Kurze Gedanken #6

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Ich sehe keine klassische Spaltung der Gesellschaft. Mir begegnet ständig eine Verwechslung von Egoismus und Egozentrik. Für seine eigenen Belange einzutreten, sie einzufordern, ja, sogar über die anderer zu stellen, ist legitim und ist Teil der Freiheit. Meines Wissens ist dies gesunder Egoismus.

Bei der Egozentrik, stelle ich mich selbst in den Mittelpunkt von allem Geschehen. In den monotheistischen Religionen stand im Zentrum Gott. Im Humanismus rückte der Mensch in den Mittelpunkt. Alle anderen Lebewesen und Prozesse drehen sich um ihn und werden damit gleichsam Untertan. In modernen Wohlstandsgesellschaften setzen sich immer mehr Menschen selbst in den Mittelpunkt.

Alle anderen, alles andere, spielt sich um ihre Person herum ab und ist im Zweifel auf sie zuzuschneiden. Dies wird nur allzu häufig gelebt, eingefordert u. oftmals seitens Politik, Werbung und Zeitgeist gefördert. Kommt dann jemand daher und sagt, dass dies nicht der Fall ist, jeder ein Teil des Gesamtgeschehens darstellt, fühlen sich die Leute innerhalb ihrer egozentrischen Weltbilds nicht gebührend behandelt. Dies ist die zusammenfassende Klammer zwischen den in zweiter Reihe parkenden Autofahrern, den Falschparkern, die nur mal eben etwas zu erledigen haben, den Maskenverweigerern und den sogenannten Querdenkern. Ebenso resultiert daraus deren verschobene Freiheitsbegriff, der nur funktioniert, wenn das eigene Handeln, mit seinen Folgen, ausschließlich auf die eigene Person bezogen wird.

Dem ist entgegenzuhalten, dass es unmöglich ist folgenlos zu existieren und zu handeln. Alles steht zueinander in einer Wechselwirkung. Mag das theoretische Konzept eines Gottes im Mittelpunkt als Gedankenkonstrukt funktioniert haben, ist bereits der Humanismus, der die Abhängigkeiten zum natürlichen System ignoriert, was sich u.a. im zerstörerischen Verhalten bezüglich der Lebensgrundlagen und dem Umgang mit anderen Lebewesen äußert, ein falscher Ansatz. Die Egozentrik, kann nicht einmal ansatzweise funktionieren, da sie nochmals in gesteigerter Weise gegen das Wechselwirkungsprinzip verstößt.

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