Dezember 12 2015

Noch einen Atemzug

Lesedauer 2 Minuten

Die blauen Lichtblitze der Signallichter auf den Dächern der eingesetzten Streifenwagen und Feuerwehrfahrzeugen spiegelten sich auf dem nassen Kopfsteinpflaster und färbten die Häuserwände. In der Luft lagen die üblichen Geräusche. Das mechanische Ticken der Rundumleuchten, die Befehle der Feuerwehrleute, das tiefe Brummen der Pumpe und das Klirren der Verbindungsstücke für die C-Schläuche. Der Eingang zum Haus wurde wechselnd blau beleuchtet, um dann wieder in Dunkelheit zu versinken. Vor dem Eingang stand ein uniformierter Polizist. Worte waren nicht nötig. Ich nickte kurz zur Begrüßung und er wies mir mit einer Geste den Weg. Innen wiesen mir die eingesetzten Feuerwehrleute den Weg. Die Löscharbeiten waren erledigt. Je weiter ich nach oben kam, roch es nach einer Mischung aus Aschenbecher, verbrannten Kassler und erhitztem Kot.
In der dritten Etage war die Tür der linken Wohnung eingeschlagen worden. Der Flur war noch etwas verraucht, aber bis dahin war das Feuer nicht vorgedrungen. Mein Teampartner und ich bahnten uns den Weg bis zu einer Tür, vor der der Einsatzleiter der Feuerwehr auf uns wartete. “So wurde er gefunden. Rauchgasvergiftung! Da vorn liegen noch die Reste der Matratze.”
An der Tür bot sich ein bizarres Bild. Der Leichnam eines etwa 25-jährigen jungen Mannes, befand sich in einer knienden Stellung, unmittelbar vor der Tür. Die rechte Hand umklammerte die Türklinke. Bekleidet war er nur mit einer Unterhose. Der Körper war, bis auf die Hacken, nicht vom Feuer erreicht worden. Augenscheinlich rauchte er im Bett und war dabei eingeschlafen. Dann musste er noch einmal wach geworden sein. Ein oder zwei Minuten vorher wäre alles eine Episode in seinem Leben geblieben. Aber es sollte nicht sein. Mein Partner stellte lakonisch fest: “Rauche nicht im Bett, die Asche unter Dir könnte Deine eigene sein!”
Auf dem Weg nach Hause ging mir nochmals alles durch den Kopf. Wie schnell doch ein Leben wegen einer einzigen Dummheit enden konnte. Er brauchte nur noch die Türklinke herunterdrücken, dann wäre er gerettet gewesen. Ich war zu dieser Zeit kaum älter als er. Wer denkt in unseren Breitengraden schon mit Ende Zwanzig an den Tod und daran, dass das Leben im nächsten Moment zu Ende sein kann. Seither tue ich dies öfter.


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