Die deutsche Demografie – ein Problem?

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Ich habe ein klein wenig ein schlechtes Gewissen. Warum? Nun, einem genetischen Test nach, kommen meine Vorfahren aus Russland, ein paar aus Nordeuropa, wenige aus England und einige aus dem Mittelmeerraum. Was mich, wenn mein historisches Verständnis nicht völlig falsch ist, zu einem späteren Abkömmling der Slawen macht. Archäologen haben die Eigenart bei Skelettfunden zu untersuchen, wo dieser Mensch mal geboren wurde und ersehen ihn dann als Ureinwohner der Region. Sollte es also in 1000 Jahren noch Menschen geben und unter ihnen einige Bekloppte sein, die uns und Artefakte wieder ausbuddeln, sind alle in Deutschland geborene Leute mit Migrationshintergrund Ureinwohner. Die werden sich ohnehin erblichen Problemen ausgesetzt sehen. Man stelle sich vor, die finden die Spitze eines Wolkenkratzer und versuchen sich bis zum Fundament vorzuarbeiten. Oder wie werden Menschen in 1000 Jahren Gartenfeuerstellen erklären? Kultstätten für Aldi, weil man Plastik mit diesem Aufdruck daneben fand? (Geklaut bei Harald Lesch) Nicht weiter wichtig. Ich denke, die Annahme „Slawe“ ist recht fundiert. Deutsch? Mein Vater sagte bei Grenzübertritten in die DDR immer den Geburtsort Berlin an. Auf die prompte Nachfrage, ob in West – oder Ost – Berlin, antwortete er: „Gabs da noch nicht.“ Dies verlängerte zuverlässig unseren Aufenthalt in der anheimelnden Atmosphäre des Kontrollbereichs, damit die Herren GrePo’s , bekanntlich absolut sympathische Typen, auch was zu tun bekamen.
Meine geschiedene Frau, Mutter unserer Kinder, entspricht ebenfalls nicht dem, was einst seitens der Völkischen Bewegung und später von den Nationalsozialisten als deutscher Phänotyp definiert wurde. Sie geht mehr ins Fränkische oder Alemannische. Zu meiner Entschuldigung muss ich anführen, dass sie einen urdeutschen Familien trug.

Zum schlechten Gewissen: Bereits seit einiger Zeit frage ich mich, ob ich mit der Zeugung dennoch der deutschen Demografie schadete. Ich dachte allen ernstes, die deutsche Staatsangehörigkeit würde ausreichen. Doch höre ich Unionspolitikern/innen und AfD Mitgliedern/innen zu, muss mir ein Gedankenfehler unterlaufen sein. Wir brauchen in Deutschland für den „Bestandschutz“ (Zitat Phillip Amthor, – auch ein Slawe) mehr deutsche Kinder. Aber ab wann sind die denn deutsch? Eine Frage, die kaum eine andere Nation so beschäftigt, wie die Deutschen. Mitteleuropas „Melting – Pott“ der Völkerwanderung. Dankenswerterweise wurde den Deutschen 1945 unter die Arme gegriffen und ihnen gesagt, innerhalb welcher bunter Linien sie sich wieder über ein Staatssystem Gedanken machen dürfen. Bis auf die Vertriebenen, angeführt von Erika Steinbach und ein paar Leute von der „Neue Rechte“ – Truppe, haben dies auch fast alle verstanden.

Immerhin dienten beide meiner Großväter in der Wehrmacht. Jeweils nicht sonderlich erfolgreich. Der eine war ein Künstler im Vermeiden und beim anderen gab es kleines Problem mit der kommunistischen Gesinnung und dem Widerstand. Eine meine Großmütter flickte deutsche Verwundete zusammen, dies, obwohl die Mutter Polin war und musste unter Aufsicht der Alliierten die Hinterlassenschaften der SS in einem Konzentrationslager bereinigen. In meiner Familie gab es bis zu meiner Ehe, die mich mit einer eher bürgerlichen Welt in Berührung brachte, niemanden, der dem Dritten Reich, Militär und der Zeit eine Träne nachweinte. Traditionell gab es bei uns, auch ohne soziologische Untersuchungen, zwei Schuldige am Desaster: „Die Bürger und die Bonzen“.

Ich war stets bemüht meinen Töchtern deutsche Werte zu vermitteln. Beide wurden als Jugendliche getauft. Nicht ganz korrekt, ich weiß, aber sie sollten die Möglichkeit bekommen, sich ihre Religion alleine auszusuchen. Nach deutscher christlicher Sitte wurden sie dann zur Konfirmation ordentlich beschenkt. Sie hatten auch jedes Jahr einen heidnischen Weihnachtsbaum und damit sich alle ein wenig besser fühlen, spendeten wir zu Weihnachten brav an Notleidende. Ich muss einräumen, dass ich im Sinne der UNION und AfD, später auch leider FDP, schwerwiegende Fehler machte. Zum einen diese Tradition. „Hütet Euch vor etablierten Bürgern oder seid wenigstens skeptisch und alle Sinne auf „Habt acht“, wenn ihr es mit Bonzen zu tun habt.“ OK, vielleicht habe ich die Sache mit dem Cannabis nicht so eng gesehen. Ich brachte ihnen auch dummerweise bei, dass alle Menschen unterhalb der möglicherweise anders aussehenden Oberfläche gleich sind und alles eine Frage von Lebensweg, Chancen und Schicksal ist. Tut mir leid, CDU, CSU, AfD. Kommt mit Sicherheit nicht wieder vor. Dann war da noch die Überlegung, wie eigentlich Typen und Frauen entstehen, die im Gegensatz zu meinen Großeltern die Nationalsozialisten partiell favorisierten. Was ich herausfand, habe ich meinen Töchtern erzählt. Hätte ich nicht tun sollen, oder? Die können niemals unbeschwert in Deutschland durch die Gegend laufen. Immerhin haben sie gelernt, dass nicht alle „Bullen“ Nazis sind, sondern dazu deutlich mehr dazu kommen muss.

Ich räume ein nicht sonderlich ordentlich zu sein. Mit der Pünktlichkeit funktioniert es immer mal wieder und Fleiß entwickle ich immer, wenn mich etwas interessiert, ansonsten gibt es da einige Schwächen. Na ja, für eine Beamtenlaufbahn genügte es. Bedauerlicherweise gelang es mir nicht meinen Kindern vaterländische Ideale oder gar so etwas wie Nationalstolz, Patriotismus, zu vermitteln. Gleichsam ist politisch, wie beschrieben, einiges schiefgegangen. Weder sehen sie sich bisher genötigt, deutsche Nachkommen zu zeugen, noch ersatzweise mit der Waffe in der Hand für Deutschland durch den Dreck zu kriechen. Da schlagen ein wenig die Gene der Großväter durch. Eine ist sogar mit einem Ausländer zusammen. Ich konnte sie auch nicht davon überzeugen, dass das Streben nach Geld, Karriere, aufopfernde Leistung und Strebsamkeit für die deutsche Wirtschaft, das ultimative Ziel eines jeden Deutschen, jeder Deutschen, sein sollte. Mir machen auch ihre kritischen Betrachtungen der Zukunft in Bezug auf Klima, Zerstörung der Lebensgrundlagen, Gedanken. Aus unerfindlichen Gründen streben sie an, international Hilfe zu leisten, anstatt erstmal den Deutschen im Inland zu helfen. Die fahren nicht einmal Auto! Der UNION und der AfD folgend, sind sie keine richtigen aufrechte deutsche Frauen. Und nun? Ich hab doch einen Eid auf das Grundgesetz, Artikel 1 i.V.m. Artikel 20 abgelegt. OK, da steht nichts von der Pflicht deutsche Nachkommen zu zeugen.

Ein wenig beruhigt mich die Gesetzeslage:

1) Die deutsche Staatsangehörigkeit wird erworben

1.durch Geburt (§ 4),
2.durch Erklärung (§ 5),
3.durch Annahme als Kind (§ 6),
4.durch Ausstellung der Bescheinigung nach § 15 Absatz 1 oder 2 des Bundesvertriebenengesetzes (§ 7),
5.durch Einbürgerung (§§ 8 bis 16, 40b und 40c).

(2) Die Staatsangehörigkeit erwirbt auch, wer seit zwölf Jahren von deutschen Stellen als deutscher Staatsangehöriger behandelt worden ist und dies nicht zu vertreten hat. Als deutscher Staatsangehöriger wird insbesondere behandelt, wem ein Staatsangehörigkeitsausweis, Reisepass oder Personalausweis ausgestellt wurde. Der Erwerb der Staatsangehörigkeit wirkt auf den Zeitpunkt zurück, zu dem bei Behandlung als Staatsangehöriger der Erwerb der Staatsangehörigkeit angenommen wurde. Er erstreckt sich auf Abkömmlinge, die seither ihre Staatsangehörigkeit von dem nach Satz 1 Begünstigten ableiten.

Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG) § 3 

Gut, dass da nichts von deutschen Werten, Tugenden oder gar Aussehen steht. Womit ich wieder auf der richtigen Seite wäre und doch etwas für die positive Demografie getan. Man sagt gesund, oder? Egal. Aber was ist denn nun das Problem? Haben wir nicht genügend Deutsche im Sinne des Gesetzes, bieten wir halt denen, die ohnehin zu uns kommen wollen, die deutsche Staatsbürgerschaft an. Damit sparen wir uns in der Ferne Werbekampagnen. Allerdings reden die immer davon, dass sie nur die „Schlauen“ haben wollen. Wie bekommt man dies heraus? Ich meine es ist doch schwierig zu ermitteln, was die für Nachfahren haben werden, oder? Uğur Şahin, einer der Entwickler des Corona Impfstoffes ist in meinem Alter, Migrant, wie man heutzutage sagt und sollte in der Jugend gar nicht auf das Gymnasium. Ein Bekannter wurde als Kind von Jesiden in Österreich geboren, wanderte nach Deutschland aus und ist jetzt zertifizierter Deutscher. Er hat mit einer Frau, deren Familie wohl schon lange auf deutschen Grund und Boden lebt, ein Kind. Hat er jetzt zu einer positiven Entwicklung der deutschen Geburtenrate beigetragen? Ich weiß jetzt gar nicht, ob er das Kind eventuell noch als Österreicher zeugte. Ein anderer ist der Sohn türkischer Gastarbeiter, vereidigter Dolmetscher und Rechtsanwalt, zweimal verheiratet und sechsfacher Vater. Einer seiner Freunde ist ebenfalls Sohn türkischer Gastarbeiter und Ausbilder bei der Polizei. Selbst Vater eines Sohnes. Was ist mit den beiden?

Wenn ich die Redner und Rednerinnen der UNION und AfD richtig verstehe, ist dies nicht der Fall. Aber so richtig trennscharf ist es nicht. Deutsche/r, weil die Familie seit Kriegsende hier lebt? Oder bereits mit Beginn des 19. Jahrhunderts? Vielleicht aber auch schon zu Zeiten des 30 – jährigen Kriegs? Bin ich denn jetzt für die Konservativen ein echter Deutscher, der mit seinen Gonaden und Geschlechtstrieb für das Deutsche Volk etwas getan hat? Ich meine doch wohl, dass ich meinen Töchter gar nichts in ihrem Sinne sagte. Wenn ich es so richtig besinne, habe ich mich auf die dagegen konzentriert. Hätte ich es nicht wenigstens probieren sollen, sie von einem Leben als Dienerinnen des „Deutschen Volkes“ bei der Polizei oder Bundeswehr zu überzeugen? Wäre es besser gewesen, ihnen rechtzeitig zu sagen, dass sie mitnehmen sollen, was sie kriegen können? In Berlin gibt es die Bezeichnung „Kalt, wie Hundeschnauze“ Sie sind schon älter als Philip Amthor, aber wären sie bereits in diesem jungen Alter der Orientierung, mit der genannten Maxime herangegangen, wer weiß, was sie jetzt alles in der Opposition bewirken könnten. Selbst, wenn es nicht klappen würde, wären sie immerhin gute Deutsche und ich hätte meinen Auftrag erfüllt. Und ich habe mal nachgeschaut, der junge Mann redet zwar gern über die heroische Bundeswehr, aber er war wohl noch nicht da. Im Gegensatz zu seinem Vater, der bei der NVA war. Dafür kann er nichts. Es passiert vielen jungen Männern, deren Väter bei der Armee waren, sie selbst nicht konnten und deshalb sich am Thema mit Glorifizierung abarbeiten. Davon gibt es bei der Polizei einige. Trotzdem ist es immer ein wenig merkwürdig, wenn Leute, die Krieg oder wenigstens üble Gewalt niemals kennenlernten, vor Kameras furchtbar toll finden.

Was wäre denn, wenn ich „Deutsch“ als eine interpretationsfähige Variable verstehe würde, wo jeder seine persönlichen Ideale hineinpacken kann? Ich zöge es dann vor, als „deutsch“ alles zu betrachten, was dazu geeignet ist, eine Eskalation des europäischen Denkmodell „Nationalstaat“ mit auf der Industrialisierung basierendem Kapitalismus bis zu einem Horror – Modell, zu verhindern. Selbstverständlich gehe ich damit auch auf Konfrontationskurs zu einigen Neuankömmlingen. Warum sollten von denen alle anders sein, als UNION, Wertkonservative, AfD? Jedes Denken hat über die bunten Linien auf der Landkarte hinaus seine Parallelveranstaltung. Genauso gibt es unter denen, Menschen mit zu mir kompatiblen Vorstellungen über das Zusammenleben. Ja, aber ich glaube nicht im Sinne der Redner und Rednerinnen, die immer von den Deutschen im Kampf gegen die anderen sprechen, sich sogar das Recht zusprechen, diese wahlweise an bunten Linien verrecken zu lassen oder einzusperren, wohlgemerkt wegen einer Aktion, die unsere Ahnen knappe 1000 Jahre lang machten. Amüsant finde ich immer die Begründungen, wenn Bundeswehrsoldaten in die Welt geschickt werden, damit irgendwo auf der Erde die Leute aufhören sich den Schädel einzuschlagen oder mal wieder ein Diktator frei dreht. Ein wenig seltsam ist dabei, dass das irgendwie mit Rohstoffen, Wehrhaftigkeit und Größe des Landes zu tun hat. China hat gerade Frau Baerbock zusammen gestaucht und Putin hat sich in Anbetracht des ersten Kontakts bestimmt auch die erste Flasche aufgemacht, die ihm unter Umständen ein deutscher Alt – Kanzler gereicht hat. Ja, es bleibt schwierig.

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