September 11 2022

Die alte Zeit ist tot, es lebe das neue Zeitalter

code coding computer cyberspace Lesedauer 17 Minuten

Woher wissen wir denn schon, dass zwei und zwei vier ist? Oder dass die Gravitationskraft funktioniert? Oder dass die Vergangenheit unveränderbar ist? Wenn sowohl die Vergangenheit, als auch die äußere Realität nur in der Vorstellung existieren und die Vorstellung veränderbar ist – was dann?

George Orwell

Amerikanische Soziologen datieren die dritte große Revolution in der menschlichen Entwicklung, die Digitale Revolution, auf die Zeit um das Jahr 1989 herum. Egal, ob man wirklich einen konkreten Zeitpunkt ausmachen kann, veränderte sich unstrittig ab dem Ende der 80er weltweit das Leben der Gesellschaften in den industrialisierten Ländern. Bei den beiden anderen Revolutionen handelt es sich um den Sprung vom Jäger und Sammler zum Siedler und die Industrialisierung. Ich denke, selbst bei der ersten wird es Konflikte zwischen denen aus der Zeit davor und jenen der neuen Epoche gegeben haben.
Manche verweisen dabei auf die biblische Geschichte, in der Kain seinen Bruder Abel erschlug. Kain der Siedler erschlägt den Hirten, welcher mit seinem Vieh umherzieht. Gott lässt Kain leben, aber er muss eine Weile herumziehen, bis er ohne Gottgefälligkeit wieder siedelt, was laut Bibel in die nächste Katastrophe führt. Ja, ich pflichte den Autoren bei, die da eine Beschreibung des Umbruchs sehen. Es ist leicht vorstellbar, dass Bauern nicht glücklich über die Viehherden waren, die in ihre Felder einfielen. Aber die Menschen werden auch schnell bemerkt haben, dass das Zusammenleben in Siedlungen neue Anforderungen ergab.

Die Industrialisierung verhieß anfangs einen Segen für die Menschheit. Arbeiten, gefährlich, anstrengend, verschleißend, würden künftig von Maschinen übernommen werden können. Heute wissen wir, dass sich dies aus mehreren Gründen anders entwickelte. Und auch damals gab es Leute, die noch die Zeit vor der Industrialisierung kannten und nun die Anfänge erlebten. Manche schlossen sich der Begeisterung an, während andere skeptisch auf die Zukunft schauten. Letzteren war insbesondere die Technik-Gläubigkeit, die mit einer Reduzierung auf Naturwissenschaften einherging, unheimlich. Heute erleben wir eine Entwicklung, die zwar auf anderen Grundlagen beruht, dennoch Parallelen aufweist.
Die in den 60ern Geborenen sind die letzte Generation, die noch ohne Digitalisierung zu Erwachsenen wurden und seit 1989 im vollen Umfang daran Anteil nehmen. Zusätzlich existiert mittlerweile eine Generation, die um die 30 ist und bewusst nichts anderes kennenlernte.
Wie auch bei den Umbrüchen zuvor, gibt es Zeitgenossen*innen der 60er-Generation, die begeistert alle Möglichkeiten begrüßen und eben jene, die mit einer gewissen Skepsis draufschauen. Doch die Digitale Revolution ist nicht der einzige Umbruch. Der Jahrtausendwechsel ist gerade einmal 20 Jahre her und das 21. Jahrhundert ist noch jung. Das 20. Jahrhundert brachte neue Staatsformen, wie den Faschismus, mit sich, erlebte zwei Weltkriege, spaltete die Welt in arme und reiche Regionen, brachte neue Technologien mit sich und entfremdete große Teile der Menschheit vom natürlichen Lebenssystem. Durch die Digitalisierung ist sogar zur bisherigen Welt eine weitere, die virtuelle Welt, hinzugekommen. Viele leben mittlerweile in beiden und selbst Kriege werden in der virtuellen und in der realen parallel zueinander geführt.

Selbst wenn die Skeptiker über große Macht verfügten, würden sie an den Fakten nichts mehr ändern können. Wenn sie noch über eine Möglichkeit verfügen, dann ist es die Mitgestaltung. Einige fordern beispielsweise die Entwicklung ethischer Richtlinien. Bisher galt stets, dass der Mensch ohne Grenzen forscht und alles umsetzt, was ihm möglich erscheint. Im großen Stil ist uns das letztmalig mit der Entwicklung der Atombombe auf die Füße gefallen. Selbst Sozialisten und eingefleischte Kommunisten sehen die Gefahren, ordnen sie aber den putativen Möglichkeiten unter, die eine Technisierung für eine gerechtere Verteilung anbietet. So oder so nehmen wir aus den vorhergehenden Epochen das Wissen um die Zweiseitigkeit jeder neuen Technik mit. Sie kann dem Guten dienen oder für das gegenseitige Abschlachten benutzt werden. Ein altes, meiner Meinung nach wackeliges Argument: Nicht die Waffe tötet, sondern der sie benutzende Mensch. An der Stelle überlege ich stets, welches Wild man mit einem Maschinengewehr erledigen will.
Mittlerweile stehen genetische Eingriffe für alle möglichen Zwecke im Raum, die Verschmelzung zwischen Maschine und Mensch ist in greifbarer Nähe, kontrollierte Eingriffe in komplexe Systeme, wie z. B. auch das natürliche Lebenssystem, scheinen in absehbarer Zeit möglich zu sein. Womit alte Ermahnungen wieder aktuell werden.
Ich denke da beispielsweise an den Zauberlehrling der Geister herbeiruft, die er nicht mehr unter Kontrolle bekommt. Einige nehmen eine fatalistische Haltung ein. Ihrer Meinung nach ist der Mensch aufgrund seiner naturgegebenen Voraussetzungen dazu verdammt, sich selbst den Untergang zu gestalten. So richtig kann ich mich dem nicht anschließen. Allein, wenn es Menschen gibt, die dazu in der Lage sind, das unkontrollierte Bestreben nach Wachstum, die Erforschung von allem ohne Berücksichtigung eines möglichen Missbrauchs, die ehemals wichtige Gier und die dem Menschen innewohnende Fähigkeit zur Aggression, als gefährliche Faktoren zu erkennen, beweist dies etwas. Wir können Erkenntnis erlangen und wenn wir dies können, ist theoretisch auch eine Veränderung bzw. Gegenreaktion machbar. Anders sähe es aus, wenn niemand die Gefahren sehen würde. Ein unverständiges Wesen ist nicht in der Lage ein kommendes katastrophales Ereignis zu erkennen und rechtzeitig etwas zu unternehmen. Alle anderen durchaus!

Es geht also darum, was sich am Ende durchsetzt. Verstand und Vernunft oder das Triebhafte. Überlegungen hierzu gehen zurück bis in die griechische Antike. Bereits Platon und Nachfolger dachten über ideale Gefüge für das Zusammenleben von Menschen nach. Auch sie dachten über diese Dualität des menschlichen Daseins nach und wie man am ehesten gewährleisten könne, dass Vernunft und Verstand die Führung übernehmen. Fremd war ihnen, wie sich die von ihnen ermittelten menschlichen Voraussetzungen, die sich bis heute nicht veränderten, in Massengesellschaften auswirken. Und selbst in einer virtuellen Realität bleibt die Psyche eines Menschen immer noch eine menschliche. Aktuell erleben wir erneut, wie das Triebhafte die Überhand gewinnt. Sei es nun der Ukraine-Krieg, eine dekadente deutsche Wohlstandsgesellschaft, die eben um exakt diesen Zustand bangt, oder eine weltweite pubertierende Haltung gegenüber der Entwicklung der ökologischen Gegebenheiten. Große Teile stampfen bockig mit dem Fuß auf und versuchen mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, in dem sie versuchen einen Lifestyle durchzusetzen, der schlicht nicht machbar ist. Es ist vermutlich die größte Frustration der Moderne, dass Naturgesetze der Hybris des Menschen trotzen. Möglicherweise noch verletzender als die Sterblichkeit. Selbstredend ist ein Blackout eine erhebliche Gefahr für alles, was uns lieb und teuer geworden ist. Uns! Löse ich meinen Blick von der Nation und schaue ich mich auf der Welt um, muss ich erkennen, dass es uns maximal auf den Zustand vieler anderer Regionen zurückwerfen würde. Bei allen Betrachtungen ist nunmehr ein Aspekt hinzugekommen, der erstmalig in der Geschichte auftritt. Wenn sich Griechen mit Theben, Phöniziern, Persern oder Makedonen bekriegten, war das unschön, doch es hatte keinerlei Auswirkungen auf die Völker des amerikanischen Kontinents. Bis zu den Weltkriegen waren die Auswirkungen für das ökologische Lebenssystem überschaubar. Gleiches galt bis zur Industrialisierung für die Fehlentscheidungen einzelner Völker. Wenn die über ihre Verhältnisse lebten und regional zu viel Raubbau betrieben, merkten davon Menschen in anderen Regionen der Erde nichts. Dies hat sich bekanntlich grundlegend verändert. Wenn manche Staaten unvernünftig handeln, haben gleich alle etwas davon.

Eins ist auf jeden Fall absehbar. In den demokratisch organisierten industriellen Staaten ist mehrheitlich eine politische Führung installiert, die das Triebhafte bedient, selbst favorisiert und fördert. Vermutlich eine Folge der Demokratie, die als Manko die Anfälligkeit für Demagogen innehat. Für mich ist sie ein anzustrebendes Ideal, aber leider nur erfolgreich, wenn der verständige und vernünftige Anteil der Gesellschaft, die von Trieben gesteuerten Wahlberechtigten dominiert. Ob dies aktuell der Fall ist, lasse ich mal dahin gestellt. Jedenfalls besteht im anderen Fall stets die Gefahr, dass sie am Ende in einer Diktatur oder gar Tyrannei mündet. Meist geht es dann schneller, wenn die Freiheit von einem Krieg bedroht wird. Autoritäre Regierungsformen sind im Kriegsfall erfahrungsgemäß, temporär effizienter. Ähnliches gilt in Krisen. Aus der Polizei kenne ich die Situation, dass in diversen Bereichen der kooperative Führungsstil vorteilhafter als der bestimmende ist, sich aber als unzureichend erweist, wenn man beispielsweise in einer in Riots eskalierenden Demonstration angegriffen wird. In Friedenszeiten bieten Diktaturen oder Tyrannen keine Garantie, dass sie bezüglich der ökologischen Schädigungen weniger schädlich sind. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Der erwähnte Umbruch wird von Krisen flankiert. Die europäischen Demokratien werden bedroht einer “neuen” Regierungsform, die sich als Putinismus etabliert und die gesamte irdische Population sieht sich ausgeführt den Folgen des Lifestyles der Industriestaaten ausgesetzt. Parallel entstehen durch die Digitalisierung völlig neue Voraussetzungen mit denen Staaten, Gesellschaften, Individuen, gesteuert werden können. Würden sie ausschließlich von Verständigen und Vernünftigen angewendet, gäbe es dagegen nichts einzuwenden. In dem Falle wären sie beinahe ein Segen. Wie immer, sind Ideal und Realität nicht deckungsgleich. Was meiner Meinung nach die Ideale nicht zwecklos werden lässt. Sie zeigen, wo es hingehen sollte und wie die Weichen zu stellen sind. Da wird häufig das Konfuzius zugeschriebene Zitat: “Der Weg ist das Ziel!”, falsch interpretiert. Gemeint ist das Einschlagen eines Lebenswegs, welcher geeignet ist, einem unerreichbaren Ideal, näherzukommen. Es gibt zwei alte Sichtweisen auf ein Staatsgefüge. Bei der einen ist der Staat einem einzigen Körper gleichzusetzen, in dem jedes Individuum als ein einzelnes Organ mit seiner Funktion für den Körper zu sehen ist. In der anderen sorgt der Staat für Bedingungen, der die einzelnen Elemente die größtmögliche Entfaltungsfreiheit ermöglicht.

In Deutschland sind Konservative bemüht, die Herrschaft über die virtuelle Welt, das Internet, zu gewinnen. Die dort bisweilen herrschende Anarchie ist ihnen unheimlich. Leute in der Wirtschaft gehen einen anderen Weg. Sie machen sich die dort entstehenden Prozesse zunutze. Außerdem wissen sie die durch die Digitalisierung passierende “Entpersonalisierung” der Menschen zu nutzen. Jeder Mensch wird in einen binären Code übersetzt, der dann entsprechend benutzt werden kann. Andererseits sind Konservative in Koalition mit Wirtschaftsliberalen jederzeit bereit, Intellektuelle, die versuchen mittels Diktat der Unvernunft und den Trieben Herr zu werden, einer unzulässigen Beschneidung der Freiheit zu bezichtigen. Ich betone, Wirtschaftsliberale, sind keine Liberalen oder Libertäre, auch wenn sie sich gern als solche sehen. Jeder kann dies nachlesen und sich die historische Entwicklung von politischen Philosophien und Wirtschaftstheorien ansehen. Allein, dass es zwei unterschiedliche Bezeichnungen gibt, weist auf die Differenz hin.
Trotz aller Täuschungsversuche sehen in Deutschland die gängigen politischen Strömungen den Staat immer noch als einen Organismus, für den alle mehr oder weniger ihren Beitrag zu leisten haben. Ein Unterlassen wird lediglich hingenommen, wenn eine nachgewiesene Unfähigkeit, z. B. Krankheit, nachgewiesen wird. Beim vermeintlichen Gegenüber der Konservativen, den als links bezeichneten Strömungen sieht es nicht anders aus. Wirklich interessant wird es erst bei den zu Extremisten und Radikalen abgestempelten. Da gibt es dann die unverblümt von einem Organismus ausgehenden Rechten, welcher von einem Gehirn gesteuert wird. Ihnen entgegen gestellt, sind dann beispielsweise die Anarchisten, welche nach dem Wegfall der konstruierten Hierarchie, von einer nach Unruhen eintretenden stabilen, sich selbst regelnden Struktur ausgehen.
Kein halbwegs akzeptierter deutscher “Linker” oder “Konservativer” geht die Grundfesten wie Eigentum, Hierarchie, Untersagung allzu heftiger Attacken auf die eigene Machtposition, Steuerung der Gesellschaft und die eigene Identifikation über Statussymbole, an. Wer so etwas unternimmt, befindet sich außerhalb des hingenommenen Spektrums.

Dass etwas vor sich geht, es zu Änderungen kommt, kann man fast körperlich spüren. Ungewiss ist, wohin es gehen wird. Gruppen, die vormals wenig Chancen hatten, sich am Diskurs zu beteiligen oder ihm sogar eine Richtung zu geben, werden durch die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Mit einmal werden Strömungen sichtbar, die ehemals ein Schattendasein frönten. Die sogenannte Mitte reagiert konsterniert. Mittig zu sein, entwickelte sich lange zu einem in der Breite gewollten Zustand. Kompromisse, Abstriche von eigenen Wünschen, die Geborgenheit der Allgemeinheit, die Sicherheit durch Anpassung, die kollektive Übereinkunft auf der Seite der Guten zu stehen, das gemeinsame Streben nach immer mehr Besitz und die Gleichsetzung mit Glück und Erfolg, waren zuvor der gemeinsame Konsens. Davon Abweichendes wurde entweder ignoriert, als Spinnerei abgetan oder jugendlicher Lebensart zugeordnet, die sich im Alter legt.
Radikale Ideen, Forderungen, Denkmuster, waren jenseitige verpönte Verhaltensweisen, vor denen die Gesellschaft zu beschützen ist. Im Prinzip wäre dies wünschenswert, wenn denn die Mitte tatsächlich dem entspräche, was sich innerhalb der dokumentierten Menschheitsgeschichte als Weisheit herausgearbeitet hat. Dem ist aber meiner Meinung nach nicht der Fall. Eine Mitte, die sich mit dem Outfit von Politikern*innen, mehr beschäftigt, als sich sichtbaren existenziellen Problemen zu widmen, zeigt ein vollkommen entgegengesetzten Zustand. Gleichermaßen handelt es sich bei Debatten um Geschwindigkeitsbegrenzungen, einem Festhalten an der Wachstumstheorie ins Unendliche, Masken, Impfungen, Reaktionen auf Aggressoren, die Suche nach Glück über das Materielle, nicht wirklich um Zeichen für Weisheit.
Vielmehr regt es dazu an, mal darüber nachzudenken, ob all dies nicht aus der Perspektive einer ausgereiften Persönlichkeit, eher extreme Verhaltensweisen sind, die mit denen von Süchtigen zu vergleichen sind. Bemerkenswert ist dabei, wie heftig die Reaktionen ausfallen, wenn etwas versagt wird, was objektiv nichts mit Vernunft und Verstand zu tun hat. Interessant ist ebenfalls, dass Persönlichkeiten, die zur Prahlerei und Narzissmus neigen oder gern Triebverhalten an den Tag legen, wie zum Beispiel mit einem Porsche durch die Gegend zu stolzieren oder sich in monarchisch anmutenden Posen darstellen lassen, an die Spitze der Hierarchie gelangen. Sie geben Hinweise auf die Struktur des Staats. Welcher Gestalt sind die Regeln, nach der sie aufgebaut wurde oder sich selbst nach und nach generierte, sodass diese Charaktere an höchster Stelle landen? Grundsätzlich wird von einem Menschen innerhalb der Struktur Produktivität, Konsum und das Streben nach Eigentum erwartet. Je mehr vom Genannten erkennbar ist, um so höher ist das Ansehen. Da ist es nachvollziehbar, dass sich diejenigen nach oben durchboxen, die dies ohne Rücksicht auf Verluste praktizieren, Gleichgesinnte unterstützen und Regeln aufstellen, die diese Haltungen beflügeln. Das Ergebnis wird dann finanzieller Wohlstand genannt. Wobei die Konkretisierung oftmals weggelassen wird. Tatsächlich fragen im 21. Jahrhundert immer mehr Menschen, vor allem Jüngere, ob dies denn echter Wohlstand ist. Spätestens, wenn sie sich in der Mühle von zu bedienenden lang angelegten Krediten befinden, der Konsum von herzeigbaren Statussymbolen immer mehr vorhergehende Energie abfordert, kommen diesbezüglich Fragen auf.

Wie auch immer, die Andersdenkenden verfügen heute über ungleich mehr Optionen, als jemals vorher möglich war. Woraus sich zwingend ein Konflikt ergibt. Über die Social Media werden immer häufiger Aspekte sichtbar, die früher unter den Tisch gekehrt und maximal sichtbar wurden, wenn Leute auf die Straße gingen. Hinzu kommen die Debatten und Empörungen, die gezielt aus dem Hintergrund lanciert werden. Ich bin gespannt, wie sich das in den kommenden Monaten entwickeln wird. Unübersehbar mischen sich russische Propaganda-Spezialisten ins Geschehen ein. Ausgerechnet die Konservativen gedenken offensichtlich, sich als freudiger Dritter einzuklinken. Ein extrem gefährliches Unterfangen. Der Preis für die Vernichtung des politischen Gegners, in dem man sich der russischen Propaganda bedient, könnte hoch ausfallen. Die übersehen dabei, dass der eingeleitete Prozess u.U. nicht den gewünschten Stopp erfährt, sondern von den Rechten weiter befeuert wird. Die sogenannte deutsche Mitte sieht ihre existenzielle Grundlage gefährdet: den genannten finanziellen Wohlstand!
Den Intellektuellen fällt es schwer, von der Betrachtung des Ideals auf die Realität umzuschalten. Ein ziemlich altes Problem, welches bereits die alten Römer kannten. Die unterschieden sehr scharf zwischen der Gestaltung einer in Frieden lebenden Gesellschaft und einer im Kriegszustand. Eigens für diesen wurden temporär für maximal ein Jahr Führungskräfte mit Kompetenzen und Verantwortlichkeiten über die Mitbestimmung des Volks hinaus eingesetzt. Was nicht bedeutet, dass es zur Abwehr eines Aggressors keiner Intelligenz bedarf. Selbst Buddhisten bedienen sich im Ausweglosen der Kampfkünste.

Bei alledem darf theoretisch nicht aus den Augen geraten, dass die höherrangige Bedrohung die Zerstörung der Lebensgrundlagen ist. Das ist das zentrale Problem der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts.

Tatsächlich muss man einen anderen Eindruck gewinnen. Mich erinnert es an einen riskanten Überholvorgang auf der Landstraße. Der Fahrer will ein langsameres Fahrzeug überholen. Damit ist die erste Entscheidung getroffen, die nicht unbedingt notwendig wäre. Er könnte genauso gut, dahinter bleiben. Nun setzt er an und tritt dafür aufs Gaspedal. Auf halber Strecke bemerkt er ein entgegen kommendes Fahrzeug. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bleibt die Chance zu bremsen und wieder einzuscheren. Danach gibt es nur noch konsequent zu beschleunigen und darauf zu hoffen, dass alles gut geht. Wer an dieser Stelle zögert, wird in einen schweren Unfall verwickelt.
Wir könnten auf die Bremse treten und es mit Gelassenheit, Genügsamkeit und deutlich weniger Lebenskomfort angehen. Oder wir setzen auf Technik, Wachstum, Innovationen, mit der Option, dass das böse ins Auge geht. Im ausgebrochenen Verteilungskampf wird ersten Eindrücken nach, alles über Bord geworfen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Überwindung des jeweiligen Gegners. Ein Prozess, der bereits aus dem 20. Jahrhundert bekannt ist. In dieser Art und Weise zwang der Westen im Kalten Krieg die UdSSR in die Knie. Klima, das Einstellen von für das ökologische System zerstörerischen Produktionen, die Entwicklung alternativer Energien, der Verzicht auf Unsummen für Waffen, wurde sekundär. Dies passiert wieder. Nunmehr besteht aber die berechtigte Annahme, dass es keinen dritten Anlauf geben wird und sich das laufende Jahrtausend auf wenige Jahrzehnte beschränken könnte.

All diejenigen, welche von Öko-Diktatur oder Öko-Terroristen sprechen, begreifen nicht den tieferen Aberwitz ihrer Begriffe. Das natürliche System ist seiner Art nach eine absolute Diktatur. Verhandlungen, Abstimmungen, Kompromisse sind in ihm nicht vorgesehen. Letztlich ist jedes kommende Extrem-Wetter-Ereignis eine Form von terroristischem Anschlag. Es wird von den großen Demütigungen der Menschheit gesprochen. Eine war die Erkenntnis, dass sich nicht die Erde im Mittelpunkt des Universums befindet. Nunmehr wird der Homo sapiens begreifen müssen, dass es ein Fehler war, sich selbst als das Zentrum des Geschehens auszumachen. Und wenn die Digitalisierung mit all ihren Möglichkeiten den Menschen vor sich her treibt, statt dessen er sich eine Orientierung, Kompass und Kontrollinstanz vorbehält, wird sie alles beschleunigen. Wenn alles Lebende und Gegenständliche parallel auch in Form eines binären Codes existiert, besteht die Gefahr, das Fassbare, das Erlebbare, zu verlieren. Bereits heute ist für viele Menschen das meiste abstrakt. Einige Jugendliche haben keinerlei Vorstellungen davon, woher Fleisch kommt und wie dafür real getötet werden musste. Kaum jemand hat tiefere Einsichten darin, was in den Geräten der digitalen Welt vor sich geht. In den industrialisierten Staaten tippen die Leute auf Bildschirmen herum und es passiert etwas. Wie, warum, weshalb, interessiert keinen. Vor allem gehen große Teile der Aufmerksamkeit für das reale Geschehen verlustig. Hauptsächlich streift alles irgendwie vorbei und sehr wenige schenken dem Augenblick in der Realität ein wenig oder die volle Achtsamkeit. Daran ändern auch die Therapeuten, Psychiater, Psychologen und Lebensberater nichts. Die künftige Entwicklung könnte dies schmerzlich verändern. Allgemein wird seitens der Demagogen vor Blackouts und Chaos gewarnt.
Doch warum kommt es zum Chaos? Ich denke mal, weil sich die Mehrheit in der plötzlichen harten Realität nicht zurechtfindet. Mit einem Mal werden ehemals noch zu rettende Situationen möglicherweise gefährlich oder sogar tödlich. Unaufmerksamkeiten, unüberlegte Aktionen, natürliche Umstände, werden wieder zu realen bedrohlichen Geschehen. Wenn ich einem Laoten im gebirgigen, armen, Norden, den ohnehin selten vorhandenen Strom klaue, lacht der darüber. Auch dies ist die Digitale Revolution: Alles ist derart abhängig von Elektrizität, dass ich mit der Zerstörung der erzeugenden Anlagen nicht nur alles lahmlegen kann, sondern auch das Leben tausender Menschen auslösche. Vor etwas mehr als hundert Jahren war das kein Thema. Demnach, was ich so gehört habe, sind viele Netzwerke mit Schadprogrammen verseucht, dies sich erst in besonderen Fällen bemerkbar machen. Das wird immer mehr werden. Auf einer philosophischen Metaebene stellt sich die Frage, ob es zweckmäßig ist, ohne weiteres einer derartigen Entwicklung zuzusehen. Mir ist dabei durchaus die bösartige Tragweite bekannt. Manch einer, der nur noch lebt, weil es elektrische Apparate gibt, muss wie in jedem anderen weniger medizinisch ausgestatteten Land, sterben. Wasser könnte plötzlich nicht mehr aus der Wand kommen, sondern müsste mühselig von einer Pumpe geholt werden. Lebensmittel lassen sich nicht mehr lagern, wie gewohnt. Aber all dies ist machbar. Immerhin haben wir diese Standards noch gar nicht so’lange.

Auf einer anderen Ebene findet schon länger eine vergleichbare Entwicklung statt. Die Industrieländer haben eine Gesellschaft, die Infrastruktur und Stadtplanungen zentral auf den Individualverkehr mit Fahrzeugen ausgerichtet. Die Entwicklung des Klimas fordert eine Veränderung. Nun gilt: “Können vor Lachen!” Wie soll man auf die Schnelle einen Jahrzehnte andauernden Prozess verändern und die Folgen rückgängig machen? Hinzu kommt, dass im Zuge dessen das Fahrzeug für den Verkauf mit jeder Menge Emotionen verknüpft wurde. Zeig mir Dein Auto und ich sage Dir, wie Du denkst, fühlst, welchen sozialen Status Du hast und zu welcher Untergruppe der Gesellschaft Du gehörst. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass die temporäre Blockade eines Verkehrsweges, als terroristischer Akt gewertet wird und die Beschädigung eines Fahrzeugs, einer Körperverletzung gleich kommt. In der digitalen Welt sind es die Art und Marke eines Smartphones, das favorisierte Betriebssystem und die dahinter stehenden Haltungen. So wie das Fahrzeug nicht mehr allein ein Gebrauchsgegenstand für den Transport nach A und B ist, sind Laptops, PC’s, längst nicht mehr Geräte, die Aufgaben erleichtern. Umstände, die noch eine weitere, hier meine letzte Betrachtung, anregt.

Fahrzeuge, Rechner, Smartphones, die gesamte digitale Welt, sind nichts Lebendiges. Sie gehören zur toten, leblosen, Materie. Doch ihnen wird oft mehr Bedeutung beigemessen, als den lebendigen Wesen. Im engeren Sinne ist die Nekrophilie als sexuelle Vorliebe für Tote definiert. In seinem Werk “Anatomie der menschlichen Destruktivität” erweitert Erich Fromm die Sicht darauf. Bereits in den 70ern ersah er es als problematisch, dass sich die Menschen in den Industrieländern immer mehr dem Leblosen zuwenden und zog einen Vergleich zur sexuellen Vorliebe heran. Alles Lebende, wird geboren und eines Tages sterben. Ich werde niemals eine vollständige Kontrolle über ein lebendes Wesen erlangen. Außerdem ist vieles ein Mysterium, welches sich bisher unserem Wissen entzieht. Ich kann einen Toten sezieren und trotzdem nur Bruchteile seines Lebens ermitteln. Der Abstand zwischen der Achtsamkeit für das Leben und dem banalen Gegenstand oder der zusammengesetzten Maschine wird immer geringer. Besonders stolpere ich in letzter Zeit über den Begriff “Autohasser”, der das Gegenteil eines “Autoliebhabers” ist. Beides sind starke Emotionen, die sich ursprünglich auf das menschliche Zusammenleben beziehen. Nunmehr werden sie auf tote Materie angewendet. Ich empfinde dies als richtungsweisend. Früher sagte man, wenn Leute ihrem Auto einen Namen gaben, dass sie es dann vermutlich auch besser pflegen würden, weil sie es “vermenschlichten”, somit eine besondere Wertschätzung zeigten.
Doch die Relation war die Annahme, dass das Menschliche eben das Höchste war. Ebenso finde ich es befremdlich, wenn Protestanten, die eine Fahrbahn blockieren, wie bereits angedeutet, als Terroristen bezeichnet werden. Terror war einstmals das kalkulierte, zweckorientierte Erzeugen von Panik und Unruhe, in dem Menschen getötet, zerfetzt und verstümmelt wurden. Die üben nicht einmal im ursprünglichen Sinne Gewalt an Sachen aus. Machen wir uns nichts vor, der Begriff Gewalt wurde bei Blockaden in den 80ern nur eingeführt, um einer unangenehmen Protestform gegen die Macht Herr zu werden. Gleichsam ist es bedenklich, wenn Überzeugte, deren Argumente nicht von der Hand zu weisen sind, und zumindest aus vernünftigen Überlegungen resultieren, zu Extremisten abgestempelt werden. Wobei es natürlich immer eine Frage der Relation und eigener Perspektive bleibt. Das Kalkül einiger ist klar erkennbar: Mit Extremisten muss man sich nicht auseinandersetzen, sondern bekämpfen.
Doch was passiert, wenn die erkennen, dass die gewählten Mittel ins Leere laufen? 21. Jahrhundert, Digitale Revolution! Die virtuelle Welt bietet wie die reale einen Untergrund an. Mehr, einfach und sicherer, als in der anderen. Ich wäre nicht überrascht, wenn in naher Zukunft junge Hacker zu ihren Möglichkeiten greifen. Was Nachrichtendienste und Sicherheitskräfte mit Fahrzeugen anstellen können, schaffen die auch. Längst gibt es Fiktionen, in denen Hacker einfach mal alle Kreuzungen auf Grün schalten. Oder was ist mit Geräten, die die digitalen Funktionen moderner Fahrzeuge sabotieren? Nicht alle haben keine Ahnung davon, was nach dem Tippen auf einem Bildschirm passiert. Die Vertreter der alten Welt, die nicht einmal ansatzweise begreifen, was sich auf diesem Sektor abspielt, werden dann richtige Schwierigkeiten bekommen. Das Wort Sabotage rührt von den Holzschuhen, den Sabots, der früheren Arbeiter her. Bei Arbeitskämpfen warfen sie diese in die Maschinen, die dann blockierten. Die industrielle Revolution ist Geschichte, heute werden Schadprogramme, Computer-Viren, Trojaner, programmiert. Mal sehen, wie sich dies in nächster Zeit gestaltet. In der Welt der Computer, gibt es alles, was es auch bei Fahrzeugen gibt. Ahnungslose Benutzer, Freaks, die ihre Rechner tunen, Crashkids, die aus lauter Spaß Schadprogramme in den Umlauf bringen, Verbrecher, die mit den Techniken Taten begehen, Programmierer, Aktivisten, versierte Terroristen, usw.
Dabei habe ich noch nicht einmal die Technikfreaks erwähnt, welche mit ein paar Bauteilen und einem Lötkolben, komplette Funknetze lahmlegen oder im Vorbeigehen die Steuerung eines Fahrzeugs übernehmen. Es war früher Teil meines Jobs, mir darüber Gedanken zu machen, welche Bedrohungsszenarien sich Straftäter ausdenken könnten und hierzu Gegenstrategien zu entwickeln. Ich kann mir vieles vorstellen, von dem ich nicht hoffe, dass es jemals passiert. In einigen technischen Bereichen besteht bei mir mittlerweile ein fünf Jahre großes Loch. Doch ich kann mir ausmalen, wie die Entwicklung weiter gegangen ist. Ich weiß noch, wie verschiedene im Sicherheitsbereich angewendete Techniken zur Geheimsache erklärt wurden. Dumm nur, dass die sich an der TU Berlin krumm lachten. Was denkt ihr wohl, wer den Kram entwickelt hat und was wir in den Vorlesungen machen? Digitalisierung bedeutet eben auch, dass alles jedem zugänglich ist. Man muss nur wissen, wo man und wie man sucht. Edward Snowden schrieb, dass er moderne industrialisierte Gesellschaften Computernetzwerken gleichsetzt und die Struktur identischen Regeln unterliegt. Gesellschaftliche-Hacker müssen nur die Schwachstellen ausmachen, sich einen Einstieg verschaffen, etwas hinterlassen, was nicht sofort wirksam wird und schon nimmt alles seinen Lauf. Besonders bereiten mir an der Stelle all die Leute Sorgen, die für Hochrisikotechniken, wie alles, was sich um die Energieversorgung rankt, unbekümmert Unbedenklichkeitszertifikate ausstellen. Wenn dies alles an dem ist, stelle ich mir die Frage, wie es vor 11 Jahren! gelang, 30.000 iranische Rechner, von denen einige in AKW’s standen, mit einem Trojaner zu infizieren. Zumal es nicht einmal notwendig ist, das AKW selbst zu attackieren, sondern an der Peripherie Szenarien ausgelöst werden können, die in die Katastrophe führen. Ich mag aufgrund meiner Biografie geschädigt sein. Aber ich habe gelernt: Wenn es um Menschenleben oder existenzielle Dinge geht, verlass Dich niemals auf Elektronik. In der Medizin mag das ganz gut funktionieren. Ansonsten gibt es einfach zu viele mögliche Fehlerquellen. Und wenn es hart auf hart kommt, ist auch immer Verrat oder ein Maulwurf einzukalkulieren. Und nicht immer sind es simple Fingerübungen, wie sie im Zusammenhang mit Belarus geschahen. Ich mag manchmal im Denken ein Fossil aus dem 20. Jahrhundert sein, aber dieses Handwerk ändert sich nur in Nuancen und bekommt neue bessere Werkzeuge. Früher musste eben noch mit der Hand gebohrt werden, heute gibt es Bohrmaschinen, aber am Ende ist ein Loch in der Wand. Und auch hierzu kann ich sagen, dass meiner Kenntnis nach, die meisten, selbst wenn sie in Hochsicherheitsbereichen arbeiten, sehr unbedarft im Umgang mit der digitalen Technik sind. Die alten Hasen schlagen der neuen Zeit ein Schnippchen, in dem sie auf analog setzen. Bei allen anderen gilt die Grundregel:

Was machbar ist und mit der vorhandenen Technik durchzuführen ist, wird erstmalig bei einem herausragenden Fall eingesetzt und damit implementiert. Nach einiger Zeit wird sie mit dem Argument der ökonomischen Effizienz auch in niederschwelligen Bereichen angewendet. Ähnliches gilt für die öffentlichen Aussagen von hochrangigen Behördenvertretern. Wurde etwas ausgesprochen, ist es in der Welt und wird realisiert. Nicht unmittelbar, aber bald.

Auch vor dem Staatsapparat macht die Digitalisierung nicht Halt. Die Kommunikation ist dabei nebensächlich. Viel interessanter sind die Auswirkungen auf Institutionen, die allein schon wegen ihrer Funktionen, den Menschen zum verwalteten Objekt degradieren. Mit der Digitalisierung werde ich zu:

01000001 01101110 01100100 01110010 01100101 01100001 01110011 00100000 01010100 01110010 11000011 10110110 01101100 01110011 01100011 01101000

Immer wenn es in die Entpersonalisierung geht, vor allem bei der Polizei und dem Gefangenenwesen, wird es höchst kritisch. Ein Sachverhalt wird von einem Sachbearbeiter digital erfasst und mit dem obigen Datensatz vereint. Wie nett, wenn er zeitgerecht gelöscht wird. Wie fatal, wenn sich die Zeiten ändern und wie in den USA gigantische Speichermedien füllen. Außerdem weiß ich aus eigener Erfahrung, wie viel in alter Zeit wegen eines Missverhältnisses zwischen Arbeitsaufwand und Ereignis fallen gelassen wurde. Faulheit, die dazu führte, dass oftmals die Kirche im Dorf gelassen wurde. Nun, auch dies wird sich ändern. Zumindest die Erfassung und Speisung von speziellen Datenbanken wird zunehmen.

Oh, das wäre noch ein weiterer Punkt, der innerhalb der neuen Zeit von großer Bedeutung sein wird. Vor allem, wenn kein ethischer Kompass vorhanden ist. Sehr wenige, werden sich der Überwachung entziehen können, während die Massen lückenlos kontrolliert werden. Staaten wie China und Singapore machen es vor. Der Begriff Utopie bezieht sich darauf, dass etwas längst machbar ist oder demnächst ein Durchbruch stattfindet, aber jemand aus unterschiedlichen Motiven auf der Bremse steht. Noch wird vordergründig von der persönlichen Freiheit gesprochen und die Fahne des Datenschutzes hochgehalten. In der Wirtschaft ist dies längst erledigt. Es ist eine Frage der Zeit, dass der Weg für die umfassende staatliche Überwachung geebnet ist. Demagogen erzeugen die notwendige Angst, um im nächsten Zug eine Abhilfe zu versprechen. Ein simples Beispiel sind die bereits jetzt installierten Kameras auf öffentlichen Plätzen. Von der Konstruktion her, können die deutlich mehr, als derzeit freigeschaltet ist. Stellt sich die Frage, warum nicht eine abgespeckte Version verbaut wird. Da kommt einiges auf uns zu. Auch hier sehe ich nicht die Vernunft, sondern Konservative, Neue Rechte und Technokraten bei den Sicherheitsbehörden, die fortwährend mit emotionalen Appellen arbeiten. Selbst die Wirtschaftsliberalen werden einknicken, wenn sie hinter alledem das Geschäft wittern. Der Markt regelt das. Die Demagogen wiegeln auf, erzeugen das Bedürfnis, die passenden Anbieter bieten den passenden Deal an und alles nimmt den gewohnten Verlauf. Hauptsache, die Hochfinanz ist nicht betroffen. Seltsamerweise wird es dann Luxuslimousinen geben, die lediglich vage geortet werden können, während alles darunter auf einen Meter genau lokalisiert wird. Oder Konzerne mit abgeschotteten eigenen weltweiten Netzwerken, an die niemand ohne Maulwurf herankommt. Kalr-Egon, Mandy und Silvio, können in der Liga nicht mitspielen und müssen sich nackig machen lassen. Es sei denn … Vernunft und Verstand, setzen aus unerfindlichen Gründen ein. Immerhin, die Hoffnung ist ein irrationales Konzept. Was ihr leider widerspricht, ist der Umstand einer ziemlich hohen Trefferquote. Immerhin sahen George Orwell / Aldous Huxley in Teilen und skizzenhaft unsere Gegenwart voraus. Aber wie langweilig wirkt die Konditionierung von Kleinkindern bei Huxley an, wenn es heutzutage bereits Virtuell Reality – Brillen gibt, bei denen die Kinder später nicht mehr zwischen selbst erlebten Geschichten und mit Illusionen erzeugten Erinnerungen unterscheiden können. Oder wie plump muten riesige Bildschirme an, auf denen der Große Bruder zu sehen ist, wenn perfekt zugeschnittene Propaganda über Social Media, Filme, PC’s unbemerkt an das Zielobjekt herangetragen werden kann? Irgendwo las ich mal die Aussage: Man möge meinen, dass das Buch “1984” als Warnung zu verstehen ist. Doch das politische Establishment hat es zum Drehbuch und Blaupause gemacht.

Jenseits der Hoffnung bin ich mir persönlich sicher, dass die aktuelle Struktur und Staatsform in der Zukunft nicht mehr funktioniert bzw. in eine katastrophale Phase, mit ungewissem Ausgang, gerät. Irgendwie bräuchten wir einen Typen, wie Isaac Asimov, der die Robotergesetze formulierte. Nur halt einen, der sich über die Digitalisierung Gedanken macht.

Februar 6 2020

Der eine Ring …

Lesedauer 4 Minuten

Irgendeiner hat mal gesagt, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Wahrscheinlich war es im Sinne eines zeitlichen Ablauf gemeint. Was wäre, wenn man in anderen Einheiten denkt. In zeitlichen Epochen?

Mit Beginn der Industrialisierung entstanden neue Gesellschaftsmodelle. Die Monarchien, ergo die Herrschaft per Geburtsrecht verloren an Bedeutung. Gott starb und wurde im moralischen Denken auf die hintersten Plätze verwiesen. Eine neue Herrschaftsform trat ihren Siegeszug an. Die Zeit des Kapitals u. Begründung von darauf basierenden Machtstrukturen.

Kapital ist kalt, emotionslos, berechnend, taktierend, entfremdend. Nicht das Wohlergehen der Menschen o. der Erhalt eines Lebensraums Erde steht im Vordergrund, sondern die Vermehrung des Kapitals.

Für die Mehrung u. Erhalt sind viele Menschen bereit, nahezu alles zu unternehmen. Es werden Kriege geführt, um die Neider o. Opfer dieser Strategie, abzuwehren. Es werden Waffen entwickelt u. verkauft, die noch drei Generationen später eine abschreckende Wirkung erzielen sollen. Der letzte Schuss ist vor langer Zeit gefallen, doch die Trauma, Blindgänger, Verstümmelte, Krankheiten, bleiben. Gesellschaftliche Ungerechtigkeiten u. ihre Folgen, werden zur Polizeiaufgabe.

Waffen kurbeln die Konjunktur an. Eine kontrollierte homogene menschliche Masse ist das Ideal für Konsumsteuerung, stupider Produktion u. Verwahrung namenloser Produktionsmittel. Das wussten in den 20ern auch die Industriebarone. Gleichermaßen war sich dessen auch das Besitzbürgertum bewusst, die wie Putzerfische die dicken Fische begleiteten.

Der Nationalsozialismus, gestützt vom inländischen u. ausländischen Kapital, ging aus diesem Denken hervor. Die Nazis wurden besiegt, der Glaube ans Kapital blieb. Viele Familien machten mit dem blutigen Geld aus dieser Zeit einfach weiter. Alle Alternativen wurden unter dem Begriff Kommunismus zusammengefasst, diffamiert u. dämonisiert. Selbst das Grundeinkommen, eine gesellschaftlich philosophische Idee aus den Anfängen der Industrialisierung wurde kommunistisch. Schon die Nazis betrieben diese Hetze, in der Bundesrepublik u. den USA wurde sie spätestens mit McCarthy, über Ronald Reagan, bis heute fortgesetzt. Das Kapital, der eine Ring, geschmiedet um alle anderen Ringe zu kontrollieren, im Besitz des Konsumenten Gollum, der seinen Schatz nie wieder hergeben will.

2020 befinden sich die CDU/CSU, FDP, in alter Tradition. Erhalt des Wohlstands, Wachstum um jeden Preis, Bewahrung der Machtstrukturen des Kapitals. Gegenüberliegend gibt es für sie nur verachtenswerte Kommunisten. Dabei ist jeder gläubige Christ o. überzeugte Buddhist im Grunde genommen, ein Gegenentwurf zu ihrer Strategie. Dafür bedarf es keine Analytiker wie Marx, Fromm oder Marcuse.

Nicht wieder, sondern immer noch, sind sie bereit, mit denen zusammen zu agieren, die die niedrigsten Instinkte, Verhaltensmuster u. das Animalische im Menschen bedienen. Schwer ist das nicht, weil sie sich genau genommen, nur in Nuancen u. Detailfragen unterscheiden. Die Verachtung dessen, was den Menschen u. alle anderen Lebewesen aus macht, die Ignoranz der Einbindung des Menschen in ein Lebenssystems, in dem er die gleiche Bedeutung hat, wie alle anderen Lebewesen, das unzulässige Bewerten eines Lebens, hat viele Gesichter. Das marxistische Proletariat war eine Begriffsfindung für Menschen, die dreifach von ihrem Schaffen, als Prozess und dem Produkt entfremdet sind und in der vierten Stufe von sich selbst, damit dann auch das Interesse an Gestaltung, Verantwortung u. sozialen Engagement verlieren. Der Begriff ist veraltet, aber spätestens mit dem völligen Fernhalten von Produktivität, Gestaltung, Sedierung mittels Hartz IV am Rand des Existenzminimums immer noch aktuell.

Die aktuelle LINKE als iseologische stalinistische Folgepartei der SED zu bezeichnen, einen Rammelow als linksextrem zu diffamieren, ist eine Fortsetzung der alten Verhaltensmuster, mit bekannten Folgen. Statt dessen um die Wählergunst derjenigen zu buhlen, die unverhohlen die alten Texte neu auflegen, gehört dazu.

Faschismus, Nationalsozialismus, sind ohne das Kapital u. deren Jünger nicht möglich. Hitler brauchte es, genauso wie Mussolini u. Franco. Die Denkmodelle, die zugrundeliegenden Mensch – u. Weltbilder passen ergänzend zueinander. Heute bedarf es keiner Fremdarbeiter mehr, wenn man sich quasi an Sklaven in den Strassenschluchten von Asien bedienen kann.

Es erscheint beinahe skuril, wenn Parteien, die Europa abschotten wollen, was nur mit massiver Gewalt funktioniert, sich von einer Großmacht nahezu sklavisch abhängig machen, die Völkerrechtsverstösse dieser Großmacht dialektisch rechtfertigen, fortwährend paranoid den Überwachungsstaat ausbauen, mit dem Finger auf die alte SED zeigen. Vieles davon, dürfte bekannt vorkommen. Alles ist ein wenig moderner geworden. Wahlen müssen nicht manipuliert werden, wenn ich vorher die Mittel zur Manipulation der Meinung habe. Doch nicht alle Wähler sind Opfer der Diffamierungskampagnen geworden. Und eine Menge haben der bei Goebbels abgepausten Propaganda eines Höcke den Rücken zugekehrt. Daran änderte auch nichts das Buch über den Kampf eines kleinen ehem. Geschichtslehrers.

Von allen in Thüringen angetretenen Parteien ging die LINKE mit der höchsten Prozentzahl (31,0) hervor. Die Wähler der SPD (8,2) ähneln in den Vorstellungen der LINKEN. Die GRÜNEN (5.2) ebenso. Machen im progressiven Bereich 44,4 %. Die Neoliberale FDP bekam gerade mal 5 %. Es lag bei den Abgeordneten der CDU ihr Gewissen entscheiden zu lassen u. den alten Pfad zu verlassen. Sie haben es wieder einmal nicht getan. Lieber mit den Faschisten, als mit dem Schreckgespenst der alten Hetzplakate aus Weimar zusammenzuarbeiten. Und die Statements einer AKK, die nicht einmal die Werteunion konsequent angeht, eines Merz, der nicht müde wird die LINKE als quasi stalinistische Unrechtspartei zu bezeichnen, kommen viel zu spät. Besonders die nachträglichen Aussagen eines Kubicki und Lindners lassen tief blicken. Lindner, der Rabulistiker deutscher Politiktalkshows, stellt die Aufstellung des FDP Kandidaten als eine Dienstleistung für die Mitte hin, welche er zwischen dem Rechtsextremen Goebbels Verehrer Höcke u. einem Rammelow sieht. Somit ihn als Linksextremisten auf der anderen Seite sieht. Dafür macht er dann schon mal im Rahmen eines Bauernopfers die AfD zum entscheidenden Polit – Faktor. Aus eigenen Reihen wird ihm von den Alten ein Hauch Weimar bescheinigt, den er mit verursacht hat.

Geschichte muss sich nicht wiederholen, sie dauert schlicht an. Dobrindt hat die zweite Konservative Revolution ausgerufen. Der Ausgang der ersten ist bekannt.

November 30 2019

Notizen zur OK in Berlin

Lesedauer 5 Minuten

Aus einem gegebenen Anlass heraus, grüble ich aktuell über Begriffe wie Kriminalität, Verbrechen, Schwerkriminalität, Organisierte Kriminalität und einige andere Kategorien. In der allgemeinen Diskussion geht dabei häufig unter, dass es da eklatante Unterschiede gibt. Die Organisierte Kriminalität (OK) ist prinzipiell eine Begleiterscheinung eines kapitalistisch organisierten Systems, deshalb funktioniert sie nahezu identisch und die Grauzonen zwischen der als legal und illegal definierten Wirtschaft sind riesig. Die OK orientiert sich an Standortbedingungen, Personal, Qualifikationen, Absatzmöglichkeiten und Zulieferer. Häufig haben Bekämpfungsstrategien Auswirkungen auf die scheinbar legalen Strukturen. Zum Beispiel führen Überlegungen zu effektiven Gesetzen zur Bekämpfung der Geldwäsche meist zu panikartigen Reaktionen bei «legalen» Wirtschaftsakteuren, weil ihre politisch geduldeten oder sogar gewollten Regelverstöße aufgedeckt werden könnten.

Zu den Standortbedingungen gehören auch die in der Gesellschaft dominierenden Werte -, Ethik -, und Moralvorstellungen. OK Täter scheren sich um diese Themen einen feuchten Kehricht und wenden sie eiskalt als taktisches Mittel an. Beispiele gibt es dafür reichlich. Eine beliebte Waschmaschine für illegale Gelder sind beispielsweise religiöse Einrichtungen, weil Ermittlungen in diese Richtung häufig tabuisiert sind. Oftmals ist die ethnische Abschottung ein unschätzbarer Vorteil, besonders wenn sie in der Vergangenheit Verfolgungen unterlagen. Niemand, der nicht öffentlich Prügel beziehen will, wird bei denen die Daumenschrauben anziehen. Wenn eine Religionsgemeinschaft in mehreren Ländern verfolgt wurde, erfährt sie einen besonderen, durchaus gerechtfertigten Schutzstatus. Die Kehrseite der Medaille ist die entstehende Lücke in der Verteidigungslinie. Wenn mir Religion egal ist, habe ich keinerlei Probleme damit zu konvertieren und damit einen besonderen Status zu erlangen. Von Vorteil ist es auch, eine Sprache zu sprechen, die weltweit wenige Menschen sprechen. Ein Umstand der im II. Weltkrieg von der US Army ausgenutzt wurde, als sie indigene Funker ausbildeten, deren Sprache von den Japanern nicht verstanden wurde. Nichts anderes machen Minderheiten, von denen sich manche kriminell organisieren. Hilfreich können archaische Sippenstrukturen sein, welche sich über Jahrhunderte, u.a. bei der Verfolgung in diktatorischen Systemen bewährten.
Hinter der OK steckt strategisches, taktisches, intelligentes und strukturiertes Denken. Die bekannten Unterstrukturen sind dabei qualitativ durchaus unterschiedlich zu bewerten. Manche agieren leise und wenden Sanktionen gezielt unauffällig an. Nur im äußersten Notfall wird es bei Ihnen laut. Asiatische Strukturen haben gelernt, dass es sinnvoller ist, die Familien im Heimatland anzugehen, denn Morde in Deutschland zu begehen. Osteuropäische Banden setzen kurze extrem brutale Zeichen mit einer langen Wirkung. Zumeist weichen sie bei Sanktionen auf Länder aus, in denen ihr Einfluss auf offizielle Stellen größer ist. Die italienischen OK Strukturen arbeiten in weiten Teilen mit einheimischen Statthaltern zusammen. Gut zu erkennen ist dies beim Handel mit Falschgeld. Gedruckt wird im sicheren Italien. Den Vertrieb im Ausland übernehmen andere Gruppierungen. Verhandlungsgespräche über größere Mengen erfolgen ausschließlich in Italien.

Wie beschrieben, ist Mitgliedern der OK jedes Mittel recht, wenn es denn wirksam ist. In Deutschland ist eine berechtigte oder unberechtigte kritische Haltung gegenüber der Polizei entstanden. Dies ist den Taktikern der OK nicht entgangen. Gegen Ermittler Teile der Bevölkerung zu mobilisieren bzw. diese unliebsamen Gegner zu kriminalisieren, ist ein hochwirksames Mittel.
Vietnamesen zeigten zeitweilig reihenweise Polizisten wegen unzulässiger Übergriffe an, um den Verfolgungsdruck der Zigarettenhändler zu mildern. Rumänische Banden erkannten zeitweilig ein internes Konkurrenzverhalten bei der Berliner Polizei. In Vernehmungen boten sie deshalb Aussagen zu vermeintlich korrupten Beamten an. Das funktionierte zeitweilig, bis mittels Dienstanweisungen solche Aussagen anders behandelt wurden. Andere osteuropäische Banden setzten auf das Mitleid der Umstehenden bei Festnahmen und täuschten epileptische Anfälle vor oder fügten sich selbst massive Verletzungen zu. Russische Täter zeigten sich scheinbar kooperativ, lieferten Informationen zu internationalen Verfahren, bei denen sie wussten, dass sie das Problem unter Kontrolle bekommen und setzten auf das Erfolgsbestreben der deutschen Staatsanwaltschaft. Wie gesagt: Doof sind die alle nicht.

Der Kriminalbeamte im OK Bereich kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Gegen die zumeist recht naiv romantischen Vorstellungen des Bürgertums, ein politisches Establishment, welches in Teilen aus Unwissenheit verstrickt wird, den begrenzten Ressourcen im Innern der Polizei, Lobbyisten, die ein eigenes Süppchen kochen, machtpolitisch begründete Vorwürfe und Vorgaben, sowie ein bedauerliches Unwissen, welches oft auf Ignoranz beruht. Die Geschehnisse sind komplex. Hinzu kommen dann am Ende noch Vernetzungen mit Nachrichtendiensten aus allen Teilen der Welt, Terrorismus und halblegale Aktivitäten von Konzernen. Paradox ist dabei die Rolle des harmlosen Bürgers. Sie oder er mutiert zur Schachfigur auf einem riesigen Spielfeld. Politiker ziehen ihre Steine zum Zwecke einer Wiederwahl, die Kriminellen verwenden das Bürgertum als Opfer und Bollwerk zugleich, die Ermittler versuchen die Züge zu sabotieren.

In all den zurückliegenden Jahren erhoffte ich mir durch die fortwährende Berichterstattung in wirklich gut recherchierten Reportagen, Büchern, digitalen Medien, Whistleblowern, eine wachsendes Verständnis in der Bevölkerung, welches in einer höheren Effizienz mündet. Eingetreten ist es nicht. Im Gegenteil, vieles ehemals noch Mögliche, ist sabotiert worden.
In den 90ern zog sich ein Kriminaldirektor die Meldedaten aller in Berlin angemeldeten Italiener, inklusive derjenigen, welche durch Heirat die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hatten. Außerdem ließ er sich Handelsregisterauszüge anliefern. Zusätzlich ließ er eine Recherche zu schweren Straftaten laufen. Weiterhin glich er die Namen mit den Erkenntnissen der passenden Dienststellen in Italien ab. Am Ende bot sich ein wenig erfreuliches Bild. Alle Strukturen waren anwesend, die Indikatoren sprachen für sich, doch es gab kaum rechtlich zulässige Ermittlungsansätze. Was will man machen, wenn ein international auffälliges Massensterben in einer Familie einsetzt, deren Vertreter u.a. friedlich und unauffällig in Berlin leben?
Ein einziger Mord, viel Geld und Besitz, angesehener sozialer Status … und nun? Allein schon der damalige Ansatz, ist heute unvorstellbar. Ich glaube, dass ich es bereits in einem anderen Beitrag notierte. Eins ist doch klar: In einer Stadt, wie Berlin, treten sich alle gegenseitig auf die Füße. Dienste, diverse politische Oppositionen, die nicht ins Heimatland können, Terrorvereinigungen, alle bekannten OK Strukturen, Geldwäscher u.s.w.. Natürlich sind Immobilien, Großgastronomien, Spielotheken, Bars mit schwer nachvollziehbaren Umsätzen, Blumenhändler, Imbissbuden, lohnende Objekte. Es wäre auch mehr als naiv, Schutzgeld, Zwangsbeteiligungen, Verbindungen zum internationalen Terrorismus als nicht existent zu betrachten. Und jeden Tag finden sie neue Lücken, bei denen sie von versierten Juristen, Banken, Steuerberatern, unterstützt werden.

Berlin hat sich derzeit auf die Clans eingeschossen. Die schmutzigen lauten Schmuddelkinder der OK. Ich höre das Lachen der Italiener, Russen, Osteuropäer, Asiaten. Die Nummer haben die in den ausgehenden Achtzigern und am Beginn der Neunziger hinter sich gebracht. Damals haben sie schnell gelernt, wie man mit der deutschen Gesellschaft richtig umgeht. Sie sind nicht gegangen. Sie haben ausschließlich ihre Vorgehensweise verändert. In Berlin sollen Wohnungen gebaut werden. Bauvorhaben werden ausgeschrieben, Grundstücke zur Bebauung frei gegeben, Hochhäuser geplant … in der OK, bei Steuervermeidern, Konzernen, knallen die Sektkorken. Wenn ich die Berichte über die Vergaben lese, wird mir ganz anders. Letztens las ich vom Jubelgeschrei bezüglich des Spielhallensterbens in Berlin. Die Politiker bildeten einen Kreis und klopften sich gegenseitig auf die Schultern. Eine Woche später setzte ich mich in Aufwallung alter Erinnerungen in ein paar einschlägige Lokale meines Bezirks. Spielautomaten, die üblichen kleinen Gangster, welche Umsatz vortäuschen sollen, stündlich vorbei kommende Kontrolleure der passenden Familien und anderen OK Strukturen. Läuft!

Könnte man gegen all das etwas unternehmen? Vielleicht … aber auf keinen Fall mit den Leuten, die derzeit in Rang und Würden sind, einer Bevölkerung, die sich eine Nebelkerze nach den anderen verkaufen lässt und Senatsmitgliedern, die mit Sicherheit von vielem Ahnung haben, aber nicht von OK und Terror. Meiner persönlichen Auffassung nach, wäre innerhalb von Berlin ein wichtiger Schritt, in den Bezirken alle in ein Boot zu setzen. Vertreter vom Handwerk, Gewerbe, Bürger, Mitglieder der Kiez Büros, Schutzpolizei, Kripo, Ordnungsamt, Finanzamt, Bauamt, in eine beratende Kommission zusammensetzen. Das wird die OK nicht im Allgemeinen interessieren, aber ich kann ihnen die Bezirke wegnehmen.

In meinem Wohnbezirk Spandau sind die Würfel gefallen. Die Clans haben langsam die Nase von Neukölln und Wedding voll und entdecken die Randbezirke. Sie treffen auf Teilgebiete, die bereits besetzt sind. Tschetschenische Hoheitsgebiete oder die klassischen PKK Einzugsviertel (Spandau Neustadt) werden sie nicht besetzen können. Aber es bleibt noch genug übrig. Parallel tauchen auch die ersten Salafisten (Falkenhagener Feld), interessanterweise deutsche Konvertiten auf. Unter anderen ist das ein Ergebnis der Innenstadtpolitik des Senats.
Es war klar, worauf die Stärkung der Polizei in der polierten Innenstadt hinausläuft. Der arbeitende Teil der OK verzieht sich in die Außenbezirke und die Gewinne werden in der Innenstadt investiert.
Mir muss niemand mit der CDU, FDP oder der AfD kommen. Das ist genau, was die wollen. Ihre klassischen Wohlfühlzonen, in denen sie wohnen, Zehlendorf, Wannsee, die bewaldeten Teile von Reinickendorf, sollen unberührt bleiben. Die Innenstadt soll für Investoren attraktiv werden. Die hippen Zukunftsprojekte Kreuzberg Bereich Görlitzer Park, werden nach und nach bereinigt. Auch das verschiebt sich langsam. Die Drogenszene ist längst wieder auf Wanderschaft. Wahrscheinlich wird sie wieder ankommen, wo sie mal herkam … in den Hochhaussiedlungen. Für die Platte ist der Effekt allerdings neu.

Die Älteren in der SPD versucht in den BVV’s verzweifelt für die Bezirke Schadensbegrenzung zu betreiben. Die GRÜNEN sind mehrheitlich ein naiver Ausfall, weil sie aus ihrer Blase nicht herauskommen. Die junge LINKE ist verstrahlt und die Alten von denen trauen sich nicht mehr. Traurig … Puh … Ich denke mal weiter nach.

Oktober 17 2019

Rechtskonservative Rhetorik

Lesedauer 4 Minuten

Bernd Lucke, Gründungsmitglied der AfD wird an der Hamburger Universität von einigen Studenten an einer Vorlesung gehindert. Dazu kann jeder unterschiedlicher Meinung sein. Negativ kommentiert wird dies selbstverständlich von den konservativ ausgerichteten Medien. Damit von der Presse und Journalisten, die einen letzten Zugang zu den rechtsgerichteten Mitgliedern und Wählern der AfD haben. Der ehemalige Herausgeber der FAZ, Herr Dr. Müller – Vogg, schreibt zum Thema auf Twitter:

«Das haben die Achtundsechziger mit ihnen politisch nicht genehmen Professoren so gemacht – und die Nazis in der 1930er-Jahren mit Juden und Demokraten ebenfalls. Derselbe Terror – mit unterschiedlichen Parolen.»
Tweet vom 17.10.2019

Mal ganz davon abgesehen, dass ich von einem hochkarätigen Journalisten eine Unterscheidung zwischen das gleiche und dasselbe erwartet hätte, befeuert er die seit längerer Zeit kursierende rechtsradikale Rhetorik.

Vollkommen unbekümmert werden Geschehnisse aus dem Dritten Reich und dem Vorabend dazu, mit aktuellen Ereignissen verglichen. Bei der Debatte über die Kennzeichnungspflicht twitterten einfach strukturierte Gemüter, dass dieses mit dem Tragen des Gelben Stern im Dritten Reich vergleichbar wäre. Vor dem Hintergrund, welche Ziele seitens der NSDAP verfolgt wurden, eine unentschuldbare Entgleisung. Eine, die durch die Gleichsetzung die Pogrome ins Lächerliche zieht. Dies folgt der Rhetorik, in der sich AfD Anhänger einer Verfolgung ausgesetzt sehen, die ebenfalls angeblich den Pogromen entsprechen würde. Mich wundert dabei stets, wie ruhig sich hierzu die jüdische Gemeinde verhält.

Es gäbe unzählige unverfängliche Möglichkeiten eines Vergleichs. Es ist verräterisch, wenn sich einer ausgerechnet in dieser Epoche bedient. Sympathisanten von Herrn Dr. Müller – Vogg, bemühen Franz – Josef Strauß, in dem sie auf sein Zitat aus dem Jahr 1979 «Ihr wäret die besten Schüler von Goebbels und Himmler gewesen!» verweisen. Die Propagandastrategien eines Goebbels einem anderen zu unterstellen, kann man noch akzeptieren. Der hatte sein Handwerk letztlich vom Amerikaner Edward Bernays gelernt. Bezichtigt wurden die aufgebrachten Leute, die gegen Strauß und seine Hetze demonstrierten. Mich erstaunt heute noch, warum sich Konservative ausgerechnet ihn zum Alibi machen, wenn sie sich zu weit nach rechts lehnen.

In den 30er Jahren lieferten sich die SA und die KPD Straßenschlachten mit Schusswaffen und Toten. Kam es nicht auf den Straßen zu Auseinandersetzungen, überfielen SA Kommandos Lokale, in den sich SPD oder KPD Anhänger versammelten. Tatsächlich herrschte Terror auf den Straßen. Jüdische Bürger, die nicht organisiert waren, wurden lange vor 1933 zu Hause zusammengeschlagen, ihnen wurde aufgelauert und überall erfuhren sie Diskriminierung.

Diese Situation setzt Herr Dr. Müller – Vogg mit dem vollkommen gewaltlosen Protest der Studenten in der Hamburger Universität gleich. Augenscheinlich versuchen aktuell die Konservativen im Schulterschluss mit den Rechtsradikalen, eine Hetzkampagne gegen alles von ihnen aus betrachtet politisch Linke, zu initiieren. Ich weiß nicht, ob die da im Hörsaal alle links ausgerichtet waren. Meiner Auffassung nach ist Lucke ein beleidigtes Kind der CDU, welches sich vom verbitterten Opa Gauland hinters Licht führen ließ. Ein Zauberlehrling, der lernen musste, welche Geister man mit der rechts – liberalen Formel in das auf den Boden gezeichnete Pentagramm ruft.

Das ist das Problem mit der von Alexander Dobrindt ausgerufenen «Konservativen Revolution». Am rechten Rand der CDU/CSU fehlt es an einer sauberen Trennschärfe zu den Rechten. Ein minimaler Stolperer und plötzlich landen sie im Nationalismus, Autoritätsdenken und dem Traum einer allgegenwärtigen CDU/CSU, deren Bundesvorstand eine Oligarchie errichtet. Dabei übersehen sie, dass es hierfür bereits Profis gibt, die für Nachwuchsspieler stets dankbar sind.

Es erscheint beinahe, als ob Journalisten wie Dr. Müller – Vogg und einige andere, vornehmlich aus dem Hause SPRINGER, immer noch den alten Hass auf die 68er im Geiste haben. Damit hätte der Tweet enden können, aber es musste noch eins oben drauf gesetzt werden, in dem der Vergleich mit der NSDAP und der SA eingebracht wurde. Bis zur «Rotfront Verrecke!» Propaganda, fehlen da nur noch Zentimeter. Sie spielen mit Geistern, die sie nicht unter Kontrolle haben. Das ist nicht nur gefährlich, sondern bedingter Vorsatz. Der Erfolg wird nicht unbedingt angestrebt, aber vom Täter billigend in Kauf genommen. Es ist bereits schwer genug, der offen auftretenden Neuen Rechten Bewegung, mit ihrem von der AfD gestellten parlamentarischen Arm, beizukommen. Der Rechtsruck bei einigen in der Gesellschaft fest etablierten Medienvertretern ist beängstigend. Die Fluchtbewegungen und die Klimakrise lockt sie nach und nach alle aus der Deckung heraus. Einerseits ist das erfreulich, weil sie dadurch sichtbar sind, andererseits flößt mir die Menge, der mit einer Autokratie bzw. Oligarchie sympathisierenden Personen, Angst ein.

Was die Hamburger Studenten machten, ist ein lupenreiner Protest, den der Bürger von Leuten, die an einer Universität studieren, erwarten darf. Keiner muss ihn mögen oder inhaltlich teilen, aber er gehört dazu. Eine Uni voller Opportunisten, hat die Bezeichnung nicht verdient. Genau dies gehörte zur 68er Bewegung. Die Ausbildungsstätten der zukünftigen geistigen Elite von den Altlasten eines falsches Verständnisses von Unis zu befreien. Universitätsabsolventen sollen die Zukunft besser gestalten und nicht den «Status Quo» aufrecht erhalten. Gleichfalls dürfen sie nicht zu einer Ausbildungs- oder Lehranstalt der Wirtschaft verkommen. Ebenso wenig zum verlängerten Arm des bürgerlichen Mainstream. Dafür gibt es Fachhochschulen oder Ausbildungsbetriebe. 23 Jahre nach dem Krieg waren viele Lehrstühle noch von denen besetzt, die sich mit dem NS Regime 1933 – 1945 arrangierten, während die kompetentere Riege im Exil blieb oder das Dritte Reich nicht überlebten. Und die ehemals zum NS Regime Loyalen zogen sich ihre Paladine heran.

Wer dies favorisiert, die 68er mit dem NS Regime vergleicht, und sich Universitäten in Form einer Kaderschmiede wünscht, oder sie wenigstens zu Ausbildungsstätten des Kapitals umfunktionieren will, hat nichts Gutes im Sinn.

Zur Person von Herrn Lucke ist meine Haltung recht simpel. Bei der Gründung der AfD suchte er sich in Gauland einen falschen Freund. Keiner kann sagen, ob er nicht immer noch in der AfD wäre, wenn Petry ihm damals nicht den Rang abgelaufen hätte. Er wollte von der Hinterbank der CDU ins Rampenlicht. Das ging voll in die Hose. Statt Einsicht, dass das Machtstreben ihn in die falsche Richtung austrägt, gründete er ALFA. Nun wird es einige Zeit benötigen, bis er aus dem Scherbenhaufen wieder herauskommt. Ein blaues Auge wird bleiben. So ist das halt mit der Machtgier. Bei jedem Entzug kommt es zu einem Kater danach. Den wird er aushalten müssen.

März 24 2019

Polizei a.D. vs. System? Ein Widerpruch?

Lesedauer 8 MinutenVon einer wahrlich gut über meine Person informierte Frau bekam ich letztens die Worte zu hören: «Du kannst doch nicht, nach dem Du über 30 Jahre als Vertreter des Systems gearbeitet hast – dieses mit einem Mal anzweifeln.»

Diese Aussage ist meiner Auffassung nach symptomatisch in der öffentlichen Diskussion über die Polizei und ihre gesellschaftliche Rolle. Ich glaube, einige unterliegen da einem Irrglauben bzw. einem Missverständnis. Gar nicht wenige ergreifen den Beruf Polizist, weil sie eine gewisse Grundüberzeugung mit Geld verdienen kombinieren. Zumindest kenne ich sehr viele, die das Grundgesetz in seiner Ausgestaltung für eine gute, wenn nicht sogar die erstrebenswerteste Verfassung, für einen modernen Staat halten. Vieles wurde mir persönlich erst in der Ausbildung ab 1987 bewusst. Auch heute noch, stehe ich dazu, dass das was da steht, eine wirklich gute Sache ist.

Doch das Grundgesetz ist ein Rahmen. Die Gesellschaft, die Politiker, die Wirtschaft innerhalb dieses Rahmens ist eine ganz andere Nummer. Seit dem Inkrafttreten wurde an den Artikeln immer wieder herumgebastelt. Meistens war dies von erheblichen Protesten in der Bevölkerung begleitet. Gekümmert hat es am Ende niemanden und die Veränderungen standen. Meistens wurde mit der Veränderungen der Zeiten argumentiert und oftmals war es die Angst, welche benutzt wurde. Mich hat das schon immer fasziniert. Ich finde es anmaßend, Leuten die damals unter dem Eindruck des Nationalsozialismus, Krieg, Terror, etwas entwarfen, zu unterstellen, dass sie von einem Terror der heutigen Zeit nichts wissen konnten.

Ich glaube, es reicht für den Entwurf allgemein gehaltener Maxime vollkommen aus, um die Kontroll – und Überwachungssucht des Staats zu wissen. Man muss nichts über die technischen Möglichkeiten der Zukunft wissen. Die Annahme lautet: «Wenn etwas auf den Markt kommt, werden es bestimmte Persönlichkeiten auch nutzen wollen!» Ich stütze diese Behauptung unter anderen darauf, dass sich die europäischen Staaten immer mehr den Dystopien aus den Zwanziger und Dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts annähern. Diese Entwicklung hat wiederum nichts mehr mit den Ideen der Schöpfer des Grundgesetzes zu tun.

Unmittelbar regelt das Grundgesetz nicht das Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland. Es stellt lediglich Anforderungen an ein Wirtschaftssystem. Gelenkte und geplante Wirtschaftsstrukturen schließt es genauso aus, wie die allgemein als Raubtierkapitalismus bezeichnete vollkommene unkontrollierte freie Entfaltung. Das passt einigen, insbesondere den Global – Playern nicht in den Kram, weil sie dieses als Hemmschuh für Wachstum und Konkurrenzfähigkeit des Standorts Deutschland betrachten.

Meinem Empfinden nach, bekommen die Vertreter dieser Auffassung immer mehr Oberwasser. Dies hat gesellschaftlich tiefgreifende Folgen und betrifft auch jemanden, der einer in der Verfassung implementierten Säule, nämlich der Exekutive dient.
Im Grundgesetz steht auch nichts über die gesellschaftliche Entwicklung in eine verwaltete Gesellschaft. Wenn überhaupt ließe sich ein Verbot aus dem Passus, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, ableiten. Wer Menschen ihrer Individualität beraubt, sie in politischen Reden stets in Kategorien einsortiert, unter Begriffen zusammenfasst, Gesetze und Verwaltungsvorschriften erlässt, die dies tagtäglich forcieren, entzieht Menschen die Würde.

Es ist dem «einfachen» Bürger nicht vorzuwerfen, wenn er nach ständiger verbaler Beeinflussung durch eine politische «Elite», dies in sein Verhalten übernimmt. Doch die Elite verliert die Berechtigung diese Bezeichnung in Anspruch zu nehmen. Was ein großer Teil jenseits der von Ghostwritern und Beratern vorgebenen Texte für Bundestagsreden von sich gibt, ist absolut unterirdischer Populismus. Teilweise, nämlich dann wenn für einen Deutschen nicht zu Diskutierendes mit Euphemismen verschleiert wird, geht es ganz weit über den Rand des Grundgesetzes hinaus. Umzäunte und bewachte Auffangzentren außerhalb des Staatsgebiets sind im deutschen Sprachgebrauch immer noch Lager. Wenn überhaupt, könnte man auf deutschen Gebiet von einem Durchgangslager analog zu Friedland sprechen.

Es ist erbärmlich, wie sich das Establishment, allen voran die CDU/CSU gegenüber der AfD positioniert, wenn sie von denen behauptet, dass sie Unsägliches wieder hoffähig machen wollen. Aber beispielsweise, vertreten von der Jungen Union, von “Gleichschaltung” spricht. Dobrindt spaziert ebenfalls ein wenig durch die Geschichte und fordert die “Konservative Revolution”, aus der bekanntlich ein aus Österreich zugewanderter Politiker namens Adolf Hitler die NSDAP bastelte. Auch solche Dinge stoßen einem überzeugten Kriminalbeamten auf. Ich weiß nicht, wie oft ich bei Berichten überlegte, welche Worte ich verwende, um nicht einen vollkommen falschen Eindruck zu erwecken. Ich habe mir einige Gedaanken darüber gemacht, wie das mit der Gleichschaltung der Gesellschaft, unter anderen bei der Polizei, passieren konnte. Aber Herr Seehofer kämpft ja auch bis zur letzten Patrone.

Die Gesellschaft, die der Polizist dient, hat diese Menschen an die Spitze des Staats gesetzt! Freundlich ausgedrückt “ultrakonservative” die jeden Tag bewusst und vorsätzlich mit den niedrigen Instinkten der Masse spielen. Als ich bei der Polizei anfing, hatten sich gerade Leute wie Franz – Josef Strauss aus dem großen Geschehen verzogen. Innensenatoren, die sich nicht unter Kontrolle hatten, bekamen mächtig Gegenwind. Die Republik befand sich politisch im Aufwind und wurde langsam, trotz der Lethargie der Bonner Provinz und einem mehr als biederen Dauerkanzler, zu einem wirklich aufgeklärten modernen Staat. Die rhetorischen Propaganda – Kriege zwischen dem “Schwarzen Kanal” – Schnitzler und ZDF Magazin – Löwenthal, dienten fast nur noch der Erheiterung. Heute kommen mir die beiden vor dem Hintergrund des aktuellen Geschehen wie blutige Amateure vor.

Mir ist in Gesprächen aufgefallen, dass gerade die Generation der heute 70 – 80 jährigen Bundesbürger, also die der Anfangszeit nach dem II. Weltkrieg, dies durchaus kritisch beäugt, während die Generation der 40 – 60 jährigen, eher unbesorgt damit umgeht. Ich empfinde beim Zuhören auch oftmals eine Abgestumpftheit der Sprecher. Sie leben innerhalb des Rahmens «Grundgesetz», aber sie leben nicht aktiv die Idee.

Den “Grünen” wird neuerdings vorgeworfen, dass sie eine Verbotspartei wären. Beginnen wird doch erst einmal damit, mit welcher Impertinenz, Respektlosigkeit und Arroganz “Hierarchiespazierer” wie Spahn, Lindner, Söder, Dobrindt u.a. auf normale Menschen eindreschen, die im Gegensatz zu ihnen eine echte Lebensleistung vollbracht haben und nun vor den Trümmern ihres Lebensentwurfs stehen. Es soll noch Menschen geben, die arbeiten und nicht ihr Leben nach der Karrieregeilheit ausrichteten.

Jedes Recht und jede Freiheit muss der auf Gier und Drang nach unbegrenztem Wachstum geprägten Wirtschaft abgerungen werden. Der Kapitalismus hofiert nun einmal diese im menschlichen Verhalten implementierten Phänomene. Bisher ging alles gut, doch langsam melden sich Zeichen am Horizont, dass das ganze aus dem Ruder gerät.

Die sozialen Spannungen werden größer. Die geringer Bedachten oder Verlierer werden an die Ränder der Städte gedrängt und verkommen dort zu verwalteter biologischer Masse. Es entstehen scharf abgegrenzte Eliten. Sicherheit – und Schutzbedürfnisse werden zur Frage des gezahlten Geldes. Wer es sich leisten kann, zieht in Häuserkomplexe mit eigenen Sicherheitsdiensten. Wohlhabende Bürger bezahlen private Security – Streifen, die gekleidet in Fantasieuniformen Quartiere beschützen sollen.

Statussymbole nehmen eine immer wichtigere Rolle ein. Hingegen sinken Persönlichkeit und Lebensleistung im Ansehen bzw. verlieren ihre gesellschaftliche Rolle. Parallel wird das Bedürfnis nach diesen Symbolen seitens der Werbung (Wirtschaft) befeuert. Alles Prozesse, die auch im Ostblock nach der Öffnung in den Neunzigern zu beobachten waren und auch heute noch dort deutlich gesehen werden können.

Parallel werden in der Gesellschaft der «Habenden» dekadente Diskussionen geführt, die mit der Lebensrealität der Menschen den Hochhäusern am Stadtrand, den Zonenrandgebieten oder strategischen innerstädtischen Spekulationsgebieten, nicht im entferntesten etwas zu tun haben. Auch dieser Spalt wird immer größer. Ich unterstelle einer großen Zahl prominenter “LINKER”, dass sie sprachlich und programmatisch zur ehemals als “Arbeiterklasse” bezeichneten Schicht, jeden Kontakt verloren haben.

Ich habe das beruflich in den vergangenen dreissig Jahren alles verfolgen können. Bereits in den Neunzigern dämmerte mir bei einem Aufenthalt in der damals noch bestehenden Tschechoslowakei, während meiner Zeit in Kommissariaten welche sich auf Organisierte Kriminalität durch Bürger aus Restjugoslawien und G.U.S. spezialisiert hatten, dass ich in eine Zukunft blickte. Als ich um 2000 von einer privaten Sicherheitsfirma in der Berliner Potsdamer Straße aufgefordert wurde, mit meinem Zivilwagen wegzufahren oder in Marzahn beim Betreten eines Hauses einen uniformierten Portier passieren musste, rundete sich mein Bild langsam ab.

Die nachfolgenden operativen Einsätze in den Siedlungen von Spandau, Neukölln, Marzahn, Hellersdorf bestätigten mich in allem, was ich oben formuliert habe. Noch übler sieht es in den «ärmeren» neuen Bundesländern aus. Was wir dort als Berliner verdeckt operierende Einsatzkräfte zu sehen bekamen, hat sich mir tief eingeprägt. Zeitweilig wähnte ich mich in der Dritten Welt. Wer dort auch noch Heime für Zuflucht Suchende aufstellt handelt meiner Meinung nach mit Vorsatz und will für seine Zwecke die Eskalation der Situation. Da steckt Kalkül dahinter.

Wer von einem Konsens der Gewaltlosigkeit, einer deutschen Leitkultur spricht, redet nicht über die Siedlungen, in Rostock, Frankfurt/Oder, Cottbus, Berlin, Magdeburg und anderen Gebieten. Wir steuern, wenn wir nicht längst schon angekommen sind, auf einen Zustand zu, in dem sich die glitzernden wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen nur auf eine sich gern präsentierende Minderheit, beziehen, die das echte Bild verschleiern. Ich wehre mich dagegen, die Menschen, die dort abgehängt von allem sich sozial selbst überlassen sind, aufgrund ihres Verhaltens zu verurteilen. Wer dort nicht heranwächst, muss erst einmal das Gegenteil beweisen.

Der natürliche Lebensraum eines Kriminalbeamten ist genau an diesen schwierigen Plätzen. Exekutive bedeutet auch, für die Entscheidungen und Bestrebungen einer gewählten Regierung einzutreten und die Folgen zu sehen. Ich bin kein Verfassungsrichter, insofern steht es mir nicht zu, das Gebaren als verfassungswidrig zu bezeichnen. Aber ich erlaube mir ein persönliches Empfinden. Und das meldet mir, dass das mit Regieren im Sinne des Wohls für die Bevölkerung und der Menschlichkeit nichts mehr zu tun hat.

Alles ist darauf ausgerichtet: «Geht es der Wirtschaft gut, geht es auch dem Volk gut!» Ich mach mal eine andere Rechnung auf. Der Wirtschaft im Falle eines Konzerns oder Global – Players, um bei diesem namen – und gesichtslosen Begriff zu bleiben, geht es am besten, wenn wenig Gehälter gezahlt werden müssen, die Sozialabgaben gering sind, die Rente klein ist und maximale Gewinne erzeugt werden können. Der Wirtschaft, bezogen auf den inneren Markt und Wohlstand des Bürgers, geht es gut, wenn die Kaufkraft des Inländers hoch ist. Portugal hat das gerade erfolgreich vorgemacht. Wie es anders aussieht habe ich in der Mongolei gesehen. Schaut man sich die Innenstadt von Ulanbataar an, wähnt man sich in einen aufstrebenden Staat. Jeder Meter, der einem aus der Innenstadt entfernt, zeigt einem den Irrtum auf. Doch soweit muss man gar nicht reisen, wenn man in Berlin wohnt. Da gibt es diesen Effekt auch. Passend hierzu gehorcht die Berliner Polizeiführung den Vorgaben der «Habenden». Den neuen Konzepten nach, wird die Polizeipräsenz in der Innenstadt erhöht und damit am Rande ausgedünnt.

Die aktuelle Situation Hartz IV ist für mich ein Beruhigungsmittel. Die Leute bekommen genau die Zuwendungen, die sie halbwegs überleben lasssen und sie mit dem Druck versehen, bei Zuwiderhandlungen das auch zu verlieren. Anderenfalls bestände das Risiko, dass sie zur Revolte übergehen. Wie das ausgeht und aussieht erleben wir gerade in Frankreich. Die sind Deutschland nämlich auf dem Land, in den Banlieue und den Randgebieten um wenige Jahre voraus. Amüsanterweise (Zynismusmodus!) schreibt die Zentrale für politische Bildung dazu:

Seit drei Jahrzehnten stellen die benachteiligten Randgebiete der französischen Großstädte eine zentrale Herausforderung der französischen Innenpolitik dar. In den Banlieues prägen Arbeitslosigkeit, städtische Verwahrlosung und Gewalt den Alltag. Urbane Ausschreitungen erreichten 2005 ein erschreckendes Ausmaß. Experten warnen vor einer starken sozialen Segregation, wie sie in vielen US-Städten zu finden ist.

Ich habe mir das mal vor einigen Jahren in Paris angesehen. Als jemand, der in einer Berliner Hochhaussiedlung aufwuchs und dort ab und zu zum Zwecke der eigenen Erdung mal vorbei schaut, kam mir vieles merkwürdig bekannt vor. Im Gegenzuge bestätigte mir ein Sozialarbeiter aus Paris, der sich mal Berlin mit seinen Augen ansah, mein Gefühl. Aus Gesprächen mit Lokalpolitikern weiß ich auch, dass die das durchaus genauso sehen wie ich.

Gleiches spielt sich bei der Bekämpfung der Drogenszene ab. Man stelle sich vor, der «Görlitzer Park», wäre irgendwo am Rande von Marzahn oder Heerstraße – Nord. Kein Mensch würde sich dafür interessieren. In Berlin spielt sich immer das gleiche Spiel ab. Quartiere werden herunter gewirtschaftet. Dann kommen sie Studenten und Künstler auf der Suche nach günstigen Wohnraum. Die Gegend wird «hipp» und attraktiv für «Habende» mit alternativen aufgeklärten Lebensverständnis. Bevorzugt ziehen dann Anhänger der «Grünen», Kreative, Designer und Architekten in die Häuser. Die Mieten steigen und das Niveau hebt sich. Übrig bleiben die Fragmente vor der Tür. Obdachlose, Abhängige, das örtliche Trinkermilieu und Prostitution.
Dafür gibt es dann die Polizei, die jene Szene gefälligst woanders hin verdrängen soll. Meistens ins nächste Gebiet welches heruntergebracht werden soll.

Hierzu ein kleiner Exkurs in die Berliner Geschichte. Der Berliner Humboldthain wurde einst als eine Art Botanischer – und Zoologischer Garten für das Bürgertum errichtet. In direkter Nachbarschaft zum sogenannten Roten Wedding. Einem der Ausgangspunkte der Novemberrevolution 1918. Damals schon missfielen den Bürgern von Berlin die zahlreichen herumlungernden Obdachlosen und Schlafburschen. Deshalb forderten sie von der Polizei die Verdrängung. Irgendwie hat sich wenig geändert. Doch eins: Die kannten das Beruhigungsmittel Hartz IV noch nicht.

Das geschieht so lange, bis die Berliner Illusion in der Mitte frei von Störenfriede ist. Am Ende des Prozesses bleiben nur noch die Stadtränder. Hallo Paris, Hallo London, wir wären dann auch soweit.

Nein, ich habe immer versucht, für eine Gesellschaft einzutreten, die zum Rahmen Grundgesetz passt. Was jetzt passiert, hat damit nichts mehr zu tun. Entstanden ist ein System, welches nicht zum Rahmen passt. Und dagegen kann ich ohne jegliche Skrupel antreten – eben gerade, weil ich eine ganze Menge gesehen habe. Die Geschehnisse und das Gesehene im Polizeidienst treiben einen häufig vor sich her. Es ist absolut menschlich, dass man bei gleicher Informationslage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Meins ist, dass Menschen nicht als das geboren werden, was sie irgendwann sind.

Viele Faktoren wirken auf die Persönlichkeit ein. Nach meiner Logik ist die Anzahl kranker, gewaltätiger, brutaler, egoistischer, asozialer Menschen eine Kennzahl für den Zustand der Gesellschaft. Dabei geht es weniger um Fallzahlen in Kriminalstatistiken, sondern wie man die Täter oder Einsatzsituationen persönlich erlebt. Eine Gesellschaft produziert ihre Problemfälle immer alleine. Der bürgerliche ausgestreckte Zeigefinger, bedeutet immer, drei Finger zeigen auf das Bürgertum und einer, der Daumen, auf die Machthaber, die sie gewählt haben. Immer nur auf den Täter zu schauen, sich auf Stereotype zu fixieren ist nachvollziehbar, ist meiner Meinung nach einen Schritt zu kurz gedacht.

März 24 2019

Artikel 13/17

Lesedauer 5 MinutenArtikel 13 oder neuerdings 17 ist für mich ein klassischer Fall der Vertrauensfrage. Meine Kenntnisse zur Thematik sind rudimentär. Man kann nicht alles wissen. Doch im Laufe der letzten Jahre bin ich immer wieder auf Internetseiten gestossen, denen ich aufgrund ihrer Berichterstattung und tiefgehenden Analysen schlicht glaube. Dazu gehört für mich, wenn es um Internetfragen geht, immer der Heise Verlag.Und die dort veröffentlichten Beiträge ließen bei mir einigen inneren Widerstand aufkommen.

Wenn Initiativen wie der Artikel 13/17 gestartet werden, meldet sich bei mir sofort die Frage, vor allem wenn die CDU involviert ist, wer verdient daran und wer ist die treibende Kraft im Hintergrund. Mein Vertrauen, dass bei der CDU irgendetwas passiert, was nicht der Wirtschaft und dort auch nur denen dient, die ohnehin schon satt sind, tendiert gegen Null.

OK, die großen Plattformen haben zwei Seiten. Auf der einen sind sie Teil des Systems und verdienen sich eine goldene Nase, auf der anderen Seite sind sie auch Teil des demokratischen Prozesses geworden. Viel Licht und auch viel Schatten. In erster Linie stieß mir auf, dass es sich doch letztlich um eine Spiegelfechterei handelt. Wer halbwegs versiert ist, umgeht alles und verschleiert seinen Standort oder nimmt Zugriff auf andere Server. Ergo wieder einmal eine Lösung, die ausschließlich die Masse der unbedarften Nutzer trifft. Da hat also jemand ein Interesse daran, nicht die Hoheit über die Massen zu verlieren. Wer könnte das sein? Die großen Verlagsgruppen springen einem da fast schon ins Gesicht.

Passend hierzu mischte sich der Axel Springer Verlag vertreten durch das Schlachtschiff BILD ins Geschehen ein. Seit mehr als dreissig Jahren verfahren die immer nach einem Muster. Protestler müssen von einer dunklen Seite – meistens den Kommunisten aus Russland – dieses Mal allerdings von Google gekauft worden sein. Der normale anständige Bürger protestiert nicht gegen eine Entscheidung der schwarzen bürgerlichen Volkspartei CDU. In der Rhetorik des Axel Springer Verlags waren auch die 68ziger, die Friedensbewegung, der Protest gegen die Atomkraft und Umweltschützer sämtlich eingekauft. Da war ich schon mit einem Bein auf der Straße.

Dann viel mir wieder ein, wie ich kürzlich auf dem Flughafen in Peking saß und versuchte Twitter, Facebook und Youtube aufzurufen. Zugegebenermaßen ein etwas naives Unterfangen. An diesem Tag fing ich mir eine Allergie gegen “Herumfummeln” von staatlicher Seite am Internet ein.

Da wäre dann noch die Seite der Urheber und Künstler. An dieser Stelle werde ich mal richtig böse und ketzerisch. Kunst ist zu großen Teilen eine Industrie geworden. Früher reichte es aus, wenn der Künstler starb, damit wenigstens sein Werk und Name bekannt wurde. Heute läuft es auf eine Prostitution hinaus. “Wem muss ich hier einen Blasen, damit meine Werke “vermarktet” werden?” Ich habe mal die Geschichte einer wirklich begabten jungen Frau mitverfolgt, die an einem Wettbewerb beim Giganten SONY teilnahm. Am Ende lief die Sache auf einen Vertrag hinaus, demnach sie für eine gewisse Zeit, nämlich in der sie vom Alter her erfolgreich hätte sein können, nirgendwo anders vorsingen konnte. Das Talent wurde de facto gegen kleines Geld vom Markt genommen, um andere, die bereits vermarktet wurden, zu schützen. Das Kunst – und Musikgeschäft ist schmutzig und dreckig, wie alle anderen auch. Die immer als Kleinkunst geschmähte, meistens von hervorragenden und beachtenswerten Künstlern gestaltete Gegenwartskultur, haben es schwer an der Kommerzmauer vorbeizukommen. Nicht wenige, die sich da auf die Seite der Initiatoren schlagen, haben längst ihre Seele verkauft. Abgesehen von denen, die sich vor den Karren spannen lassen.

Schaue ich mir die Printmedien und ihre Onlineportale an, kommt mir beim Lesen diverser Artikel, besonders wenn sie zu den Großen gehören, ebenfalls der Verdacht, dass auf “Zuruf” des Chefredakteurs im Sinne der Linie des Hauses etwas zusammengeschrieben wird. Mit Journalismus hat das nichts zu tun. Als ich das Buch über die Panama – Papers las, erschreckte mich, zu welchen nachrichtendienstlichen Mitteln investigative Journalisten, die ihr Handwerk noch ernst nehmen, heutzutage greifen müssen, damit ihre Story nicht vorher unter staatliche Sanktionen gerät.

Mir fiel auch wieder ein, welche Maßnahmen anläßlich einer Sendung des Satire – Magazins “die Anstalt” folgten, nachdem dort die Ballung der Medien in wenigen Händen angeprangert wurde. Nahezu prophetisch nahmen sie Fusion von DuMont und Madsack vorweg. Dies sind alles nur Teilaspekte für die gesamte Story, die sich im Hintergrund abspielt. Aus meiner Sicht wird es nahezu unmöglich, sich als Leser und Bürger noch halbwegs autonom eine Übersicht über politische Geschehnisse zu bilden. Nicht jeder hat die Zeit auf die Suche nach unabhängigen Medien zu gehen, sich mehrsprachig Artikel durchzulesen und zu analysieren. Aber es gibt z.B. Youtuber, die das tun. Verwenden sie dafür Artikel oder Medien in Sequenzen, die den “Großen” abgenommen wurden,um sie passend zu kommentieren oder bezüglich des Wahrheitsgehalts auseinander zu nehmen, könnte es künftig schwierig werden.

Vollmundig versuchten in den letzten Tagen die üblichen Verdächtigen, wie beispielsweise Herr Söder, Sedativa zu verteilen. Die kleinen Plattformen würde das nicht betreffen, und man würde in Deutschland eigene Regeln finden. Europa, Internet und nationale Regelungen – finde den Fehler. Ich glaube für CSU Politiker ist es bereits eine intellektuelle Leistung, wenn sie jenseits des eigenen egozentrischen Weltbildes die Landesgrenzen von Bayern in ihr Denken einbeziehen. Wenn es um Europa und globale Angelegenheiten geht, wird ihnen schlecht und sie brauchen eine Auszeit.

Kleine Plattformen bedeutet, dass sie sich kaum gegen die Rechtsanwälte der “Großen” wehren können. Immer wieder müssen wir erleben, wie mit von krimineller Energie gesteuerte sogenannte Abmahnrechtsanwälte ihr Unwesen treiben. Bösartig könnte man die Feststellung treffen, dass die übermäßig im deutschen Parlament repräsentierte Zunft der Juristen mal mit diesen zusammen im Hörsaal saßen. Aber ich bleibe bei den Juristen auf meiner Linie der individuellen Betrachtung. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass mir einige durchaus zustimmen, dass da mit einigen beim Studium im Kopf ein wenig etwas durcheinander geht.

Trotzdem bleibe ich bei meiner Grundauffassung, dass Berufe, die Juristen, im Marketing geschulte Leute, Wirtschaftsfachleute und Journalisten erfordern, sich wie Polizisten, ab und wann mal die Frage nach dem eigenen ethischen Anspruch stellen müssen und im Zweifel gehen sollten. Ich habe im Leben einige kennengelernt, die mir aus diesen Sparten sagten: “Für diese Verbrecher gebe ich mich nicht mehr her.” So läuft das Spiel nun einmal – ist auf Dauer keine gute Antwort im Leben.

Nach reiflicher Überlegung, ohne die seitens der CDU/CSU in Aussicht gestellten 450 EUR Demonstrationsgeld zu bekommen, entschloss ich mich auf der Demo mitzulaufen. Alleine die erlebte Ignoranz seitens der “Politischen Klasse”, die sich nicht mehr aus ihren Lobbyisten Kaffees und Bars heraustrauen, um mal das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen, sie statt dessen mit Tweets und Aussagen in Interviews zu diffamieren, ist Grund genug auf die Straße zu gehen. Das ist absolute Formatlosigkeit!

Es stimmt, was in letzter Zeit auf Twitter mehrfach zur Sprache kam. Einige wenige “besorgte Wutbürger” laufen blökend und skandierend durch die Straßen und die Reaktion des Establishments lautet: “Die Politik muss die Sorgen und Ängste der besorgten Bürger bei PEGIDA, (zur Erinnerung: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), ernst nehmen.” Tausende Schüler und hunderttausende, zumeist unter Vierzigjährige gehen mit intelligent und kreativ gemachten Schildern, die ihren Intellekt spiegeln, auf die Straße und die Herrschaften verstecken sich oder schicken die konservativen Propagandastrategen ins Rennen. Auf der anderen Seite werden Leute, die den Begriff Patriot nicht korrekt definieren können, einen poetischen Begriff aus dem Mittelalter verwenden und eine Religion offensichtlich für eine Infektionskrankheit halten, hofiert.

Ich sah auf der Demonstration einige, denen es nicht mehr nur um Artikel 13/17 ging. Es ging ihnen um eine abgekoppelte politische Klasse, die sich in Arroganz suhlt und sich hinter den weißen Mauern im Regierungsviertel versteckt. Ich hoffe nur, die als deinterressierte und dekadente Generation Z wird wach und wehrt sich.

 

 

 

 

 

 

März 22 2019

Friday for Future

Lesedauer 3 MinutenEine illustre Mischung sammelte sich an jenem Freitag im Invalidenpark unweit vom Naturkundemuseum. Wer hat sich nur diesen seltsamen Platz für eine Demo ausgesucht? Er wirkt mehr wie zugeteilt, damit niemand gestört wird. «Hast Du eine Ahnung, ob die hier nur Antreten oder laufen die zum Kanzleramt?» Meine jüngere Tochter, selbst längst aus der Schule heraus, zuckte mit den Schultern. Also standen wir beide nebeneinander und harrten der Dinge. Am Beginn hatten sich vielleicht 200 Schüler und grob geschätzte 50 Unterstützer versammelt. Großeltern, Eltern oder einfach nur Sympathisanten. «Omas gegen Rechts!» Hielten zwei Frauen ein Pappschild nach oben, «Sag mal haben die das Schild an einem Teppichklopfer fest gemacht?», fragte mich meine Tochter. Ich musste grinsen. «Das nennt man problemlösendes Denken!» Ein paar alte Hippies in ihrer ganzen Farbenpracht hatten sich auch dazu gesellt. So schräg sie auch aussahen, echte Chucks, eine teure NIKON Kamera, Schmuck aus Thailand und Tibet, verrieten den Wohlstand. Einer hielt das Schild «GLOBAL 2000 las ich mit 15.»
«GLOBAL 2000? Ist das schon so lange her?»
«Ja, bin schon ein wenig älter. 1981 oder `82, weiß nicht mehr so genau. Du stammst doch auch noch der Zeit, oder?»
Ich nickte. «Ja, da war mal etwas.»
«Und? Meinst Du, wir müssen uns schämen, weil wir es verbockt haben?»
Kopfschüttelnd antwortete ich: «Nein, Gorleben, Mutlangen, Castor, Wendland, viele von unserer Generation haben eine Menge versucht. Wenn überhaupt haben wir nicht aufgepasst und die Typen mit den Digitaluhren, Aktenkoffer und Lederkrawatte durchkommen lassen. Das war allerdings ein Fehler. Karriere war halt nicht unser Ding.»

Meine Tochter stellte fest: «Die brauchen dringend einen Tontechniker!» Tatsächlich war der Ton mies und die Redner kaum zu verstehen. «Ich habe nichts gegen Motherfucker, aber niemand fickt Mutter Erde!», drang dann doch noch von einem Oberschüler durch die gequälte Box. Grundschüler, Oberschüler aller Altersklassen, mittlerweile an die 600 bildeten einen Pulk.
«Ich hätte ja auch einen Spruch.», sagte ich zur Tochter.
«Und?»
«Wir schwänzen nur die Schule, ihr die Schule des Lebens!»
«Klingt ganz gut.»
«AKK es ist nie zu spät zum Lernen!», reckte eine vielleicht dezent über Sechzigjährige nach oben.
Schulschwänzer? Ich sah nur Demonstranten. Überzeugt und engagiert. Die Aussage kann sich ohne hin nur eine oder einer einfallen lassen, der nichts mehr in seinem verbitterten verkalkten Gehirn hinbekommt. Wer schwänzen will, lässt die anderen demonstrieren und rennt nicht bei 10 Grad mit einem Pappschild in der Gegend herum. Eigentlich bezeichnend, dass Menschen, die offensichtlich lieber schwänzten, statt zu demonstrierten, jetzt mit über Fünfzig auf engagierter Politiker machen.

Am Rande sah ich einen jungen Mann der Flyer für eine App verteilte. Irgendetwas, was man auf sein Smartphone laden kann. Also selbstverständlich nur auf ein IPhone.
«Findest Du das OK, den Scheiß hier zu verteilen?»
«Ja, klar es geht doch um Umwelt?»
«Kapitalismus hast Du nicht begriffen oder?» Mit einem bösen Blick wandte ich mich ab. Einfach der falsche Ort eine derartige Diskussion zu führen. Die Schmeißfliegen des Kapitalismus. Alles wird zu einem Gut. Selbst der Protest und die Demonstranten werden zu Kunden.
«Kommt alle, nächsten Freitag kommt Greta. Wir machen das solange, bis jemand mit uns redet.» Sie werden nicht kommen. Jedenfalls nicht auf die Straße, da können sie nur verlieren. Das Format der sechziger Jahre, wo sie sich stundenlange Wortgefechte mit den Studenten lieferten, haben sie heute nicht mehr.
«Blöder Personenkult!», sagte ich zum Typen neben mir.
«Na ja, wenn es hilft?»
«Schon, aber das macht angreifbar. Es geht um die Sache! Diese Affen werden sich darauf als erstes stürzen. Das kennen sie, einem Leitaffen hinterherrennen, machen sie schon ihr ganzes Leben, bis der auf einer Banane ausrutscht und sie den Leitaffen ablösen können. Na, wir werden sehen.»

Nach zwei Stunden der Abbruch und Rückweg zum Bahnhof. An der Ampel stehend rollte die Blechlawine vorbei. In jedem Auto nur eine Fahrerin oder ein Fahrer. Die Abgase standen neben dem Stau. Ich drehte mir eine Zigarette. «Ist Dir was aufgefallen? Da hättest Du keinen um eine fertige Zigarette bitten können. Die da waren erfüllten alle das Klischee des Selbstdrehers.»
Meine Tochter lachte. «Stimmt!»
Ich schaute wieder auf den Verkehr. Das wird nichts werden, es mag einen Versuch wert sein, aber sie sind zu blöd. Neben uns lief eine Gruppe Pubertierender dumm im «Kanack» miteinander redend an der roten Ampel auf.
Meine Tochter schaute sie skeptisch an. «Manchmal frage ich mich, ob es wirklich eine gute Idee ist, für das Überleben zu kämpfen.»

Bisweilen liegen wir nicht weit auseinander. Alles in allem eine nette Demonstration mit deutlich Potenzial nach oben. Zu leise, zu brav, zu zurückhaltend unter Beobachtung des Staats. Eine Frage an meinen alten Arbeitgeber. Ein BeDo – Trupp bei einer harmlosen Schülerdemo? Die Direktion Einsatz mit Patches wie ein Pfingsochse und lauter Gebamsel am Einsatzanzug und Weste? Zwei Funkwagen und das stinknormale Ehrenkleid mit Mütze hätten es auch getan und einen besseren Eindruck hinterlassen. Da demonstriert die Zukunft und wir prägen sie mit.

März 16 2019

Lasst es nur einen Anfang sein … Friday for Future

Lesedauer 10 Minutenafdscreenkufferscreen

Die beiden Tweets sind lediglich Beispiele für Reaktionen des Establishments auf die Bewegung, die seitens Greta Thunberg initialisiert wurde, sie als Einzelperson aber längst, wie jede Bewegung überholt hat. Mittlerweile haben sich ihr auch Eltern und Wissenschaftler angeschlossen.

Mal abgesehen davon, dass der Tweet des AfD – Vertreters vollkommen irre ist, zeigt er dennoch eine gewisse Tendenz auf. Nebenbei hat der Attentäter Donald Trump als Vorbild und Wegbereiter seines Gedankenguts benannt. Dem Herrn von der CDU ist nicht abzusprechen, dass er sich zwar in der CDU befindet, aber durch aus mit solchen Worten bei der AfD mit offenen Armen empfangen werden würde. Mir fallen auch ein paar geschichtliche Ereignisse ein, wo die Demonstranten, später Revolutionäre nicht einmal zur Schule gehen durften. Französische Revolution, Deutsche Revolution, Russische Revolution … und es dürfte eine spannende Diskussion sein, was denn eigentlich das “Richtige” ist.

I can see you in the morning when you go to school
Don’t forget your books, you know you’ve got to learn the golden rule
Teacher tells you stop your play and get on with your work
And be like Johnnie too-good, don’t you know he never shirks
He’s coming along

Supertramp – School

We don’t need no education
We dont need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teachers leave them kids alone
Hey! Teachers! Leave them kids alone!
All in all it’s just another brick in the wall.
All in all you’re just another brick in the wall.

We don’t need no education
We dont need no thought control
No dark sarcasm in the classroom
Teachers leave them kids alone
Hey! Teachers! Leave them kids alone!
All in all it’s just another brick in the wall.
All in all you’re just another brick in the wall.

Pink Floyd – The Wall

Ich würde die Diskussion damit beginnen. Aber Herr Kuffer ist 6 Jahre jünger als ich (ursprünglich ging ich hier davon aus, dass er älter wäre, aber ich habe es nochmals nachgelesen) , vielleicht ist er mit anderen Vorbildern und Gedankenanregungen aufgewachsen. Vielleicht liegt es aber auch an mangelnden Sprachkenntnissen.

Was passiert eigentlich? Da ich selbst kein Naturwissenschaftler bin, muss ich mich auf die Aussagen der Wissenschaftler verlassen. Ich sehe dabei auch keinerlei Probleme. Wenn gleich weltweit tausende, in unterschiedlichen politischen Systemen agierende und forschende Wissenschaftler, zu übereinstimmenden Ergebnissen kommen, ist salopp gesagt «die Kacke am Dampfen!»

Über Fakten zu diskutieren ist ziemlich sinnlos, Zeitverschwendung und im Übrigen auch vollkommen irrational. Damit ist schon mal jeder Leugner aus dem Lösungsprozess heraus. Was soll die Weltgemeinschaft mit politischen Führern, die nicht einmal derart elementare Dinge intellektuell verarbeiten können. Aber es stellt sich die Frage, wie unser System funktioniert, dass solch einfach strukturierte Menschen in diese Position kommen konnten. Irgendetwas muss falsch sein.

Ein System, in dem die Ignoranz, Narzissmus, diverse Persönlichkeitsstörungen und schlicht nicht dem Durchschnitt entsprechende Intelligenz die politische Elite stellt, muss etwas schief gegangen sein. Auch das ist ein Fakt.

Das Gute an unserer medialen Gesellschaft ist der Umstand, dass sich Menschen mit diesen Störungen gern dort präsentieren und ihr Lebensweg über Jahrzehnte hinweg nachzuvollziehen ist. So hat uns zum Beispiel Christian Lindner viele schöne Zeitdokumente über seinen Werdegang geliefert, die durchaus beispielhaft für diverse Karrieren sind. Schon als Schüler war sein Verhalten auffällig. Mit Anzug und Krawatte saß er seinen Unterricht ab, erkannte schnell, wie man sich innerhalb des Systems Geld verschafft, ohne durch produktive Arbeit bzw. intellektuelle Beteiligung am gesellschaftlichen Geschehen ausgebremst zu werden. Dabei vermarktete er sich bereits zu Abiturzeiten geschickt und vor allem angepasst medial.

Lindner ist quasi eine Gebrauchsanleitung für jeden Abiturienten, wie man im bestehenden System nach oben in die Machtregion gelangt. Eine Professionalität kann ihm in diesem Zusammenhang nicht abgesprochen werden. Mit einem Anspruch einer in Anbetracht der Klimaänderung notwendigen Neuorganisation des globalen und nationalen gesellschaftlichen Denkens hat das nichts zu tun.

Ich habe u.a. die unter dem Durchschnitt liegende Intelligenz, etwas provokativ, angeführt. Ein schwieriges und sehr weites Thema. Die Kriterien für den IQ stehen schon seit Jahrzehnten in der Kritik. Viele Wissenschaftler sagen mittlerweile: Der IQ – Test gibt darüber Auskunft, wie gut jemand einen IQ – Test bewältigen kann – mehr nicht.» Bei der Auswertung der tabellarischen Werte an amerikanischen Universitäten wurde festgestellt, dass die mit den hohen Werten oftmals tatsächlich in der Forschung landeten, während die mit den geringeren ihre Vorgesetzten wurden. Eben eine andere Form der Intelligenz. Sie erkennen die Spielregeln und entwickeln Fähigkeiten im hierarchisch geprägten System, nach oben zu kommen.

Wenn dies beinhalten würde, dass beide Hand in Hand arbeiten würden, ergo die Führungskräfte die Erkenntnisse der Forschenden zum Wohle der Menschheit koordinieren würden, wäre unsere Welt eine andere. Wir wissen aber, dass es nicht an dem ist.

Das angelegte Kriterium lautet: Wie kann das wissenschaftliche Ergebnis für eine Kapitalerzeugung oder militärisch benutzt werden? Ergebnisse, die genau dem entgegen sprechen, sind von vornherein ungewollt, werden angezweifelt und müssen irgendwie vom Tisch.

Kapitalismusfreunde behaupten stets, dass die Finanzierung der Forschung nur über den Kapitalismus funktioniert. Das stimmt bedingt und bezieht sich nur auf die Forschung, die eben jenem Kapitalismus förderlich ist. Geisteswissenschaften, wie zum Beispiel die Philosophie verkommen zur Krawattennadel. Wie das Bild eines hoch gehandelten Künstlers wird die Philosophie als Statussymbol in den Tresor gelegt oder hängt hinter dem Manager eines Konzerns an der Wand. Saul D. Alinsky spricht von «Have» und «Have – Not». Trotz der Tatsache, dass die erste Gruppe in der Minderheit ist, ist sie dominant und verfügt über alle notwendigen Machtmittel, ihren Status zu behalten.

Betrachte ich diese Einteilung global, befinden sich die westlichen Industriestaaten klar in der Gruppe «Have» und der Rest der Welt in der «Have – Not» Position. Und es gibt noch die geringe Zahl, bei denen sich das Kapital fokussiert und ein unterdrückendes Machtschwergewicht jenseits aller Vorstellungen von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung besteht. Niemand auf der «Have» – Seite, weder die «Echten», noch ihre domestizierten Haustiere, die brav am Tisch warten, dass ihnen etwas vom Braten zugeworfen wird, haben ein Interesse am Wandel bzw. der unausweichlich einzuleitenden Neuorganisation des Systems, wenn eine gemeinsame Reaktion auf die sich ergebenden resultierenden Probleme des bereits eingetretenen Klimawandels, ernsthaft angestrebt wird. Sie sind die Einzigen, die von der Theorie profitieren, dass ein gedeckter Tisch der Reichen durch Investitionen den Armen nutzt. Abschließend!

Es gilt eher der in der Psychologie meiner Auffassung viel zu wenig beachtete Dunning – Kruger Effekt:

„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“

Das Kalkül der «Have» ist eigentlich recht einfach. Harald Lesch hat dieses hervorragend skizziert. Es wird in einigen Teilen dieser Welt möglich sein, mit ausgeklügelten Technologien die eintretenden lebensfeindlichen Umstände zu kompensieren. Zum Beispiel wenn die Menschen in diesen Gebieten hoch technisierte künstliche Bio – Reservate einrichten.

Meiner Auffassung nach, findet die Vorbereitung bereits statt. Die Forderungen nach Abgrenzung zu den Entwicklungsländern durch den Bau einer «Festung Europa» ist nichts anderes. Denn selbstverständlich werden Menschen aus lebensfeindlich gewordenen Gebieten versuchen sich zu retten. Um dieses zu verhindern, werden Grenzen mit Robotern, Drohnen und Hightech Alarmsystemen eingerichtet werden, die analog zum Drohnenkrieg aus der sicheren Entfernung betreut und gesichert werden können. Bereits heute ist ein Punkt erreicht, an dem die Entwicklungsländer den technischen Vorsprung nie wieder einholen werden. Dafür reicht die Zeit auch nicht mehr aus.

Ich befürchte, das ist die von Herrn Lindner angesprochene professionelle, nahezu desillusionierte militärische Sicht. Die Schüler und die Wissenschaftler sind davon weit entfernt.

Ihre Botschaft: Das ist falsch, inhuman, widerspricht der Vernunft und verachtet das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Spezies.

Damit kann man einem Liberalen, Neoliberalen, Konservativen und Anhänger des Kapitalismus aber nicht kommen. Vernunft ist bei ihm durch den Glauben an das Kapital und die Gier ersetzt. Erst Recht darf man keine spirituellen Überlegungen erwarten.

Die AfD, die Konservativen CDU/CSU, die FDP und große Teile der SPD sind meiner Meinung gar nicht weit auseinander. Prinzipiell sind die von der AfD die Ehrlichen innerhalb des Clubs. Selbstredend kann auf Dauer eine bei unverändert ablaufenden Prozessen notwendige Grenze nur militärisch und mit Tötung von Menschen gesichert werden. Gauland irrt allerdings, wenn er von Bildern spricht, die die Bevölkerung aushalten muss. Sie wird diese Bilder gar nicht zu sehen bekommen. Eine ausreichend große Verbotszone und passende PR Strategien werden dies zu verhindern wissen. Bereits heute passieren weltweit Dinge, die geschickt manipuliert werden. Ich erinnere nur an den als quasi Video – Spiel inszenierten Golf – Krieg.

Auch die Bildung von Sammellagern außerhalb des Lebensraums der «Have», in denen die anbrandenden Menschenmassen aus den anderen Gebieten dahin vegetieren, nehmen alle genannten Parteien billigend, genauso wie die bereits bestehenden Massengräber in der Libyschen und Marokkanischen Wüste, hin. Das System, welches u.a. dafür sorgt, dass reihenweise Staaten destabilisiert wurden, Despoten die sich zu alimentierten Hunden der «Have» haben machen lassen einsetzte, das seinen Technologievorsprung mittels Rohstoffraub, Versklavung, Stellvertreterkriege sichert, wird von allen forciert und bejaht. Da nehmen sie sich alle nichts, die Geschicklichkeit beim Verkauf der Botschaft ist nur anders.

Zum Thema vorgelagerte Flüchtlingslager werden immer die altbackenen Nationalsozialisten herangezogen. Warum so kompliziert? Die geförderte Forschung an Biowaffen und Virologie macht es doch längst möglich unauffällige Lösungen zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass der Tag kommen wird, an dem in diesen Bereichen diese Mittel zum Einsatz kommen. Öfen und Gaskammern sind alte Technologien, da hat man heute andere Sachen. Zynismus? Nein! Der Mensch ist so und nicht anders. Wäre er anders, würden diese Forschungen gar nicht erst finanziert werden.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Spezialfall. Meiner Kenntnis nach, sind wir der einzige Staat, der mal aufbrachte: Von deutschen Boden aus, darf nie wieder ein Krieg ausgehen. Ein frommer Wunsch! Wir sind mitten drin. Wenn die deutschen Waffenschmieden unter Beteiligung des BND, ergo mit Billigung der Repräsentanten der deutschen Bevölkerung, in instabile Gebiete liefern, ist das eine Beteiligung an Kriegen zum Zweck der Sicherung des eigenen Status. Eigentlich ist es eine einfache Rechnung. Wie viele Waffen wurden in Deutschland produziert, welche Menge wurde davon an unkritische NATO Partner veräußert und was genau passierte mit dem Rest?

Wie viele chemische Substanzen wurden produziert, in welchen legalen Bereichen landeten wie viel, und wo ist der Rest gelandet? Irgendwann wurde schleichend der «Kalte Krieg» für beendet erklärt. Bitte? Wir sind mitten drin und dummerweise sind die beteiligten Parteien gefährlicher den je aufgestellt.

Ja, all das sieht ein 16 jähriger Schüler nicht. Da stimme ich Herrn Lindner vollkommen zu. Die stehen da auf der Straße und sagen: «Ist uns alles scheißegal, es muss eine Lösung geben, wir sind zu jung, macht was!»

Das Problem dabei ist, dass sie fordern, ein sehr wehrhaftes ausgeklügeltes System mit dem Namen Kapitalismus zu überwinden, in dem sie aufgrund des Alters zwar leben, aber nicht handlungsberechtigt sind. Schlimmer noch, sie sind bereits vollkommen inhaliert worden. Sie konsumieren bereits, sie sind längst registrierte Verwaltungseinheiten, werden auf funktionieren vorbereitet, selbst ihr Protest ist bereits zum Produkt geworden, an dem Geld verdient wird. Die Social Media verdienen, die Verlage verdienen, die Populisten verdienen, die privaten Fernsehsender verdienen … das ist nun einmal so im Kapitalismus und wurde von Karl Marx schon vor langer Zeit trefflich analysiert. Dies soll aber kein Hinderungsgrund für den Protest sein.

Die Stärke besteht nicht in dem, was man wirklich an Mitteln hat oder welche realen Möglichkeiten des Handelns existieren, sondern in dem, was der Gegner an Potenzial annimmt. Die Bewegung hat nur eine Chance. Ihr muss die Radikalität abgekauft werden.

Wenn zwei in einem Fahrzeug aufeinander zu rasen und ermitteln wollen, wer der Hasenfuß ist und ausweicht, gibt es ein probates Mittel zu gewinnen. Den Lenker aus dem Fenster halten. Schau mal … selbst wenn ich im letzten Augenblick ausweichen wollte, ich kann gar nicht! Wenn der andere überleben will, bleibt ihm nichts anderes übrig. (Spieletheorie Chicken Run – Game).

Freitags den Unterricht auf die Straße zu verlagern, ist ein netter Anfang. Wird aber sofort konterkariert mit: Die machen das nur, weil sie «schwänzen» wollen.

Die erste Auskunft, die darin steckt, ist: «Als ich zur Schule ging und mich auf ein angepasstes systemgerechtes Leben vorbereitete, hatte ich öfter keinen Bock, und machte blau. Protest war eher nicht mein Ding, weil für meine Karriere hinderlich.» Das sind auch Menschen, die die Anwesenheit in der Schule mit Lernen verwechseln. Ein systemimmanentes Denken. Anwesenheit bedeutet konformes, also ein gutes Verhalten. Die Zweite ist das Denken: Das sind Kinder/Jugendliche, die sind noch unmündig, weil sie noch nicht vom System vollständig im Sinne einer Anpassung geformt wurden. Eine radikale Ablehnung des Systems aus den vorstehenden Gründen kommt ihn nicht den Sinn. Das bedeutet: Die da so reden sind vollständig systemergebende Fürsprecher, welches einer Veränderung bedarf. Sie sind weder zu verändern, noch zu beeinflussen oder überzeugbar. Mit Ihnen sind Gespräche vollkommen überflüssig.

Es bleibt nur die Mobilisierung aller gesellschaftlichen Kräfte, die mit dem System unzufrieden sind und die Notwendigkeit einer Neuorganisation erkennen. Was ethisch u. moralisch zulässig ist und die damit i.V. stehenden Regeln werden immer von der gesellschaftlichen Gruppe bestimmt, die sich im Besitz der Machtmittel befindet. Deshalb ist es durchaus zulässig und vertretbar, wenn die jugendlichen Demonstranten überschaubares Regelwerk missachten. Schulbehörden die mit Geldbußen reagieren, kann man mit öffentlich wirksamer unterlassener Zahlung begegnen. Die Publicity würde ich mir nicht entgehen lassen. 

Die Gegner haben sich zu erkennen gegeben. Dazu gehören die großen Mediengruppen, angeführt vom SPRINGER Verlag (das war zu erwarten), Bertelsmann (auch zu erwarten), die Liberalen, die CDU/CSU, sämtliche im Hintergrund agierende beauftragten PR Strategen, und nachvollziehbar die Konzerne.

Etwas durchsichtig fand ich letztens den rührseligen Brief eines Investmentbankers, der unglücklicherweise von den Betreuern des Thunberg Accounts «geliked» wurde, der selbstverständlich im zweiten Teil seines Briefs auf die Notwendigkeit des Kapitalismus zur Lösung des Klimawandelproblems verwies. Aber immerhin wurde eine neue Strategie gezeigt.

Reumütigkeit antäuschen und das alte ursächliche «Have» – System als Lösung anbieten. Mich wundert dabei, dass die Liberalen da nicht aufgesprungen sind. Merkel war mal wieder schlau und hat es bereits getan.

Die Freitagsdemonstrationen dürfen nur ein Anfang bleiben. Dem Establishment muss mit radikalen Techniken das Potenzial der Bewegung in Aussicht gestellt werden. Das wird schwer. Den Schülern muss zur Seite gestanden werden. Wenn zum Beispiel Oberschlaue die rhetorische Keule herausholen und darauf verweisen, dass die Schüler ebenfalls konsumieren und Müll produzieren, muss sofort die volle Breitseite von etablierten «Willigen» kommen. Erstens haben wir «Älteren» dies zu verantworten, denn wir haben ihnen dieses System vor die Nase gesetzt, zweitens gibt es bekanntermaßen kein Recht im Unrecht. Wenn die Müll hinterlassen, hast Du Vogel noch lange nicht das Recht ungehindert weiter zu machen und drittens bedarf es immer einen Anfang und sei Dir sicher mein Freund, dies ist erst der Anfang. Du schaust nämlich ziemlich doof aus der Wäsche, wenn die den Konsum verweigern.

Notwendig wäre, das alle realistischen Radikalen, sich des positiv belegten Status der Schüler, anschließen, ihre unsinnigen ins Leere gelaufenen rhetorischen Grabenkämpfe aufgeben und einen realen am Menschen orientierten Dialog zu den noch untätigen, aber unzufriedenen Bürgern suchen. Dann ergäbe sich eine echte Chance. Ob sich das umsetzen lässt, wird die Zukunft zeigen.

Ideologisch bereits kaputte Typen, deren Vokabular und Rhetorik nur aus Gender, metoo, Rassismus, politischer Korrektheit, Feminismus pp. besteht, können getrost zu Hause bleiben. Sie sind Teil des Systems, ohne es zu wissen, in dem sie als Funktionäre agieren. Sie liefern nur die passenden Vorlagen für die PR Strategen, damit die mit dem Aufzeigen des Unsinns dieser vollkommen abgehoben argumentierenden selbsternannten Rettern der Moral – also das was die andere Seite auch macht, nur anders, das Bürgertum mobilisieren können.

Ich weiß jetzt schon, was ich nächsten Freitag mache …

Februar 18 2019

Brief eines Linksversifften …

Lesedauer 7 Minuten

«Denn das ist Konservatismus: Das Nachdenken über die Erfahrung und die theoretische Ausformulierung des Empfindens, Macht zu haben, sie bedroht zu sehen und zu versuchen, sie zurückzugewinnen.»


Aus einem Essay des amerikanischen Politikwissenschaftlers Corey Robin Quelle: Spiegel, 14.1.2018

Sehr geehrte Damen und Herren von der konservativen Fraktion in Deutschland,

ich hoffe zunächst einmal, die richtige Anrede gewählt zu haben. Bewusst habe ich auf «Hallo», «Hi» oder Ähnliches verzichtet, damit sie sich nicht sofort brüskiert fühlen. Wahrscheinlich haben sie sich entweder in einer Partei, wie der CDU/CSU, der AfD oder vielleicht in der FDP organisiert, einige von Ihnen sind eventuell Mitglied in einer Burschenschaft. Manche mögen auch nur ein Kreuz an passender Stelle auf dem Wahlzettel hinterlassen.

Ich wende mich an Sie, weil ich vieles nicht verstehe, logisch nicht nachvollziehen kann oder schlicht zu simpel in meinem Denken bin. Sie fragen sich zu Recht, wer ich bin. Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht genau. Ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft, war verheiratet, habe einen Eid auf das Grundgesetz abgelegt, bin Vater von zwei Töchtern, war 33 Jahre im Staatsdienst und habe eine ganze Menge Steuern in meinem Leben bezahlt. Ich habe in den Achtzigern ein Abitur absolviert, studiert und einen akademischen Titel.

Die Geschichte meiner Familie ist meiner Meinung nach typisch deutsch. Meine Vorfahren kamen einst aus Osteuropa und landeten irgendwann in Berlin. Teile meiner Verwandtschaft, waren in der KPD, im engeren Umfeld betrachtete sich meine Familie immer sozialistisch. Durch meine Heirat erweiterte ich das Spektrum ein wenig. Da gab es dann auch ehemalige Mitglieder vom Bund Deutscher Mädel, Absolventen der Elite – Schule NaPoLa und diverse Konservative. Ich gebe zu, dass ich darüber nicht sonderlich glücklich war.

Mir wurde vermittelt, dass die alten Kommunisten in den Zwanziger Jahren im Wesentlichen gegen die nicht zu bestreitende Ausbeutung der Arbeiter waren und sich auch nicht in einer auf Krieg ausgerichteten Industrie verheizen lassen wollten. Im Gegensatz dazu fand das profitierende konservative Bürgertum, dies trotz eines christlichen Anspruchs vollkommen in Ordnung.

Ihre Vordenker konstruierten irgendwann einmal den sogenannten völkischen Anspruch. Entgegen dem uns bekannten Geschichtsverlauf wurde aus vielen unterschiedlichen Stämmen und zig Einwanderern aus allen Teil Mitteleuropas ein Deutsches Volk. Dem «Deutschen» wurden Wunschvorstellungen zugeordnet. Aus dem Menschen, der in einer Region lebt, wurde per Definition der «Deutsche».
Plötzlich sollten alle Menschen dieser Region einem künstlich gebildeten Ideal entsprechen. Das erscheint mir unlogisch und ziemlich willkürlich.

Anhänger ihrer Position berufen sich auf aus herausragende Leistungen dieses konstruierten «Deutschen». Wenn ich mir so die Menschheitsgeschichte ansehe, fällt mir zu herausragend die Bändigung des Feuers, die Erfindung des Rades, die Einführung von Zahlen, die griechischen Philosophen, das römische Staatssystem, die französische Revolution, die Entdeckung der Elektrizität und die Erfindung der Dampfmaschine ein.
Ich lasse mich gern von Ihnen korrigieren, aber nichts von alledem geht ursächlich auf einen «Deutschen» zurück. Woraus leiten Sie ihre Aussage ab? In diesem Zusammenhang verweisen sie auch gern auf die deutschen Denker. OK, in erster Linie ist ein Denker ein intelligenter Mensch. Unsere Wissenschaftler haben zuverlässig nachgewiesen, dass das wenig mit der Herkunft zu tun hat. Wenn überhaupt, dann etwas mit dem System und den Möglichkeiten, die einem Menschen geboten werden. Wie erklären Sie sich, dass nahezu alle dieser benannten großen «Denker» den Konservativen enttäuscht den Rücken zu wandten und sich schon zur Kaiser – Zeit in andere Regionen absetzten?
Später wurde es nicht besser. Mehrheitlich lehnten diese Denker Ihre Vorstellungen ab. Ich erinnere sie an Nietzsche, der sich in jungen Jahren enttäuscht von Wagner abwandte. Erst seine ungeliebte Schwester verfasste dann ein eigenes Pamphlet, welches sie Ihnen zu Liebe verfasste.
Konkret könnte ich anführen, dass nach Preußen entweder die Intelligenz abgebaut wurde. Hauptsächlich konzentrierten Sie sich auf die Wissenschaften, welche industriell ausgenutzt werden konnten. Geisteswissenschaften waren zu allen Zeiten verpönt, da sie im Wettstreit mit anderen Ländern nicht erkennbar benutzbar waren. Ist das Ihre Vorstellung von Intelligenz? Alles muss kommerziell in einem Wettstreit einen Sinn ergeben?

Was genau haben Sie eigentlich gegen Individuen und individuelles Verhalten? Bereitet Ihnen die Unkontrollierbarkeit Sorge? Ist es das? Wie weit reicht Ihr Sicherheitsbedürfnis? Diese entflohenen Denker sprachen viel darüber, dass mit der Geburt das Risiko zu sterben um 100 % steigt. Das Leben birgt Risiken, und mit aller Mühe werden Sie das nicht ändern. Wenn Sie sich nicht selbst einsperren wollen, kommen sie daran nicht vorbei. Und immer wenn Sie etwas gebannt haben, werden sie eine neue Bedrohung entdecken.

Sehen Sie das anders? Haben Sie in Erwägung gezogen, dass das auch sehr individuell sein kann? Neige ich dazu, ängstlich zu sein, kann ich auch eine Menge für die Absicherung alleine machen bzw. Orte meiden.

Was gefällt Ihnen nicht daran, einfach nur ein Mensch zu sein? Warum benötigen Sie eine Überhebung in dem Sie sich das deutsche Idealbild erschaffen. Es ist doch grundsätzlich angenehm, der den Planeten dominierenden Spezies anzugehören. Können Sie mir die Gründe für das Bedürfnis nach einem fixierten vorhandenen Unter – Ober – Hierarchiesystem erläutern? Oder ist das bei Ihnen einfach so? Der Instinkt kann es eigentlich nicht sein. Primaten organisieren sich an einer der Situation angepassten Struktur. Sie bilden Verbände, die sich in Gruppen situativ unterteilen und unbeständige Hierarchien aufbauen.

Worin besteht die Problematik im Umgang mit Frauen? Welche Probleme haben ihre weiblichen Vertreter? Wenn sie geschlechtsbezogenes Unterwerfungs – oder Dominanzverhalten bevorzugen, steht es Ihnen doch frei sich der BDSM Szene anzuschließen. Aber das müssen doch nicht gleich alle mitmachen.

Ich meine, wenn Eure Dorothee Bär auf «Submissive» steht, kann Sie das doch machen. Genug passende Burschen werden sich beim RCDS finden. Oder wenn Markus Söder mehr den «Dom» spielen will, kann auch niemand etwas dagegen haben. Aber bitte alles privat und nicht andere dazu verpflichten.

Was ich auch nicht verstehe, ist Ihre Sprache. Ich habe Sie zeitlebens als die «Schwarzen» oder die Konservativen bezeichnet. Warum sind Sie so unfreundlich mich als linksversifft zu titulieren? Ja nun, sie legen vermutlich beim Sexualakt ein Handtuch auf die Couch. Ich bin hingegen ein wenig unordentlich. Aber deshalb gleich versifft benutzen?

Ich kann doch nichts dafür, dass Sie, wie bei Jan Fleischauer zu sehen und zu hören, ein Problem mit dem Ablösungsprozess von den Eltern haben. Irgendwie haben wir das doch alle, aber man muss deshalb nicht gleich als trotziger Junge stellvertretend alle «Links» vermuteten Personen beschimpfen. Ich weiß auch nicht so recht, warum sie immer von der Generation der 68er sprechen. Wenn, dann müsste man von einer Bewegung und ihrer Anhänger sprechen. Es müsste doch in ihrem Sinne gewesen sein, dass die damals gegen übriggebliebenen Fragmente vom Nationalsozialismus rebellierten.

Der ist teilweise mit Ihrer Tradition verbunden, kann Ihnen aber nicht allen zum Vorwurf gemacht werden. Oder fanden Sie das unangebracht? Und was ich so gehört habe, war der Sex in den 50ern nicht der tollste, spätestens an der Stelle sollte man den 68ern Dankbarkeit zollen. Die Musik war auch nicht schlecht. Was ich vom «Rechtsrock» nicht gerade behaupten kann. Der ist ziemlich anstrengend. Speed – Metal gespielt und gesungen von zugedröhnten tibetanischen Yak. Volksmusik können Sie gern weiter hören. Ich weise Sie nur darauf hin, dass Kinderlieder und Volkslieder musikalisch nah beieinander liegen und Sie sie deshalb mögen.

Was finden Sie an Militär so geil? Die Kameradschaft? Es gibt von hart bis soft alle möglichen Sportvereine. Gehen sie doch da hin. Geht es Ihnen wirklich um die Vaterlandsliebe? Wissen Sie, ich bin als gelernter West – Berliner Veralberungen gewöhnt. Mir wurden als ziviler Polizist, lauter Sachen beigebracht damit ich zusammen mit einer hand voll alliierter Soldaten die Russen stoppe.Militärischer Schwachsinn. Die wären um dieses geringe Ärgernis einfach herum gelaufen. Mit Deutschland sieht es nicht anders aus. Vor dem Rhein ist heutzutage im Falle einer konventionellen Kriegsführung kein Frontverlauf zu erwarten.
Finden Sie schießen und schweres Gerät fahren toll? Machen Sie doch einen Baggerschein oder melden Sie sich im Schützenverein an. Mögen Sie Männern zuschauen, die aufeinander losgehen. Kaufen Sie sich eine Karte für eine MMA Veranstaltung oder ein Rugby – Spiel. Das lässt sich doch auch ohne Kriegsspiele regeln. Die Sache mit den großen Waffenarsenalen und Armeen geht doch immer irgendwann schief. Wissen Sie, ich habe viel Zeit mit solchen Leuten verbracht. Ich kann Imponiergehabe, Identitätsfindung und den ganzen Kram nachvollziehen, aber irgendwann ist doch jeder aus dem Alter heraus, oder? Oder?

Ein Letztes, was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass sie an diesem Kapitalismus so vehement festhalten. Wie angesprochen wurde ich im alten West – Berlin groß. Da war es normal, dass ich mich in der Schule mit der Sowjetunion, dem Ost – Block und der DDR beschäftigte. Von Kommunismus war bei uns selten die Rede. Meistens wurde vom Stalinismus, dem sogenannten real existierenden Sozialismus, dem Maoismus und den Trotzkisten gesprochen. Kommunismus wurde uns unter philosophischer Betrachtung näher gebracht. Das ist nebenbei die Frankfurter Schule. Karl Marx als Philosophen zu sehen, der sich noch zu Lebzeiten fragte, was eigentlich ein Marxist sein soll. Ihre Vertreter sprechen gern vom Liberalismus bzw. dem Neoliberalismus. Die Worte suggerieren Freiheit. Hauptsächlich läuft es auf eine Freiheit für die hinaus, die etwas haben. Die anderen schauen in die leere Röhre. Die Wirtschaft, einer abstrakten Definition, setzen Sie mit einem lebenden Organismus gleich. Gut, warum nicht? Die Idee und Herangehensweise klingt ja erstmal interessant. Gier reguliert sich gegenseitig und organisiert sich. Aber zwei wesentliche Dinge wurden damals, wie wir heute wissen, übersehen. Erstens der Mensch und zweitens ein eintretender Mangel an Ressourcen. Immer wenn ein Mangel herrscht, kommt es zu einem Verteilungsproblem. Genau das haben wir. Sie bieten als Lösung an: Mit ein paar anderen zusammen klauben wir alles auf, was wir finden können und verwenden wir für uns. Meinen Sie, die anderen lassen sich das auf Dauer gefallen?

Innerhalb von Deutschland gehen Sie davon aus, wenn ich einzelnen genug Überfluss gebe, fließt auch ausreichend Rest für die Armen heraus. Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Irgendwie hat das bei den Päpsten und im Absolutismus auch nicht funktioniert. Die benannten Stalinisten, Trotzkisten, DDR Sozialisten, Maoisten, sind auch daran gescheitert, dass sich immer ein Trottel über die anderen erheben will, also am Menschen. Da wäre es doch mal an der Zeit über alle geschaffenen Grenzen hinweg darüber zu sprechen. Also über Veränderungen und nicht wie man das System verzweifelt aufrecht erhalten kann.

Sie stehen nicht auf Geisteswissenschaftler und innovative Künstler. Alles was abweicht, ist Ihnen suspekt. Das kann ich aus Ihrer Perspektive ein wenig verstehen, aber was haben sie gegen Naturwissenschaftler? Wissen Sie, die haben eine bestimmte Art zu denken.

Ob das, was bei den Forschungen heraus kommt, wirtschaftlich ist, sich in Geld umwandeln lässt oder man damit etwas kaputt machen kann, ist denen nicht wichtig. Die sind einfach nur neugierig. Wenn jemand nur noch für Geld forscht, verliert er seinen Anspruch Naturwissenschaftler zu sein. Diese Wissenschaftler sagen Ihnen nun schon geraume Zeit: Das haben wir heraus gefunden! Was sie daraus machen ist nicht unsere Aufgabe. Dummerweise passen die Aussagen auf den ersten Blick überhaupt nicht in den Plan «Big Money». Aber dürfen sie deshalb ignoriert werden? Was ist Ihr Plan bzw. Ihr Problem? Sie brechen sich doch keinen Zacken aus der Krone, wenn Sie auf Vernunft umschalten.

Manchmal frage ich mich, ob Sie nicht längst selbst von dem Monster eingesperrt wurden, welches Sie selbst geschaffen haben. Ich habe Sie auf einer philosophischen Ebene und nicht als Kapitalist angesprochen. Die «Größen» des Kapitalismus haben doch längst unsere Geschicke übernommen. Der Mensch und seine Bedürfnisse sind doch längst zu einem bewertbaren Wirtschaftsgut geworden. Das betrifft Sie, wie auch mich. Alles, unsere Zeugung, unsere Entwicklung im Mutterleib, der erste Schrei, Emotionen, Bedürfnisse, Krankheiten, Alter und der Tod ist Business. Selbst wenn wir uns gegenseitig Töten, ist es ein millionenschweres Geschäft.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wir setzen gedanklich nochmals neu an und ziehen mal alle unsere «Denker», «Naturwissenschaftler» unter Ausschluss der «Verdiener» heran und hören denen mal aufmerksam zu und bewerten die Lage. Damit gäben wir der Vernunft eine Chance. Die Ergebnisse werten wir aus und stellen dann einen Forderungskatalog an die Großverdiener des bisherigen Systems. Wer von denen nicht mitmacht, bekommt den Hintern versohlt … so klassisch konservativ.

Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Wir setzen gedanklich nochmals neu an und ziehen mal alle unsere «Denker», «Naturwissenschaftler» unter Ausschluss der «Verdiener» heran und hören denen mal aufmerksam zu und bewerten die Lage. Damit gäben wir der Vernunft eine Chance. Die Ergebnisse werten wir aus und stellen dann einen Forderungskatalog an die Großverdiener des bisherigen Systems. Wer von denen nicht mitmacht, bekommt den Hintern versohlt … so klassisch konservativ.

In tiefer dauerhafter Verbundenheit, denn es würde Sie nicht ohne mich und anders herum, mich nicht ohne Sie geben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr “Linksversiffter”

Juni 9 2016

Wer lacht noch?

Lesedauer 3 Minuten

1989 wurde ein legendäres Fernschreiben von der Leiterin der Direktion 5 abgesetzt. „Tausche Farbbänder gegen Papier!“ Damals konnte noch der eine oder andere Kollege darüber lachen. Als dann auf einem Abschnitt in einem Keller in einer Tüte die Knochenreste eines Deutschen Wehrmachtssoldaten gefunden wurden, bekam die Situation eine skurrile Note. Es war halt die berühmte Wendezeit.

Die Wende war lange vorbei. Bei einer Besprechung monierte ein leitender Polizeibeamter, dass im Raum soviel Mobiliar stehen würde, welches nicht von der Polizei geliefert wurde. Er meinte damit eine Stereo Anlage. Wir forderten ihn dazu auf kurz aufzustehen, damit wir alle Möbel heraustragen könnten, die wir selbst besorgt hätten. Nach und nach begriff er, dass alle Möbel im Raum, Tische, Stühle, Aktenschränke und Computertische von uns bei der Deutschen Bank aus dem Müll abtransportiert wurden, damit wir überhaupt etwas hatten.

Eines Tages wurden doch tatsächlich die Flurwände gestrichen. Die erste Firma strich unbesorgt über die uralte Schlämmkreide hinweg, als die Farbe wenige Woche später abblätterte, kam eine zweite Firma, die es immerhin mit Tiefengrund versuchte.

Fünf Jahre nachdem wir zusätzliche PC’s bestellt hatten, wurden sie doch tatsächlich angeliefert – fünf Jahre eine Ewigkeit im Computerzeitalter.

Wir bekamen Schusswesten gesponsert. Wie haben wir uns doch gefreut. Bis wir bei der Waffenrevision feststellten, dass die Westen ja nun in unserem Besitz waren, bei Schäden wir also auf eigene Rechnung neue Einlagen kaufen müssten.

Wie peinlich war es uns, als wir Gäste aus Bayern in einer Polizeiunterkunft unterbrachten und sie ein Hotel auf eigene Rechnung bezogen, weil sie nicht mit Ratten und Kakerlaken zusammen schlafen wollten.

Uns war immer klar, dass dieser Rauch in der Schießhalle nicht gesund sein kann. Wie neidig waren wir immer auf die Schießanlagen der anderen Bundesländer.

Von Fahrzeugen, Bewaffnung oder anderer Ausstattung will ich gar nicht sprechen … Auch will ich nicht von der Besoldung sprechen, oder dem Streichen von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld.

Ich will auch nicht vom Digitalen Funk sprechen, bei dem erst die Gelder zweckentfremdet wurden, dann viel zu wenig Stationen geplant waren. Nun erleben wir den Skandal mit den Schießhallen. Erst war niemand bereit die Sanierung zu bezahlen, aktuell sind dem Innensenator 27 EUR pro Beamter zuviel, um eine flächendeckende Untersuchung auf Antimon durchzuführen.

Und was lese ich heute bei Twitter:

Die Forderung nach einem Polizeibeauftragten ist ein Schlag ins Gesicht der Berliner Polizeikräfte und zeigt einmal mehr, dass Linke aller Couleur ein gespaltenes Verhältnis zur Polizei haben. Das durch die Forderung zum Ausdruck gebrachte Misstrauen ist beschämend. Es muss darum gehen, der Polizei den Rücken zu stärken statt ihr in den Rücken zu fallen.

Unter schweren Bedingungen leisten die Berliner Polizeikräfte einen hervorragenden Dienst für die Sicherheit in unserer Stadt. Wir erwarten, dass alle Parteien im Abgeordnetenhaus der Polizei endlich Vertrauen, Anerkennung und Respekt entgegenbringen. Die Berliner CDU steht hinter unserer Polizei.“ Zitat Kai Wegner, CDU

Liebe Senatsmitglieder, sehr geehrter Hr. Kai Wegner … ich weiß nicht, wie es anderen Kollegen geht, ich bin zu müde um über diesen Witz noch lachen zu können.

Ich sag’ s mal sehr deutlich: CDU und SPD verarschen die Berliner Polizei seit Jahrzehnten, Euch glaubt niemand mehr in der Polizeibehörde. Ihr redet von Fantasiestellen, im Gegenzuge wird in der Behörde davon gesprochen, dass die ersten wohl als Oberkommissare pensioniert werden. Ihr verheizt die Leute auf der Straße, Kollegen polstern ihre Schienbeine mit Kopfkissen zusätzlich. Die letzten beiden Polizeipräsidenten haben ganze Dienststellen kaputt gemacht. Ihr redet von Terrorbekämpfung und habt ein Problem damit, wenn der Objektschutz mit einer MP das Objekt sichert. Ihr habt ein Problem damit das SEK mit neuen Langwaffen auszurüsten. Ihr lasst Polizisten mit niedlichen Opel Corsa durch Neukölln fahren und macht sie zum Gespött der Clans. Ihr sprecht von der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und schiebt einfach nur Stellen hin und her. Ihr alle zusammen habt damals zugesehen, wie ein Hr. Wowereit ausgebildete Polizisten nach Hamburg hat abwandern lassen. Ihr redet von Solidarität und seit nicht in der Lage das Urteil vom BVG anzuerkennen, in dem die Besoldung in Berlin als Verfassungsverstoß deklariert wird. Und … und … und …

WER SOLL EUCH NOCH GLAUBEN?