Oktober 17 2019

Rechtskonservative Rhetorik

Lesedauer 4 Minuten

Bernd Lucke, Gründungsmitglied der AfD wird an der Hamburger Universität von einigen Studenten an einer Vorlesung gehindert. Dazu kann jeder unterschiedlicher Meinung sein. Negativ kommentiert wird dies selbstverständlich von den konservativ ausgerichteten Medien. Damit von der Presse und Journalisten, die einen letzten Zugang zu den rechtsgerichteten Mitgliedern und Wählern der AfD haben. Der ehemalige Herausgeber der FAZ, Herr Dr. Müller – Vogg, schreibt zum Thema auf Twitter:

«Das haben die Achtundsechziger mit ihnen politisch nicht genehmen Professoren so gemacht – und die Nazis in der 1930er-Jahren mit Juden und Demokraten ebenfalls. Derselbe Terror – mit unterschiedlichen Parolen.»
Tweet vom 17.10.2019

Mal ganz davon abgesehen, dass ich von einem hochkarätigen Journalisten eine Unterscheidung zwischen das gleiche und dasselbe erwartet hätte, befeuert er die seit längerer Zeit kursierende rechtsradikale Rhetorik.

Vollkommen unbekümmert werden Geschehnisse aus dem Dritten Reich und dem Vorabend dazu, mit aktuellen Ereignissen verglichen. Bei der Debatte über die Kennzeichnungspflicht twitterten einfach strukturierte Gemüter, dass dieses mit dem Tragen des Gelben Stern im Dritten Reich vergleichbar wäre. Vor dem Hintergrund, welche Ziele seitens der NSDAP verfolgt wurden, eine unentschuldbare Entgleisung. Eine, die durch die Gleichsetzung die Pogrome ins Lächerliche zieht. Dies folgt der Rhetorik, in der sich AfD Anhänger einer Verfolgung ausgesetzt sehen, die ebenfalls angeblich den Pogromen entsprechen würde. Mich wundert dabei stets, wie ruhig sich hierzu die jüdische Gemeinde verhält.

Es gäbe unzählige unverfängliche Möglichkeiten eines Vergleichs. Es ist verräterisch, wenn sich einer ausgerechnet in dieser Epoche bedient. Sympathisanten von Herrn Dr. Müller – Vogg, bemühen Franz – Josef Strauß, in dem sie auf sein Zitat aus dem Jahr 1979 «Ihr wäret die besten Schüler von Goebbels und Himmler gewesen!» verweisen. Die Propagandastrategien eines Goebbels einem anderen zu unterstellen, kann man noch akzeptieren. Der hatte sein Handwerk letztlich vom Amerikaner Edward Bernays gelernt. Bezichtigt wurden die aufgebrachten Leute, die gegen Strauß und seine Hetze demonstrierten. Mich erstaunt heute noch, warum sich Konservative ausgerechnet ihn zum Alibi machen, wenn sie sich zu weit nach rechts lehnen.

In den 30er Jahren lieferten sich die SA und die KPD Straßenschlachten mit Schusswaffen und Toten. Kam es nicht auf den Straßen zu Auseinandersetzungen, überfielen SA Kommandos Lokale, in den sich SPD oder KPD Anhänger versammelten. Tatsächlich herrschte Terror auf den Straßen. Jüdische Bürger, die nicht organisiert waren, wurden lange vor 1933 zu Hause zusammengeschlagen, ihnen wurde aufgelauert und überall erfuhren sie Diskriminierung.

Diese Situation setzt Herr Dr. Müller – Vogg mit dem vollkommen gewaltlosen Protest der Studenten in der Hamburger Universität gleich. Augenscheinlich versuchen aktuell die Konservativen im Schulterschluss mit den Rechtsradikalen, eine Hetzkampagne gegen alles von ihnen aus betrachtet politisch Linke, zu initiieren. Ich weiß nicht, ob die da im Hörsaal alle links ausgerichtet waren. Meiner Auffassung nach ist Lucke ein beleidigtes Kind der CDU, welches sich vom verbitterten Opa Gauland hinters Licht führen ließ. Ein Zauberlehrling, der lernen musste, welche Geister man mit der rechts – liberalen Formel in das auf den Boden gezeichnete Pentagramm ruft.

Das ist das Problem mit der von Alexander Dobrindt ausgerufenen «Konservativen Revolution». Am rechten Rand der CDU/CSU fehlt es an einer sauberen Trennschärfe zu den Rechten. Ein minimaler Stolperer und plötzlich landen sie im Nationalismus, Autoritätsdenken und dem Traum einer allgegenwärtigen CDU/CSU, deren Bundesvorstand eine Oligarchie errichtet. Dabei übersehen sie, dass es hierfür bereits Profis gibt, die für Nachwuchsspieler stets dankbar sind.

Es erscheint beinahe, als ob Journalisten wie Dr. Müller – Vogg und einige andere, vornehmlich aus dem Hause SPRINGER, immer noch den alten Hass auf die 68er im Geiste haben. Damit hätte der Tweet enden können, aber es musste noch eins oben drauf gesetzt werden, in dem der Vergleich mit der NSDAP und der SA eingebracht wurde. Bis zur «Rotfront Verrecke!» Propaganda, fehlen da nur noch Zentimeter. Sie spielen mit Geistern, die sie nicht unter Kontrolle haben. Das ist nicht nur gefährlich, sondern bedingter Vorsatz. Der Erfolg wird nicht unbedingt angestrebt, aber vom Täter billigend in Kauf genommen. Es ist bereits schwer genug, der offen auftretenden Neuen Rechten Bewegung, mit ihrem von der AfD gestellten parlamentarischen Arm, beizukommen. Der Rechtsruck bei einigen in der Gesellschaft fest etablierten Medienvertretern ist beängstigend. Die Fluchtbewegungen und die Klimakrise lockt sie nach und nach alle aus der Deckung heraus. Einerseits ist das erfreulich, weil sie dadurch sichtbar sind, andererseits flößt mir die Menge, der mit einer Autokratie bzw. Oligarchie sympathisierenden Personen, Angst ein.

Was die Hamburger Studenten machten, ist ein lupenreiner Protest, den der Bürger von Leuten, die an einer Universität studieren, erwarten darf. Keiner muss ihn mögen oder inhaltlich teilen, aber er gehört dazu. Eine Uni voller Opportunisten, hat die Bezeichnung nicht verdient. Genau dies gehörte zur 68er Bewegung. Die Ausbildungsstätten der zukünftigen geistigen Elite von den Altlasten eines falsches Verständnisses von Unis zu befreien. Universitätsabsolventen sollen die Zukunft besser gestalten und nicht den «Status Quo» aufrecht erhalten. Gleichfalls dürfen sie nicht zu einer Ausbildungs- oder Lehranstalt der Wirtschaft verkommen. Ebenso wenig zum verlängerten Arm des bürgerlichen Mainstream. Dafür gibt es Fachhochschulen oder Ausbildungsbetriebe. 23 Jahre nach dem Krieg waren viele Lehrstühle noch von denen besetzt, die sich mit dem NS Regime 1933 – 1945 arrangierten, während die kompetentere Riege im Exil blieb oder das Dritte Reich nicht überlebten. Und die ehemals zum NS Regime Loyalen zogen sich ihre Paladine heran.

Wer dies favorisiert, die 68er mit dem NS Regime vergleicht, und sich Universitäten in Form einer Kaderschmiede wünscht, oder sie wenigstens zu Ausbildungsstätten des Kapitals umfunktionieren will, hat nichts Gutes im Sinn.

Zur Person von Herrn Lucke ist meine Haltung recht simpel. Bei der Gründung der AfD suchte er sich in Gauland einen falschen Freund. Keiner kann sagen, ob er nicht immer noch in der AfD wäre, wenn Petry ihm damals nicht den Rang abgelaufen hätte. Er wollte von der Hinterbank der CDU ins Rampenlicht. Das ging voll in die Hose. Statt Einsicht, dass das Machtstreben ihn in die falsche Richtung austrägt, gründete er ALFA. Nun wird es einige Zeit benötigen, bis er aus dem Scherbenhaufen wieder herauskommt. Ein blaues Auge wird bleiben. So ist das halt mit der Machtgier. Bei jedem Entzug kommt es zu einem Kater danach. Den wird er aushalten müssen.

März 9 2017

Es herrscht Krieg

Lesedauer 7 Minuten

Es herrscht Krieg, jedenfalls wenn ich den Propagandisten hinter den Mikrofonen glaube. Die keine Gelegenheit auslassen, mich über die Medien entweder besorgt zuschwallen, oder schlimmer noch, mich anbrüllen. Krieg dem Terror! Krieg der Kulturen! Krieg zwischen den Armen und den Reichen. Ich soll Angst bekommen und den wählen, dem ich zutraue die Weltordnung wieder herzustellen.

Nebenbei ein vollkommen veralteter Begriff. Offizieller Sprachgebrauch wäre Konflikt, bewaffneter innerer Konflikt oder bewaffneter Konflikt mit internationaler Beteiligung. Aber ich will mich nicht an solch kleinen Details hochziehen. An einem Krieg nehmen auf jeden Fall Soldaten teil. Zusätzlich kennen wir noch Kombattanten und die Zivilbevölkerung. Ich finde diese Unterscheidungen nebenbei vollkommen unsinnig. Mir persönlich ist es egal mit welchen Status ich sterbe. Ich wäre als Mitglied der West – Berliner Polizei zum Kombattanten geworden. Mit der P6 und einer MP gegen die heranrückenden Bataillone der Sowjetarmee.

Es lohnt sich mal genau hinzusehen, wer der Feind ist. Da wären die Islamistischen Terroristen. Terroristen! Durch die Bezeichnung Krieg, werden sie zu Kriegern, Gotteskrieger! Junge Männer, die sich einer Ideologie verschrieben haben. Zahnpflege betreiben sie mit einem Stück Holz, ihre Kleidung ist schräg, die Haartracht hässlich, sie müssen fünfmal am Tag beten und sich dabei zu Boden werfen. Ihr erklärtes Ziel ist der ewige Sex mit Jungfrauen. Jeder erwachsene Mann weiß, dass das langweilig ist. Die Anschläge der vergangenen Jahre, den 11. September ausgenommen, sprechen nicht für ein technisches Verständnis, taktischen Denken oder einen besonders hohen IQ. Die Krieger auf der anderen Seite verfügen also über begrenzte Möglichkeiten.

Vor dieser Armee soll ich in Deutschland Angst haben. In Berlin ist einer dieser Krieger in einen LKW eingestiegen und hat für seine Ideologie mehrere Menschen in Tod gerissen. Menschen sind gestorben, also ist es eine ernste Angelegenheit. Aber! Meine Angst hält sich in Grenzen.
Was wäre eigentlich passiert, wenn dieser Amri sich einer Arabischen Großfamilie angeschlossen hätte und dann mit einem BMW bei einem illegalen Autorennen in die Menschenmenge gerast wäre?
Ich habe ohnehin mehr Angst, bei einem Autounfall zu sterben, als im Zusammenhang mit einem Terroranschlag. Als Berliner habe ich auch gute Chancen mit einem schlecht oder gar nicht sozialisierten Heranwachsenden in eine Schlägerei zu geraten. Oder ich treffe auf ein paar betrunkene Hooligans.

Manche Propagandisten wollen mir erzählen, dass sich unter den Flüchtlingen Terroristen befinden, also Gotteskrieger. Überhaupt befinde ich mich als Mitteleuropäer im Krieg mit dem Islam. Ich bin Jahrgang 1966, zu Schulzeiten wurde ich noch vor dem Panslawismus und dem Eurokommunismus gewarnt. Ich will damit nur sagen, ich bin es gewohnt vor solchen Dingen gewarnt zu werden. Bis 1989 wartete ich auch noch darauf, dass endlich der Russe über die Mauer gesprungen kommt.
Wie bei den Zeugen Jehovas, war das Ende stets nah. Zwar nicht in Form von Gottes Gericht, aber immerhin mittels Atomaren Erstschlag der Kommunisten.
Ich würde mich am ehesten als Atheist sehen. Es gibt Menschen die intellektuell Atheisten einen ideologischen Ansatz vorhalten. Für mich ist Atheismus einfach nur der Gegenpol gegen all die Menschen, denen Religion eine Fehlschaltung im Gehirn verpasst hat. Dies gilt für orthodoxe Katholiken, Juden, Evangelikale usw., wie auch für Islamisten. Insofern befinde ich mich mit allen Orthodoxen und auch politischen Ideologen auf dem Kriegspfad.
Aber zurück zu den Flüchtlingen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich unter diesen auch Terroristen befinden. So aber auch unter französischen, englischen, niederländischen Touristen. Die meisten Terroristen sind ohnehin in Mitteleuropa geboren worden. Also ist die Theorie mit den Flüchtlingen vollkommener Schwachsinn. Die unkontrollierte Einreise soll ein besonderes Problem sein. OK! Ist es Ihnen wichtig, ob sie von einem bekannten oder von einem unbekannten Terroristen erschossen werden? Mir nicht!

Unter einem anderen Gesichtspunkt finde ich die unkontrollierte Einreise bedenklich. Die Organisierte Kriminalität bekommt einen erheblichen Nachschub an potentiellen Straftätern. Organisierte Kriminalität ist aber keine Religion und auch keine Staatsangehörigkeit. Sie erfährt auch keine Begrenzungen durch Herkunftsländer. Seltsamer Weise ist diesbezüglich sehr ruhig bei den Propagandisten. Weder die etablierten Parteien, noch die Rechtspopulisten gehen das Thema an. Sie warnen nicht vor der Mafia, Camorra, Syndikaten, Mob, osteuropäischen Banden. Von Geldwäsche, Korruption, Wirtschaftskriminalität, Waffenhandel, Menschenhandel, Zwangs- prostitution, ist nicht die Rede. Wenn sie es doch tun, dann eher laienhaft oder idiotisch.

Hier ist aber das ganz große Geld und auch die echte Gefahr. Doch müssten dann auch sehr unangenehme Fragen gestellt werden. Ich würde gern einmal alle Jing Ling Zigaretten bei einer PEGIDA Demonstration in Dresden einsammeln. Oder alle Freier von Zwangsprostituierten in den neuen Bundesländern kennzeichnen und sie dann bei PEGIDA zählen. Interessant wäre auch, wer sich denn alles mit gefälschter Ware beim Vietnamesen eingedeckt hat. Ich würde gern auch sehen, was passieren würde, wenn allle Fahrzeuge auseinanderfalten, die in Polen repariert wurden. Herr Höcke, dass wäre doch mal eine Rede. “Ihr kleinen Idioten, die Ihr Euch jeden Tag selbst das Wasser abgrabt!” Oder es würde sich die Frage stellen, warum Deutschland ganz oben bei den Ländern mit den umfangreichsten Möglichkeiten der Geldwäsche steht. In Sachen Korruption kämpft Deutschland weiterhin mit den Lobbyisten. Zu Fragen wird es nicht kommen. Diese Zusammenhänge sind zu kompliziert und eignen sich nicht für Volksreden wie im Sportpalast. Ausländer raus! Lügenpresse! Volksverräter! Skandiert sich auch deutlich einfacher.

Doch letztlich spielen alle mit den irrealen Ängsten. Alle zusammen benutzen das Instrument, einer ganzen Gesellschaft wird eine Angststörung verpasst. Krieg, Schieflage der Gesellschaft, Terror, ständig werden von allen Parteien diese Wörter inflationär benutzt. Die einen rechtfertigen Rüstungsausgaben, andere benutzen sie als Personalrat für die Polizei, der nächste will einfach nur die Machtübernahme. Auch wenn einige Forderungen legitim sind, stelle ich mir stets die Frage, ob das Schüren niedrigster Triebe der Gesellschaft, der richtige Weg ist. Denn die Rechnung der etablierten Parteien geht unter Umständen nicht auf. Deutsche die Angst haben, schreien in der Regel nach einer starken Hand, die alles regelt. Aber dann ist der Zeitpunkt gekommen, reale Ängste zu entwickeln. Gerade Deutsche begreifen, selbstverständlich im Ranking nach den Amerikanern und Briten, erst im nachhinein, dass Populisten nichts anderes können, als die Klappe aufzureißen.

Befinden Sie sich im Krieg? Verlassen Sie täglich das Haus und rennen geduckt von einer Deckung zur nächsten, wie es einst unsere Großeltern taten, als der Häuserkampf in den Deutschen Städten tobte. Oder wie es die Menschen in Syrien, damals in Bosnien, Vietnam oder allen anderen echten Kriegsgebieten, taten. Immer in der Angst von einem Sniper erschossen zu werden. Schauen Sie immer gen Himmel, auf der Suche nach angreifenden Bombern?  Zucken Sie stets zusammen, wenn die Freiwillige Feuerwehr einen Probealarm auslöst, weil Sie befürchten müssen es hagelt gleich Bomben?
Ich laufe durch die Straßen und achte auf organische Tretminen. Als Großstädter habe ich ein gesundes Misstrauen allen anderen Menschen gegenüber. Es gibt Regeln im Großstadtdschungel. Die Länge des Blickkontakts, Abstände, Bewegungsabläufe, diese Dinge müssen beherrscht werden, wenn der Metropolen Bewohner überleben will. Dies alleine produziert schon genug Neurotiker, da braucht niemand einen Katalysator. Warum nun aber ausgerechnet die Landbevölkerung Angst hat, ist schwer nachvollziehbar. Ein Psychologe aus einer ländlichen Region riet mir mal, doch den anderen Menschen auf der Straße ein Lächeln zu schenken. Der Mann war mit Sicherheit noch nie in Berlin – Neukölln unterwegs, sonst hätte er gewusst, dass der Lächler hiernach eher einen Physiologen benötigt.

Natürlich habe ich als Großstädter Angst zum Opfer einer Straftat oder eines Verkehrsunfalls zu werden. Raubüberfälle, wild gewordene Fahrradfahrer, durchgeknallte Autofahrer, Räuber, Taschendiebe, Einbrecher, Schläger und was es noch alles gibt. Das ist aber ein vollkommen normales Bild, wenn Millionen Menschen in einer Stadt leben. Schon gar nicht kann jemand von Krieg sprechen. Und Berliner sind Weicheier im Verhältnis zu Parisern oder zu den Bürgern aus Marseille.
Ich kann die armen Kölner verstehen, wenn sie ein wenig eingeschüchtert sind, doch liebe Jecken, willkommen unter den Großstädtern. Aber Krieg? Nein! Ich habe niemals Krieg erlebt. Ich habe mich in manchen Einsätzen bei der Polizei kurzfristig, wie im Krieg gefühlt, aber ich habe keinen echten Krieg erlebt.

Ich habe eine gesunde Angst vor Kriminellen, einer Gesellschaft, die sich als immer weniger fähig erweist, sich gegen international aktive Kriminelle durchzusetzen, da bin ich dabei. Angst vor Populisten, die einer immer mehr verblödenden Gesellschaft eine simple Buhmannlösung anbieten, auch hier bin ich dabei.
Eine Gesellschaft, in der das Wort Intelligenz die Qualität eines Schimpfwortes besitzt. Deren sogenannte geistige Elite sich versteckt und einschüchtern lässt, oder immer erst ein paar Tage später merkt, dass während sie auf Youtube unterwegs waren, mal wieder gegen sie entschieden wurde.
Ich habe Angst vor Menschen, die sich als Fan von Germany Next Topmodel outen, und damit die Dekadenz unserer Gesellschaft aufzeigen. Menschen, die sich Sendeformate antun, in denen über die Unterhosen von Prominenten berichtet wird, weil sie nicht merken, dass Ihnen der Personenkult nur Sand in die Augen streuen soll. Brot und Spiele! Vom Personenkult bis hin zum Fußball.  Wie schön, wir haben mal wieder eine WM, lasst uns schnell ein paar Erhöhungen und Gesetze beschließen, die Blödmänner saufen gerade auf der Fanmeile Bier.

Dieser Müll aus dem Fernsehen, der auf geistigen Müllkippen landet, welche manch ein Zeitgenosse für ein Gehirn hält. Freaks, die an Chemtrails glauben, da sie damit zeigen, wie vollkommen die Verblödung schon fortgeschritten ist. Reichsbürger, die alleine durch ihre Existenz beweisen, wie weit der Schwachsinn geht. Sekten, Ideologen, Homöopathen, Impfgegner, Shamanen, Satanisten, Aluhüte und was sich sonst noch da draußen in den Straßen herum treibt. Denn sollten wir tatsächlich einen Krieg führen, wie gesagt, ich gehe davon nicht aus, dann wären dieses Mitglieder meiner Armee. Wollen Sie mit diesen Typen in den Krieg ziehen? Mich wundert nicht, dass große Anteile der echten Kriege in den Cyberspace verlagert wurden, dabei können sie wenigstens Kaffee mit lactosefreier Milch trinken und parallel chatten.

Ich habe Angst davor, dass unsere Jugend nicht rechtzeitig die Geschäfte übernimmt. Bei fast allen Unsinnigkeiten der letzten Zeit, hieß es, die junge Generation wollte das nicht. Trump, Brexit, Aufrüstung, Erdogan, Globalisierung, Turbo Kapitalismus … die Jungen wollen dies alles nicht. Aber leider müssten sie hierfür zur Wahl gehen, wenn Ihnen dies aber niemand via WhatsApp mitteilt, wird es eng mit der Zeit.
Die letzten alten Krieger sind angetreten, um aus ihrer alten kranken Welt zu retten, was zu retten ist. Kalter Krieg, ungebremster Wirtschaftswachstum, der Kampf zuwischen Arm und Reich, alles Relikte der Vergangenheit, die längst hätten gelöst sein können. Die Alten machen immer weiter, was sollen sie auch anderes tun? Wer gerade am Steuer ist, wird es vernünftiger Weise nicht herum reißen.

Wir befinden uns in einem Spiel, welches absolut ist. Entweder wir bekommen die Klimaerwärmung in den Griff, oder alle anderen Diskussionen sind sinnlos. Entweder wir überwinden die Systeme und schaffen die gegenseitige atomare Bedrohung ab oder wir brauchen uns keine Gedanken mehr zu machen. Also wenigstens wir Deutschen, da alle Raketen erst einmal uns auf den Kopf fallen.

Islam? Terror? Alles Ablenkungsmanöver! Warum leugnet die AfD die Klimaerwärmung? Warum soll die Rüstung voran getrieben werden? Warum wird die Macht der Konzerne nicht kaputt gemacht? Warum können wenige Reiche die Geschicke der Welt bestimmen? Warum klatschten alle begeistert, wenn ein vergreister Helmuth Schmidt von geistigen Eliten sprach? Wenn wir nicht einmal dazu in der Lage sind, die echten Schwierigkeiten zu thematisieren und zügige globale Lösungen herbei zu führen. Alfred Nobel soll einst gesagt haben, mit der Erfindung des Nitroglycerin werden Kriege überflüssig, weil die Menschheit von der Wirkung so schockiert sein wird, dass sie nie wieder Krieg führen wird. Hiroshima und Nagasaki hatten die gleiche Aussage zur Folge. Kann mir jemand erläutern, was Menschen der Moderne dazu antreibt Bomben zu bauen, die den ganzen Globus für ein Jahr verstrahlen? ich räume ein, dies sind besorgniserregende Dinge. Nicht auszudenken, was alles passieren kann, wenn Flüchtlinge diese Dinger in die Finger bekommen.

1949 schrieb Erich Kästner die “Konferenz der Tiere”. Kästner hatte damals schon die Befürchtung, dass die Menschen es niemals lernen werden. Der Mann hatte alles gesagt, was zu sagen war.