April 23 2018

Eine überraschende Wende … so sieht Leben aus!

Lesedauer 3 Minuten

„Mach’s gut, Pali!“ ,war als trauriger Abschied hochgeladen. Was sollte jetzt noch kommen? Die Resignation hatte sich schon in den Tagen zuvor eingestellt. Telefonate, Abschiedsbesuche bei den vielen gewonnenen Freunden in Deutschland, alles nahm seinen Gang. Traurig saßen wir uns beide um 03:00 Uhr gegenüber. Ein Rückflug war zu buchen, aber das Geld der Eltern war noch nicht auf dem Konto.

Es war bitter, ihm nach dem Aufstehen und den langen Tagen des Bangens beim Tippen auf dem Rechner zuzusehen. Diesmal war es keine Bewerbung. Nochmals sah ich auf seine Sachen, die er im Vorraum abgestellt hatte. Ausgerechnet Kafka „Die Verwandlung“ lag auf einem der Koffer. Lustlos las ich meine Mails. Die gute Fr. Jarasch hatte sich noch einmal gemeldet. Bei Ihr sollte ich mich nochmals persönlich melden. Immerhin war ihr Engagement ein echter Lichtblick in diesen Tagen gewesen. Ich schickte Ihr den Link zum Beitrag und ein paar frustrierte Worte. Der Rest der Truppe meldete sich auf allen Ebenen. Vorbei! Die Schlacht ist geschlagen.

Ich dachte an den Anfang zurück. Ich sagte zu ihm: „Du hast mich gefragt, warum ich das alles tue. Ich sag es Dir. Ich kann nicht die Welt und jeden da draußen retten. Das wird nicht funktionieren. Aber ich habe mal etwas von der Gesellschaft bekommen. Mir wurde die Möglichkeit gegeben mich zu bilden u. das Wissen wie man sie erlangt vermittelt. Wenn das Leben mit der Forderung etwas zurückzugeben unmittelbar an mich herantritt, kann ich handeln. Deshalb helfe ich Dir! Dafür musst Du Dich nicht bedanken, dass ist meine Geschichte.“

In diese Gedanken drängte sich mein Telefon mit einem penetranten Klingelton hinein. „Sofort den Flug stornieren!“
„Bitte?“
„Er bekommt seine Chance! Er bekommt die Zeit sich zum Wintersemester an der Uni anzumelden!“

Der Pali schickte sich just in diesem Augenblick an, seine Buchung mit einem Tastendruck zu bestätigen. „Stopp!“, rief ich dem verdutzten Pali zu. „Du kriegst Deine Chance!“ Zu weiteren Worten war ich am Telefon erst einmal nicht fähig. Der Stress, die Emotionen, das komplette Drumherum überwältigte mich. Ich setzte mich auf den Boden und die Tränen rannen über mein Gesicht. Der Pali verbarg sein Gesicht in den Händen. Dann hob er den Kopf und sagte: “Das ist alles ein Film, oder?” Ich schaute ihn an. “Nein, ich glaube das nennt sich Leben!”

Was hatte das ehemalige Mitglied einer italienischen Anti – Mafia Einheit zu mir gesagt?: „Hör auf, gegen das Böse zu kämpfen, sondern kämpfe für das Gute!“ Ich verstehe jetzt, was er meinte. Es ist ein Unterschied, ob ich einen aus dem Rennen nehme, oder einen hinein bringe. Das Gefühl ähnelt dem Erfolg in einer Entführungslage. Der Täter ist irgendwann egal, die Freude überkommt einen, wenn das Opfer befreit ist.

Trotzdem habe ich wenig Grund an meinem Fazit großartige Änderungen vorzunehmen. Ich möchte etwas hinzufügen. Vielleicht ist es gar nicht schlecht für Deutschland, dass es zum Konflikt zwischen den progressiven und den reaktionären auf Prinzipien herumreitenden Gesellschaftsmitgliedern gekommen ist.

Deutschland kann nach 1945 den Beweis antreten, dass eine ausreichende Anzahl Deutscher herangewachsen ist, die den Menschen sehen und nicht mehr wie einst ein „gleichgeschaltetes“ Volk, System und Ordnung in den Vordergrund stellen. Wir sollten das endlich mal untereinander klären. Ein Freund schrieb mir auf WhatsApp, für ihn ist der Glaube an Deutschland ein wenig wieder hergestellt. Die Gerechtigkeit hat bei uns eine Chance. Ich sehe das ein wenig anders. Ich weiß nach dieser Geschichte, dass es Menschen gibt, die wie ich denken. Wir sind ein Teil dessen, was dazu geeignet ist, der Historie einen Sinn zu geben. Ob wir genug und stark genug sind, werden wir sehen.

Bei der Nummer war eine große Zahl junger Leute unter 30 beteiligt. Sie haben den progressiven Älteren vertraut und sie wurden nicht enttäuscht. Dies war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Frau Jarasch, Herr Lux, Herr Akmann, Herr Geisel, Herr Tas, Herr Machulik haben damit nicht zwingend Wähler gewonnen, aber sie haben junge Leute in eine gute und einige andere Richtung bugsiert. Das ist echte  verantwortliche Politik für die Zukunft. Steinwürfe verhindert man am ehesten damit, dass man zukünftigen Straßenkämpfern keinen Grund gibt, unter dem Pflaster nach dem Strand zu suchen.

Wer jetzt denkt, dass nur ein junger Mann Glück hatte, versteht das Prinzip nicht. Ich glaube, die verstehen wollen und offen sind, haben verstanden, wie es gemeint ist. Den Rest erreiche ich mit meinen Worten ohnehin nicht. Wie schon in mehreren Beiträgen beschrieben, begreife ich das Leben als eine Bühne mit unterschiedlichen Protagonisten. Es gibt keine Regie, die den Schauspielern Anweisungen erteilt. Keiner kann wissen, wie die nächste Minute aussehen wird. Jeder Dialog beeinflusst den zukünftigen Ablauf des Stücks. Keiner der Beteiligten an der Geschichte weiß, wohin dieses Intermezzo in der Zukunft führen wird, aber ich glaube fest daran, dass es einen guten Einfluss auf viele nimmt.

Ich für meinen Teil habe jedenfalls Kraft gewonnen, hier weiter zu machen. Jeden der paar Leser, die ich hier habe, möchte ich sagen: “Wenn das Leben direkt anklopft, sollte man handeln!” oder wie mal ein Mitstreiter auf einer exotischen Dienststelle mit sensiblen Aufgaben sagte: “Aufstehen, bedeutet, dass man auch mal hingefallen ist.”

 

Februar 28 2017

Früher gabs das nicht …

Lesedauer 7 Minuten

Es gab mal eine Zeit, da haben sich Lehrer richtig Mühe gegeben Zeugnisköpfe zu verfassen. Mal knapp, mal etwas ausführlicher. Gibt es die Dinger überhaupt noch? Egal! Ich habe mir meine mal in aller Ruhe durchgelesen. Von der 1. Klasse bis zur 10. Klasse. Warum habe ich das getan? Ich wollte herausfinden, ob sich ein Verdacht bestätigt. Meine Lehrer hatten es offensichtlich nicht leicht mit mir. Ich störte den Unterricht durch Schwatzen, konzentrierte mich im Unterricht nur mäßig, gab Zwischenrufe von mir ab, konzentrierte mich nicht auf das Wesentliche, doch fertigte seltsamer Weise meine Hausaufgaben sehr sorgfältig an.

Letzteres hätte ich aufklären können. Meinem Elternhaus ist es mit Disziplin und Nerven zu verdanken, dass ich überhaupt welche machte und sie dann auch noch so aussahen, wie sie dann abgeliefert wurden. Zuhause herrschte ein stetiger Kampf. Mehrfaches Abschreiben, stundenlanges Sitzen, Zappeln und Streit. Jetzt könnte ich einige Jahrzehnte später darüber herzhaft lachen. Berufliche Karriere, zwei erwachsene Töchter, gestandener Mann. Ich kann aber nicht. Warum?

Heute kennen die Psychologen ein Phänomen, welches sie ADS – Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom getauft haben. Es ist in aller Munde und wird sehr kontrovers diskutiert. Da gibt es die eine Fraktion, die behauptet Zappelphillips hat es schon immer gegeben, nur wurde es halt „lebhaft“ genannt. Stimmt! Steht bei mir überall. Da müsse doch nicht so ein Gewese gemacht werden, mit ein wenig Disziplin kriegt jeder, diesen Kram in den Griff.
Die andere Fraktion rennt zum Tablettenschrank, holt das Ritalin heraus und geht das Ding mit Ruhigstellung an. Der ADSler freut sich, endlich kann er sein, wie die anderen Menschen. Warum gibt keiner den anderen Menschen Aufputschmittel, damit sie mit dem ADSler gleich ziehen? Seltsame Frage?

Ich finde die gar nicht seltsam. Offensichtlich leben wir in einem System, welches in der Schule und später im Berufsleben nicht sonderlich viel mit diesen Menschen anfangen kann. Da steht ein Mensch und gibt einem anderen Menschen vor, wofür er sich zu interessieren hat. Was denn das geforderte „Wesentliche“ ist, gibt dieser schlaue Mensch – genannt Lehrer – vor. Der Lehrer erfährt es von der Schulbehörde. Später nennen sich diese Menschen, Leiter mit Führungswissen, Vorgesetzte und Führungskräfte. Und ihr Wissen bekommen sie von der Politik, zumindest in meinem Berufsleben.

Der ADSler macht aber etwas ganz anderes. Sein Gehirn sucht sich einen Fixpunkt, der ihn interessiert, stürzt sich drauf und macht sein Ding. Papier, Formalien, Formulare, Berichte über zurückliegende Ereignisse, Vermerke, lästiges Alltagsleben kann sein Gehirn einfach nicht. Der ADSler ist von keinem bösen Willen getrieben. Es ist nicht einmal die Arroganz, die langweiligen Sachen soll mal ein Anderer machen. Er kann es einfach nicht. In etwa, als würde ich einem Einarmigen sagen: Klatsch mal in die Hände! Anders herum sollte die Durchschlagskraft des einen trainierten Arms nicht unterschätzt werden.

Ich habe in meinem Berufsleben sehr viel über die unterschiedlichen Voraussetzungen von Menschen gelernt, die in einem Team zusammenarbeiten. Ein geschickter Teamleiter wird zügig erkennen, welche Funktionen er zuteilen kann. Da gibt es „Macher“, „Innovative“, „Beobachter“, „Ausführer“ usw.. Einst habe ich hierzu ein ganzes Ausbildungskonzept entwickelt. Ich hatte davon überhaupt keine Ahnung. Bekam die Aufgabe und machte mich an die Arbeit. 2 Tage später hatte ich alles nur Erdenkliche dazu gelesen und fasste alles in einem 70zig Seiten umfassenden Script zusammen. Wie hat das funktioniert? Ganz simpel. Ich habe 2 Tage lang komplett unbezahlt durchgearbeitet, gelesen und geschrieben, der Hyperfocus hatte mich gefangen. Die leidtragende war meine damalige Ehefrau, der ich familiär nicht zur Verfügung stand. Einen einmaligen Vorfall dieser Art hätte Sie akzeptiert, ich denke, Sie verstehen es auch ohne Erläuterung.

Dem ADSler ist die Zuteilung in seine Nische im Regelfall nicht vergönnt. Beim Klassiker Meredith Belbin gab es in den 70ziger Jahren 8 Rollen. Erst knappe 10 Jahre später wurde der Spezialist eingeführt. Als seine Schwächen im Team werden nach Wikipedia „Spezialisten neigen dazu, sich in technischen Einzelheiten zu verlieren und leisten daher eher nur informative Beiträge.“ (Seite „Teamrolle“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. Dezember 2016, 21:55 UTC. URL: Wikipedia Link (Abgerufen: 28. Februar 2017, 17:35 UTC) )
Mit einem Grinsen kann ich da nur feststellen, dass Belbin offensichtlich 1981 über einen ADSler stolperte.

Ich habe mich intensiv mit der Literatur über ADS/ADHS auseinandergesetzt. Dabei habe ich festgestellt, dass sich sehr wenige damit auseinandersetzen, was mit Menschen der Generation x passiert ist, bei denen ADS schlicht noch nicht existierte. Die Generationen davor hatten noch einige Vorteile. Die Welt ist komplizierter geworden. Die Generation x ist in das Internetzeitalter – Opium für ADSler – hineingewachsen. Smartphones bestimmen das Leben. Ein Hyperfocus nach dem anderen umgibt den erwachsenen ADSler.

Menschen der Generation x vergessen Sachen, weil sie halt im Stress sind. Sie leiden an Konzentrationsmängeln, weil sie nicht genug Entspannung finden. Wenn sie im Gespräch hin und her springen, sehen sie sich dem Vorwurf gegenüber, dass sie nicht genug interessiert am Gesprächspartner sind. Angebliche Narzissten rennen dann in der Gegend herum. Ihr Hyperfocus wird mit Kopfschütteln betrachtet oder als Depression interpretiert. Letztere bleiben oftmals nicht aus, aber aus anderen Gründen.
Viele haben in unterschiedlichsten Berufen jahrzehntelang gegen ihre Natur gelebt. Trotz erheblicher Leistungsfähigkeit, die immer mal wieder durchblitzt, wurden sie immer wieder abgemahnt, weil sie einfach nicht die Aufgaben erfüllen konnten.

Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter bekommt den Auftrag, eine aktuelle Situation zu bereinigen oder eine Lösung zu finden. Vielleicht sogar in einem vollkommen unbekannten Gebiet. Der ADSler wird spontan funktionieren. Er taucht ein in die Materie, recherchiert vollkommen konzentriert, findet eine Lösung und handelt. Vorausgesetzt er wird nicht zusätzlich mit anderen Aufgaben belegt. Perfekt gelaufen! Nun muss er dafür noch eine Akte anlegen, einen Bericht schreiben, sich rechtfertigen, dies alles zu einem Abgabetermin x. An dieser Stelle hat der ADSler verloren – er kann es einfach nicht. Es folgen Abmahnungen, Stress, Frustrationen und ein zerstörter ehemals wertvoller Mitarbeiter.

Die Überschrift lautet: Früher gabs das nicht! Es gab die Definition nicht und auch nicht die Erkenntnis: Das hat etwas mit dem Gehirn zu tun. Ähnlich wie jahrzehntelang Linkshänder brutal umgeschult wurden. Dafür gibt es bei den Betroffenen Folgewirkungen, die heute durchaus erkannt werden.
Ist es wirklich verwunderlich, wenn Betroffene nach Jahrzehnten im Burnout landen? Wenn das Ihnen entgegengebrachte Unverständnis, sich auch in Ablehnung, beruflichen Schwierigkeiten, nachfolgenden familiären Problemen – also in einem ganzen Rattenschwanz von Belastungen manifestierte? Dies auch noch von Selbstzweifeln begleitet, da sie gar nicht verstanden, was mit Ihnen passierte.

Seit ich diese Spur verfolge, habe ich Taxifahrer kennengelernt, die einst vielversprechende Studenten waren, Abbrecher von medizinischen Studiengängen, desillusionierte Führungskräfte aus Banken, kaputte Mitglieder des Öffentlichen Dienstes und anderen Berufen, in denen spezielle Voraussetzungen bestehen. In handwerklichen Berufen sind die Auswirkungen offensichtlich weniger gravierend. Für all die Klippen, die sich im Handwerk ergeben, gibt es perfekte Möglichkeiten sogenannte Vermeidungsstrategien zu finden.
Spontan denke ich an immer wieder verschwindende Bleistifte zum Anzeichnen, die Suche nach dem nicht ordentlich zurückgelegten passenden Bohrer, der verschwundene Bohrfutterschlüssel – sogar die Industrie stellt sich darauf ein und baut von alleine für den Handwerker mit ADS – Tendenzen Hilfsmittel ein. Denn nichts anderes ist meiner Auffassung nach der Kranz am Kabel, in dem der Benutzer bequem den Bohrfutterschlüssel hineinstecken kann.

In den abstrakten Berufen ist es schon schwieriger, sich darauf einzustellen. Spontan denke ich an die Teeuhr bei LINUX. KDE kteatimer. Die Programmierer, welche regelmäßig in den Hyperfocus gingen, erkannten ihr Problem. Küche gehen, Wasser aufsetzen, hinsetzen, weiter programmieren, blöd, Wasser wieder kalt. Erneut Wasser ausetzen, dieses Mal stehen bleiben, Tee aufgiessen, programmieren, Tee ungenießbar, weil er über eine Stunde gezogen hat. Noch berühmter wurde 1991 die erste Webcam der Welt, die in Cambridge installiert wurde. Die Programmierer hatten keinen Bock mehr darauf, in die Teeküche zu laufen, nur um festzustellen, dass der Kaffe doch wieder leer war.
Beides sind aber sehr gute Beispiele dafür, zu welcher Kreativität ADSler in der Lage sind.

Mir wurden diese Zusammenhänge von einem amüsierten Mann vor Augen geführt. „Hast Du schon einmal etwas bei AMAZON bestellt und auf der Seite etwas gelesen, was Du nicht verstanden hast? Dann hast Du bestimmt recherchiert, was dieses Wort zu bedeuten hat.“
„Ja, habe ich …!“
„Wie lange hat es gedauert, bis Du fertig warst mit der Bestellung?“
Ich musste aus lauten Halse lachen. Ich wusste sehr genau, was er meinte. Stunden! Wikipedia macht es möglich. Ein Suchbegriff führt zum nächsten, die Assoziationsketten im Kopf wurden immer länger.

Wenn Sie sich mit einem ADSler unterhalten, haben Sie zwei Optionen. Entweder sie hören geduldig zu,  bitten immer mal wieder auf den Ursprung zurückzukommen, oder Sie entwickeln Spaß an einer Assoziationsorgie. Aber nehmen Sie es niemals persönlich und kommen auf die Idee, dass der ADSler sich nicht für Sie interessiert. Er weiß sehr wohl noch, wo der Ursprung war, aber der ist ja längst erledigt.
Wollen Sie den ADSler ärgern, kaufen Sie ihm ein 1000 Teile Puzzle, wenn ihm das Motiv gefällt, haben Sie Stunden der Ruhe.
Oder kaufen Sie ihm ein Robert Ludlum Ausgabe – Borowski – Drei Romane in einer Ausgabe! 1300 Seiten später, werden Sie ihn wieder sehen. Es ist nur gemein, wenn Sie ihn vorher darum bitten, erst einmal das Wohnzimmer zu saugen und dann einen Streit anfangen.

Das klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund. Genau dieses passiert nämlich ständig. Streit, Frust, Beziehungsprobleme sind vorprogrammiert. Ich kenne einen Menschen, der diesen BLOG Beitrag lesen wird und sich amüsiert. Dennoch wird er es von sich weisen, dass er vieles mit dem Wissen hier, einfacher gehabt hätte.
Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten mit einem Kollegen zusammen, der stets und ständig seine Werkzeuge und seine Bleistifte verlegt. Sie übernehmen den Part des Zureichenden. Er erwartet natürlich von Ihnen, dass Sie die ganze Zeit mitdenken. Sie sollten also ständig wissen, wo sich die Stifte und die Werkzeuge befinden, während er in seinem Hyperfocus unterwegs ist. Machen Sie dieses nicht, bekommen Sie ein Problem. Ich löste es damit, dass ich einfach eine Unmenge von Bleistiften bei IKEA bunkerte.
Stellen Sie sich die Verzweiflung des gleichen Kollegen vor, wenn Sie ihn eine juristische Klausur schreiben lassen. In seinem Hyperfocus wird er sich im Djungel der Paragrafen verlieren, aber nicht erkennen, wo bei der anstehenden Klausur, die rote Linie zur Aufgabenlösung ist.

Fazit: Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden, Kopf hoch! Sie sind nicht alleine. Es gibt ganz viele Menschen dieser Art. Vielleicht haben Sie auch Jahrzehnte dagegen angekämpft, sitzen jetzt auf einer Couch, ausgebrannt und frustriert. Versuchen Sie zu verstehen, was da mit Ihnen passiert. Beschreiben Sie es den Menschen um sich herum. Vieles wird denen deutlich, was Sie vorher nicht verstehen konnten. Ich selbst habe mich mit einem Richter unterhalten, der niemals verstehen konnte, dass es Menschen in seinem Gerichtssaal gab, die mit ein paar Unterlagen ihren berechtigten Anspruch hätten anmelden können. Er war immer davon ausgegangen, dass wohl jeder Mensch halbwegs wichtige Unterlagen aufbewahren würde. Hatte der Betreffende diese nicht – existierten diese wahrscheinlich auch gar nicht.
Sortierte und ordentlich aufbewahrte Unterlagen vs. ADS! Dies funktioniert im Regelfall gar nicht, da steckt kein böser Wille hinter, es ist einfach extrem schwer. Der Richter war verwundert, verstand aber nach und nach – ich kann nur hoffen, dass dieses sich auch in Folge bei Urteilen durch ihn zeigen wird. Erkennen Sie auch hier, welche Konsequenzen sich einstellen können, die jenseits von lustig sind?

Sind Sie mit einem ADSler zusammen? Werfen Sie einfach alle Nachschlagewerke weg und fragen Sie ihn. Handelt es sich um einen Handwerker, Glückwunsch, Sie haben einen Allrounder, der Ihnen ein Haus bauen kann. Verlangen Sie aber nicht lästige Zierleisten oder Vervollständigungen, das geht schief.
Sie leben mit einem begesiterungsfähigen Menschen zusammen, achten Sie aber darauf, dass die Magnete nicht zu stark sind. Es ist dumm ihn in einen Buchladen zu schicken, damit er Ihnen ein vorbstelltes Buch besorgt, dann auch noch zu erwarten, dass er pünktlich wieder auftaucht.
Wenn er im Hyperfocus ist und Sie um einen Stift bittet, geben Sie ihm nicht ihren Lieblingsstift, sie werden ihn vermutlich nie wieder sehen. Sind Sie selbst betroffen, verleihen Sie nichts! Schon gar nicht an andere Betroffene. Sie werden sich maximal  beim Suchen daran erinnern können, dass Sie das Gesuchte unter Umständen mal verliehen haben , der Empfänger (ADS) wird sich nicht mehr erinnern können, von wem er es sich geliehen hat. Ich hätte da noch ein Poesiealbum aus der 5ten Klasse im Angebot und wer hat eigentlich meine Kappsäge?

Sollten Sie diesen Beitrag hier lesen, und sich teilweise wieder erkennen, würden mich ihre Kommentare, Erfahrungen, erfolgreichen Gegenstrategien und auch ihre Misserfolge interessieren. Ich werde mich dann mal wieder dem Problem mit dem Staubsauger und dem Abwasch zu wenden, dem ich mich bereits vor vier Stunden und einer halben Schachtel Zigaretten widmen wollte.