Mai 2 2022

Bye, Bye, Twitter

Lesedauer 2 Minuten

Der erste Reflex vieler: Wenn Twitter nicht mehr gefällt, kann man sich einfach eine andere Plattform suchen. Dies geschah in der Geschichte des Internets immer wieder: Von MySpace oder StudiVZ bis zu Tumblr und Google Plus. Die erste Wahl landete gleich nach der Bekanntgabe der Übernahme ganz oben in den Twitter-Trends: Mastodon ist eine freie Alternative zu Twitter und bereits seit Jahren in Betrieb. Was fehlte, war vor allem der Netzwerkeffekt, der Plattformen wie Twitter, Facebook, Instagram oder TikTok groß machte.
– Torsten Kleinz, https://www.heise.de/news/Elon-Musk-kauft-Twitter-Was-nun-7064943.html

In einem meiner Lieblingsfilme von Jaques Tati -Mon Oncle- gibt es eine Szene, in der Tati den Wahnsinn der Moderne hinter sich lässt und von seinen “Kumpels” aus dem Dorf in eine kleine Bar-Tabac gezogen wird. Ich mag diese Szene allein schon deshalb, weil ich in Südfrankreich diese Bars in den 80ern kennenlernen durfte. Was haben sie mit Twitter zu tun? Gar nichts! Und genau dies ist der Punkt. Alles andere, was Tati zuvor erlebte, ist Twitter.

Elon Musk gedenkt Twitter zu übernehmen oder hat er schon? Soll er! Aber ohne mich. Musk steht quasi für alles, was ich ablehne. Mir ist nicht wichtig, wie er zu seinem Geld gekommen ist. Entscheidend ist, dass niemand auf dieser Welt, die vom Kapitalismus geprägt ist, mittels Geld soviel Macht innehaben darf. Weltpolitik wird damit immer mehr personalisiert und hat nichts mehr mit den Institutionen zu tun, die ansatzweise für eine Stabilität sorgten. Wie immer bei Twitter meldeten sich schnell die Zeitgenossen, die den Kritikern Neid vorwarfen. Diese Leute haben wenig verstanden. Das Geld wird ihm persönlich nichts einbringen und das eigentliche Leben nicht bereichern. Von Neid könnte man sprechen, wenn ich zum Beispiel an seiner Stelle sein wollte. Dies liegt mir fern. Es war weniger die Person Musk, die mich zur Kündigung meiner beiden Accounts bewegte, sondern die Erkenntnis, dass ich mich dort in einer Welt bewegte, die Erscheinungen wie Musk hervorbringt und favorisiert. (siehe auch: Mein täglich Twitter, gib mir heute)

Als Nebeneffekt habe ich den Suchtfaktor realisiert. Ich bin nicht gerade auf einem Entzug gelandet, aber ich habe bemerkt, wie sehr mich u.a. dieser Appell an das Dopamin-System im Gehirn beeinflusste. Der kommt nicht von irgendwo her, sondern ist gewollt und Geschäftsmodell. Ich mag es nicht, wenn man mit mir spielt und mich manipuliert. Also: Ausstieg. Da ich nicht ganz von dem technologischen Geschehen, was mir nicht gefällt, aber ich nicht daran vorbeikomme, abgeschnitten sein will und Facebook nur beibehalte, um nicht von meinen internationalen Kontakten abgeschnitten zu sein, habe ich einen MASTODON Account eröffnet. Die Plattform[1]Test arbeitet nicht mit Algorithmen und die Nachrichten kommen, wie sie gerade kommen. Derzeit bin ich noch dabei, mich dort einigermaßen zu Recht zu finden. Allgemein herrscht dort noch eine gewisse Aufbruchsstimmung, die in etwa mit den ersten Tagen von Twitter zu vergleichen ist.
Parallel bringe ich die Webseite auf Vordermann. Hier hat sich bereits einiges getan und weitere Änderungen werden folgen. Man liest sich.

Troelle Unterschrift

 

 

Quellen/Fußnoten

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Veröffentlicht2. Mai 2022 von Troelle in Kategorie "Gesellschaft

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