Dezember 29 2021

Kurze Gedanken #6

Lesedauer < 1 Minute

Ich sehe keine klassische Spaltung der Gesellschaft. Mir begegnet ständig eine Verwechslung von Egoismus und Egozentrik. Für seine eigenen Belange einzutreten, sie einzufordern, ja, sogar über die anderer zu stellen, ist legitim und ist Teil der Freiheit. Meines Wissens ist dies gesunder Egoismus.

Bei der Egozentrik, stelle ich mich selbst in den Mittelpunkt von allem Geschehen. In den monotheistischen Religionen stand im Zentrum Gott. Im Humanismus rückte der Mensch in den Mittelpunkt. Alle anderen Lebewesen und Prozesse drehen sich um ihn und werden damit gleichsam Untertan. In modernen Wohlstandsgesellschaften setzen sich immer mehr Menschen selbst in den Mittelpunkt.

Alle anderen, alles andere, spielt sich um ihre Person herum ab und ist im Zweifel auf sie zuzuschneiden. Dies wird nur allzu häufig gelebt, eingefordert u. oftmals seitens Politik, Werbung und Zeitgeist gefördert. Kommt dann jemand daher und sagt, dass dies nicht der Fall ist, jeder ein Teil des Gesamtgeschehens darstellt, fühlen sich die Leute innerhalb ihrer egozentrischen Weltbilds nicht gebührend behandelt. Dies ist die zusammenfassende Klammer zwischen den in zweiter Reihe parkenden Autofahrern, den Falschparkern, die nur mal eben etwas zu erledigen haben, den Maskenverweigerern und den sogenannten Querdenkern. Ebenso resultiert daraus deren verschobene Freiheitsbegriff, der nur funktioniert, wenn das eigene Handeln, mit seinen Folgen, ausschließlich auf die eigene Person bezogen wird.

Dem ist entgegenzuhalten, dass es unmöglich ist folgenlos zu existieren und zu handeln. Alles steht zueinander in einer Wechselwirkung. Mag das theoretische Konzept eines Gottes im Mittelpunkt als Gedankenkonstrukt funktioniert haben, ist bereits der Humanismus, der die Abhängigkeiten zum natürlichen System ignoriert, was sich u.a. im zerstörerischen Verhalten bezüglich der Lebensgrundlagen und dem Umgang mit anderen Lebewesen äußert, ein falscher Ansatz. Die Egozentrik, kann nicht einmal ansatzweise funktionieren, da sie nochmals in gesteigerter Weise gegen das Wechselwirkungsprinzip verstößt.

Dezember 29 2021

Kurze Gedanken #5

Lesedauer 2 Minuten

Computer sind für viele Menschen der absolute Endgegner. Bekanntlich tun sie exakt, was man ihnen vorgibt. Sie denken nicht, fühlen nichts, kennen weder Trotz noch Sympathie. Dennoch erscheint häufig auf dem Bildschirm nicht, was sich der oder die Benutzer vorstellt. Während man seiner Ehefrau, dem Gatten, Lebenspartner/in, Kollegen/in alles erdenkliche unterstellen kann, berühren Computer all diese Dinge gar nicht. Weder ist er zu doof, um etwas zu verstehen, befindet sich auf dem falschen Trip, sollte mal an sich selbst arbeiten, verfügt nicht über die richtige Einstellung usw. Der “Fehler” sitzt immer vor dem Bildschirm. Selbst, wenn die Programme fehlerhaft sind, läge es am Benutzer, sich intensiver mit der Soft- u. Hardware zu beschäftigen. Eine bedingte Ausnahme sind die APPLE Produkte, bei denen Hersteller u. Softwareentwicklung den Benutzer bewusst zum ahnungslosen Benutzer erklären, der nichts unter der Motorhaube zu suchen hat. Ein Prinzip dem Autohersteller folgen. Kaum jemand ist noch in der Lage am eigenen Fahrzeug simple Reparaturen vorzunehmen.

Im zwischenmenschlichen Leben bleibt immer die Option, den Fehler jenseits der eigenen Person zu suchen. Je nach Persönlichkeit, tun dies viele Zeitgenossen ausgiebig. Zusätzlich sehen viele in der Position es besser zu wissen, vor allem, wenn es um fremde Leben geht. Das Ergebnis sind “wohlmeinende” Ratschläge und eine unerbetende Fürsorge. Beides enthält die Botschaft: “Seht mich an, erkennt mich an, denn ich weiß es, mache es richtig und lehre den richtigen Weg.” Wird beides nicht dankend vom Gegenüber empfangen, lautet die Interpretation: “Du willst nicht meinen Rat? Also hältst Du mich für dumm?”

Ich denke, solange mir keiner begegnet unter dessen Füssen Blume wachsen und ein seltsamer Schein ihn oder sie umgibt, hat es mit der Erleuchtung noch nicht geklappt.

Computer sind da denkbar ungeeignete Zielobjekte. Nichts in dieser Richtung funktioniert und dies mündet in Frust, Ärger, Verzweiflung. Für mich selbst habe ich festgestellt, dass der Umgang mit Computern, vor allem wenn nichts so funktioniert, wie man es sich in den Kopf gesetzt hat, sehr viel Auskunft über einen Menschen gibt. Beruflich hat es mir bei der Arbeit in Einsatzstäben geholfen. Ohne viele Fragen, konnte ich so Mitarbeiter und Vorgesetzte einschätzen. Im Privaten ist es eher ein Fluch. Mir zeigen sich bei nahe stehenden Personen Persönlichkeitsanteile, die ich nie wissen wollte oder wenigstens erfolgreich verdrängte.

Ich hab mir dazu ein Bild zurecht gelegt. Wenn man einen Raum gestaltet, kann man mit geschickter Ausleuchtung den Fokus auf die Sachen richten, die gesehen werden sollen und anderes in dunklen Nischen verschwinden lassen. Doch leuchtet man diese mit einer Taschenlampe aus, kommt zum Vorschein, was man aus Gründen ins Dunkle setzte. Computer, Smartphones, Tabletts, sind solche Taschenlampen. Jedenfalls wenn man beobachtet, wie sich die Person vor dem Bildschirm verhält.

Dezember 27 2021

Kurze Gedanken #4

Lesedauer 2 Minuten

Über die Weihnachtsfeiertage beschwerten sich auf den Social Media Plattformen Leute darüber, dass man sie nicht unbehelligt vom restlichen Geschehen, zumeist eher unerfreulich, wenige Tage den Frieden und die Besinnlichkeit genießen ließ. Spontan dachte ich: Weihnachten ist im Christentum kein Pausenpfiff. Ganz im Gegenteil! Eure geistlichen Führer sprechen davon, dass Euer Gott sich mit der Geburt Jesus in Menschengestalt zeigte. Ein wenig, als wenn sich das Göttliche in Erinnerung bringen will.

Über die Jahrtausende ist daraus etwas anderes entstanden, aber nichts, was dem christlichen Glauben entspricht. Hierzu fällt mir auch Klaus Kinski mit seiner Aufführung “der Erlöser” ein. Es wäre verfehlt, die Christen der westlichen Industriestaaten aus ihrer Heuchelei zu entlassen. Anders sähe es aus, wenn sie die restlichen Tage aufopferungsvoll den Forderungen ihres Gottes folgten. Dann wäre man als Anhänger einer anderen Weltanschauung geneigt, ihnen eine Pause zu gönnen. Doch es verhält sich genau anders. An drei Tagen im Jahr erinnern sie sich an das Christentum, um dann in der restlichen Zeit zu leben, als wenn sie Sodom&Gomorrha, die Hure Babylon, die Sintflut, neu heraufbeschwören wollen. Da ist es durchaus zweckmäßig, sie an diesen Tagen daran zu erinnern, was sie alles zulassen ohne dagegen aufzubegehren.

Mir ist nicht bekannt, dass im zurückliegenden Jahr Millionen Christen gegen Krieg, die Behandlung von Millionen Flüchtlingen, die Zerstörung der Schöpfung aufstanden und Regierungen, die von einer christlichen Prägung ihrer Länder reden, ihre “Gottlosigkeit” vorwerfen. Da hilft auch kein Zeigen auf andere Religionsgemeinschaften. Nur, weil die sich nicht an ihren Glauben halten, kann ich mich damit nicht rechtfertigen. Die Formel ist einfach: Wer nicht lebt wie ein Christ, ist keiner! Religionen sind kein Fantrikot.

Ich hab nichts gegen Christen, Muslime, Juden, Hindus. Ich habe etwas gegen Heuchler. Besonders, wen sie andere Religionen angehen. Wenn ich mir die Bezeichnung zulege, schließe ich einen inneren Vertrag mit etwas, was vermeintlich über mir steht und mir Regeln vorschreibt, wie ich zu leben habe.

Buddha soll gesagt haben: Wer die Wahrheiten des Weges kennt, aber sie nicht lebt, verhält sich wie ein Ziegenhirte, der das eigene Vieh vernachlässigt und stattdessen eine fremde Herde hütet.

Die Christen in den westlichen Industriestaaten befolgen die Regeln des Gottes Mammon, und lassen den eigenen Gott verkümmern. Weihnachten hat mit dem Christentum nichts mehr zu tun. Warum sollte man sie in dieser Zeit, ja gerade in diesem Augenblick, in Ruhe lassen?

Dezember 26 2021

Kurze Gedanken #3

Lesedauer 2 Minuten

Letztens las ich, dass Konfuzius geschrieben haben soll:

Wir haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn wir verstehen, dass wir nur das eine Leben haben.

Konfuzius

Wir werden an einem irgendeinen Ort in ein vom Zeitgeist geprägtes Gesellschaftssystem hineingeboren. Von Kindheit an, wird uns gesagt, was im Leben wichtig ist und wie wir uns innerhalb der Gesellschaft richtig zu verhalten haben. Dies geht weit darüber hinaus, was an jedem Ort, zu jeder Zeit, in jeder menschlichen Gemeinschaft gültig ist. Es wird uns gesagt, was in unserer Gesellschaft Erfolg ist. Welche Dinge wichtig sind und wir im Leben Schwerpunkte zu setzen haben. Gleichsam wofür es sich lohnt zu kämpfen, zu sterben, sich aufzuopfern. Es gibt Regeln, die zu befolgen sind, Strukturen, in die wir uns einfügen sollen und Rollen, die wir zu akzeptieren haben. Damit besteht bereits mit der Geburt eine grobe Ausformulierung dessen, was unser Leben sein wird oder sein soll.

Aber wenn wir tief in uns hinein horchen, spüren wir, dass da mehr ist. Wer mal die Gelegenheit hatte in eine Urne zu schauen, wird festgestellt haben, dass von einem Menschen nicht viel übrig bleibt. Die Wissenschaft konnte bereits vieles erklären, aber eine Frage ist offen: Was bringt einige Kohlenwasserstoffmoleküle und Mineralien dazu, sich zu etwas zusammenzufügen, was wir Leben nennen. Selbst der lebende Organismus wirft Fragen auf. Die Sinnesorgane liefern mehr oder weniger unzuverlässige Informationen an das Zentrale Nervensystem, das Vegetative Nervensystem und das Großhirn, welche dort verarbeitet werden, was zu Gedanken und Handlungen führt. Es ist nicht notwendig, an einen Gott oder wie Buddhisten es tun, an ein den vergänglichen Körper überdauerndes Wesen zu glauben, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass alles ein wenig komplexer ist, als wir es erfassen können.

Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensformen auf der Erde, besitzen wir die Fähigkeit über diese Dinge nachzudenken und die Möglichkeit, insofern uns niemand einsperrt oder fesselt, über unser Schicksal zu bestimmen. Verdient dann ein willfähriges Einpassen in die bei der Geburt vorgefundene Ordnung, das Agieren innerhalb des als zulässig erachteten Verhaltensspektrums, das Befolgen der Vorgaben, Übernahme der Traditionen, das systemkonforme Funktionieren, die Bezeichnung “Menschliches Leben”? Ist es nicht, wie Konfuzius es ausdrückt? Erst wenn wir, warum auch immer, all dieses infrage stellen und quasi beginnen, einen zweiten Lebensabschnitt einzuleiten, anfangen unser Leben zu führen und es als dieses zu erkennen?

Dezember 25 2021

Kurze Gedanken #2

Lesedauer < 1 Minute

Von einigen wird provokativ das Leben von Jesus ins Heute übertragen. Ein Nordafrikaner, im Verhältnis zu Mitteleuropäern dunkelhäutig, schwarzes krauses Haar, Vollbart, gedrungene Statur. Wäre er 2021 ein Flüchtling? Eigentlich nicht! Ein religiös Verfolgter? Mit Sicherheit. Aber auch Unruhestifter, einer der in heilige Stätten eindringt und randaliert. Anführer einer radikalen Sekte, die sich gegen die herrschende gemäßigte und profitable Auslegung der jüdischen Weltanschauung stellt. Gleichsam, Zöllner, Händler, Geldverleiher, den richtenden zeternden Pöbel, als Abweichler vom wahren Glauben sieht.

Jemanden wie ihn und seine Anhänger würde man in Deutschland 2021 observieren lassen, unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stellen und spätestens nach der Randale auf einem Weihnachtsmarkt vor Gericht stellen. Da klingt es seltsam, wenn christliche Würdenträger davon sprechen, dass sich zur Weihnachtszeit Gott in Menschengestalt zeigte. Viel geändert hat sich demnach nicht. Damals stellten sie ihn vor Gericht, weil er sich gegen die bestehende Ordnung wendete, und heute sähe es, abgesehen von der zu erwartenden Strafe, nicht anders aus.

Gott, dass was die Christen darunter verstehen, als verfassungsfeindliches Etwas? Unbedingte Nächstenliebe vs. gesetzlicher Regelungen, Staatsgrenzen, Staatsangehörigkeit? Verbot der Zinserhebung, Wucher, Bereicherung? Vorverurteilung, moralische Bewertung des Handelns anderer Zeitgenossen, als verwerfliche Sünde? Vorsätzliche Zerstörung der Schöpfung zu Gunsten von Profiten im Diesseits? Krieg, das gezielte strategische Vernichten von Leben jeglicher Art, immer wieder gern mit scheinheiligen Begründungen geführt, ein Affront gegen die herrschende Politik?

Feiern die Christen der westlichen Industriestaaten eine Idee, die völlig ihrer Lebensrealität widerspricht? Sehnen sie sich nach der Überwindung dessen oder verschließen sie schlicht die Augen? Christliche Feste sind beim Betrachten der Realität, ähnlich wie die anderer monotheistischer Religionen schräge Gegenveranstaltungen zum Bestehenden, zelebriert ausgerechnet von denen, die für die herrschenden Zustände verantwortlich sind.

Dezember 24 2021

Kurze Gedanken #1

Lesedauer < 1 MinuteIntellektuelle in Wohlstandsgesellschaften und ihre Zöglinge, seien sie nun weiß, dunkelhäutig, männlich oder weiblich, glauben, die Welt und den Mensch verstanden zu haben. Sie reden von oben und unten, Rassismus, Diskriminierung und von Gut und Böse. Dabei ist das alles vollkommen egal. Wo auch immer Du Dich befindest, merken Menschen sehr schnell, ob Du weißt, was echtes Leben bedeutet, es sich anfasst, riecht, schmerzt, anfühlt. Ob Du Dir in Berlin auf einem U – Bahnhof mit ein paar Obdachlosen ein Bier teilst, in Bangkok in einer Bar sitzt, in Laos mit Wanderarbeitern in einer Hütte schläfst, in Myanmar mit Opium – Schmugglern auf einem Boot sitzt oder an einem Strand mit verlorenen Natives sitzt, es ist immer die gleiche Geschichte. Bist Du wirklich ein echter Mensch, wird Dich jeder akzeptieren. Doch die Quatschköppe werden mit ihrem Smartphone, dem Backup auf dem Konto, der Telefonnummer, die sie im Notfall aus der Scheiße holt, ihrer Unfähigkeit im Zweifel immer irgendwie durchzukommen, trotz Hunger, Durst, Angst, den Verstand zu behalten, niemals kapieren, wie das wirkliche Leben funktioniert. Ich bin schwarz, weiß, schwul, lesbisch, hetero, behindert, auf Heroin, Suff, heimatlos, Flüchtling, ist auf der Straße, am Strand, im Wald, im Lock, auf dem Boot, kein Argument. Die Welt besser machen zu wollen, ist ein Anfang, aber mit einer Mate in der Hand dazustehen und geschwollen zu quatschen, ist ein sicheres Zeichen dafür, im Wohlstand angekommen zu sein und nicht zu wissen, wovon man redet.