Oktober 31 2021

Die Randerscheinungen einer Pandemie

blue and brown cake on black table Lesedauer 5 Minuten

Ich lebe in der Großstadt Berlin. Tagtäglich sehe ich deutliche Zeichen dafür, dass eine Vielzahl meiner Zeitgenossen mit so ziemlich alles sind, aber nicht vernünftig und verständig. Warum sie diese beiden, dem Menschen grundsätzlich gegebenen Fähigkeiten des Großhirns, Verstand und Vernunft, nicht zur Anwendung bringen o. sie derer beraubt wurden, hat vielerlei Gründe. Doch darauf will ich gar nicht näher eingehen. Ob es sich nun um Verkehrsteilnehmer, Leute, die ihren Müll in Grünanlagen entsorgen oder Hundehalter, die zwar den Kot in eine Plastiktüte packen, aber sie dann an einen Zaun hängen.

Mit Sicherheit ist es zweckmäßig darüber nachzudenken, was da in der Gesellschaft vor sich geht, damit dagegen gesteuert werden kann. Wenn man denn will! Da habe ich meine Zweifel. Aber selbst, wenn der Wille bestände, muss jeder erst einmal mit dem Vorlieb nehmen, was die Realität ist. Mit diesem geistigen Zustand von Teilen der Bevölkerung müssen wir derzeit leben und einen Umgang finden. Dies gilt für notwendige Maßnahmen zur Unterlassung weiterer Eingriffe in die Natur und das Klima, gleichsam beim Weg durch die weltweite (dies scheint bei einigen nicht anzukommen) Pandemie.


In der Pandemie gibt es viel zu beobachten, was nicht unmittelbar mit der Krankheit zu tun hat. Da wären die Künstler, die naturgemäß narzisstische Tendenzen aufweisen und den Zuspruch eines Publikums benötigen. Es brauchte eine Weile, aber irgendwann zeigten sich Entzugserscheinungen. Weiterhin die Zeiterscheinung, Prominente in Interviews zu Themen zu befragen, die sich weit jenseits ihrer Kompetenzen bewegen. Da muss man einem Jürgen Klopp Respekt zollen, wenn er in einem Interview auf die Frage nach seiner Meinung über Maßnahmen in der Pandemie gefragt wird und den Reporter an Mediziner verweist. Dies wäre auch für einen jungen Fußballer, wie Joshua Kimmich ratsam gewesen. Ich käme nicht auf die Idee bei einem juristischen Problem einen Friseur nach Rat zu fragen.

Interessant hat sich beim Thema Impfen die Rhetorik entwickelt. Während sich bei einem Teil Freude und Begeisterung über einen Impfstoff breit machte, wurden andere von dem Begriff “Gentechnik” getriggert. Ich unterstelle, dass sich die meisten der hierdurch Empörten beim alltäglichen Einkauf nicht die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Verpackungen durchlesen oder die Nummern der Zusatzstoffe dekodieren, geschweige denn sich Gedanken über das machen, was die geschlachteten Tiere zu fressen und gespritzt bekamen. Dabei macht es einen logischen Unterschied, ob ich mich gegen die gentechnische Veränderung des Erbguts einer Pflanze oder eines Tieres wende, oder ich mich mit Viren, die nicht einmal Lebewesen sind, auseinandersetze. Jeder, der sich mit Impfen auseinandersetzt, müsste theoretisch ein wenig erleichtert sein, weil endlich die Risiken einer Verunreinigung durch die Zucht auf tierischen Material noch weiter minimiert werden können. Immerhin war dies über Jahrzehnte ein schwerwiegendes Argument von Impfgegnern.

Bürger von Wohlstandsstaaten sind Meister des Verdrängens. Die meisten Krankheiten, die in Ballungsräumen der Schrecken der Menschheit waren, sind im Wesentlichen unter Kontrolle. Pest, Cholera, Lepra, Kinderlähmung, Diphtherie, Tuberkulose u.a. sind aus dem Blickfeld der meisten Leute verschwunden. Gleichermaßen ist der Bezug zum Tod verschwunden. Er findet allzu häufig nicht zu Hause statt und wenn wird der Leichnam zügig entfernt. Wer, wenn nicht beruflich dazu gezwungen, macht sich schon ein Bild von Intensivstationen oder einem Hospiz? Langes Leben erscheint als das Normale und wenn eine/r vor dem Erreichen des theoretisch möglichen Alters von durchschnittlich ca. 80 Jahren stirbt, heißt es, dass der Tod zu früh eintrat. Ob dies nun eine Drehtür für die nächste Inkarnation (Buddhismus) oder der Weg, wahlweise Hölle oder Himmel ist (Christentum, Islam) oder schlicht ein absolutes Ende, ist eine Frage des Glaubens. Es gibt weder eine richtige, noch eine falsche Zeit für den Tod. Mit der Geburt eines Lebewesens beginnt das Sterben, welches dann mit Tod endet. Tatsächlich starben die Menschen mangels medizinischer Versorgung früher deutlich vor dem biologisch theoretisch machbaren Alter. Und Impfen hat daran einen großen Anteil. Insofern sind all die Debatten über vermeintliche Langzeitfolgen eher ein klassisches “I. Welt -Thema”.

In der Debatte tauchte auch ein Konstrukt auf, was sich “verdeckte Impfpflicht” nennt. Durch die Regeln und einem sozialen Druck würden die Bürger so oder so quasi gezwungen werden. Und wenn? Wer in Deutschland lebt, steht ständig unter einem sozialen Druck, der mit der Erziehung beginnt und sich später durch Werbung, Berechtigungen und Sozialleistungen im erwachsenen Alter fortsetzt. Impfen, ein solidarischer Akt, weil erst eine hohe Prozentzahl (weltweit!) Geimpfter wirksam diejenigen schützt, welche sich nicht impfen lassen können, ist nun der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt? Dies ist wahrlich grotesk. Der Philosoph Rüdiger Precht, betonte kürzlich in einem Podcast, kein Impfgegner zu sein, setzte aber diverse widersprüchliche “ABER” entgegen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sich nicht jeder impfen lassen konnte, weil schlicht nicht genug Impfstoff vorhanden war, wären die Regeln korrekt gewesen. Nun seien aber genug Impfdosen vorhanden und der Staat sei nicht dafür da, jeden vor sich selbst zu schützen. Ich finde es arg befremdlich, dass er geflissentlich übersieht, dass wir es mit einer weltweiten Pandemie und nicht mit einer Epidemie zu tun haben. Demnach muss ein wenig weiter gedacht werden.

Außerdem erneuert er die alte Argumentation, die in den 90ern seitens Impfgegner aufgebaut wurde. Die griffen in die Kiste mit den Krankheiten, deren Ursache noch nicht zufriedenstellend geklärt ist. Autismus, plötzlicher Kindstod, Pseudokrupp, Neurodermitis, wurden bei ihnen Langzeitschäden nach Impfungen. Beweisen konnten sie es nicht, aber dies war denen egal. Rüdiger Precht stimmt den “klassischen” Impfungen zu, doch mutmaßt nun mögliche Spätfolgen bei den neuen Impfstoffen. Hierzu sinniert er über die Risiken für das Immunsystem von Kindern. Exakt dies wird auch seitens der Gegner (zumeist Homöopathen/innen, Heilpraktiker/innen) bezüglich der anderen Standardimpfungen vorgetragen. Man wird dies auf einen längeren Zeitraum nicht klären können. Wie soll man 10 Jahre später eine Kausalität herstellen? Überdies kommen noch die zahlreichen Schadstoffe durch die Belastungen der Luft, Wasser, Boden, hinzu.

Fraglich ist, wie ich die Gefährlichkeit einschätze. Den weltweiten Berichten nach will man bei Coronanicht volle Packung bekommen. Aus nie geklärten Gründen hatte ich als Kind böse Hustenanfälle und hab das auch weitervererbt. Ich weiß, was es heißt, ständig zu husten und deshalb keine Luft zu bekommen. Aber gut, vor der Gefahr die Augen zu schließen ist äußerst menschlich. Obwohl man sich fragt, was Mediziner und Krankenhauspersonal noch tun müssen, um die Leute davon zu überzeugen, dass es sich nicht um einen harmlosen grippalen Infekt handelt. Hinter der Ignoranz und dem Verweis auf den sozialen Druck scheint ein Muster zu sein. Allem, was den Leuten nicht in den Kram passt, sie nicht mehr im Verhältnis zu vielen anderen Ländern auf diesem Planeten, nahezu obszönen Lebensstil pflegen lässt, wird damit begegnet. Klima, Energieverbrauch, Produkte, Müll, alles wird zur vermeintlichen Panikmache, religiösen Verhalten usw. Auch einer dieser Effekte, die ich zur Genüge aus meiner polizeilichen Vergangenheit kenne. “Ach, so schlimm wird es schon nicht kommen!” Also wird erstmal mit wenig Personal und Material begonnen, um dann richtig Schiffbruch zu erleiden. Die daraus gelernt haben, müssen dann Spott und Häme über sich ergehen lassen, wenn sie mit einem großen Aufgebot ausrücken und sich ausnahmsweise alles im unteren Level abspielt. Doch wie wäre es ausgegangen, wenn es doch geknallt hätte und zu wenige eingesetzt gewesen wären?


Bei der Pandemie stellt sich die Frage nicht. Jeder konnte die Auswirkungen in den Ländern verfolgen, die schlicht wenig unternehmen konnten. Bei den anderen genannten Sachverhalten stellt sich die Frage, vorausgesetzt man lässt sich nicht blenden oder verdrängt alles, weil man sich in der trügerischen Sicherheit eines reichen Landes wähnt, ebenfalls nicht. Alle Alarmsignale, auch die bezüglich nicht zu kontrollierender Kriege zur Sicherung von Ressourcen, stehen auf Rot. Eine kleine Provokation hier, da, ein kleiner Vorstoß, ein schwelender Cyberkrieg, dort ein noch begrenzter, aber unübersichtlicher Stellvertreter – Krieg. Dies lässt den Beobachter nicht wirklich ruhig bleiben. Und von einer Perversität kann man blind ausgehen. Die entsprechenden Strategen bei den Nachrichtendiensten haben mit absoluter Sicherheit die Reaktionen in den jeweiligen Ländern analysiert und ihnen die Schwachstellen der Gegner gezeigt. Teilbereiche der deutschen Gesellschaft lassen sich schon mit harmlosen Dingen zuverlässig instabil machen. Da geht noch einiges mehr und die Wirkung wird breiter werden. Wenn ich eine echte stabile demokratische Gesellschaft haben will, muss ich alles dran setzen, mündige und verständige Bürger zu sozialisieren. Bei uns passiert genau das Gegenteil. Habe ich nicht ausreichend davon, bleibt mir nur noch der soziale Druck, die Regulierung im Rahmen der geltenden Gesetze oder der manipulative Einsatz der üblichen Kampagnen im Zusammenspiel mit Prominenten. Doch leider sind die noch auf dem alten Trip, bei dem die Vernunft ausgeschaltet werden soll, in dem sie gegen Bezahlung irgendwelche Produkte in die Kamera halten.

Mai 12 2020

Nichts ist, wie es scheint …

Lesedauer 5 Minuten

Die Godfather der modernen Verschwörungstheorien sind die verstorbenen ehem. Playboy Autoren u. Romanschreiber Robert Shea, Robert Wilson. Unter dem Arbeitsmotto: “… all diese Schwachköpfe recht hatten und jede einzelne Verschwörung, über die sie sich beschweren, wirklich existiert“ entstand die Trilogie “Illuminatus”, welche Teil der Popkultur wurde bzw. manchen Leuten die Birne weich gemacht hat.

Die beiden sollen beim Schreiben eine Menge Spass gehabt haben. Die Sache mit den Illuminaten, an sich aus heutiger Sicht 1776 in Bayern von Adam Weisshaupt gegründeter harmloser Männerverein verselbständigte sich in den Achtzigern ein wenig. Ich muss zugeben, dass ich vor wenigen Jahren ein wenig staunte, dass die Legenden um den Orden in der Freiburger Provinz noch lebendig sind. Aber in der Ecke von Deutschland geht meiner persönlichen Erfahrung nach ohnehin einiges schief. Selten habe ich so viele Homöopathen, Anthroposophen, Esoteriker (im populistischen Sinn) und Evangelikale auf einen Haufen gesehen.

Nicht alles, was gemutmaßt wird, ist zwingend eine wiederlegbare Theorie. Im Kalten Krieg wurde seitens der Nachrichtendienste so einiges in die Welt gesetzt, um die Bevölkerung des Gegners zu manipulieren. Vieles hat sich im Nachgang als wahr herausgestellt. Zum Beispiel hat die Staatssicherheit tatsächlich RAF Terroristen unterstützt. Oder auch der Fall Benno Ohnesorg bekam eine vollkommen neue Wende.

Da gab es die Klassiker, wie z.B. die P2 Loge in Italien, die eine Schnittstelle zwischen der Mafia und der Politik herstellte. Berlusconi hat es nicht geschadet u. es ist nachvollziehbar, wenn manch einer nicht glaubt, dass die P2 wirklich Geschichte ist. Überhaupt ist die komplette italienische Organisierte Kriminalität unbestreitbar eine Verschwörung. Aber sie ist unübersehbar und damit keine Theorie.

Alles, was sich halbwegs, im Zweifel analytisch, heuristisch, vermuten lässt, verlässt das Gebiet der reinen Theorie. Ja, es gibt Cliquen, die sich gegenseitig Geschäfte zu schieben. Auch ganze Netzwerke, die Steuerhinterziehung im großen Stil ermöglichen, sind nachgewiesen. Es gibt auch genügend abtrünnige Nachrichtendienstler, die Einblick in verschiedene Operationen ermöglichten. Genau da ist der Haken, an dem sich alle früher oder später aufhängen. Der Verrat o. das Bedürfnis sich aus unterschiedlichsten Motiven zu öffnen. Hört man solchen Menschen gut zu und beachtet ein wenig die handwerklichen Grundlagen, weiss man recht zuverlässig, ob etwas dran ist. Machbarkeit, Personenkenntnisse, Sachverhalte, weitere Quellen, Details … Wunderschön und unterhaltsam in der Verfilmung des Watergate Skandals zu sehen. Wer ein wenig in die Welt der Sauereien der Dienste eintauchen will, dem empfehle ich das in die Tage gekommene Buch “Der Pate des Terrors”. Dienste verändern bewährte Taktiken nicht so schnell. Heute mit mehr Elektronik, aber die Grundprinzipien des Denkens bleiben. Keine Theorie, alles nachvollziehbare Fakten und Geschehnisse.

Auch Scientology ist im gewissen Sinne eine Verschwörung. Immerhin wurde der Gründer Ron Hubbard von dem berühmten Okkultisten Aleister Crowley für zu “durchgeknallt” befunden. Crowley war nun wirklich sonst wenig zu abstrus und er fand sich damit im Illuminatus wieder. Aber genug Aussteiger liefern der Aussenwelt belastbares Material. Somit auch keine Theorie.

Seit ungefähr 2017 dümpelt “QAnon” durch das Internet. Irgendjemand o. eine Personengruppe hat meinem Eindruck nach “Deep Throat” aus Watergate mit “Illuminatus” verbunden. Im Gegensatz zur Handlung im Film kannte Woodward seinen Informanten den FBI Agenten William Mark Felt. “QAnon” behauptet wie die Quelle im Film, sein Wissen unmittelbar von “Oben” zu beziehen. Und alles was QAnon so von sich gibt, ist dem schrägen Inhalt von Illuminatus ebenbürtig. Aber wir leben halt nicht mehr in den Siebzigern, sondern 2020 und haben das Internet.

Der Wahnsinn, welcher sich um Illuminatus ausbreitete, letztlich aber auf eine überschaubare Underground Popbewegung beschränkt blieb, spielt sich nun im Grossem ab. 1998 wurde im Film “23 – Nichts ist, wie es scheint” die Geschichte des Hackers Karl Koch aus den Achtzigern erzählt, der in der Szene unter dem Pseudonym “Tron” bekannt war. Für ihn war “Illuminatus” u. das angebliche Erkennungszeichen “23” die Antwort auf das unübersichtliche Geschehen im sich zuspitzenden kalten Krieg und die Umstände welche der immer mehr erstarkende Neoliberalismus mit sich brachte und bringt. Schaut man sich das Leben und die Gedankenstrukturen Kochs an, fühlt man sich schnell an Xavier Nadoo, Attila Hildmann, Sido, erinnert. Aber Koch hatte zu keinem Zeitpunkt deren durch die Social Media mögliche Reichweite.

Gleichsam ist der Nährboden ein anderer. Diverse Betrachter wundern sich, wie plötzlich “Linke” mit “Rechten” in einer sogenannten Querfront oder Widerstand2020 zusammengehen. Ich finde das leicht erklärbar. Die waren im Sinne einer Ideologie niemals links oder rechts. Der Mensch will irgendwie verstehen oder zumindest eine Erklärung haben, was um ihn herum passiert. Also geht er auf die Suche. Manch einer glaubt, dass die “linken Wirrköpfe” an allem drehen, andere halten die Kapitalisten für die Bösen und der Nächste sieht die im Hintergrund agierenden Intellektuellen der rechten Ideologen. Die PR Agenturen sind dankbar und bieten sich dem am besten Zahlenden an. Sie liefern die einfach verständlichen Antworten. Schlagwörter, Schuldzuweisungen, Artikel die nicht im Entferntesten etwas mit der gestützten oder bekämpften Ideologie zu tun haben. Lange Zeit war das der gängigen Politik ganz recht. Einfach zu fütternde Wähler, die nicht fundiert hinterfragen, sondern einfache Brocken schlucken, sind leicht für passende Kreuze zu motivieren. “Der da nimmt Euch was weg, die sind wie DDR, die sind wie Nazis, die wollen alles verbieten …!” Ein Appel an die Emotionen, zwecks Ausschalten des Verstands u. der Vernunft nach dem anderen.

Bis das alles irgendwie nicht mehr so richtig funktioniert. Zumindest ein Teil der Leute sind von den Antworten enttäuscht. Also brauchen sie Neue! Eins haben alle gemeinsam kapiert. “Die verarschen uns, wir wissen nicht genau wie, aber sie tun es!” Weltweite Korruptionsskandale, Reiche, die sich benehmen wie Sonnenkönige, reale o. aufgebauschte Skandale, ein Virus, der so furchtbar passend erscheint. Allein ein Typ wie Axel Voss, augenscheinlich ein Kontrollfreak, der den Virus zum Ausbau der elektronischen Kontrolle, dieser aus seiner Sicht unzumutbar schwer einzuschätzenden Egozentriker (freier Bürger) benutzen will, reicht als Beweis.

Tja … und dann scheint plötzlich alles zusammenzupassen. Neue Weltordnung! Versklaven, Manipulation, reiche Perverse, usw., usw..

Hey, natürlich werdet ihr manipuliert. Jeden Tag! Schaut Euch an. Warum hat Dein Kumpel wohl ein ähnliches Outfit wie Du? Warum sieht man Leuten auf 10 Metern an, auf welcher Seite sie ihre “Scheinantworten” gefunden haben? Warum kauft ihr die eine Marke und nicht die andere? Was hat man Euch eingetrichtert? Und ja … ihr werdet für doof verkauft. Warum benutzt Du plötzlich dieses oder jenes Schlagwort? Sind Dir die Argumentationsketten alleine eingefallen? Was ist mit den Assoziationen, welche Dir sofort in den Geist springen, wenn Du bestimmte Worte hörst oder Bilder siehst?

Und es gibt die neuen Sonnenkönige. Aber Ihr habt sie dazu gemacht. Würde Euch jemand das Geld geben, wäre Euer Handeln exakt wie das von denen. Ihr traut es Ihnen nämlich deshalb zu, weil Ihr ein Stück weit, von Euch selbst und Eurer Erlebniswelt ausgeht. Doch dies nur am Rande.

Tron, Illuminatus, Neue Weltordnung, Viren die angeblich gezielt frei gesetzt werden, weltumspannender Kinderhandel, Trinkwasserbeimengungen … alles alte Hüte. Aber neu sind Digitalisierung und Social Media. 2 + 2 = 5. Eine klare falsche Aussage. Oder ist sie erst einmal eine Meinung? Niemand kann mir in einem freien Land verwehren dies zu behaupten. Stimmt! Aber man sollte nicht so doof sein, einem zu widersprechen, der einem anhand von 4 Äpfeln das Gegenteil beweist und einem darüber hinaus die Folgen klar macht.

Diese “5” wird meistens auf Youtube, Facebook, Twitter von etwas seltsam anmutenden Menschen behauptet. Dies sollte nachdenklich machen. Ausserdem bauen die ausnahmslos immer Logikketten auf, die keine sind. Warum nicht mal wieder die simple Lebenserfahrung dazu schalten? Dann ergeben all die Theorien plötzlich keinen Sinn mehr. Mehrere Narzissten, Selbstdarsteller, Machthungrige, die im Zweifel jeden beseitigen der ihrer Karriere im Weg steht, verstehen sich plötzlich, machen geheime Pläne, beschäftigen Tausende, die zur Umsetzung notwendig sind und alle bewahren Geheimhaltung? Vor allem wozu? Sie haben doch schon alles erreicht.

Eine echte Demokratie funktioniert nur mit verständigen, vernünftigen, erwachsenen Bürgern, die sich weder von schwer erfassbaren Zahlen, diffusen Ängsten, wilden Moritaten, gezielt benutzten Denkfehlern und emotionalen Appellen entscheiden. Ausserdem wäre ein Aushalten von Diskrepanzen zwischen Anspruchshaltung an das menschliche Verhalten und der Realität wünschenswert. Na ja … ich hab da so meine Zweifel.

Hier in Malaysia hörte ich sinngemäss die Worte: “Wir wissen vieles nicht, was die Regierungen machen. Es kann sein, aber es kann auch alles ganz anders sein.” Damit ist quasi alles möglich, was der Mensch ersinnen kann, ergo unendlich viel. So funktioniert das nicht. Ich bin auf Wahrscheinlichkeiten, Logik und meine Lebenserfahrung angewiesen. Bei der Kripo lernt man eins: Bei mehreren möglichen Handlungsabläufen ist der einfachste und unkomplizierteste in der Regel der real Geschehene. Daran scheitern alle Verschwörungstheorien. Alle viel zu kompliziert.

November 18 2019

Eine kleine Globukalypse Geschichte

Lesedauer 4 Minuten

Ich kannte mal einen Typen, der war mit einer Homöopathin verheiratet. Beide waren bei der Geburt des ersten Kindes jung und unbedarft. Ich brachte ihn damals ins Krankenhaus. Wie alle jungen Väter war er stolz wie Bolle. Damals gab es von den üblichen verdächtigen Firmen Werbegeschenke. Windeln, Baby Creme, Puder, eine Wickeltasche, eine komplette Erstausstattung. Wirklich punkten konnte er mit dieser nicht. Fertigwindeln waren tabu. Nicht wegen der Umwelt, sondern wegen der möglichen Schadstoffe. Die Creme und das Puder ebenso.
Beide Produkte enthielten Zink. Angeblich ein Teufelszeug, welches für allerlei Zivilisationskrankheiten verantwortlich ist. So erklärte er es mir jedenfalls abends in der Kneipe. Seine Schwiegermutter, ebenfalls praktizierende klassische Homöopathin, hatte die Führung übernommen. Impfungen kamen ebenfalls nicht in Frage. Resigniert begann der arme Kerl den ganzen Kram zu lesen, der zu Hause herum stand. Was blieb ihm anderes übrig? Er hatte Erstaunliches zu berichten. Jenner, der Erfinder der Pockenimpfung sollte den Büchern nach, seine eigene Entdeckung in Frage gestellt haben. Die Pocken hatten sich im Übrigen mehr oder weniger von alleine ausgerottet. Auch die Schluckimpfung sollte gefährlich sein,weil der Impfstoff Verunreinigungen aufwies, den niemand über den Weg trauen konnte. Möglicherweise bestände ein direkter Zusammenhang zwischen dem plötzlichen Kindstod und diesem Teufelszeug. Wenn nicht damit, dann auf jeden Fall mit Autismus, ADHS und nachweisbaren Gehirnveränderungen. Ich fand das alle ein wenig merkwürdig, sah aber die Not, sich gegen eine überzeugte Frau zu stellen. So viel ich weiß, hatte er sogar beruflich Kontakt zu den Gerichtsmedizinern Prokopp und Schneider. Die sagten ihm, dass er sich wegen des Kindstod keine Sorgen machen müsse, jedenfalls nicht wegen der Impfungen.
Immer wenn sich die Kinder, irgendwann waren es zwei, verletzten oder sich eine Infektionskrankheit einfingen, brach in der Familie eine mittelschwere Panik aus und ein Homöopathischer Zirkel trat zusammen, der sich des Problems annahm. Immer wenn ich ihn traf, hörte ich von neuen Geschichten, die ich niemals zuvor erfuhr. Mir war zum Beispiel nie bewusst gewesen, dass Kinder, welche eine konventionelle Geburt erfuhren, im Leben durchsetzungsfähiger sind, als mit dem Kaiserschnitt geholte. Zuvor wusste ich auch nichts von Komplexmitteln oder die psychische Wirkung der Homöopathischen Mittel. Richtig zur Anwendung gebracht, konnten damit sogar Traumata nach sexuellen Übergriffen, Depressionen und allgemeine posttraumatische Belastungsstörungen behandelt werden. Die Schwiegermutter beriet sogar suizidgefährdete, die sich in ihre Obhut gaben. Erstaunt ließ ich mir erklären, dass ein Kerl namens Bach auf einer Wiese Blüten bewunderte und sie auf Basis ihres Aussehens Krankheiten zuordnete. Bis dahin dachte ich, dass diese Bach Blüten wenigstens etwas mit einem echten Bach zu tun hätten.
Ich hatte mir auch keine Vorstellung davon gemacht, wie teuer dieser ganze Kram ist. Seine Frau fuhr für mehrere tausend Euro ins Ausland und nahm an Seminaren bei Gurus der Lehre teil. Für die Repertorisierungssoftware und die notwendigen teuren Laptops gingen nochmals einige tausend drauf. Mir kam damals der Verdacht, dass hinter diesem Kram eine ganze Industrie steckt, die an alledem Unsummen verdient. Die Jahre verstrichen und ich schaute mir die Entwicklung mit Sorge an.

Nach und nach kam mir der Verdacht, dass die Homöopathie alle Merkmale einer zerstörerischen Esoterik Sekte hat, die labile Persönlichkeiten in einen Sog hineinzieht. Die Anhänger sind vernünftigen Argumenten eben so wenig zugänglich wie z.B. Scientologen. Es gibt unantastbare Gurus, verschwurbelte dicke Bücher, Rückgriffe auf andere ältere sektenähnliche Gruppen, wie die Anhänger von Rudolf Steiner und den damit in Verbindung stehenden kruden Theorien, weiße Magie, Steinkunde, Schamanismus usw.. Eine in sich geschlossene Welt, in der mit einer der Urängste des Menschen, den Krankheiten, die Köpfe manipuliert werden. Abtrünnige werden auf das Übelste angegangen, mit Prozessen überzogen und die Gläubigen sind stets bemüht mit missionarischen Eifer ins öffentliche Leben, die Behörden und die Politik vorzustoßen.

Wir verloren uns eine Weile aus den Augen. Dann trafen wir uns wieder. Er hatte die Nerven verloren und sich scheiden lassen. Er wollte mit der Sekte, zu dieser Auffassung war er mittlerweile selbst gekommen, nichts mehr zu tun haben. Die Homöopathie und die Esoterik hatte nahezu vollständig von seiner Frau Besitz ergriffen. Wütend bestellte er sich einen Whisky und warf sich dazu den Inhalt mehrerer Globuli Flaschen ein. Dazu sagte er: «Das war Arsen, Opium, Tollkirsche, Quecksilber und die Erreger von Tuberkulose, Syphilis. Ich glaube, jetzt werde ich dann wohl verrecken.» Nein, er ist nicht verreckt. Meiner Kenntnis nach, erfreut er sich bester Gesundheit. Fragt man ihn nach der Homöopathie, sieht er sie als etwas Gefährliches an. Es ist eben nicht das harmlose Schlucken von Zuckerkügelchen. Dahinter liegt eine komplette Weltanschauung, die einen Gotteskomplex inne hat. Die Homöopathen glauben, dass jede Krankheit mit dem richtigen Mittel und geeigneter Potenzierung geheilt werden kann – es muss nur gefunden werden. Kann der Kranke nicht geheilt werden, bestehen zwei Optionen. Entweder der Behandler findet es nicht oder es wurde noch nicht passend katalogisiert. Jeder kann sich ausmalen, welche Wirkungen diese Einstellung auf todkranke Krebspatienten und den Behandler hat. Viel besser sieht es nicht bei depressiven oder gar suizidalen Persönlichkeiten aus. Den Kindern ist nichts passiert und zwischenzeitlich haben sie alle Impfungen erhalten. Aber was wäre gewesen, wenn …? Dieser Kelch ist an ihm vorbei gegangen.

Diese kleine Geschichte reißt das Thema nur kurz an. Aber ich denke, sie vermittelt ein wenig, worum es geht. Beobachten Sie mal Homöopathen, wenn sie und ihr Weltbild angezweifelt wird. Ich verspreche Ihnen, dass eine katholische Nonne, der gegenüber sie die Existenz Gottes leugnen, ein entspanntes Wesen ist. Jeder, der sich der Homöopathie verschließt ist ein dummer Wissenschaftsgläubiger, der nichts verstanden hat, denn es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde …