„Alte“ brauchen kein Geld

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Es ist an der Zeit. Noch einen zweiten Whisky für das Gespräch bestellen. Ready to Rumble. Der Schwarze hat nichts zu sagen. Er ist der Aufpasser, deshalb setzt er sich schräg hinter mich. Hat er umsonst. Ich ziehe mal meinen Mantel aus, dann hat er ein wenig was zu schauen. Gute Idee nur ein T-Shirt anzuziehen. Du Amateur, meine Knarre ist in meinem Stiefel. „Du willst was kaufen?“ Oha, dass nenne ich mal einen direkten Aufschlag. Falsche Formulierung mein Freund. „Nein! Ich kann etwas kaufen und Du suchst einen Käufer! Also wieviel hast Du zu verkaufen?“ „150 Gramm!“  Will der mich auf die Rolle schieben? Wahrscheinlich meint er die Probemenge, aber  damit kann man arbeiten.

„Lustig! Also hier und jetzt kaufe ich schon mal gar nichts. Thereska hat gesagt, ihr habt was Größeres und deshalb sucht ihr jemanden.“ Böser Blick vom Indianer! Angeber, der zieht in Deiner Sippe, aber nicht bei mir, den hast Du umsonst. Ich werde ihn mal ein wenig provozieren. Mal sehen was geht. „Pass auf mein Freund, ich mache mir mit Thereska noch einen schönen Abend und wir haben uns hier nie getroffen.“
So jetzt aufstehen und die Kommunikation beenden. Kleines Machtspiel mein Freund? Du willst was von mir. Entweder Du hast was und brauchst Geld oder nicht. Dein Ball, Deine Spielseite. Jetzt ganz locker zum Tresen zurück und abwarten.
Die Kleine unter Druck setzen? Warum nicht, sie will ja auch was verdienen. „Und?“ Fragt sie mich leise. Ich versuche meiner Stimme eine gewisse Rauhheit zu verleihen. „Deine Freunde haben entweder Angst oder sie haben Dich verarscht. Sie wollen mir ein paar Nasen verkaufen, da bin ich raus. Mit so einem Mist muss ich meinen Freunden gar nicht erst kommen.“ Da schaust Du? Mädel Dir schwimmt gerade Deine Provision weg. Sie zieht ein Gesicht und berührt mich kurz am Arm. „Ich komme gleich wieder!“ Geht doch! So da kommt sie wieder. „Dejan will Dich noch einmal sprechen.“ Immerhin ein Name. Also in die zweite Runde. Wer sitzt denn da noch am Tresen? Den habe ich ja gar nicht gesehen. Alter Jugo, Anzug, nur ein Kaffee und glotzt die ganze Zeit auf die spiegelnde Kaffeemaschine. Hat alles im Blick. Der sitzt da nicht zufällig. Provokant langsam rücke ich mir einen Stuhl zurecht und setze mich großspurig falsch herum auf diesen. „Da bin ich wieder!“

„Vielleicht haben wir mehr!“ Mit Sicherheit hast Du mehr, sonst wären wir beide nicht hier. „Wieviel kannst Du kaufen?“ Fragt mich der Indianer. „Thereska sprach von einem Kilo! Das würde gehen, wenn der Preis stimmt.“ Antworte ich wohl überlegt. Nicht hochtickern, aber sie hat ja ein Kilogramm angeboten, also alles im grünen Bereich. „Ich verkaufe kein Kilo!“ Hätte ich an Deiner Stelle jetzt auch gesagt. Keine Angst, Du bekommst Deinen Probekauf. Ich gehe das Spiel mit und verlege in die Offensive. „Sollst Du auch gar nicht. Du verkaufst mir erst einmal 10 Gramm zu Deinem Preis. Die gibst Du einem Türsteher unter folgender Adresse. Der gibt Dir das Geld und Du ihm das Pulver. Ist das Pulver OK, melde ich mich bei Thereska. Und dann reden wir.“ Jetzt den Trumpf ziehen. Mal sehen wie er reagiert, wenn ich ihm die Visitenkarte von dem Puff gebe. Den Türsteher einzukaufen, war eine sehr gute Investition. Komm schon, gib sie  Deinem schwarzen Aufpasser, der wird Dir den Laden bestätigen. Bingo! Fetti hat genickt. Jungens, wir sind im Geschäft und ihr habt den Haken geschluckt.

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