August 22 2022

Sie haben ihm ein Denkmal gesetzt

left human hand Lesedauer 5 Minuten

„Ach, was? Den Elefanten gibt es noch?“, dachte ich gestern. Ich glaube, so geht es in letzter Zeit vielen. In Berlin gibt es ein paar alte Institutionen, die alle kennen. Und wenn man nicht gerade Stammgast ist, sondern nur ab und zu mal vorbeischaut, kann man nie wissen, wo das Kneipensterben zugeschlagen hat. Tönnchen, Blauer Affe, Drei Mädel Haus, Alter Schwede, Marianne 137, Barrikade, Goldene Henne, Turandot, sind einige davon. Na, und eben der Elefant am Heinrichplatz, der seit gestern Rio-Reiser-Platz heißt. Zu meiner Freude, saßen drinnen immer noch die Gestalten, welche man dort erwarten darf. Lauter alte Kreuzberger SO36 Kiezgestalten, jeder zweite ein Original für sich. Philosophen, Trinker, Lokalpolitiker, Literaten, Soziologen, Psychologen, Weltenversteher, in einer Person. „Arbeit ist scheiße!”, sagte der eine, als ich mein erstes Bier, ein Jever aus dem Henkel versteht sich, bestellte. Sein Kumpel, ich hatte mich zwischen die beiden gedrängt, raunte an mir vorbei: “Ja, aber wenn die hinter dem Tresen nicht ackern würde, wäre auch kacke!” Der andere schaute auf sein Bier und meinte dann im besten Berliner Dialekt: “Na, und? Dann zapfe ick halt alleene.” Damit war das dann auch geklärt.
Ich ging mit meinem Bier vor die Tür. Der Kiez wollte mit gebührenden Ehren einen der Helden aus den 70ern und 80ern feiern und ihm einen Platz widmen. Eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung fanden sich erstmal die ein, die ohnehin im Kiez wohnen. Die Scherben setzten zum Soundcheck auf der errichteten Bühne an. “Der Traum ist aus, doch ich werde alles geben …”, schallte es über den Platz. Kurz danach folgte der markante Refrain von „Keine Macht für Niemand!“ Das veranlasste ein paar Fans, die schon vor der Bühne standen, gleich mit einzustimmen. Der Slogan stand jahrzehntelang in großen weißen Buchstaben auf einer der Bahnüberführungen in der Yorckstr. Unweit davon steht das Haus, in dem die Scherben zeitweilig residierten. Die sich da heute über Airbnb einmieten, wissen nichts mehr davon. Ich erinnerte mich daran, wie ich als Jugendlicher eine Weile brauchte, den Spruch zu verstehen. Der Umstand, dass meine Großeltern mit Nachnamen Niemandt hießen, machte es nicht einfacher.
Ich fragte zwei Typen, ob ich mich an ihren Tisch hinzusetzen könnte. Beides Urgesteine um die 70. Schnell kamen wir ins Gespräch. Das Kneipensterben bedauerten sie, wie ich. Gemeinsam gingen wir die Liste durch. “Hier ist auch nicht mehr, wie es mal war.” Stellte der eine fest. “Du darfst drinnen nicht mal mehr einen durchziehen. So’n Blödsinn, hat früher auch keinen interessiert. Hinten in der Dresdner, da gibt es einen Laden, da kannst Du einen durchziehen und in Ruhe Dein Bier trinken. Die Spießer und Spekulanten haben den Kiez gekauft. Nur noch Touris hier.” Der Lauf der Zeit dachte ich mir. Bis auf wenige Ausnahmen ist das passiert, was zu erwarten war. Alles ist ein Produkt! Da macht die Rebellion, die Subkultur, keine Ausnahme. Passend dazu liefen an uns die ersten Vorgartenbesitzer mit Fan-Shirts vorbei. Ich glaube, Rio hätte dazu seine ganz eigene Meinung gehabt. Aber er war mehr. In ihm steckte auch ein Romantiker und ein Poet. Er fand die Worte für all das, was die Leute jenseits des Bürgertums dachten, aber nicht ausdrücken konnten. Als er zum Ende seines Lebens mit “König von Deutschland” in den Charts landete, war ich traurig. Ich spürte, wie etwas aufgekauft wurde, woran ich mich lange festhielt. Als ich letztens über die Platte “Radio für Millionen – Kai & Funky (Ton Steine Scherben) & Gymmik” stolperte, jubilierte ich. Man spürt, wie Rio bei anderen etwas anstieß und sie mit dem, was er ihnen gab, weiter arbeiteten.
Nach und nach zog die Prominenz an uns vorbei. “Da ist Claudia. Gewagtes Kleid! Weiß nicht!”, sagte der eine an meinem Tisch. Grinsend entgegnete ich: “Ach, komm. Die geht auch schon auf die 70 zu. Dafür hat sie sich gut gehalten. Vielleicht darf sie ja wieder auf der Bühne das Tambourine halten.” Am Nachbartisch lachte eine auch etwas in die Jahre gekommene Frau. “Vielleicht weiß sie ja jetzt, wo das ganze Geld geblieben ist.” Am Tisch kam nochmal das Thema auf, warum man den Heinrichplatz und nicht den Mariannenplatz, wo die alten Kämpfe tobten, gewählt hatte. Ich sagte dazu: “Hey, Leute. Die mussten schon die Rudi-Dutschke-Straße fressen, da kann man mal ein paar Meter entgegenkommen.”
Ich verabschiedete mich vom Tisch. Irgendwann ging es dann los.
Um einigermaßen etwas hören zu können, musste man sehr nah heran. Eine lästerte: “Vielleicht hat der Senat die Anlage gestellt.” Ein wenig hatte ich auf Marianne Rosenberg und eine Wiederholung ihrer Interpretation von “Der Traum ist aus” beim Abschiedskonzert von Rio gehofft. Aber gut, die alten Männer machten, was wohl am angemessensten war. Sie spielten ein paar Klassiker und überließen die Bühne den Rednern und Rednerinnen. Ich gebe zu, dass ich kaum zu hörte. Mitreißende Reden hört man ohnehin kaum noch. Diese Kunst scheint irgendwie untergegangen zu sein. Die Mischung der Menge war interessant. Junges angepasstes Volk, Familien mit Mutter, Vater und jugendlichen Ablegern, Hipster, die den Kiez angenehm erfrischend finden und sich als Teil von etwas fühlen wollen, wo sie niemals dran teilhaben werden und wenige nicht mehr ganz taufrische Gesellen, denen die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben stand. Genau wie ich spürten sie, dass die Schlachten vorläufig geschlagen sind oder zumindest nicht mehr von denen geführt werden, die dort standen. Dann wurde es peinlich. Nach der Enthüllung der Hinweistafel wurde die Bühne einer Band überlassen, die verdächtig nach Andreas Bourani klang. Belangloser Pop und die Scherben? Da half auch nicht die Information, dass sie demnächst im SO36 auftreten. Die müssen auch ziemlich verzweifelt sein. Unvermittelt ging mir ein Lied durch den Kopf, dessen tiefere Bedeutung ich plötzlich verstand. “Denkmal”, von Wir sind Helden.

Hol den Vorschlaghammer!
Sie haben uns ein Denkmal gebaut
Und jeder Vollidiot weiß, dass das die Liebe versaut
Ich werd’ die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagier’n
Die soll’n nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmier’n

Wir sind Helden, Denkmal

Vielleicht war es doch keine gute Idee, Rio einen Platz zu weihen. Denkmäler sollen an die Vergangenheit erinnern. Womit dann das, wofür Rio und die Scherben standen, ein abgeschlossenes Kapitel wäre. Wer weiß, vielleicht war das ein Schachzug von Leuten, die keiner auf dem Zettel hat. In mir kam das Bedürfnis auf, zum Ende nochmal das hoffentlich noch Lebendige mitzunehmen. Deshalb zog ich den Trinkteufel. Keine gute Idee! Wahrscheinlich hätte ich mich besser an den Tipp vom Tisch orientieren sollen. Die einstige Rückzugkneipe, wenn alle anderen Läden ins Visier der Staatsmacht geriet, hat der Banalität der Kaufhaus-Punkrocker nicht Stand halten können. Ich vermute ein klassisches Tripadvisor-Opfer. Man sollte dort niemals die Läden posten, die man wirklich mag. Es gibt noch einige Locations, aber ich halte mich an meine Regeln. Ich werde sie nicht verraten. Beim Elefanten kann man eine Ausnahme machen. Das Publikum ist stabil. Die meisten werden in den nächsten 20 Jahren gestorben sein, aber bis dahin sind die zäh.

Mein Highlight? Ich hatte zeitweilig eine Begleitung. Was kann es schöneres für einen Vater geben, wenn ein Mensch, dem man nach dem ersten Schrei leise ins Ohr flüsterte: “Ich werde alles tun, dass Du die Chance bekommst, ein freier Mensch zu sein.”, neben einem steht und textsicher lauthals “Keine Macht für Niemand!” mitsingt? Nein, es ist noch nicht vorbei. Vor gar nicht langer Zeit fuhren wir zu dritt mit dem 9-EURO Ticket durch die Gegend. Wer denkt dabei nicht an “Mensch Meier”?

“Halt mal an, Fritz!”, brüllt da der BVG Knecht
“Ick schmeiß den Meier raus und hol die Polizei”
Doch die Leute riefen: “Sag mal, bist Du blöd, Mensch?
Wir müssen arbeiten, wir haben keine Zeit
Und wenn die da oben X-Millionen Schulden haben
Solln’ses bei den Bonzen holen, die uns beklauen
Du kannst Deinem Chef bestellen, wir fahr’n jetzt alle schwarz
Und der Meier bleibt hier drin, sonst fliegst Du raus!”

Ton Steine Scherben

Nette Geste! Rio-Reiser-Platz! Aber Rio hat sich zusammen mit den Scherben selbst ein Denkmal gesetzt und solange es noch ist, wie er es kennenlernte und den Soundtrack für alle schrieb, die sich nicht damit abfinden wollen, wird ihn auch keiner von denen vergessen und die Lieder weitergeben.

Juli 2 2021

Meinungsfreiheit

Lesedauer 7 Minuten

Kürzlich führte ich ein spannendes Gespräch über das Thema Meinungs – und Kunstfreiheit. Aufhänger war der unter Umständen anstehende Auftritt des Sängers Xavier Naidoo auf der Spandauer Zitadelle in Berlin. Einige sprachen sich für ein Untersagen aus und andere merkten an, dass sich in Deutschland zunehmend ein innergesellschaftlicher Kampf um eine Interpretationshoheit bezüglich des Statthaften und eben Nichtzulässigen ausbreitet. Vorweg: Ich gehörte zur letzteren Fraktion.

Zunächst einmal tritt der Mann als Musiker und nicht als Redner auf. Allerdings wäre es naiv anzunehmen, dass nicht die passenden Anhänger erscheinen und er auf der Bühne einschlägige Sprüche ablässt, wenn nicht ohnehin schon im Liedtext vorhanden. Ein schräger Typ, Mystiker, verwirrter Erzähler von wilden Geschichten, Reichsbürger und religiöser Fanatiker. Vermutlich ist diese Aufzählung nicht abschließend. Kurzum ein Spinner mit einer viele ansprechenden Stimme stellt sich auf die Bühne und trällert gefällige Melodien, in denen merkwürdige Texte versteckt sind. Damit ist er wahrlich nicht alleine. Die Geschichte des Pop und Rock ’n’ Roll ist voll davon und oftmals ist das in Deutschland nicht aufgefallen, weil kaum ein Fan jemals die Texte übersetzte.

Einige in der Runde merkten an, dass von ihm und seiner Hetze eine Gefahr ausgehe. OK, dies ist die allgemein gängige Argumentation. Aber was wäre ein Hetzer ohne Zuhörer und Gefolgschaft? Ich glaube, es war Oscar Wilde, der sinngemäß schrieb: “Warum erzählen wir anderen von unserer Meinung? Weil wir Angst haben mit ihr alleine zu sein!” Einer von vielen Spinnern, die die Straße entlang laufen und wirres Zeug erzählen. Ich wohne in der Nähe einer psychiatrischen Einrichtung. In der näheren Umgebung begegnen einen immer mal wieder Leute, die sich in sich und ihre Wahnvorstellungen zurückgezogen haben. Keiner käme auf die Idee ihnen zu folgen oder gar zu huldigen. 

Wem verbieten, wem erlauben?

Bei Leuten wie Xavier Nadoo oder Attila Hildmann geht es nicht um nachvollziehbare Ideologien oder real umsetzbare politische Forderungen, sondern um Wahn, der dem Weltbild einer Sekte entspricht. Wie immer, sollte man Sekten nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. In Relationen zur gesamten Bevölkerung wird die Zahl der Anhänger immer begrenzt bleiben. Dennoch können sie gefährlich werden und eine Menge Schaden anrichten. Wie gehen wir sonst damit um?

Was wäre mit Leuten, die daran glauben, dass auf der Erde einst ein epischer Kampf von Außerirdischen stattfand und sich eine außerirdische Rasse auf eine Art Geistebene zurückzog, die sich in menschliche Körper eingenistet haben. Nach ihren Vorstellungen erfuhren die Auserwählten von der vor Urzeiten so oder ähnlich stattgefundenen Geschichte durch eine schillernde Persönlichkeit. Einen Mann, der mehrfach in der US – Navy scheiterte, Tomaten auf Schmerzempfinden untersuchte, sich Okkulten Zirkeln anschloss, dort selbst einem Aleister Crowley zu schräg ( … und den konnte vermutlich wenig beeindrucken) wurde, Sci Fy – Romane schrieb. Dies ist mindestens so schräg, wie der Kram, den die beiden aktuellen Galionsfiguren der deutschen Mystiker Szene von sich geben. Sollte man denen Auftritte, das Verbreiten von Büchern, Filmen und Musikauftritte verbieten? Vielleicht, aber wir tun es nicht. Ganz im Gegenteil, diese Leute scheffeln Millionen und füllen die ganz großen Bühnen. Wer es noch nicht bemerkt hat: Die Rede ist von Scientology.

Da draußen laufen eine Menge Gestalten herum, die mir persönlich ziemlich seltsam vorkommen. Hierzu gehören auch die ca. 2,5 Millionen christlichen Fanatiker aus der evangelikalen Bewegung. Hört man sich die Texte von Xavier Nadoo an, kommt schnell der Verdacht auf, dass er denen nicht unbekannt ist und es verwundern auch nicht die auf den Corona – Demos mitlaufenden assoziierten Mitglieder. Krisen, Epidemien, Naturkatastrophen, haben in der Geschichte der Menschheit schon immer diese Wirkung auf einen Teil der Bevölkerung betroffener Gebiete gehabt. Warum auch immer dies so ist. Historiker, Psychologen, Psychiater und Soziologen suchen seit Jahrzehnten nach einer Antwort. Vermutlich ist der innere Drang alles zu erklären derartig ausgeprägt, dass das dem Menschen nicht zugängliche eben mit eigenen, und wenn sie noch so fantastisch sind, Erzählungen erklärt werden. Gleiches gilt, wenn es eine handfeste Ursache gibt, sie aber nicht in das eigene Weltbild hineinpasst.

Mit Verboten ist dem nicht zu begegnen. Im Gegenteil, sie befeuern die Mythen. In deren Logik ist das Verbot ein sicheres Zeichen dafür, dass sich finstere Mächte vor einer Entdeckung schützen wollen. Prinzipiell fallen diese Menschen in eine Zeit lange vor der Aufklärung zurück. Sie und ihre Vorfahren haben sich die Entwicklung mit Technologie, Naturwissenschaften, Entmystifizierung eine Weile angeschaut, um nun darauf hinzuweisen, dass dies auch alles nichts gebracht hat, weil alle immer noch im gleichen Dilemma stecken, nur mit Abwandlungen. 

Was resultiert aus Verboten?

Ich glaube mittlerweile, dass es dynamische Prozesse gibt, an denen man zwar teilhaben kann, aber es keinerlei Garantie dafür gibt, dass sie den von einem selbst gewünschten Verlauf nehmen bzw. gezielt Einfluss nehmen kann. Man agiert innerhalb, woraufhin eine Wirkung nicht ausbleibt, aber wie die dann aussieht, weiß keiner. Sich dem zu entziehen ist unmöglich. Statt das Aussprechen von Meinungen, Leugnungen oder Lügen zu untersagen, sollte man meiner Auffassung nach schlicht mit einem Verhalten antworten, welches den eigenen Ansprüchen genügt. Gleiches gilt für die Art und Weise der Formulierung. Verbote, Repressionen, Eindämmungen, Kampf, erzeugen erfahrungsgemäß eine Gegenreaktion. Ich finde, aktuell ist dies gut bei den Auseinandersetzungen zu denen Themen Rassismus, Gendern und Sexismus zu beobachten. Wozu hat das kämpferische Auftreten der Akteure geführt? Diejenigen, welche ohnehin aufgeschlossen waren, sind es geblieben, einige sind genervt und die, welche geändert werden sollen, verschanzen sich. Mir kann man entgegenhalten, dass sich in der Geschichte vieles ohne Kampf nicht geändert hätte. Das ist korrekt und zu bedenken. Aber wenn ich schon in den Kampf ziehe, dann nicht kopflos und brachial, sondern taktisch klug. Ich halte es dabei mit Sun Zi und seinen Ausführungen darüber, wie man einen Krieg gewinnt. Hinzu kommen noch die in China bestens bekannten 36 Strategeme aus der dem chinesischen General Tan Daoji zugeschriebenen Sammlung von Kriegstaktiken.

Bei den genannten Themen handelt es sich nicht um meine Baustellen. Ich bin hellhäutig, heterosexuell und meine Identifikation mit meinem Geschlecht ist für mich eindeutig. Gleichzeitig ist mir dies im Kontakt mit Mitmenschen nicht wichtig. Damit ist es nicht mein Kampf. Es wird erst zu meinem, wenn ich attackiert werde. Versuche, mich auf der einen oder anderen Seite als Kombattanten einzuspannen, wehre ich ab. Gleichsam halte ich den Kampf der Minderheiten an sich für legitim. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich die Art, wie sie ihn führen, für effektiv, zielführend und erfolgversprechend halte. Entscheidend ist bei solchen Geschichten stets die Umfeldgestaltung, die von diesen Leuten ausgeht. Ja, der Ton und Umgang wird in manchen Bereichen vergiftet. Aber noch kann man sich dem entziehen.

Strategische Entscheidungen basieren auf Einschätzungen, die entweder abstrakt hergeleitet werden oder auf konkreten Informationen über das Umfeld und seine Entwicklung basieren. Eine wesentliche Information ergibt sich aus dem, was die Leute von sich geben. Wenn sich einer oder mehrere als Holocaust Leugner outen, bekomme ich die Möglichkeit, sie als solche zu erkennen, den Rest ihrer Gedankenstrukturen zu erfahren, sie einzuschätzen und letztlich Konsequenzen daraus zu ziehen. Weiterhin ist es informativ, wer diesen Leuten in welchem Umfang mit welchen Motiven folgt. Es heißt nicht umsonst: Wer fragt, der führt, und das sich jemand um Kopf und Kragen redet. Ich nehme mal die Position von Xavier Naidoo ein. Sollte er jemals wieder wach werden oder es vielleicht bereits getan haben, hat er längst den Punkt überschritten, von dem aus er nochmals zurückkönnte. Der 50 – jährige muss jetzt sein Ding durchziehen und kann nur hoffen, dass das bisher verdiente Geld bis zum Lebensende ausreicht. Ein wenig wird er noch aus der Anhängerschaft herausholen. Bei Attila Hildmann sieht es genauso aus. Seine aktuelle Strategie ist recht durchsichtig. In all seinen Kommunikationskanälen bietet er seiner Anhängerschaft seine Produkte an. Beide setzen sie auf eine sich zukünftig verschärfende Krise und versuchen daraus Geld zu schlagen. Auch dabei sind sie nicht alleine. Findige Geschäftemacher die in der Esoterik – Szene unterwegs sind, machen nichts anderes.

Aussagen/Meinungen demaskieren

Mir selbst bleibt die Beobachtung des Geschehens und die Analyse, wie ich mich am besten innerhalb des Geschehens bewege. Noch scheint alles in Ordnung zu sein. Die Zahl der Anhängerschaft ist überschaubar. Selbst bei der AfD setzt ein Prozess ein, in dem sich die Protagonisten durch ihre Äußerungen immer mehr der Lächerlichkeit preisgeben. Ein prägnantes anderes Beispiel liefern junge politische Newcomer, wie Benedikt Brechtken von der FDP oder auch ein Manuel Ostermann von der DPolG. Ich musste herzhaft beim Lesen einer Diskussion einiger Wikipedia – Autoren lachen. Es ging darum, ob der Eintrag für Brechtken bestehen bleiben soll oder nicht. Einer brachte das Argument ein, dass man eine gewisse Verantwortung habe und dem jungen Mann nicht die Zukunft verbauen solle, weil er vermutlich ab einer gewissen Reife seine in der Vergangenheit gesagten Worte bereuen wird. Bei Ostermann, der nach dem einfachen Schwarz – Weiß – Schema alles jenseits der Werteunion sind gefährliche Extremisten vorgeht, fragt sich der Beobachter, was in seinem erprobten und erfahrenen Förderer Rainer Wendt vorgeht.

Andere Gruppen, wie zum Beispiel die Leugner des Klimawandels, oder die viel mehr gefährlichen Personen, nämlich jene, die durchaus erkennen was passiert, aber aus reinem Eigennutz heraus ein Handeln verweigern, bereiten mir größere Sorgen. Doch auch von ihnen erfahre ich nur, in dem ich sie frei sprechen lasse. Wenn sie es denn mal alle täten! Viele von denen sind schlau genug, es nicht zu tun. Ein wesentlicher Punkt im aktuellen Zeitgeschehen. Die Leute, deren Handlungen eine tatsächliche mich unmittelbar selbst betreffende Auswirkung haben, täuschen, tarnen, verstecken sich hinter Propaganda und äußern ihre echte Meinung nicht.

Gelassenheit

Unabhängig von alledem, halte ich ein wenig Abstand für angezeigt. Natürlich bin ich von meiner Meinung überzeugt, sonst hätte ich sie nicht. Gleiches muss ich allen anderen zugestehen. Später werden andere befinden, ob sie richtig war oder überhaupt ins Gewicht fiel. In der uns bekannten Geschichte der Menschheit gab es immer Menschen, deren Meinung in ihrer Zeit geächtet wurde und spätere Generationen zu einer vollkommen anderen Auffassung kamen. Im Gegenzuge amüsieren wir uns nachträglich über Auffassungen, Ansichten, Meinungen, aus vergangenen Zeiten, die damals absoluter Mainstream waren. Wobei ich betone, dass das von Leuten wie Xavier Nadoo oder Attila Hildmann Verbreitete für mich keine Meinung, sondern wirres Zeug ist. Würde ich ihre Worte für voll nehmen, müsste ich gleichzeitig 2 + 2 = 6 hinnehmen.
Aussagen oder Meinungen nicht zuzulassen, ist immer ein Zeichen der Schwäche und Angst. Selbst das Grundgesetz und die nachgeordnete Gesetzgebung sind davon geprägt. Hinter den Gesetzen, die sich auf Volksverhetzung oder Leugnen des Holocaust beziehen, steht die Sorge, dass Rattenfänger es vermögen andere zu verführen und zu manipulieren. Anders: Die Deutschen trauen sich selbst  oder wenigstens Teilen aus einer grauenhaften Historie heraus diesbezüglich nicht über den Weg. Dies bedeutet gleichsam, dass rudimentär immer noch Verhaltensmuster herumgeistern, die in die damalige Katastrophe führten. Dem kann ich folgen. Aus diesem Grund bin ich vehement gegen eine Erweiterung der Plebiszitären Elemente. In der deutschen Gesellschaft schlummert etwas, auf das immer geachtet werden muss. Im Idealfall ändert sich dies innerhalb der kommenden Jahrzehnte. Ich glaube nicht daran und wenn man die Aussagen der etablierten Politiker hört, habe ich keinerlei Veranlassung dies zu ändern. Spätestens wenn Worte wie Führungsrolle, militärische Stärke, Deutsche Leitkultur, Deutsche Tugenden, Marke Deutschland pp., fallen, schrillen bei mir die Alarmglocken. Ich kämpfe nicht dagegen an. Dafür fehlen mir schlicht die Mittel. Hierzu hätte ich bereits vor mindestens zwei Jahrzehnten andere Weichen stellen müssen. Was ich tun kann, ist ein anderes Leben zu führen und im absoluten Notfall die Sachen packen.

Fazit: Lasst den Mann auftreten. Wir werden das aushalten. Parallel lassen wir auch andere ihr Programm abziehen und schauen, wer mehr Zuspruch bekommt.