Januar 29 2021

Buch, BLOG – Web – Book

Lesedauer 2 Minuten

Seit meiner Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn plante ich ein Buch zu schreiben. Tatsächlich kamen zwei Skripte zusammen. Beide verwarf ich wieder. Ich traf mich mit Autoren, die erfolgreich Bücher veröffentlichten. Sie rieten mir, mich an Büchern im Handel zu orientieren. Es gab auch Aufforderungen meine Vergangenheit zu benutzen. Terror, Verdeckte Ermittlungen, Spezialeinheit, dies wäre doch interessant. Im ehemaligen Umfeld hofften einige auf den “Round-a-House-Kick” durch die Behörde. Ich habe über mich gelernt, dass das nicht mein Ding ist. Kritik, durchaus, aber nicht im Sinne eines sinnlosen Wütens.

Die Sparte Fiktion, Romane, liegt mir nicht. Genauso wenig, wie die Abteilung Humor. Jedenfalls noch nicht. Ich wurde auch gefragt, ob ich mir vorstellen könne, meine Erfahrungen rund um die Themen Burnout, Depressionen, die Rolle von Führungskräften mit meinen anderen Skills zu verbinden. Dazu kann ich sagen, dass ich eben aus diesem Grunde die Finger davon lasse andere in ihrer Lebensführung zu beraten. Es ist grundfalsch seine Erfahrungen auf jemanden zu übertragen. Es gibt einen möglichen Weg hinaus. Er sieht ein wenig aus, wie einer dieser alten Fitnesspfade durch den Wald, wo man an mehreren Stationen Übungen machen muss. Nur das dieser Weg Stationen hat, wo es Informationstafeln gibt, Passanten auf Bänken sitzen, mit denen Gespräche möglich sind und andere Stopps, an denen einem Frage gestellt werden. Dann folgen längere Strecken, auf denen Gelegenheit besteht, sich diese Fragen zu beantworten.

Ich selbst hab am meisten durch das Beobachten von Menschen gelernt. Eine wesentliche Erkenntnis. Nach dem Ausscheiden aus der Polizei war für mich zunächst alles Vergangene ein Tabu – Thema. Bis ich mich darauf besann, zwischen durchaus gutem Erlernten und fehlgeleiteten Denken zu unterscheiden. Über 20 Jahre lang Menschen in allen erdenklichen Lebenslagen zu beobachten, unsichtbar zu werden, sich anzupassen, legt man nicht wie eine alte Jacke ab. Fraglich ist, was man aus dem Gesehenen macht.

Bis zum Ausbruch der Pandemie bin ich gereist. Ich traf Leute aus Ländern von anderen Kontinenten, erfuhr von Biografien und Lebensmodellen, die mir bisher fremd waren, erkannte Unterschiede und machte mir meine Gedanken hierzu. Oder um im Bild zu bleiben: Ich absolvierte eine Station nach der anderen. Mehr Worte will ich dazu gar nicht verlieren. Das “Web – Book” hat ein Vorwort, in dem ich noch einiges hierzu voranschicke.

Die Bezeichnung Web – Book ist eine Eigenkreation, die sich in einem Gespräch in einem Hostel ergab. Ich sinnierte mit einigen darüber, wie sich das Lesen von Büchern verändert hat. Die meisten Hostels verfügen über eine kleine Bibliothek. Kaum ein Backpacker oder Reisender packt sich schwere Bücher ins Gepäck. Eine andere Option sind E-Books. Doch wenn ein Autor schon die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, warum dann nicht konsequent? Die Zeiten der begrenzten Netzabdeckung und horrenden Kosten für einen mobilen Datentransfer sind außerhalb von Deutschland vorbei. Ein BLOG oder ein Web – Book, in dem eine fortlaufende Geschichte, interaktiv und dynamisch, mit Einbettung von Musik, Bildern, Links, Tweets und vieles mehr, erzählt werden kann, erscheint mir eine logische Entwicklung.

Alles Weitere im Vorwort …. 

Dezember 12 2019

On the road – Nord Laos

Lesedauer < 1 Minute

Weiter geht es auf dem Trip durch Südostasien. Diesmal geht es um den Norden von Laos. Laos ist für den neugierigen Reisenden mehr Landschaft, Kultur, Dschungel und Elefanten. Das Land ist auch Zeuge eines Krieges, der meine Generation beeinflussen sollte. Nachdem  Tonkin-Zwischenfall 1964, begann die Flächendeckende Bombardierung von Nordvietnam, Kambodscha und Laos. Zwei Jahre vor meiner Geburt. Die aktiven Kriegshandlungen endeten 1975 mit dem Abzug der USA Truppen. In Deutschland empörten sich die Studenten und Vietnam wurde Teil der 68er Bewegung. Eine Folge des Kriegs war eine Massenflucht aus Vietnam, weil sich die neuen Machthaber rächten. Auch damals bekleckerte sich Deutschland nicht gerade mit Ruhm. Die Aufnahme der Boatpeople erfolgte eher zurückhaltend.

Auch Laoten trieb es ins Exil in die USA. 2005 deckte das FBI eine Verschwörung auf, bei der ehemalige US Militärangehörige zusammen mit Exil – Laoten einen Putsch in Laos planten. Bei den Verschwörern handelte es sich vornehmlich um Angehörige der Hmong. Auch um die geht es bei der Schilderung meiner Eindrücke.

Der Krieg, die Gründe und das dahinterliegende Denken, sind immer noch aktuell. Ebenso wie die Folgen, die an jeder Straßenecke in Laos zu sehen sind. Laos ist mit 90 % bekennender Buddhisten ein zutiefst spirituelles Land. Allein wenn die in den frühen Morgenstunden in den Klöstern die Trommeln angeschlagen werden und die Mönche sich auf den Weg machen, die Spenden einzusammeln, merkt der Mitteleuropäer, wie intensiv Gesellschaft und Buddhismus in Laos miteinander verbunden sind.

Kolonialherren, Kommunisten, Neoliberale, chinesische Imperialisten, versuchen erfolglos die Mönche auf ihre Seite zu ziehen. Wenn man nicht ausschließlich der blinde Tourist sein will, der die uralten Kunstschätze bestaunt und auf Elefanten reitet, ist Laos ein guter Platz, um über das nachzudenken, was vor 3000 Jahren im alten Indien formuliert wurde.

>>> zum Text >>>>

Oktober 27 2018

Zu Gast bei den Hmong

Lesedauer 2 Minuten

Wie erwähnt habe ich meine Zeit hier in Huayxay verlängert, um in einer Hütte des Project Kajsiab Laos zu übernachten. Gegründet wurde es von der Holländerin Lara Picavet zusammen mit Nzoua Vue und steht mittlerweile in Eigenverwaltung der Hmong, einem indigenen Volksstamm in Laos.
Hier ist was los! Kinder, wie die Orgelpfeifen im Alter von 3 – ca. 17 Jahre, herum rennende Hühner mit ihren Küken, Katzen mit ihren Würfen, tummeln sich zwischen den Holzhütten. Einfache Bauten, mit einem Bett und einer Toilette, bei der man das Wasser zum Spülen aus einem Bottich schöpfen muss.

Gekocht wird unter einem Dach auf einem Holzfeuer und gebacken wird in einem Lehmofen. Eine archaische Insel für Kinder armer Familien, die hier die Möglichkeit einer Schulausbildung bekommen. Heute Vormittag zog ich los, um den Kindern etwas zu besorgen. Mit Hilfe von Google versuchte ich, mich nach einem Geschäft mit Spielzeug durchzufragen. Fehlanzeige! Weit und breit nichts, aber wirklich gar nichts. Dann fand ich eine Selbsthilfebuchhandlung, in der gebrauchte Bücher und wenige Neue zum Verkauf angeboten werden. Dort landete ich einen Volltreffer. Seit 2005 gibt es «Der kleine Prinz» in einer laotischen Übersetzung. Dazu kaufte ich noch ein kleines Heft für die «Lütten», in dem ein Eisbär, ein Pinguin und eine Schildkröte durch die Welt reisen.

Ich hoffe, sie haben ein wenig Freude an den Geschichten. Ich fand sie jedenfalls immer toll. Passend dazu sitzt gerade ein ca. 9 jähriger vor dem Laptop auf der Terrasse und hört sich französische Chansons an. Was ihn gerade daran fasziniert, kann ich nicht ergründen.

Die Kleinkinder tragen hier keine Windeln. Keine Ahnung, wie sie das machen, aber letztlich sind die Gören immer in unmittelbarer Nähe. Vormittags fragte ich mich, was für eine Brühe einer der Jungen mit Kräutern anrührte. Darin werden die Kleinkinder gebadet. Ich frage mich, ob das die Mücken abhält.

Jetzt zum Abend hin habe ich mir eine Pizza bestellt. Nicht zwingend das typisch asiatische Gericht, aber ich wollte den Lehmofen in Aktion erleben. Mücken gibt es unter dem Dach jedenfalls keine, denn sie haben keinen Abzug eingebaut. Sie haben ein Fundament aus Backsteinen gesetzt und für den Rest Uferschlamm des Mekong genommen. Nach 20 Minuten hat er für eine Pizza die notwendige Temperatur. Auf dem anderen Feuer wird Wasser erhitzt und in einen Topf mit Reis darüber geleitet. Schon nach kurzer Zeit ist der «Sticky Rice» fertig. Das hat alles Hand und Fuß.

Ich kann das hier absolut empfehlen. Wer hier nicht herunterkommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Für die Zukunft habe ich vorgenommen, denen hier ein Paket mit ein wenig Spielzeug zu schicken. Mir wird schon etwas Passendes einfallen.

Ich hoffe, noch einige Orte dieser Art zu entdecken. Aktuell fragen mich alle anderen, denen ich begegne, angefangen beim Tourismusbeauftragten bis zu anderen Reisenden, wo ich danach hin will. Sie erwarten die Antwort Luan Prabang und bekommen die Auskunft Luan Nahm. Das jemand von hier aus noch weiter hoch in den Norden fährt, versteht kaum jemand. Dabei finde ich es absolut naheliegend in das nördlich gelegene Naturreservat zu fahren. Dort werden zweitägige geführte Touren in den Dschungel angeboten. Mal sehen, vielleicht finde ich eine, die mir zusagt.

Jetzt ist Betriebsamkeit in der Outdoorküche ausgebrochen. Sieben Laoten reden durcheinander, quengelnde Kleinkinder werden geflissentlich ignoriert … bald ist Pizza Zeit.