Kurze Gedanken #8

cold glacier iceberg melting
Lesedauer 3 Minuten

Alle sitzen im Bus
Autobahn Vollgas
Da vorne is’n Abgrund
Aber is ja noch’n Stück
Wir könnten auch abbiegen
Tun wir aber nicht
Da ist ja nur n Sandweg
Schlecht für die Achsen
Bloß nicht Anhalten
Leben heißt Gas geben
Kopf aus’m Fenster
Hoch die Tassen

Knorkator

Wenn etwas rar wird, steigt der Wert, welcher sich in der Geldmenge spiegelt, die dafür auszugeben ist. In den Köpfen der Anhänger der neoliberalen Religion führt dies dazu, dass die Menschen wertschätzender, also umsichtiger damit umgehen. Innerhalb von 200 Jahren haben wir, die Menschen, es geschafft, dass vielerorts die Grundlagen des Lebens, ein Temperaturintervall, Wasser und Atemluft Mangelware werden.

Konsequent wird deshalb Wasser mittlerweile an den Börsen gehandelt. Bisher betrifft es Teile der USA. Fraglich ist, inwieweit sich dies weltweit durchsetzt. Also eine absolute Bedingung, die überhaupt den Planeten Erde zu dem macht, was er ist, wird zu etwas, an dem sich Leute bereichern können. Ebenso wird hierdurch die pure menschliche Existenz, von allem Leben, eine Frage des Geldes. Kein Geld, kein Wasser! In den kommenden 50 Jahren werden nach und nach die Lebensräume knapp. Schlimmsten Szenarien nach, werden 2050 ca. 1/5 der Weltbevölkerung auf der Flucht vor Hitze, Wasserknappheit, Stürmen und Überflutungen sein. Gleichsam werden immer mehr Gebiete nur noch bewohnbar sein, wenn mittels Technik die Temperaturen in Schutzräumen gesenkt werden. Mit der Luft sieht es nicht anders aus. Bereits heute sterben Lebewesen wegen belasteter Atmosphäre. Gar nicht berücksichtigt sind dabei die Risiken militärischer Auseinandersetzungen. Der Permafrost taut und wird ein massives Problem im Osten Russlands. Andererseits wird die Arktis schiffbar und die großen Player machen sich bereit, dort ihre Präsenz durchzusetzen. Es wird viel über CO2 und andere Treibhausgase gesprochen. Doch bei diesem ganzen Gerede erschließt sich mir nicht die Diskrepanz zum tatsächlichen Geschehen. Das Einsparen von Treibhausgasen passt nicht mit dem Erschließen und Sicherung neuer fossiler Quellen zusammen. Wer würde sich einen riesigen Vorrat Benzin in die Garage stellen, wenn man doch eigentlich sein Fahrzeug abschaffen will? Mir kommt es vor, als wenn die grinsend auf die Frage nach dem „Warum“ gegebene Antwort lautet: „Na, weil wir es können!“

Wie lange wird es dauern, bis Lebensräume, Plätze mit gereinigter Luft, an Börsen gehandelt wird? Der nunmehr zum Finanzminister aufgestiegene FDP Politiker Christian Lindner sagte einmal sinngemäß, dass kein Mensch das Recht habe, sich seinen Lebensort auszusuchen. Tatsächlich geht dies durchaus. Wer genug Geld hat, kann sich jederzeit überall aufhalten. Genau da bleibe ich hängen. Die Menschen? Carl Schmitt schrieb: „Wer Menschheit sagt, will betrügen!“ Eben diejenigen, welche kein Geld besitzen, sind weder für die Misere verantwortlich, noch können sie sich freikaufen. Ausgerechnet ihnen mittels eines Geldbetrags beibringen zu wollen, dass sie Dinge wie Wasser wertschätzen sollen, erscheint mir zynisch zu sein. Ein wenig geht es in die Richtung der Feststellung vom aktuellen Wirtschaftsminister Robert Habeck, der Sorge hat, dass bei geringeren Heizkosten Ärmere bei offenen Fenster die Landschaft, statt die Wohnung heizen.

„Vollständige Übernahme (Anmerkung: Heizkosten bei Hartz-IV-Empfängern) lädt immer dazu ein, dass man dann die Heizung aufdreht und das Fenster aufmacht sozusagen. Es sollte schon einen Anreiz geben, sorgsam mit Energie umzugehen.“

Robert Habeck in einer Talkshow

Für mich ließ er damit, wie man so schön sagt, in Bezug auf sein Menschenbild und wen er gedenkt in die Pflicht zu nehmen, die Hosen herunter. Die großen Verdiener und Emittenten sind es nicht. Es mag sein, dass es Menschen gibt, die den Wert einer Sache erst erkennen, wenn ein Preisschild daran klebt. Aber mit Sicherheit sind dies nicht alle und Lebensnotwendiges lernt man zu schätzen, wenn es nicht da ist. Global gesehen ist es der reiche Norden, der bereits seit 200 Jahren die „Wertsteigerung“ durch Emissionen und unstillbaren Energiehunger verursacht. Die oder der Einzelne ist da längst vollkommen machtlos. Es läuft stets und ständig auf eine Schutzgelderpressung hinaus. Wenn ihr wollt, dass wir unsere Produktionen und das Gebaren ändern, müsst ihr dafür Geld zahlen, sonst zerstören wir weiter.

Wie immer sind es nicht die Menschen, sondern einige unter Milliarden. Es gab und gibt da draußen auf allen Kontinenten eine Menge Leute, die mit alledem nicht einverstanden sind. Ihnen stehen wenige Ignoranten und Leugner gegenüber, denen ich ihre zur Schau gestellte Dummheit nicht abkaufe. Andere, ebenfalls vornehmlich aus dem globalen Norden, wollen nicht sehen, dass die Zeit mäßiger Reaktionen und Veränderungen vorbei ist. Zu groß ist die Angst vor einem Leben ohne all die Bequemlichkeiten. Ich denke, einigen würde es mal ganz guttun, ein paar Tage in der Wildnis auf sich allein gestellt zu sein. Bereits nach kurzer Zeit überkommt einem Demut. Alles war bereits vorher da. Jeder Mensch ist nur ein Gast für sehr kurze Dauer, aber sie oder er kann, weit über den Tod hinaus, Schäden verursachen, die viele Generationen betreffen. Es ist wie eine rauschende Partynacht, in der niemand an den oder die armen Nachfolger/in mit einem ausgewachsenen Kater denkt. Ein paar Bier und Zigaretten weniger hätten es auch getan. Ist es nicht deprimierend, dass die bestehende Mehrheit es nicht vermag, sich der zerstörerischen Minderheit zu erwehren, sie teilweise sogar selbst wählt?

Wer sich heute noch zu Aussagen wie „Klima – Religion“ oder „Panikmache“ hinreißen lässt, einer grenzdebilen Logik folgt, nach der es schon immer sterbende Arten und Klimaschwankungen gegeben habe, soll von mir aus auf den sich bildenden Plastikmüllkontinent im Meer ziehen oder seine Vorträge vor Leuten halten, die bereits jetzt alles verlieren. Ich rede mit denen nicht mehr.

Kommentar verfassen