August 12 2018

Dude-Regeln

Lesedauer 4 Minuten

1998 brachten die Coen Brothers den Film “The Big Levowski” heraus. Es dauerte nicht lange und der Film erhielt Kult – Status. Der “Dude” gespielt von Jeff Bridges ist ein durch und durch entspannter Typ, der irgendwie durchs Leben kommt.

Mit seinen Kumpels Walter Sobchak und Theodore Donald „Donny“Kerabatsos, trifft er sich regelmäßig zum Bowlen Im Film sieht man den Dude nicht einmal selbst spielen
Eines Tages tauchen bei ihm zwei Typen auf, die seinen Kopf in sein Toilettenbecken drücken und auch noch auf seinen Teppich pinkeln. Sie wollen Geld von ihm, welches er – Lebowsky – jemanden schuldet. Allerdings liegt eine Verwechslung vor. Tatsächlicher Schuldner ist “Big Lebowsky”. Damit beginnt eine skurrile Story. Doch so eng gestrickt die Handlung auch ist: Sie ist völlig unwichtig. Entscheidend sind die vielen Zitate, Anspielungen, Querschüsse, die bizarren Lebenssituationen und einem Dude, den fast nichts aus der Ruhe bringen kann.

Was brachte dem Film den Kult-Status ein? Die 292 x “Fuck” und der Umstand, dass es Leute gibt, die das gezählt haben? Oder weil der ehemalige Manager der Rolling Stones auf 120.000 USD für seine Rechte an einem Song im Soundtrack verzichtete, weil der Dude die Eagles nicht leiden kann? Sind es die deutschen Nihilisten, die eine Anspielung auf die Band KRAFTWERK darstellen und ausgerechnet Fly von den Red Hot Chili Peppers einen von ihnen spielt? Und, und, und … Alles zusammen hat dazu beigetragen. Es gibt Bars [1]https://www.facebook.com/lebowskibar, die den Film zum Vorbild genommen haben, Shops, die Devotionalien verkaufen und es wurde im Internet sogar eine “Scheinreligion”[2]https://dudeism.com/ gegründet.
So satirisch auch alles gemeint ist, fand ich den Ansatz mit der Religion spannend. Religionen haben Regeln, die es einzuhalten gilt, damit man ein besserer Mensch im Sinne der Religionsstifter wird. Warum also nicht Regeln befolgen, die einen zu einem gelassenen Menschen werden lassen?

Die Regeln eines “Dude”

  1. Der beste Ratgeber ist der Tod. Ein Dude überlegt, ob sein momentanes Leben auch in Ordnung wäre, wenn er am nächsten Tag sterben würde.
  2. Es ist erlaubt, von jedem Menschen zu denken, was man will, wenn man im Gegenzug jedem erlaubt, von einem zu denken, was sie/er gerade richtig findet.
  3. Ein Maler kann nichts in die Luft malen, er benötigt eine Leinwand. Wer anderen keine innere Leinwand.  anbietet, kann sich nichts einreden lassen, beleidigt werden oder Schuldgefühle machen lassen.
  4. Ein Dude akzeptiert keine Richter, die nicht hierzu ernannt wurden. Über Schuld oder nicht Schuld können nur Richter entscheiden. Deshalb entschuldigen sich Dudes nicht.
  5. Dudes glauben nicht an eine externe höhere Instanz. Die Instanz befindet sich in jedem selbst, damit auch im Dude. (buddhistische Klausel)
  6. Wir werden alleine geboren und sterben am Ende alleine.
  7. Wenn Dudes Ereignisse zu einer kausal stimmigen Geschichte zusammenziehen, behalten sie immer im Kopf, dass es nur eine Geschichte ist, die auch anders erzählt werden kann.
  8. Der Sinn  des Lebens besteht darin, dass es keinen Sinn gibt. Wenn es einen Sinn geben sollte, dann ist es der, den der Menschen seinem Leben nach der Geburt selbst gibt.
  9. Dudes lassen sich niemals von Dingen besitzen.
  10. Regeln sind von Menschen für Menschen gemacht. Regeln sind vergänglich. Ein Dude sieht erst den Menschen, dann die Regel.
  11. Alles auf der Welt nimmt den Weg des geringsten Widerstands. Wasser, Luft, Strom, die Natur irrt nicht, deshalb nimmt auch ein Dude den einfachen Weg.
  12. Ein Dude kann alles, aber er muss es nicht können.
  13. Für Dudes gibt es kein Gut und kein Böse. Beides sind nur Definitionen der jeweiligen Epoche, der Örtlichkeit und der umgebenden Gesellschaft.
  14. Etwas wahrzunehmen, wird als Wahr/Nehmung bezeichnet. Das Wahrgenommene wird dann als Wahr/Heit bezeichnet. Logischerweise kann es damit für einen Dude nur individuelle Wahr/Heiten geben.
  15. Ein Dude weiß, dass alles um ihn herum ein Ergebnis einer subjektiven Wahrnehmung und Interpretation seines Großhirns ist.
  16. Ein Dude setzt die Ereignisse in seinem Leben immer in Beziehung zu seinen Zielen.
  17. Dudes trinken abgesehen von White Russian in einer Bar ausschließlich Cocktails, die im Namen ihre Zusammensetzung mitbringen.
  18. Dudes wissen, dass sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst. Tut es das nicht, ist es noch nicht das Ende.
  19. Dudes geben keine Erfahrungen weiter.80 % aller Probleme erledigen sich von alleine. Mit dem Rest kann ein Dude leben.
  20. Romeo hat bewiesen, dass voreiliges Handeln tödlich sein kann.
  21. Für einen Dude ist das Pareto – Prinzip ein universelles Gesetz. Mit 20 % lassen sich 80 % aller Ziele erreichen. Für die restlichen 20 % gilt die Regel 19.
  22. Dudes übernehmen keine Verantwortung für andere Erwachsene. Es sei denn, sie sind erkennbar in einem benebelten Zustand oder debil.
  23. Dudes greifen nicht aktiv in die Evolution ein.
  24. Das Handeln eines Menschen ist per Ableitung menschlich.
  25. Der wertvollste Besitz eines Dudes ist Lebenszeit. Er betrachtet sie als ein Gut. Jegliche Ausgabe will gut überlegt sein.
  26. Dudes sind keine Macher, also brauchen sie auch keine Macht.
  27. Desillusioniert bedeutet, die Illusion durchschaut zu haben. Dudes benötigen keine Illusionen.
  28. Ein Dude weiß, dass Menschen immer genau das tun, was sie können und zugelassen wird.
  29. Dudes bewerten nicht. Hört ein Dude mehrere Schilderungen eines Ereignisses, kommt die Einfachste der Realität am nächsten
  30. Dudes praktizieren lediglich entspannende Sportarten, wie Bowling und Boule.
  31. Dudes leben im Augenblick. Gestern lässt sich nicht ändern, das Morgen ist ungewiss.
  32. Dudes vermeiden den Kontakt zu Menschen, die Säfte in Ihr Bier kippen, Light – Zigaretten rauchen, etwas mit dem Wort Acrolein anfangen können, Gebrauchsanweisungen lesen und ein Grillthermometer besitzen.
  33. Oberste Regel: ein Dude bleibt entspannt. Und mach die Fucking EAGLES aus!

    ERGÄNZUNGEN – neu!
  34. Viel zu häufig wird von Aneignungen gesprochen. Die Menschen haben Angst, Sorgen, oder sie haben sogar eine/n Lebenspartner/in. Sie haben Rechte, Pflichten, Ansprüche u.v.m. Dabei sollten dies alles Prozesse sein. Sie sorgen, ängstigen sich und sind vielleicht aktuell mit einem anderen Menschen in besonderer Art verbunden. Jetzt gerade nehmen sie ein Recht in Anspruch, sind verpflichtet oder melden einen be- o. unbegründeten Anspruch an. Dudes bemühen sich zwischen im Prozess sein, abgeschlossen, falscher Aneignung und mutmaßlicher Zukunft sauber zu unterscheiden.
  35. Haben erzeugt Leid! Noch mehr zu haben, ergibt noch mehr Leid. Das meiste ist vergänglich und deshalb ist das daran Anhaften keine gute Idee. Gleiches gilt für jegliches mehr haben zu wollen, als zum Leben notwendig ist. Darum will jede Anschaffung wohlüberlegt und bezüglich der Notwendigkeit bewertet sein.
dudeism.com

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