Kurze Gedanken #1

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Intellektuelle in Wohlstandsgesellschaften und ihre Zöglinge, seien sie nun weiß, dunkelhäutig, männlich oder weiblich, glauben, die Welt und den Mensch verstanden zu haben. Sie reden von oben und unten, Rassismus, Diskriminierung und von Gut und Böse. Dabei ist das alles vollkommen egal. Wo auch immer Du Dich befindest, merken Menschen sehr schnell, ob Du weißt, was echtes Leben bedeutet, es sich anfasst, riecht, schmerzt, anfühlt. Ob Du Dir in Berlin auf einem U – Bahnhof mit ein paar Obdachlosen ein Bier teilst, in Bangkok in einer Bar sitzt, in Laos mit Wanderarbeitern in einer Hütte schläfst, in Myanmar mit Opium – Schmugglern auf einem Boot sitzt oder an einem Strand mit verlorenen Natives sitzt, es ist immer die gleiche Geschichte. Bist Du wirklich ein echter Mensch, wird Dich jeder akzeptieren. Doch die Quatschköppe werden mit ihrem Smartphone, dem Backup auf dem Konto, der Telefonnummer, die sie im Notfall aus der Scheiße holt, ihrer Unfähigkeit im Zweifel immer irgendwie durchzukommen, trotz Hunger, Durst, Angst, den Verstand zu behalten, niemals kapieren, wie das wirkliche Leben funktioniert. Ich bin schwarz, weiß, schwul, lesbisch, hetero, behindert, auf Heroin, Suff, heimatlos, Flüchtling, ist auf der Straße, am Strand, im Wald, im Lock, auf dem Boot, kein Argument. Die Welt besser machen zu wollen, ist ein Anfang, aber mit einer Mate in der Hand dazustehen und geschwollen zu quatschen, ist ein sicheres Zeichen dafür, im Wohlstand angekommen zu sein und nicht zu wissen, wovon man redet.

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