April 19 2022

Pazifismus

Lesedauer 13 Minuten

„Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss.“

Sun Zi
Chinesischer General, vermutl. 543 v. Chr. – 495 v. Chr.

Eine Weltanschauung, wie der Pazifismus, hat derzeit keinen leichten Stand. Da hilft es es auch nicht, wenn die Christen zu Ostern die Auferstehung eines Heilands oder den Sohn Gottes feiern. Wobei sich in den letzten Tagen wieder einmal zeigte, wie wenig Christen ihre eigene Religion verstehen. Sich Gott als eine Figur vorzustellen, daraus einen Mann, einen Vater zu machen, am besten noch als einen alten Mann mit weißen Haaren und dann darüber auch noch eine Gender-Diskussion anzustreben, ist freundlich ausgedrückt ziemlich simpel. Auf diese Art brachte man damals seitens der katholischen Kirche dem einfachen Volk die christliche Weltanschauung bei. Gott ist abstrakt, ein Neutrum und Sohn bedeutet im eigentlichen Sinne, dass sich das Abstrakte in Menschengestalt manifestierte. Michelangelo war ein Genie, aber bei den Bildern im Kopf, auch Kind seiner Zeit. Dieser Exkurs nur am Rande zur Darstellung, wo sich Teile der Gesellschaft derzeit befinden.

Das dialektische Gegenteil oder auch Antonym des Pazifismus ist der Bellizismus. Einmal die Ablehnung des Krieges und auf der anderen Seite die Befürwortung. Die vollkommene Ablehnung von Gewalt, auch in einer Notwehr – oder Nothilfesituation, ist eine Spielart des Pazifismus. Wie immer, wenn Gedankengänge unter einem einzigen Begriff zusammengefasst werden, wird es unscharf. Also worum geht es denn eigentlich?
Seit tausenden von Jahren machen sich Menschen Gedanken über Krieg und Gewalt. Lao Tze soll beispielsweise gesagt haben: “Ich kann nicht viel voraussagen, aber wer die Gewalt bevorzugt, wird eines gewalttätigen Todes sterben.” Ich bleibe an der Stelle die Quelle schuldig. Es steht irgendwo im “Tao des Lebens”. Er und diverse andere, inklusive Buddha und Konfuzius, wiesen stets auf die Wechselwirkung hin. Bin ich gewalttätig, löse ich weitere Gewalt aus. Das ist logisch nachvollziehbar und bedeutet in der Konsequenz, dass ich für den Fall, dass ich keine Gewalt haben will, selbst keine ausüben darf. In einem idealen theoretischen Gedankenmodell, endet die Gewalt, wenn sich alle daran halten. Nicht mehr oder weniger besagt der Pazifismus. Fraglich ist, wie ich mich verhalte, wenn ich angegriffen werde, also ein anderer die Wechselwirkung nicht berücksichtigt. Selbst Sun Zi, der General und Schöpfer des Werks “Die Kunst des Krieges” hatte einen gesunden Respekt davor. Doch er sah auch die Notwendigkeit, unter Umständen in den Krieg zu ziehen.

Folge ich der Logik, erfolgt durch die Wechselwirkung weitere Gewalt. Nehme ich mir einen gedanklichen Nullpunkt, startet die Gewalt also nicht mit dem Pazifismus, sondern mit dem Bellizismus. Es ist ein sich verzweigendes Ablaufdiagramm, bei dem an der obersten Position zwei Entscheidungen möglich sind. Entscheide ich mich zusammen mit allen anderen für den Pazifismus, endet damit auch schon alles und jeder lebt in Frieden. Der Bellizismus wird sich über eine lange Strecke nach unten weiter verzweigen. Demnach kann der Pazifismus bis hierin für friedliebende Menschen die einzig richtige Entscheidung sein. Aber verpflichtet mich diese Haltung zum Verzicht auf eine Gegenwehr?

In jeder Religion stößt man dabei schnell auf Widersprüche. Zum Beispiel ist für Buddhisten das jetzt geführte Leben lediglich eine Art Episode, somit eine flüchtige Begebenheit innerhalb eines größeren Zusammenhangs, innerhalb derer, wie auch in allen anderen vorhergehenden und noch kommenden, das Karma geformt wird. Solange, bis man es salopp gesagt: Endlich verstanden hat! Jeder kennt die sagenhaften Kampfkünste der Shaolin. Alles was sie tun ist auf Verteidigung ausgerichtet. Sie haben nicht die Ursache gesetzt, aber sind durchaus in der Lage sich zu verteidigen. Doch wäre es nicht konsequent für das eigene Karma auf eine Gewaltanwendung, zu verzichten, um dann in der nächsten “Episode” auf einem neuen höheren Level, weiterzumachen?
Im christlichen Glauben sieht es nicht viel anders aus. Einerseits soll man nicht töten und im Zweifel die andere Wange hinhalten, andererseits ist die Rede von Auge um Auge, Zahn um Zahn. Im alten Testament ist eine Menge legitime Gewalt geschildert. Hauptsache, Gott hatte sie irgendjemand befohlen. Dann ging es immer richtig zur Sache. An sich eine schlüssige Konzeption. Was man auch bei ein paar tausend Jahren Entwicklungszeit erwarten darf. Töte ich konsequent alle, die sich nicht an die Vorgabe Pazifismus halten, setze ich alles wieder auf Null. Sollte ich es als Laie in Sachen Christentum richtig verstanden haben, läuft es in der Bibel darauf immer hinaus. Beim Propheten Hesekiel spricht Gott von all dem Gräuel und fordert, dass alle, die damit ein Problem haben, gekennzeichnet werden sollen und alle ohne Zeichen im Nachgang erwürgt werden müssen. Warum nicht alles belassen, wie es ist und den Job Satan in der Hölle überlassen. Ja, ich weiß, die Hölle ist eine recht späte Erfindung des Christentums und der Teufel, Luzifer, der gefallene Engel, noch später. Wie einfach hatten es da doch die Wikinger? Ein ordentlicher Tod im Kampf war eine gute Sache. Die Griechen setzten auf die Nachkommen. Bei der Erzählung über die Irrfahrten des Odysseus tröstet Achilles den Helden in der Unterwelt mit dem Hinweis, dass die Lebenden respektvoll über ihn sprechen. All dies scheinen mir Ideen von Typen zu sein, die irgendwie den Krieg, den keiner wirklich wollte, schmackhaft zu machen. Da fand ich die Episode bei Sketch History, in der Alexander der Große versucht seine Armee zu motivieren, während die nicht so richtig wollen, ziemlich amüsant. Machen wir uns nichts vor, wenn um Dich herum die ersten Leichen verwesen, Leute mit heraushängenden Gedärmen unter Stöhnen verrecken, gehen Achilles die Argumente aus.

Ich habe mir zu diesen Ungereimtheiten meine eigene These zu Recht gelegt. Buddha soll zu seinen Schülern gesagt haben, dass sie die Letzten wären, welche seine tatsächlichen Worte zu hören bekommen. Später werden sie aufgeschrieben werden und jeder fügt seine Interpretation hinzu oder ergänzt im eigenen Sinne. Selbst wenn er es nicht gesagt haben sollte, hat der Urheber dieser Worte Wahres gesprochen. Immer, wenn etwas nicht mit der Grundidee zusammen passen will, besteht der Verdacht einer nachträglichen Änderung. Selbst Buddha, der Lehrer, war nicht frei von Zwängen. In einem hinduistisch geprägten Gesellschaftsgefüge radikal alles auf den Kopf zu stellen, wäre äußerst unklug gewesen. Seine Botschaften wären in Empörung untergegangen.

Die Nummer mit dem Sterben, vor allem im Krieg, und den Religionen ist ohnehin eine eher zweifelhafte Angelegenheit. Wenn es mir zu Lebzeiten dreckig geht, alldieweil sich eine wenige ein gutes Leben gönnen und dafür über Leichen gehen, wird mir unterdessen eine bessere Zukunft im Jenseits vorausgesagt, während der sündige “Brutalinski” oder “Despot”, nach seinem Tod in der Hölle schmort, riecht verdächtig nach einer Konstruktion, die von Typen erfunden wurde, welche zu Lebzeiten unbehelligt andere ausbeuten wollten. Im Ursprung nachvollziehbar. Wenn ich als Sklave (Hebräer/Ägypten) geboren werde, brauche ich irgendetwas, woran ich mich hochziehen kann. Später kam dies einigen sehr entgegen (Absolutismus/Katholische Kirche).
Der Buddhismus erscheint einem auch erstmal ziemlich suspekt. Nichts zu besitzen, soll besser sein als Reichtum? Klingt erst einmal nach Christian Lindner & Friends, weil sie damit dem unvermögenden Pöbel die Lebenssituation attraktiv machen wollen, während sie sich mit kreativen Wirtschaftsmodellen bedienen. Wenn man etwas tiefer einsteigt, wird es logisch. An vergänglichen Dingen festzuhalten und das Leben an ihnen auszurichten, führt zwingend zu einer Frustration (Leid), die spätestens mit der konkreten Erkenntnis, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, eintritt.
Hinzu kommt, dass viele Kulturen in Abwandlungen die Weisheit “Wer Wind sät, wird Sturm ernten!”, kennen. In Asien heißt es: “Wer einen Mangobaum pflanzt, darf keine Bananenstauden erwarten.”

Der Übeltäter mag ja glücklich sein, solange er nicht erntet, was er gesät hat, aber sobald es ans Ernten geht, übermannt ihn der Kummer. Der Gute mag ja leiden, solange er nicht erntet, was er gesät hat, aber sobald es ans Ernten geht, übermannt ihn die Freude.
buddha mudra mara
Siddhartha Gautama, Buddha
Aus dem Dhammapada

Voreilig auf Pazifisten zu schimpfen ist demnach ein unüberlegter Schnellschuss aus der Hüfte. Spirituell wird es zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit. Zu welcher Überzeugung kommt man? Einen feuchten Dreck darauf, wenn mich jemand tötet? Wir werden sehen, was danach passiert? Hat jemand mit einer spirituellen Einstellung, jenseits der Griechen, Römer, Wikinger u.a., auf das richtige Pferd gesetzt, ist Putin sozusagen richtig am Arsch. Entweder hat er in der nächsten Episode innerhalb des Universums eine richtig miese Zeit oder in der Vorstellung eines Hieronymus Bosch, eine sehr lange BDSM-Nummer vor sich, die ihm wenig Spaß bereiten wird.

Im  Krieg zu sterben, gewalttätig, vor Ablauf der natürlichen/schicksalhaften Ablaufzeit, kommt immer mit der Erklärung eines Sinns daher. Auch eins dieser Wörter, mit denen ich ein wenig hadere. Im Besonderen gilt dies für den Sinn des Lebens. Wer soll darüber bestimmen, was einen Sinn stiftet und was nicht? Und wird meine Existenz sinnlos, wenn ich mit meinem Leben nicht den Vorgaben entspreche? Ein wenig griffiger ist der Zweck. So oder so müssen Kriege seitens desjenigen, welcher in den Krieg ziehen will, begründet werden. Man stirbt für die Freiheit, um einen oder eine Wahn|sinnige zu stoppen, einen Irr|sinn zu beenden oder das eigene Volk gegenüber einem anderen Volk zu verteidigen (anders: eine Gemeinschaft von x-Mitgliedern der Spezies Homo sapiens gegen eine andere Gemeinschaft von x-Mitgliedern derselben Spezies). Ganz abstrakt wird es, wenn das Vaterland und Schutz desselben herangezogen wird. Ein Gedankenkonstrukt, welches meiner Auffassung nach, vollkommen daneben ist. Es stammt noch aus der Zeit, in der der besetzte Boden die Einnahmequelle für Klerus und Adelige war. Ob nun durch Zufall oder eine Fügung des Universums in Verbindung mit angenommen inneren Regeln, habe ich mir die Geburt an einer konkreten Stelle des Planeten Erde nicht ausgesucht. Erweitert gesehen, gilt dies auch für den Planeten.

Der Erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen: “Das gehört mir” und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Morde, Kriege, wie viel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand seine Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: “Hütet Euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren,
wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemanden gehört.”


Jean-Jaques Rousseau, * 26.6.1772 in Genf; † 2.7.1778
französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher

Rousseau gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Französischen Revolution. Heutzutage würden sie ihn als Linksextremisten einordnen. Die “Heilige Schrift” des Kapitalismus, Der Wohlstand der Nationen – Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, wurde noch zu Lebzeiten Rousseaus von Adam Smith 1776 veröffentlicht. Es ist interessant, wie weit einige am Vorabend der Revolution waren und wem am Ende zugestimmt wurde.

Was scheren mich die Interessen eines Kaisers, Königs, Diktators oder des Managers eines Konzerns? Nehmen wir an, dass der Ukraine-Krieg sich ausweitet und der Dritte Weltkrieg ausbricht, wofür sollte ich kämpfen? Für die Freiheit? Werde ich getötet, hat sich das Thema für mich ultimativ erledigt. Für die Freiheit der anderen? Erstens, was hab ich damit zu tun und zweitens, haben große Teile ohnehin merkwürdige Vorstellungen von Freiheit. Für die Freiheit meiner Nachkommen? OK, da ist eine Klippe. Fraglich ist, ob mein Kampf wirklich zu Freiheit führt oder einfach nur einigen anderen, die auch nichts davon halten, Vorteile verschaffen.

Der Krieg, derzeit noch in der Ukraine, bringt existenzielle Fragen mit sich. Wir schauen auf einen Diktator mit imperialistischen Ideen. Ein Thema, das nie vom Tisch war. Nicht nur Putin trauert einem Imperium nach. Konservative Briten sind traurig, die Franzosen ebenso, mongolische Rockbands sinnieren in Texten darüber, was eigentlich schiefgelaufen ist, Chinesen aus der politischen Führung hätten gern ihr altes Reich in Gänze zurück, die USA, ehemals selbst Kolonie, würden gern, wenn es nach den Republikanern geht, ihren Großmacht-Status behalten, die Türken, insofern sie Anhänger von Erdogan sind, trauern ebenfalls, und bei einigen Deutschen bin ich mir nicht sicher. Zumindest bin ich mir nicht klar darüber, ob es eine gute Idee anderer europäischer Staaten ist, von Deutschland eine Führungsrolle einzufordern. Von der grundlegenden Mentalität her können wir das. Allein schon sprachlich und via Sprachmelodie (Schwaben ausgenommen) sind wir militärisch klar im Vorteil. In keiner anderen europäischen Sprache klingen Befehle so überzeugend, wie auf Deutsch. Aber gleichzeitig ist Deutsch eine sehr präzise Sprache. Was einem bei Befehlen entgegenkommt. Paradox ist dabei, dass sie damit auch der Philosophie zuträglich ist.

Imperialismus ist aktuell eine durchaus nachvollziehbare Idee. Die Ressourcen werden knapp, der Hunger nach Energie steigt ins Unermessliche und um innerhalb der sich abzeichnenden Klimakatastrophe überlebensfähig zu bleiben, braucht es Technologie, Rohstoffe, Energie und profane Landgebiete, die entweder ausgebeutet werden können oder sichere Transportwege für kostbare Güter gewährleisten. Die Alternative wäre eine sich einig werdende Weltgemeinschaft. Ich nehme an, den Glauben haben nahezu alle aufgegeben. Allerdings muss ich für mich sagen, dass ich hierfür tatsächlich zur Waffe greifen würde. Für das, was sich aktuell abzeichnet, eher nicht.

Ferndiagnosen funktionieren in der Regel nicht. Aber man kann es trotzdem versuchen. Zumindest ist es nicht verboten. Putin ist ein Mensch mit einem Großhirn. Also, was geht da vor? Pazifist ist er schon einmal nicht. Die Antwort hat er gegeben. Ich denke, er glaubt an eine globale Lösung so wenig wie ich. Ich gehe davon aus, weil er ein intelligenter Mann ist, gibt er nichts auf diese ganzen Klimaleugner. Ist er ein spiritueller Typ? Glaube ich persönlich nicht. Eher sieht er Religionen, spirituelle Betrachtungen als etwas für Leute an, die sich nicht der Lebensrealität stellen wollen. Ich denke, er gibt auch nicht sonderlich viel auf das Leben anderer Menschen. Jeder, der sich zur verfügbaren Masse machen lässt, ist in seinen Augen selbst schuld. Jetzt in diesem Moment habe ich ihn gerade als nackten Mann, ohne all den ganzen Mist, den man ihm unvorsichtig in die Hand gab, vor Augen. Denn das ist Krieg. “Arschloch, Du willst mich umbringen? Zeig mal, was Du drauf hast!” Das ist die Dschungel-Lage! Versuch ich Kontakt aufzunehmen? Werden wir uns irgendwie einig? Oder geht es wirklich nur ums gegenseitige Töten?

Menschen ist in solchen Momenten seit Urzeiten eine Menge durch den Kopf gegangen. Was ist die beste Strategie? Lange, hat bestimmt funktioniert: “Alter, ich will auch nur leben!” An der Front in der Ukraine passiert dies mit Sicherheit auch. Aber nicht bei einem Biden, einem Putin oder einem Xi Ping. Die leben in einer anderen Welt, die ihnen das Großhirn suggeriert. Jeder Schritt nach weiter oben bedeutet mehr Abstand vom anfassbaren Leben. Blut hat einen Geruch, Leben, was aus den Augen weicht, kann man sehen, Schreie kann man nicht ignorieren, den vorwurfsvollen Blick, der bedeutet, was machst Du mit mir, wird man nie wieder los. Es sei denn, man hat zugelassen, dass ein paar Aspekte, die den Menschen ausmachen, abgeschaltet wurden. Aber dann sei die Frage erlaubt, ob man dann noch die Bezeichnung “Mensch” verdient?

Ich persönlich bin dem Bundeskanzler, den ich nicht gewählt habe, für seine als zögerlich betrachtete Haltung dankbar. Eskaliert alles in einen konventionellen Krieg, was nicht realistisch ist, würde er nicht darin kämpfen. Kommt es zu einem nuklearen Krieg, stirbt er ein paar Monate nach dem gemeinen Volk. Steht einem ein Homo sapiens gegenüber, der das Großhirn nicht übermäßig nutzt, ist grundsätzlich der erste Schlag eine gute Idee. Trage ich die Verantwortung für ein ganzes Volk, sollte ich einen Gedanken mehr verschwenden. Denn dann gehen eine Menge Menschen in den Tod, die ich nicht einmal kenne. Putin hat sich von den Möglichkeiten des Homo sapiens verabschiedet. Er wird seine Gründe haben. Spirituell muss ich mir von ihm nicht aufs Auge drücken lassen, wo ich stehe. Dies gilt auch für die Ethik. Hätte ich die Möglichkeit, Gelegenheit und eine 9 mm zur Hand, gäbe es für mich auf seine Person bezogen kein Problem. Aber was kann Andrej, 25 Jahre, russischer Bürger, dafür?

In den letzten Tagen melden sich vehement diejenigen zu Wort, die es angeblich schon immer besser wussten. Putin wäre schon immer ein Potentat, Diktator, Despot, mit imperialistischen Zielen gewesen, und die “Dummen” hätten dies nur nicht erkannt. Es sei ein Fehler gewesen, mit ihm Verträge im Sinne der von Kanzler Schmidt geprägten Worte an Jimmy Carter:  “Wer miteinander Handel treibt, schießt nicht aufeinander!”, einzugehen. Rückblickend sei bereits die Ost-Politik von Kanzler Willy Brandt ein Schritt in die falsche Richtung gewesen.
Allen, die da so reden, unterläuft ein Gedankenfehler. Zu jeder Entscheidung gibt es sogenannte alternative Pfade. [1]Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, dtv-Verlag, 2014, S.57, der Rückschaufehler, engl. hindsight bias Niemand kann auch nur ansatzweise mit Sicherheit sagen, wohin andere Entscheidungen geführt hätten bzw. wohin die alternativen Pfade geführt hätten. Die Kritiker setzen sich rückwärtig in die Position eines perfekten Prognostikers oder Propheten. Die damaligen Entscheidungen waren getragen von der Hoffnung, dass sie Gutes bewirken und schlechte Verläufe, wie einen erneuten Krieg, verhindern. Keiner kann sagen, ob andere Optionen nicht bereits vor 20 Jahren in einem Weltkrieg gemündet wären. Unter Umständen hätte es keine Wiedervereinigung gegeben? Oder die Wirtschaft hätte sich vollkommen anderes entwickelt. Die einzige existente Realität findet jetzt in diesem Moment statt. Selbstredend gilt dies für ebenfalls für die NATO-OST Erweiterung und die damit in Verbindung stehenden Verträge. 

Aus guten Gründen lassen sich Zukunftsforscher und ganz nebenbei auch gute Einsatzleiter nicht auf Prognosen ein, sondern Szenarien, in denen die wahrscheinlichsten Ergebnisse aufgestellt werden. Für den Ukraine-Krieg habe ich dazu auf der Seite des stark von der Spieltheorie geprägten Zukunftsinstituts 8 mögliche Szenarien gefunden. [2] Future War: 8 Szenarios über den Ausgang eines unvorhersehbaren Krieges, https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ , . Interessant ist dabei, dass im Netzwerk des Instituts Prof. Christian Riek mitwirkt, dessen YouTube-Channel “Spieltheorie” ich in meiner Link-Liste habe. [3]https://www.youtube.com/channel/UCSExr_QUT6h-4sGW5hGjrCA Vor dem Ukraine-Krieg kam er zum Ergebnis, dass Putin den Krieg nicht führen wird, weil der Krieg ein “dummer” Spielzug ist. Allerdings wurde er damit nicht zum Scharlatan, da er immer wieder betont keine Prognosen zu erstellen, sondern Szenarien analysiert.

Im März analysierte er die öffentlich übelst bepöbelte Aussage des Philosophen Precht, in der er die Aufgabe der Ukraine als eine Option darstellte. Es ist und bleibt ein denkbares Szenario. Aber rational ist es nur bei zwei Annahmen zu favorisieren. 1. Russland gewinnt auf kurz oder lang den Krieg. 2. Bei einer Kapitulation lässt Putin die Bevölkerung in Ruhe. Im Falle eines sich anschließenden Terrorregimes (wovon ich persönlich ausgehe), scheidet die Kapitulation aus.

In die Kategorie Denkfehler fällt für mich auch die Aussage, dass “Schwere Waffen” zu einer Provokation führen, die Putin zum Anlass für einen Atomschlag nehmen könnte. Nicht seine Gegner bestimmen, was eine Provokation ist, sondern er ganz alleine. Fraglich ist, wie er sie anderen in seinem Umfeld überzeugend verkauft. Ob ein Justizminister Buschmann, FDP nach rechtlicher Prüfung meint, dass die Lieferung der Waffen völkerrechtlich gedeckt ist oder nicht, geht einem Putin am bekannten Allerwertesten vorbei. Wie seine Haltung zu Völkerrecht ist, hat er brachial bewiesen. Zumindest ist zu Bedenken, dass die Lieferung als ein möglicher Anlass geeignet ist. Allerdings kann genauso gut angenommen werden, dass Putins Masterplan ohnehin die Eskalation in einen Atomkrieg ist oder blufft. Wir wissen es nicht.

Das Gebaren einiger Politiker finde ich nicht sonderlich hilfreich. Die Situation ist kein Brettspiel zur Unterhaltung gelangweilter Vorstädter in Einfamilienhäusern. Überall läuft alles auf Hochtouren. Die Nachrichtendienste, ihre Berichterstatter, Analysten, arbeiten Rund-um-Uhr. Ein Heer von hoch qualifizierten Beratern aus den militärischen Bereichen, den Think-Tanks, erarbeiten verschiedene Szenarien und versuchen zu ermitteln, wie man hierauf am erfolgreichsten reagieren kann. Wer glaubt, dass ein Kanzler oder andere Regierungsführer einsam und alleine ihre Ideen umsetzen, ist naiv. Dem normalen Volk sei dies zugestanden, aber nicht Politikern und schon gar nicht, die Manipulation für irgendwelche Machtspielchen. Keiner von den Gegnern Putins ruft ihn einfach mal an und reist ohne Absprachen nach Russland. Gleichsam trifft Deutschland die Entscheidung über die schweren Waffen nicht ohne Absprache mit den NATO-Partnern. Was wäre, wenn die für den Fall eines Übergriffs auf andere Staaten in den Vorhalt genommen werden? Jeder, der mal in einem Führungsgeschehen involviert war, weiß um die Rollenverteilungen. Eine pöbelt, ein anderer macht auf verbindlich, die nächste gibt die Verständnisvolle, alles orchestriert für ein gemeinsames Ziel. Wenn Scholz weniger Präsenz zeigt, wird dies Gründe haben.

Ich habe bei Putin einen Eindruck, der den Pazifismus gegenstandslos werden lässt. In meinen Augen ist er kein politisch denkender Mann, sondern mich erinnert er an einen Schwerkriminellen. Was wäre zum Beispiel, wenn er tatsächlich Anschläge initiierte, bei denen russische Bürger starben und die dann den Tschetschenen untergeschoben wurden? Was, wenn die Welt es bei Putin mit einem Psychopathen zu tun hat, der keinerlei Skrupel, Hemmungen oder irgendetwas in dieser Richtung empfindet? Da bleibt jedem von uns nur noch die spirituelle Sicht und die sich daraus ergebende Frage: Was lade ich auf mich, wenn ich töte?
Einem Politiker kann man mit Geld, Staatsbankrott, die Aussicht auf die Vernichtung des eigenen Volkes kommen. Doch was war z.B. mit Adolf Hitler? Der war vom Volk enttäuscht und kam zum Ergebnis, dass es dann auch keine Überlebensberechtigung hat. Es sind keine einfachen Zeiten angebrochen. Am Ende bleibt dem “normalen” Menschen nur das hilflose Zusehen und darauf zu hoffen, dass nicht das 8te Szenario [4]Das Ende der Welt oder: Das UnvorstellbareEin lang anhaltender Mehrfrontenkrieg bricht aus, der sich atomar hochschaukelt.Große Teile des eurasischen Kontinents und Amerikas werden … Continue reading eintritt.
Zumindest sollte man dies berücksichtigen.

Quellen/Fußnoten

Quellen/Fußnoten
1 Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, dtv-Verlag, 2014, S.57, der Rückschaufehler, engl. hindsight bias
2 Future War: 8 Szenarios über den Ausgang eines unvorhersehbaren Krieges, https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ ,
3 https://www.youtube.com/channel/UCSExr_QUT6h-4sGW5hGjrCA
4 Das Ende der Welt oder: Das Unvorstellbare
Ein lang anhaltender Mehrfrontenkrieg bricht aus, der sich atomar hochschaukelt.
Große Teile des eurasischen Kontinents und Amerikas werden verwüstet,
200 Millionen Menschen sterben sofort, weitere 300 Millionen an Hunger
und den Folgeschäden. Trotzdem stirbt die Menschheit nicht aus, Afrika
und Südamerika, China sowie die pazifischen Räume sind weitgehend
verschont geblieben. Im Jahr 2035 eröffnet Elon Musk die erste Aussiedler-Stadt auf dem Mars mit dem Namen Newkrainehttps://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ , abgerufen am 19.4.2022, 23:00 Uhr
April 5 2022

Gedanken über den Krieg

Lesedauer 12 Minuten

Militärische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich.

Groucho Marx
Komiker, Schauspieler, Satiriker

Mit dem Ukraine-Krieg wird wieder einmal ein Krieg geführt, der für die Betroffenen im Kriegsgebiet furchtbar ist, sich aber gleichzeitig in den Industriestaaten zum Unterhaltungsprogramm entwickelt. Was mit den Golfkriegen begann, findet seine weiterentwickelte Fortsetzung. Überall werden Bilder des Krieges gezeigt. Fliehende Menschen, Leichen, kämpfende Soldaten, Politiker und Kriegsherren, die ihre eigenen “Wahrheiten” verkaufen, sind überall im Fernsehen, im Netz und auf den Social Media Plattformen zu sehen. Dabei fallen mehrere Sachen auf. Der Ukraine-Krieg ist einer von mehreren Kriegen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart. Über keinen anderen wurde und wird in dieser Intensität berichtet. Alles, was dort in der Ukraine passiert, geschieht an anderen Orten ebenfalls. Allein schon der unterschiedliche Umgang mit den Fliehenden, ist auffällig. Augenscheinlich werden die aus Syrien und vom afrikanischen Kontinent kommenden Kriegsflüchtlinge anders aufgenommen und behandelt. Krieg ist ein Oberbegriff für Töten, Vergewaltigungen, Zerstörungen, Elend, Verstümmelung, Grausamkeiten, Traumatisierung über Generationen hinweg. Krieg muss seitens der Kriegsherren verkauft werden. Das Geschehen kostet Geld, fordert Menschenleben, hat langfristige Folgen und kostet ganze Völker das Ansehen.

Der spärlich behaarte Affe …

Seit die spärlich behaarten Primaten die Fähigkeit entwickelten, ihre Gedanken in für andere verständliche Laute codieren und so Mitteilungen weiter geben zu können, gibt es auch die Lüge, die Manipulation und die Propaganda. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass selbst Höhlenmenschen in Erzählungen aus einem erlegten hundsgroßen Raubtier einen Säbelzahntiger werden ließen. Oder vielleicht fanden sie einen Kadaver, brachen die Zähne heraus, um dann standhaft zu behaupten, einen Bären getötet zu haben. Nach und nach entstanden immer mehr Wörter. War es anfangs nur möglich, etwas Gesehenes zu benennen und es zu beschreiben, wurden immer kompliziertere Schilderungen möglich.

Ein Affe kann seinen Sieg über einen Konkurrenten lediglich durch gutturale Töne und einige Dominanzgesten kundtun. Eins hat sich allerdings seit dem Herabsteigen vom Baum und dem Verlassen der Höhlen grundlegend geändert. Abgesehen von der hinzugekommenen Fähigkeit, lang und ausgiebig davon zu berichten oder sich zu rechtfertigen, hat sich an diesem Verhalten nicht viel geändert. Heute noch gehen sich Männer wegen einer Frau gegenseitig an die Kehle oder töten den im Ehebett angetroffenen Nebenbuhler. Geschieht dies ad hoc, sind wir sogar bereit, dies als mildernde Umstände hinzunehmen. Die Fähigkeit des modernen Menschen, mit Worten das Handeln gegenüber anderen Mitgliedern der Spezies begründen, erläutern, sich selbst Rechtfertigungen zusammenreimen und diese kundtun, so wie nach dem eine Moral aufgestellt wurde, Be – und Entschuldigungen, formulieren, ist Teil dessen, was Tier und Menschen unterscheidet. Meiner Meinung nach ist das ein wesentlicher Aspekt. Ein Beutetier kann schlecht zu einem Rudel Löwen gehen und sich über die Tötung der Ehefrau beschweren. Ebenso ist es auf dem Affenfelsen dem Newcomer nicht möglich, unfaire Tricks des dominierenden Silberrückens bei einem Schiedsgericht anzumelden. Die Dinge sind für Tiere eben so, wie sie sind und regulieren sich alleine.

Der spärlich behaarte Affe ist ein Prädator und gleichzeitig Pflanzenfresser, der wenige Sachen besonders gut kann. Die Verwandten können besser klettern. Alleine hat er gegen eine Raubkatze, Wolf oder Bär keine Chance. Fliegen scheidet ganz aus, er ist nicht der beste Schwimmer und nach wenigen Minuten muss er zum Luftholen wieder auftauchen. Die Geschichte der Evolution hätte einen anderen Verlauf genommen, wenn da nicht die Sache mit dem gegenübergestellten Daumen, die ausgereifte Sprache und der damit verbundenen Möglichkeit der Kooperation, gewesen wäre. Wir sind nicht von der Speisekarte der anderen verschwunden, weil wir besonders gefährliche Gegner sind, sondern weil wir uns zusammentun, miteinander sprechen, Erfahrungen teilen und unseren Wissensstand nachfolgenden Generationen hinterlassen. Das sind die Eigenarten, die uns von den anderen unterscheiden. Wobei dies viele andere auch tun. Unter Umständen sind Delphine intelligenter als wir.  Aber sie können nicht stundenlang darüber reden. Sie waren nicht einmal in der Lage, sich eine eigene Bezeichnung zuzulegen, wie wir es taten. Weiser Mensch, Homo sapiens!

Ist der Krieg eine unüberwindbare Eigenart des Homo sapiens?

Manche sagen, dass Krieg unumgänglich Bestandteil der menschlichen Natur ist. Andere widersprechen dem vehement. Zumindest kann nicht geleugnet werden, dass Menschen Kriege seit mehreren tausend Jahren führen. Die Art und Weise der Kriegsführung richtete sich stets nach den vorhandenen Waffen. Die Brutalität und Bereitschaft anderen das Grausamste anzutun, was gerade möglich ist, war immer gegeben. Dann setzten sich Frauen und Männer zusammen und setzten Protokolle auf, in denen Kriege ein Regelwerk bekommen sollten. Sie ächteten nicht die Kriegserklärung an sich, aber wenn schon Zerstörung, gegenseitiges Abschlachten, bitte mit Regeln. Für mich eine Kapitulation und Zustimmung an die Fraktion, die Kriege für etwas Unausweichliches halten. Gleichzeitig ein Unterfangen, was nicht funktionieren kann. Wird im Menschen das Programm Krieg abgerufen, kommt ein furchtbares, bösartiges, intelligentes Raubtier zum Vorschein. Für mich ist das die Dualität des Menschen: Ein Tier mit einem Großhirn, welches ihm ermöglicht, das Animalische zu kontrollieren. Dessen sollte sich meiner Auffassung nach jeder bewusst sein. Krieg widerspricht den beiden herausragenden Fähigkeiten des Großhirns: Verstand und Vernunft. Und das beginnt für mich persönlich lange vor dem Ausbruch des Kriegs. Wer Waffen baut, entwickelt, perfektioniert, schafft die Voraussetzungen, damit ein Krieg überhaupt möglich ist. Es gibt auch die andere Position. Wer wehrlos ist, wird auf kurz oder lang überfallen werden. Auch hier zeigt sich das Tier. Ohne Verteidigungsstrategie wird man schnell aufgefressen oder kann sich nicht gegen Konkurrenten aus der eigenen Spezies durchsetzen.  

Die Waffensysteme konnten nur durch die besonderen Fähigkeiten des Menschen immer weiter entwickelt werden. Aber kann die Entwicklung von Waffen, mit denen alles Leben vernichtet werden kann, noch als verständig oder vernünftig bezeichnet werden? Stellt sich diese Frage Frage nicht bei all diesen Mordinstrumenten? Ich schreibe hier nicht von einem normalen Revolver, Pistole oder Jagdgewehr. Es geht um Bomben, die komplette Viertel dem Erdboden gleich machen. Sprengkörper, die der Umgebung den kompletten Sauerstoff entziehen. Geschosse die die Wände und Decken von Bunkern knacken, in denen Menschen Schutz suchen. Munition mit strahlenden Metallen gehärtet, damit sie auch noch die letzte Panzerung durchdringen. Container-Bomben, die kleinere Sprengsätze auf der Fläche eines Fußballfelds verteilen. Diese menschlichen Entwicklungen sollen zerfetzen, verbrennen, Gliedmaßen abtrennen, Hunderte auf einen Schlag töten. Außerdem sollen sie alle Hemmnisse ausschalten. Es ist ein großer Unterschied, ob ich jemanden im Kampf von Angesicht zu Angesicht erwürge, ersteche, erschlage oder ich ein paar tausend Kilometer entfernt mit einem Joystick eine Drohne steuere.

Nebelkerzen gehören zu den Waffen dazu.

„Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“

Kurt Tucholsky
Journalist, Kritiker, Schriftsteller, Satiriker

Eindringliche Anti-Kriegsfilme und Bücher haben eins gemeinsam. Sie entfernen den Schleier der Lügen. Im Krieg gibt es Regeln nur auf dem Papier. Die Realität sieht völlig anders aus. Die erste Lüge ist die Unterscheidung zwischen einer Zivilbevölkerung und regulär kämpfenden Soldaten. Soldat oder Soldatin sind Berufsbezeichnungen. Angehörige des Berufs wissen, wie man mit den Waffen Menschen tötet, verletzt oder verstümmelt. Im Zweifel wenden sie diese an, und zwar gegen Entgelt.
Im deutschen Strafrecht wird geprüft, ob jemand mit einer Handlung einen Tatbestand erfüllt hat. Ist dies der Fall, wird ermittelt, ob es für die Tat eine Entschuldigung gibt oder eine Rechtfertigung aus einem Gesetz abzuleiten ist. Wenn ein Polizist o. eine Polizistin mit der Dienstwaffe schießt, ist erst einmal ein Tatbestand erfüllt. Je nach der Folge kommen Körperverletzung mit allen Qualifizierungen oder im schlimmsten Fall der Totschlag in Betracht.

Danach werden die Aspekte Notwehr, Nothilfe oder Gesetze, die den unmittelbaren Zwang regeln, betrachtet. Bei Soldaten und Soldatinnen geben wir unter bestimmten Umständen das Töten und alle anderen nur erdenklichen Formen der Körperverletzung in Auftrag und bezahlen auch dafür. Ich weiß immer nicht, ob das jedem Zeitgenossen bewusst ist. In unserem Staatssystem drücken die in unser aller Auftrag und Bezahlung auf Knöpfe, infolgedessen etwas zerstört wird, Frauen, Männer, Kinder, ums Leben kommen. Diese Verantwortung an die Politiker und Politikerinnen abzuschieben, funktioniert in einer Demokratie nicht. Wer zur Wahlurne geht, sollte sich bewusst sein, dass dort auch über den obersten “Kriegsherren” entschieden wird und welche politische Ausrichtung im Falle eines Bundeswehreinsatzes bestimmend ist.

Ein weiterer Punkt dringt ebenfalls nicht ins Bewusstsein. Zumeist junge Männer und Frauen werden stellvertretend für alle in Ausnahmesituationen geschickt, in denen Dinge mit Menschen passieren, die sie verändern bzw. aus ihren inneren Tiefen und Abgründen hervorholen, was in jedem von uns steckt. Ich erinnere mich gut an den Aufschrei, als junge Bundeswehrsoldaten in Afghanistan mit Schädeln Fußball spielten. Dies wäre obszön, pietätlos, geradezu barbarisch. Scheinbar haben die alle nicht Apokalypse Now gesehen.

“Wir bilden junge Männer aus, um auf Menschen Bomben zu werfen? Aber ihre Kommandeure wollen ihnen nicht erlauben, das Wort “Fuck? auf ihre Flugzeuge zu schreiben, weil das obszön ist?

Colonel Kurtz
Apokalypse Know

Colonel Kurtz, gespielt von Marlon Brando, bringt es auf den Punkt, Dann gibt es im Krieg angeblich so etwas wie eine zu schützende Zivilbevölkerung. Wird sie dennoch involviert, spricht man von Kollateralschäden. Wer gehört dazu? Nach meinem Verständnis in einer Demokratie alle, die abgesehen von den Kindern, Soldaten/innen für einen Kampf beauftragten und bezahlten, aber nicht selbst Geld für das Kämpfen bekommen. In Diktaturen sieht es ein wenig anders aus. Da sind es alle, die nicht mit offiziellem Auftrag und Gehalt kämpfen. Wie viel die Bezahlung eines Krieges über das Gesellschaftssystem aussagt, kann hier nachgelesen werden:  “Wer die Bomben zahlt” – krautreporter.de
Nehmen Frauen und Männer ohne diesen “offiziellen” Auftrag Waffen in die Hand, werden sie zu Partisanen, Widerstandskämpfern, Guerilla-Kämpfern. Das finde ich auch ganz spannend. Die befinden sich immer in einer Notwehrsituation, verlieren aber den schriftlich formulierten Schutz, der offiziellen Kriegsteilnehmer. Ein regelgerechtes Verhalten wäre sich niedermetzeln oder vergewaltigen zu lassen, um dann in der Statistik entweder als “Kollateralschaden” oder Opfer von Kriegsverbrechen aufgelistet zu werden.

Kriegs|Verbrechen ist auch ein interessantes Wort. Töten, Verstümmeln, geht in Ordnung, solange die Regeln der Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen eingehalten werden. Da greift die Sache mit der Rechtfertigung über ein “Gesetz” bzw. Völkerrecht. Zum Verbrechen wird alles erst dann, wenn die Vorgaben überschritten werden. Doch die eingesetzten Waffen können trotz aller Elektronik immer noch nicht zwischen Zivil und bezahlten Soldaten unterscheiden. Bei der Wucht, die diese Waffensysteme haben, wird dies auch niemals funktionieren. Da hilft auch all die Propaganda nicht, bei der Aufnahmen, die wie aus einem Videospiel ausgeschnitten erscheinen, eine chirurgische Präzision suggerieren sollen. In meinem Denken ist der Begriff ein weißer Schimmel. Krieg ist immer ein Verbrechen!

Wenn die Sprache nicht korrekt ist, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte; wenn das Gesagte nicht das Gemeinte ist, dann bleibt das, was getan werden muss, unerledigt; wenn dies unerledigt bleibt, werden Moral und Kunst verfallen; wenn die Gerechtigkeit in die Irre geht, wird das Volk in hilfloser Verwirrung herumstehen. Es darf also keine Willkür im Gesagten geben. Das ist über alles wichtig.

Konfuzius
chinesischer Gelehrter

Der Krieg und wer ihn begann, ist eins. An den Grundlagen für Kriege an sich, sind viele beteiligt.

In jedem Krieg wird in “Guten Stuben”, Talkshows, Interviews, Proklamationen und politischen Reden darüber debattiert, wer denn nun wieder einmal die Käfigtür des Monsters geöffnet hat. Meist wird dabei in die Vergangenheit geblickt und ziemlich schnell melden sich die zu Wort, die es schon immer besser wussten. Ich würde sagen, alle, die nach 1945 nicht gemeinsam die Konsequenzen aus dem II. Weltkrieg zogen. Die Weltgemeinschaft hätte sich nach und nach auf eine Abschaffung aller Kriegswaffen einigen müssen. Zum Beispiel hätte man weltweit die Produktion neuer Waffen verbieten können. Sie folgten einer anderen Logik. Wer es sich leisten kann, muss sich so viel Waffen zulegen, wie es nur irgendwie geht, damit keiner auf die selbstmörderische Idee kommt, den anderen anzugreifen. Gleichzeitig verfolgte man die Taktik der Bündnisse, damit sich die Ärmeren ebenfalls schützen konnten. Wofür sie natürlich Gegenleistungen erbringen mussten. Irgendwie versäumte man es auch, den Krieg an sich zu verbannen. Man hätte ja auch beschließen können, dass egal wer auch immer einen Krieg anzettelt, der nicht vom Rest der Völkergemeinschaft gebilligt wird, ohne zu zögern, von allen gemeinsam auf den Deckel bekommt.

Das Konzept der Abschreckung ist gewaltig in die Hose gegangen. Dabei hätte man sich am Beispiel von Hitler orientieren können. Was passiert, wenn ein Diktator mit imperialen Großmachtvorstellungen und Handlungen, die solche Typen halt so machen, im Besitz der nuklearen Massenvernichtungswaffen kommt? Hitler hätte in aller Ruhe den Holocaust durchgezogen und niemand hätte ihn daran hindern können. Und eben genau diesen Plan hatte er mit all seinen Bestrebungen, eine Atombombe zu bauen und die auf der V2 zu installieren. Putin ist nicht Hitler, da fehlt noch einiges. Aber er ist ein Diktator mit imperialen Vorstellungen. Und nun? Im Ergebnis stehen wir kurz vor einem III. Weltkrieg, der noch übler ausgehen dürfte, als die beiden anderen. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass Milliarden von den Entscheidungen sehr weniger Menschen abhängig sind.

Mir ist die Rhetorik, in der die Expansion der NATO, das Verhalten der westlichen Industriestaaten, in die aktuelle Lage geführt haben, zuwider. Am konkreten Geschehen in der Ukraine gibt es nur Schuldige aus Russland. Nämlich den Diktator Putin mit samt seinen Generälen und Gefolgsleuten. Alles andere würde jeden Gewalttäter rechtfertigen, der sich auf eine verbale Provokation seines Opfers beruft. An den Grundlagen, dass solche Kriege immer wieder stattfinden können, haben weltweit alle industrialisierten Staaten mitgewirkt. Da hängen, bis auf wenige Ausnahmen, alle mit drin. Insgesamt gibt es 25 Staaten ohne Militär. Die meisten davon verlassen sich auf den Schutz eines großen Partners. Bemerkenswert ist Panama, wo 1990 das Militär abgeschafft wurde. Übrig geblieben ist eine nicht wirklich ernst zu nehmende paramilitärische Polizeitruppe.

Teilweise wird auch debattiert, wozu denn der Überfall Russlands die Ukraine rechtfertigen würde. Meiner Meinung nach zu allem, was drin ist. Für mich ergibt sich dies aus der Notwehrsituation. Wenn mich jemand zusammenschlägt, kann ich mich mit allem wehren, was sich irgendwie machen lässt. All das Gefasel über Nationalsozialisten ist vorgeschobener Humbug. Bewegungen, die dieser und der Bezeichnung Faschismus gerecht werden, gibt es in unterschiedlicher Menge überall. Selbst in Russland treiben sich davon genug herum. Und nur, weil sich der Diktator Putin in einem Land befindet, welches einer gewissen Folklore folgend, als kommunistischer Staat bezeichnet wird, ist er noch lange kein Faschist. Mich erinnert er immer an Führungsfiguren aus der Organisierten Kriminalität. Hätte ihn das Leben nicht zum KGB und über dieses Sprungbrett in die “Politik” verschlagen, hätte er mit Sicherheit eine einflussreiche Figur in der Tambow-Bande, russisch: Тамбовская преступная группировка, werden können. Wobei nie ganz sicher geklärt wurde, ob er nicht tatsächlich der politische Arm der Verbrecherorganisation ist. Zumindest sprechen dafür seine Verbindungen zu  Gennady Vasilyevich Petrov (Mit dem Link, verschaffe ich mir eine Menge Freunde und Zugriffe aus Russland! ;-)) Allerdings ist “politischer Arm” eine deutsche Denkweise. Der alte KGB und seine Nachfolgeorganisationen arbeiteten schon immer mit den Kriminellen zusammen. Westliche Dienste tun dies auch, aber mit Auflösung des “Ost-Blocks” nahm das bei den Russen nochmals eine ganz eigene Dynamik auf, die jedem/jeder Ermittler/in ab 1990 bei den für Russen OK zuständigen Landeskriminalämtern den Atem stocken ließen. Ohne mich in Ferndiagnosen zu ergehen, kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass unsere Denkmuster bei russischen Mitgliedern der Organisierten Kriminalität scheitern.

Philosophie des Krieges

Der Krieg selbst und alles, was sich darum herum rankt, ist immer auch eine Frage der Lebensanschauung. In meiner gibt es keinen gerechten und auch keinen sauberen Krieg. Erst recht nicht nach 1945. Hierbei unterscheide ich zwischen denen, die einen Krieg beginnen und denen, die sich wehren. Ist das Monster aus dem Käfig heraus, kann es niemand mehr kontrollieren. All die Überlegungen, Traktate, Philosophien, die um das Thema Krieg herum gestrickt wurden, haben für die aktuelle Zeit keinerlei Geltung mehr. Es gibt in unserer Epoche keine Samurai mit einem Ehrenkodex, edle Krieger, über die Lieder und Dichtungen verfasst werden. Selbst früher waren die eher mit Skepsis zu betrachten. Ich erinnere immer wieder an die über 2000 Jahre zurückliegende Geschichte des Königs Ashoka. Trotz aller anzunehmenden Verfälschungen, ist ein gewisser authentischer Kern anzunehmen. Zu seiner Zeit kämpften die Herrscher noch selbst im Getümmel. Etwa im Alter von 40-Jahren zog er mit seiner Armee gegen die Stadt Kalinga und ließ sie schleifen. Nach der Schlacht sah er, was seine Armee angerichtet hatte. 100.000 starben im Kampf oder wurden nachträglich in der Stadt abgeschlachtet. Weitere 150.000 flüchteten aus der Region. Ashoka war hiervon so geschockt, dass er alles auf den Kopf stellte und sich dem Buddhismus zuwandte.

Doch muss man meiner Auffassung nach auch hinnehmen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Chance bestand über alles zu reden und andere Wege einzuschlagen. Das Tier hat gewonnen und die Vernunft, Verstand, Bewusstsein, haben verloren. Das Monster ist frei und wütet mit immer größeren Hunger. Was bleibt, sind sehr individuelle Entscheidungen. Kämpfen oder nicht kämpfen? Mache ich den Krieg zu meinem Krieg?

Wenn die Reichen Krieg führen, sterben die Armen!

Jean-Paul Sartre
Französischer Existenzialist

Sartre führt zum Thema Freiheit aus, dass jeder die freie Wahl hat. Selbst der Soldat kann sich dem Krieg durch Desertieren oder Suizid entziehen. Ja, wir leben in einer Demokratie mit sehr vielen Freiheitsrechten. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ein potenzieller Krieg, in dem Deutschland involviert wäre, ein Angriff auf die Demokratie ist. Ich befürchte, dass es um ganz andere Dinge geht. Tatsächlich geht es um Systeme, Verteilung der Ressourcen und Sichern von Notwendigkeiten, die sich aus der Klimakatastrophe ergeben. Die bisherigen Wirtschaftszahlen deuten darauf hin, dass diverse Branchen am Krieg sehr gut verdienen. Die Einschränkungen und Verluste bleiben im unteren Drittel der Bevölkerung hängen. Das beschlossene Rüstungspaket dürfte bei einigen deutschen Firmen Partystimmung ausgelöst haben.

Mich stören die beinahe schon dummdreisten Verlautbarungen. Deutschland ist eingebettet von Nachbarstaaten, die allesamt der NATO angehören. Kommt es im Zuge der Auseinandersetzungen zu einer Beteiligung der NATO, müssen wir zwingend von nuklearen Schlägen ausgehen. Da hilft kein “Iron-Dom” über Berlin, keine Flugabwehr oder sonst irgendetwas. Deutschland liegt bei Waffenexporten auf Platz 5 der Weltrangliste. Darüber hinaus sind deutsche Firmen maßgeblich an der Entwicklung neuer Waffensysteme beteiligt und entsenden diverse Einzelkomponenten, mit denen dann in fremden Ländern innovative Waffen zusammengebaut werden. Nur bei der Bundeswehr ist nicht viel hängengeblieben. Es ist halt lukrativer, das Zeug zu verkaufen, als im Land zu belassen. Noch beschränkt sich alles auf eine konventionelle Kriegsführung. Aber auch wenn ich ein Laie bin, frage ich mich, wo Russland sonst noch konventionell Krieg führen will. Vor allem, wenn dann die Bundeswehr zusammen mit anderen NATO – Kräften eingebunden ist. Die haben jetzt mal eine Zahl herausgehauen, die gut bei der aufgepeitschten Bevölkerung ankommt und einige Aktionäre entzückt. Völlig außer Acht lassen will ich nicht die Bundeswehrfetischisten. Eine Gruppe mit interessanten Persönlichkeitsstrukturen. Sie ziehen darüber eine Menge Anerkennung, Identität und leben ihren autoritären Charakter aus. Früher sagte man, dann sind sie von der Straße weg und machen keinen Unsinn. Aber dieser Truppe für 100 Milliarden Spielzeug zu kaufen, halte ich für übertrieben. 

Die ultimative Entscheidung steht an, wenn sich die NATO dazu entschließt, in irgendeiner Form konventionell einzuschreiten. Putin kann dann feststellen, dass er zu hoch gepokert hat und den Rückwärtsgang einlegen muss oder er greift auf sein letztes Mittel zurück. Nun, dann wird es in Berlin ganz kurz sehr hell und keiner muss sich mehr Gedanken machen.


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Dezember 13 2021

1312, ACAB, das T – Shirt zur Inszenierung

Anarchie im Alltag Lesedauer 5 Minuten

Als ich heute am 13.12. Twitter öffnete, dauerte es einen Augenblick bis ich begriff, warum sich die einschlägigen Accounts benahmen wie ein wütender Hornissenschwarm. 1312, die Ziffernfolge für das Akronym ACAB, “All Cops are Bastards”. Es hat eine lange Geschichte. Es soll 1920 erstmals aufgetaucht sein, später von revoltierenden Arbeitern benutzt worden sein, dann als Knast Tattoo – Karriere gemacht haben, bis es irgendwann mal in der Autonomen Szene ankam. Spätestens dort war das Motto nur noch der T-Shirt Aufdruck zu urbanen Spielereien. Ein ähnliches Schicksal wie es dem stilisierten Bild von Commandante Che Guevara widerfuhr. Zeitweilig schafften es auch Angela Davis und Sacco&Vanzetti auf die Brüste der modebewussten Wohlstandskinder. Tja, es ist nicht einfach dem Prinzip des Kapitalismus zu entkommen. Alles wird zur Ware, einem Produkt, was sich zu Geld machen lässt. Es macht auch keinen Halt vor den schärfsten Gegnern, die prompt darauf hereinfallen. Keine urbanen Kampfspiele zwischen der Polizei, den Autonomen, der “linken” hedonistischen Jugendbewegung, selbsternannten Kämpfern für eine bessere Zukunft ohne das passende Outfit, die richtigen Symbole und angesagten Wortschatz.

Spiele sind wiederkehrende Szenarien, mit immer gleichen Ablauf, festgelegten Mitspielern und ihren Rollen, sowie Spielregeln. Die urbanen Kampfspiele bringen nur eins: die Verabredung zu einem neuen Spiel. Sie sind leer und haben einen Selbstzweck. Seit den 80ern steht dieser Quatsch auf der Stelle. Niemand, weder die Polizei noch die andere Seite haben irgendwelche Ergebnisse vorzuweisen. Die großen Kämpfe “Startbahn – West”, “Brokdorf”, “Wackersdorf”, “Mutlangen”, wegen meiner auch die Proteste gegen “Reagan”, die Republikaner”, waren Anlassbezogen und führten, we manchmal zu kleinen Erfolgen oder wenigstens zu einer Debatte. Mal ganz abgesehen von den Studentenprotesten in Frankreich und Deutschland in den Jahren ’67 – ’69.

Sie tragen, oft gar nicht günstige schwarze Hoodies, Motto – Shirts, Regenjacken von etablierten Konzernen, die den Outdoor – Bedarf bedienen, gern auch vom sächsischen Rentner bei einer Pegida – Demo getragen wird, schwarze Schuhe von teuren Marken. Die wenigen letzten Punks haben da nichts zu bieten, wobei sich unter ihnen auch noch einige befinden, die sich die Bezeichnung “Kaufhaus – Punk” gefallen lassen müssen. Vielfach ist es kein gesellschaftlicher Ausstieg, sondern eher einer aus dem kompletten Leben. Warum auch nicht? Die Freiheit hat jeder. Doch dies hat nichts mit Kampf, Botschaft oder dem Willen zu einer Veränderung zu tun. Genau genommen sind sie nur Opfer des Kapitalismus und einem System, doch beides schert sich einen Dreck um sie.

Etwas geht kaputt? Irgendwer wird es reparieren und damit Geld verdienen. Ein Fahrzeug brennt? Prima, bei VW, Opel, Daimler, stehen die Höfe voll. Eine Bank wird entglast? Hierfür gibt es Steuerabschreibungen. Die Polizei braucht neue Ausstattungen? Da reiben sich die Hersteller die Hände und die Konjunktur freut sich. Alarm auf der Straße? Dies freut den rechtskonservativen Politiker und die PR Strategen.

In den Pausen zwischen den Spielen zerlegen sich am liebsten alle gegenseitig oder schielen argwöhnig auf die “Kids”, die gegen die weltweite Klimapolitik demonstrieren. Die haben in ihren Augen gar nichts verstanden. Erst einmal mit den “Spielen” den Kapitalismus überwinden, der ursächlich ist. Den Bullen zeigen, welche komischerweise immer nachwachsen, wo der Hammer hängt. Dabei ist korrekt, dass die “Kids” längst vom Kapitalismus eingeatmet wurden. Ein paar Einladungen, Sympathiebekundungen seitens des Establishments, leere Versprechungen und schon sind sie Girlanden, die alles ein wenig schöner und ökologischer aussehen lassen. Mich ärgerte bei der Causa “Pressesprecherin der grünen Jugend” nicht ihre Aussagen über “Weiße”, sondern vielmehr die Diffamierung der engagierten Jugendlichen bei Fridays for Future. Machiavelli! Wenn ich in Sachen Klima etwas reißen kann, ist mir egal, mit wem und woher es kommt.

Krieg, Kampf, Revolution, Kritik, als Selbstzweck, dient nur denen, welche den Support, die Logistik und restlichen Mittel stellen. Ich muss wissen, wo ich hin will und einen Plan für den Fall haben, dass ich als Sieger hervorgehe. Weiterhin benötige ich die Leute, die hinter meiner Idee und Zielen stehen. Ja, ein starkes Symbol, welches alle einigt, kann dabei hilfreich u.U. motivierend wirken. Die Geschichte bietet da einige Beispiele.: Vom Hakenkreuz der Nazis, der schwarzen Flagge der Anarchisten, die Faust der Kommunisten, bis zu Hammer und Sichel, usw. Man sollte sich dabei aber immer des Risikos bewusst sein, dass dies schnell von der Pop – Kultur übernommen wird und sich die Wirkung damit erledigt hat.

So sehr ich 1 % Rocker MC verabscheue (die nebenbei auch ACAB T – Shirts tragen) muss man ihnen eins lassen. Den Schutz ihrer eigenen Symbole ziehen sie durch. Niemand sollte auf die Idee kommen, mit den falschen Hells Angels Symbolen am falschen Ort aufzutauchen. Da verstehen die, eben sowenig wie Gremium oder Bandidos u.a., Spaß. Vielleicht ist dieses ACAB, mit seinem Weg über Arbeiter aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, in die Zellen hartgesottener Krimineller, zu den Autonomen, ein Symptom dafür, wie verloren diese Szene eigentlich ist. Für die anstehenden Aufgaben der kommenden Zeit haben sie nichts anzubieten. Eher sind sie eine Folgeerscheinung der implodierenden Wohlstandsgesellschaften. Sie vermögen es nicht, eine ernstzunehmende politische Kraft auf die Straße zu bringen, noch sind sie in der Lage, der Macht auch nur minimale Blessuren zu verpassen. Eher im Gegenteil! Sie treiben ein verschrecktes Bürgertum vor sich her, welches genau in die falsche Richtung rennt. Es ist nicht einmal der Fall, dass sich deshalb die Staatsmacht demaskiert oder die Bürger sich unmerklich einer an sich gewollten Freiheit berauben. Das übernehmen die religiös motivierten Attentäter oder die rechte Szene. Die RAF folgte dem anarchistischen Weg “Propaganda der Tat”. Wenn die Machtinhaber unsere Leute umbringen, zahlen wir es zurück, damit sie merken, wie trügerisch ihre Sicherheit ist. Das funktionierte nicht und wurde seitens der Anarchistischen Bewegung beendet.

Insgesamt finde ich dies alles bedauerlich, weil einst etwas angestoßen wurde, auf dessen Basis mit Lerneffekten ein Weg dagewesen wäre. Rudi Dutschke forderte den Weg durch die Instanzen. Er übersah, was mit den Leuten dabei geschieht und wie intensiv das Hierarchieprinzip auf die Leute einwirkt. Gut, dann halt eine intellektuelle externe Auseinandersetzung mit überlegten Angeboten an den richtigen Stellen, wie es zum Beispiel der Amerikaner Saul D. Alinsky forderte oder spanische Libertäre umsetzen. Kleine Enklaven, die gut positioniert auf immer größer werdende Regionen wirken und vermögen eine Transformation einzuleiten, weil die Konzepte für die Bürger attraktiv sind. Hierzu gehört auch eine Sprache, die allgemein verständlich ist. Mit soziologischen Kauderwelsch erreiche ich Studenten der Soziologie oder Insider, aber nicht die breite Masse. Die ’68er, inklusive derjenigen, die sich später radikalisierten, hatten immer die Lebensrealität der “normalen” arbeitenden Bevölkerung vor Augen. Zugegeben, war spätestens mit dem Eintritt in den Untergrund vieles kaum noch verständlich, aber dies hatte psychologische Gründe.

Die Familien in den Plattenbausiedlungen, den Hochhaussiedlungen, sozialen Brennpunkten, “freigesetzte” Arbeiter/innen, die vom Umbruch durch die Digitale Revolution Betroffenen, die, welche Familien zu ernähren haben oder die mannigfaltigen aktuellen und kommenden Opfer der Klimakatastrophe, diejenigen, welche sich am finanziellen und sozialen Abgrund befinden, haben mit den Trägern von “ACAB” Shirts wenig zu tun. Ich befürchte, mangels Alternativen, werden sich davon immer mehr dem rechtskonservativen bis klar rechtsextremistischen Spektrum zuwenden. Daran ändert auf lange Frist auch nichts die aktuelle Regierung.

Die eigentliche Aussage, alle Polizisten sind Bastarde, ist mir persönlich vollkommen egal. Da wo sie mal entstand, kann ich sie sogar nachvollziehen. Bei den heutigen Verwendern ist es in der Mehrheit ein Statement dazu, wo man sich selbst zugehörig fühlt. “Anti” – Antifaschismus, Antikapitalismus, Antirassismus, … Viel spannender ist: “Du hast mir jetzt gesagt, wogegen Du alles bist. Gut, geschenkt! Erzähl mal von Deinen Vorstellungen. Wo soll die Reise denn hingehen? Alternativen? Aufgabe von Besitz und Eigentum? Stoppen der Propaganda durch Übergabe der der Sozialen Medien an die Gesellschaft? Auflösung der Polizei? Wie gedenkst Du mit den Folgen umzugehen? Selbst in einer idealen anarchistischen Gesellschaft werden manche Delikte bleiben. Triebtaten? Mord? Diebstahl? Umgang mit Personen aus anderen Gesellschaften? Neidern? Psychopathen?” Meistens kommt hierzu nur heiße Luft oder die Aneinanderreihung soziologischer Phrasen. Da sind Länder, in denen sich Leute notgedrungen nahezu anarchistisch organisieren müssen, weil sich der offizielle Staat verselbstständigt hat oder durch Abwesenheit glänzt, deutlich weiter. In Favelas, diversen Slums, aber auch in Staaten, wo staatliche Regelung mittels Zahlung erkauft werden muss, gelten andere Regeln. Keine Ahnung, ob ACAB Shirt -Träger/innen dort klarkommen. Ich habe da meine Vorstellungen. Nicht alles ist dort schlecht. Es gibt auch die positiven Beispiele von kleinen selbstorganisierten Gemeinden, in denen die Kriminalität kaum ein Thema ist. Aber das ist harte Arbeit, viel Kommunikation, Selbstdisziplin, Empathie und aufeinander zu gehen. Mit Parolen ist da kein Blumentopf zu gewinnen.

Oktober 20 2021

Anarchismus, ein böses linksextremes Gespenst?

Lesedauer 9 Minuten

Ich behaupte mal eine ganz gute schulische Ausbildung erfahren zu haben. Vieles, was ich später in der Ausbildung meiner Töchter vermisste, war bei uns noch enthalten. An meinem Gymnasium, auf dem Papier alt – humanistisch, weil Latein und Alt – Griechisch angeboten wurde, gab es eine spannende Mischung stockkonservativer Lehrer und Restbestände der 68er. Im Leistungskurs Politische Weltkunde ging es oftmals hoch her und es wurde durchaus kontrovers diskutiert. Eine Besonderheit war unsere Schülerzeitung, die 2021 jeden Verfassungsschützer auf den Plan rufen würde. Aber ein Thema kam meiner Erinnerung nach, außerhalb der Schülerzeitung, nie zum Tragen. Die Geschichte des Anarchismus ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Lediglich der Spanische Bürgerkrieg mit dem Schwerpunkt der Rolle der deutschen Nationalsozialisten nahm wenige Stunden ein. Es erschöpfte sich mit Guernica, Pablo Picasso, Legion Condor, mehr war da nicht. Ich kann mich weder an eine Behandlung der Mexikanischen Revolution, noch an die Unruhen in den USA, die Vorgänge um Sacco und Vanzetti oder die Internationalen Brigaden in Spanien, inklusive Pariser Kommune, Barcelona, erinnern. Ich hörte auch nie etwas über die Motive der anarchistischen Bewegung “Propaganda der Tat” oder was hinter den anarchistischen Anschlägen auf Könige, Adlige und Regierungsvertreter stand, geschweige, was unter einem “Anarchosyndikalismus” zu verstehen ist. Ebenso nichts über “Anarchistische Banden” in Frankreich und was deren Mitglieder antrieb. Individualist, Illegalist, Anarcho – Syndikalist, Plattformist, christlicher Anarchist, Anarcho – Primitivist, keine dieser Bezeichnungen mit samt der dazugehörenden Haltungen und Personen, waren zu keiner Zeit ein Thema.

Ohne jemanden böse Absichten unterstellen zu wollen, lief es auf eine zahme, aber vorhandene kritische Betrachtung des Kapitalismus und dialektische Auseinandersetzung mit dem Kommunismus hinaus. Auf dem Niveau des Unterrichts wäre z.B. durchaus eine kurze Erwähnung der Auseinandersetzung zwischen Bakunin und Karl Marx mit der späteren Folge der Spaltung der ehem. Internationale möglich gewesen. Sei es, dass die Lehrer und Lehrerinnen selbst nichts darüber wussten oder es der vorgegebene Lehrplan einfach nicht hergab, es wurde ausgeblendet. Dabei lässt sich die jüngere Geschichte der BR Deutschland nur verstehen, wenn man wenigstens die Grundzüge der anarchistischen Bewegung kennt. Ohne sie bleibt die Geschichte der RAF, der Deutsche Herbst, vollkommen unverständlich.

Ich hätte damals auch um einiges besser die “Russische Revolution” und die spätere Entwicklung der Sowjetunion verstanden. Von einem Machnow, der eine anarchistische Armee anführte, den Bolschewiki zur Seite sprang, während Lehnin längst die Politik verfolgte, alles jenseits der Bolschewiki auszuschalten, erfuhr ich erst lange nach der Schulzeit. Auch, dass Trotzki alles dran setzte, die Anarchisten auszumerzen, und dann zusammen mit Lehnin so ziemlich alles aufbaute, aber nicht den seitens der Anarchisten geforderten libertären Kommunismus, folgerichtig die Anarchisten nach dem Sieg der Roten Armee über die anarchistische Armee in der Ukraine, Kronstadt und die Machnowschtschina Truppen in Sewastopol (Schwarze Flagge mit weißem Totenkopf) in Gefängnissen verschwanden oder gleich hingerichtet wurden, begriff ich viel später.
Kapitalistischen Machthabern konnte dies nur recht sein. Bis heute packen sie alles in eine große Schublade mit der Aufschrift: “Nicht öffnen, böser Dämon Kommunismus!” Drinnen prügeln sich Marxisten, Maoisten, Stalinisten, Trotzkisten, Bolschewisten und eben die zahlreichen Facetten des Anarchismus. Richtig absurd wird es spätestens, wenn das heutige Russland als kommunistischer Staat statt als Staatskapitalismus bezeichnet wird. An dieser Stelle denke ich auch an die Unterstützung, die Franko im spanischen Bürgerkrieg seitens Stalin erhielt. Ich glaube, einigen Zeitgenossen, die sich in Deutschland als Linke bezeichnen, täte die Auseinandersetzung mit diesem geschichtlichen Verlauf auch ganz gut.

 

Verfolge ich die aktuellen politischen Statements innerhalb Deutschlands, scheint es mir nicht alleine so zu gehen. Auffällig finde ich dabei, dass in Griechenland, Spanien, vornehmlich in den alten Hochburgen Galicien, Katalonien, Baskenland, Frankreich, mit dem Anarchismus völlig anderes umgegangen wird. Mit einer gewissen Böswilligkeit könnte man unterstellen, dass dies auch durchaus gewollt ist. Vielleicht geht es ja tatsächlich, frei nach Proudhon formuliert, immer um den Kampf zwischen Hierarchie und Freiheit. Mich muss man diesbezüglich nicht überzeugen.

Die geschickteste Taktik ist es, sich mit dem Denken des Gegners auseinanderzusetzen. Der 8-stündige Arbeitstag, Urlaub, Gewerkschaften, Gemeinschaftseinrichtungen, soziale – u. gesundheitliche Absicherung der Arbeitenden, Abschaffung der Todesstrafe und das Streikrecht, Wahlrecht für alle, Gleichberechtigung der Frauen, waren von Anfang an grundlegende Forderungen der Anarchisten. Mit dem gesteuerten Entgegenkommen gelang es den oberen Positionen in der Hierarchie ihr Level beizubehalten und den Anarchisten sozusagen das Wasser abzugraben. Denen weiter unten geht es ein wenig besser und sie finden sich mit der immer noch bestehenden Ungerechtigkeit ab. Ab jetzt ist die Kritik mit dem Begriff “Neid” diffamiert.

Seit über 100 Jahren werden Anarchisten, diffamiert, inhaftiert, zusammengeschossen oder hingerichtet. Sie kämpften gegen den Ku-Klux-Klan, Großgrundbesitzer, gnadenlose Industrielle, gegen die hässlichste Erscheinungsform des Kapitalismus, den Faschismus, dennoch finden sie in Deutschland heute kaum eine Beachtung. Ist es doch der Fall, dann lediglich mit der Einordnung in die Schublade Linksextremismus und autonome Gruppen. Ein bemerkenswerter Umstand, wenn man die feministischen, anti – rassistischen, anti – militaristischen und pro – Arbeiterrechte Forderungen bedenkt. Seitens des medialen Mainstreams und staatlicher Institutionen wird mehrheitlich die alte Rhetorik gefahren, in der stets die “Propaganda der Tat” (u.a. in Verbindung mit der Stadtguerilla u. RAF) eine Rolle spielt oder es wird an Ängste wie Sicherheits – u. Ordnungsverlust appelliert.

Die Propaganda der Konservativen, der politischen Elite, der Bourgeoisie und dem Kapital, ist in Bezug auf den Anarchismus ein großes Thema. An einem Beispiel fiel mir dies besonders deutlich auf. Ganz aktuell im zurückliegenden Geschehen vor der Wahl wurde wieder einmal das angebliche Zitat:

“Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.”

bemüht. Der Zitatforschung nach (u.a. hier nachzulesen https://quoteinvestigator.com/2014/02/24/heart-head/) stammt es nicht von Churchill und auch nicht, wie populär (u.a. in diversen Zeitungen, so auch in der ZEIT) von George Clemenceau. Aber es gibt bei Clemenceau eine Geschichte, die passend sein könnte. Nachdem, was ich über ihn gelesen habe, muss der Mann bei seinen Entscheidungen recht radikal vorgegangen sein. In der Grundtendenz sympathisierte er mit den Anarchisten (sonst hätte er beispielsweise nicht Emile ZOLA unterstützt) und hatte für die Konservativen seiner Zeit, wenig übrig. Trotzdem scheute er sich nicht, den Protest von Bergbauarbeitern mit Militär niederschlagen zu lassen. Dieser richtete sich gegen die Betreiber einer Mine, in der ein Brand ausbrach und versiegelt wurde, obwohl noch Leute unter Tage waren. Aber ich fand keine Quelle, in der deutlich wurde, warum er sich dazu entschloss. Anarchist heißt nicht irrational zu handeln oder gewaltfrei zu leben. In der Geschichte stürmt ein Mann in sein Büro und teilt Clemenceau empört mit, dass sein Sohn den Kommunisten beigetreten ist. Dieser soll geantwortet haben: “Mein Herr, mein Sohn ist 22, wenn er nicht den Kommunisten beiträte, würde ich ihn ablehnen. Ist er mit 30 immer noch dort, werde ich es tun.”

In 1944 the industrious anecdote collector Bennett Cerf presented an entertaining tale featuring Georges Clemenceau:

An excited supporter burst into the private chambers of the old tiger Clemenceau one day and cried, “Your son has just joined the Communist Party.” Clemenceau regarded his visitor calmly and remarked, “Monsieur, my son is 22 years old. If he had not become a Communist at 22, I would have disowned him. If he is still a Communist at 30, I will do it then.”

Quelle: https://quoteinvestigator.com/2014/02/24/heart-head/

Was bedeutet diese Aussage aus seiner Perspektive in seiner Zeit? Zu seiner Zeit bestand zwischen Kommunisten und Anarchisten ein heftiges Spannungsfeld. Er sagte diese Worte nicht aus der Sicht eines Konservativen, sondern aus der Sicht eines dem Anarchismus seiner Zeit aufgeschlossenen Mannes. Dies ergibt ein völlig anderes Bild, als es seitens deutscher Konservativer gezeichnet wird.

Ein weiteres Stilmittel der Propaganda ist für mich die Verallgemeinerung, bei der völlig undifferenziert die Begriffe “extrem” und “radikal” verwendet werden. Im Ursprung ging es um die Überwindung der autoritären Strukturen der Monarchie. Später um die Autorität einer Regierung, einer politischen Elite oder einer faschistischen Diktatur. Noch weiter heruntergebrochen, um die Überwindung hierarchischer Machtstrukturen, hin zur Selbstorganisation der Bürger mit einer Bestimmung von unten nach oben, also einer Umkehr. Wie dabei vorzugehen ist, wird seit den Ursprüngen heftig diskutiert. Innerhalb dieses Zeitraums, gab es immer wieder völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Extrem und radikal zu betrachten funktioniert nur mit einem Bezugspunkt. Widerstandskämpfer im Dritten Reich waren unter diesem Gesichtspunkt “Linksradikale”, genauso wie die Anarchisten der Spanischen Republik. Sie griffen zu extremen Mitteln (Waffengewalt), um sich gegen die zu wehren, welche die maximale Autorität (ebenfalls extrem) eines faschistischen Regimes favorisierten.

Extrem/radikal steht dialektisch “gemäßigt” gegenüber. Stelle ich mir dies alles auf einer Strecke vor, habe ich die Eckpunkte “Absolute Autorität” und am anderen Ende “Absolute Freiheit”. Wobei absolute Autorität einfach zu definieren ist, als der Freiheitsbegriff, der aus der Natur der Sache heraus im Zusammenleben seine Grenzen erfährt. Gemäßigt ist dann ein wenig Zustimmung in Richtung Autorität mit Zugeständnissen an die Freiheit der Bürger. Bei diesem Modell ständen sich Konservative und Marxisten sehr nahe, während die Anarchisten sich weit dem anderen Eckpunkt annähern würden. Wie sehr die Marxisten die Anarchisten ablehnen, lässt sich am ehesten mit einem Artikel beschreiben, den ich letztens in einem Buch mit dem Titel: Philosophisches Wörterbuch, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1965, fand, beschreiben. Unter Anarchismus steht dort:

Anarchismus |griechisch| – kleinbürgerliche pseudo – revolutionäre Ideologie, die jede gesellschaftliche, vor allem staatliche Organisation und Autorität ablehnt und in extrem individualistischer Weise nur die Willenshandlungen der Einzelpersönlichkeit, anerkennt.

Es folgt eine seitenlange Abhandlung, die irgendwie versucht den Bogen zu bekommen. Deutlich kürzer könnte man sagen: Du sollst keinen Gott neben der KP oder im Falle der DDR, neben der SED haben. Nur bewiesen die Kommunarden der Pariser Kommune, die Spanier während der Spanischen Revolution und die Teilnehmer der Mexikanischen Revolution, dass diese Aussage unhaltbar war und immer noch ist. Freiheit ist, was nicht unbedingt dem Namensgeber Karl Marx anzulasten ist, nicht das Ding von Marxisten. Obwohl es zu der Spaltung der I. Internationalen passt, während derer Bakunin die Antiautoritäre Internationale ausrief, passt. 

Immerhin dauert die Diffamierungspropaganda ausgehend vom Kapital und den Kommunisten (Marxisten) schon über 100 Jahre an. Es ist nachvollziehbar, dass sie fest in den Köpfen verankert ist. Ich habe nicht einmal ansatzweise den Anspruch ihr entgegenzutreten, mir genügt vollauf den eigenen Kopf befreit zu haben.

Bei einer Tagung wurde der US -amerikanische Linguist Noam Chomsky und sich selbst als Libertärer Sozialist (Unterform des Anarchismus) mit Sympathien für den Anarchosyndikalismus gefragt, was denn dieser Anarchismus eigentlich wäre. Chomsky bezeichnete ihn als eine Form des menschlichen Denkens, die keine Ideologie ist, sondern Teil der menschlichen Natur ist. Immer wenn eine Person, Institution, Macht ausübt, Weisungen erteilt, bedarf es einer Legitimation hierfür. Demokratische Wahlen können ein Mittel sein. Fraglich ist jedoch, wie es mit der Realität aussieht. Hierzu vertritt Chomsky die Position, dass seitens der politischen Elite eine Desinformation der Bevölkerung praktiziert und beim Wähler das Irrationale erweckt wird.

Er und andere Philosophen sprechen davon, dass wir mittlerweile im Zeitalter des Anthropozän, dem vom Menschen selbst gestalteten, leben. Yuval Noah Harari beschreibt hierzu passend den Wechsel des Homo sapiens zum Homo deus, der durch biologische, genetische und digitale Eingriffe, die “Schöpfung” beeinflussen kann. Auch dies bedarf Entscheidungen. Zum Beispiel stellt sich die Frage: Was und in welchem Umfang wollen wir davon?
Ist es ratsam, dies einer kleinen Elite zu überlassen, die über die Mittel verfügt, die Ratio auszuschalten? Zumal innerhalb der kommenden Jahre die Situation entstehen wird, dass sich Vermögende biologische und genetische Eingriffe leisten können, während große Teile der Erdbevölkerung mit anderen Sorgen zu kämpfen haben. Wir koppeln die Macht der Entscheidung an Eigentum. Je mehr Eigentum jemand hat, desto größer ist seine Macht, politische Richtungsentscheidungen zu treffen oder dem Geschehen die gewünschte Richtung zu geben. In früherer Zeit geschah dieses ohne den Umweg einer Wahl. Der Adel und der Klerus hätten nicht im Traum daran gedacht, sich bei politischen Entscheidungen, Krieg oder nicht Krieg, mit dem gemeinen Volk auseinanderzusetzen. In Deutschland fand gerade eine Wahl statt. Längst hat sich das von Chomsky in den USA kritisierte Gebaren bei uns etabliert. Entweder wurde alles auf die Wirkung von Personen, inklusive Diffamierung, abgestellt oder die Themen wurden derart mit nebulösen Aussagen verstellt, dass der normale Bürger nicht mehr folgen konnte. Interessant finde ich an der Stelle, dass ausgerechnet ein Robert Habeck, der sich bestens mit den Schriften Chomskys u.a. namhaften Kritikern auskennen dürfte, dabei mit machte.

Anarchismus bedeutet nicht Chaos und die vollständige Abwesenheit einer Führung. Es geht um kleinere Organisationseinheiten, in denen unmittelbar bestimmt werden kann, die sich wiederum mit anderen vernetzen. Führungen ergeben sich temporär aus dem jeweiligen Thema. Eigentum ist der Besitz gegenüber gestellt. Arbeitende und Schaffende sind gemeinsame Eigentümer dessen, was zur Produktion des Notwendigen benötigt wird. Für mich ist es immer wieder unverständlich, wenn in Deutschland beim Thema Eigentum ein Aufschrei durchs Land geht. Als wenn ein Interesse daran bestände, jemanden seine Couch, den Fernseher oder den Kleinwagen wegzunehmen. Die wenigsten haben nennenswertes Eigentum. Weder gehört ihnen die Wohnung, die Fahrzeuge sind Eigentum der Bank, noch irgendetwas am Arbeitsplatz wirklich ihres. Sie verwechseln allzu häufig Besitz, also dem worüber sie zeitweilig verfügen mit Eigentum. In Deutschland steckt den Leuten der Staatskapitalismus der DDR im Nacken. Hier nochmals zur Erinnerung, Kommunisten marxistischer Ausrichtung, haben nichts mit Anarchisten gemein und standen sich mehrfach gewaltsam u.a. in Spanien und Russland gegenüber.

Anarchismus steht in einem engen Zusammenhang mit persönlicher Verantwortung und gegenseitiger Solidarität. Aktionäre, ein Management, welches den vorgenannten Rechenschaft schuldig ist, sind einer Belegschaft und der Region gegenüber nicht verantwortlich. Es macht einen Unterschied, ob ich mich an eine von oben her gegebene Vorgabe halte oder selbst den Erfolg und die Notwendigkeiten sehe. Nach der spanischen Revolution 1936 und den innerhalb von drei Jahren errungenen Erfolgen der Republik kann auch niemand mehr von einer Utopie sprechen, sondern muss die Möglichkeit akzeptieren. Nicht der Anaorchosyndikalismus scheiterte damals, sondern die Faschisten besiegten ihn militärisch, um die alte Ordnung wieder herzustellen.

Ich glaube, die wenigsten haben eine Vorstellung davon, wer in der Geschichte alles selbst Anarchist war oder mit der Idee sympathisierte. Oscar Wilde, Émile Zola, George Orwell, Albert Camus, William Godwin (Vater von Mary Shelley (Frankenstein)), B. Traven (das Totenschiff), Tolstoi, George Orwell, u.a. (weitere hier) Diese Liste berühmter Denker, Literaten, sollte nachdenklich machen und die eine oder andere eingepflanzte negative Konnotation überdenken lassen.

 

Überall herrscht derzeit mehrheitlich das Irrationale, Individualismus und die Verantwortungslosigkeit. In den Ländern, wo historisch die Anarchisten zeitweilig die Geschicke bestimmten, herrschten Verhältnisse, die mit denen der aktuellen Mehrheitsgesellschaft in Deutschland unvergleichlich sind. Dies brachte die Arbeiter zusammen, ließ sie solidarisch im Elend handeln und motivierte zur eigenen Weiterbildung. Weltweit betrachtet, existieren diese Verhältnisse durchaus noch, aber nicht in Deutschland. Ansätze sehe ich in den Quartiersmanagements und bei Einrichtungen, wie der Tafel. Hier findet eine Selbstorganisation unter Einbeziehung von Regierungsstellen statt. Dies entspricht ein wenig den Ansätzen der heutigen Spanischen Anarchosyndikalisten. In einem anderen Bereich gibt es Leute, die sich im Rahmen von Graswurzelbewegungen organisieren und Gruppen, die sich der Transformation zu Post – Kapitalistischen Lösungen verschrieben haben, die nebenbei, ganz im Sinne der alten Anarchisten, Alternativen zum Geldsystem anbieten.

Die Geschichte hat bewiesen, dass es gefährlich, wenn nicht sogar unmöglich ist, dem Kapitalismus und der damit einhergehenden Hierarchie auf der gesamten Breite die Stirn zu bieten. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass große Teile der Bevölkerung eine passende Konditionierung erfahren haben. “Diskussionen u. Debatten sind nett, aber am Ende muss einer den Hut aufhaben u. entscheiden.” Im Prinzip eine Kapitulationserklärung bzw. Armutszeugnis für den Homo sapiens. In einer Dokumentation über den Spanischen Anarchismus in Barcelona sagte ein Zeitzeuge: “Vieles war für uns völlig neu, zumal große Teile von uns keinerlei Bildung hatten und Analphabeten waren. Aber es ergab sich und funktionierte.” Ein entscheidender Punkt war dabei sicherlich, dass sie offen auf die Sache zugingen. Ähnlich sieht es mit dem Eigentumsbegriff aus. Bei Deutschen klingeln sofort die Alarmglocken und das Gespenst der Enteignung und Landreform spukt in den Köpfen herum. Dabei sind z.B. viele Gartenkolonien oder ganze Gemeinden “kollektiv/kommunal” organisiert, in dem größere Maschinen, die nicht alltäglich genutzt werden, allgemein zur Verfügung gestellt werden. Oder ich denke dabei an die Lastenräder, die sich jeder kostenlos mieten kann. Wer weiß, vielleicht bin ich zu pessimistisch.

Ergänzung 20.10./21:00 Uhr
Der spätere Sozialdemokrat Herbert Wehner, startete einst als Anarchist, sah aber keine Option mit dieser kleinen Gruppierung seine Ideale zu verwirklichen. Hieraufhin landete er im Sog der Kommunisten und musste diese Entscheidung teuer bezahlen.

Februar 26 2021

Missionare einer neuen Kirche

Lesedauer 27 Minuten

Menschliches Handeln basiert immer auf einem Motiv. Was umtreibt die Macher und Autoren der konservativen bis rechts-konservativen Plattformen? Eine Auseinandersetzung mit ihrem Selbstverständnis, mögliche Hintergründe und der Vorgehensweise.

Eine politische Debatte oder Diskussion ist ohne eine Sortierung in eine beschriftete Schublade kaum noch möglich. Dabei muss in keiner das sein, was außen auf einem Etikett steht und bisweilen sind die Aufschriften kryptisch. Eine weitere Eigenart ist der Umstand, dass sich manch eine/r klar erkennbar positioniert und keinerlei Fragen offen lässt, wofür sie/er politisch steht. Wenn jemand von sich behauptet ein überzeugter Kommunist zu sein, glaube ich das zunächst einmal. Besteht dann noch eine Mitgliedschaft in der DKP oder im Spartakus Bund, bestehen kaum noch Zweifel. Dies gilt genauso für Anarchisten. Faschisten sind etwas heikel, weil sie sich positionieren könnten, aber es sich selten trauen. Wobei ich denke, eine Mitgliedschaft in der NPD kann man durchaus gelten lassen. Bei vielen anderen wird es unscharf. Konservativ, reaktionär, rechts – konservativ, sozialistisch, links, ökologisch, kapitalismuskritisch, sind Strömungen und eher Sammelsurien, denn sie eine klare Position beschreiben. Und wie im im anfassbaren Leben, landen Dinge, die man nicht so recht klar zuordnen kann, in verkramten Schubläden. Bei Diskussionen oder Debatten kommt es dann gewollt oder ungewollt zu Missverständnissen. Seit Jahrzehnten steckt bei der Verwendung von Schubladen, meistens ein propagandistisches, Kalkül dahinter. Habe ich es mit einer/m zu tun, die unangenehm auf die für jeden sichtbaren Anzeichen eines Klimawandels oder die Zerstörung der Umwelt hinweist, ist es praktisch die Schublade links aufzuziehen und alles Gesagte mit dem durchscheinenden Lack einer vermeintlichen Sympathie für Kommunismus oder Sozialismus zu versehen. Menschen, die die Gewinner des Kapitalismus, vornehmlich des Neoliberalismus sind, mögen keine Kommunisten. Noch größer ist die Antipathie bei ehemaligen DDR – Bürgern, denen vom ZK der SED ihr Treiben als Sozialismus verkauft wurde. Auf der anderen Seite wird wild mit den Etiketten Rassismus, Nazi, rechtsradikal, rechtsextrem, geklebt.

Woran erkennt man Faschismus?

Der italienische Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler Umberto ECO hat sich intensiv mit dem Faschismus auseinandergesetzt:

„Faschismus wurde zu einem „Allzweckbegriff“, weil man aus faschistischen Regimen Merkmale eliminieren kann und es trotzdem noch als faschistisch erkennbar sein wird.“ schrieb Umberto Eco 1995. „Nehmen Sie den Imperialismus vom Faschismus und Sie haben noch Franco und Salazar. Nehmen Sie den Kolonialismus weg und sie haben noch den Balkanfaschismus der Ustascha. Fügen Sie dem italienischen Faschismus einen radikalen Antikapitalismus hinzu, (der Mussolini nie fasziniert hat) und Sie haben Ezra Pound. Addieren Sie einen Kult der keltischen Mythologie und die Gral-Mystik (völlig fremd dem offiziellen Faschismus) und Sie haben einen der angesehensten faschistischen Gurus, Julius Evola.“ Viele Namen sagen uns heute kaum noch was. Sie sind im Kontext von Umberto Ecos Zeit zu sehen. In der Konsequenz können sich faschistische Regime deutlich unterscheiden.

Quelle: https://www.pressenza.com/de/2017/10/14-merkmale-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco/ letzter Zugriff: 24.2.21/20:00 MEZ

ECO erarbeitete 14 Merkmale des Ur – Faschismus:

1. Traditionenkult.
Der Traditionalismus als Gegenbewegung zum Synkretismus (Vermischung verschiedener Religionen, Konfessionen, philosophischer Lehren) → „Es kann keinen Fortschritt der Erkenntnis geben, die Wahrheit ist ein für allemal verlautbart“.
2. Ablehnung der Moderne:
Trotz Technikverehrung fußt die Ideologie auf Blut und Boden. Im Grunde werden die Aufklärung und die Werte von 1789 abgelehnt.
3. Irrationalismus:
„Denken als Form der Kastration“. Kultur wird verdächtigt, sobald sie kritisch wird. Misstrauen gegenüber dem Intellekt.
4. Ablehnung der analytischen Kritik:
Wenn die Wissenschaft mangelnde Übereinstimmung als nützlich ansieht, ist es für den Ur-Faschismus Verrat.
5. Ablehnung von Meinungsvielfalt und Pluralismus:
Die natürliche Angst vor Unterschieden wird ausgebeutet und verschärft. Der erste Appell des Faschismus oder Vorfaschismus richtet sich gegen Eindringlinge.
6. Entstehen durch individuelle oder soziale Frustration:
Der Appell an die frustrierte Mittelklasse in einer ökonomischen Krise oder bei politischer Demütigung.
7. Nationalismus:
Menschen, die sich der sozialen Identität beraubt fühlen, wird ein einziges Privileg zugesprochen: In demselben Land geboren zu sein. Die Wurzel der urfaschistischen Psychologie ist Verschwörung. Die Anhänger müssen sich belagert fühlen, am besten durch Fremde.
8. Demütigung vom Reichtum und der Macht der Fremden:
Damals: „Juden sind reich und haben ein geheimes Netz gegenseitiger Unterstützung“. Heute „Flüchtlinge kriegen alles, haben iPhones und haben sich zur „Invasion“ verschworen“.
9. „Das Leben ist nur um des Kampfes Willen da.“
„Pazifismus ist die Kollaboration mit dem Feind.“
10 „Elitedenken“:
Man gehört dem besten Volk, der besten Rasse an. Der Führer weiß, dass ihm die Macht nicht demokratisch übertragen werden kann, dass seine Kraft in der Schwäche der Masse wurzelt. Jeder Unterführer verachtet seine Untergebenen. Die Folge ist ein massenhaftes Elitebewusstsein.
11. Erziehung zum Heldentum:
Ein Held ist in der Mythologie ein außergewöhnliches Wesen. Im Faschismus ist der Held die Norm. Das Heldentum hängt eng mit einem Todeskult zusammen. Der Held im Faschismus sucht ungeduldig den heroischen Tod als beste Belohnung und schickt in dieser Ungeduld gerne andere in diesen Tod.
12. Übertragung des Willens zur Macht und des Heldentums auf die Sexualität:
Das ist der Ursprung der Frauenverachtung und der Intoleranz gegenüber ungewöhnlichen Sexualpraktiken (von Keuschheit bis Homosexualität) und die Neigung zur „phallischen Ersatzübung“, dem Spiel mit der Waffe.
13. Selektiver Populismus:
Der individuelle Bürger wird durch den Volkskörper ersetzt. Das Nürnberger Reichstagsgelände wird zum Internetpopulismus.
14. Urfaschismus spricht „Neusprache“:
Ein verarmtes Vokabular mit Framing und Deutungshoheit. Von „Lügenpresse“ bis „Umvolkung“ werden Begriffe neu etabliert.

Quelle: https://www.pressenza.com/de/2017/10/14-merkmale-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco/ letzter Zugriff: 24.2.21/20:00 MEZ

Ich finde, als jemand, der in Deutschland, Italien, S sollte nach dem Lesen dieser 14 Punkte eine Pause eingelegt werden, die für einen Blick in einen imaginären Spiegel ausreicht. Der deutsche Faschismus, ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem Überzeugungen entstanden, die in die Sozialisation eingebaut wurden und 1945 nicht urplötzlich verschwanden. Ganz im Gegenteil, einzelne Aspekte sind in der Erziehung immer noch anzutreffen, während gar nicht bewusst wird, dass das aus dem Komposthaufen des alten Faschismus genährt wurde. Ich gebe zu, zweimal habe ich auch geschluckt.

Nachrichten als Mittel der Manipulation


Nachrichten können, selbst wenn sie lediglich das Tatsächliche wiedergeben und vollständig sind, einen manipulativen Charakter haben. Welche Nachrichten erlangten mich und warum haben sie mich interessiert, während sich andere meiner Wahrnehmung entzogen? Draußen passieren jeden Tag unzählige Geschichten, von denen ich ein Bruchteil erfahre. Ich benötige Filter, damit ich nicht überflutet werde. Eben genau jene können zum Problem werden, nämlich, wenn ich die Geschichten zur Bestätigung dessen benutze, was ich mir zusammengereimt habe. Hinzu kommt die Überlegung, welche für mich wirklich relevant sind. Vieles betrifft mich objektiv nicht, anders formuliert, sie gehen mich häufig gar nichts an. Es gibt mannigfaltige psychologische Abhandlungen darüber, warum uns Geschichten interessieren, mit denen wir nichts zu tun haben. Dazu gehört die Berichterstattung über sogenannte Prominente, Unglücke, Verbrechen, eben alles womit die Boulevardpresse ihr Geld verdient.

Oftmals antworte ich auf an mich gerichtete Fragen: “Wozu oder wofür benötigst Du diese Information? Welchen Mehrwert hat sie für Dich und was willst Du damit anstellen?” Eine kleine persönliche Abwandlung dessen, was Sokrates seinen Schülern vermittelte. Ich stelle sie auch aus der Ferne. Immer wenn sich jemand darüber empört, dass ihm etwas nicht erzählt wurde. Wobei es meistens nicht darum geht, was dem Einzelnen nicht berichtet wurde, sondern angeblich der Allgemeinheit vorenthalten wurde. Die, in Kenntnis des Empörenden, vollkommen andere Entscheidungen träfe. Allerdings räume ich ein, dass manchmal ein wenig Hintergrundwissen oder dem Prozedere hilfreich sein kann. Zum Beispiel leben Deutsche in einer durch und durch verwalteten Gesellschaft. Für das Verständnis diverser Vorgänge ist das Wissen, wie Verwaltung funktioniert und tickt, förderlich. Schubladen, Ordner, Etiketten, Bezeichnungen und vor allem sich daraus ergebende Zuständigkeiten, finanzielle und materielle Zuwendungen, sind in der Verwaltung täglich Brot.

Letztens sah ich einen Beitrag von Michel Friedman, den ich sehr schätze, in dem er sich aber diesmal verrannte. Er mokierte sich über die Einordnung von Straftaten, bei denen viel zu spät der Generalbundesanwalt eingeschaltet wurde. Alles eine Folge der Verwaltung. Ein engagierter Ermittler muss sich gut überlegen, was er auf seinen Ordner schreibt. Ist es der falsche Begriff, wird er je nach Zielsetzung, einen Vorgang nie wieder los oder das Ding wird einem weggenommen. Manchmal müssen Ermittlungen vor den falschen allzu neugierigen Augen versteckt werden. Ein Mittel ist es, ein niederschwelliges Etikett zu wählen, welches keine schlafenden Hunde weckt. Im Übrigen ist der Generalbundesanwalt niemand mit eigenen ihm speziell zugeteilten Superermittlern, sondern mehr eine Koordinierungsstelle. Aber dies nur am Rande. Bei allen größeren politischen Aktionen ist immer ein Verwaltungsfaktor dabei, bei dem der Wissende grob die Anzahl der Beteiligten, die notwendigen Schritte und vor allem die zu nehmenden Hürden einschätzen kann. Der Vorteil ist dabei: Wenn eine echte Sauerei abläuft, sind so viele beteiligt, dass es irgendwann eine undichte Stelle gibt. Man muss nur lange genug warten.

Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es kaum noch echte Geheimnisse. Mit ein wenig Talent zur Recherche und Zeit bekommt der Interessierte nach und nach fast alles heraus. Für fast alles gibt es mehrere Quellen, die ich gegeneinander laufen lassen kann, auf diese Art einen gemeinsamen Inhalt ermittle und am Ende ziemlich gut über das reale Geschehen Bescheid weiß. Große Anteile des Geschehens sind zu einer Datenbank geworden, die jeder mit Suchparametern abfragen kann. Und die gewählten Parameter sagen eine Menge über mich aus: Sie verraten meine Interessen und weisen auf den Verwendungszweck hin.

Das Geschehen als Datenbank – Suchparameter: Nationalität

Einige Zeitgenossen ergötzen sich gern an Raub, Mord, Totschlag. Irgendwo hat eine/r auf dem deutschen Staatsgebiet einen anderen Menschen ums Leben gebracht. Gut! Menschen töten Menschen, das ist recht banal und kommt auf diesem Planeten minütlich vor. Wenn ich weder das Opfer, noch den/die Täter/in kenne, nicht einmal mit jemanden aus dem weiten Lebensumfeld bekannt bin, ist dies jetzt erst einmal nicht spannend. Gut, wenn es sich um einen Krieg handelt, vor allem wenn deutsche Soldaten beteiligt sind, könnte dies ein gewisses Interesse auslösen. Einigen reichen die einfach erlangbaren Information nicht aus. Wo ist das genau passiert? Was weiß man über den, die, Täter/in? Deutsche/r? Aus dem Ausland? Welches Land? Religion? Welche Gründe gab oder gibt es für den Aufenthalt? Mit dieser Ausprägung der Neugier unterscheiden sie sich schon mal von anderen Menschen. Manche nennen sich Journalisten, andere Politiker und wieder andere verstehen sich als Aufklärer.

Ein Teil legt einen besonderen Wert auf die eigene Nationalität des Täters/ der Täterin/ der Täter oder Eltern, Großeltern. Wobei ihnen dies oftmals schwer beantwortet werden kann. Staatsrechtlich und im normalen Sprachgebrauch ist Deutscher, wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Alle anderen Interpretationen sind seit der Beendigung der Regierungszeit der NSDAP nicht mehr üblich. Vor 1945 wäre die Antwort einfacher gewesen. Ab September 1935, mit Verabschiedung der Nürnberger Gesetze, hätte auf eine Abweichung von “deutschblütig” oder “artverwandt” hingewiesen können. (siehe Umberto Eco) Mittlerweile behelfen sich einige mit einer Entlehnung aus der Soziologie und verwenden den Begriff “Migrationshintergrund”. In der breiten Masse bezieht sich er sich nicht auf eine tatsächliche Migration in das völkerrechtliche deutsche Staatsgebiet. Den Verwendern des Begriffs geht es ebenfalls nicht um die ursprüngliche Forschung nach den besonderen Problemen, die kulturelle Veränderungen, Ausgrenzung, Fremdeln, usw. mit sich bringen. Mitteleuropäer (quasi das alte “artverwandt”) werden ausgeklammert und nur Personen, die selbst oder deren Eltern, Großeltern, außerhalb Mitteleuropas geboren wurden, erfahren die Zusatzbezeichnung “Migrationshintergrund”. In der Ideologie der Nationalsozialisten gab es noch die germanischen Völker, zu denen die Slawen nicht gehörten. Passend dazu wird bei Tätern, Täterinnen, aus dieser Ecke Europas auch gern der Migrationshintergrund erwähnt. Aber ich habe selten bis niemals von einem französischen, belgischen, niederländischen oder britischen Migrationshintergrund gehört oder gelesen.

Wie auch immer, das Ganze entspricht wie erwähnt einer Datenbankabfrage, bei der Daten mittels einer vom Verwendungszweck abhängigen Suche abgefragt werden. Jetzt spiele ich dies einmal durch. Es passiert ein Totschlag, das Opfer ist eine deutsche Staatsbürgerin und der Täter ist meinetwegen ein syrischer Staatsbürger, der vor dem Kriegsgeschehen in seinem Land geflüchtet ist. Die spezielle Gruppe der Neugierigen findet dies nicht nur erwähnenswert, sondern gleichsam empörend.

Im § 212 Abs. 1 – Totschlag – StGB steht: Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.

Also im Gesetzestext, nicht einmal in der Vorgängerversion, dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich vom 15. Mai 1871, ist die Herkunft in irgendeiner Art relevant. Ist es jetzt irgendwie anders zu bewerten, wenn ein deutscher Staatsbürger, mit in Deutschland geborenen Eltern und Großeltern, eine deutsche Staatsbürgerin erschlägt und müsste bei der auch nochmals nachgehakt werden, ob wiederum ihre Eltern und Großeltern in Deutschland (BR Deutschland, DDR wäre auch noch offen) geboren wurden? Macht es für das Opfer einen Unterschied, von wem es getötet wurde? Oder ist die Empörung ein bestätigender Ausruf? “Wusste ich es doch!” Was? Das die Fähigkeit des “Homo sapiens sapiens” zu Töten vom Längen – und Breitengrad des Geburtsorts abhängt? Oder ist es weniger verwerflich in seinem vom Schicksal abhängigen Geburtsland ums Leben zu bringen? Wenn schon, dann wenigstens im eigenen Land? Wie sieht es dann aus, wenn der Täter ein “Bio – Deutscher” (auch eine nette Umschiffung des Begriffs – deutschblütig – ) ist? Sollte der vielleicht härter bestraft werden, weil es undeutsch ist, andere umzubringen?

Wie wollen rechts – konservative Plattformen Nachrichten gestaltet haben?

Vielleicht kann die Betrachtung eines konkreten “Neugierigen” Aufschluss geben. Am 22. Februar 2021 veröffentlichte der Journalist Boris Reitschuster auf seiner Seite reitschuster.de den Gastbeitrag eines Dr. Manfred Schwarz (auch Autor auf der Plattform: Tichys Einblicke), in dem sich dieser kritisch zur medialen Berichterstattung über ein Tötungsdelikt in Lüneburg äußert. Sein Missfallen richtet sich auf den Umstand, dass für seinen Geschmack zu wenig persönliche Informationen über den Täter und den Tathergang publiziert wurden. Anders: Seine angelegten Suchparameter wurden nicht ausreichend berücksichtigt. Er schreibt am Anfang:

“In der Psychiatrischen Klinik Lüneburg hat ein Insasse zwei Menschen brutal umgebracht, eine Pflegerin wurde schwer verletzt, zwei weitere Personen leicht. Der mutmaßliche Doppelmörder konnte von mehreren Streifenwagen-Besatzungen der Polizei unter Einsatz von Pfefferspray festgenommen werden.
Wieder einmal ist es interessant, dass zwar nahezu alle größeren Medien hierzulande über den Doppelmord berichteten – aber fast alle keine genauen persönlichen Hintergründe des Täters veröffentlicht haben.
Um das vorweg zu nehmen, was Zeitungen, Radiosender und  Fernsehanstalten verschweigen – von der Münchner „Abendzeitung“ und vom „NDR“ über das Hamburger Abendblatt“ und die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) bis zum „Spiegel“ und zur „Zeit“: Der Tatverdächtige ist ein Syrer, der offiziell als „Schutzsuchender“ – also als „Flüchtling“ – gilt. Der „Geflüchtete“ ist hierzulande bereits mehrmals schwer straffällig geworden, wurde aber rechtswidrig von den zuständigen Behörden weiterhin in Deutschland „geduldet“.”


https://reitschuster.de/post/doppelmord-in-lueneburg-medien-verschweigen-hintergruende/ letzter Aufruf: 24.2.2021/ 20:02 MEZ

Nun, ob es ein Mord ist, wird vor Gericht zu klären sein, immerhin scheint bereits sicher zu sein, dass es keine Gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge war. Ob die Duldung rechtswidrig ist, kann aus der Ferne schlecht beurteilt werden. Aber es scheint dem Verfasser wichtig zu sein, dass der Täter ein Syrer ist. Warum, ist hier noch nicht erkennbar. In einem weiteren Absatz schreibt er:

Gewalteinwirkung auf den Hals“? Das ist oft die beschönigende Umschreibung dafür, dass einem Menschen die Kehle durchgeschnitten wurde. Die „Abendzeitung“ berichtete vernebelnd: „Was der Auslöser für die Gewaltattacke auf der Station war, blieb zunächst unklar.“ Damit ist der Fall für die Mainstream-Medien erledigt. Wie hätte wohl die Welt des linken Medien-Mainstreams reagiert, wenn ein „Bio-Deutscher“ mehrere Flüchtlinge in der Psychiatrie umgebracht hätte?

https://reitschuster.de/post/doppelmord-in-lueneburg-medien-verschweigen-hintergruende/ letzte Abfrage: 24.2.2021 /20:03 MEZ

Alle regionalen Zeitungen, hierunter das Eichsfelder Tageblatt und die Hannoversche Allgemeine Zeit wissen da ein wenig mehr. Das erste Opfer wurde erdrosselt oder erwürgt, näheres wird eine Obduktion ergeben. Opfer Nummer zwei erlitt eine schwere Kopfverletzung, die am Ende wahrscheinlich zum Tode führte, wobei auch dies seitens der Gerichtsmedizin zu klären sein wird. Doch ich notiere an dieser Stelle, dass Herr Dr. Schwarz auf einen linken Mainstream verweist. Was das genau ist, weiß ich nicht. Kommunistischer/Sozialistischer Mainstream? Auf jeden Fall scheint er der Auffassung zu sein, dass bei einem mutmaßlichen Totschlag, ausgegangen von einem deutschen Staatsbürger, mit deutschen Eltern und Großeltern, welcher sich zum Tatzeitpunkt als Patient in einer psychiatrischen Einrichtung befand, zwei syrische Patienten tötete, eine andere Reaktion stattgefunden hätte. Was auch immer dieser linke Medienmainstream sein soll, und wer alles dazu gehört, dazu schweigt er, scheint auf jeden Fall für ihn irgendwie bedrohlich zu sein. Mir erscheint niemand sonderlich analytisch veranlagt zu sein, wenn bei einem Vorfall in einer psychiatrischen Einrichtung als Top – Information die Nationalität eine Rolle spielt. Ich würde als Erstes an Krankheiten, Impulsdurchbrüche bei Traumatisierungen oder manische Depressionen denken.

Abschließend heißt es bei Herrn Dr. Schwarz:

„Bild“ hat in ihrer Print-Zeitung geschrieben, dass es gegen den festgenommenen Tatverdächtigen bereits „Verfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung“ gegeben hat. Eine etwas verniedlichende Umschreibung dafür, dass der Verdächtige offenbar schon mehrfach als brutaler Schläger aufgefallen ist – und vermutlich Mitbürger wiederholt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Anders formuliert: Menschen sind Opfer eines Kriminellen geworden, der längst hätte abgeschoben werden müssen. Aber wie viele Medien in Deutschland würden sich heute noch trauen, diese bitteren Wahrheiten auszusprechen?

https://reitschuster.de/post/doppelmord-in-lueneburg-medien-verschweigen-hintergruende/ letzte Abfrage 24.2.2021 20:04 MEZ

Was steckt dahinter?

Wahrheit ist ein großes Wort. Aber ich bin mal nicht kleinlich und interpretiere sie als das dialektische Gegenteil von Falschaussage oder wenigstens einer in Teilen falschen Behauptung. Doch selbst das ist hier nicht ganz einfach. Er schreibt von Hörensagen, bzw. einer nicht gerade seriösen Quelle, die sich selbst auf Verfahren zurückzieht und wohlweislich nichts von einer Verurteilung erwähnt. Basierend darauf vermutet er etwas, nämlich den brutalen Schläger, um dann am Ende aus allem zusammen einen vermeintlichen Fakt zu basteln: Täter war ein aus Syrien stammender Krimineller, der längst (vor Monaten? Jahren? Tagen?) in ein Kriegsgebiet hätte abgeschoben werden müssen. Dabei stellt sich die Frage, ob es dort nicht auch zu einem Totschlag an anderen Menschen gekommen wäre. Bislang habe ich nichts von einer psychiatrischen Behandlungsmethode mit der Bezeichnung Abschiebung gehört. Oder ist der Totschlag eines Syrers in seinem eigenen Land anders zu bewerten? Seltsamerweise weist Hr. Dr. Schwarz selbst darauf hin, dass Menschen – nicht explizit Deutsche – Opfer wurden. Hat er da im letzten Moment die Kurve bekommen?

OK, meinem persönlichen Eindruck nach, geht es weniger um Neugierde, Interesse, sondern um Abschiebung und Herstellen einer Konnotation. Jemand, hier konkret Dr. Schwarz, hört etwas von einem Tötungsdelikt, fragt die Datenbank mit der Suchparametern – Ausländer, Migration, Flüchtling – ab, sieht sich in seiner Vorurteilsstruktur bestätigt und legt los. Und jeder, der die Struktur nicht bedient, getraut sich nicht bittere Wahrheiten auszusprechen. Welche eigentlich? Wäre der Mann bereits abgeschoben gewesen, lebten zwei in Deutschland geborene Patienten, mit deutschen Eltern und Großeltern noch, und wenn überhaupt, wären zwei Syrer gestorben? Ich überlasse jedem selbst, den Text, die Tendenz und den Subtext mit den 14 Punkten von Umberto Eco (ein Intellektueller und somit vermutlich aus Sicht einiger Zeitgenossen ein Linker) abzugleichen.

Doch in welche Schublade sortiere ich nun Herrn Dr. Schwarz? Und mit welcher Motivation bietet ihm der Journalist Reitschuster das Forum seiner Seite an? Diese hat er immerhin unter das Credo “Kritischer Journalismus. Ohne “Haltung”. Ohne Belehrung. Ohne Ideologie.” gestellt. Dafür hat der Gastautor, eine Menge Ideologie, z.B. die Annahme der Existenz einer vorherrschenden, linken gesellschaftspolitischen, kulturellen Ausrichtung der deutschen Medienlandschaft, hineingepackt. Aber, wie jeder andere, der seine Seite zur Verfügung stellt, macht Boris Reitschuster klar, dass es sich nicht unbedingt um seine Meinung handeln muss und er seinen Lesern ein breites Spektrum anbieten möchte. Zu Herrn Dr. Schwarz findet sich unter dem Artikel seine Kurzdarstellung.

Dr. Manfred Schwarz (Politologe): Zivillehrer an der Hamburger Landespolizeischule, dann etliche Jahre Berufsschullehrer und Dozent in der staatlichen Lehrerfortbildung (Bereich: Politik); jeweils acht Jahre Medienreferent in der Hamburger Senatsverwaltung und (nebenamtlich) Vizepräsident des nationalen Radsportverbandes BDR (verantwortlich für die bundesweite Medienarbeit / Herausgeber einer Internet-Radsportzeitung). CDU-Mitglied, sechs Jahre Mitglied des Hamburger CDU-Landesvorstands. Heute Autor für verschiedene Internetportale mit den Schwerpunkt-Themen Politik und Medien.

Quelle: https://reitschuster.de/post/doppelmord-in-lueneburg-medien-verschweigen-hintergruende/ letzte Abfrage 24.2.2021 20:05 MEZ

Er selbst hat sich demnach per Parteimitgliedschaft ein Etikett verpasst. Christlich und Konservativ! Ich habe bei vielen Mitgliedern der CDU den Verdacht, dass die eine besondere Ausgabe der Bibel im Regal zu stehen haben. Gut, ich bin raus, weil ich zwar getauft und konfirmiert bin, aber im Laufe des Lebens mit Überzeugung für eine andere Anschauung eintrete. Das Weltgeschehen ist komplex und beruht auf Wechselwirkungen. Der Syrer wurde nicht als einer geboren, der eines Tages ausrastet. Es ist nicht möglich jeden einzelnen Faktor aufzuschlüsseln, der zu diesem Tag führte. Wo will man da anfangen? Warum ist Syrien der Staat geworden, der er jetzt ist? Was führte zum Krieg? Was zur Machtübernahme eines Assad – Clans? In welcher Art Familie wuchs er auf? Geriet er in Kampfhandlungen? Was geschah auf der Flucht mit ihm? Für mich, als Anhänger der buddhistischen Philosophie gibt es grundsätzliche Ursachen, die alles und jeden betreffen. Das im Menschen vorhandene Ur – Programm der Gier, die ein Festhalten und Verteidigen des Erlangten, den gerechtfertigten oder auch ungerechtfertigten Neid anderer erweckt und oftmals dazu führt, dass jemand zu wenig zum Leben hat, weil eine/r sich zu viel vom Kuchen abgeschnitten hat. Natürlich gestehe auch Hr. Dr. Schwarz zu, dass er das Endergebnis einer ganzen Kette von Ereignissen ist. Dies gilt ebenso bei mir und jedem Lebewesen auf der Erde.

Vielleicht ist das mit der Schublade gar keine gute Idee?

Ich hatte beim Lesen der Seiten auf reitschuster.de beinahe schon den Aufkleber rechts – konservativ in der Hand. Alternativ vielleicht “narrow – minded”, “reaktionär” oder “Nationalisten”. Auch wenn Hr. Reitschuster selbst eine Biografie beschreibt, die einst mit der SPD startete und er an einer Stelle erwähnt, dass ihm ein “Höcke” unheimlich ist. Politische Ausrichtungen sind immer mit Psychologie verbunden. Beispielsweise sind Rassismus, die instinktive Angst vor Fremden, Verlustängste, der Wunsch nach Bewahrung des bisher Gewohnten, tief im Menschen verwurzelt. Es gibt Richtungen, in denen dem Menschen der freie Wille abgesprochen wird. Meiner Meinung nach gilt dies für die ersten Sekunden. Danach kann das Großhirn seine Arbeit machen. Der Haken dabei ist der Umstand, dass auch der Wille, dieses einzusetzen und sich eine Praxis zuzulegen, die eine effiziente Nutzung ermöglicht, von irgendwo her kommen muss. Womit wieder die Diskussion aufkommt: Ist der Mensch ein determiniertes Wesen oder nicht?

Wir haben eine Opfer – Kultur. Externalisiert man das Geschehen, womit es nicht mehr zwingend mit dem ureigenen Verhalten im Zusammenhang steht, wird vieles subjektiv leichter. Opfer bekommen Zuwendungen und die sind dem Menschen wichtig. Andererseits kann ich mich auch dem Opfer zuwenden und mich damit besser fühlen. Weiterhin gäbe es noch die Option, sich selbst für alle Opfer verantwortlich zu fühlen, was zu einer Selbstkasteiung führt. Christen können dies gut. Entsprechen sie nicht ihrem religiösen Idealbild des Menschen, sind sie schuldig und sind nach dem Ende des diesseitigen Lebens auf einen milden Richtspruch angewiesen. Aufmerksamkeit ist in unserer Zeit, in denen Massengesellschaften, überwiegend das Bild prägen, das A und O. Wenn ich mir nicht alleine das Bewusstsein einer selbstverständlichen Individualität verschaffen kann, muss ich mir etwas einfallen lassen. Der Trick, eine Mehrheit für fehlgeleitet zu halten und mich selbst einem exklusiven Club der durchschauenden Kritiker zu halten, ist naheliegend. Gleiches gilt für die Manipulation einer Gefolgschaft, die mir das wohlige Gefühl vermacht, der herausragende Anführer zu sein. Mich dabei als Opfer zu stilisieren, ist Mittel zum Zweck.

Opfer – Kult

Gibt es ein Opfer, existiert auch eine Täterin oder ein Täter. Im Fall der überwiegenden Beiträge auf der Seite, sind es entweder die Regierung oder eine Verschwörung von etwas, was die Verfasser als “links” titulieren. Zu diesem “links” gehören u.a. Naturwissenschaftler und Leute, die diesen Wissenschaftlern glauben, nämlich alle die von einem menschlichen Faktor bei der Erwärmung des globalen Klimas sprechen. Links sind auch diejenigen, welche Covid-19 für eine ernsthafte Bedrohung des Gesundheitssystems halten und deshalb eindämmende Maßnahmen für notwendig erachten. Gleichsam ersehen sie die Theorien des (Neo)liberalismus, mit dem dazugehörenden Godfather Friedrich von Hayek, als die letzte aller Wahrheiten. Über den kann man viel sagen oder es lieber sein lassen. Auf jeden Fall passen die vorgenannten Ablehnungen gut zu ihm. Was ich wiederum nicht verstehe, ob die an irgendeine göttliche Rettung glauben oder schulterzuckend in den Abgrund fahren wollen, weil es ohnehin nicht abwendbar ist. Doch das Bild Abgrund ist nicht ganz passend. Bei ihm wäre bis zur Kante eine entspannte Fahrt garantiert. Wir nähern uns vielmehr einem großen Feuer und es wird immer unangenehmer, je näher wir ihm kommen. Reiche haben einen Schutzanzug, während Ärmere Meter für Meter auf der Strecke bleiben. Hier ist ein springender Punkt. Augenscheinlich treten auf der Seite Frauen und Männer auf, denen es gut geht und darauf bedacht sind, dass sich dieser Status Quo nicht ändert. Eins weiß ich, Hayek war mit Sicherheit kein Buddhist. Er akzeptierte die Wechselwirkung, doch er betrachtete die Gier als regulierenden Faktor und nicht als Wurzel des Übels.

Bei mehreren der von Eco gelisteten Kriterien vollziehen sie Punktlandungen. Alles, was mit fremd, Naturwissenschaft und ihre Vorgehensweise sich nach und nach an die Realität “heranzuirren”, dem Neuen aus verschmelzenden Kulturen zu tun hat, ist ihnen suspekt, wenn es sie nicht geradezu anwidert. Eigentlich ist das bei Akademikern aus Mitteleuropa seltsam. Wären nicht irgendwann Römer, Germanen, Goten, Sachen, Franken, Normannen, Wandalen und Vorderasiaten. Kulturell und religiös miteinander verschmolzen, gäbe es uns nicht. Ohne dem auf Naturwissenschaften basierenden technischen Vorsprung hätte es niemals eine Kolonialisierung in der erlebten Form und damit den Aufstieg Mitteleuropas gegeben. Bei meiner Lebenshaltung kann ich die Ablehnung einer ungebremsten technischen und digitalen Entwicklung nachvollziehen, aber bei denen eher nicht.

Die Autoren

Vornehmlich treffen auf der Seite Leute zusammen, die nicht nur von nationalen Grenzen überzeugt sind, sondern Menschen immer in der Kombination mit ihrer Nationalität sehen. Ich bleibe bei meiner schon häufiger gestellten Frage: “Welche Auskunft gebe ich einem Außerirdischen über meine Herkunft? Berlin? Deutschland? Nordhalbkugel oder Erde?” Deshalb das Etikett “narrow – minded”. Wenn ich beim Betrachten eines Ölbilds mit der Nasenspitze die Leinwand berühre, kann ich wenig über das Motiv sagen. Ich muss schon einige Meter Abstand nehmen. Selbst wenn ich es knallhart angehe, komme ich mit deren Einstellung nicht weiter. Wenn in der kommenden Zeit Küstenregionen unbewohnbar werden, ganze Zonen der Erde zu lebensfeindlichen Gebieten verkommen, sind Kriege, nie dagewesene Fluchtbewegungen und Massensterben programmiert. Da sollte man rechtzeitig beginnen, sich auf das unvermeidlich kommende vorzubereiten. Und Grenzen, die keine Tötungsmaschinerie besitzen, werden die Menschen nicht stoppen. Wer das der nächsten Generation nicht zumuten will, zu denen gehöre ich, muss schleunigst handeln. Womit ich mir vermutlich den Aufkleber “links” locker verdient habe. Die da schreiben sind keine Dummen. Aber wie gedenken sie den zweiten Schritt zu machen? Ihr wollt nicht aufhören das Klima zu verändern? OK! Covid-19? Wir alle müssen sterben, daran kommt keiner vorbei. Aber aktuell können wir noch versuchen einige zu retten. Ihr nehmt eine Überschwemmung der Krankenhäuser und eine steigende Anzahl von Sterbenden hin. Gut! Ist eine Haltung! Dann sei aber die Frage erlaubt, wie wir mit den zu erwartenden Unruhen umgehen? Habt ihr dafür eine Lösung oder einen passenden Einsatzauftrag? Akademiker! Wer von Euch stellt sich mit der Knarre in der Hand an die Grenze? Keine Schublade! Ich bin von früher her Leute gewohnt, die tolle Sachen wollen, aber nicht bereit sind, sich mit den Folgen auseinanderzusetzen. Schaut Euch die Kommentatoren unter Euren Texten an. Das sammelt sich ein Mob, dem der Hass aus den Ohren kommt. Mit denen müsst ihr ein Handling betreiben. Ich setze die Kenntnis des “Zauberlehrlings” voraus.

Warum diese intensive Auseinandersetzung?

Sie ist im gewissen Sinne eine Anerkennung. Was ich gelesen habe, ist gut gemacht und hervorragend geeignet, die etwas niederen Instinkte herauszulocken. Wie gesagt, ich bezweifle stark, dass sie den Mob, der geweckt wird, kontrolliert bekommen. Das Problem liegt nicht in der freien Meinungsäußerung. Die ist allumfassend und ohne jegliche Beschränkung zu jeder Zeit zuzulassen! Allein schon aus dem Grund, weil wir für das Kennenlernen eines Menschen auf seine Worte angewiesen sind. Verbote ändern nicht, was im Kopf vorgeht! Entscheidend sind jene, die zustimmend lesen oder zuhören. Ich wohne in der Nähe einer psychiatrischen Einrichtung. Wenn hier eine/r die Straße entlang geht und dabei Zeugs vor sich hin brabbelt, interessiert dies niemand. Wir erleben immer mehr das Phänomen, dass die Leute auch noch den seltsamsten Aussagen interessiert zuhören und schlimmsten Falls Glauben schenken (Chemtrails, Echsenmenschen, Flat – Earth, QAnon). Manchmal sind sie nicht seltsam, sondern abseits dessen, was dem allgemeinen Konsens nach unter ethisch vertretbar zu verstehen ist (Flüchtlinge, Mittelmeer). In anderen Fällen sind es wilde Konstruktionen, die nichts anderes als fadenscheinige Begründungen für ein weiter andauerndes sattes, aber für folgende Generationen schädliches Leben sind (Klima, Zerstörung der Lebensgrundlagen). Bei allen müssten sich die meisten Menschen an die Stirn Tippen und die/denjenigen mit einem, wie wir in Berlin sagen: “Der hat doch nen Ding an der Bommel!”, stehen lassen. Da stellen sich einige Fragen! Was ist im Bildungssystem schiefgelaufen? Oder, bei den extrem abstrusen Geschichten: Wie ist es zu diesen Persönlichkeitsstörungen gekommen?

Herr Reitschuster geht bei der Manipulation sehr geschickt und subtil vor. Ehre, dem die Ehre gebührt! Ich hab mir mal ein Beispiel etwas genauer angesehen. Im Oktober 2020 nahm er sich eine Umfrage der ARD vor.

Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat es vergangene Woche einen Brand gegeben. Deutschland hat sich bereit erklärt, Flüchtlinge aus dem Lager aufzunehmen. Wie sehen Sie das? Sollte Deutschland Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager auf jeden Fall aufnehmen? Sollte Deutschland nur dann Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, wenn sich die EU-Staaten auf eine europaweite Verteilung der Flüchtlinge einigen? Oder sollte Deutschland grundsätzlich keine Flüchtlinge aus dem Lager Moria aufnehmen?“

Quelle: ARD – Deutschlandtrend Sept. 2020 u. reitschuster.de

87 % der Befragten, stimmten bei dieser Fragestellung einer Aufnahme zu. Nachvollziehbar, dass dieses Ergebnis Hr. Reitschuster nicht ins Konzept passte. Seiner Analyse nach ist die Frage manipulativ. Zur Begründung weist er darauf hin, dass lediglich zwei Optionen angeboten werden, nämlich Ja oder Nein, und dabei eine Hilfe vor Ort außen vor gelassen wird. Dies kann man durchgehen lassen. Es ist jetzt nicht wirklich eine brandneue Erkenntnis, wie sehr die Fragestellung Umfragen beeinflussen. Meiner Kenntnis nach ist dies in fast allen Studiengängen Lehrstoff im Bereich Statistik. Auf der Seite gibt er sich unschuldig, nahezu von geweckten Forschergeist motiviert, diesen hinreichend bekannten Bias nachzuweisen. Folgerichtig startete er eine Umfrage mit einer abgewandelten Fragestellung.

Zitat:

Fragetext: Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat es vor drei Wochen einen Brand gegeben. Laut Angaben griechischer Behörden soll eine Gruppe von sechs minderjährigen Flüchtlingen, deren Asylanträge abgelehnt wurden, den Brand selbst gelegt haben. Wie sehen Sie das? Sollte Deutschland Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager auf jeden Fall aufnehmen? Sollte Deutschland nur dann Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, wenn sich die EU-Staaten auf eine europaweite Verteilung einigen? Oder sollte Deutschland keine Flüchtlinge aus dem Lager Moria aufnehmen und stattdessen vor Ort helfen? Oder sollte Deutschland grundsätzlich keine Flüchtlinge aufnehmen und auch nicht vor Ort helfen?

Quelle: https://reitschuster.de/post/umfrage/ letzte Abfrage: 24.2.2021/ 20:06 MEZ

Wo er die Angabe herhat, dass es sechs minderjährige Flüchtlinge waren, erschließt sich mir nicht, erst recht nicht die Angelegenheit mit den abgelehnten Asylanträgen. Bei der Berichterstattung schwanken die Angaben zwischen 4 – 6 Festgenommenen unter denen sich vermutlich 2 Minderjährige befanden. Der Appell ist nicht zu überlesen! “Abgelehnt – also keine echten Flüchtlinge – u. die sind alle selbst Schuld!” Der zweite Appell: “Warum immer wir Deutsche, wenn schon, dann auf alle EU – Länder.” Bei der Fragestellung stimmen nur noch 43 % der Befragten zu und 44 % dagegen. Was beweist das jetzt?

Im September des letzten Jahres befanden sich im Lager 13.000 Menschen, die dort ohne fließendes Wasser, in Zelten mit offenen Feuerstellen kampierten. Frauen, Männer, Kleinkinder, Säuglinge, Heranwachsende. Darüber hinaus zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr im Corona – Lockdown. Gemäß Flüchtlingshelfern brachte der Umgang mit 35 an Covid-19 Infizierten das Fass zum Überlaufen. Von meiner Seite her: Hut ab an die Bewohner, dass es nicht viel früher zu einem Vorfall dieser Art kam. Und wie soll 13.000 Menschen vor Ort geholfen werden? Und bis jetzt sind es ja wohl die Griechen, die nach Europa hineinrufen sollten.

Aber 44 % bekomme ich offenbar mit einem “Selbst Schuld! Dann müsst ihr halt noch mehr leiden!” Diese “kaltschnäuzige” Einstellung wundert mich jetzt in Deutschland nicht ernsthaft. Irgendwie erinnert mich das auch ein wenig an Strafaktionen gegenüber Partisanen und später dem Vietcong. Bestrafung von 12.994 für die Rebellion von 6 ist kein schlechter Schnitt. Gut, dies hat mir Hr. Reitschuster aufgezeigt. Danke!

Ihm zeigt es etwas anderes:

Zitat:
Das Ergebnis der von mir bestellten INSA-Umfrage zeigt, wie unterschiedlich Umfrageergebnisse ausfallen, je nachdem, wie die Frage formuliert wird. Hier bietet sich leider ein breiter Spielraum für kaum bemerkbare und nachweisbare Manipulationen. Und da wir Menschen einem starken Konformitätsdruck unterliegen, wird so Stimmung erzeugt: Je größer die vermeintliche Mehrheit, umso größer der Drang, sich ihr anzuschließen. Wenn 87 Prozent für die Aufnahme der Moria-Flüchtlinge sind, fällt es vielen deutlich schwerer, eine abweichende Meinung zu haben, als bei 43 Prozent. Und damit, wenn auch knapp, einer Minderheit.

Quelle: https://reitschuster.de/post/umfrage/ letzte Abfrage: 24.2.2021/ 20:06 MEZ

Jean Ziegler: „Die Schande Europas – Von Flüchtlingen und Menschenrechten“ , 144 Seiten, 16 Euro, Bertelsmann Foto: Bertelsmann

Tja, für mich machen das bei 2084 (gem. Seite u. detaillierter Umfragedarstellung) Befragten, aufgerundete 917 eiskalte Typen, die mir einen kleinen Teil meiner Fragen dazu beantworten, wie manches in der Zeit 1933 – 1945 funktionieren konnte. Insofern ein ziemlich interessantes psychologisches Experiment, was Hr. Reitschuster präsentiert. Konformitätsdruck kann man auch als Mitläufertum bezeichnen. Den gibt es auch bei einem Lynchmord, wo am Ende keiner aus dem Mob dabei gewesen sein will. Vielleicht hätte man den Befragten die Bilder, des weltweit vernetzten linken Medien-Mainstreams, wie bei der Buchbesprechung zum Buch des “Linken” /Ironie *off*, Jean Ziegler, bei den Aachner Nachrichten, zeigen sollen? Bilder können recht wirksam sein. Wie sagte doch Alexander Gauland: “Es kann zu Bildern kommen, die schwer auszuhalten sind.”

Im Allgemeinen ist dies eine militärische Einstellung. Die meisten Minen sollen nicht töten, sondern verstümmeln und damit Entsetzen erzeugen. Im Gegenzuge sind allzu schreckliche Bilder den zu Hause vor dem Fernseher sitzenden Coach – Potatoes vorzuenthalten. Die Militärs haben das geschickt in den Griff bekommen. Viele Zuschauer sind die Sequenzen in Video – Spielen gewohnt. Also werden Aufnahmen von Drohnen präsentiert, die den Spielsequenzen gleichen. Schon ist alles nicht mehr so schlimm. Ich zolle heute noch dem im letzten Jahr verstorbenen Norbert Blüm für seine Übernachtung (2016) im Flüchtlingslager Idomeni Respekt. Und seine Worte waren eindeutig.

Bleibt offen, wer, wen, wie manipuliert. Nehmen wir mal an, ich würde mich als Kämpfer für die Freiheit darstellen und das dem einen oder anderen einfachen Gemüt auch plausibel machen, wiese diese Kandidaten auf die Manipulationsmöglichkeiten über Fragestellungen hin und brächte quasi wie in einem Trojanischen Pferd meine eigene Manipulationsabsicht in der vermeintlich skandalösen Aufdeckung unter, hätte dies ein respektables Format. Und nehmen wir mal zusätzlich an, ich hätte mir lange Jahre von gewieften russischen Spezialisten für Desinformation und Propaganda einiges abgucken können, dann wüsste ich rein theoretisch sehr genau, was ich da tue. Oder? Dann müsste einer, der mir auf die Finger schaut, herausbekommen, wozu ich andere manipulieren will.


Die Religion des Marktes und die neuen selbsternannten Hohepriester

Voller Stolz verkündet Hr. Reitschuster, dass er seine Seite im Dezember 2019 freischaltete und im Januar (2021?) 3,1 Millionen Besucher (darunter Ich ;-)) mit 10 Millionen Klicks hatte. Das nenne ich doch mal Aufmerksamkeit! Nach der Nennung der Zahlen benennt er seine Feinde. Zu denen gehört u.a. der Leiter des Tagesschau.de-Onlineportals faktenfinder Patrick Gensing. Daneben aber auch noch die Süddeutsche Zeitung und einige andere. Es folgt ein Hilferuf! Jeder der ihm spendet, unterstützt die Mission “gebühren – gepolsterte” “Haltungs – journalisten” (Anmerkung: Punkt 14, auf der Liste von Eco?) zu ärgern.

Gott ist tot, es lebe der Markt – die Missionare des neuen Kults

Mit “gebühren – gepolstert” ist wohl der öffentlich – rechtliche Rundfunk und die GEZ gemeint. Wie die Gegenmodelle aussehen, kann sich jeder bei Leuten wie Rupert Murdoch, Andrew Breitbart (jung verstorben), Stephen Bannon, Robert Mercer, anschauen. Allesamt Menschen, die wie ehemals Ford, Rockefeller und Co., rechtzeitig erkannten, wie Geld zu generieren ist und wozu es eingesetzt werden kann. Ihr Anspruch hat es etwas von einem “Gott – Komplex“. In ihrer Vorstellung ist die Erde und alles was darauf stattfindet gestaltbar. Das System “Geld” ermöglicht ihnen so etwas wie einen Olymp, in dem sie sich als neue Götter fühlen. Der gedankliche Vorgang ist nicht neu, von dem wurden bereits römische Kaiser und griechische Könige wie Agamemnon beseelt. Zur Erinnerung: Der wurde bestraft und musste im Totenreich lernen, wie sinnlos alles war. Wenn es Leute gibt, die an einer neuen Weltordnung gemäß ihrer Vorstellungen arbeiten, dann sind es die oben Genannten. Götter sind bekanntlich darauf angewiesen, dass man sie dazu macht und an sie glaubt. Das Göttliche ist im Verständnis des menschlichen Großhirns die Instanz über ihm. Ihrer Auffassung nach hat sich das gewandelt. Über allem steht bei ihnen der Markt. Wie in jedem Kult gibt es Priester, Hohepriester, zeremonielle Handlungen, geheimes spirituelles Wissen, Ketzer, angebetete Heilige, Kultobjekte, Tempel, Insignien, spirituelle Versammlungen und überzeugte Missionare, die ihr Heil, ihren Halt und moralischen Kompass im Kult finden und andere überzeugen wollen. Die Zeiten in denen Missionare von der Kirche in fremde Länder entsandt werden, sind vorbei. Dafür gibt es ein Internet, mit online – Plattformen, Foren, Social Media und einer schier endlosen Menge an Manipulationsmöglichkeiten, die jeder Kult benötigt. Für mich stehen die amerikanische Alt-Right Bewegung, die mit ihr offen assoziierten Plattformen, Milliardäre, die mitteleuropäischen Pendants, in einem direkten Zusammenhang. Der Markt ist alles, einige verstehen dies, u. andere minderwertige Unwürdige, meistens jene, welche sich in den 14 Punkten nicht wiederfinden, eben nicht. Und machen wir uns nichts vor, die jetzt schon eintretenden Ereignisse und das in den nächsten Jahrzehnten, zu erwartende Szenario, stellt für sie eine Bedrohung dar. Die Christen waren auch nicht gerade begeistert, als sie einsehen mussten, dass sich die Erde um die Sonne bewegt.

Meiner Meinung nach sind reitschuster.de, PI-News, Die Achse des Guten, Tichys Einblick, Compact, Kopp Verlag e. K./Kopp Online, u.a., die deutschen Plattformen für Missionare/Priester des oben beschriebenen Kults, mit der die Gefolgschaft versorgt und vermehrt werden sollen. Mit einer gewissen Häme stelle ich fest, dass die Damen und Herren bei ihren Aktivitäten einen eklatanten taktischen Schwachpunkt übersehen. Ich habe ein tiefes Vertrauen in anarchistisch denkende Hacker, die ihnen jederzeit einen Stich ins Herz der Strategie – digital gestützte Missionierung – verpassen können. Der “Cyber Krieg” tobt bereits, aber er hat sich bisher nicht über kleinere provokative Scharmützel hinweg entwickelt.

Was ist echte Freiheit?

Mindestens einen Punkt gibt es noch zu klären. Auf all den Seiten wird der Leser mit dem Wort Freiheit bombardiert. Die kann es nur in Verbindung mit verantwortlichen Denken und Handeln geben. Verantwortung ist unteilbar und schon gar nicht zu Externalisieren. Bei uns halten sich staatliche Institutionen weitestgehend aus dem Verbot einer Meinungsäußerung (Zensur) heraus. Ausnahmen, wie die Strafbarkeit von Volksverhetzungen, Leugnen des Holocaust, nationalsozialistische Grußformeln pp. bestätigen die Regel. Von zivilen Instanzen ausgehender Gegenwind, Beschimpfungen, Kritik, Ausgrenzung von Veranstaltungen, sind keine Beschränkungen der Meinungsfreiheit. Hierzu braucht es eine/n, die/der die Meinung sagt oder schreibt und einen Gegenpart. Letzterer kann nichts für die Befindlichkeiten, wenn der Kritisierte damit nicht umgehen kann. Logischerweise ist auch die Gegenreaktion von der Meinungsfreiheit gedeckt. Mich amüsieren Leute, die mir mit Worten, wie: “Wie können Sie diese Frechheit besitzen?”, oder: “Mit welchem Recht erlauben Sie sich die Schamlosigkeit?”, begegnen. Scham? Frech? Über die Kindheit bin ich fünfzig Jahre hinweg. Versetze ich mich in die Lage dieser über mich Empörten, kann ich die Reaktion verstehen. Immerhin wähnen sie sich in einer höher stehenden autoritären Position. In Deutschland schickt es sich nicht, hiergegen zu rebellieren.

Das Thema Freiheit ist weitläufig. Verantwortung bedeutet, dass ich bei meinem Handeln darauf achte, weitestgehend alles zu unterlassen, was Schaden anrichtet. Tue ich dies nicht, und man kann mir vorwerfen, dass ich leichtfertig handelte, muss ich mich verantworten. Leicht gesagt! Bei wem? Den rechts – Konservativen passen die aktuellen Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie nicht in den Kram. Der unmittelbare Nachweis, wer denn genau aufgrund ihrer auf Unvernunft gestorben ist, wird sich nicht erbringen lassen. Wie will ich eine unmittelbare Kausalität zwischen deren “Immer weiter so!” und der Zerstörung der Lebensgrundlagen herstellen, vor allem, wenn sie bereits unter der Erde liegen? Die Jungen könnten auf die Barrikaden gehen: “Nun ist aber mal gut, es geht nicht mehr um Euer kümmerliches Restleben, sondern um unser!” Greta Thunberg hat es getan. Prompt pöbelten die alten Frauen und Männer der hier angesprochenen Gruppe herum, dass man in ihre Freiheiten eingreifen wolle. Ja! Weil Ihr nicht verantwortlich mit Verstand und Vernunft handelt und damit die Freiheit verwirkt habt. Woran liegt’s? An der Gier, die beides ausschaltet. Mein Vater sagte stets zu mir: “Junge, wenn die Piepe steht, versagt der Verstand!” Eine Wahrheit, die die Menschheit vermutlich seit der Höhle begleitet. Ach ja, und sie rückten alles um Thunberg/Neubauer in eine religiöse Ecke, um irgendwie das lästige Naturwissenschaftliche zu umgehen.

Jemanden die Freiheit zu ermöglichen, bedeutet längst nicht, dass sie oder er sie nutzt, lebt oder überhaupt dazu in der Lage dazu ist. In Malaysia erlebte ich eine Geschichte mit einer kranken Katze. Bis sie krank wurde, streunte sie nach Belieben in der Gegend herum. Doch die Tierärztin sagte, dass das Tier über drei Wochen hinweg dreimal täglich ein Medikament bekommen müsse. Es half nichts. Sie musste in einen Käfig gesperrt werden. In der ersten Woche, versuchte sie jedes Mal wegzulaufen. In der zweiten fügte sie sich in ihr Schicksal und krabbelte nach der Einnahme in den Käfig zurück. Alles alles vorbei war, blieb sie, obwohl die Tür offen stand, volle zwei Tage im Käfig. Sie benötigte weitere vier Tage, um sich einige Meter vom Käfig zu entfernen. Richtig streunend sah ich sie bis zur Abreise vier Monate später nicht mehr. Domestizierte Tiere haben niemals das Leben in Freiheit kennengelernt. Mehr noch, die meisten wären in Freiheit überfordert und würden schnell gefressen werden. Käfige gibt es in vielerlei Gestalt und die meisten befinden sich im Kopf. Die Tür steht offen, aber herausgehen ist nicht jedermanns Sache.

Die rechts – konservativen verkaufen sich selbst als Streiter für die Freiheit. Ich will ihn nicht unterstellen, dass sie sich dabei auf den Standpunkt eines Goebbels stellen, der dem Zentrum höhnisch sinngemäß entgegenschleuderte: “Nur weil sie uns die Redefreiheit gaben, heißt dies noch lange nicht, dass wir den Fehler machen, ihnen diese auch einzuräumen!” Taktisch gesehen, hatte er recht. Wenn man etwas überwunden hat, sollte schleunigst alles verboten werden, was man selbst anwendete, da sonst die Gefahr besteht, mit eben jenen Mitteln als nächster abgesetzt zu werden. Ich denke, die meisten sind schlicht im eigenen Gedankenkäfig gefangen. Wer in einem Raum ohne Fenster steht, kann nicht hinaussehen und wer drinnen bleibt, kann sich nicht das Haus ansehen, in dem sich der Raum befindet.

Seitens der Freien gilt es zu verhindern, dass sie von Innen heraus die Leute von draußen hineinlocken. Sind sie erstmal drinnen, wird es schwer sie herauszuholen.

Nationales deutsches Denken? Spielt dies überhaupt noch eine Rolle?

Als Deutscher sollte man nicht den Blick auf die Realität verlieren. Manch eine/r mag sich immer noch für den Nabel der Welt halten. Mittlerweile hat das die Niedlichkeit eines sich wütend aufpumpenden Hamster. Noch verfügen wir über eine starke Volkswirtschaft, doch dies wird sich geben. Um so weniger wir uns dank diverser Strömungen international öffnen und Neuankömmlinge als echte Mitbürger behandeln, desto mehr werden wir schwächeln. Der “Übermensch” wurde längst von anderen gekapert. Der Zenit ist überschritten und nun gehts halt abwärts. Chinesen und Inder bestaunen Deutsche, als Indigene einer untergehenden Welt. Europäische Kolonialisten ließen sich früher mit Ur – Einwohnern in Baströckchen fotografieren, Inder und Chinesen lassen sich mit Frauen in Dirndln und Männern mit Lederhosen ablichten, die dabei stolz einen Bierseidel hochhalten. Ein letzter Funken Hoffnung besteht darin, dass sich die Jungen zusammenraufen und endlich die Hinterlassenschaften des 20. Jahrhunderts überwinden. Meiner Auffassung nach erleben wir eine Zeitenwende. Und immer gab es in solchen Zeiten Frauen und Männer die sich am längst Vergangenen abarbeiteten. Die Epoche der klassischen Nationalstaaten, der USA, die sich als Weltpolizei versteht, Konzerne die im 20. Jahrhundert das Konzept einer neuen Kolonialisation betrieben, sind vorbei. Niemand kann voraussehen, wie es am Ende aussieht. Fest steht: “Anders!” Murdoch ist ein 90 – jähriger alter reicher Bock, Bannon geht auf die 70 zu, Mercer ist 74, Tichy ist 66, Jochen Kopp (55), ist einen Monat jünger als ich, und hat gerade mal 11 Jahre Polizeidienst abgerissen. Auf der anderen Seite stehen Persönlichkeiten, wie eine Luisa Neubauer, die im Alter meiner jüngsten Tochter ist oder eine frisch 18 Jahre junge Thunberg. Ihnen zur Seite stehen eine Menge engagierte Leute um die 30 – Jahre. Und Herrn Reitschuster kann ich mit 5 Jahren Abstand sagen, dass sich mit dem 50. Lebensjahr einiges ändert. Irgendwo hab ich mal von der Weisheit der Dakota Indianer gelesen: “Wenn man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man absteigen!” Wer erfahren will, wie ein wacher Geist im hohen Alter funktioniert, muss sich mit Größen wie einem 93 – jährigen Noam Chomsky beschäftigen.

Act now to prevent an environmental catastrophe/ Handeln Sie jetzt, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern

100 academics, authors, politicians and campaigners from across the world call for action to address climate change

Internationale politische Organisationen und nationale Regierungen müssen die Klimaproblematik sofort in den Vordergrund rücken und dringend eine umfassende Politik zu ihrer Bewältigung entwerfen. Konventionell privilegierte Nationen müssen freiwillig umfassende Umweltschutzmaßnahmen in verarmten Nationen finanzieren, um letztere für den Verzicht auf ein nicht nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu entschädigen und eine Wiedergutmachung für den den Planeten plündernden Imperialismus der materiell privilegierten Nationen zu leisten.

Angesichts der Tatsache, dass extreme Wetterbedingungen bereits die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigen, fordern wir, dass die Regierungen jetzt handeln, um jegliches Hungerrisiko zu vermeiden, mit Notinvestitionen in agrarökologische, extremwetterresistente Nahrungsmittelproduktion. Wir fordern auch einen dringenden Gipfel zur Rettung der arktischen Eiskappe, um die wetterbedingte Beeinträchtigung unserer Ernten zu verlangsamen.

Wir rufen außerdem besorgte Weltbürger auf, sich zu erheben und sich gegen die gegenwärtige Selbstgefälligkeit in ihren jeweiligen Kontexten zu organisieren, einschließlich der Verteidigung der Rechte indigener Völker, der Dekolonisierung und der ausgleichenden Gerechtigkeit – und sich so der globalen Bewegung anzuschließen, die jetzt gegen das Aussterben rebelliert (z.B. Extinction Rebellion in Großbritannien).

Wir müssen kollektiv gewaltfrei tun, was immer nötig ist, um Politiker und Wirtschaftsführer davon zu überzeugen, ihre Selbstgefälligkeit und Verleugnung aufzugeben. Ihr “business as usual” ist nicht länger eine Option.

Die Weltbürger werden sich dieses Versagen unserer planetarischen Pflicht nicht länger gefallen lassen. Jeder von uns, besonders in der materiell privilegierten Welt, muss sich verpflichten, die Notwendigkeit zu akzeptieren, leichter zu leben, viel weniger zu konsumieren und nicht nur die Menschenrechte, sondern auch unsere Verantwortung für den Planeten zu wahren.

Quelle: The Guardian, 2018 Offener Brief unterzeichnet von 100 namhaften (u.a. Noam Chomsky), https://www.theguardian.com/environment/2018/dec/09/act-now-to-prevent-an-environmental-catastrophe letztmalig abgerufen 24.2.2021 01:17 MEZ

So, dies soll es erstmal gewesen sein. Ich persönlich finde nicht, dass mir Hetze (etwas worüber sich z.B. Hr. Reitschuster häufiger beklagt) vorgeworfen werden kann. Ich habe sie alle sauber im Textzusammenhang zitiert und sogar versucht, mich in deren Lage zu versetzen. Motiviert ist der Beitrag vom oben stehenden Aufruf, in dem es u.a. heißt ” … Wir rufen außerdem besorgte Weltbürger auf, sich zu erheben und sich gegen die gegenwärtige Selbstgefälligkeit in ihren jeweiligen Kontexten zu organisieren, …”

“Schau’n wa mal!” Ach ja … und wie üblich: “Weiter machen!”

Februar 18 2021

Anti, Anti

buddha mudra mara Lesedauer 8 Minuten

Ständig lese ich, dass sich Leute als Anti – Kapitalisten, Anti – Rassisten, Anti – Sexist usw. bezeichnen. OK! Damit weiß ich, wogegen sie sind. Auf der anderen Seite kommt es oftmals reflexartig zur Interpretation wofür diese Leute stehen. Wer gegen den Kapitalismus ist, muss ein Linker sein. Wer gegen Rassisten ist, kann selbst keiner sein? Anti – Sexisten*innen stehen jetzt wofür genau?

Vorausgesetzt ich weiß, wofür ich stehe, kann mich theoretisch niemand davon abhalten, eine eindeutige Stellung zu beziehen. Ich denke hier beginnen für viele die Probleme. Wie könnte die Alternative aussehen? Die Einfältigkeit der Opposition spricht für sich selbst. Als einzige fällt ihnen der Kommunismus, den etwas differenzierter Denkenden unter Umständen noch der Sozialismus, ein. Es gäbe zum Beispiel den Weg der Genossenschaften, in denen die Werktätigen am Gewinn, den Auswirkungen auf ihr direktes Umfeld, den Investitionen, beteiligt werden. Allgemein könnte man an der umfassenden Veränderung der Anforderungen nachdenken. Jeder der ein Produkt herstellen will, muss sich den Fragen einer fachlich kompetenten Kommission stellen. Wie generierst Du ökologisch vertretbar die notwendige Energie für Dein Produkt? Welche Abfallprodukte entstehen bei der Herstellung, wie können die neutral entsorgt werden und wie steht es mit der Entsorgung Deines fertigen Produkts, wenn es defekt ist oder sich jemand dessen entledigen will? Welche Überlegungen bestehen hinsichtlich einer festzulegenden ethischen Kompatibilität? Wofür kann das Produkt zweckentfremdet werden?

Wie häufig habe ich die Frage bereits gestellt? Ist eine/r, die/der aufgrund eigener Analysen oder dem Lesen fremder zum Ergebnis kommt, dass der bisher eingeschlagene Weg in die Katastrophe führt, ein LINKER? Steht dieses Synonym mittlerweile für Vernunft und Verständigkeit? Stehen konservativ, nationalistisch, rechtskonservativ und rechts für das sture Treten des Gaspedals, die ungebremste Fahrt in Richtung Abgrund?

Ich stelle fest, dass die derzeit bestehenden kapitalistischen Theorien, allen voran der Liberalismus und der Neoliberalismus in den Anfängen des 20. Jahrhunderts eine Konkretisierung erfuhren. Also zu einer Zeit, in der die Auswirkungen auf die Lebensräume und die Begrenztheit der Ressourcen gänzlich unbekannt waren. Prinzipiell der Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Menschen. Der jüngere Mensch denkt, es wird sein gesamtes Leben immer weiter gehen, wie es ist, während der Ältere merkt, dass dies nicht der Fall ist. Wir, die Menschheit, haben die Erde in ein Burnout getrieben. Der Verbrauch übersteigt die Regeneration um ein Vielfaches. Davon konnten die alten Theoretiker nichts wissen, für den modernen Menschen kommt diese Ausflucht nicht infrage.

Ich stelle weiterhin fest, dass sich prinzipiell alle Weisen, Religionsstifter, Philosophen der 2000 Jahre vor der industriellen Revolution mit den Themen Gier, Profit, Wachstum, dem Missbrauch von Macht, der Überheblichkeit des menschlichen Großhirns über die Prinzipien der Natur, auseinandersetzten und warnend den Finger hoben. Geht es nach denen, die auf der anderen Seite ihrer Position ausschließlich LINKE sehen, waren Laotse, Konfuzius, der historische Buddha, Mose, Jesus, Sokrates und einige mehr, LINKE, oder womöglich Kommunisten, was natürlich blanker Unsinn ist. Vielleicht erleben wir schlicht ein gigantisches Babylon?

Sind diejenigen, welche überall LINKE sehen, der König Belšazar? Steht an der Wand schon seit geraumer Zeit: Mene mene tekel u-parsin? Wären dann die als LINKE gescholtenen Daniel, die die Nachricht zu deuten wissen? Nun, immerhin wurde Daniel für seine Deutung belohnt.

Wie auch immer, die Sache hat einen nicht unerheblichen psychologisch bedingten Haken. Es betrifft in der Regel nicht die Entscheider, sondern ihre Kinder und Enkel. Und den Jungen, die sich ins Fahrwasser der alten Starrköpfe hängen, ist nicht mehr zu helfen. Einer Generation später die Gräber auszuheben ist eine Sache, es für sich selbst zu tun, eine vollkommen andere.

Es wäre aber genauso verfehlt, einen Anti – Kommunisten, als Rechten zu bezeichnen. Für diese Leute gilt selbstverständlich die Logik ebenso. Jeder Anarchist oder Autonomer ist ein Anti – Kommunist. Doch immerhin sagen beide wenigstens, wofür sie stehen. Vielleicht können einfach gestrickte Konservative nicht aus ihrer Rolle heraus. Wahrscheinlich glauben nicht wenige von ihnen an den Anti – Christen. Jener, welcher absurderweise lediglich den Christen bekannt ist.

Wir sollten niemals vergessen, dem allerersten Radikalen über die Schulter zu schauen: all unseren Legenden nach, Mythologie und Geschichte (und wer weiß, wo Mythologie aufhört und Geschichte beginnt – oder was ist was), war der erste der Menschheit bekannte Radikale, welcher gegen das Establishment effektiv rebellierte, sodass er sein eigenes Reich bekam – Luzifer.

Saul D. Alinsky, Rules for Radicals

Im westlichen Verständnis wird der buddhistischen Figur Mara die Rolle des Teufels, der gefallene Engel Luzifer, zugeschrieben. Dabei ist Mara der Versucher, der die Menschheit vom richtigen Weg abbringen will, damit sie auf immer und ewig im Kreislauf des Leidens bleiben, somit in seinem Reich leben. Versuchung! Gier nach Besitz, immer mehr, Profit, Anhäufen von flüchtigen Dingen, die den Tod nicht überdauern. Wenn man so will, ist Mara die Personifizierung des Kapitalismus. Interessant, dass bei Konservativen, insofern sie den Kapitalismus favorisieren, die Genügsamkeit, das Auskommen mit dem Vorhandenen, mit einem Verzicht gleichgesetzt wird und im Zweifelsfall im Kommunismus endet. Ich würde gern mal von einer/m, die/der Anti – Kapitalisten ausschließlich als Kommunisten verstehen kann, wissen, ob für sie/ihn Benediktiner Mönche ebenfalls Kommunisten sind.

Vielleicht könnte dies Teil der Antwort sein, wofür man steht: Genügsamkeit, Demut gegenüber dem Lebensprinzip auf der Erde, Anerkennung der Lebensberechtigung aller Lebewesen, ohne sich selbst oder den Menschen mangels Legitimierung, über andere zu erheben. Praktisch ist dabei, dass diese Haltung alle anderen anfangs genannten Anti – Aussagen inkludiert.


Kapitalisten kontern Kritik gern mit dem Hinweis darauf, dass sie nicht auf etwas verzichten wollen. Verzicht! Was bedeutet dieses Wort konkret? Zunächst einmal muss etwas existieren, worauf ich verzichten kann. Mehr noch, ohne meinen Verzicht würde es in mein Eigentum übergehen. Aber warum sollte dies passieren? In der Regel, weil ich ein Anrecht darauf habe. Ich kann mir auch alles Mögliche einfach nehmen, schlicht, weil ich es kann. Doch dann wäre es ein Unterlassen und kein Verzicht. Bei Verzicht geht es um das eigene Versagen von etwas, worauf ich ohne diesen Akt einen Anspruch hätte. Hierbei kann ich jetzt unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Ich kann meine Ansprüche davon ableiten, dass ich in einer bestimmten Stadt lebe. Nehme ich ein wenig mehr Abstand, würde ich es von meiner Staatsangehörigkeit abhängig machen. Mit noch mehr Distanz wäre ich bei meinen Ansprüchen als Europäer. Irgendwann käme ich an dem Punkt, wo ich mir die Frage nach der Berechtigung meiner Ansprüche als Lebewesen auf dem Planeten Erde stellen würde. Wie sehen die aus? Ich wurde geboren. Damit bin ich erst einmal existent, nichts und niemand kann mir verwehren, alles dran zu setzen, diesen Zustand aufrechtzuerhalten. Kein anderes Lebewesen hat das Recht, mir dies zu untersagen. Bei näherer Betrachtung würde ich feststellen, dass ein Übermaß an Forderungen, mich in meinem Anspruch selbst sabotiert. Demnach geht es unter Umständen gar nicht um den Verzicht auf etwas mir legitim Zustehendes. Es könnte darum gehen, nicht mehr zu fordern, als mir zusteht. Dies wäre ein Unterlassen! Wenn mir jemand sagt, das ich eine Handlung unterlassen soll, frage ich meistens nach: Warum? Bekomme ich eine nachvollziehbare plausible Antwort, entsteht bei mir eine Einsicht, die sich nahezu immer darauf bezieht, dass ich den Erfolg meiner Handlung nicht möchte. Wenn Du dieses oder jenes tust, wird Folgendes passieren! OK!

Fazit, ich fordere eine/n Kapitalistin/en nicht zum Verzicht auf, sondern ich fordere sie/ ihn auf, die Handlungen einzustellen, weil sie zu einem Erfolg führen werden, den keiner von uns will. Und da es nur eine Welt gibt, habe ich keine Chance, sie einfach machen zu lassen, denn unser Schicksal ist miteinander verbunden. Wir sind auf hoher See in einem Boot unterwegs und die nächste Insel können wir nur mit vereinten Kräften erreichen. Einer allein wird es nicht schaffen. Da ist es schlecht, wenn einer allein alle Wasservorräte aufbraucht, die anderen sterben und nur einer übrig bleibt, der am Ende auch verdurstet. Als Odysseus mit seiner Mannschaft auf der Insel der Herde des Gottes Helios landete, schlachteten sie entgegen der Warnungen der Zauberin Kirke einen großen Teil der Rinder. Ihr Argument: Besser satt auf dem Meer sterben, als den grausamen Tod des Verhungerns zu wählen und Helios würde dieses einsehen. Jedes Rind symbolisierte einen Tag und Helios drohte damit, fortan nur noch für die Toten in der Unterwelt die Sonne aufgehen zu lassen, woraufhin ihm Zeus grünes Licht für die Rache gab. Wenn wir nach Ithaka zurückwollen, sollten wir aufhören die Rinder zu schlachten. Das Verhungern ist nicht sicher, der Tod auf dem Meer durchaus.

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Welchen legitimen Anspruch kann ich gegenüber den anderen Lebewesen anmelden, woraufhin ich gönnerhaft von einem Verzicht sprechen könnte? Weil ich mehr geleistet habe? Will ich mich wirklich mit der Leistung von Ameisen für den Fortbestand des Lebens auf diesem Planeten messen? Mit der von all den anderen Lebewesen? Da verliere ich. Wenn ich mir kein neues superaktuelles Smartphone kaufe, verzichte ich dann auf eins? Oder unterlasse ich es aus Überzeugung? Wenn ich beschließe meine im Kleiderschrank vorhandenen Sachen so lange wie irgendwie möglich zu tragen, verzichte ich dann darauf jeden Trend mitzumachen oder versuche ich mittels Unterlassen eines Neukaufs, das Quälen eines kleinen Jungen in Bangladesch zu mindern? Verzichte ich auf Luxus, oder unterlasse ich es, noch mehr Unheil anzurichten?

Was ist mit den Obdachlosen, den Flaschensammlern, den Rentern in Armut? Verzichten die auf etwas? Oder, und dies halte ich für die korrekte Formulierung, bekommen die etwas nicht, was ihnen zusteht? Wie kann dann jemand im gleichen Land, dessen Grundbedarf in Gänze erfüllt ist, von einem Verzicht auf etwas Legitimes ihm Zustehendes sprechen? Kann eine begründete Legitimität nicht erst dann konstituiert werden, wenn der Grundbedarf aller gedeckt ist?

Ich muss nicht nach Laos, in die Mongolei oder andere Länder fahren, um verstörende Bilder zu sehen. Wenn ich einkaufen gehe, komme ich derzeit nicht daran vorbei in ein beheiztes Einkaufszentrum zu gehen. Ein Konsumtempel, derzeit ein wenig von Corona ausgebremst. Trotz allem beheizt und beleuchtet. Überall in den Ecken stehen Frauen und Männer mit Plastiktüten, in denen zur Tarnung eine Kleinigkeit offen präsentiert wird. Sie können sich nicht setzen oder gar für einige Minuten auf die Bänke legen, dann würden sie vom Sicherheitspersonal herausgeworfen. Die Banken heizen und beleuchten die gesamte Nacht über die Räume, in denen die Geldautomaten stehen. Aber ab 22:00 Uhr werden sie geschlossen, damit sich dort kein/e Obdachlose/r zum Schlafen hinlegen kann. Ein Service für die zahlenden Kunden.

Kapitalismus bedeutet, dass es Menschen gibt, die auf Dinge verzichten können, die sich sie sich selbst zugestehen, während andere weniger als das Minimum haben. Und es werden immer mehr werden. In letzter Zeit stelle ich mir immer wieder eine Frage. In einem meiner Lieblingsbücher “Per Anhalter durch die Galaxis” wird auf einem fernen Planeten dem Super – Computer “Deep Thought” die Frage nach dem Sinn des Lebens gestellt. Nach tausenden Jahren versammeln sich die Erbauer und erwarten eine Antwort. “Deep Thought” antwortet: “42”. Auf weiteres Nachfragen hin, erklärt er, dass ein noch größerer Computer, Achtung Spoiler!, die Erde, die Antwort liefern wird. Ich stelle mir aus Gründen nicht die Frage nach dem Sinn. Aber ich finde es etwas erbärmlich, dass nach über 2000 Jahren des Nachdenkens, Buddha, Sokrates, Laotse, Konfuzius, Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Kierkegaard, Sartre, und wie sie alle heißen, nicht mehr herausgekommen ist, als Kapitalismus. Noch erbärmlicher finde ich es, dass es Menschen gibt, die Zugang zu all dem Wissen haben, die nur einzige Antwort zum Thema haben: Anti – Kapitalisten sind Linke. Solche Typen sind für mich Menschen, die beim Anblick von “Deep Thought” die Frage stellen, ob sie auf ihm “Football Manager 2020” zum Laufen bekommen.

Nun gut, vielleicht ist alles ein Kampf gegen die Zeit. Wenn es gut läuft, vernichtet sich die Menschheit, bevor sie den letzten Überlebenden, die Chance einer weiteren Existenz nimmt. Dann wäre es taktisch klug, damit dieses Elend endlich ein Ende hat, Kapitalisten auch noch die letzte Tür aufzuhalten.

Irgendwie hätte dies Charme. Das Großhirn wäre dann am Ende doch noch intelligent gewesen und hätte die eigene Auslöschung, als einzig konsequente und richtige Lösung erkannt. Ein durchaus interessanter Gedanke.

Ach ja … ein letzter Hinweis noch. Der zum Beitrag ausgewählte Buddha hat eine Handstellung die auf seine Auseinandersetzung mit Mara hinweist. Mara fragte ihn, nachdem er alles nur Erdenkliche angeboten hatte, warum er denn zu den Menschen zurückkehren wolle. Es wäre doch vollkommen sinnlos, er, der Erleuchtete, würde sie niemals seinen Fängen der Versuchung entreißen. Gautama Siddhartha soll ihm gesagt haben, dass er die Hoffnung nicht aufgeben werde.

Februar 1 2021

Nächstes Kapitel

Lesedauer < 1 Minute

Das nächste Kapitel ist frei geschaltet. Diesmal geht es nach Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei. Neben Impressionen, geht es darum was ein Traveller von einem Backpacker unterscheidet. Dann noch, wieso der Dalai Lama in der Stadt einen Thron hat, Wasserklosetts, Gangster und ein wenig Philosophie über Täuschungen. Bitte dran denken, wenn’s gefällt eine kleine Spende an eine Hilfsorganisation und es mir mitteilen, ich werde es dann auf der Spendenseite veröffentlichen. Zum Kapitel 4 – Ulan Bator –

November 10 2020

Lasst uns digital den Untergang tanzen

Maskenpflicht Lesedauer 14 Minuten

Macht ihr ruhig Pläne, ich steh am Rand
Ich sehe euch und ich bin nicht allein
Hinter mir stehen mehr und mehr Weltfremde
Die passen auch nicht hinein
Und jetzt wartet nicht auf ein versöhnliches Ende
Den Gefallen tu ich euch nicht
Kein Augenzwinkern, keine milde Pointe,
Die das Unwohlsein wieder bricht
Irgendwann werden die Götter nicht mehr lachen
Und falls es mich dann nicht mehr gibt
Hinterlass ich ein Kind, das sich selbst gehört
Und dies unhandliche Lied

Sarah Lesch, Testament

Heute war es denn mal wieder so weit. Irgendein Script hat mal wieder meine Hauptseite “trollhaus.de” übernommen und die Adresse landet auf irgendeiner Kommerz – Phishing – Seite. Dies wird immer wieder passieren. Es ist dieses klassische Gebaren des modernen Menschen. Da gibt es etwas, da kann man doch bestimmt auch illegal ganz toll viel Geld raus holen. Und schon überkommt mich eine bleierne Müdigkeit. Dieses ganze gegenseitige “bescheißen” macht müde. Ich hatte eben ganz kurz inne gehalten und nach einem anderen Wort, denn diesen Kraftausdruck gesucht. Mir ist keiner eingefallen.

Aber im Hinblick auf die Webseite gibt es eine Besonderheit. Es findet im Netz und nicht in der realen Welt statt. In der realen Welt kann ich meine Haustür mit einem Querriegelschloß sichern, mein Fahrrad mit drei Ketten versehen und selbst einem Taschendiebstahl kann ich vorbeugen. Im Internet passieren lauter Sachen, die ich nicht mehr nachvollziehen kann und es auch gar nicht mehr will. Das ist wie mit Autos und elektronischen Geräten. Motoren sind derart verkapselt, dass man selbst nichts mehr machen kann und alle Bauteile, die man früher selbst schnell tauschen konnte, sind so geschickt verbaut, dass nur noch eine Werkstatt mit erheblichen Arbeitsaufwand heran kommt. Der Kunde soll bluten. Die elektronischen Geräte haben ihre Sollbruchstellen und geben pünktlich nach Garantieablauf ihren Geist auf. OK! Dann ist das so.

Kontrollverlust

Was mich allerdings daran stört ist der Kontrollverlust. Sicher kann ich mich bis zu einem gewissen Grad den mich alltäglich begleitenden Algorithmen entziehen und mir fällt bisher immer noch auf, wenn mal wieder eine politische Kampagne anläuft oder die üblichen Verdächtigen unter den Journalisten knapp bei Kasse sind und für ihr Portemonnaie schreiben. Aber es kostet Energie und stetige Wachsamkeit. Und ich kann nachvollziehen, dass die nicht jeder aufbringen kann.

Nahezu jeden Tag versuch ich mich zu beherrschen. Andreas, die Leute haben schon immer vor kommenden Dingen gewarnt und dann ist es dann doch anders gekommen, selbst wenn es mal eine Weile den Bach herunter ging, hat sich alles wieder zum Guten gewandelt. Den Menschen geht es besser, jedenfalls in den Industriestaaten. Die Apokalypse ist nicht eingetreten und die Zeugen Jehovas warten immer noch auf ihre Berechtigung. Doch dann lese und sehe ich Beiträge von wirklich klugen Köpfen. Harvard, Oxford, Astrophysiker, Philosophen, Quantenphysiker, auch das macht das Internet möglich. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen lehne ich die Naturwissenschaften, dass dahinter liegende Konzept zu Denken und an die Aufgaben heranzugehen inklusive der Geisteswissenschaften nicht ab. Im Gegenteil, ich halte diese Konzepte für den einzig richtigen Kompass beim Denken. Und was die zu sagen haben, bereitet einem miese Laune. Im zweiten Schritt rette ich mich mich stets mit dem Gedanken, dass mich das meiste nicht mehr berühren wird. Wenigstens werde ich vermutlich nur die Anfänge erleben. Was meine Töchter betrifft, muss ich sagen, dass sie in einem Alter angekommen sind, in der sie die Zukunft zusammen mit Gleichalterigen selbst bestimmen können. Aber darauf komm ich einschränkend nochmals zurück.

Ich glaube das Internet, die Social Media und die Messenger Dienste stellen die berühmte Büchse der Pandorra dar. Das Internet dient längst nicht mehr nur der Informationsvernetzung. Es ist zu dem Propaganda Steuerungsinstrument schlechthin geworden. Mehr oder weniger geschickt werden die Massen von denen, die sich mit solchen Dingen beschäftigen, nach Belieben gesteuert. Bis in die Achtziger hinein, war dies nur denen vorbehalten, die die Hoheit über die Printmedien, Radio und Fernsehen hatten. Die Nummer war schon hart genug. Bunte bearbeitete Bildchen in Werbeanzeigen für die Erdöl -, Chemo, Pharma und Autoindustrie, die eine grüne glückliche Welt suggerierten. Werbung, Rhetorik, manchmal ein wenig Mundpropaganda, inszenierte Ereignisse. Aber das Internet stellt alles in den Schatten und wer alles dahinter steckt, kann kaum noch einer nachvollziehen. Doch warum tun sie das? Weil sie es können! Und warum können sie es? Weil alle mitmachen und ihnen auf den Leim gehen. Gespielt wird mit den simpelsten Wahrnehmungsfehlern der menschlichen Psyche und der Bedürfnisstruktur.

Propaganda ist allgegenwärtig

Es wird ein Bildausschnitt, eine kleine Videosequenz untergebracht und eine passende Kulisse aus Text, Kommentaren, Ereignis, Propaganda dazu getan. Fertig ist der Aufreger für einen Teil der Konsumenten. Nichts ist mehr, wie es scheint. Hollywood hat darüber Filme gemacht, Bücher wurden geschrieben, Reportagen gesendet, Vorträge von Experten ins Internet gestellt, nichts hat Erfolg. Jeden Tag will man schreien: “Was zum Teufel habt ihr nicht verstanden?” Besonders die Macher bei den großen Dienste lachen sich wahrscheinlich in ihren Hinterzimmern krumm und schief. Schwarze Propaganda, weiße Propaganda, Desinformation, Destabilisierung, Manipulation, ist denn in diesem Wahnsinn alles verloren gegangen? Und es sind nicht die großen Verschwörungsmythen, welche von Spinnern verbreitet werden. Schlicht, weil nur Volltrottel so vorgehen würden. Kleine gezielte Szenarien, die wirksam sich selbst befeuernde Prozesse starten. Gerüchte, die sich leicht verdaulich weiter streuen lassen. Oder nach und nach das Vertrauen in Institutionen unterhöhlen, Politiker diskreditieren, aussagekräftige Bilder in die öffentliche Diskussion implementieren, Narrative erzeugen, die Liste der Taktiken ist lang.

Und jede/r Journalist/in, jede/r der in der Öffentlichkeit Gehör findet, jede/r Autor/in, BLOGGER/in, welche sich vor den jeweiligen Karren spannen lassen, tragen Schuld am Ergebnis. Seien es die, welche sich an der nach McCarthyismus anmutenden Kampagne ausgehend von BURDA, SPRINGER beteiligen, aber auch jene, die den Begriff des Nationalsozialismus bzw. Faschismus bis in die Unkenntlichkeit verzerren. Es gilt genau hinzu hören und sich differenziert den Themen zu stellen. Weder die klassischen Rechten, noch die Konservativen, Kommunisten, Sozialisten, Sozialdemokraten, verfügen aktuell über brauchbare Antworten für die kommenden Probleme. In dieses Vakuum fließt pausenlos ein Strom an orientierungslosen Menschen, die sich wegen der bestehenden und vor allem jahrzehntelang erzeugten Bedürfnissen, den rechten Lösungsansätzen annähern. Und das Internet ist voll mit Antworten, Versprechungen und Erklärungsansätzen für komplizierte Fragen. Menschen sind stets auf der Suche nach Sinn, Zusammenhängen, Geschichten, die sich aus einzelnen Ereignissen ergeben, auch wenn diese Geschichte de facto nicht existiert.

Versprechen der Rechten vs. dem wirklich Notwendigen

Bei aller Abneigung gegen die Rechten, muss man ihnen zugestehen, dass sie vordergründig Antworten abliefern. Ja, im Nationalsozialismus steckt das Wort Sozialismus und das scheinheilige Versprechen eines geeinten Volkes, in dem gleiche Chancen, Solidarität und der gesellschaftliche Aufstieg möglich ist. Genau damit kommen einige verkappte Rechte im Internet um die Ecke gebogen. Und wenn ich ein Deutscher im Sinne der Rechten bin, mich in ihrem Sinne verhalte, wird es mir nicht schlecht ergehen. Hier gelte es eine Gegenargumentation aufzubauen. Die modernen Gesellschaften, welche vom internationalen Austausch, Studenten, kulturellen Veränderungen, anderen Denkansätzen und positiven Konfliktlösungsansätzen abhängig sind, müssten erläutert und begründet werden. Es müsste klar zum Ausdruck gebracht werden, dass es nicht mehr ausreicht ein Deutscher zu sein. Im 21. Jahrhundert sind weniger Staaten gefragt, denn Gesellschaften, in die sich ihre Mitglieder jenseits ihrer Herkunft oder spiritueller Prägung einbringen, die Gemeinsamkeiten suchen und das Überleben aller Menschen hinbekommen. Wir brauchen eine Ethik für das 21. Jahrhundert. Wie weit dürfen wir technisch, wissenschaftlich gehen? Wo sind die Grenzen? Gibt es sie? Was wollen wir? Genetik? Implementierung von künstlichen Bauteilen in den menschlichen Körper? Es gibt da draußen Milliardäre die den Traum hegen, das menschliche Gehirn mit einer Schnittstelle für Computer auszustatten. Dies soll nicht nur der Wiederherstellung nach Krankheiten dienen, sondern auch Erinnerungen digitalisieren. Wollen wir das? Wir stehen an der Schwelle und sind mit dem halben Fuß schon darüber.

Ich will das nicht! Ich verstehe nicht einmal mehr das Geschehen unter der Motorhaube meiner Webseite, wie kann ich dann ein Interesse an Techniken haben, die die letzten Schranken durchbricht? Ich finde die Menschheit hat schon genug Prozesse begonnen, über die sie die Kontrolle verloren hat.

Der alltägliche Propaganda Krieg im Netz u. die Öffentlich Rechtlichen Sender.

Vielen der Demonstranten auf der Straße geht es wahrscheinlich nicht anders als mir. Um sie herum passieren Dinge, die sie weder verstehen, noch ansatzweise kontrollieren können. Das macht Angst, weckt Emotionen und blockiert. Ich kann nicht von jedem die notwendigen analytischen Fähigkeiten erwarten, die zur Entschlüsselung notwendig sind. Ein Stück weit müssten sie Instanzen vertrauen können, die ihnen schlüssig, nachvollziehbar, wenigstens ansatzweise die Vorgänge vermitteln oder ihnen sagen, wo sie sich halbwegs gut informieren können. Die Formulierung, es ist nicht hilfreich, wenn ich über die Propaganda in der Medienlandschaft, angeführt von den großen Verlagen nachdenke, erscheint mir beinahe zu schwach. Das geht schon ein wenig in Zersetzung zum Zwecke eigener Machtvollkommenheit über. Mit den öffentlich – rechtlichen Medienanstalten hatte Deutschland eine brillante Idee.

Journalismus abgekoppelt von privaten kommerziellen Interessen. Wer ARTE, WDR Formate, sogar einige sehr gute Reportagen beim RBB, politische Hintergrundsendungen oder auch einfach aber gut aufgearbeitete Dokumentationen über das Weltgeschehen in den Mediatheken vom ZDF und den anderen Stationen schaut, bleibt nicht lange dumm. Aber das passt einigen Leuten nicht in Kram, weshalb sie aus allen Rohren dagegen schießen. Ich hab mal was von der Theorie gelesen, dass das Verhindern eines eigenen Nachdenkens, in dem man simple, wie einen Whopper verdauliche Erklärungen liefert, durchaus politisch gewollt ist. Zumindest dürfte nach dem RTL, RTL Plus, SAT1 Programm das Gehirn derart verkleistert sein, dass nicht mehr viel machbar ist. Es gibt ja diese Studien über die verblödende Wirkung von diversen Fernsehformaten.

Ein gut bekanntes Beispiel ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die mit Stand 2004!! mit der Wirtschaftswoche, impulse, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Welt, Handelsblatt,Talkshows Christiansen, Illner etc. zusammenarbeitet. (Quelle: Die politischen Strategien der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, PD Dr. Rudolf Speth, Hans Böckler Stiftung, Seite 4, Ziffer 9 Link führt zur *.pdf Datei des vollständigen Textes) Wer noch alles dazu gekommen ist, ist mir nicht bekannt. Damals arbeitete der Think Tank mit der Werbeagentur Scholz & Friends zusammen, die 2016 durch den eigentlich zu befürwortenden (jedenfalls aus meiner Sicht) Twitter Hashtag #keingeldfürrechts ein wenig Scheinwerferlicht auf den täglich im Internet tobenden Propagandakrieg richtete. Gerald Hensel (ein großartiger Typ!), damals Strategieexperte und Angestellter der Agentur, legte sich mit den rechten Netzwerken und dem amerikanischen Breitbart Netzwerk an. Er durchbrach das System, dass über Drittanbieter große Unternehmen Werbegelder ausschütten und sich nicht im Klaren sind, an wen die Gelder gehen. Er fordert dazu auf, dass sich die Firmen eben nicht “scheinbar” aus der politischen Verantwortung stehlen dürfen, sondern sehr wohl darauf achten müssen, wen sie da unterstützen. Nebenbei nennt sich das unternehmerische Verantwortung.

am Besten selbst zu Wort kommen lassen ….

Die rechten Netzwerke machten mit allem Front, was sie zur Verfügungen haben. Aber nicht nur die. Michael Hahnfeld von einem der deutschen journalistischen Leitmedien der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schrieb zur Aktion:

„Wer auf so etwas setzt, erst recht als Stratege einer Werbeagentur, bringt wirtschaftliche Macht gegen die Meinungsvielfalt und die Pressefreiheit in Stellung.“

und weiter ….

“Das freilich sind die unfreundlichen Geister, welche ein Boykottaufruf wie dieser heraufbeschwört. Es ist gerade schwer in Mode, Leute zu brandmarken und als „rechts“ zu denunzieren, deren Ansichten man nicht teilt. Mit dem Etikett wollen Unternehmen nichts zu tun haben und drehen – wie man auf Twitter nachverfolgen kann –, gleich bei, wenn sie nur heftig genug darauf hingewiesen werden, sie unterstützten mit ihrer Werbung (die im Internet oft automatisch geschaltet und gestreut wird) die Falschen.”

15.12.2016, FAZ, Überschrift: Boykottaufruf gegen „Rechts“ : Wirb nicht bei den Schmuddelkindern

Netzwerke

Mit den als rechts denunzierten “Opfern” meint er das US Portal Breitbart, welches mit Donald Trump berühmt berüchtigt wurde, „Achse des Guten“ von Henryk M. Broder und Tichys Einblick von Roland Tichy. Liest man die Twitterbeiträge und Artikel von ihm, klärt sich diese Haltung schnell auf. Er besitzt ein äußerst kritisches Verhältnis zu den Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten und setzt sich intensiv mit dem Islam auseinander. Zu einer Dokumentation im WDR über den Rechtspopulisten Geert Wilders, der wahrlich jedem Neu Rechten bekannt ist, twitterte er:

Die Rhetorik des Artikels lautet: Mit dem Sendebeitrag wird vor einem Rechtsruck in Europa gewarnt, aber Wilders wird unzulässig eine Nähe zu Israel und dem Judentum zugerechnet, was wiederum nach Antisemitismus riecht, wohl deshalb, weil damit vermeintlich sein Islamhass begründet wird. Ich werde dem Leiter des Feuilleton der FAZ ganz sicher keine Nähe zu den Neuen Rechten unterstellen und auch kein Framing betreiben. Darum geht es mir hier nicht. Ich habe mich gefragt: Wie kommt der Mann darauf und was passiert da eigentlich? Außerdem denke ich dabei auch über die menschliche Rolle eines Journalisten nach. Einerseits der Journalist, der sicherlich, so wie ich selbst als Kriminalbeamter, einem Berufsethos verpflichtet ist und auf der anderen Seite das Gesellschaftsmitglied, der auch als Mensch mitgestaltet. Ich denke nicht, dass es eine gute Idee ist, sich in den Reigen derer einzuordnen, die die Öffentlich Rechtlichen Sender stets “sturmreif” schießen wollen, die für mich immer noch eine letzte Bastion sind.

Die Neuen Rechten scheinen den Antisemitismus taktisch einzusetzen. Wir sind keine Antisemiten, also können wir auch nicht Rechts sein, wir mögen nur den Islam nicht. Anders: Teile von uns haben Frieden geschlossen und wir bauen statt dessen ein neues Feindbild auf. Das ist äußerst geschickt eingefädelt. Bei der Achse des Guten, wird das perfektioniert. Mit Henryk M. Broder, als langjähriger Journalist und Deutscher mit jüdischen Glaubensbekenntnis ist ein perfektes Schutzschild installiert, an dem man nicht vorbei kommt, jedenfalls nicht, wenn man sich nicht vor Gericht wieder sehen will.

Die “Achse des Guten” ist ein großer Autorenblog unter der Adresse achgut.com. Wer alle Einlassungen von deutschen Mitbürgern kennenlernen will, die sich den Methodiken und Vorgehensweise von weltweit anerkannten Naturwissenschaftlern aller Fakultäten widersetzen, ist dort richtig. Letztens war da etwas über die gesundheitlichen Vorteile zu lesen, die sich aus der Erwärmung von Regionen in Deutschland ergeben. So etwas kann man einfach für sich stehen lassen. Das ist Selbstauskunft genug. Man kann sich dies aber auch ersparen. Außerdem entdeckt man dort ein interessantes Phänomen. Menschen die Antisemitismus kennengelernt haben, schlagen dort mit gleichen Mitteln zurück und ergehen sich in Anti – Islam Tiraden. Eine alte Regel besagt: Irgendeinen äußeren Buhmann braucht man immer, um innere Einigkeit zu erzeugen. Wenn ich mich nicht irre, was ich hier nicht ausschließe, kam irgendwo aus der Richtung auch mal die wilde Konstruktion, dass der Islam keine Religion wäre. Oder war es nur die AfD? Ich bekomme die immer so schwer auseinander gehalten. Eins weiß ich auf jeden Fall, würde eine/r in vergleichbarer Art und Weise den jüdischen Glauben angehen, wäre ganz schön was los. Zu Recht! Dennoch kann ich daraus keine Rechtfertigung ableiten, dies mit einer anderen Glaubensrichtung zu veranstalten. Da ich weder Jude, noch Moslem oder bekennender Christ bin, nehme ich mir die Freiheit heraus, alle zur Contenance aufzufordern. Sicherlich ist das alles von der Meinungsfreiheit gedeckt. Aber man muss nicht alles machen, was nicht untersagt ist. Ich habe mir selbst herausgenommen, Cartoons mit kritischen Inhalten gegen alle Religionen zu zeichnen. Aber ich habe darauf Wert gelegt, keine ausgrenzenden Aspekte anzusprechen, sondern bin den alle antreibenden Dogmatismus angegangen. Da gibt es nochmals feinsinnige Unterschiede, die sich aus dem Zweck ergeben. Dort ist bei mir der Eindruck entstanden, dass die quasi Schmähung des Islam der Mobilisierung für die eigene Sache dient, insbesondere wird wiederholt die Assoziationskette: Flüchtling, Islam, Kriminell, Terror, zusammengefügt. Eine solche Kette wird schnell zur Zündschnur.

Ich folge hierbei auch der Rhetorik von Herrn Hahnfeld: Das alles geschieht dort völlig unabhängig von der jüdischen Position heraus. Es ist ein rein taktisches Mittel, dem sich gleichsam jeder Buddhist (tun sie nebenbei in Myanmar) oder Christen bedienen kann. In Deutschland lautet die Message: Kein Antisemit, ergo keine rechte Gesinnung. Und so indifferent wie der Begriff “Rechts” benutzt wird, ohne auf die intellektuellen Ziele der Neuen Rechten und ultra – Konservativen näher einzugehen, funktioniert das auch. Näher zu betrachten wären der Nationalismus mit Unterordnung aller Aspekte unter den Ansprüchen der Nation, eine Vereinfachung der Hierarchie, die Diskriminierung aufgrund der Herkunft aus bestimmten Ländern (bekanntlich haben die meisten Neuen Rechten nichts gegen gleichgesinnte Europäer), das Feindbild kommt aus Asien, Afrika, Indien, Pakistan, vor allem wenn es Muslime sind, das Leugnen des Klimawandels als typisch rechte Unterdrückung der freien Wissenschaft und Zwang zur Nützlichkeit für die nationalen Interessen (alles was nicht passt, muss falsch sein), chauvinistisches Weltbild, u.s.w.. Da gäbe es vieles und nicht alles muss auf einem Mal erfüllt sein. Aber wie gesagt, auch dies ist eins der Mysterien des Internets. Kaum jemand hat ein Interesse daran, die polarisierenden Begriffe links und rechts aufzulösen, damit eine echte Auseinandersetzung statt finden kann. Dies wäre zu kompliziert und für propagandistische Zwecke denkbar ungeeignet.

Tichys Einblick versteht sich wie alle anderen Plattformen aus dieser Ecke als konservativ, wirtschafts – liberal bis hin zu rechts – konservativ. Mir ist es egal, als was sich diese Plattformen selbst sehen. Für mich sind sie rückwärtsgewandt und haben mit den notwendigen Lösungsprozessen der kommenden zwei Jahrzehnte nichts zu tun. Es sind die Äußerungen alter Frauen und Männer, die um ihre Macht, wenigstens bei der Meinungsbildung kämpfen. Hierbei gilt auch immer die Erkenntnis, dass es einige menschliche Größe braucht, wenn man biografische Irrwege anerkennt. Da setze ich lieber auf einen Hensel, der die Richtung seines Weges erkannte, bremste und sich neu orientierte. Dem muss man Respekt zollen.

Was da alles im Einzelnen passiert, wer, wie, mit wem, wie das komplette Netzwerk aussieht, welche Geldströme fließen, wo mit welchen Folgen Kooperationen stattfinden, ist extrem zeitraubend. Meistens ist man auf Heuristik und Verdachtsmomente angewiesen. Wenn ein ausgebildeter Journalist, der mit Sicherheit kein Holzkopf ist, zu sehr in abstruse tendenziöse Richtungen schreibt, liegt der Verdacht einer passenden Bezahlung nahe. Grundsätzlich ist dies die Aufgabe der Journalisten untereinander. Doch auch Politiker, jedenfalls welche mit Ehre in den Knochen, dem Willen etwas für die Gesellschaft zu leisten und sie für die Zukunft zu gestalten, eine in der junge Menschen noch leben können, müssen sich entscheiden, ob sie die Unterstützung der Machterhaltung um jeden Preis haben wollen oder sie mit Risiko die Innovation unterstützen.

Kinder in die Welt setzen?

Ich bin ein Vater. Diese Rolle meines Lebens hake ich nicht unter Biologie ab, sondern ich habe damit ab 1992 eine Verantwortung übernommen. Meine Überlegung war damals, ob es zu verantworten ist, Kinder in die Welt zu setzen, die ich für die kommenden 50 Jahre, prognostizierte. 1992 knirschte ich mit den Zähnen, aber ein Zeitraum von 50 – 70 Jahren erschien mir Abstrichen grundsätzlich sicher. Heute fragen mich meine Kinder, ob ich heute nochmals so entscheiden würde. Also schaue ich erneut 50 – 70 Jahre in die Zukunft. Der alles entscheidende Punkt bei der Antwort ist der Faktor der Unvorhersehbarkeit einer Veränderung im Prozess und die Wahrscheinlichkeit. Theoretisch kann vom Meteoriteneinschlag, Atomaren Unfall bis hin zum Erdbeben alles den Ablauf unterbrechen. Menschliche Schicksale mal völlig außen vor gelassen. Verläuft der Prozess ungehindert, ist meine Antwort eindeutig: Nein!

Der Neoliberalismus in der Interpretation der 70er und 80er Jahre hat in den letzten Jahrzehnten nahezu den Status einer Religion bekommen. Die aus ihm resultierenden Versprechen des ewigen Wachstums, stetig bestehenden oder sogar wachsenden Wohlstand, sogar die angenommene Heilskraft für den bereits eingeleiteten von Menschen verursachten Klimawandel, der sich zur Katastrophe weiterentwickeln wird, sind Aussagen, die denen der Glückseligkeitsaussagen der Buchreligionen entsprechen und der Naturwissenschaft entgegenstehen, wie einst die katholische Kirche. Die Arroganz des Menschen, sich über alle Naturgesetze hinwegsetzen zu können und das natürliche System übernehmen zu können, erscheint grenzenlos.

Mit dem zweiten Glauben, nämlich den an das digitale Paradies, mit dem der Mensch seine Unzulänglichkeiten überwinden kann, ist ein weiterer zerstörerischer Faktor auf dem Plan erschienen. Der Mensch verliert seine Menschlichkeit und verändert sich in etwas anderes. Schon heute, auch ohne Implantate und kompatible Schnittstellen, hat der Mensch in den digital manipulierten Massengesellschaften sein Wesen aufgegeben. Und der Rest, welcher noch geblieben ist, steht zum Verkauf oder Erwerb zur Verfügung. Abgesehen von Anerkennung, Liebe, Status, Freiheitsbegriff, Spiritualität, hat die bestehende Ausgestaltung des Kapitalismus alles eingekauft. Musik, das Lebensgefühl des Rock’ n Roll, den Punk, Friedensbewegung, Anti – Atomkraftbewegung und auch Fridays for Future werden sie kaufen. Wie war das letztens? Da mokierte sich das Lager der Konservativen und die “Liberalen” der FDP über die Aussage von FFF, dass man nicht mit einem Verhandlungsangebot gekommen wäre, sondern mit einer Forderung, basierend auf den wissenschaftlichen Fakten. Angeblich wäre dies kein demokratisches Verhalten. Genau genommen ist es das wirklich nicht. Weder das Klima, noch die natürliche Mitwelt oder die anderen Spezies unseres Planeten, ohne die wir nicht existieren können, sind Verhandlungspartner. Aber das verstehen die Damen und Herren nicht, oder kriegen es nicht in ihrer Religion untergebracht.

Stand der Dinge ist, dass weltweit niemand wirklich eine echte Wende bzw. Unterbrechung des Prozesses anstrebt. Es wird über erneuerbare Energien sinniert, die aber einen stetig steigenden Energiebedarf decken sollen. Eins rennt vor dem anderen davon. Jeden Tag werden neue Erdölfelder erschlossen. China, USA und Russland machen keinerlei Anstalten, dies zu ändern. Hinzu gekommen ist der nächste Wahnsinn: Fracking! Außerdem wollen sie die Gasknollen am Meeresboden ernten, ohne ansatzweise zu wissen, welche Folgen das haben wird. Südamerika, Asien, macht ungehindert weiter einen Regenwald nach dem anderen platt. Die Kritiker konzentrieren sich auf die zivile Luftfahrt und übersehen geflissentlich die weltweiten militärischen und Transportflüge. (Zahlen sind hierüber schwer zu bekommen) Hinzu kommen die Kriegsschiffe auf den Meeren. Überhaupt werden Kriege und deren Folgen für die Mitwelt gern ausgespart. Zum Beispiel widmete sich der Journalist und Filmemacher Frieder Wagner dem Thema Uran Munition, was seiner eigenen Aussage nach, dem beruflichen Erfolg nicht förderlich war.

Querdenkend? Zu was?

Alles lässt nicht auf einen Prozessabbruch in naher Zukunft schließen. Deshalb lautet meine Antwort auf die an mich gerichtete Frage ob ich mit Stand der Dinge nochmals ein Kind in die Welt setzen würde: Nein! Schon gar nicht, wenn ich nicht einmal der Verantwortung der mir einst selbst zugeschriebenen Vaterrolle gerecht werden kann. Ich finde es erschreckend, wie wenig andere Eltern bereit sind ihre Rolle einzunehmen. Und bitte weise mich hier an dieser Stelle niemand auf die Querdenker hin. Einst war der Begriff positiv belegt. Heute würde ich mich beleidigt fühlen. Wenn, dann ziehe ich Geradeausdenker vor. Ich akzeptiere die Hilflosigkeit, den Frust und die Verlorenheit innerhalb des Trauerspiels. Dies kann aber nicht die Begründung für die Zuwendung einer Lebenshaltung sein, die beinahe mittelalterlich anmutet. Erst recht nicht die Akzeptanz der von mir bereits erwähnten Rückwärtsgewandten. Wenn man freundlich ist, kann das eine oder andere Verhalten noch als Pubertär durchgehen. Aber nur, wenn man sehr freundlich gesinnt ist. Die endet allerdings, wenn eine Gruppe in Braunschweig die sich Querdenker 53 nennt, ausgerechnet am 9. November 2020 eine Demonstration zu 18:18 Uhr anmeldet. Wütend auf auf die eindeutige Symbolik (1 = A/dolf, 8 = H/itler) angesprochen, besaßen sie auch noch die kaum noch zu steigernde Impertinenz auf eine vermeintliche Unwissenheit hinzuweisen und die Zeit angeblich wegen der besseren Merkfähigkeit gewählt zu haben. Mir ist bewusst, dass die Zahlensymbolik manchmal überbewertet wird, aber hier ist sie nun wahrlich eindeutig. Kein Demonstrationsanmelder wählt diese Uhrzeit, 18:00 Uhr, 18:30 Uhr, aber niemals, in keinem Fall, 18:18 Uhr.

Die Mitläufer sind für mich Menschen, die lediglich eine einzige Perspektive einnehmen können. Die des Bewohners eines wohlhabenden industrialisierten Staats. Würden sie sich einmal in die Lage eines Menschen in einem Schwellenland versetzen, würden all ihre Theorien und scheinbaren Argumente in tausend Meter Höhe zerplatzen. Oder noch besser, wenn sie sich die Mühe machen würden, einmal ihren ganzen Stuss auf Machbarkeit, Motiv, Wirtschaftsgeschehen und Ähnliches zu prüfen, ginge ihnen ein Licht auf. Alleine wenn sie von einer Neuen Weltordnung fantasieren, könnte ihnen auffallen, dass daran kein einflussreicher Mensch ein Interesse haben kann, weil es für sie oder ihn vor Corona, während und danach verdammt gut läuft. Wozu also die ganze angenommene Mühe? Na ja, die Religiösen Fanatiker, wie Attila Hildmann und dieser seltsame Sänger, nebst der Anhänger, sind jenseits der Reichweite von aller rationalen Betrachtung. Ebenso eher bedauernswerte Esoteriker und naive Landleute. Bei denen kann man sich nur noch an den Kopf fassen und dankbar sein, dass das eigene Oberstübchen noch funktioniert.

Februar 6 2020

Der eine Ring …

Lesedauer 4 Minuten

Irgendeiner hat mal gesagt, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Wahrscheinlich war es im Sinne eines zeitlichen Ablauf gemeint. Was wäre, wenn man in anderen Einheiten denkt. In zeitlichen Epochen?

Mit Beginn der Industrialisierung entstanden neue Gesellschaftsmodelle. Die Monarchien, ergo die Herrschaft per Geburtsrecht verloren an Bedeutung. Gott starb und wurde im moralischen Denken auf die hintersten Plätze verwiesen. Eine neue Herrschaftsform trat ihren Siegeszug an. Die Zeit des Kapitals u. Begründung von darauf basierenden Machtstrukturen.

Kapital ist kalt, emotionslos, berechnend, taktierend, entfremdend. Nicht das Wohlergehen der Menschen o. der Erhalt eines Lebensraums Erde steht im Vordergrund, sondern die Vermehrung des Kapitals.

Für die Mehrung u. Erhalt sind viele Menschen bereit, nahezu alles zu unternehmen. Es werden Kriege geführt, um die Neider o. Opfer dieser Strategie, abzuwehren. Es werden Waffen entwickelt u. verkauft, die noch drei Generationen später eine abschreckende Wirkung erzielen sollen. Der letzte Schuss ist vor langer Zeit gefallen, doch die Trauma, Blindgänger, Verstümmelte, Krankheiten, bleiben. Gesellschaftliche Ungerechtigkeiten u. ihre Folgen, werden zur Polizeiaufgabe.

Waffen kurbeln die Konjunktur an. Eine kontrollierte homogene menschliche Masse ist das Ideal für Konsumsteuerung, stupider Produktion u. Verwahrung namenloser Produktionsmittel. Das wussten in den 20ern auch die Industriebarone. Gleichermaßen war sich dessen auch das Besitzbürgertum bewusst, die wie Putzerfische die dicken Fische begleiteten.

Der Nationalsozialismus, gestützt vom inländischen u. ausländischen Kapital, ging aus diesem Denken hervor. Die Nazis wurden besiegt, der Glaube ans Kapital blieb. Viele Familien machten mit dem blutigen Geld aus dieser Zeit einfach weiter. Alle Alternativen wurden unter dem Begriff Kommunismus zusammengefasst, diffamiert u. dämonisiert. Selbst das Grundeinkommen, eine gesellschaftlich philosophische Idee aus den Anfängen der Industrialisierung wurde kommunistisch. Schon die Nazis betrieben diese Hetze, in der Bundesrepublik u. den USA wurde sie spätestens mit McCarthy, über Ronald Reagan, bis heute fortgesetzt. Das Kapital, der eine Ring, geschmiedet um alle anderen Ringe zu kontrollieren, im Besitz des Konsumenten Gollum, der seinen Schatz nie wieder hergeben will.

2020 befinden sich die CDU/CSU, FDP, in alter Tradition. Erhalt des Wohlstands, Wachstum um jeden Preis, Bewahrung der Machtstrukturen des Kapitals. Gegenüberliegend gibt es für sie nur verachtenswerte Kommunisten. Dabei ist jeder gläubige Christ o. überzeugte Buddhist im Grunde genommen, ein Gegenentwurf zu ihrer Strategie. Dafür bedarf es keine Analytiker wie Marx, Fromm oder Marcuse.

Nicht wieder, sondern immer noch, sind sie bereit, mit denen zusammen zu agieren, die die niedrigsten Instinkte, Verhaltensmuster u. das Animalische im Menschen bedienen. Schwer ist das nicht, weil sie sich genau genommen, nur in Nuancen u. Detailfragen unterscheiden. Die Verachtung dessen, was den Menschen u. alle anderen Lebewesen aus macht, die Ignoranz der Einbindung des Menschen in ein Lebenssystems, in dem er die gleiche Bedeutung hat, wie alle anderen Lebewesen, das unzulässige Bewerten eines Lebens, hat viele Gesichter. Das marxistische Proletariat war eine Begriffsfindung für Menschen, die dreifach von ihrem Schaffen, als Prozess und dem Produkt entfremdet sind und in der vierten Stufe von sich selbst, damit dann auch das Interesse an Gestaltung, Verantwortung u. sozialen Engagement verlieren. Der Begriff ist veraltet, aber spätestens mit dem völligen Fernhalten von Produktivität, Gestaltung, Sedierung mittels Hartz IV am Rand des Existenzminimums immer noch aktuell.

Die aktuelle LINKE als iseologische stalinistische Folgepartei der SED zu bezeichnen, einen Rammelow als linksextrem zu diffamieren, ist eine Fortsetzung der alten Verhaltensmuster, mit bekannten Folgen. Statt dessen um die Wählergunst derjenigen zu buhlen, die unverhohlen die alten Texte neu auflegen, gehört dazu.

Faschismus, Nationalsozialismus, sind ohne das Kapital u. deren Jünger nicht möglich. Hitler brauchte es, genauso wie Mussolini u. Franco. Die Denkmodelle, die zugrundeliegenden Mensch – u. Weltbilder passen ergänzend zueinander. Heute bedarf es keiner Fremdarbeiter mehr, wenn man sich quasi an Sklaven in den Strassenschluchten von Asien bedienen kann.

Es erscheint beinahe skuril, wenn Parteien, die Europa abschotten wollen, was nur mit massiver Gewalt funktioniert, sich von einer Großmacht nahezu sklavisch abhängig machen, die Völkerrechtsverstösse dieser Großmacht dialektisch rechtfertigen, fortwährend paranoid den Überwachungsstaat ausbauen, mit dem Finger auf die alte SED zeigen. Vieles davon, dürfte bekannt vorkommen. Alles ist ein wenig moderner geworden. Wahlen müssen nicht manipuliert werden, wenn ich vorher die Mittel zur Manipulation der Meinung habe. Doch nicht alle Wähler sind Opfer der Diffamierungskampagnen geworden. Und eine Menge haben der bei Goebbels abgepausten Propaganda eines Höcke den Rücken zugekehrt. Daran änderte auch nichts das Buch über den Kampf eines kleinen ehem. Geschichtslehrers.

Von allen in Thüringen angetretenen Parteien ging die LINKE mit der höchsten Prozentzahl (31,0) hervor. Die Wähler der SPD (8,2) ähneln in den Vorstellungen der LINKEN. Die GRÜNEN (5.2) ebenso. Machen im progressiven Bereich 44,4 %. Die Neoliberale FDP bekam gerade mal 5 %. Es lag bei den Abgeordneten der CDU ihr Gewissen entscheiden zu lassen u. den alten Pfad zu verlassen. Sie haben es wieder einmal nicht getan. Lieber mit den Faschisten, als mit dem Schreckgespenst der alten Hetzplakate aus Weimar zusammenzuarbeiten. Und die Statements einer AKK, die nicht einmal die Werteunion konsequent angeht, eines Merz, der nicht müde wird die LINKE als quasi stalinistische Unrechtspartei zu bezeichnen, kommen viel zu spät. Besonders die nachträglichen Aussagen eines Kubicki und Lindners lassen tief blicken. Lindner, der Rabulistiker deutscher Politiktalkshows, stellt die Aufstellung des FDP Kandidaten als eine Dienstleistung für die Mitte hin, welche er zwischen dem Rechtsextremen Goebbels Verehrer Höcke u. einem Rammelow sieht. Somit ihn als Linksextremisten auf der anderen Seite sieht. Dafür macht er dann schon mal im Rahmen eines Bauernopfers die AfD zum entscheidenden Polit – Faktor. Aus eigenen Reihen wird ihm von den Alten ein Hauch Weimar bescheinigt, den er mit verursacht hat.

Geschichte muss sich nicht wiederholen, sie dauert schlicht an. Dobrindt hat die zweite Konservative Revolution ausgerufen. Der Ausgang der ersten ist bekannt.

Dezember 12 2019

On the road – Nord Laos

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Weiter geht es auf dem Trip durch Südostasien. Diesmal geht es um den Norden von Laos. Laos ist für den neugierigen Reisenden mehr Landschaft, Kultur, Dschungel und Elefanten. Das Land ist auch Zeuge eines Krieges, der meine Generation beeinflussen sollte. Nachdem  Tonkin-Zwischenfall 1964, begann die Flächendeckende Bombardierung von Nordvietnam, Kambodscha und Laos. Zwei Jahre vor meiner Geburt. Die aktiven Kriegshandlungen endeten 1975 mit dem Abzug der USA Truppen. In Deutschland empörten sich die Studenten und Vietnam wurde Teil der 68er Bewegung. Eine Folge des Kriegs war eine Massenflucht aus Vietnam, weil sich die neuen Machthaber rächten. Auch damals bekleckerte sich Deutschland nicht gerade mit Ruhm. Die Aufnahme der Boatpeople erfolgte eher zurückhaltend.

Auch Laoten trieb es ins Exil in die USA. 2005 deckte das FBI eine Verschwörung auf, bei der ehemalige US Militärangehörige zusammen mit Exil – Laoten einen Putsch in Laos planten. Bei den Verschwörern handelte es sich vornehmlich um Angehörige der Hmong. Auch um die geht es bei der Schilderung meiner Eindrücke.

Der Krieg, die Gründe und das dahinterliegende Denken, sind immer noch aktuell. Ebenso wie die Folgen, die an jeder Straßenecke in Laos zu sehen sind. Laos ist mit 90 % bekennender Buddhisten ein zutiefst spirituelles Land. Allein wenn die in den frühen Morgenstunden in den Klöstern die Trommeln angeschlagen werden und die Mönche sich auf den Weg machen, die Spenden einzusammeln, merkt der Mitteleuropäer, wie intensiv Gesellschaft und Buddhismus in Laos miteinander verbunden sind.

Kolonialherren, Kommunisten, Neoliberale, chinesische Imperialisten, versuchen erfolglos die Mönche auf ihre Seite zu ziehen. Wenn man nicht ausschließlich der blinde Tourist sein will, der die uralten Kunstschätze bestaunt und auf Elefanten reitet, ist Laos ein guter Platz, um über das nachzudenken, was vor 3000 Jahren im alten Indien formuliert wurde.

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