Juli 5 2022

Moderne Welt

white skeleton figurine on black laptop computer Lesedauer 7 Minuten

Mein Vater ist seit kurzem Witwer und teilt das Schicksal vieler Männer der bürgerlichen Nachkriegsgeneration. Zeitlebens verließ er sich auf das kaufmännische und buchhalterische Können seiner Frau. Computer, Digitalisierung, die neuesten rückwärts eingesprungenen Rittberger bei Bankensicherungssystemen zogen in den Jahren an ihm vorbei. Ihm genügte es, seine EC-Karte in einen Automaten zu stecken, eine vierstellige Nummer einzugeben und das Ding gab ihm Geld. Bei allen anderen Sachen musste er halt zu Hause vorstellig werden. Wie er mit der Haltung in den 80ern und 90ern durch die Polizei kam, ist mir ein Rätsel. Vielleicht nicht ganz. Ich habe noch die Rufe meiner ehemaligen Kollegen im Ohr. „Trölle!“, hieß es dann immer mit einem leicht verzweifelten, dezent aggressiven, Unterton. An irgendeiner Stelle war mal wieder jemand an einem Rechner oder Drucker gescheitert. Auf die Art und Weise kann man auch viel über die angeblich widerlegte Frustration-Aggression-Theorie lernen.
Bereits seit längerer Zeit betrachte ich das Meiste in diesem Zusammenhang als ein groß angelegtes Spiel. Von meinem Vater kann ich das nicht verlangen. Bereits in der Jugend faszinierte es mich, wie er verrenkt unter der Decke klebend eine persönliche Beziehung zu einer Schraube aufbauen konnte, die ein sadistisch-perverser Designer für eine Deckenlampe vorgesehen hatte. Dies ist nur eins von vielen Beispielen für die Dinge, die nachhaltig meine Lebenshaltung prägten. Aus unerfindlichen Gründen neigen Mitglieder moderner industrialisierter Gesellschaften dazu, sich das Leben maximal zu verkomplizieren. Alles muss versteckt sein, möglichst unsichtbar montiert werden und darf das Auge mit der Existenz nicht stören. So als ob es einem peinlich wäre, dass man dem Universum wieder einmal eine Ausgeburt des Großhirns unterwuchtete. Egal, vielleicht gibt es ja tatsächlich Designer, die abends am Tresen sitzen und sich stundenlang darüber amüsieren, wie weltweit Handwerker an ihren Konstruktionen verzweifeln. Bei den Konstrukteuren von Motoren bin ich mir sicher. Warum sollten sie sonst stets neue unzugängliche Plätze für Zündkerzen finden?
Zurück zu den Problemen der neuen Welt oder besser gesagt, in die Zeit der „Digitalen Revolution“. Bisher konnte ich meinen Vater nicht davon überzeugen, dass der Mensch Computer jenseits der Wissenschaft ausschließlich einsetzt, um Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hätten. Beispielsweise entdeckte ich auf seinem Rechner ein Finanzmanagement-Programm. Ich gebe zu, dass ich so etwas auch mal hatte. Es dauerte eine Weile, bis ich die Hintergründe verstand. Haushaltsbücher gelten als antiquiert. Ich fand mal eins meiner Großmutter. Oben stand, wie viel mein Großvater in der Lohntüte nach Hause brachte, darunter folgten simple Eintragungen über die Ausgaben. Miete, Strom, Milch, Butter, Brot, Belag, Getränke, fertig. Keine Aktien, Depots, Abschreibungen, Sonderausgaben, Werbungskosten, Außenstände bei der Krankenkasse, Rücklagen oder ähnlich verwirrende Dinge. Das Buch ist weder sexy, hip, noch cool. Also machten sich Programmierer ans Werk. Theoretisch kann jetzt jeder mit diesen Programmen nachvollziehen, wie viel Prozent die Nahrungsmittel, das Vergnügen, die Toilettenartikel, ausmachen. Es ist auch nachvollziehbar, wie sich das über das Jahr entwickelte. Oder man kann bestimmen, welche Ausgaben steuerlich relevant sind. Mal ganz abgesehen davon, dass sie dies beim Normalbürger nie sind, weil in der unteren Mittelschicht kaum einer über die Pauschalbeträge kommt. Aber man darf träumen. Genau genommen sind diese Programme zeitraubende PC-Spiele. Etwas philosophischer formuliert, liefern sie eine grafische Darstellung des inneren Zustands „Haben“. De facto benötigt er dieses Programm wie eine singende Einhorn-Figur aus rosafarbenen Plüsch. Leider sperrte es aufgrund einer Fehlbedienung den online-Zugang für die Bank.
Man mag meinen, dass dies kein gravierender Vorgang ist. Tausende geben jeden Tag eine falsche PIN ein. Eben! Damit gehen sie den Banken auf den Zünder. Kaum freuten sich all die Dagobert Ducks über die fantastischen Kostenersparnisse, die sich aus der Freisetzung der teuren Angestellten ergaben, begannen die Kunden online zu nerven. Immer wieder bewundere ich die Genialität Douglas Adams. Im „Anhalter durch die Galaxis“ zeigen sich die Gorgonen verwundert, weil die Erdbewohner nicht rechtzeitig Widerspruch gegen Zerstörung der Erde einreichten. Parallel kämpft einer der Protagonisten um die Unversehrtheit seines Hauses, welches für eine Umgehungsstraße geopfert werden soll. Mitgeteilt wurde dies mittels eines Aushangs im Keller des Rathauses, hier wiederum in einem verschlossenen Raum, für dessen Öffnung ein Antrag notwendig ist. Webpräsenzen von Banken sind ähnlich strukturiert. Alles was verkauft werden soll springt einen an. Mit drei Tasten und zwei Klicks ist der Deal abgeschlossen. Will man einen Kontakt herstellen, wird es schwieriger. Zur Auswahl standen der telefonische Support, ein WhatsApp-Kontakt (extrem bedenklich), eine KI, die den Namen nicht verdient, da sie nur FAQ beantworten kann und einige Formulare, die seltsamerweise nur auf den Kauf weiterer Produkte bezogen sind.
Zunächst rief er selbst bei der Bank an. Sie, die Beraterin und er, der Mann aus der Zeit vor der Digitalen Revolution, sprachen sauber aneinander vorbei. Hilfreich wäre die Klärung gewesen, von welcher Art Gerät jeder spricht. Am Ende war der Zugang wieder dicht. Ich kenne nicht den Masterplan der Sparkasse Berlin, aber am Geld der Senioren scheinen die Verantwortlichen nicht interessiert zu sein. Ich weiß! Sie sind am Geld, richtig formuliert an den Datensätzen, die Geld darstellen, interessiert, aber nicht an diesen lästigen verfallenden Blutsäcken, die nichts mehr generieren, sondern nur noch empfangen. Demnächst, jedenfalls wenn es nach den Ferengis (Mein Vater weiß natürlich nicht, was ein Ferengi ist, aber ohne es zu wissen, kennt er sie doch, weil man Politiker*innen der CDU/CSU/FDP, nicht besser darstellen kann) geht, wird das Geld für die Rente treubrav an Blackrock übergeben. Der Investment-Gigant, soll dann mit einer weiteren europäischen Rentenkasse spielen dürfen.
Also machte ich mich an die Angelegenheit. Ich selbst bin bei einem anderen Institut. Mir fällt es leicht, mit den entsprechenden Apps auf dem Smartphone zu agieren. Aber kann ich das von einer älteren Generation erwarten? Ich denke nicht. Weil ich mir nicht ganz sicher war, was die eigentlich in Sachen online-Banking auf dem Portal wollten und außerdem das richtige Gerät benötigte, stellte ich mich in die Schlange vor der Sparkassen-Filiale. Jedem, der ein wenig Zeit hat, kann ich diese Erfahrung empfehlen. Mit mir zusammen standen dort in der prallen Sonne ca. 20 mehr oder weniger verzweifelte Rentner und Rentnerinnen. Ich bereitete mich innerlich auf erste Wiederbelebungsmaßnahmen vor. Vor uns stand ein typischer Berliner Sicherheitsmann. Schwarzes Hemd, schwarze Jeans, Schuhe von einem bekannten Sicherheitsausstatter und rudimentär der Sprache mächtig, die die Rentner vor ihm sprachen. Immer mal wieder grüßte er knutschend junge kräftige tätowierte Männer, die an allen vorbei zu den EC-Automaten gingen. An den Schaltern spielten sich menschliche Tragödien ab. Es ist nicht schön, wenn man alte Männer in Tränen ausbrechen sieht, weil sie mit dem Humbug überfordert sind. Grotesk wird es, wenn man dabei den Kontrast an den Automaten beobachtet, wo sich merkwürdige Gestalten ihr Geld holen.
Endlich an der Reihe nickte der Angestellte nur mitleidig. Was ich schilderte, war sein täglich Brot. Allerdings konnte er mir nicht das passende Gerät verkaufen. Hätte er dies getan, ergäbe sich daraus für die Bank ein Haftungsanspruch, deshalb müsse man es online kaufen. Über die App, zu der ich keinen Zugang habe, würde sich das Ding ganz leicht kaufen lassen. Zwischenzeitlich rief mich mein Vater an. Bei einer großen Bank in seiner Nähe böten sie ihm einen Seniorenberater an. Zu meiner Begeisterung beschloss er dorthin umzuziehen.
Doch da wäre noch die Sache mit den Konto-Auszügen. Eigentlich simpel, wenn man sich in Berlin befindet und einen Berliner Automaten benutzt. Weilt man in einer anderen Stadt, mögen einen die Sparkassenautomaten nicht. Jetzt ritt mich der Teufel. Auf einem Samstag, zur Primetime, also nachdem alle Hundebesitzer nochmals ihre Lieblinge ausgeführt hatten, 5 Minuten nach Beginn des traditionellen deutschen 20:15 Uhr Fernsehprogrammbeginn, zu der Zeit, in der die Wasserbetriebe die geringste Auslastung haben, rief ich die Hotline an. Es dauerte 30 Minuten, bis sich eine freundliche Dame meldete. Ihr schilderte ich mein hochkomplexes Anliegen, welches manche Absolventen der Betriebswirtschaftslehre nicht regeln können: „Können Sie bitte meinem Vater, Inhaber des Kontos xy, einen Ausdruck des letzten Monats übersenden?“ Theoretisch wäre dies möglich, aber über das online-Banking sei dies viel einfacher. Yeap! Aber nicht, wenn es gesperrt ist. Also bot sie mir die Entsperrung an. Mein müsste hierfür nur eine seiner letzten Abhebungen oder Zahlungen, auf den Cent genau und mit Nennung der Transaktionsnummer benennen. Außerdem noch Geburtsdatum, Kartennummer, Schuhgröße, Essgewohnheiten der Großmutter … Was folgte, war eine kleine Eskalation. Da half auch nicht die Erklärung, dass die arme Frau auch nur ein Opfer der Ferengis und der Digitalen Revolution ist.
Ich schrieb bereits, dass mich der Teufel ritt. Unabhängig vom Anruf hatte ich bereits eine online-Lösung gefunden. Dachte ich! Die Sparkasse hat zwischenzeitlich eine eMail gesandt, dass sie leider Anfragen dieser Art nicht bearbeiten kann, weil sie den Absender nicht verifizieren können. Grundsätzlich wäre das kein Thema, weil sie ja einen Brief absenden. Aber sie wären kein Geldinstitut, wenn sie für den Ausdruck nicht satte 5 EUR berechnen würden.

Ich lehne mich mal weit hinaus. Bei mir ist ein abgebrochenes und ein abgeschlossenes Studium, jahrelange EDV-Erfahrung, diverse Zusatzausbildungen für computergesteuerte Spezialtechnik im Hintergrund. Im Gegenzuge wirft mir kein Installateur Werkzeug und ein Handbuch an den Kopf, damit ich meinen Kram alleine erledige und verlangt auch noch Geld von mir. Ich schrieb hier von Rentnern und Leuten, die sich jenseits der 70 bewegen. Das ist nicht fair und trifft auch nicht die Realität. Viele sind mit alledem überfordert. Hinzu kommen die, welche nicht darüber reden wollen und so tun, als ob sie klar kämen. Eines schönen Tages wird alles sehr simpel sein. Und damit wird es dann richtig gefährlich. Nur noch Insider wissen dann, was im Hintergrund passiert. Damit gibt es dann gar keine Chance mehr sich gegen die eine oder andere Sauerei zu wehren. Vermutlich gebe ich mich einer Illusion hin. Was da wie und warum passiert, weiß ich nicht. Jetzt in diesem Augenblick schreibe ich auf einem Laptop, der über ein WLAN online ist und mit dem ich einen Text schreibe, der aussieht wie früher auf der Schreibmaschine, tatsächlich aber eine Ansammlung von kryptischen Codezeichen ist, von denen ich nichts verstehe. 70 % von dem, was auf dieser Seite geschieht, verstehe ich nicht. Ich bin nicht einmal dazu in der Lage Werbung so einzublenden, dass ich damit Geld verdienen könnte.
Bei Geld bin ich ohnehin raus. Bitcoins, Aktien, Börsenkurse, Finanzprodukte, Tagesgeldkonten, haben mich niemals interessiert und heutzutage will ich damit nichts mehr zu tun haben. Ich weiß, dass da eine Menge Dinge passieren, die nichts Gutes erbringen. Dieses Wissen reicht mir völlig aus. Ich hege einen bösen Wunsch. Meiner Erfahrung nach, gehen alle hochkomplizierten Prozesse eines Tages böse schief, während einfache recht zuverlässig funktionieren. Wie schön wäre es doch, wenn den Freaks irgendwann alles um die Ohren fliegt. Es gäbe dann bedauernswerte Opfer, aber die Überlebenden und nachfolgenden Generationen wären die Gewinner. Im alten Chaplin Film gerät der Protagonist zwischen die Zahnräder einer Maschine. Die Revolution der mechanischen Maschinen ist Vergangenheit, jetzt haben wir es mit der Digitalisierung zu tun. Erich Fromm beschrieb die Moderne als eine Zeit, in der die Menschen alles tote und seelenlose lieben, während sie das Lebendige vernachlässigen. Er sagte dies vor ca. 50 Jahren. Ja, ich kann dem nur zustimmen.

Juli 2 2022

Immer noch illegal

shallow focus photography of cannabis plant Lesedauer 8 Minuten

In Sachen Cannabis ist die aktuelle Ampel-Koalition mit einem großen Wählerversprechen angetreten: Wir werden Cannabis legalisieren. Allerdings scheint bisher nicht einmal eine Entkriminalisierung in Sicht zu sein. Ich erwartete nichts anderes. Ein Land, in dem sich selbst der Verkauf gängiger Schmerzmittel kompliziert gestaltet, tut sich schwer damit. Wenn ich in Polen an einer Kasse stehe und dort Aspirin neben Ibuprofen liegen sehe, frage ich mich stets, ob deutsche Zeitgenossen und Genossinnen mit politischen Gestaltungswillen, ihre Mitmenschen für besonders dämlich halten, oder sie ihre Rolle ein wenig zu erzieherisch anlegen.
Ich kann mich seit meiner Jugend an keine Zeit erinnern, in der Drogen nicht irgendwie eine Rolle spielten. Auf den Partys wurde mit der Pubertät Alkohol getrunken und die ersten Joints gingen herum, als ich um die 16 Jahre war. Mit Mitte der 80er kombinierten die ersten Freunde Kokain, MDMA, XTC, Alkohol und Cannabis. Jetzt wo ich nochmals die Zeit Revue passieren lasse, fällt mir ein, dass zwei Mitschüler bereits in der 7en Klasse Klebstoff schnüffelten. So viel ich weiß ist einer von beiden „abgedriftet“ und der andere wurde später Drogenberater. Einige Grundregeln lernte ich in all den Jahren: „Nicht die Droge sucht sich den Konsumenten, sondern es läuft andersherum.“ Gleichsam gilt: „Ob jemand süchtig wird, ist in der Persönlichkeit begründet und hat sekundär etwas mit der Substanz zu tun.“ Nunmehr bin ich Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Aus Überzeugung heraus begann ich bei beiden recht früh mit einer offenen Aufklärung über Drogen. Mir war dabei immer bewusst, dass diese Verbotsfaselei im günstigsten Fall unbeachtet verhallt; im schlechtesten kontraproduktiv ist. Ich sagte ihnen Dinge wie: „Ihr werdet Alkohol trinken, das ist sicher. Aber wenn ihr trinkt, gebt dem Zeug eine Chance für die Wirkung. Ein Glas, warten, kurzer Body – u. Gehirnscan, dann kann es weiter gehen. Wenn ihr andere Drogen nehmt, bleibt dabei niemals alleine und Finger weg von den Sachen, die ein Chemiestudent im 4en Semester zusammen kocht.“ So weit ich noch einen Einblick in ihr Leben habe, scheint mein Plan aufgegangen zu sein. Ich halte nichts von Wunschvorstellungen, die sich jenseits der realistischen Verhältnisse befinden. Insofern es mir möglich war, beschrieb ich ihnen die Wirkungen der in unseren Breitengraden kursierenden Drogen. Mir wurde in der Jugend eine Menge Humbug erzählt. Cannabis, LSD, Captagon, XTC, Kokain, Heroin, wurden zum bösen Einheitsbrei, während Alkohol, kontrolliert eingenommen, durchging. Erst mein Onkel, schwer heroinabhängig, sagte mir eindringlich: „Alles begann mit dem ersten Bier!“ Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, vielleicht der Reiz einer Welt jenseits des als spießig empfundenen Elternhauses, ein Eindruck, der oftmals aus dem Versteckspiel gegenüber den Kindern resultiert, die Flucht vor einem Leben, welches einem seitens der Gesellschaft aufgedrückt wird, aber ziemlich unmenschlich wirkt, sind beim Einstieg die wichtigen Faktoren. Aber auch die Frusttoleranz, die Fähigkeit, mit Kummer, Trauer, Liebe, Emotionen, umgehen zu können, gehören dazu.

Das Einnehmen von Drogen unter Strafe zu stellen, ist ein bemerkenswertes Konstrukt. Immerhin schädigt sich jeder mit der Einnahme ausschließlich selbst. In allen anderen Gesetzen geht es immer darum, mittels Strafandrohungen Schaden von anderen abzuwehren oder bereits entstandenen zu sühnen. Nun gut, das passt zur Geschichte des Verbots. Nachdem religiöse Eiferer im Schulterschluss mit Industriellen am Alkoholverbot gescheitert waren, erschien plötzlich eine komplette US-amerikanische Behörde gegenstandslos. Der Alkohol minderte aus Sicht der Industrie-Bosse die Arbeitskraft der armen Männer und Frauen, die unter heute inakzeptablen Verhältnissen schufteten. Die Fanatiker sahen die Gottesfürchtigkeit gefährdet. Aber ein Al Capone begriff, dass das ein Kampf gegen die menschliche Natur werden würde und machte ein Geschäftsmodell daraus. Doch, wenn die kollektiv schwer in ihrer Persönlichkeit gestörten amerikanischen Evangelikalen und Rechts-Konservativen schon nicht den Alkohol verbieten konnten, gab es immerhin noch dieses böse Kraut, welches all die rauchten, die quasi den Gegenentwurf lebten. Wie immer in solchen Fällen wurde eine gigantische Propaganda-Kampagne gestartet. Bis heute wirkt sie nach. Cannabis-Raucher/innen sind faul, langsam, desinteressiert, vergesslich und sind schwer für Anstrengungen zu begeistern. Mit anderen Worten, der Albtraum des kapitalistischen Bürgertums. Während bei den Trinkern und Trinkerinnen die Werbebranche beidbeinig ins Geschäft sprang und den Alkohol zu einem Elixier des Erfolgs, Genussmittel und angeblichen Kulturgut werden ließ, dämonisierte man Cannabis. Die jährliche Krönung einer Cannabis-Königin, Messe-Verköstigungen mit aufgedonnerten Hostessen und Männern in abgewetzten Anzügen, sonst Alkoholiker, an der Stelle dann Hardcore-Bong-Raucher, die die Vorzüge der frischen Ernte anpreisen, sind schwer vorstellbar. Die Pflanze passt einigen anderen über das Rauschmittel hinaus nicht ins Konzept. Sie ist ein Multitalent und greift in mehrere Geschäftszweige hinein. Die Fasern sind in diversen Anwendungsbereichen synthetischen Produkten ebenbürtig und darüber hinaus kein schädlicher Eingriff in die Ökologie.
Ich denke, beim Verbot gehen einige miteinander Hand in Hand. Da wären die Missionare und Missionarinnen, welche davon beseelt sind, dem Rest der Welt ihre Vorstellungen aufzudrücken. Sie sind in die Politik und in die Ämter gegangen, um hierfür die notwendigen Machtmittel zu bekommen. Ich habe noch nie verstanden, was Menschen antreibt, die sich in die ureigensten Belange anderer einmischen. Solange jemand mit seinen Handlungen bei sich bleibt, kann sie/er tun und lassen, was sie/er will. Relevant wird es erst, wenn ein/e zweite/r involviert ist. Wer Drogen nehmen will, soll es tun und wer sich das Leben nehmen will, kann dies auch machen. Alledem geht eine lange Geschichte voraus.

Drogen lassen sich niemals getrennt von den gesellschaftlichen Prozessen betrachten. Noch heute ist es in vielen Kreisen ein Zeichen von Stärke, wenn man große Mengen Alkohol verträgt. Alkoholkonsum ist an der Stelle ein Spiel. Mitspieler sind die Trinkenden, das Barpersonal und die kritisierenden Mitmenschen. Man trifft sich, trinkt, baut Mist, der später als lustige Suffgeschichte verkauft wird, erwacht und holt sich den Ärger der Leute ab, die einen verkatert ertragen müssen. Oder es handelt sich um das ungezwungene Gespräch nach dem strengen Protokoll, bei dem endlich mal Tacheles gesprochen wird. Wer keinen Alkohol trinkt, wird schräg angesehen. Im Gegenzuge habe ich noch keine „Kiffergelage“ erlebt, bei dem ein Wettstreit über die Anzahl der gerauchten Joints oder Bongs ausbrach. Kokain taucht meistens in Kombination mit Alkohol auf. Es ermöglicht ein Trinken weit über das normale Limit hinaus. Das passt wunderbar zum Lifestyle der Hedonisten. Schneller Erfolg, hartes Business, schnelles Geld, keine Moral oder Ethik, immer auf der Autobahn unterwegs. Am besten noch mit dem Laptop im Zug schnell die Präsentation vorbereiten, die Aktienkurse verfolgen, sich bei der Frau entschuldigen, schnellen unkomplizierten Sex mit Gleichgesinnten, eben alles, was in einigen Kreisen als Erfolgsnummer gilt.

Wenn man sich mit Befürwortern der Drogenkontrolle unterhält, lohnt es sich, sie ein wenig intensiver auszuleuchten. Warum sehen sie sich dazu berufen, eine Unterscheidung vorzunehmen und auch noch unter dem Deckmantel andere schützen zu wollen, ein Verbot erlassen? Ein Verbot, welches Geldstrafen, Haftstrafen, jede Menge Ärger, Beschädigung des Images, Zerstörung beruflicher Laufbahnen und Biografien, nach sich zieht. Ganz nebenbei auch Verbote, die erst einen Anreiz bedingen. Ist dies alles wirklich ein Schutz? Wenn ich einem Jugendlichen, dem ich das Rauchen verboten habe, eine Ohrfeige gebe, erreiche ich dann etwas? Wäre nicht die Frage, warum es dazu gekommen ist und welche Motive den Antrieb gaben, viel besser? Und ist die verbietende Person Abstinenzler? Ich erlebte mal Michel Friedman bei einem Vortrag vor Freimaurern. Das Thema lautete: Angst! Er sagte dort: „Meine Angst vom Rauchen Krebs zu bekommen, wird von der Angst übertroffen, wie ein Nichtraucher zu werden.“ Die Haltung kann ich nachvollziehen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber oftmals neigen die zur Intoleranz und einem penetranten Sendungsbedürfnis. Kaum einer lebt in einer industrialisierten Gesellschaft ein wirklich dem menschlichen Wesen und seiner Gesundheit zuträgliches Leben. Da mische ich mich bei denen auch nicht ein.
Menschen sind in der Regel nicht echte Altruisten. Aus allem, was wir tun, ziehen wir in irgendeiner Form unsere Befriedigung. Sei es nur, dass ich einem anderen Menschen helfe, um mich damit besser zu fühlen. Ich kann es aber auch lassen und mir damit suggerieren, was ich doch für ein harter Hund bin, der emotional über den Dingen steht. Die sich da ihn Verboten ergehen, wollen sich auch die Befriedigung für ein Bedürfnis einholen. Gleiches gilt für Regulierungen. Bereits die Option, dies überhaupt tun zu können, setzt sie ein bis zwei Etagen über die anderen. Meiner Erfahrung nach, ein ziemlich starker Antrieb. Insofern die Notwendigkeit besteht, weil es das soziale Leben zu regeln gilt, lasse ich mir das gefallen. Aber nicht, wenn es um das pure Selbst geht. Mir wäre neu, dass sich diese Leute um andere Belange ähnlich umfassende Gedanken machen. Die Entfremdung, die immer komplizierte werdende Suche nach einer Identität, dem tatsächlichen Wirken in der Gesellschaft, die Reduzierung von Stress, der ernstgemeinte Ansatz, die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten anzugehen, welche Millionen von Menschen in ein Leben treiben, welches als äußerst ungesund zu bezeichnen ist, sparen sie aus.

Prohibition funktioniert ausschließlich über Macht, Machtmittel, Gewaltausübung, willkürlicher Auswahl, und mittels Zeitgenossen, die bereit sind, damit zu arbeiten. Deshalb muss ich mir beide Seiten anschauen. Es erscheint mir fraglich, ob diejenigen, welche sich dazu berufen fühlen, frei von bedenklichen Störungen sind. Wären sie es, gelte ihr Anspruch einer Überzeugungsarbeit, der Veränderung der bedingenden Faktoren und der realistischen Hinnahme der menschlichen Natur. Drogenkonsum zu verbieten kommt einem Gesetz gleich, in dem bei Strafe die Onanie untersagt wird. Dabei auch noch ausgerechnet den wahrlich schädlichen Alkohol und Nikotin zu erlauben, ist schlicht absurd.
All die ganzen Studien zum Thema Drogen sind meiner Auffassung nach Müll. Ein voll entwickelter Mensch weiß um die Schädlichkeit von Giften. Bereits Paracelsus formulierte die berühmten Worte: “Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.” Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.” Sei es nun Cannabis oder Alkohol, von einer völligen Unschädlichkeit auszugehen, passiert vermutlich sehr wenigen Menschen. Oftmals sind bei Drogen Doppelwirkungen bekannt. Mal wünscheswerte positive bzw. u.U. heilende Wirkungen, andererseits schädliche die Gesundheit gefährdende. Auch ohne Arzt oder Wissenschaftler zu sein, vermute ich einen schwierigen Nachweis, was denn nun im Leben eines Menschen zum Beispiel konkret eine Psychose auslöste oder den Nährboden bereitete. Rein subjektiv betrachtet erscheint mir der Alkohol als eine der übelsten Drogen. Ob legal oder illegal, ist er recht schnell verfügbar und bietet beim Missbrauch, schnell die erwünschte Wirkung an, die relativ einfach aufrecht erhalten werden kann. Kurz: Je nach Problemfeld schießt er die Leute zuverlässig ab. Heroin bedarf einer gewissen Überwindung und die Wirkung ist zeitlich ziemlich begrenzt, so dass ein neuer Schuß notwendig wird. Aber wie auch immer geht es beim Missbrauch stets um das ausklinken. Ein Therapeut fragte mich mal, ob mir mal die Ähnlichkeiten zwischen einem Säugling und einem Alkoholiker aufgefallen sind.
Sich mit Cannabis völlig aus dem Rennen zu nehmen, ist eher schwierig und wäre nicht meine erste Wahl. Dabei fällt mir bei Cannabis-Konsumenten immer wieder die hohe Anzahl Intellektueller, hervorragend ausgebildeter Leute und die damit verbundene Empathie auf. Doch auch bei Cannabis sollte man wissen, was man da tut. Etwas schräg ist die offizielle Bewertung im Verhältnis zu Alkohol. Mir ist die egal. Jugendliche Trinker sind mit absoluter Sicherheit in jeder Hinsicht gefährdeter, abgesehen von anderen aufputschenden Drogen, als alle anderen. Was sie in Gefahr bringt, der Verkehr, die Aggressivität, die Enthemmung oder die toxische Wirkung ist dabei irrelevant. Verbote bringen weiterhin eine Dynamik mit. Ganz praktisch erlebte ich das in Malaysia. Die Underground-Szene der Jüngeren, welche sich durch die restriktiven Bedingungen der muslimisch geprägten bürgerlichen Gesellschaft, exzessiv Drogen zu wenden, bevorzugen i.d.R. Cannabis. Durch die Verfolgung kommt es entweder zu einem Mangel oder sie weichen aus Angst vor gezielten Urin-Kontrollen auf andere Drogen aus, die nicht getestet werden. Oftmals ist dies ein Cocktail aus heimischen Pflanzen, Pilzen und Medikamenten. Der Weg zum Heroin ist dann nicht mehr weit. Therapieeinrichtungen existieren fast gar nicht und wenn doch, wird meistens die Droge durch religiösen Fanatismus eingetauscht. Zwischen Drogenmissbrauch und dem genannten reiligiösen Fanatismus ist ein schmaler Grat. Begründet ist dies in der Ursache für den Missbrauch. Die Religion soll Antworten geben und den Druck aus der Seele nehmen.

Mir erscheint eine gesellschaftliche Analyse und Behebung der den Missbrauch bedingenden Misststände deutlich zielführender, als Repression und Prohibition. Sag mir, welche Drogen in einer Gesellschaft bevorzugt konsumiert werden und ich erzähle Dir, wie der Zustand des jeweiligen Systems aussieht. Ein gewisses Maß an Konsum wird es immer geben. Leider gibt es kaum Anzeichen dafür, dass über eine Analyse hinaus auch Änderungen angestrebt werden. Viel einfacher ist die Repression und Geld lässt sich damit auch ganz gut verdienen. Ebenso wachsen in unserem Gesellschaftssystem stetig Charaktere heran, die sich mangels natürlicher Autorität und Überzeugungskraft, über institutionell vergebener Macht definieren und sich durch die beschriebenen willkürlichen Verbote, über andere erheben. Ehrlicherweise muss ich anfügen, dass ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass ein beklagenswerter Zustand eingetreten ist, der Änderungen äußerst gefährlich werden lässt. Große Anteile der Gesellschaft haben sich daran gewöhnt und verlernt, anders zu leben. Was nicht verboten wurde, ist erlaubt und kann nicht schädlich sein. Über Jahrzehnte hinweg wurde in beiden deutschen Staaten auf unterschiedliche Art und Weise alles an die Institutionen und deren Verwaltungen übergeben. Parallel wirkt auf alle seit Jahrzehnten ein Kanon von Manipulationen ein. Aber gut, meine Haltung zum Kapitalismus und den Auswirkungen ist jedem, der ab und zu hier mitliest, hinreichend bekannt.

Die Cannabis-Lobby setzt auf den Kapitalismus. Ich bin da skeptisch. Bei einer Legalisierung verdienen Neue und alte Alte erfahren Einbrüche. Letztere werden sich zu verteidigen wissen. An der Prohibition hängt weltweit ein riesiger Apparat, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Der gibt nicht einfach kampflos auf.

Juni 30 2022

Alles gesagt

white ceramic sculpture with black face mask Lesedauer 5 Minuten

Mir erscheint die aktuelle Zeit immer mehr davon geprägt zu sein, dass Debatten über Unvermeidliches und Offenkundiges geführt werden, obwohl alles gesagt ist. Ob es nun die Klimadebatte, die notwendigen einzuleitenden Maßnahmen, die erwartbaren Folgen, die Debatte um die Legalisierung von Cannabis, der Zustand der industrialisierten Gesellschaften mit den einhergehenden Veränderungen und einiges weitere, sind.
Ich denke, die beste Bezeichnung hierfür ist Unvernunft. Leute ignorieren die Tatsachen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die sich aufzeigenden Zusammenhänge, weisen sich selbst Rollen zu, die ihnen nicht zustehen. Die große Frage ist dabei, warum sie dies tun. Ist es das Belohnungssystem des menschlichen Gehirns? Es wird in vielfältiger Art und Weise aktiviert. Manchmal ist es nicht offensichtlich, andere Male springt es einen förmlich an. Der reine Konsum ist banal. Überall wenden Leute, die den Auftrag annehmen, ein Produkt zu bewerben, Methoden an, welche das Belohnungssystem aktivieren. Das beworbene Produkt macht freier, schöner, jünger, stiftet Identität, suggeriert anderen den vermeintlichen eigenen Erfolg, lässt einen angeblich liebreizender, attraktiver, begehrenswerter, werden. In den Social Media sind es die Klicks, die Verbreitung des eigenen Kommentars, welche die Ausschüttung der Hormone zuverlässig auslösen. Aber hier kommt noch der soziale Faktor hinzu. Im Prinzip stehen alle auf einem Marktplatz, schreien ihre Meinung über das Areal und erhoffen Gleichgesinnte zu finden. Frei nach dem Zitat von Oscar Wilde: „Warum erzählen wir anderen Menschen von unserer Meinung? Schlicht weil wir Angst habe, mit ihr alleine dazustehen.“ Es gibt diesen Versuch, bei dem Studenten in einer Stuhlreihe vor zwei auf dem Boden liegenden unterschiedlich langen Schnüren sitzen. Jeder wird gefragt, ob sie gleich lang sind. Während von fünf Studenten vier eingeweiht sind, ist einer oder eine unwissend. Bei diesen Versuchen zeigte sich, dass sich die Unwissenden trotz erheblicher Abweichungen der Mehrheit anschlossen. Dies änderte sich erst, wenn einer oder eine vor ihnen den Umstand der Ungleichheit laut erwähnte.

Wenn also die Unvernunft die Oberhand gewinnt, ist meistens eine der Eigenarten des Menschen im Spiel. Jeder halbwegs informierte Mensch weiß, dass alle fossile Brennstoffe benötigende Prozesse schädlich und am Ende vernichtend sind. Wenn nicht auf dem direkten Weg, dann indirekt über Kriege und Ausbeutung. Gleichermaßen sieht es mit allen Produkten aus, die nicht rückstandslos dem natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden können oder über die vom Ökosystem benötigten Mengen, CO₂ entstehen lassen. Ebenso wissen wir, dass die Kernenergie lebensfeindliche Rückstände generiert, die der heutige Mensch einem Lebewesen hinterlässt, welches in 10.000 Jahren leben wird. Auch dies ist eine Eigenart des Primaten Mensch. Auf diesem Planeten gehören wir einer der wenigen Spezies an, die Einsicht in das Handeln und die fatalen Folgen hat, aber dennoch gegensätzlich handeln. Hierzu passend gibt es im Buddhismus den Leitsatz, dass es völlig unlogisch ist, ein für andere Lebewesen schädliches Leben zu führen, wenn man andererseits mit dem gleichen Aufwand ein zumindest neutrales führen könnte. Denn das erzeugte Leid und der Schaden trifft nicht nur die anderen, sondern auch einen selbst. Diese Logik der Wechselwirkung und Möglichkeit des Handelns erkannten Menschen bereits vor 3000 Jahren!
Wir wissen über die Eigenarten unserer Spezies ganz gut Bescheid. Aber leider ziehen wir daraus die falschen Konsequenzen. Ich weiß, dass die Unterscheidung zwischen richtig und falsch nicht einfach ist. Falsch in meinem Sinne ist alles, was unnötiges Leid und irreversible Zerstörung zur Folge hat. Als unnötig ersehe ich alles, was nicht zum Leben an sich gebraucht wird. Etwa wie eine Daunenjacke im Rucksack, während man durch einen tropischen Dschungel läuft. Und davon haben wir im Überfluss.

Wenn ich mit Leuten über die notwendigen Reaktionen auf die stattfindende Klimakatastrophe spreche, bekomme ich stereotype Aussagen zu hören. Alles müsse für die Menschen attraktiv gestaltet werden. Das ist typisch für deutsche Bürger. Ehrlich? Wenn die sich nicht alle darauf besinnen, dass um ihren eigenen Hintern geht, haben sie es auch nicht besser verdient. Sie wollen sich nicht über die Feuerwehrleiter retten lassen, weil es zu anstrengend ist und sie nicht höflich genug darum gebeten wurden. Aber leider trifft es alle und nicht nur sie. Ein paar Leute haben es verstanden und schreiten zur Tat. Gedankt wird es ihnen nicht. Sie werden als Sektenmitglieder, Irre und Spinner diffamiert. Geistig retardierte Hitzköpfe zerren sie von der Straße, um die Blockade der Straße, die sie mittels ihrer bloßen Körper errichten, aufzulösen. Im Internet zerreißen sie sich das Maul und ergehen sich wie üblich in den üblen Fantasien eines Lynchmobs. Auch nicht ungewöhnlich für das deutsche Bürgertum, eher ein Standard. Dabei kann das Bürgertum Anbetracht der Lage noch dankbar sein. Wenn das selbstherrliche, gierige, bräsige Bürgertum des Jahres 2022 auf eine Bewegung wie ehemals die 68er träfe, sähe der Protest anders aus. Ich weiß nicht, wie lange das noch gut gehen wird.

Bisher geht noch alles relativ glimpflich über die Bühne. Fridays for Future wurde tot gelobt. Greta, als Führungsfigur, erhielt Einladungen und bekam ein Podium, wo sie heuchlerisch beklatscht wurde. In Deutschland stampft unterschwellig die Propaganda-Maschine. Eine Schmutzkampagne folgt der nächsten. Es ist unfassbar, welche Energie hierfür aufgebracht wird, anstatt sie für passende Kampagnen zu verwenden, die den Weg bereiten könnten. Die Aktivisten, welche einen aussichtslosen Kampf gegen einen unverantwortlich handelnden Energieriesen, der unter dem Schutz der Landesregierung steht und deshalb Hilfe von der Polizei bekommt, werden dämonisiert. Wenn ich Bilder und Videos sehe, in denen die Institution, der ich einst aktiv angehörte, missbraucht wird, platzt mir regelmäßig der Kragen. Da hilft es auch nicht, dass ich voraussagen kann, wie die heute jungen Polizisten und Polizistinnen in ein paar Jahren darüber denken werden.

„Alle finden es ‚Scheiße‘, aber alle machen es mit!“, heißt es im Lied „Testament“ von Sarah Lesch. Deutsche mokieren sich über die Abholzung des Regenwaldes, prangern das Töten afrikanischer Wildtiere an und echauffieren sich über Flüsse angefüllt mit Müll. Im Gegenzuge haben weder der Wolf, Wisente noch Bären eine echte Überlebenschance. Zusammenhängende Wälder gibt es schon lange nicht mehr und die Holzplantagen fallen den Folgen der Klimakatastrophe zum Opfer. Unüberwindliche Barrieren durchschneiden in Gestalt von Autobahnen und Landstraßen die Gegend. Die Blechlawine rollt durch die verdichteten Städte, in denen sich die Wärme staut. Eine Steinöde reiht sich an die nächste. Wer kann, stürzt sich in die Schuldenfalle, um sich in den Vorstädten ein Haus zu kaufen, um dann über den mangelnden Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs zu jammern. Dies genügt dann, um auf die wenigen Widerständler loszugehen. Gleichzeitig findet in den Städten der soziale Verfall statt, gegen den die Polizei als Dämmmaterial eingesetzt wird. Alles ist gesagt und jede Entwicklung überrascht nur noch, wenn sie sich schlimmer gestaltet als angenommen.

Letztens „entschuldigte“ sich der 1949 geborene UN-Generalsekretär António Manuel de Oliveira Guterres dafür, dass seine Generation nicht alles unternommen hat, um die Ozeane zu schützen. Mit dem entschuldigen ist das so eine Sache. Niemand kann sich selbst von Schuld freisprechen. Dies können nur die Richter und Richterinnen, im konkreten Fall die nachfolgenden Generationen. Wenn ein Täter in der Lage ist, die Folgen einer Tat abzusehen, dennoch nicht von seinem Handeln ablässt, sprechen Juristen von einem Vorsatz. Die Tatbestände sind sämtlich erfüllt, somit blieben noch Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründe. Ich kann keine moralischen oder ethischen erkennen. Waren wir betrunken? Standen wir unter Drogen? Gab es eine kollektive geistige Umnachtung? Ich bin nicht bereit, die menschliche Gier als solche hinzunehmen. Alles zusammen ergibt ein erstklassiges: Schuldig, im Sinne aller Anklagepunkte. Ich selbst nehme mich dabei nicht aus. Viel zu lange war ich besoffen und habe alles mitgemacht. Wenn ich es richtig beobachtete, ist das deutsche Bürgertum samt dem Rest der Privilegierten nicht Willens und bereit auf Guterres zu hören, der zum Ende des Lebens Bilanz zieht. Tja, schade eigentlich für ihn. Mit so viel Zugeständnissen in eine Machtposition gekommen, um zu erkennen, wie falsch alles war. Dabei mag man bei ihm noch gnädig sein. Ich denke, den größten Vorwurf müssen wir den Männern und Frauen machen, welche nach 1945 in der Stunde Null die politischen Geschicke in der Hand hatten. Unter dem Eindruck des II. Weltkriegs wäre es angezeigt gewesen, alles auf den Tisch zu packen und vollkommen neue Wege zu beschreiten. Stattdessen beließen sie alles beim Alten und setzten das Spiel mit anderen Konstellationen fort.

Kürzlich sagte mir ein Barkeeper, der selbst viel gereist ist, dass er die lange herumreisenden Typen als Menschen kennengelernt hat, die sich von allem distanziert haben und nicht mehr mitmachen wollen. In dem Falle ist distanziert ausnahmsweise korrekt. Es ist nur möglich, wenn man einen Standort verlässt, also einst dabei war. Ich merke, wie ich mich täglich ein wenig mehr distanziere. Der Zwischenraum füllt sich mit Verachtung für diejenigen, welche einfach immer weiter machen, sich dabei noch im Recht fühlen und die wenigen Widerständler anblöken.






Mai 24 2022

Die Logik des Habens

Lesedauer 8 Minuten

„Wir werden die Welt schon in Ordnung bringen! Wir sind ja schließlich keine Menschen!“

Oscar, Elefant

Die Konferenz der Tiere, Erich Kästner

Es gibt diese Sprüche, die von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Einer lautet: “Schließ mal Deine Augen, dann weißt Du, was hier alles Deins ist!” Zumeist ist es die Antwort für einen aufmüpfigen Teenager, der mit einer alterstypischen Anspruchshaltung auftrumpfen will. Aber ich finde, da steckt noch mehr drin.

Nichts zu haben, ist unserer Gesellschaft undenkbar. Wer nichts hat, ist auch nichts! Eben dies ist auch eine Botschaft an den pubertierenden Teenager. Gleich gefolgt vom Ausspruch: “Solange Du Deine Beine unter meinen Tisch stellst, wird hier gemacht, was ich sage.” Die Jungen sollen erst einmal arbeiten und sich damit etwas erschaffen. Ist ihnen dies erfolgreich gelungen, dürfen sie auch mitreden. In jene Richtung gehen auch all die Kommentare, welche zu den jungen Aktivisten abgelassen werden, die sich aus Protest gegen die zögerlichen bis hin ausbleibenden Maßnahmen zur Abwendung der bereits stattfindenden ökologischen Katastrophe. Neu sind solche Aussprüche nicht. Bereits in der Zeit der legendären 68er hieß es: “Sollen diese langhaarigen Gammler doch erst einmal arbeiten.”
Das Prinzip “Haben” infrage zu stellen, bringt einem schnell den Ruf eines gefährlichen Spinners ein. Selbst ganz große Künstler sind davor nicht gefeit.

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world… You…

John Lennon, Imagin

Andererseits steht nirgendwo geschrieben, dass sich in unserer Demokratie Leute erst äußern dürfen, wenn sie etwas haben oder einer Arbeit im bürgerlichen Verständnis nachgehen. In den USA sieht es ein wenig anders aus. Ich bin immer wieder schockiert, wer dort alles nicht wahlberechtigt ist. Allerdings ist es historisch nachvollziehbar. Von Anfang an war die Verfassung darauf ausgelegt, dass nur Habende zu bestimmen haben. Die Gründer, vornehmlich vermögende Männer, hielten Habenichtse zum einen für unfähig und zum anderen für das eigene Vermögen gefährlich. Folgerichtig unterteilt beispielsweise Saul D. Alinsky die Einwohner der USA in Have und Not-Have. Immerhin ist es bei uns wenigstens gesetzlich festgelegt, dass mittellose Deutsche auf der gleichen rechtlichen Stufe stehen, wie alle anderen. Ob es tatsächlich der Fall ist, dürfte mehr als fraglich sein. Tatsächlich beginnt es bereits beim Rechtsbeistand. Objektiv betrachtet, sind die Chancen vor Gericht für Leute, die sich teure Honorare leisten können, deutlich besser. Nicht anders sieht es mit der Würde des Menschen aus. Wer wegen Krankheit oder Alter nicht mehr produktiv ist, verliert sie schnell in einem auf Profit ausgerichteten Krankenhaus oder Heim. An all die Mitmenschen, die keine Bleibe haben, über kein Konto verfügen oder sich illegal in Deutschland aufhalten, möchte ich beinahe nicht denken, doch so sieht nun einmal die Realität aus.

Schaue ich über die Grenzen hinaus, besserte sich in den letzten Jahrzehnten die allgemeine Situation für die Einwohner in den Industrieländern, während gleichzeitig der Abstand zu allen anderen Ländern größer geworden ist. Global gesehen, sind sie die “Not-Have”, womit sie auch wenig mitzureden haben. Gut zu beobachten ist das bei all den Klimakonferenzen und dem Tross der Konzernvertreter, die sich in den Windschatten ihrer Marionetten hängen. Die pure Existenz erzeugt keine Ansprüche, sondern es müssen Geld und Eigentum dazu kommen. Als Nebeneffekt sind Tiere und alle anderen Lebensformen aus Sicht des Menschen de facto ohne Rechte, denn sie besitzen nichts, sondern werden als Eigentum oder Besitz betrachtet. Wenn ich einem Bauern eine Kuh wegnehme, ist es ein Diebstahl und keine Entführung, bei der ich in ihre Rechte eingreife. Im deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch steht dazu im § 90 geschrieben:

Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.

§ 90, BGB

Was sich in niemanden Eigentum oder Besitz befindet, ist quasi wertlos. Ein Vertreter eines Konzerns hat diesbezüglich zum Thema Wasser einmal gesagt: “Sauberes Trinkwasser ist ein Gut. Und wenn daran keiner Eigentum anmelden kann, wird es auch nicht geschätzt.” Gut, gleiches könnte auch von der Luft behauptet werden und da die Sache mit dem Wasser immer mal wieder zur Diskussion steht bzw. im gewissen Sinne in mehreren Regionen Konzerne das Wasser als Eigentum betrachten, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass das bezüglich der Luft, konkret dem Sauerstoff passieren wird. Erst der Grund und Boden, dann das Wasser und zum Schluss die Atemluft.

Es gibt auch im Gegensatz zu früheren Zeiten keine ethischen Richtlinien bezüglich des Habens und dem Erwerb. Was nicht explizit von Menschen mittels eines Gesetzes untersagt wurde, ist erlaubt und darf praktiziert werden. Wie und unter welchen Umständen etwas hergestellt wurde, welche Folgen aus der Produktion resultieren, wer damit was anstellt, ist (l)egal. Seien es Waffen, ihre Einzelteile, die erst zusammengesetzt werden müssen, billige Textilien, elektronische Geräte, produzierte Energie, Speichermedien, geförderte fossile Brennstoffe, Nahrungsmittel, die die Zerstörung kompletter Ökosysteme bedingen oder die Misshandlung anderer Lebewesen, wenn es nicht in einem Gesetz geregelt ist, ist alles erlaubt. Und zwar dem Lebewesen, welches Erfinder des Habens ist. Das Lebewesen, welches sich selbst über alle anderen Lebewesen stellte.

In unseren Gefilden ist das Haben allgegenwärtig. Die Auswirkungen zeigen sich nicht ausschließlich beim eigentlichen Haben, sondern auch darin, wie die Mitmenschen mit allem umgehen, was ihnen nicht selbst oder offensichtlich jemanden gehört. Die Stadt Berlin ist vermüllt, wo das Auge hinschaut. Nur wenige kämen auf die Idee, ihre eigene Wohnung, Garten oder Haus als Mülldeponie zu benutzen. Wer schmeißt schon seine Zigarettenkippen oder Kaugummis auf den Boden des Wohnzimmers? Oder ich würde ungern die Reaktion meines Nachbarn erleben, wenn ich meinen Sperrmüll auf sein Grundstück ablege. Im Park, im Wald, bei schwer einsehbaren Ecken, ist das etwas anderes. Bei der Überlegung, dass auch das allgemeine Stadtgebiet jemanden gehört, nämlich der Allgemeinheit, somit auch u.U. dem Müllentsorger, steigen die meisten aus. Gleichermaßen sieht es mit dem Wasser und der Luft aus.

Wie auch immer es gedreht und gewendet wird, das Prinzip “Haben” hat uns nichts Gutes eingebracht. Es hat sich ergeben und wir haben uns dem hingegeben, aber das ist keine solide Argumentation dafür. Wenn Leute zum Beispiel behaupten, dass niemand ein Interesse an Forschung, Innovation u.ä. entwickelt, wenn es den Anreiz des Verdienstes und dem damit verbundenen Haben nicht gäbe, ist dies eine Bankrotterklärung bezüglich menschlicher Daseinsqualität der Bewohner von Industriestaaten. Empathie, Solidarität, Tatendrang, Verwirklichung wären damit ausgeschlossen. Was war zuerst da? Der Mensch, welcher sich nur aufrafft, wenn es etwas zu verdienen gibt oder der, welcher den Antrieb der Verwirklichung innehat? Ist nicht die zuerst genannte Version ein vom System dazu erzogener Typ?
In der Gesellschaft wird nicht die Lebensleistung honoriert, schon gar nicht, wenn sie keine monetär sichtbaren Folgen nach sich zieht, sondern eben was am Ende an Haben hinten bei herauskommt. Wie will ich die Pflegeleistung aus der Sicht eines oder einer Gepflegten mit Geld bewerten? Die Freundlichkeit, den gezeigten Respekt, den Erhalt der Würde, ein wenig Glück trotz Schmerzen? Sind Zufriedenheit, das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, als Individuum erkannt und wahrgenommen zu werden für eine Transformation in Güter geeignet?

Ich schaue auf die sogenannte deutsche Nachkriegsgeneration. Teile von ihnen haben das nationalsozialistische Denken überwunden. Sie lernten, mit anderen Nationen in Frieden zu leben, alte Vorurteile abzubauen. Dank ihnen sind Deutsche nicht mehr die Barbaren, die weltweit gehasst werden. Es galt die Trauma ihrer Eltern zu überwinden. Während in den Zeiten davor alles Intellektuelle und Kulturelle, was nicht unmittelbar den Zielen der Nazis und davor dem Kaiser diente, unterdrückt wurde, setzten sich damit auseinander. Doch was bleibt im Sprachgebrauch? Wirtschaftswunder, die Trümmer beseitigt und alles wieder aufgebaut, ein eigenes Haus gebaut, Kredite abgezahlt. Das ist traurig und wird der eigentlichen Lebensleistung nicht im Ansatz gerecht. Nach und nach treten sie aus diesem Leben ab. Es gibt nichts mehr aufzubauen. Alles steht wieder! Doch damit es nicht langweilig wird, haben wir ja immer noch den Wachstumsgedanken. Panik bricht aus, wenn die Wachstumsraten stagnieren. Erste Wirtschaftswissenschaftler/innen warnen vor den sozialen Folgen. Erneut läuft es auf ein Armutszeugnis hinaus. Wahrscheinlich nicht einmal unberechtigt. Wenn ich Drogenabhängigen ihren Stoff wegnehme, werden sie aggressiv und wenden sich denen zu, die ihnen einen nicht enden wollenden Zustrom neuer Konsummöglichkeiten versprechen. An irgendeiner Stelle hätten kluge Menschen die Notwendigkeit einer Änderung im Denken erkennen müssen. OK, einige taten es, aber sie scheiterten an der Rhetorik der Dealer.

Im Buch “Haben oder Sein” beschreibt Erich Fromm ziemlich plastisch drei unterschiedliche Herangehensweisen. Er nennt einen Dichter, der über die Schönheit einer Rose schreibt, sie pflückt und sich erhofft, mittels Betrachtung und Untersuchung Erkenntnisse über das Leben, das Göttliche und die Zusammenhänge des Lebens zu gewinnen. Aber unter dem Strich tötet er sie. Ein andere nimmt eine unscheinbare Blume am Wegesrand wahr und beobachtet sie beim Wachsen, wie sie blüht, die Blüte vergeht und sie danach wieder von vorn beginnt. Als Letztes benennt Fromm Goethe, der die Blume ausgräbt, ihr einen idealen Standort spendiert und sich dort an ihr erfreut. Der erste Dichter verkörpert das Haben, die beiden anderen verfolgen Alternativen.
Die drei Beispiele verdeutlichen auch unser Verhältnis zur Welt. Wir wollen in Besitz nehmen, was nicht funktioniert, jedenfalls nicht ohne Zerstörung. Sprachlich wird von der Natur gesprochen, als wenn sie etwas von uns separat existierendes wäre. Doch wir sind ein Teil, insofern ist der Besitz in unserem Verständnis unlogisch. Genauso unlogisch wie Formulierungen, die lauten: “Mit der Natur leben!” oder “Die Umwelt schützen”. Sie sind Ausdruck einer Hybris. Es gibt keine Welt um den Menschen herum. Faktisch gibt es eine Welt, in der wir alle leben und von der sich jeder ein anderes Abbild, jeweils einen Teilausschnitt, ins Innere projiziert. Ebenso bin ich, jeder, ein verschwindend kleines, aber deshalb nicht unbedeutendes Teilchen, der Natur. Allein der Umstand, wie wenig politische Anführer/innen, selbst wenn sie eine philosophische Ausbildung genossen, darauf achten, lässt mich nicht mit der Überzeugung leben, dass sich etwas ändern wird. Erst recht nicht, wenn ich diese weltweite Ansammlung von Despoten, Ich -Darstellern, Neurotikern sehe. Ob einer/r von denen jemals schlafen geht und sich vor Augen hält, was sie, jenseits von Menschenleben, noch alles zerstört haben? Es ist Teil des Denkens von Menschen aus Industriestaaten, an die Zahl menschlicher Opfer zu denken. Indigene sind da anders unterwegs. Ich las von der Geschichte, in der ein Elefantenbulle zwei Stammesmitglieder töteten und NGO’s anboten, das Tier töten zu lassen. Der Stamm wollte das nicht. Sie wiesen darauf hin, dass Wilderer bei Rodungsarbeiten einen seiner Gefährten getötet hatten und er nun nachvollziehbar gereizt war.

Irgendwo war letztens ein Artikel, in dem ein Soziologe zur Überraschung der Verfasserin des Artikel meinte, dass der Mensch an sich ein gutes Wesen wäre. Ich las lediglich den Aufmacher, weil ich mir dachte: “Was denn sonst?” Gut und Böse sind ohnehin Produkte des Großhirns. Böse ist im Allgemeinen alles Schädliche. Wäre der Homo sapiens, der spärlich behaarte Affe mit trockener Nase von Anfang an schädlich gewesen, gäbe es uns schon lange nicht mehr. Indigene leben als Teil der Natur und betrachten die Erde als etwas, was ihnen zusammen mit anderen Lebewesen zur Verfügung steht. Sie reden dabei nicht von Eigentum! In ihrem Sinne hat der Homo sapiens eine ebenso wichtige Funktion, wie alle anderen Wesen. Wir, die Bewohner der Industriestaaten sind vorsätzlich, wissentlich, egoistisch, schädlich unterwegs. Wenn dies böse ist, soll es wegen meiner so sein. Zumindest fallen mir keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen ein.

In meiner Schulzeit gehörte das Buch von Erich Kästner, “Die Konferenz der Tiere” noch zum Standardrepertoire des Deutschunterrichts. Darin geht es um nichts anderes. Die politischen Anführer der industriellen Staaten werden quasi vor ein Tribunal gestellt. Bezeichnend ist dabei, dass Kästner die Tiere, Kinder als Druckmittel, verwenden lässt. Heute stehen die “Alten” vor ihren Kindern und werfen ihnen vor, dass sie als Jugendliche mit Smartphones, Markenklamotten zur Demo gehen und auch ansonsten recht kapitalistisch unterwegs sind. Eine Frage! Wer hat es ihnen vorgelebt, sie dazu geformt und zugelassen, wie ein System des Habens sie nach dem dem ersten Schrei eingliederte? Wie sagte mein Vater immer zu mir? “Scheiße bauen kann passieren, aber man muss dazu stehen!”
Der vermeintliche “Terror”, der angeblich von all den Aktivsten/innen, FFF, Extinction Rebels, Letzte Generation, ausgeht, ist nichts anderes als, mit dem berühmten Finger in der Wunde zu bohren und das Geschrei des Bürgertums, das laute Leugnen eines erwischten Kindes. Letztens fragte mich ein aktiver Polizist, wie viel ich denen durchgehen lassen würde. Ich lernte bei der Polizei etwas ziemlich Überzeugendes. Prüfe zuerst die sachliche und örtliche Zuständigkeit. Beides ist nicht gegeben. Doch ich kann für mich eine Prognose erstellen. Wenn es weltweit bei dem Kinderkram bleibt, werden sie nichts verändern. Und mich vor dem Hintergrund des Geschehens auf der Erde über eine blockierte Straße aufzuregen, wäre mir echt zu peinlich. Wenn schon, empöre ich mich darüber, dass sich die Alten nicht mit ihnen solidarisieren. Richtig dumm sind jene, welche kritisieren, dass die auf diese Art nicht ihre Ziele erreichen werden. Verstehe ich es korrekt? Die Verzögerung und Abmilderung der jetzt stattfindenden Katastrophe, bis wir eventuell doch noch die Reife erlangen, anders zu leben, ist deren alleiniges Interesse? Ah! Ich vergaß die Logik des Habens. Sie -haben- Interessen und müssen deshalb entsprechend agieren. Und die anderen -haben- andere Interessen. Verstanden! Äh, bedingt …

Mai 20 2022

Mitnehmende Bücher

Lesedauer 4 Minuten

„Der Unterschied zwischen Sein und Haben entspricht dem Unterschied zwischen dem Geist einer Gesellschaft, die zum Mittelpunkt Personen hat, und dem Geist einer Gesellschaft, die sich um Dinge dreht.“

Erich Fromm

Philosoph u. Psychoanalytiker

Es passiert nicht häufig, dass mich ein Buch derart in den Bann zieht, sodass es vermag mein Denken tiefgreifend zu verändern. Aber es passiert. Zum Beispiel geschah es beim Lesen des Buchs “Siddhartha – Eine indische Dichtung”. Seither las ich es mehrfach und bei jedem Mal las es ein anderer Mensch, in einem anderen Lebensabschnitt mit neuen Erlebnissen. Gleichsam beeinflusste mich Rupert Lay mit seinem Buch “Führen durch das Wort”. Jetzt gibt es ein Drittes. Bereits seit mehreren Jahren setzte ich mich mit den Aussagen von Horkheimer, Marcuse, Adorno und Erich Fromm auseinander. Leider ist es nicht ganz einfach deren Texte zu lesen. Bei einigen Philosophen frage ich mich stets, für wen sie ihre Gedanken niederschrieben. Allerdings gilt dies auch für einige andere Autoren. James Joyce ist einer dieser Kandidaten. Ja, der Mann war genial und ein Buch aus der Sicht der Protagonisten zu schreiben, wie im Ulysses geschehen, ist wahrlich ein spannendes Unterfangen, aber es raubt dem Leser den letzten Nerv. Oder besser: Meinen! Doch irgendwann konnte ich es abhaken. Bei Sartre packen mich Wutanfälle. “Hättest Du mir dies alles nicht bereits vor 100 Seiten in einfachen Sätzen sagen können?” Nun, es gibt Leute, die seine Bücher lasen und freundlicherweise Zusammenfassungen hinterließen. Hurra! Sartre hielt scheinbar nichts von Schopenhauer. Von dem stammt nämlich die Aussage, dass es keine Kunst ist, wichtige Dinge möglichst kompliziert zu beschreiben, sondern Kompliziertes möglichst einfach darzustellen. Und genau dies hat Erich Fromm im letzten Buch vor seinem Tod geschafft (1976). “Haben oder Sein”, von einigen auch als die Bibel der 68er bezeichnet.[1]dtv, ISBN 978-3-423-34234-6, in nahezu jeder Bücherei zu leihen. Ich will hier keine Rezension abliefern. Es gibt bereits genug davon und jede/r Interessierte kann sie nachlesen. Hier will ich kurz beschreiben, was der allererste Effekt war. Es geht darum, wie sehr unser Leben, Denken und Sprache von einem System welches auf Haben ausgerichtet ist, geprägt wurde, statt eines Seins. Wir eignen uns alles Mögliche an, obwohl dies genauer untersucht nicht funktionieren kann. Mir war nicht bewusst, wie weit das geht. Fromm bringt u.a. den Unterschied zwischen Angst haben und sich sorgen, ängstigen, befürchten. Es ist ein Prozess und keine Aneignung. Jedenfalls sollte dies nicht der Fall sein. Ähnlich sieht es mit Erfahrungen aus. Ich blicke auf Ereignisse zurück, vergleiche sie mit einem aktuellen Geschehnis und prognostiziere einen wenigstens ähnlichen zukünftigen Verlauf. Eine klassische Falle oder auch Denkfehler. Was sich in der Vergangenheit abspielte, war das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels diverser Faktoren. Nunmehr haben sich viele Parameter verändert und ob meine Prognose eintritt, ist stark von meinem Verhalten und meiner unbewussten Steuerung abhängig. Oftmals kommt es zu dem, was “self-fulfilling prophecy” genannt wird. Die Gefahr diesen Denkfehler zu machen, steigt immens, wenn ich Erfahrungen als einen unveränderlichen Besitz betrachte.
Zwar geht es bei Fromm um eine Systemkritik, ich sehe es als eine auf die Psychoanalyse gestützte Abrechnung mit all den Ideen, die im Zuge der Industrialisierung für das Zusammenleben von Menschen erdacht wurden, doch zog mich dieser Teilaspekt in den Bann. Ich las mir diverse Texte auf meiner Seite durch und erschrak, wie häufig ich dieser Sprache, der damit in Verbindung stehenden Praxis des Denkens, verfiel. Darauf auszuweichen, dass ich beim Schreiben ein Rooky bin, dessen Ausdrucksweise unter dreißig Jahren Einfluss von Amtsdeutsch leidet, entlastet mich dabei nicht.

Nein, ich bin in die Falle getappt und über Jahre hinweg nicht mehr herausgekommen. Die Aufgabe ist nunmehr einen Ausweg zu finden, oder um im Bild zu bleiben, einen Ausbruch hinzubekommen. Das ist gar nicht einfach. Mich erinnert dies an die Verwendung des Pronomen “man”. Daran vorbeizukommen ist schwer und auch nicht immer notwendig. Doch die Häufigkeit ist nicht nur überflüssig, sondern beschreibt ebenfalls eine gedankliche Struktur. Es ist viel einfacher, sich dahinter selbst zu verstecken, in dem der Redner, die Rednerin, sich mit dem allgemein Üblichen vor sich selbst und anderen rechtfertigt, ohne jemals einen eigenen Gedanken zu verschwenden (Man macht es halt so!), oder es liegt am Unbehagen konkrete Personen zu benennen. An der Stelle fällt mir eine Anekdote ein. Einer meiner Vorgesetzten besuchte ein Kommunikationsseminar. Dort wurde eben dafür sensibilisiert. Wieder bei uns, sah er sich genötigt, wiederum den nächst höheren Vorgesetzten bei jedem zweiten Satz darauf hinzuweisen. Der ließ sich das nicht lange bieten, unterbrach die Sitzung und klärte lautstark hinter einer verschlossenen Tür, für alle Anwesenden hörbar, die Unterstellungsverhältnisse. Dabei fiel prompt der Satz: “So etwas macht man mit seinem Vorgesetzten nicht!” Die Entgegnung lautete folgerichtig: “Man vielleicht nicht, ich schon!” Ganz großes Kino!
Hierauf zu achten, ist für mich eine echte Lebensbereicherung. Wer genau tut dieses oder jenes? Warum mache ich es auch oder unterlasse es? Von wem stammt eine Aussage? Gerade in einer Zeit, die von Manipulationen und Propaganda geprägt ist, finde ich das wichtig. Ich hoffe, eigentlich bin ich mir sicher, dass sich das mit dem Haben ähnlich gestalten wird.
Im Buch steckt noch viel mehr. Bei vielem war ich dankbar von einem renommierten Psychoanalytiker und Philosophen in meinem Denken bestätigt zu werden. Meinerseits eine absolute Leseempfehlung. Alles, was er dort schreibt, ist bedrückend aktuell. Gedacht war es 1976, vier Jahre nach Veröffentlichung des Berichts vom Club of Rome, als eine Aufforderung zum Ändern, bevor es zu spät ist und die Katastrophe, vor der wir nunmehr stehen, abzuwenden. Geändert hat sich nichts, alles entwickelte sich, wie er es voraussah. Vom Sein ist wenig übrig geblieben und das Haben, hat sich endgültig durchgesetzt. Bereits 1976 mühte sich sich Fromm damit ab, dem Lesenden vermeintliche Naturgesetze aus dem Kopf zu treiben. Vielleicht fällt es heute einigen im Angesicht der Auswüchse einfacher, seiner Logik und Praxis des Denkens zu folgen. Für Leute, die nicht offen sind und nicht bereit, den Schutt der vergangenen 45 Jahre aus dem Kopf zu schaufeln, ist das Buch nichts.

Quellen/Fußnoten

Quellen/Fußnoten
1 dtv, ISBN 978-3-423-34234-6, in nahezu jeder Bücherei zu leihen.
Mai 17 2022

Mein Kumpel Sidi

Lesedauer 6 Minuten

Ich trage eine Kette mit einer Buddha-Figur als Anhänger. Deshalb werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich Buddhist wäre. Ganz einfach ist die Antwort darauf nicht. Wäre ich einer, müsste ich nach den Regeln leben und davon bin ich weit entfernt. Da es im Buddhismus nicht so etwas wie eine Taufe gibt, damit man kein Heide ist, sondern sich letztlich alles über die Lehre ergibt, ist man meiner Auffassung nach, streng genommen, kein Buddhist, wenn man sich nicht daran hält. Ich weiß, dass das in keinerlei Hinsicht eine offizielle Sichtweise ist. Aber um meine Haltung ein wenig zu beschreiben, schildere ich mal, wie ich mich dem Buddhismus genähert habe.

Bei historischen Persönlichkeiten stelle ich mir stets die Zeit vor, in der sie lebten. Unter welchen Umständen verbrachten sie ihren Tag? Wie haben sie gewohnt, gegessen, getrunken, geschlafen? In was für Häusern lebten sie? Gab es Toiletten? Wie lange benötigten sie, wenn sie von einem Ort zum nächsten mussten? Außerdem sind mir die sozialen Zustände, das Gesellschaftswesen und noch einiges mehr wichtig. Gelernt habe ich dies von meinem Kunstlehrer. Wenn wir ein Bild analysierten, beschäftigten wir uns auch mit dem Maler und seinen Lebensumständen. Hat man vor Augen, dass z.B. ein Rembrandt stetig mit seinen Finanzen jonglierte, zeitweilig seine Kinder als Witwer durchbringen musste und deshalb neben den Sachen, die er wirklich malen wollte, auch zu Auftragsarbeiten und zur Ausbildung mittelmäßig talentierter Sprösslinge reicher Familien gezwungen war, erschließt sich, warum einige Gemälde nicht der Qualität entsprechen, die man von ihm kennt. Oder wie muss sich ein Michelangelo gefühlt haben, als er über vier Jahre hinweg, hockend und über Kopf malend, im Schein einer Öllampe die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle erstellte? In der Moderne ist es faszinierend, wie sich zum Beispiel ein Picasso durchs Leben schlug. Was muss das für eine Truppe gewesen sein? Jacob, Modigliani, Apollinaire, Picasso, alles junge Künstler, in einer Art WG, die im Winter zum Heizen Bilder von Picasso verfeuerten.

Ich sehe keinen Grund, warum ich mich in dieser Art nicht auch Philosophen, Religionsstiftern, nähern sollte. Bereits als ich das erste Mal mit dem Buddhismus in Berührung kam, verwarf ich für mich die Bezeichnung Buddha und betrachtete den Mann Gautama Siddhartha, welchem ich eines Tages den Kurznamen Sidi gab. Überträgt man seine Lebensgeschichte auf Heute, ergibt sich folgendes Bild. Er wuchs als Sohn einer vermögenden Fürstenfamilie auf. Aber ein indischer Fürst dieser Zeit lebte nicht in dem Prunk, den sich Mitteleuropäer wegen ihrer eigenen Vergangenheit vorstellen. Insofern dürften all die Geschichten, den nach Sidi vollkommen von der restlichen Welt abgeschottet im Palast aufwuchs, Legenden sein. Er wurde verwöhnt und musste sich nicht um normale alltägliche Arbeiten kümmern. Als Hindu und Angehöriger der Kshatriya-Kaste war es seine vorbestimmte Aufgabe für das Wohl der Gemeinschaft zu sorgen, politische Entscheidungen zu treffen und sich um die Armen zu kümmern.

Ich denke, die psychologischen Grundbedingungen beim Heranwachsen haben sich über die Jahrtausende nicht verändert. Damals war es üblich, dass sich die jungen Männer einen oder mehrere Weise suchten, bei denen sie eine Art Lehrzeit verbrachten. Sidi wird dies auch getan haben und setzte sich dabei mit seiner Herkunft auseinander. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sein Vater sonderlich begeistert war, als sich sein Sohn den Brahmanen anschloss. Mehr oder weniger mittellos auf der Suche nach Wissen in der Gegend herumzuziehen, klingt nicht danach, was sich ein Fürst von seinem Thronfolger erwartet. Mich amüsiert dabei die Vorstellung, wie er angeblich monatelang unter einem Baum meditierte und kaum Nahrung zu sich nahm. Andere gesellten sich zu ihm und lebten ebenfalls in Askese. Dann stand er plötzlich auf. “Sorry Leute, ich habe mich geirrt! Extreme sind nicht gut und bringen nichts. Ich gehe dann mal ordentlich essen, wasche mich und schau dann mal, wie es weiter geht.” Als Asket, der sich seinetwegen monatelang quälte, wäre ich ganz schön sauer gewesen.
Trotzdem brachte er es irgendwie fertig, eine Gruppe Zuhörer um sich zu scharen, denen er von seinen Ideen, Erkenntnissen und den daraus resultierenden Schlussfolgerungen erzählte. Guru, Lehrer, Verführer, Menschenfänger, Anführer, Weiser, ich bin mir nicht sicher, was die richtige Bezeichnung ist. Ich denke, dass das stark vom Standpunkt des Betrachters abhängt. Heute würden sie ihn als gefährlichen Anführer einer Sekte bezeichnen. Eine Sekte innerhalb des Hinduismus, die zum Konsumverzicht, Bescheidenheit, Besinnung auf das Wesentliche, der Aufgabe von Bindungen jeglicher Art, fordert. Vornweg ein Obdachloser, der auf Kosten seiner Anhänger lebt. Der Umstand, dass er ursprünglich ein Hindu war, ist wichtig. Wenn er Gehör finden und sich nicht in Konflikte verstricken wollte, kam er an Zugeständnissen nicht vorbei. Daraus erklären sich einige Widersprüche, wie zum Beispiel die Diskriminierung der Frauen in einigen Ausrichtungen des Buddhismus und der Status der Mönche. Bhikkhuni, im übertragenen Sinne buddhistische Nonnen, müssen sich im südlichen Theravada-Buddhismus auch jüngeren Mönchen unterordnen, während sie in Taiwan, Korea und Vietnam eine große Gruppe stellen und als ebenso lange existent gesehen werden, wie die Mönche.

Soweit ich das mit meinem Wissen überblicke, hat vieles im praktizierten Buddhismus nichts mit den Worten oder Idee Sidis zu tun. Zum Beispiel wurde der erste Dalai Lama von einem mongolischen Khan eingesetzt, weil der eine politische Struktur in Tibet aufbauen wollte. Obwohl die Annexion Tibets durch China nicht in Ordnung ist, kann nicht ausgeblendet werden, dass sich zuvor der Adel, gestellt von den Lamas, nicht gerade im Sinne des Buddhismus aufführte. Der Dalai Lama ist auch nicht, wie es viele in Europa glauben, der oberste Buddhist, sondern spiritueller und politischer Führer einer Untergruppe, die nicht nicht einmal wirklich groß ist.
Für mich bedeutet dies in der Konsequenz, dass es um den “Roten Faden”, die innere Logik in seinen Worten bzw. seiner Anschauung geht. Mit der hat er viele beeindruckt. Nietzsche und Schopenhauer wandten sich dem zu, Hesse schrieb Siddhartha – Eine indische Dichtung, Freud, Jung und Fromm, nahmen seine Denkrichtung auf. Dennoch sieht unsere westlich industrialisierte Welt völlig anders aus.
Aber auch in buddhistischen Ländern vermisst man die Auswirkungen seiner Lehre. Überall wo ich bisher war, buddhistische Tempel oder Klöster besuchte, setzte ich mich eine Weile hin und hielt ein Zwiegespräch mit meinem imaginären Kumpel Sidi. Mal haben sie ihn zu einer Art Erlöser gemacht, einem, der bereits einmal aus dem “Nichts” zurückkehrte und die wahre Lehre verkündete, und von dem man erhofft, dass er es nochmals tut, an anderen Stellen (z.B. Ulan Bator) ist er zu einem Schutzheiligen geworden, der über die Stadt wachen soll. Mit seiner Lehre, in der jeder Bestandteil des Ganzen ist und damit jeder Teil dessen ist, was als göttlich bezeichnet wird, hat dies wenig zu tun. In Thailand wundert sich der Besucher über einen buddhistischen König, der völlig durchgeknallt ist und dekadent in Saus und Braus lebt. Wer das laut ausspricht, wandert auf dem direkten Weg im Gefängnis. Wenn es Mönche, Frauen und Männer, gibt, die den Buddhismus leben, muss man in die abgelegenen ländlichen Gegenden gehen. In Myanmar kann es selbst dort schwierig werden. Der hetzende Mönch Ashin Wirathu ist eine bizarre Erscheinung, aber sein Einfluss reicht weit. Ich hab mal eine Rede von ihm gehört. Auch wenn ich kein Wort verstand, war klar, worum es geht. Einpeitschen, Aufhetzen und Gewalt!
Würden in buddhistischen Ländern Buddhisten tatsächlich nach der Lehre leben, sähen sie vollkommen anders aus.

Doch ist das mit irgendeiner anderen spirituellen Lehre oder Religion anders? Laotse und Konfuzius wären mit Sicherheit nicht Freunde der chinesischen Kommunistischen Partei, Jesus würde beim Anblick christlicher Länder sofort beidrehen und im Iran, Irak, Türkei, sowie diversen anderen muslimisch geprägten Regionen liefe ein Mohammed vor Wut schnaubend in der Gegend herum. Dabei gab sich Sidi zu Lebzeiten wirklich Mühe. Wissend, dass Wörter missverstanden werden können, fand er für nahezu alle Ausführungen Bilder und Gleichnisse. Da gab es wenig dran zu deuten. Ihm ging es auch nicht wie Konfuzius oder Laotse um ein unerreichbares Idealbild, welches trotz der Unerfüllbarkeit anzustreben sei. Sidi hat den Leuten unter dem Strich gesagt, welche Folgen diese und jene Verhaltensweisen logisch nach sich ziehen bzw. welche Gedankenfehler einem unterlaufen können. Wenn die “Erleuchtung” oder wenigstens ein halbwegs positives Karma ein Klassenziel ist, dürfen sich nach seinen Vorstellungen diverse Leute nicht wundern, wenn sie noch einige “Ehrenrunden” zu drehen haben.

Für mich ist der Buddhismus ein wenig mit dem Kater nach einer durchzechten Nacht zu vergleichen. Man wusste ganz genau, wie man sich am Morgen danach fühlen wird. Dennoch mussten es noch fünf Bier mit drei Schnäpsen sein. Mit dickem Kopf schwört man sich, nie wieder Alkohol zu trinken oder wenigstens deutlich weniger. Ein Vorsatz, der bis zur nächsten Party reicht. Wer weiß? Im Palast wird es auch Gelage gegeben haben. Vielleicht ist auch Sidi dabei einiges aufgegangen. Im Prinzip geht es beim Konsum, dem Anhäufen von Besitz, dem Festhalten immer ums Belohnungssystem des Gehirns. Da setzen Alkohol und Zigaretten auch an. Am Ende muss man zugeben, dass Sidi im Grunde genommen Offensichtliches aussprach, aber einem der naheliegende Spaß wichtiger ist. Trotzdem hat der Bursche immer recht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er neben mir steht und sagt: “Kann man so machen, sieht dann halt kacke aus!”

Mai 14 2022

Angst,Mut,Dummheit,Dekadenz

grayscale photo of explosion on the beach Lesedauer 5 Minuten

Angesichts des Ukraine-Kriegs wird in letzter Zeit die Warnung vor einer Ausweitung des Krieges bis hin zur Eskalation in einen Atom-Krieg als Angstmacherei bezeichnet. Die Angst würde zur Manipulation der Bevölkerung genutzt werden.

Zunächst einmal ist es völlig richtig, dass Angst ein starkes Mittel für die Manipulation ist. Andererseits ist die Angst vor einer Gefahr nicht ohne Grund Bestandteil der menschlichen Emotionen. Doch wie immer gilt es erst einmal sauber die Begriffe auseinanderzuhalten. Was ist Angst und was ist Furcht? Bei DUDEN – Online steht hierzu:

In den Wissenschaften, die sich mit menschlichen Gefühlen beschäftigen, vorrangig in der Psychologie, gilt nämlich Angst per definitionem als eine Emotion, die unbegründet und somit nicht auf ein bestimmtes Objekt bezogen ist. Sobald etwas Konkretes im Spiel ist, seien es Spinnen, Flüge oder Prüfungen, sprechen die Fachleute von Furcht.[1]https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Angst-oder-Furcht

Ich muss mich also entscheiden, welcher Sprache ich mich bediene, der allgemeinen oder der fachsprachlichen. Da ich kein Psychologe bin, bevorzuge ich die Umgangssprache. Ergo mache ich keine Unterschiede zwischen der Furcht und der Angst. Viel wichtiger finde ich es, die Gefahr genauer zu betrachten. Gefahren und ihre Einschätzung sind das alltägliche Brot der Polizei. Deshalb gibt es dazu klare Definitionen. Es gibt folgende Arten:[2]https://juliandrach.com/gefahrenbegriffe/

Konkrete Gefahr:
Eine konkrete Gefahr ist eine Sachlage,
– die bei ungehindertem Ablauf des zu erwartenden Geschehens
– im Einzelfall mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer Verletzung der Schutzgüter der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung führt.
Erforderlich ist also das Aufstellen einer Diagnose (der Feststellung der gegebenen Umstände) und einer Prognose (Abschätzung der Fortentwicklung des Geschehens).

Abstrakte Gefahr:
Sachlage, aus der nach allgemeiner Lebenserfahrung im Einzelfall konkrete Gefahren entstehen können.

Gefahr in Verzug:
Sie liegt vor, wenn unmittelbar gehandelt werden muss, um den drohenden Schaden abzuwenden, welcher ohne ein Einschreiten eintreten würde. Maßgebend ist hier die ex-ante Betrachtung, das sofortige Einschreiten muss dem Handelnden (meist Polizei, Ordnungsamt und andere Ämter) nach pflichtgemäßer Prüfung der Sachlage also erforderlich erscheinen.

Anscheinsgefahr
Eine Anscheinsgefahr, welche aufgrund des Grundsatzes der Effektivität der Gefahrenabwehr eine „echte Gefahr“ im Sinne der einschlägigen Gesetze darstellt, liegt vor, wenn bei der Betrachtung der Sachlage ex-post aufgrund besseren Wissens erkannt wird, dass die Gefahrprognose ex-ante falsch war. Frei nach dem Motto, man kann sich mal irren und hinterher ist man immer schlauer.

Putativgefahr
Eine Putativgefahr liegt vor, wenn der/die Handelnde/n den Sachverhalt ex-ante schuldhaft falsch einschätzte/n und daher das Vorliegen einer Gefahr trotz unzureichender Anhaltspunkte annahm. Dabei muss es einem durchschnittlichen Beobachter möglich gewesen sein, die Situation korrekt einzuschätzen. Im Prinzip der klassische Fall einer harmlosen Spinne, die ihr Leben lassen muss, weil ein kreischendes Etwas durch die Wohnung rennt.

Dringende Gefahr
Eine dringende Gefahr liegt vor, wenn ein bedeutendes Rechtsgut gefährdet ist und eine hohe Wahrscheinlichkeit des baldigen Eintritts der Gefahr vorliegt.

Gegenwärtige Gefahr
Bei der gegenwärtigen Gefahr hat die Schädigung bereits begonnen.

Unmittelbare Gefahr
Hier besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts sowie ein enger zeitlicher Zusammenhang.

Erhebliche Gefahr
Wie die Bezeichnung schon vermuten lässt, muss hier eine konkrete Gefahr für ein bedeutsames Rechtsgut bestehen.

Demnach wird denjenigen, welche vor der Möglichkeit eines Atomkriegs oder Ausweitung warnen bzw. sich darum sorgen, die Angst vor einer putativen Gefahrenlage vorgehalten. Nun, unbenommen verfügen die NATO – Mitgliedsländer und Russland über Atomwaffen. In einem Polizeieinsatz käme dies einem Straftäter gleich, von dem ich ganz konkret weiß, dass er in seiner Buchte Sprengsätze aufbewahrt. Also würde ich meine Vorgehensweise darauf abstellen. Jetzt könnte jemand um die Ecke kommen und behaupten, dass das ein total lieber, friedlicher Zeitgenosse ist und die Dinger als Dekoration herumzuliegen hat. Für mich hätte diese Aussage keinerlei Bedeutung. Die Gefahrenlage ist nach verständiger Bewertung konkret und erheblich, woraus sich eine berechtigte Sorge ergibt, dass der seine Spielzeuge zündet. Und weil ich auch noch Angst davor habe, werde ich passende Ausrüstung anfordern, die Umgebung räumen lassen und mir sehr genau überlegen, was ich tue.
Fraglich ist, ob die Gefahr unmittelbar ist. Tja, da scheiden sich die Geister. Ich persönlich finde den russischen Umgang mit der Kernenergie und Atomwaffen etwas arg unbekümmert. Die Sowjetunion testete innerhalb von 40 Jahren im Gebiet von Semipalatinsk, Kasachstan insgesamt 456! Atomwaffen (340 unterirdisch und weitere 116 oberirdisch)[3]https://thebulletin.org/2009/09/the-lasting-toll-of-semipalatinsks-nuclear-testing/. Nicht, dass die anderen Atomstaaten keine Tests durchführten, aber kaum jemand in der hohen Zahl direkt vor der Haustür. Jahrzehntelang entsorgten sie den Atommüll in der Arktis. In Folge des Klimawandels rächt sich dies gerade. Was Russland allerdings nicht daran hindert, die größeren Städte mit Meereszugang mittels schwimmender Atomkraftwerke zu versorgen. Augenscheinlich scheinen die weniger Respekt vor der Strahlung und den Folgen zu haben. Diese Haltung bedingt augenscheinlich eine niedere Hemmschwelle beim Umgang mit Radioaktivität. Ich finde, dies ist ein durchaus zu berücksichtigender Faktor. Auf all das Gerede bezüglich der russischen Einsatzdirektiven von Atomwaffen gebe ich nichts. Entscheidend ist nicht, was der Westen als Bedrohung definiert, nichts anderes als eine Einschätzung der Gefahrenlage, sondern wie ein Putin nebst Militär, Geheimdienst, darüber denken. Ein echter Joker kann hierbei die chinesische Regierung sein, die an solchen Eskapaden hat keinerlei Interesse hat.

Aber einfach alles beiseite zu schieben, frei nach dem Motto: “Ging bisher immer gut, wird weiterhin gut gehen!”, halte ich für dummdreist. Hierfür sind viel zu viele unbestimmbare Parameter im Spiel. Der wird schon nicht “zünden”, weil er unter Umständen dabei selbst draufgeht, ist keine belastbare Aussage. Die Angst vor einem Atomkrieg ist bedingt durch die Existenz der Waffen und den garantierten Folgen nichts Irrationales, sondern durchaus vernünftig. Nur sehr dumme Menschen kennen keine Angst. Sie lässt einen vorsichtig handeln und lässt einen nochmals alles bedenken. Ja, wenn sie fachsprachlich ohne jeglichen Beleg ist, dann wird sie problematisch. Aber davon kann im konkreten Falle nicht die Rede sein.

Mir scheint, ein paar ganz ausgebuffte Propagandisten haben einen kreativen Move gefunden. Die banale Erkenntnis, dass mit mit dem Appell an irrationale Ängste viel verkauft werden kann, wird manipulativ als Beschwichtigung eingesetzt. Das gleiche Prinzip wird beim Klimawandel verfolgt. “Lasst Euch doch keine Angst machen! Die Ökofaschisten wollen damit lediglich ihre Ziele durchsetzen.” Selbst bei einer oberflächlichen Betrachtung eine lächerliche Aussage. Ich muss nur schauen, wer ein größeres Interesse, vor allem finanzielles hat. Da stehen dann besorgte, mittelmäßig bezahlte Wissenschaftler und Aktivisten einem Milliardenmarkt gegenüber. Nein, die Propaganda ist darauf ausgerichtet, Angst vor rational denkenden Zeitgenossen einzuflößen, damit der Konsum beständig anhält.

Aktuell läuft alles auf die Parole “Die oberste Bürgerpflicht heißt Ruhe bewahren.”, hinaus. Friedrich Wilhelm Graf von der Schulenburg-Kehnert[4]Ich habs nachgelesen. Nein, er ist nicht der Namensgeber für die Spandauer Schulenburgstrasse. prägte sie, nachdem Napoleon die Preußen geschlagen hatte und sich abzeichnete, dass der Kaiser nach Berlin vorrücken wird. Mich amüsiert dabei, dass er dabei ausgerechnet vornehmlich die Bürger meines Bezirks, die Spandauer meinte, wo Napoleon wenige Tage später die Zitadelle besetzte.

Einige Jahre später wurde die Parole ein Bestandteil der Geschehnisse um die Karlsbader Beschlüsse herum, weil die Monarchisten Angst vor einer Revolution hatten. Klappe halten, Ruhe bewahren und der Obrigkeit alles Weitere überlassen.

Fairerweise muss ich zugeben, dass es derzeit kaum Alternativen zu einer Beschwichtigung gibt. Was allerdings völliger Quatsch ist, geht mal wieder auf das Konto der Konservativen. Die schreien Zeter und Mordio, weil nicht genügend Schutzbunker vorhanden sind. Erstens lassen sich nicht Millionen sicher unterbringen und zweitens bringt das bei einer Atombombe alles nichts, außer vielleicht eine Verlängerung der Lebenszeit um wenige Tage. Mal ganz abgesehen von den weltweiten Folgen danach. Wer neugierig ist, kann sich unter dem Link hier ansehen, welche Auswirkungen eine Tsar Bomb 50Mt bei einer Detonation über Berlin hat. Aber vermutlich hat eine CDU-Clique oder FDP-Seilschaft gute Kontakte zu Anbietern privater Bunkeranlagen. Für einen schmalen Taler bekommt man schon für ca. 10.000,– EUR einen atomsicheren Schutzraum für das eigene Haus.[5]https://www.bunker-bssd.de/Schutzraum-Atomsicher.

Wie auch immer, diejenigen, welche anderen zum Thema unbegründete Ängste vor einem Atomkrieg vorhalten, gehen mir ziemlich gegen den Strich. Es sind die üblichen Kandidaten, denen alles schnuppe ist. Klimawandel gab es schon immer, die Natur erholt sich schon wieder, die Tiere aus der Massentierhaltung existieren lediglich, weil sie exakt zu diesem Zweck geboren wurden, an den Gesetzen des Kapitalismus kommt auch Putin nicht vorbei, es ging immer irgendwie weiter, … Ich mag auch keine Bedenkenträger, aber zu nassforsch ist keine Alternative, zumal sie diesen Dumpfsinn nur deshalb von sich geben, weil sie Angst vor Einschränkungen haben und merken, dass es langsam eng wird.

Mai 9 2022

Das Ende von Kriegen

Lesedauer 7 Minuten

Wann endet ein Krieg? Mit dem letzten abgegebenen Schuss? Wenn er endgültig nur noch in Geschichtsbüchern eine Rolle spielt? Oder die letzten Hinterlassenschaften bereinigt sind? Diese Gedanken und einige mehr anlässlich des 8. Mai.

Die Frage stellte ich mir bei Fotografieren des Panzers. Er steht in Ho-Chi-Minh-Stadt im Vietnam Kriegsmuseum. Dort kann sich der Besucher alle Perversionen ansehen, die sich Waffenkonstrukteure bis in die 70er einfielen ließen. Und vieles davon liegt oder hängt noch im Dschungel von Laos, Kambodscha und Vietnam herum. Besonders gefährlich sind die kleinen Bomben in Form kleiner Metallbälle, die von den Streubomben jeweils über das Areal eines Fußballfelds verteilt wurden. Kinder spielen damit, infolgedessen ihnen die Arme weggefetzt werden oder Bauern entweder Opfer werden, weil sie in einer Hütte über einem Blindgänger eine Feuerstelle errichteten, oder sie im Reisfeld bei der Arbeit darauf stoßen. In Bäumen hängen heute noch Minen mit Fühlern aus Draht, die von unvorsichtigen Menschen oder Tieren ausgelöst werden.[1]Auf der Seite des Cope Visitor Centers wird die “Wiedergutmachungsarbeit” dargestellt.http://copelaos.org/.

Was ist mit den Folgen in den Köpfen? All die Traumatisierten geben durch ihr Verhalten den Krieg an die nächste Generation weiter. Neue Feindschaften entstehen zwischen den Menschen, die dann auf anderen Schlachtfeldern ausgetragen werden. Oder wie steht es mit den anderen Hinterlassenschaften? Tausende gesunkener Schiffe aus dem II. Weltkrieg verrotten auf dem Meeresboden und die Tanks werden langsam marode, sodass eine gigantische Ölkatastrophe bevorsteht. Hinzu kommt die versenkte Munition, die nach und nach giftiges Trinitrotoluol (TNT) in die Meere abgibt.[2]u.a. hier nachzulesen: https://nomennominandumdotblog.wordpress.com/2021/05/22/und-das-meer-weinte-schwarze-tranen/. Im Krieg werden nicht nur Menschen getötet, sondern die gesamte Flora und Fauna gleich mit. So gesehen ist der Zweite Weltkrieg noch lange nicht vorbei. Es folgten Napalm, radioaktive Munition, Fassbomben, weiterentwickelte Phosphorbomben. Die letzten Schüsse mögen gefallen sein, aber der Krieg dauert an. Ich sehe da auch nicht die Richtigkeit eines Begriffs, wie Kriegsfolgen. Eine Vielzahl von Waffen wird dazu konzipiert, die Bevölkerung durch Verstümmelungen zu terrorisieren. Und wenn heute Kinder, Frauen und Männer von den eingesetzten Waffen verstümmelt werden, machen sie genau, wozu sie konstruiert wurden.

Aktuell wird davon gesprochen, dass Russland den Krieg nicht gewinnen darf. Was ist ein Gewinn? Das seitens Putin angestrebte Ziel? Wie auch immer es konkret aussehen mag: Ist die vollständige Zerstörung der Ukraine ein Gewinn? Oder geht es um die Kontrolle? Haben nicht längst alle verloren? Wir, die Ukraine, Putin, Russland? Ganz abgesehen von der menschlichen Katastrophe, die durch das aktuelle Kriegsgeschehen stattfindet, sind die Auswirkungen von einem bisher nie dagewesen Ausmaß. Der Krieg wurde zu einem Zeitpunkt angezettelt, an dem sich die Industriestaaten ganz anderen Problemen widmen sollten. Am zurückliegenden 4. Mai hatte Deutschland ein Tag vor Frankreich den Erdüberlastungstag. Ab jetzt lebt die Nation hinsichtlich der vorhandenen Erdressourcen auf Pump in der Zukunft.[3]https://www.t-online.de/nachhaltigkeit/id_92123660/erdueberlastungstag-von-heute-an-lebt-deutschland-auf-pump.html. Im Hinblick auf den Krieg interessiert dies aber niemanden ernsthaft. Anstatt das wir erst einmal mittels Aufarbeitung und Beseitigung die vorangegangen Kriege beenden, wird einfach weiter gemacht. Selbst die Atomkraft mit dem hinreichend bekannten Entsorgungsproblem gerät wieder in den Fokus. Die Big-Player Russland, China, USA, EU, zeichneten sich bereits in der Vergangenheit nicht sonderlich durch ein Bewusstsein für das ökologische Geschehen aus. Es erscheint mir wie eine hanebüchene Veralberung, wenn beim Fracking ein Chemie-Cocktail in die Erde gepumpt wird, während seriöse Brunnenbohrer die Auflage bekommen, Bohrlöcher zu Vermeidung einer Verseuchung des Wasserleiters mit Mikolit (Ton-Pellets) abzudichten. Ein wirtschaftlich zerstörtes Russland wird einen Pfifferling auf die Vermeidung von Emissionen, Einbringen von Giftstoffen und Müll geben. In der Sowjetzeit entsorgten sie ihren Atommüll in die Arktis.[4]https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/politik/klimawandel-arktis-atommuell-russland-100.html Dabei sollte auch nicht verschwiegen werden, dass eine Menge deutscher strahlender Müll nach Russland verschoben wurde. Frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Der Ukraine-Krieg wird sehr lange dauern. Im klassischen und im erweiterten Sinne. Mir erscheint es, als wenn die letzte Chance zum Abmildern der sich bereits zeigenden globalen Katastrophe, verursacht von den Industriestaaten (Klima, Armageddon der Arten, Verseuchung des Planeten, Burnout der Erdressourcen), pulverisiert wurde. Harald Lesch sagte einmal, es gäbe keine Alternative zum Prinzip Hoffnung. Aber worauf sollen ich und andere hoffen? Wer soll sich der Dynamik entgegenstellen? Da helfen weder stabile Demokratien, noch tun es einzelne Personen. Überall geht um es Handlungszwänge. Die oder der hat dies veranstaltet, hieraufhin müssen die reagieren und den nächsten Zug machen. Ich erinnere mich an eine Fahrt in einem alten Wartburg mit Lenkradschaltung. So sehr ich mich auch bemühte, ich bekam bei der Karre keinen Rückwärtsgang hinein. Jeder Versuch brachte mich einen Meter weiter in Richtung einer Wand. Irgendwann gab ich auf. Ich stieg aus und schob das Ding rückwärts. Glaube ich daran, dass alle aussteigen und gemeinsam rückwärts schieben? Eher nicht!

Es wurde viel über die NATO, zurückliegende Kriege, Manipulationen, etc., diskutiert. Dies sind alles nette Analysen und Spekulationen. Den meisten ist vorzuhalten, dass sie behaupten zu wissen, welchen Verlauf eine andere Entscheidung bewirkt hätte. Wenn es darum geht, dass die USA ebenfalls Dreck am Stecken hat, kann ich dem nur zustimmen. Aber was bringt uns dies weiter? Jetzt findet die einzige Realität statt und es gilt eine allumfassende Mobilmachung zur Bekämpfung der genannten Katastrophen einzuleiten. Wegen meiner soll die komplette Weltgemeinschaft Russland den Hahn zudrehen, danach aber bitte sofort weitere Handlungen folgen lassen. Zum Beispiel der Weltgemeinschaft die Möglichkeit zu geben, stante pede gegen jeden Abweichler konsequent vorzugehen. Dazu gehört auch die sofortige Abschaffung aller Atomwaffen. Wenn sich auch nur ein Schritt in diese Richtung abzeichnen würde, hätte ich Hoffnung. Doch spätestens, wenn dümmliche Moderatorinnen und Moderatoren fragen, ob man eine Ökodiktatur haben will, schwindet sie. Bei einer Diktatur gibt es immer einen oder eine Gruppe, die Vorteile daraus ziehen. In dem Fall ist es aber das komplette Ökosystem der Erde. Rein theoretisch ist vieles machbar. Aber leider setzen die Industriestaaten weiter auf Kriege, deren Fortdauer nach Einstellen der aktiven Kampfhandlungen und Grundstrukturen, die noch aus grauer Vorzeit stammen, welche stetig in neue Katastrophen münden.
Wir setzen auf eine Konstruktion, die nachweislich kontinuierlich unbrauchbare, schädliche Gülle ausspuckt. Aber weil es nicht sein darf, dass seit Jahrzehnten Irrwege beschritten werden, wird aus der Gülle per Interpretation ein herrlicher nützlicher Dünger, mit dem das Wachstum gefördert werden kann, welches uns das Heil bringen wird. Nichts da! Gehen wir auf dem Pfad weiter, ist Sense. Irgendwann gibt es einen Krieg zu viel und ich glaube, der Ukraine-Krieg ist es. Keine Ahnung, wie es anderen geht. Aber ich schwanke derzeit zwischen Resignation, hysterischen Lachen und Defätismus. Vermutlich ist es besser, mich der Fraktion anzuschließen, die sich mit allem abgefunden hat und sich an Volksbelustigungen wie modernen Gladiatorenkämpfen von Fußball, Football, Rugby, Leichtathletik, erfreut. Alternativ, sich über einen gefallenen Nationalhelden Gedanken macht, dessen einziger Verdienst darin bestand, einen 56 bis 59,4 Gramm schweren Ball über ein Netz zu schlagen.

Vielleicht hatte der Mann, den ich in einer Klinik traf, doch Recht. Er saß in der Sonne auf einer Mauer und sah einem Schmetterling zu. Dazu sagte er mir: “Wir beide haben so viel Dreck gesehen, es ist an der Zeit den Rest des Lebens mit den schönen Sachen zu verbringen. Wir dürfen uns herausnehmen und es den anderen überlassen.” Ich fragte: “Und wenn die sich nicht darum kümmern?” Als er antwortete, sah er nicht einmal auf. “Soll nicht mehr unser Thema sein. Wir haben unser Ding gemacht und dabei gelernt, was wirklich wichtig ist. Jetzt sind die dran.” Nun ja, die Tatenlosigkeit der anderen muss ich halt aushalten lernen. Dazu gehört auch, dass jede Menge Frauen und Männer, auch in meinem Umfeld, über Waffenlieferungen, Kampf, Krieg, Tod, sprechen, die nicht einmal eine Waffe in der Hand hielten, geschweige denn für irgendetwas ihr Leben ins Spiel geworfen haben. (Anmerkung 9.5.: Es sind im Zusammenhang mit Kriegen sehr unterschiedliche Menschen involviert. Die Waffenentwickler, die Produzenten, die Arbeiter, welche die Waffen herstellen, politische Entscheidungsträger, welche allgemein über den Einsatz entscheiden, eine Bevölkerung, die Soldaten ins Feld schickt und eben die letzten in der Kette, die tatsächlich töten. Es verhält sich, wie mit der Todesstrafe. Einer oder eine muss am Ende die individuelle Schuld/negatives Karma auf sich nehmen und töten. Nach meiner Lebenshaltung töte ich entweder selbst oder lasse es. Andere damit zu beauftragen, halte ich für eine schwierige Angelegenheit. Würden in Kriegen konsequent alle eine Waffe in die Hand nehmen müssen, sähe unsere Welt anders aus. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich ein- bis zweimal an der Schwelle stand, mit meiner Waffe jemanden zu erschießen, so wie ich mir auch nicht sicher war, lebend aus der Nummer wieder herauszukommen. Ein Scheißgefühl!)


Wo geht denn die Reise hin? Diese Frage würde ich mir stellen, wenn ich in der Ukraine in der Deckung stände.

Da, wo ich lebe, liegt alles in Trümmern. Freiheit? Wessen? Meine? Wenn ich mir hier die nächste Kugel einfange, habe ich nicht viel davon. Die Freiheit von Europa? Am Arsch! Es wäre mir so etwas von egal, ob diese dekadenten Vögel in Freiheit leben oder nicht. Fraglich wäre auch noch, ob wir unter Freiheit etwas Ähnliches verstehen. Wer gewinnt am Ende? Einige, die sich vorher und auch nachher eine goldene Nase verdient haben. Wie heißt es immer so schön? Totalitäre Staaten sind immer ein Problem von denen mit einer anderen Meinung. In Deutschland hat ein geringer Prozentsatz überhaupt so etwas wie eine Meinung, für die es wert wäre zu sterben. Der da drüben, der die ganze Zeit auf mich ballert, weiß vermutlich auch nicht so richtig, warum er das macht. Ja, diese und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf.
Böse, wie es klingt: Der Ukraine-Krieg hat sich zu einem Hype entwickelt. Was hat denn der “arme” Putin getan? Wie jeder andere ordentliche Anführer einer Großmacht wollte er sich im Schnelldurchlauf um einen abtrünnig gewordenen Vasallenstaat kümmern. Seit 1945 ist dies ein gängiges, akzeptiertes Gebaren. Nicht, dass ich dies sonderlich toll finde, aber bisher hat dagegen kaum jemand etwas gehabt. Also, was ist diesmal anders? Es ist ein europäischer Krieg! Da gab es auch schon andere und warum hat der jetzt eine Sonderstellung? Ist es dieser Effekt, der bei Flugzeugabstürzen auftritt? 150 Passagiere sind tot, aber glücklicherweise war kein Deutscher dabei. Russland entwickelt imperiale Züge! Auch nichts Neues. Dass die damalige Sowjetunion, später reduziert auf Russland, ein fieser Staatskapitalismus mit imperialistischem Charakter ist, wussten schon die alten ukrainischen Anarchisten (Machnowschtschina) um Nestor Machno, bevor sie von Trotzki gemetzelt wurden.
Es muss etwas anders sein. Aber was? Verstanden habe ich dies noch nicht. Russische Oligarchen sind plötzlich böse Menschen. Was waren sie denn vorher? Honorige Besitzer von Fußballvereinen und Yachten? Es soll doch tatsächlich eine mit dem Staat verwobene russische Organisierte Kriminalität geben. Wurde dies bisher vorteilhaft ignoriert? Überraschenderweise soll es gar ein Agentennetzwerk quer durch alle Industriestaaten geben. Plötzlich werden die alle verfolgt. Dem FBI wusste bereits lange vorher, wer sich da alles im Trump-Tower versammelte. Putins Kontakte zu den russischen Bruderschaften sind ebenfalls hinreichend bekannt. In den 90ern wurde von einer “Weißen Mafia” und einer “Roten Mafia” gesprochen. Erstere waren ordentlich gelernte Schwerkriminelle und die anderen schafften Staatsgelder außer Landes. Besonders die Gruppe “Jelzin” tat sich dabei hervor. 1998 war Russland zahlungsunfähig und sah sich genötigt, private Konten einzufrieren. Die Nummer haben sie auch schon durch. Ich will gar nicht fragen, was die Machenschaften der russischen Oligarchen wesentlich von denen aus dem Westen unterscheidet. Oder was ist mit Erdogan? Ich finde nicht den Aufhänger, was am Überfall auf die Ukraine besonders ist. Möglicherweise ist es der Punkt, dass die russische Armee in den ersten Tagen versagte. Dass sich die russischen Soldaten aufführen wie eine Soldateska darf zumindest niemanden wundern, der den Abzug der Russischen Truppen aus Deutschland beobachtete. Es ist nun einmal eine Armee, die aus gebrochenen, kaputten Typen besteht. Spätestens im Tschetschenien Krieg war alles klar. Hat aber auch niemanden gekümmert. Irgendwo hat die Nummer einen Haken. Egal, da draußen fliegen die ersten Schmetterlinge.

Mai 2 2022

Trollhaus – Renovierung

Lesedauer < 1 Minute

Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei – Es ist ohnehin schon wenig genug.

Max Frisch
Schweizer Schriftsteller, *15.5.1911-4.4.1991

Alles Neu?

Nein, nicht alles. Aber ich habe in den letzten Tagen einiges, mit Blick auf die kommende Zeit und wofür ich das Trollhaus benutzen werde, aktualisiert und einen neuen Anstrich gegeben. Lockdown, private Veränderungen, “Zeitenwende” und damit einhergehende neue Auseinandersetzungen mit der Welt, haben ihre Spuren hinterlassen. Ich hoffe, trotz Kündigung meines Twitter-Accounts (siehe auch Bye,Bye,Twitter) den einen oder anderen Abonnenten von dort mitgenommen zu haben.

Ich bin noch sporadisch auf FACEBOOK unterwegs und halte dort meine internationalen Kontakte (Man will will sich schließlich mal wieder sehen.) Im Gegensatz zu mir sind viele von den noch unterwegs. (Ich hoffe, ich auch mal wieder). Die meisten scheint es nach Südamerika verschlagen zu haben. In Anbetracht der weltpolitischen Entwicklungen vermutlich nicht die schlechteste Idee.

Mein PEN-Tablett ist auch wieder am Start und angeschlossen. Wie sich dies auf Reisen regeln lässt, weiß ich noch nicht. Aber ich werde nicht nochmals den Fehler machen, unterwegs auf das Zeichnen zu verzichten.

Mai 2 2022

Bye, Bye, Twitter

Lesedauer 2 Minuten Der erste Reflex vieler: Wenn Twitter nicht mehr gefällt, kann man sich einfach eine andere Plattform suchen. Dies geschah in der Geschichte des Internets immer wieder: Von MySpace oder StudiVZ bis zu Tumblr und Google Plus. Die erste Wahl landete gleich nach der Bekanntgabe der Übernahme ganz oben in den Twitter-Trends: Mastodon ist eine freie Alternative zu Twitter und bereits seit Jahren in Betrieb. Was fehlte, war vor allem der Netzwerkeffekt, der Plattformen wie Twitter, Facebook, Instagram oder TikTok groß machte.
– Torsten Kleinz, https://www.heise.de/news/Elon-Musk-kauft-Twitter-Was-nun-7064943.html

In einem meiner Lieblingsfilme von Jaques Tati -Mon Oncle- gibt es eine Szene, in der Tati den Wahnsinn der Moderne hinter sich lässt und von seinen “Kumpels” aus dem Dorf in eine kleine Bar-Tabac gezogen wird. Ich mag diese Szene allein schon deshalb, weil ich in Südfrankreich diese Bars in den 80ern kennenlernen durfte. Was haben sie mit Twitter zu tun? Gar nichts! Und genau dies ist der Punkt. Alles andere, was Tati zuvor erlebte, ist Twitter.

Elon Musk gedenkt Twitter zu übernehmen oder hat er schon? Soll er! Aber ohne mich. Musk steht quasi für alles, was ich ablehne. Mir ist nicht wichtig, wie er zu seinem Geld gekommen ist. Entscheidend ist, dass niemand auf dieser Welt, die vom Kapitalismus geprägt ist, mittels Geld soviel Macht innehaben darf. Weltpolitik wird damit immer mehr personalisiert und hat nichts mehr mit den Institutionen zu tun, die ansatzweise für eine Stabilität sorgten. Wie immer bei Twitter meldeten sich schnell die Zeitgenossen, die den Kritikern Neid vorwarfen. Diese Leute haben wenig verstanden. Das Geld wird ihm persönlich nichts einbringen und das eigentliche Leben nicht bereichern. Von Neid könnte man sprechen, wenn ich zum Beispiel an seiner Stelle sein wollte. Dies liegt mir fern. Es war weniger die Person Musk, die mich zur Kündigung meiner beiden Accounts bewegte, sondern die Erkenntnis, dass ich mich dort in einer Welt bewegte, die Erscheinungen wie Musk hervorbringt und favorisiert. (siehe auch: Mein täglich Twitter, gib mir heute)

Als Nebeneffekt habe ich den Suchtfaktor realisiert. Ich bin nicht gerade auf einem Entzug gelandet, aber ich habe bemerkt, wie sehr mich u.a. dieser Appell an das Dopamin-System im Gehirn beeinflusste. Der kommt nicht von irgendwo her, sondern ist gewollt und Geschäftsmodell. Ich mag es nicht, wenn man mit mir spielt und mich manipuliert. Also: Ausstieg. Da ich nicht ganz von dem technologischen Geschehen, was mir nicht gefällt, aber ich nicht daran vorbeikomme, abgeschnitten sein will und Facebook nur beibehalte, um nicht von meinen internationalen Kontakten abgeschnitten zu sein, habe ich einen MASTODON Account eröffnet. Die Plattform[1]Test arbeitet nicht mit Algorithmen und die Nachrichten kommen, wie sie gerade kommen. Derzeit bin ich noch dabei, mich dort einigermaßen zu Recht zu finden. Allgemein herrscht dort noch eine gewisse Aufbruchsstimmung, die in etwa mit den ersten Tagen von Twitter zu vergleichen ist.
Parallel bringe ich die Webseite auf Vordermann. Hier hat sich bereits einiges getan und weitere Änderungen werden folgen. Man liest sich.

Troelle Unterschrift

 

 

Quellen/Fußnoten

Quellen/Fußnoten
1 Test