Metaphern zum Nachdenken

Lesedauer 6 Minuten

Der Indianer im Auto


Ein amerikanischer Geschäftsmann hatte sich einen flotten Sportwagen zugelegt und lud seinen Freund, einen Indianer zu einer Spritztour ein. Nachdem der Indianer eingestiegen war, fuhr der Geschäftsmann mit einem Kavalierstart los und brauste etliche Meilen mit irrer Geschwindigkeit über den Highway, ehe er auf einem kleinen Parkplatz zum Stehen kam. Der Indianer stieg aus dem Wagen, ging auf die Straße und legte sich längs auf den
Asphalt. „Was machst du da?“, fragte der Geschäftsmann. Der Indianer erwiderte: „Ich warte, bis meine Seele nachgekommen ist. Über eure Fortschrittsgläubigkeit habt ihr Zivilisierten das Wichtigste im Menschen unbeachtet gelassen“.

Des Meisters letzte Frage

Der junge Mann hatte schon viel gelernt, er hatte die besten Schulen des alten China besucht, bei verschiedenen Meistern gelebt und unterschiedliche Lehren studiert. Da hörte er eines Tages von dem alten Meister hoch oben im Gebirge. Also beschloss er dorthin zu gehen. Er packte seine sieben Sachen, verabschiedete sich, und ging früh am Morgen los. Er ging den ganzen Tag und die ganze Nacht. Früh am Morgen kam er an. Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm, und erzählte, was er schon alles gelernt hatte. Nach geraumer Zeit schloss er mit der Frage: „Meister, kannst Du mich jetzt lehren?“
Dieser lächelte, wartete einen Moment, und antwortete: “ Geh zurück nach Hause, und komm in einem Monat wieder.“

Den gesamten Rückweg fragte sich der junge Mann, was er falsch gemacht haben könnte. Zuhause diskutierte er das weiter, mit Freunden, Lehrern, jedem den er gerade traf. Nach einem Monat ging er wieder hoch in die Berge zum Meister. Er ging den ganzen Tag und die ganze Nacht. Früh am Morgen kam er an. Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm, und erzählte, was er glaubte, beim letzten Male falsch gemacht zu haben. Nach geraumer Zeit schloss er erneut mit der Frage:
„Meister, kannst Du mich jetzt lehren?“ Dieser lächelte, wartete einen Moment, und antwortete: “ Geh zurück nach Hause, und komm in einem Monat wieder.“
So gingen mehrere Monate ins Land. Eines Morgens kam der junge Mann wieder vor der Höhle des Meisters an.
Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm, lächelte, und schwieg.
Nach einer Zeit sagte der Meister: „Jetzt bist Du bereit. In ein volles Glas kann ich nichts füllen“.
Wieder gingen mehrere Monate ins Land. Eines Morgens sagte der Meister zu seinem Schüler: „Jetzt habe ich nur noch eine Frage, wenn Du die Antwort weißt, kann ich Dich nichts mehr lehren.

Wenn Du ein Glas mit Wasser trinkst, was bleibt hinterher am Boden?“

Die Physik – Prüfung

Die folgende Frage wurde in einer Physikprüfung an der Universität von Kopenhagen
wirklich gestellt:
„Beschreiben Sie, wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mithilfe eines Barometers
feststellt.“
Ein Kursteilnehmer antwortete: „Sie binden ein langes Stück Schnur an den Ansatz des
Barometers, senken dann das Barometer vom Dach des Wolkenkratzers zu Boden. Die Länge
der Schnur plus die Länge des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes.“
Diese in hohem Maße originelle Antwort entrüstete den Prüfer der Maßen, dass der
Kursteilnehmer sofort entlassen wurde. Dieser appellierte an seine Grundrechte mit der
Begründung, dass seine Antwort unbestreitbar korrekt sei, und die Universität benannte
daraufhin einen unabhängigen Schiedsrichter, der den Fall entscheiden sollte.

Der Schiedsrichter urteilte, dass die Antwort unbestreitbar korrekt sei, aber kein wahrnehmbares Wissen von Physik zeige. Um das Problem zu lösen, wurde entschieden, den Kursteilnehmer nochmals hereinzubitten und ihm 6 Minuten zuzugestehen, in denen er eine mündliche Antwort geben konnte, die mindestens eine minimale Vertrautheit mit den Grundprinzipien der Physik zeige. Fünf Minuten saß der Kursteilnehmer still, den Kopf nach vorne, in Gedanken versunken. Der Schiedsrichter erinnerte ihn, dass die Zeit lief, worauf der Kursteilnehmer antwortete, dass er einige extrem relevante Antworten hätte, aber sich nicht entscheiden könne, welche er verwenden solle.

Als ihm geraten wurde, sich zu beeilen, antwortete er wie folgt:
„Erstens können Sie das Barometer bis zum Dach des Wolkenkratzers mitnehmen, es über
Bord fallen lassen und die Zeit messen, die es braucht, um den Boden zu erreichen. Die Höhe des Gebäudes kann dann mit der Formel H = O,5gt^2 berechnet werden. Das Barometer wäre allerdings dahin. Oder, falls die Sonne scheint, könnten Sie die Höhe des Barometers messen, es hochstellen und die Länge seines Schattens messen. Dann messen Sie die Länge des Schattens des Wolkenkratzers, anschließend ist es eine einfache Sache, anhand der proportionalen Arithmetik die Höhe des Wolkenkratzers zu berechnen.
Wenn Sie aber in einem hohen Grade wissenschaftlich haben wollen, können Sie ein kurzes
Stück Schnur art das Barometer binden und es schwingen lassen wie ein Pendel, zuerst auf
dem Boden und dann auf dem Dach des Wolkenkratzers. Die Höhe entspricht der
Abweichung der gravitationalen Wiederherstellungskraft T=2 * Pi^2.
Oder, wenn der Wolkenkratzer eine äußere Nottreppe besitzt, würde es am einfachsten gehen, da hinauf zu steigen und die Höhe des Wolkenkratzers in Barometerlängen abzuhaken und oben zusammenzuzählen.

Wenn Sie aber bloß eine langweilige und orthodoxe Lösung wünschen, dann können Sie
selbstverständlich das Barometer benutzen, um den Luftdruck auf dem Dach des
Wolkenkratzers und auf dem Grund zu messen und den Unterschied bezüglich der Millibare
umwandeln, um die Höhe des Gebäudes zu berechnen. Aber, da wir ständig aufgefordert werden, die Unabhängigkeit des Verstandes zu üben undwissenschaftliche Methoden anzuwenden, würde es ohne Zweifel viel einfacher sein, an die Tür des Hausmeisters zu klopfen und ihm zu sagen: „Wenn Sie ein nettes neues Barometer möchten, gebe ich Ihnen dieses hier, vorausgesetzt, Sie sagen mir die Höhe des Wolkenkratzers“

Der Kursteilnehmer war Nils Bohr, der erste Däne, der überhaupt den Nobelpreis für Physik gewann.

Das Gewand des Meister Wu

Im alten China lebte zurückgezogen in einer Waldhütte der weit bekannte überaus weise Meister Wu. Der Kaiser hörte von ihm und wünschte eine Audienz. Deshalb entsandte er einen Boten. Meister Wu machte sich auf den beschwerlichen Weg zum Palast. Hier wurde er wegen seines Aussehens von den Palastwachen angehalten. Trotz seiner Vorstellung, konnte sie nicht glauben, dass der alte Mann in den abgerissenen Klamotten ein weiser Mann sein sollte. Meister Wu kehrte zurück und holte aus einer Kiste ein prächtiges Gewand aus seiner Vergangenheit heraus. Nun durfte er die Wachen passieren. Am Thron des Kaisers zog sich der Meister zu aller Überraschung nackt aus, faltete sorgfältig sein Gewand und legte es dem Kaiser zu Füßen. Der Kaiser fragte verständlicherweise nach, was das solle. Der Meister antwortete: „Ihr wolltet augenscheinlich keine Antworten von mir haben, sondern von meiner Kleidung!“ Danach drehte er sich um und ging zurück zu seiner Hütte.

Die Geschichte vom Dorftrottel


Vor langer Zeit – im letzten Jahrhundert oder so – lebte in einem kleinen russischen Dorf ein
Mann, der als Kind manches etwas langsamer gelernt hatte als andere Kinder. Deshalb kam
man im Dorf zu dem Schluss, er sei etwas dumm. Und dies sagte man ihm auch bei jeder
passenden und unpassenden Gelegenheit. Der Mann bemühte sich sehr, alles genau so zu
machen und zu sagen wie seine Mitdörfler, aber je mehr er sich bemühte, desto mehr nahmen sie seine Bemühungen als Beweis, dass er eben dumm, kurz: ein Trottel, sei. Sie lachten ihn aus und hänselten ihn. Der Mann konnte das nicht verstehen: Er machte doch alles genau so wie die Anderen und trotzdem wurde er immer nur wie ein Trottel behandelt.
Eines Tages kam ein Heiliger auf Wanderschaft in das Dorf. Er unterhielt sich mit den
Dorfbewohnern über Sorgen und Nöte, Gott und die Welt. Die Dorfbewohner waren sich
einig, dass dies ein wirklich weiser Mann war. Da fasste sich unser Dorftrottel ein Herz und sprach den Fremden im Vertrauen an. Er schilderte ihm sein Problem, was seinen Mitdörfler von ihm dachten und wie sie ihn behandelten.
Der Heilige hörte sich die Geschichte an, sah den „Dorftrottel“ intensiv an und sprach: „Das
ist leicht zu ändern. Du musst nur Folgendes tun: Jedesmal, wenn ein Dorfbewohner mit dir
spricht und dabei eine Aussage macht oder von einer Erfahrung berichtet, dann antworte: „Das glaube ich nicht, beweise es mir!“ oder „Wie kannst du dir dessen sicher sein?'“

Der Heilige fuhr nach kurzer Pause fort: „Der Witz an der Sache ist: Diese Fragen sind nicht
zu beantworten. Es gibt nichts zu beweisen. Wenn jemand zu dir sagt: ‚Heute ist aber ein
schöner Frühlingsmorgen‘, und du sagst: ‚Beweise mir, dass der Morgen schön ist! Woher
willst du wissen, dass das wahr ist?‘, dann wird dieser Mensch verstummen und sich beschämtfühlen, denn er kann es nicht beweisen. Und wenn jemand sagt: ‚Die Rosen duften
wunderbar!‘, dann sagst du einfach wieder: „Beweise es mir, dass die Rosen wirklich
wunderbar duften.‘ Die Leute werden sich dir automatisch unterlegen fühlen.“
Der Heilige überzeugte sich noch, dass unser „Dorftrottel“ die Sache richtig verstanden hatte, dann sagte er: „Ich reise morgen weiter. Nächstes Jahr will ich wieder hier im Dorf sein, dann berichte mir, wie sich die Sache angelassen hat.“
Ein Jahr später war der Heilige wieder im Dorf. Der ehemalige Dorftrottel war jetzt der
Einberufende des Dorfrates und wurde wegen seines großen Wissens und seiner Weisheit von vielen Dorfbewohnern um Rat gefragt – kurz: er genoss ein großes Ansehen. Zu dem Heiligen aber sprach er: „Es ist komisch: Letztes Jahr war ich noch der Dorftrottel, jetzt gelte ich als weise. Ich habe alles befolgt, was du mir geraten hast. Und dabei bin ich doch noch derselbe Mensch! Das alles nur, weil ich die Menschen immer wieder auffordere, mir zu beweisen, dass die Dinge wirklich so sind, wie sie sie erleben. Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach ist.“
Da sah ihn der Heilige lange an und sprach dann endlich:
„Was glaubst du, wie ich ein Heiliger geworden bin?“