Dezember 27 2021

Kurze Gedanken #4

Lesedauer 2 Minuten

Über die Weihnachtsfeiertage beschwerten sich auf den Social Media Plattformen Leute darüber, dass man sie nicht unbehelligt vom restlichen Geschehen, zumeist eher unerfreulich, wenige Tage den Frieden und die Besinnlichkeit genießen ließ. Spontan dachte ich: Weihnachten ist im Christentum kein Pausenpfiff. Ganz im Gegenteil! Eure geistlichen Führer sprechen davon, dass Euer Gott sich mit der Geburt Jesus in Menschengestalt zeigte. Ein wenig, als wenn sich das Göttliche in Erinnerung bringen will.

Über die Jahrtausende ist daraus etwas anderes entstanden, aber nichts, was dem christlichen Glauben entspricht. Hierzu fällt mir auch Klaus Kinski mit seiner Aufführung “der Erlöser” ein. Es wäre verfehlt, die Christen der westlichen Industriestaaten aus ihrer Heuchelei zu entlassen. Anders sähe es aus, wenn sie die restlichen Tage aufopferungsvoll den Forderungen ihres Gottes folgten. Dann wäre man als Anhänger einer anderen Weltanschauung geneigt, ihnen eine Pause zu gönnen. Doch es verhält sich genau anders. An drei Tagen im Jahr erinnern sie sich an das Christentum, um dann in der restlichen Zeit zu leben, als wenn sie Sodom&Gomorrha, die Hure Babylon, die Sintflut, neu heraufbeschwören wollen. Da ist es durchaus zweckmäßig, sie an diesen Tagen daran zu erinnern, was sie alles zulassen ohne dagegen aufzubegehren.

Mir ist nicht bekannt, dass im zurückliegenden Jahr Millionen Christen gegen Krieg, die Behandlung von Millionen Flüchtlingen, die Zerstörung der Schöpfung aufstanden und Regierungen, die von einer christlichen Prägung ihrer Länder reden, ihre “Gottlosigkeit” vorwerfen. Da hilft auch kein Zeigen auf andere Religionsgemeinschaften. Nur, weil die sich nicht an ihren Glauben halten, kann ich mich damit nicht rechtfertigen. Die Formel ist einfach: Wer nicht lebt wie ein Christ, ist keiner! Religionen sind kein Fantrikot.

Ich hab nichts gegen Christen, Muslime, Juden, Hindus. Ich habe etwas gegen Heuchler. Besonders, wen sie andere Religionen angehen. Wenn ich mir die Bezeichnung zulege, schließe ich einen inneren Vertrag mit etwas, was vermeintlich über mir steht und mir Regeln vorschreibt, wie ich zu leben habe.

Buddha soll gesagt haben: Wer die Wahrheiten des Weges kennt, aber sie nicht lebt, verhält sich wie ein Ziegenhirte, der das eigene Vieh vernachlässigt und stattdessen eine fremde Herde hütet.

Die Christen in den westlichen Industriestaaten befolgen die Regeln des Gottes Mammon, und lassen den eigenen Gott verkümmern. Weihnachten hat mit dem Christentum nichts mehr zu tun. Warum sollte man sie in dieser Zeit, ja gerade in diesem Augenblick, in Ruhe lassen?


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Veröffentlicht27. Dezember 2021 von Troelle in Kategorie "Gesellschaft", "Kurzgedanken

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