail Party ins Bild? Wird die „Schwarze Magie“ von Menschen mit dunkler Hautfarbe praktiziert und die „Weiße Magie“ von Weißen? Wie geht man künftig mit der „Schwarzen Propaganda“ um?

Beinahe mag der Gedanke entstehen, dass irgendwo in den Verkehrsbetrieben ein/e Rassist/in oder wenigstens Gegner/in von Aktivisten sitzt und das genannte Stilmittel angewandt hat. Auf den Social Media Plattformen sind einige Aktivisten unterwegs, die völlig unnötig potenzielle Unterstützer ihres berechtigten Anliegens verprellen. Die Verprellten werden damit nicht zu Rassisten, sondern zu Gegnern der Aktivisten. Ein wesentlicher Punkt. Wenn ich die Vorgehensweise oder Auftritt eines Menschen kritisiere, richtet sich dies unmittelbar gegen sie/ihn als Individuum und ist nicht rassistisch motiviert. Was da häufig betrieben wird, ist ein immer wiederkehrendes Spiel. Sie haben mich kritisiert, weil ich eine dunklere Hautfarbe habe. An denen, die ohnehin keine Rassisten sind, geht das innerlich vorbei. Sie wissen, dass das Unfug ist und sehen keine Veranlassung, sich von einzelnen Personen zu einer Verallgemeinerung, die dann tatsächlich Rassismus wäre, hinreißen zu lassen. Bei den eigentlichen Adressaten sieht es anders aus. Sie fühlen sich bestätigt. Aber entspricht dies dem Ziel? Sollte es nicht darum gehen, mittels Aufklärung, Bildung, die Leute aus ihren Ecken herauszuholen und sie zu einem Umdenken bewegen?

Die Aktivisten werden keine neuen Rassisten erzeugen. Aber unter Umständen erzeugen sie unnötigen Widerstand gegen ihre Bewegung. Was wiederum ein Desaster wäre, weil sie an sich wichtig ist.

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