November 15 2022

Brief an die derzeit inhaftierten Aktivisten

climate sign outside blur Lesedauer 4 Minuten

Diejenigen der Letzten Generation, welche sich “noch?” in Freiheit befinden, baten auf Twitter um ermutigende bzw. aufmunternde Briefe für die 13 inhaftierten Aktivisten/innen. (Joel, Charlotte, Jakob, Wolfgang, Winfried, Jens, Nelson, Moritz, Miriam, Malte, Lars, Judith und Elena)

Ich nahm dies zum Anlass einen Brief an alle zu schreiben. Es wäre im hierfür entwickelten Formular auch möglich gewesen, einen/eine Einzelne/n anzuschreiben. Aber sie haben gemeinsam gehandelt und gekämpft, womit sie auch alle einen verdienen. Hier der von mir übersandte Brief:

An Alle


Hallo!

Zunächst meinen Respekt für das, was ihr macht. Es war voraussehbar, dass der Staat und Teile des Bürgertums reagieren, wie sie es aktuell tun. Eure Aussage und Forderungen stehen im Gegensatz zu dem, was sich viele zu Recht gelegt haben. Ich nenne es die kollektive kognitive Dissonanz. Auf staatlicher Seite stehen die faulen Kompromisse, die mit einigen Leuten aus der Wirtschaft eingegangen werden. Aber das wisst ihr ja. De facto geht es auch nicht „nur“ um das Klimageschehen, sondern um eine komplexe Haltung zum Thema Umgang mit dem Lebenssystem Erde. Mich stoßen Begriffe wie Umwelt, Umweltschutz, Klimaschutz, ab. Wir leben zusammen mit anderen Spezies in einer Welt. Da kann es keine Um/welt geben. Ebenso können wir sie nicht schützen, sondern lediglich schädigende Eingriffe einstellen. Dies gilt so auch für das Klima. Schutz spiegelt die Arroganz wieder, mit der sich der Mensch ins Zentrum setzt und alles darf von ihm in Mitleidenschaft gezogen werden bzw. hat ihm zu dienen.
Ich bin Mitte der 60er geboren und erlebte deshalb die komplette Entwicklung seit der ersten Veröffentlichungen des Club of Rome. In den 80ern waren es die großen Umweltskandale, die Anti – AKW Bewegung und die Friedensbewegung. Damals wie heute hieß die Antwort vielfach: Haftstrafe, Geldbuße, Repressalien. Industrie und Politik gingen und gehen immer nach dem gleichen Schema vor. Es werden erst einmal irgendwelche Sauereien veranstaltet, bis ihnen jemand auf die Schliche kommt und sich Protest meldet. Irgendwann wird der Druck zu groß. Dann stellen sie ihr Handeln ein, um es dann im Nachgang als heroische Leistung zu verkaufen, dass sie die Produktion eingestellt oder modifiziert haben. (z.B. BASF, Schering, Monsanto u.a.). Oder sie positionieren sich mit der Aussage: „Wenn wir die Schädigung einstellen sollen, müsst ihr uns dafür Geld geben.“ Im Allgemeinen nennt sich das Schutzgelderpressung.
Ich gebe zu, dass ich ich nicht ansatzweise Euren Mut hatte und viel zu spät verstand, dass ich „eingeatmet“ wurde und ein deutlich lauterer Protest notwendig gewesen wäre. Vermutlich hab ich auch längst aufgegeben und sehe keine Optionen. Um so wichtiger finde ich es, wenn sich doch noch einige erheben, statt dem Desaster nur noch zuzusehen. Traurig macht mich der geringe Support, den ihr von den „Jungen“ bekommt. Bei jeder Eurer Aktionen würde ich hinter Euch mindestens 100 andere erwarten, die einen Block bilden. Zumindest wäre das früher so gelaufen. Aber wer weiß, vielleicht hat die vollkommen überzogene Inhaftierung zur Folge, dass andere wach werden. Wenigstens hoffe ich das. Eins ist auf jeden Fall wichtig! Die Haft solltet ihr als eine Bestätigung dafür sehen, dass ihr an der richtigen Stelle auf die Füße getreten seid.
Ich will auch nicht unterschlagen, dass ich auf 32 Dienstjahre Kriminalpolizei zurückblicke.
(Keine Sorge, ich bin frühzeitig raus.) Terrorismus, Schwerverbrecher und auch der eine oder andere politische Wirrkopf, gehörten zu meinem täglichen Geschäft. Ergo, weiß ich, wovon ich schreibe.

Insofern empört es mich, wenn sich Leute anmaßen, in Eurem Fall von Terrorismus, Radikalisierung, Straftaten zu sprechen.
Nein, davon seid ihr weit entfernt. Eindeutiger als bei Euch, kann einem Ziviler Widerstand kaum begegnen. Da mir zwei Töchter, 26, 30, geschenkt wurden, bin ich dafür sehr dankbar. Ich bin nicht mit all Euren Strategien und Einschätzungen im Konsens. Unter Umständen denke ich an manchen Stellen noch radikaler. Wenn es wirklich noch eine Chance gibt, dann liegt sie darin, dass sich zügig eine umfassende Änderung in der Lebenshaltung aller durchsetzt. Ich sehe bisher nicht, dass sich z.B. die Millennials damit anfreunden können, Abstriche vom deutschen Way of Life zu machen. Immerhin habt ihr zwei hohe Aspekte vorgelegt: Ihr habt die körperliche Unversehrtheit und Eure Freiheit geopfert. Damit unterscheidet ihr Euch von vielen.
However, ihr seid für Eure Überzeugung hinter Gitter gelandet. Damit befindet ihr Euch in der Geschichte in bester Gesellschaft. Und wer auf der richtigen oder falschen Seite steht, entscheidet nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft. Mit diesem Risiko leben alle, die überzeugt sind und auf dieser Basis handeln. Ihr habt Euch von zahlreichen renommierten Wissenschaftlern überzeugen lassen. Dies minimiert immens Euer Risiko auf der falschen Seite zu stehen.

Eine Frage bleibt offen: Sind Eure gewählten Mittel geeignet und förderlich? Ich nehme an, ihr kennt den Godfather des Zivilen Widerstands Saul D. Alinsky und die von ihm formulierten 10 Regeln für konstruktive Radikale. (Wenn nicht, empfehle ich sie Euch wärmstens.) Ein Aktivist muss Masse hinter sich bringen. Dabei ist es nicht entscheidend, ob die Euch entgegen schlagende Wut der „Bürger“ legitim und korrekt ist, sondern dass sie da ist. Wenigstens müsst ihr es schaffen, die 20 – 30-jährigen hinter Euch zu bringen. Wie, weiß ich auch nicht. Allerdings bin ich bei solchen Dingen auch nicht sonderlich kreativ. Wahrscheinlich auch schon zu alt.

Ich habe ein paar Worte mehr verloren, weil ich dachte, ihr könnt in der Haft ein wenig Ablenkung gebrauchen. Hoffentlich schreiben Euch viele. Immer mal wieder versuche ich mit Beiträgen in meinem BLOG und bescheidener Reichweite, wenigstens manchen meiner Altersklasse eine andere Sicht auf Euch zu vermitteln. Es wird ein harter Kampf, bei dem ich Eure Überzeugung teile, dass ihr tatsächlich die letzte Generation seid, die noch einmal eine vage Chance hat. Bleibt stark!

Trölle
Andreas Trölsch, Berlin
http://www.trollhaus.de

November 5 2022

Guter oder schlechter Egoismus?

high angle photography of people in ground Lesedauer 7 Minuten

Es ist mir ein Rätsel
Wir haben eine Gier, mit der wir uns arrangiert haben
Du denkst, Du musst mehr wollen, als Du brauchst
Bis Du alles hast, wirst Du nicht frei sein
Die Gesellschaft, verrückt, in der Tat
Ich hoffe, Du bist nicht einsam, ohne mich

Eddie Vedder, Society, Soundtrack zu: In to the wild

Ein Kommentar bei Facebook führte mich mal wieder zu Überlegungen zurück, die ich immer mal wieder anstelle. Egoismus ist ein bei uns traditionell negativ belegter Begriff. Aus meiner Sicht ist das falsch. Worum geht es denn? Ich mache mir ein Bild von der Welt. Wobei ich niemals ein Gesamtbild sehe, sondern lediglich einen Teil davon. Entweder, mir gefällt, was ich sehe, oder ich bin unzufrieden. Im nächsten Schritt kann ich mich dazu entscheiden, wie ich damit umgehe. Ist alles schön, besteht kein Handlungsbedarf. Im anderen Fall kann ich mich arrangieren, meine Ansprüche verändern oder versuchen, sie im Rahmen meiner Möglichkeiten zu verändern. Damit ist erst einmal notwendig zu erkennen und festzulegen, was mir eigentlich konkret missfällt. Was benötigt mein Ego?

Möglicherweise hadere ich mit dem Umgang der Menschen untereinander oder mir ist alles zu unruhig, aggressiv, intolerant. Oftmals wird es das eigene Schicksal sein, mit dem ich unzufrieden bin. Zu wenig Geld, Status, Gestaltungsmöglichkeiten. Zunächst kann ich mich selbst prüfen, wie angebracht meine Erwartungen sind. Unter Umständen habe ich überzogene Vorstellungen, die ich als menschliches Wesen niemals verwirklichen bzw. keinen legitimen Anspruch anmelden kann. An der Stelle wird es bei einigen kritisch. Sie fordern von der Welt mehr ab, als legitim ist. Dies ist eine Folge des Gedankens, dass der Mensch im Zentrum des Geschehens steht und sich alles um ihn herum abspielt. Diese Zentrierung findet auch im Kleinen statt. Eine Menge Zeitgenossen versuchen sich aus dem Gesamtgeschehen herauszunehmen, in dem sie sich ins Zentrum stellen und alle anderen haben ihnen quasi zuzuarbeiten. Doch das ist kein Egoismus, sondern Egozentrik!

Ich möchte ein ruhiges, friedliches, freies und ausgeglichenes Leben führen. Hierzu muss ich herausbekommen, was ich dafür in die Wege leiten muss. Wenn ich selbst in Saus und Braus lebe, während alle anderen um mich herum dahin vegetieren, darf ich mich nicht wundern, wenn es mit meinem Frieden schnell vorbei ist. Interpretiere ich Freiheit als etwas, was mich dazu berechtigt, alles Erdenkliche zu unternehmen, auch wenn es auf Kosten anderer passiert, ich sie schädige oder beschränke, werden die mir irgendwann wütend gegenüber treten. Dann werde ich Maßnahmen zur Verteidigung ergreifen müssen und es ist Essig mit der Ruhe. Also bedarf es für die Verwirklichung meiner egoistischen Ziele einer eingehenden Analyse, welche meiner Handlungen geeignet sind und welche genau das Gegenteil erzeugen. Demnach ist der reine Egoismus, die höhere Bewertung der eigenen Bedürfnisse, Ziele, Vorstellung, als die anderer Menschen nicht das Problem, sondern schwierig sind die dafür vollzogenen Handlungen und die mangelnde Weitsicht, wie sich das nach und nach fortsetzt.

So wie ich das sehe, lebe ich in einem Teil der von mir sichtbaren Welt, die von Leistung, Haben, Konkurrenz, überzogenen bzw. illegitimen Ansprüchen, ständigen gegenseitigen Beweisen, Bewerten, Messen und kognitiver Dissonanz geprägt ist. Alles Aufgezählte mündet meiner Beobachtung nach in einem Zustand, der sich mit meinen egoistischen Ansprüchen ans Leben nicht verträgt. Nun vermag ich aber nicht andere zu ändern oder sie davon zu überzeugen, endlich von diesem Treiben abzulassen. Eine alte Weisheit besagt: “Du kannst immer nur genau einen Menschen verändern: Dich selbst!” Die einzige Option, die mir bleibt, ist ein Handeln, welches wenigstens geeignet ist, die von mir erwünschten Ziele zu erreichen und alles zu unterlassen, was eher das Gegenteil hervorrufen wird. Eine Handlung kann auch das Herausgehen sein. Im Konfliktmanagement lernte ich, dass dies sehr wirkungsvoll sein kann. Verlasse ich das Konfliktfeld, gibt es keinen mehr, weil ein Part fehlt. Der oder die andere kann gern weiter sein Ding machen, aber ohne mich. Manch einer mag dies Konfliktscheu nennen und anmerken, dass sich dann auch nichts ändern wird. Gut, da bin ich sehr egoistisch. Im Buddhismus gibt es die Aussage: Führe Dein Leben, wie ein vermögender Reisender. Vermeide schlechte Begleitung, die Dich möglicherweise in einen Hinterhalt locken will und gehe nicht auf dunklen, unübersichtlichen Wegen. Um mit dem einen oder anderen reden zu können, müsste ich diese Maxime über Bord werfen. Ich bin lange genug mit üblen Zeitgenossen auf äußerst schwierigen Wegen unterwegs gewesen. Henry Miller stellte in einem seiner Bücher fest, dass es sinnvoller wäre, wenn alle Menschen erst einmal versuchen würden, selbst glücklich werden. Zufriedene und glückliche Menschen haben auf andere einen besseren Einfluss, als mies gelaunte Unsympathen. Ich denke da ist genauso viel Wahres dran, wie die Taktik, seine Kräfte dafür zu nutzen, das Gute zu unterstützen, statt sie beim Kampf gegen das Schlechte zu vergeuden. In der Regel stärke ich damit das Schlechte.

Egoismus hat auch immer etwas damit zu tun, was ich denn eigentlich für mich selbst anstrebe. Oftmals ist es der Wunsch besser gestellt zu sein, Macht über andere zu erlangen, möglichst viel zusammenzuraffen, die notwendigen Mittel zu besitzen, um von anderer Seite geweckte Bedürfnisse zu befriedigen. Zeitgenossen mit diesen Bedürfnissen, wissen ziemlich genau, was sie dafür anstellen müssen. Den meisten damit beseelten unterläuft ein entscheidender Fehler. Sie gehen davon aus, dass dies alle anderen auch wollen, woraufhin sie von sich auf andere schließen. Bis zur Egozentrik ist es dann nicht mehr weit. Reden ist immer verräterisch und noch mehr gilt dies für Leute, die Macht innehaben. Sie versuchen damit allem einen Drive zu geben, der ihnen gefällt. Wenn in der aktuellen Bürgergeld-Debatte Konservative darüber sprechen, dass die Leute ohne den Anreiz des Geldes nichts für die Gemeinschaft leisten würden, ist dies ein Rückschluss aus dem eigenen Verhalten. Aus ihrer egozentrischen Betrachtung heraus, kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass andere eventuell völlig anders unterwegs sind. Ich selbst habe diesen Fehler eine lange Zeit mit meinen Töchtern gemacht. Ich unterstellte ihnen präventiv, dass sie mindestens die gleichen Aktionen bringen, wie ich sie einst unternahm. Dabei übersah ich ihre Individualität und die Option, dass sie vollkommen andere Ideen verfolgen.

Im Ergebnis ziehe ich den Schluss, dass es für die Befriedigung meines Egos und was ich will, notwendig ist, alles zu stärken, was ich befürworte. Den notwendigen Kraftaufwand für die Veränderung der mir schädlichen erscheinenden Lebenshaltungen anderer kann ich mir sparen. Um ermitteln zu können, welche meiner Verhaltensweisen förderlich sind, bedarf es einer Alterozentrierung. Will ich Frieden, sollte ich darauf achten, was im Gegenüber los ist und wenigstens versuchen, mich in die Lebensrealität des anderen zu versetzen. Treffe ich auf Menschen, die innerlich vergiftet sind, werde ich sie meiden. In der Regel setzen sie alles dran, ihre Mitmenschen von der Richtigkeit ihrer Weltsicht zu überzeugen, der nach alle mehr haben wollen, dabei in Konkurrenz zueinander stehen und ausschließlich darüber zu motivieren sind. Ich habe mir dabei ein naturwissenschaftliches Prinzip zu eigen gemacht. Lerne ich auch nur einen einzigen Menschen kennen, der anders ist, habe ich den Beweis, dass Menschen zu anderem fähig sind. Ich kenne nicht einen, sondern einige! Leute, mit denen ich nicht zwingend sprach, sondern es lebten. Wenn die dann auch noch auf die Idee kamen, mit mir zu sprechen, war ich ziemlich stolz.


Aus dieser Haltung heraus unterstütze ich zumindest hier und in Kommentaren die Klima-Aktivisten. Egal, ob sie sich auf die Straße, an Häuser oder Gemälde kleben. Aus meiner Sicht sind sie die Guten. Tragisch empfinde ich die mangelnde Unterstützung seitens der betroffenen Altersgenossen/innen. Es sollten Hunderte sein, die die Straßen blockieren. Jede/r unter Dreißig sollte verstehen, dass es da ums eigene zukünftige Schicksal geht. Zum künstlichen Aufschrei bezüglich der verstorbenen Radfahrerin schrieb ich bereits einen Beitrag. Im Nachhinein wurde ich bestätigt. Die eingesetzte Rettungsmedizinerin hatte sogar das Spezialfahrzeug ab alarmiert. Die Boulevardpresse roch in diesen Tagen wieder einmal nach Pechfackeln, säuerlichen Mob, Teer und Federn. Ein besorgniserregender Vorgang. Wie oft musste bereits jemand sein Leben lassen, weil BILD und Konsorten aufhetzten?
Es gibt tatsächlich Leute, die den Klima-Aktivisten/innen einen negativ konnotierten Egoismus vorwerfen. Egoismus lasse ich allerdings gelten. Sie wollen für sich ganz persönlich eine Zukunft. Dem steht der Egoismus derjenigen entgegen, die im Hier und Jetzt gut leben wollen.

Bezüglich der Aktionen im Zusammenhang mit den Kunstwerken überkommt einen ein spontaner Schmerz. Allein schon, weil wir bereits in der Kindheit lernten, alte Werke zu ehren oder zu bewundern. Aber was geht da im Kopf vor? Vor langer Zeit stellte ein/e Malerin, Bildhauer/in die Fähigkeit der menschlichen Kreativität unter Beweis. Oftmals im Auftrag reicher Kaufleute, Fürsten oder hoher Geistlicher. Später kam der Egoismus dazu. Viele Künstler sind davon getrieben, sich und ihr Inneres auszudrücken. Dabei entstanden bemerkenswerte Werke und gleichzeitig eine Menge Zeug, welches nur teuer gehandelt wird, weil ein angesagter Name darauf steht. Picasso heizte zusammen mit Freunden das Atelier mehrere Winter mit Gemälden. Lange Zeit wären die Menschen niemals auf die Idee gekommen, alten Kram, wenn er nicht der Wissensweitergabe an die nächste Generation diente, aufzuheben. Ziemlich oft wurden Gemälde seitens der Obrigkeit zerstört und gleich noch zusätzlich die Maler ins Gefängnis geworfen. Bei jemanden wie Picasso könnte ich mir gut vorstellen, dass ihm die Aktionen gefallen würden. Wenn ich es richtig verstehe, geht es bei den Aktionen um das Erzeugen von Empörung, die das Thema Klima und die andauernde Untätigkeit dauerhaft am Köcheln halten soll. Das funktioniert auf jeden Fall. Und was ist schon passiert? Die Bilder selbst wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen. Nicht einmal die Rahmen sind wirklich zerstört worden. Am Ende geht es mal wieder um schnödes Geld. Sollen sie es sich von einem Hansel holen, der Millionen dafür ausgibt, damit er es sich in den Tresor legen kann. Da finde ich den Anspruch der “Kleber” schon hochwertiger. Und die sich empören, sind zumeist Leute, die niemals ein Museum von Innen sahen, sich mit der Historie des Bildes beschäftigten, oder ohne Hirn und Verstand davor stehen und “Ah” und “Oh” machen. Mal schauen, was die machen, wenn es richtig losgeht.


Den Egoismus als etwas Negatives darzustellen, ist mit Sicherheit auch dem Denken einiger Ideologen geschuldet, die auf Volksgemeinschaften, Nationen und geeinte Gesellschaften setzen. Was soll ich als Mächtiger mit Leuten anfangen, die ihre eigenen Belange, Lebenshaltung und Überzeugungen für wichtiger erachten, als meine Vorgaben? Man stelle sich Soldaten vor, denen das eigene Leben wichtiger ist, als das Schicksal einer Nation. Egoismus ist ein wirksamer Schutz vor Burnout. Erst wer begreift, dass die Aufgabe der eigenen Bedürfnisse in die Krankheit führt, wird gesund leben. Einigen Arbeitgebern missfällt dies. Lieber sind ihnen austauschbare Leute und hoch technisierte Arbeitsplätze, an denen jeder die gestellten Aufgaben bewältigen kann, die ebenso ein dressierter Bonobo hinbekommt. Für mich gehen Egoismus und Freiheit Hand in Hand. Beides kann nicht ohne Verantwortungsübernahme und die Akzeptanz der Grenzen eines anderen, inklusive aller anderen Spezies funktionieren.
Oftmals wird dem Egoismus der Altruismus gegenüber gestellt. Für mich existiert der schlicht nicht. Es gibt kein menschliches Handeln ohne ein Motiv. Helfe ich einem anderen Menschen, beruhige ich mein Gewissen oder will mich gut fühlen. Das ist purer Egoismus! Warum auch nicht? Das Motiv zu helfen und sich daraufhin gut zu fühlen, ist tief in uns verankert. Wer dies nicht verspürt, sollte sich therapeutische Hilfe suchen. Wer sich beispielsweise auf die Straße stellt und “Absaufen” skandiert, hat ernsthafte Probleme. Ebenso wie jemand, der seine Befriedigung über Quälen, Schlagen, erlangt. Wenn mit dem Ego etwas nicht in Ordnung ist, dann wird aufgrund dieser Prämisse, auch der Egoismus zu etwas problematischen. Im Übrigen gilt dies auch für Leute, die sich bei Klimaaktivisten in Gewaltfantasien ergehen oder gar vor Ort gewalttätig werden. Eine Verzögerung über die Unversehrtheit zu stellen, gibt viele Informationen über den geistigen Zustand. Aber es gibt Hoffnung, weil man dagegen etwas tun kann. Ich spreche da aus Erfahrung.

Oktober 21 2022

Die Klima – Aktivisten machen weiter

blue globe with plastic Lesedauer 6 Minuten

In dem Bericht (IPCC-Report) wird ausdrücklich festgestellt, dass ein schrittweiser Wandel keine praktikable Option ist. Er stellt fest, dass individuelle Verhaltensänderungen allein unbedeutend sind. Er stellt fest, dass Gerechtigkeit, Gleichheit und Umverteilung in der Klimapolitik von entscheidender Bedeutung sind.

https://scientistrebellion.com/we-leaked-the-upcoming-ipcc-report/

Nicht nur das sie weitermachen, sie bekommen auch noch Unterstützung. Als ich las, dass sich neben den jungen Aktivisten 50 Vertreter von Scientist Rebellion am Protest im Eingangsbereich des Bundesverkehrsministeriums in Berlin-Mitte beteiligten, war ich hocherfreut. Endlich! Der Berliner Tagesspiegel titelte hierzu: Aktivisten beschmieren Verkehrsministerium – Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. Die symbolisch vergossene rote Substanz entpuppte sich als Rote – Beete – Saft (Huh!). Benjamin Jendro, Pressesprecher der Polizeigewerkschaft GdP – Berlin ließ verlauten: „Mit dem Bundesverkehrsministerium hat es am Dienstag bereits das zweite Bundesministerium im Wohlfühl – Biotop für Guerilla-Aktionen im Zeichen des Klimas getroffen und es ist eben auch kein Zufall, dass Menschen dafür extra nach Berlin kommen.“ [1]https://www.tagesspiegel.de/berlin/blockade-aktion-von-scientist-rebellion-klimaaktivisten-beschmieren-bundesverkehrsministerium-in-berlin-8764672.htmlWelche Gründe er dafür sieht, konkretisierte er anlässlich einer anderen Situation dem RBB mit den Worten “dass sich einzelne Menschen weiterhin täglich irgendwo hinkleben und massiv in den Alltag von Tausenden eingreifen, wenn der Rechtsstaat ihnen keine echten Grenzen aufzeigt”[2]https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/10/berlin-a100-klimakleber-blockade.html. Konkret wurmt ihm dabei augenscheinlich ein Urteil des Amtsgerichts Tiergarten, welches einen Blockierer wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von 600 EUR verurteilte. Urteilschelte seitens der Polizei ist immer ein schwieriges Unterfangen. Es wird Gründe geben, warum wir in Deutschland Richter und Polizei auseinanderhalten. Früher war ich damit auch schnell bei der Hand. Aber mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das ganz gut so ist.

Zwei Annahmen stehen damit im Raum. Die Aktivisten und die rebellierenden, renommierten, Wissenschaftler (Die Mitglieder stammen von allen Kontinenten und außerdem sind nahezu alle namhaften Universitäten vertreten.) getrauen sich nicht in anderen Bundesländern aktiv zu werden und hohe Strafen, womöglich Haftstrafen, würden sie abhalten. Ich behaupte mal, dass sich irgendwo anzukleben, sich mit der Staatsgewalt anzulegen, von wütenden Bürgern drangsaliert zu werden und von Uniformierten unsachgemäß physiotherapeutische Behandlungen zu bekommen, kein Spaß ist. Man muss schon von einer Sache sehr überzeugt sein, um dies zu machen. Wer wissen will, wo sich weltweit noch andere Wohlfühl – Biotope befinden, kann dies auf der Seite von scientistrebellion.com nachlesen. Aber wie schrieb Saul D. Alinsky, der Godfather der amerikanischen Bürgerproteste? Es kann einem Aktivisten nichts Besseres passieren, als beim Eintreffen in der Stadt von der Polizei festgenommen zu werden. Mir scheint, dass da den Funktionären innerhalb der GdP ein wenig das Einfühlungsvermögen fehlt. Meiner Kenntnis nach ist Berlin immer noch der Sitz der Bundesregierung, somit der passende Platz für Proteste gegen das Gebaren bezüglich der Politik in Sachen Verminderung der schädlichen Eingriffe in unsere Lebensgrundlagen. Wo sonst? In Neuruppin? Cottbus oder Fallingbostel? Dass die GdP die Aktionen nicht toll findet und es auch nicht darf, ist nachvollziehbar. Aber die Wortwahl und Rhetorik ist arg bedenklich. Sie riecht ein wenig muffig nach 70er – Jahre, in denen die langhaarigen Gammler lieber einer ordentlichen Arbeit nachgehen sollten, als auf der Straße und mit Transparenten bewaffnet der Staatsmacht die Stirn zu bieten.

Auch die mühsam zusammengebastelte Rhetorik bezüglich der Verkehrsbehinderung wirkt auf mich nicht überzeugend. Mehr als der Rettungswagen, welcher angeblich satte 10 Minuten später eintrifft, kommt da nicht. Ich bin selbst oft genug mit Sonder – und Wegerechten durch die Stadt gefahren. Im Zweifel kommt der durch oder nimmt eine andere Strecke. Und ganz nebenbei braucht es beim Berliner Verkehr keine Aktivisten, damit ein behindernder Stau entsteht. Auf der Tatsache, dass in den letzten Jahren mittels Sparmaßnahmen die Anfahrtszeiten verlängert wurden, will ich gar nicht herumreiten. Nein, es geht um etwas anderes. Die Aktionen bringen die Ordnung durcheinander und das kann Ordnungshütern nicht gefallen. Die drögen Kommentare unter den Facebook – Beiträgen der GdP runden das Bild ab. Gern wird da auch mal etwas von Öko – Terroristen fabuliert. Terror ist immer noch die Sache mit Angst und Schrecken. Wenn ich das bereits mit einer Straßenblockade oder einer Aktion an einem Bundesministerium schaffe – dann gute Nacht! Ab und zu werden die Überstunden der Polizisten und Polizistinnen angeführt. Das Ablösen und Wegtragen von Demonstranten ist bezahlte Dienstzeit, die schlimmer ausgestaltet sein könnte. Die Nachwuchssorgen und fehlenden Dienstkräfte könnten eventuell an politischen Entscheidungen und mangelnder Attraktivität der Polizei liegen. Aber natürlich könnten auch die Aktivisten demnächst mal nachfragen, ob alles irgendwie in den Dienstplan passt. Ernsthaft, da fasse ich mir an den Kopf. Die Hütte brennt in mehreren Ecken und die sich noch nicht einnebeln ließen, sollen sich doch bitte ruhig verhalten, damit die Jungs und Mädels in Uniform auch mal wieder aus den Klamotten herauskommen? Hat irgendjemand mal diesen merkwürdig strukturierten Querdenkern gesagt, sie sollen nach Hause gehen, weil sie zu viele Überstunden produzieren? Und die hatten nur abgehalfterte wissenschaftliche Drittbänker, die an der Uni das Büro mit dem Kopierer im Raum bekommen, dabei.
Immer gern gelesen sind auch die Kandidaten, die auf die Versäumnisse bzw. Sünden anderer Länder hinweisen. Erstens gilt die deutsche Redewendung: Erst einmal an die eigene Nase fassen oder vor der eigenen Haustür kehren; zweitens ist das Fehlverhalten eines anderen keine Entschuldigung für eigene Missetaten. Sogar wenn ein Aktivist nach beendeten Protest in einen SUV einsteigt, sind die angemahnten Versäumnisse immer noch existent.

Nicht die Aktivisten oder die Wissenschaftler sind das Problem. Erschreckend ist, dass die breite Masse immer noch nicht den Knall gehört hat. Mit kreisrund offen stehenden Mündern bestaunen sie technische Innovationen, können nicht begreifen, mit welcher Präzision entfernte Himmelskörper bestimmt werden und kapitulieren in der Schule bereits auf dem Niveau der 10en – Klasse im Physikunterricht, aber wenn es ums Klima geht, haben alle Wahnvorstellungen. Und es geht nicht nur ums Klima. Hinzu kommen Artendiversität, Seuchen, weil der Mensch der Tierwelt immer weniger Platz lässt, Verseuchungen durch atomaren Müll, Emissionen und Plastikabfälle. Die Leute lassen sich jede noch so windige Rhetorik gefallen, wenn sie ihnen weiteren Wohlstand, Überfluss, Wachstum, verspricht. Alles, was dagegen spricht, kann nicht und darf nicht stimmen.

Noch vor einigen Jahren wurde die Politikverdrossenheit der Jugend kritisiert. Ich denke, damit war nicht wirklich die Politik gemeint. Erwartet wurde das Engagement zur Gestaltung von Strukturen, mit denen das Bruttosozialprodukt, das Wachstum und die stumpfe Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse verbessert werden können. Es mag sein, dass die unter Umständen noch nicht die volle Tragweite ihrer Forderungen verstanden haben. Abstriche werden wir auf kurz oder lang alle erleben. Da mittlerweile von 4 Grad Steigerung die Rede ist, steht das volle Programm an. Würden wir uns weltweit alle beschränken, hätten wir wenigstens die Chance eine Zukunft für die Leute in 60 Jahren hinzubekommen. Dabei soll mir niemand etwas von anderen Ländern erzählen. Deutschland hat international an sehr vielen Stellen die Finger mit im Spiel. Mir wäre neu, dass eine Olympiade in China boykottiert wurde oder die Deutsche Nationalmannschaft nicht nach Qatar fliegt. Da hilft auch nicht, was ein Clown wie Uli Hoeneß von sich gibt, wenn er sich und den 1. FC Bayern quasi als göttliche Heilsbringer darstellt.

Ich selbst bin ein desillusionierter, fauler, fatalistisch eingestellter, alter Sack. Bei mir sind nach einer Demo zwei Tage Knochenpflege angesagt. Aber ich habe auch gesagt, dass ich mich nicht mehr aufrichtig und überzeugten Jüngeren, die es noch einmal herumreißen wollen, in den Weg stelle. Mir zeigen die Aktivisten, dass noch nicht alle abgestumpft und der Technokratie verfallen sind. Die Wissenschaftler*innen könnten genauso gut mit den Schultern zucken und sagen: “Unser Job war es, Euch zu sagen, wie es aussieht! Die Höhepunkte werden wir aufgrund des Lebensalters auch nicht mehr erleben. Also was soll’s?” Gut, dass es solche Leute noch gibt, die stattdessen einem Bundesministerium auf den Zünder gehen. Von meiner Gewerkschaft – Ja, ich bin seit 1987 Mitglied – bin ich enttäuscht. Nach all den Jahren mit Friedensbewegung, AKW – Protesten, Straßenschlachten, Blockaden, hätte ich mehr Weitsicht erwartet. Ein wenig frage ich mich auch, was in den Medien los ist. Allein, wenn die Frage kommt: Was kann man gegen die Aktivisten unternehmen? Schwillt bei mir der Kamm. Nein, wir reden nicht von einem lästigen Ausschlag. Auch nicht über Rechtsradikale, Schwerkriminelle, Terroristen. Es geht um Töchter und Söhne, die erkennen, dass sie in diesem Staat keine Lobby besitzen und Demokratien keineswegs immer die besten Entscheidungen treffen, sondern Geld, Macht, Demagogen, eine große Rolle spielen. Sie begleitend, um wütende Wissenschaftler, die jeden Tag vor Augen haben, was im geringsten Fall und innerhalb eines Worst-Case-Szenarios passieren wird. Aber klar, die kann man auch mal alle als erlebnisorientierte verstrahlte Spinner abtun, die Straftaten begehen. Nennt sich dann wahrscheinlich kostenneutrale Beteiligung an einer Diffamierungskampagne. Oder warum ist eigentlich keiner mal auf die Idee gekommen, statt die Polizeigewerkschaft eine/n, mehrere, Aktivisten zu interviewen?

In einem Kommentar bei Facebook schrieb ich, dass es Zeiten gibt, in denen die Legitimität von Handlungen erst in Zukunft entschieden wird. Man muss selbst wissen, für welche Seite man sich entscheidet. Im Hier und Jetzt kann keiner mit Sicherheit sagen, ob man später als Held, Opfer, Mitläufer oder Täter betrachtet wird. Aber wen interessiert schon eine Zukunft, die sie oder er nicht mehr selbst erlebt? Kollege, jetzt fallen die Überstunden an, nicht übermorgen. Na mal schauen, wie viele Überstunden manche noch erleben werden, weil die Aktivisten richtig liegen und man hätte auf sie hören sollen. Gleichfalls gönne ich auch allen die freundlichen Auseinandersetzungen mit dem Nachwuchs. “Mama, Papa, Opa, Oma, wie war das eigentlich mit Dir damals?” Ich kenne die Antwort heute schon: “Ach Kind, wir wussten es ja nicht besser. Das waren andere Zeiten.”

Juli 2 2022

Immer noch illegal

shallow focus photography of cannabis plant Lesedauer 8 Minuten

In Sachen Cannabis ist die aktuelle Ampel-Koalition mit einem großen Wählerversprechen angetreten: Wir werden Cannabis legalisieren. Allerdings scheint bisher nicht einmal eine Entkriminalisierung in Sicht zu sein. Ich erwartete nichts anderes. Ein Land, in dem sich selbst der Verkauf gängiger Schmerzmittel kompliziert gestaltet, tut sich schwer damit. Wenn ich in Polen an einer Kasse stehe und dort Aspirin neben Ibuprofen liegen sehe, frage ich mich stets, ob deutsche Zeitgenossen und Genossinnen mit politischen Gestaltungswillen, ihre Mitmenschen für besonders dämlich halten, oder sie ihre Rolle ein wenig zu erzieherisch anlegen.
Ich kann mich seit meiner Jugend an keine Zeit erinnern, in der Drogen nicht irgendwie eine Rolle spielten. Auf den Partys wurde mit der Pubertät Alkohol getrunken und die ersten Joints gingen herum, als ich um die 16 Jahre war. Mit Mitte der 80er kombinierten die ersten Freunde Kokain, MDMA, XTC, Alkohol und Cannabis. Jetzt wo ich nochmals die Zeit Revue passieren lasse, fällt mir ein, dass zwei Mitschüler bereits in der 7en Klasse Klebstoff schnüffelten. So viel ich weiß ist einer von beiden „abgedriftet“ und der andere wurde später Drogenberater. Einige Grundregeln lernte ich in all den Jahren: „Nicht die Droge sucht sich den Konsumenten, sondern es läuft andersherum.“ Gleichsam gilt: „Ob jemand süchtig wird, ist in der Persönlichkeit begründet und hat sekundär etwas mit der Substanz zu tun.“ Nunmehr bin ich Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Aus Überzeugung heraus begann ich bei beiden recht früh mit einer offenen Aufklärung über Drogen. Mir war dabei immer bewusst, dass diese Verbotsfaselei im günstigsten Fall unbeachtet verhallt; im schlechtesten kontraproduktiv ist. Ich sagte ihnen Dinge wie: „Ihr werdet Alkohol trinken, das ist sicher. Aber wenn ihr trinkt, gebt dem Zeug eine Chance für die Wirkung. Ein Glas, warten, kurzer Body – u. Gehirnscan, dann kann es weiter gehen. Wenn ihr andere Drogen nehmt, bleibt dabei niemals alleine und Finger weg von den Sachen, die ein Chemiestudent im 4en Semester zusammen kocht.“ So weit ich noch einen Einblick in ihr Leben habe, scheint mein Plan aufgegangen zu sein. Ich halte nichts von Wunschvorstellungen, die sich jenseits der realistischen Verhältnisse befinden. Insofern es mir möglich war, beschrieb ich ihnen die Wirkungen der in unseren Breitengraden kursierenden Drogen. Mir wurde in der Jugend eine Menge Humbug erzählt. Cannabis, LSD, Captagon, XTC, Kokain, Heroin, wurden zum bösen Einheitsbrei, während Alkohol, kontrolliert eingenommen, durchging. Erst mein Onkel, schwer heroinabhängig, sagte mir eindringlich: „Alles begann mit dem ersten Bier!“ Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, vielleicht der Reiz einer Welt jenseits des als spießig empfundenen Elternhauses, ein Eindruck, der oftmals aus dem Versteckspiel gegenüber den Kindern resultiert, die Flucht vor einem Leben, welches einem seitens der Gesellschaft aufgedrückt wird, aber ziemlich unmenschlich wirkt, sind beim Einstieg die wichtigen Faktoren. Aber auch die Frusttoleranz, die Fähigkeit, mit Kummer, Trauer, Liebe, Emotionen, umgehen zu können, gehören dazu.

Das Einnehmen von Drogen unter Strafe zu stellen, ist ein bemerkenswertes Konstrukt. Immerhin schädigt sich jeder mit der Einnahme ausschließlich selbst. In allen anderen Gesetzen geht es immer darum, mittels Strafandrohungen Schaden von anderen abzuwehren oder bereits entstandenen zu sühnen. Nun gut, das passt zur Geschichte des Verbots. Nachdem religiöse Eiferer im Schulterschluss mit Industriellen am Alkoholverbot gescheitert waren, erschien plötzlich eine komplette US-amerikanische Behörde gegenstandslos. Der Alkohol minderte aus Sicht der Industrie-Bosse die Arbeitskraft der armen Männer und Frauen, die unter heute inakzeptablen Verhältnissen schufteten. Die Fanatiker sahen die Gottesfürchtigkeit gefährdet. Aber ein Al Capone begriff, dass das ein Kampf gegen die menschliche Natur werden würde und machte ein Geschäftsmodell daraus. Doch, wenn die kollektiv schwer in ihrer Persönlichkeit gestörten amerikanischen Evangelikalen und Rechts-Konservativen schon nicht den Alkohol verbieten konnten, gab es immerhin noch dieses böse Kraut, welches all die rauchten, die quasi den Gegenentwurf lebten. Wie immer in solchen Fällen wurde eine gigantische Propaganda-Kampagne gestartet. Bis heute wirkt sie nach. Cannabis-Raucher/innen sind faul, langsam, desinteressiert, vergesslich und sind schwer für Anstrengungen zu begeistern. Mit anderen Worten, der Albtraum des kapitalistischen Bürgertums. Während bei den Trinkern und Trinkerinnen die Werbebranche beidbeinig ins Geschäft sprang und den Alkohol zu einem Elixier des Erfolgs, Genussmittel und angeblichen Kulturgut werden ließ, dämonisierte man Cannabis. Die jährliche Krönung einer Cannabis-Königin, Messe-Verköstigungen mit aufgedonnerten Hostessen und Männern in abgewetzten Anzügen, sonst Alkoholiker, an der Stelle dann Hardcore-Bong-Raucher, die die Vorzüge der frischen Ernte anpreisen, sind schwer vorstellbar. Die Pflanze passt einigen anderen über das Rauschmittel hinaus nicht ins Konzept. Sie ist ein Multitalent und greift in mehrere Geschäftszweige hinein. Die Fasern sind in diversen Anwendungsbereichen synthetischen Produkten ebenbürtig und darüber hinaus kein schädlicher Eingriff in die Ökologie.
Ich denke, beim Verbot gehen einige miteinander Hand in Hand. Da wären die Missionare und Missionarinnen, welche davon beseelt sind, dem Rest der Welt ihre Vorstellungen aufzudrücken. Sie sind in die Politik und in die Ämter gegangen, um hierfür die notwendigen Machtmittel zu bekommen. Ich habe noch nie verstanden, was Menschen antreibt, die sich in die ureigensten Belange anderer einmischen. Solange jemand mit seinen Handlungen bei sich bleibt, kann sie/er tun und lassen, was sie/er will. Relevant wird es erst, wenn ein/e zweite/r involviert ist. Wer Drogen nehmen will, soll es tun und wer sich das Leben nehmen will, kann dies auch machen. Alledem geht eine lange Geschichte voraus.

Drogen lassen sich niemals getrennt von den gesellschaftlichen Prozessen betrachten. Noch heute ist es in vielen Kreisen ein Zeichen von Stärke, wenn man große Mengen Alkohol verträgt. Alkoholkonsum ist an der Stelle ein Spiel. Mitspieler sind die Trinkenden, das Barpersonal und die kritisierenden Mitmenschen. Man trifft sich, trinkt, baut Mist, der später als lustige Suffgeschichte verkauft wird, erwacht und holt sich den Ärger der Leute ab, die einen verkatert ertragen müssen. Oder es handelt sich um das ungezwungene Gespräch nach dem strengen Protokoll, bei dem endlich mal Tacheles gesprochen wird. Wer keinen Alkohol trinkt, wird schräg angesehen. Im Gegenzuge habe ich noch keine „Kiffergelage“ erlebt, bei dem ein Wettstreit über die Anzahl der gerauchten Joints oder Bongs ausbrach. Kokain taucht meistens in Kombination mit Alkohol auf. Es ermöglicht ein Trinken weit über das normale Limit hinaus. Das passt wunderbar zum Lifestyle der Hedonisten. Schneller Erfolg, hartes Business, schnelles Geld, keine Moral oder Ethik, immer auf der Autobahn unterwegs. Am besten noch mit dem Laptop im Zug schnell die Präsentation vorbereiten, die Aktienkurse verfolgen, sich bei der Frau entschuldigen, schnellen unkomplizierten Sex mit Gleichgesinnten, eben alles, was in einigen Kreisen als Erfolgsnummer gilt.

Wenn man sich mit Befürwortern der Drogenkontrolle unterhält, lohnt es sich, sie ein wenig intensiver auszuleuchten. Warum sehen sie sich dazu berufen, eine Unterscheidung vorzunehmen und auch noch unter dem Deckmantel andere schützen zu wollen, ein Verbot erlassen? Ein Verbot, welches Geldstrafen, Haftstrafen, jede Menge Ärger, Beschädigung des Images, Zerstörung beruflicher Laufbahnen und Biografien, nach sich zieht. Ganz nebenbei auch Verbote, die erst einen Anreiz bedingen. Ist dies alles wirklich ein Schutz? Wenn ich einem Jugendlichen, dem ich das Rauchen verboten habe, eine Ohrfeige gebe, erreiche ich dann etwas? Wäre nicht die Frage, warum es dazu gekommen ist und welche Motive den Antrieb gaben, viel besser? Und ist die verbietende Person Abstinenzler? Ich erlebte mal Michel Friedman bei einem Vortrag vor Freimaurern. Das Thema lautete: Angst! Er sagte dort: „Meine Angst vom Rauchen Krebs zu bekommen, wird von der Angst übertroffen, wie ein Nichtraucher zu werden.“ Die Haltung kann ich nachvollziehen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber oftmals neigen die zur Intoleranz und einem penetranten Sendungsbedürfnis. Kaum einer lebt in einer industrialisierten Gesellschaft ein wirklich dem menschlichen Wesen und seiner Gesundheit zuträgliches Leben. Da mische ich mich bei denen auch nicht ein.
Menschen sind in der Regel nicht echte Altruisten. Aus allem, was wir tun, ziehen wir in irgendeiner Form unsere Befriedigung. Sei es nur, dass ich einem anderen Menschen helfe, um mich damit besser zu fühlen. Ich kann es aber auch lassen und mir damit suggerieren, was ich doch für ein harter Hund bin, der emotional über den Dingen steht. Die sich da ihn Verboten ergehen, wollen sich auch die Befriedigung für ein Bedürfnis einholen. Gleiches gilt für Regulierungen. Bereits die Option, dies überhaupt tun zu können, setzt sie ein bis zwei Etagen über die anderen. Meiner Erfahrung nach, ein ziemlich starker Antrieb. Insofern die Notwendigkeit besteht, weil es das soziale Leben zu regeln gilt, lasse ich mir das gefallen. Aber nicht, wenn es um das pure Selbst geht. Mir wäre neu, dass sich diese Leute um andere Belange ähnlich umfassende Gedanken machen. Die Entfremdung, die immer komplizierte werdende Suche nach einer Identität, dem tatsächlichen Wirken in der Gesellschaft, die Reduzierung von Stress, der ernstgemeinte Ansatz, die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten anzugehen, welche Millionen von Menschen in ein Leben treiben, welches als äußerst ungesund zu bezeichnen ist, sparen sie aus.

Prohibition funktioniert ausschließlich über Macht, Machtmittel, Gewaltausübung, willkürlicher Auswahl, und mittels Zeitgenossen, die bereit sind, damit zu arbeiten. Deshalb muss ich mir beide Seiten anschauen. Es erscheint mir fraglich, ob diejenigen, welche sich dazu berufen fühlen, frei von bedenklichen Störungen sind. Wären sie es, gelte ihr Anspruch einer Überzeugungsarbeit, der Veränderung der bedingenden Faktoren und der realistischen Hinnahme der menschlichen Natur. Drogenkonsum zu verbieten kommt einem Gesetz gleich, in dem bei Strafe die Onanie untersagt wird. Dabei auch noch ausgerechnet den wahrlich schädlichen Alkohol und Nikotin zu erlauben, ist schlicht absurd.
All die ganzen Studien zum Thema Drogen sind meiner Auffassung nach Müll. Ein voll entwickelter Mensch weiß um die Schädlichkeit von Giften. Bereits Paracelsus formulierte die berühmten Worte: “Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift.” Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.” Sei es nun Cannabis oder Alkohol, von einer völligen Unschädlichkeit auszugehen, passiert vermutlich sehr wenigen Menschen. Oftmals sind bei Drogen Doppelwirkungen bekannt. Mal wünscheswerte positive bzw. u.U. heilende Wirkungen, andererseits schädliche die Gesundheit gefährdende. Auch ohne Arzt oder Wissenschaftler zu sein, vermute ich einen schwierigen Nachweis, was denn nun im Leben eines Menschen zum Beispiel konkret eine Psychose auslöste oder den Nährboden bereitete. Rein subjektiv betrachtet erscheint mir der Alkohol als eine der übelsten Drogen. Ob legal oder illegal, ist er recht schnell verfügbar und bietet beim Missbrauch, schnell die erwünschte Wirkung an, die relativ einfach aufrecht erhalten werden kann. Kurz: Je nach Problemfeld schießt er die Leute zuverlässig ab. Heroin bedarf einer gewissen Überwindung und die Wirkung ist zeitlich ziemlich begrenzt, so dass ein neuer Schuß notwendig wird. Aber wie auch immer geht es beim Missbrauch stets um das ausklinken. Ein Therapeut fragte mich mal, ob mir mal die Ähnlichkeiten zwischen einem Säugling und einem Alkoholiker aufgefallen sind.
Sich mit Cannabis völlig aus dem Rennen zu nehmen, ist eher schwierig und wäre nicht meine erste Wahl. Dabei fällt mir bei Cannabis-Konsumenten immer wieder die hohe Anzahl Intellektueller, hervorragend ausgebildeter Leute und die damit verbundene Empathie auf. Doch auch bei Cannabis sollte man wissen, was man da tut. Etwas schräg ist die offizielle Bewertung im Verhältnis zu Alkohol. Mir ist die egal. Jugendliche Trinker sind mit absoluter Sicherheit in jeder Hinsicht gefährdeter, abgesehen von anderen aufputschenden Drogen, als alle anderen. Was sie in Gefahr bringt, der Verkehr, die Aggressivität, die Enthemmung oder die toxische Wirkung ist dabei irrelevant. Verbote bringen weiterhin eine Dynamik mit. Ganz praktisch erlebte ich das in Malaysia. Die Underground-Szene der Jüngeren, welche sich durch die restriktiven Bedingungen der muslimisch geprägten bürgerlichen Gesellschaft, exzessiv Drogen zu wenden, bevorzugen i.d.R. Cannabis. Durch die Verfolgung kommt es entweder zu einem Mangel oder sie weichen aus Angst vor gezielten Urin-Kontrollen auf andere Drogen aus, die nicht getestet werden. Oftmals ist dies ein Cocktail aus heimischen Pflanzen, Pilzen und Medikamenten. Der Weg zum Heroin ist dann nicht mehr weit. Therapieeinrichtungen existieren fast gar nicht und wenn doch, wird meistens die Droge durch religiösen Fanatismus eingetauscht. Zwischen Drogenmissbrauch und dem genannten reiligiösen Fanatismus ist ein schmaler Grat. Begründet ist dies in der Ursache für den Missbrauch. Die Religion soll Antworten geben und den Druck aus der Seele nehmen.

Mir erscheint eine gesellschaftliche Analyse und Behebung der den Missbrauch bedingenden Misststände deutlich zielführender, als Repression und Prohibition. Sag mir, welche Drogen in einer Gesellschaft bevorzugt konsumiert werden und ich erzähle Dir, wie der Zustand des jeweiligen Systems aussieht. Ein gewisses Maß an Konsum wird es immer geben. Leider gibt es kaum Anzeichen dafür, dass über eine Analyse hinaus auch Änderungen angestrebt werden. Viel einfacher ist die Repression und Geld lässt sich damit auch ganz gut verdienen. Ebenso wachsen in unserem Gesellschaftssystem stetig Charaktere heran, die sich mangels natürlicher Autorität und Überzeugungskraft, über institutionell vergebener Macht definieren und sich durch die beschriebenen willkürlichen Verbote, über andere erheben. Ehrlicherweise muss ich anfügen, dass ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass ein beklagenswerter Zustand eingetreten ist, der Änderungen äußerst gefährlich werden lässt. Große Anteile der Gesellschaft haben sich daran gewöhnt und verlernt, anders zu leben. Was nicht verboten wurde, ist erlaubt und kann nicht schädlich sein. Über Jahrzehnte hinweg wurde in beiden deutschen Staaten auf unterschiedliche Art und Weise alles an die Institutionen und deren Verwaltungen übergeben. Parallel wirkt auf alle seit Jahrzehnten ein Kanon von Manipulationen ein. Aber gut, meine Haltung zum Kapitalismus und den Auswirkungen ist jedem, der ab und zu hier mitliest, hinreichend bekannt.

Die Cannabis-Lobby setzt auf den Kapitalismus. Ich bin da skeptisch. Bei einer Legalisierung verdienen Neue und alte Alte erfahren Einbrüche. Letztere werden sich zu verteidigen wissen. An der Prohibition hängt weltweit ein riesiger Apparat, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Der gibt nicht einfach kampflos auf.

April 19 2022

Pazifismus

Lesedauer 13 Minuten„Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss.“

Sun Zi
Chinesischer General, vermutl. 543 v. Chr. – 495 v. Chr.

Eine Weltanschauung, wie der Pazifismus, hat derzeit keinen leichten Stand. Da hilft es es auch nicht, wenn die Christen zu Ostern die Auferstehung eines Heilands oder den Sohn Gottes feiern. Wobei sich in den letzten Tagen wieder einmal zeigte, wie wenig Christen ihre eigene Religion verstehen. Sich Gott als eine Figur vorzustellen, daraus einen Mann, einen Vater zu machen, am besten noch als einen alten Mann mit weißen Haaren und dann darüber auch noch eine Gender-Diskussion anzustreben, ist freundlich ausgedrückt ziemlich simpel. Auf diese Art brachte man damals seitens der katholischen Kirche dem einfachen Volk die christliche Weltanschauung bei. Gott ist abstrakt, ein Neutrum und Sohn bedeutet im eigentlichen Sinne, dass sich das Abstrakte in Menschengestalt manifestierte. Michelangelo war ein Genie, aber bei den Bildern im Kopf, auch Kind seiner Zeit. Dieser Exkurs nur am Rande zur Darstellung, wo sich Teile der Gesellschaft derzeit befinden.

Das dialektische Gegenteil oder auch Antonym des Pazifismus ist der Bellizismus. Einmal die Ablehnung des Krieges und auf der anderen Seite die Befürwortung. Die vollkommene Ablehnung von Gewalt, auch in einer Notwehr – oder Nothilfesituation, ist eine Spielart des Pazifismus. Wie immer, wenn Gedankengänge unter einem einzigen Begriff zusammengefasst werden, wird es unscharf. Also worum geht es denn eigentlich?
Seit tausenden von Jahren machen sich Menschen Gedanken über Krieg und Gewalt. Lao Tze soll beispielsweise gesagt haben: “Ich kann nicht viel voraussagen, aber wer die Gewalt bevorzugt, wird eines gewalttätigen Todes sterben.” Ich bleibe an der Stelle die Quelle schuldig. Es steht irgendwo im “Tao des Lebens”. Er und diverse andere, inklusive Buddha und Konfuzius, wiesen stets auf die Wechselwirkung hin. Bin ich gewalttätig, löse ich weitere Gewalt aus. Das ist logisch nachvollziehbar und bedeutet in der Konsequenz, dass ich für den Fall, dass ich keine Gewalt haben will, selbst keine ausüben darf. In einem idealen theoretischen Gedankenmodell, endet die Gewalt, wenn sich alle daran halten. Nicht mehr oder weniger besagt der Pazifismus. Fraglich ist, wie ich mich verhalte, wenn ich angegriffen werde, also ein anderer die Wechselwirkung nicht berücksichtigt. Selbst Sun Zi, der General und Schöpfer des Werks “Die Kunst des Krieges” hatte einen gesunden Respekt davor. Doch er sah auch die Notwendigkeit, unter Umständen in den Krieg zu ziehen.

Folge ich der Logik, erfolgt durch die Wechselwirkung weitere Gewalt. Nehme ich mir einen gedanklichen Nullpunkt, startet die Gewalt also nicht mit dem Pazifismus, sondern mit dem Bellizismus. Es ist ein sich verzweigendes Ablaufdiagramm, bei dem an der obersten Position zwei Entscheidungen möglich sind. Entscheide ich mich zusammen mit allen anderen für den Pazifismus, endet damit auch schon alles und jeder lebt in Frieden. Der Bellizismus wird sich über eine lange Strecke nach unten weiter verzweigen. Demnach kann der Pazifismus bis hierin für friedliebende Menschen die einzig richtige Entscheidung sein. Aber verpflichtet mich diese Haltung zum Verzicht auf eine Gegenwehr?

In jeder Religion stößt man dabei schnell auf Widersprüche. Zum Beispiel ist für Buddhisten das jetzt geführte Leben lediglich eine Art Episode, somit eine flüchtige Begebenheit innerhalb eines größeren Zusammenhangs, innerhalb derer, wie auch in allen anderen vorhergehenden und noch kommenden, das Karma geformt wird. Solange, bis man es salopp gesagt: Endlich verstanden hat! Jeder kennt die sagenhaften Kampfkünste der Shaolin. Alles was sie tun ist auf Verteidigung ausgerichtet. Sie haben nicht die Ursache gesetzt, aber sind durchaus in der Lage sich zu verteidigen. Doch wäre es nicht konsequent für das eigene Karma auf eine Gewaltanwendung, zu verzichten, um dann in der nächsten “Episode” auf einem neuen höheren Level, weiterzumachen?
Im christlichen Glauben sieht es nicht viel anders aus. Einerseits soll man nicht töten und im Zweifel die andere Wange hinhalten, andererseits ist die Rede von Auge um Auge, Zahn um Zahn. Im alten Testament ist eine Menge legitime Gewalt geschildert. Hauptsache, Gott hatte sie irgendjemand befohlen. Dann ging es immer richtig zur Sache. An sich eine schlüssige Konzeption. Was man auch bei ein paar tausend Jahren Entwicklungszeit erwarten darf. Töte ich konsequent alle, die sich nicht an die Vorgabe Pazifismus halten, setze ich alles wieder auf Null. Sollte ich es als Laie in Sachen Christentum richtig verstanden haben, läuft es in der Bibel darauf immer hinaus. Beim Propheten Hesekiel spricht Gott von all dem Gräuel und fordert, dass alle, die damit ein Problem haben, gekennzeichnet werden sollen und alle ohne Zeichen im Nachgang erwürgt werden müssen. Warum nicht alles belassen, wie es ist und den Job Satan in der Hölle überlassen. Ja, ich weiß, die Hölle ist eine recht späte Erfindung des Christentums und der Teufel, Luzifer, der gefallene Engel, noch später. Wie einfach hatten es da doch die Wikinger? Ein ordentlicher Tod im Kampf war eine gute Sache. Die Griechen setzten auf die Nachkommen. Bei der Erzählung über die Irrfahrten des Odysseus tröstet Achilles den Helden in der Unterwelt mit dem Hinweis, dass die Lebenden respektvoll über ihn sprechen. All dies scheinen mir Ideen von Typen zu sein, die irgendwie den Krieg, den keiner wirklich wollte, schmackhaft zu machen. Da fand ich die Episode bei Sketch History, in der Alexander der Große versucht seine Armee zu motivieren, während die nicht so richtig wollen, ziemlich amüsant. Machen wir uns nichts vor, wenn um Dich herum die ersten Leichen verwesen, Leute mit heraushängenden Gedärmen unter Stöhnen verrecken, gehen Achilles die Argumente aus.

Ich habe mir zu diesen Ungereimtheiten meine eigene These zu Recht gelegt. Buddha soll zu seinen Schülern gesagt haben, dass sie die Letzten wären, welche seine tatsächlichen Worte zu hören bekommen. Später werden sie aufgeschrieben werden und jeder fügt seine Interpretation hinzu oder ergänzt im eigenen Sinne. Selbst wenn er es nicht gesagt haben sollte, hat der Urheber dieser Worte Wahres gesprochen. Immer, wenn etwas nicht mit der Grundidee zusammen passen will, besteht der Verdacht einer nachträglichen Änderung. Selbst Buddha, der Lehrer, war nicht frei von Zwängen. In einem hinduistisch geprägten Gesellschaftsgefüge radikal alles auf den Kopf zu stellen, wäre äußerst unklug gewesen. Seine Botschaften wären in Empörung untergegangen.

Die Nummer mit dem Sterben, vor allem im Krieg, und den Religionen ist ohnehin eine eher zweifelhafte Angelegenheit. Wenn es mir zu Lebzeiten dreckig geht, alldieweil sich eine wenige ein gutes Leben gönnen und dafür über Leichen gehen, wird mir unterdessen eine bessere Zukunft im Jenseits vorausgesagt, während der sündige “Brutalinski” oder “Despot”, nach seinem Tod in der Hölle schmort, riecht verdächtig nach einer Konstruktion, die von Typen erfunden wurde, welche zu Lebzeiten unbehelligt andere ausbeuten wollten. Im Ursprung nachvollziehbar. Wenn ich als Sklave (Hebräer/Ägypten) geboren werde, brauche ich irgendetwas, woran ich mich hochziehen kann. Später kam dies einigen sehr entgegen (Absolutismus/Katholische Kirche).
Der Buddhismus erscheint einem auch erstmal ziemlich suspekt. Nichts zu besitzen, soll besser sein als Reichtum? Klingt erst einmal nach Christian Lindner & Friends, weil sie damit dem unvermögenden Pöbel die Lebenssituation attraktiv machen wollen, während sie sich mit kreativen Wirtschaftsmodellen bedienen. Wenn man etwas tiefer einsteigt, wird es logisch. An vergänglichen Dingen festzuhalten und das Leben an ihnen auszurichten, führt zwingend zu einer Frustration (Leid), die spätestens mit der konkreten Erkenntnis, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, eintritt.
Hinzu kommt, dass viele Kulturen in Abwandlungen die Weisheit “Wer Wind sät, wird Sturm ernten!”, kennen. In Asien heißt es: “Wer einen Mangobaum pflanzt, darf keine Bananenstauden erwarten.”

Der Übeltäter mag ja glücklich sein, solange er nicht erntet, was er gesät hat, aber sobald es ans Ernten geht, übermannt ihn der Kummer. Der Gute mag ja leiden, solange er nicht erntet, was er gesät hat, aber sobald es ans Ernten geht, übermannt ihn die Freude.
buddha mudra mara
Siddhartha Gautama, Buddha
Aus dem Dhammapada

Voreilig auf Pazifisten zu schimpfen ist demnach ein unüberlegter Schnellschuss aus der Hüfte. Spirituell wird es zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit. Zu welcher Überzeugung kommt man? Einen feuchten Dreck darauf, wenn mich jemand tötet? Wir werden sehen, was danach passiert? Hat jemand mit einer spirituellen Einstellung, jenseits der Griechen, Römer, Wikinger u.a., auf das richtige Pferd gesetzt, ist Putin sozusagen richtig am Arsch. Entweder hat er in der nächsten Episode innerhalb des Universums eine richtig miese Zeit oder in der Vorstellung eines Hieronymus Bosch, eine sehr lange BDSM-Nummer vor sich, die ihm wenig Spaß bereiten wird.

Im  Krieg zu sterben, gewalttätig, vor Ablauf der natürlichen/schicksalhaften Ablaufzeit, kommt immer mit der Erklärung eines Sinns daher. Auch eins dieser Wörter, mit denen ich ein wenig hadere. Im Besonderen gilt dies für den Sinn des Lebens. Wer soll darüber bestimmen, was einen Sinn stiftet und was nicht? Und wird meine Existenz sinnlos, wenn ich mit meinem Leben nicht den Vorgaben entspreche? Ein wenig griffiger ist der Zweck. So oder so müssen Kriege seitens desjenigen, welcher in den Krieg ziehen will, begründet werden. Man stirbt für die Freiheit, um einen oder eine Wahn|sinnige zu stoppen, einen Irr|sinn zu beenden oder das eigene Volk gegenüber einem anderen Volk zu verteidigen (anders: eine Gemeinschaft von x-Mitgliedern der Spezies Homo sapiens gegen eine andere Gemeinschaft von x-Mitgliedern derselben Spezies). Ganz abstrakt wird es, wenn das Vaterland und Schutz desselben herangezogen wird. Ein Gedankenkonstrukt, welches meiner Auffassung nach, vollkommen daneben ist. Es stammt noch aus der Zeit, in der der besetzte Boden die Einnahmequelle für Klerus und Adelige war. Ob nun durch Zufall oder eine Fügung des Universums in Verbindung mit angenommen inneren Regeln, habe ich mir die Geburt an einer konkreten Stelle des Planeten Erde nicht ausgesucht. Erweitert gesehen, gilt dies auch für den Planeten.

Der Erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen: “Das gehört mir” und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Morde, Kriege, wie viel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand seine Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: “Hütet Euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren,
wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemanden gehört.”


Jean-Jaques Rousseau, * 26.6.1772 in Genf; † 2.7.1778
französischsprachiger Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher

Rousseau gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Französischen Revolution. Heutzutage würden sie ihn als Linksextremisten einordnen. Die “Heilige Schrift” des Kapitalismus, Der Wohlstand der Nationen – Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, wurde noch zu Lebzeiten Rousseaus von Adam Smith 1776 veröffentlicht. Es ist interessant, wie weit einige am Vorabend der Revolution waren und wem am Ende zugestimmt wurde.

Was scheren mich die Interessen eines Kaisers, Königs, Diktators oder des Managers eines Konzerns? Nehmen wir an, dass der Ukraine-Krieg sich ausweitet und der Dritte Weltkrieg ausbricht, wofür sollte ich kämpfen? Für die Freiheit? Werde ich getötet, hat sich das Thema für mich ultimativ erledigt. Für die Freiheit der anderen? Erstens, was hab ich damit zu tun und zweitens, haben große Teile ohnehin merkwürdige Vorstellungen von Freiheit. Für die Freiheit meiner Nachkommen? OK, da ist eine Klippe. Fraglich ist, ob mein Kampf wirklich zu Freiheit führt oder einfach nur einigen anderen, die auch nichts davon halten, Vorteile verschaffen.

Der Krieg, derzeit noch in der Ukraine, bringt existenzielle Fragen mit sich. Wir schauen auf einen Diktator mit imperialistischen Ideen. Ein Thema, das nie vom Tisch war. Nicht nur Putin trauert einem Imperium nach. Konservative Briten sind traurig, die Franzosen ebenso, mongolische Rockbands sinnieren in Texten darüber, was eigentlich schiefgelaufen ist, Chinesen aus der politischen Führung hätten gern ihr altes Reich in Gänze zurück, die USA, ehemals selbst Kolonie, würden gern, wenn es nach den Republikanern geht, ihren Großmacht-Status behalten, die Türken, insofern sie Anhänger von Erdogan sind, trauern ebenfalls, und bei einigen Deutschen bin ich mir nicht sicher. Zumindest bin ich mir nicht klar darüber, ob es eine gute Idee anderer europäischer Staaten ist, von Deutschland eine Führungsrolle einzufordern. Von der grundlegenden Mentalität her können wir das. Allein schon sprachlich und via Sprachmelodie (Schwaben ausgenommen) sind wir militärisch klar im Vorteil. In keiner anderen europäischen Sprache klingen Befehle so überzeugend, wie auf Deutsch. Aber gleichzeitig ist Deutsch eine sehr präzise Sprache. Was einem bei Befehlen entgegenkommt. Paradox ist dabei, dass sie damit auch der Philosophie zuträglich ist.

Imperialismus ist aktuell eine durchaus nachvollziehbare Idee. Die Ressourcen werden knapp, der Hunger nach Energie steigt ins Unermessliche und um innerhalb der sich abzeichnenden Klimakatastrophe überlebensfähig zu bleiben, braucht es Technologie, Rohstoffe, Energie und profane Landgebiete, die entweder ausgebeutet werden können oder sichere Transportwege für kostbare Güter gewährleisten. Die Alternative wäre eine sich einig werdende Weltgemeinschaft. Ich nehme an, den Glauben haben nahezu alle aufgegeben. Allerdings muss ich für mich sagen, dass ich hierfür tatsächlich zur Waffe greifen würde. Für das, was sich aktuell abzeichnet, eher nicht.

Ferndiagnosen funktionieren in der Regel nicht. Aber man kann es trotzdem versuchen. Zumindest ist es nicht verboten. Putin ist ein Mensch mit einem Großhirn. Also, was geht da vor? Pazifist ist er schon einmal nicht. Die Antwort hat er gegeben. Ich denke, er glaubt an eine globale Lösung so wenig wie ich. Ich gehe davon aus, weil er ein intelligenter Mann ist, gibt er nichts auf diese ganzen Klimaleugner. Ist er ein spiritueller Typ? Glaube ich persönlich nicht. Eher sieht er Religionen, spirituelle Betrachtungen als etwas für Leute an, die sich nicht der Lebensrealität stellen wollen. Ich denke, er gibt auch nicht sonderlich viel auf das Leben anderer Menschen. Jeder, der sich zur verfügbaren Masse machen lässt, ist in seinen Augen selbst schuld. Jetzt in diesem Moment habe ich ihn gerade als nackten Mann, ohne all den ganzen Mist, den man ihm unvorsichtig in die Hand gab, vor Augen. Denn das ist Krieg. “Arschloch, Du willst mich umbringen? Zeig mal, was Du drauf hast!” Das ist die Dschungel-Lage! Versuch ich Kontakt aufzunehmen? Werden wir uns irgendwie einig? Oder geht es wirklich nur ums gegenseitige Töten?

Menschen ist in solchen Momenten seit Urzeiten eine Menge durch den Kopf gegangen. Was ist die beste Strategie? Lange, hat bestimmt funktioniert: “Alter, ich will auch nur leben!” An der Front in der Ukraine passiert dies mit Sicherheit auch. Aber nicht bei einem Biden, einem Putin oder einem Xi Ping. Die leben in einer anderen Welt, die ihnen das Großhirn suggeriert. Jeder Schritt nach weiter oben bedeutet mehr Abstand vom anfassbaren Leben. Blut hat einen Geruch, Leben, was aus den Augen weicht, kann man sehen, Schreie kann man nicht ignorieren, den vorwurfsvollen Blick, der bedeutet, was machst Du mit mir, wird man nie wieder los. Es sei denn, man hat zugelassen, dass ein paar Aspekte, die den Menschen ausmachen, abgeschaltet wurden. Aber dann sei die Frage erlaubt, ob man dann noch die Bezeichnung “Mensch” verdient?

Ich persönlich bin dem Bundeskanzler, den ich nicht gewählt habe, für seine als zögerlich betrachtete Haltung dankbar. Eskaliert alles in einen konventionellen Krieg, was nicht realistisch ist, würde er nicht darin kämpfen. Kommt es zu einem nuklearen Krieg, stirbt er ein paar Monate nach dem gemeinen Volk. Steht einem ein Homo sapiens gegenüber, der das Großhirn nicht übermäßig nutzt, ist grundsätzlich der erste Schlag eine gute Idee. Trage ich die Verantwortung für ein ganzes Volk, sollte ich einen Gedanken mehr verschwenden. Denn dann gehen eine Menge Menschen in den Tod, die ich nicht einmal kenne. Putin hat sich von den Möglichkeiten des Homo sapiens verabschiedet. Er wird seine Gründe haben. Spirituell muss ich mir von ihm nicht aufs Auge drücken lassen, wo ich stehe. Dies gilt auch für die Ethik. Hätte ich die Möglichkeit, Gelegenheit und eine 9 mm zur Hand, gäbe es für mich auf seine Person bezogen kein Problem. Aber was kann Andrej, 25 Jahre, russischer Bürger, dafür?

In den letzten Tagen melden sich vehement diejenigen zu Wort, die es angeblich schon immer besser wussten. Putin wäre schon immer ein Potentat, Diktator, Despot, mit imperialistischen Zielen gewesen, und die “Dummen” hätten dies nur nicht erkannt. Es sei ein Fehler gewesen, mit ihm Verträge im Sinne der von Kanzler Schmidt geprägten Worte an Jimmy Carter:  “Wer miteinander Handel treibt, schießt nicht aufeinander!”, einzugehen. Rückblickend sei bereits die Ost-Politik von Kanzler Willy Brandt ein Schritt in die falsche Richtung gewesen.
Allen, die da so reden, unterläuft ein Gedankenfehler. Zu jeder Entscheidung gibt es sogenannte alternative Pfade. [1]Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, dtv-Verlag, 2014, S.57, der Rückschaufehler, engl. hindsight bias Niemand kann auch nur ansatzweise mit Sicherheit sagen, wohin andere Entscheidungen geführt hätten bzw. wohin die alternativen Pfade geführt hätten. Die Kritiker setzen sich rückwärtig in die Position eines perfekten Prognostikers oder Propheten. Die damaligen Entscheidungen waren getragen von der Hoffnung, dass sie Gutes bewirken und schlechte Verläufe, wie einen erneuten Krieg, verhindern. Keiner kann sagen, ob andere Optionen nicht bereits vor 20 Jahren in einem Weltkrieg gemündet wären. Unter Umständen hätte es keine Wiedervereinigung gegeben? Oder die Wirtschaft hätte sich vollkommen anderes entwickelt. Die einzige existente Realität findet jetzt in diesem Moment statt. Selbstredend gilt dies für ebenfalls für die NATO-OST Erweiterung und die damit in Verbindung stehenden Verträge. 

Aus guten Gründen lassen sich Zukunftsforscher und ganz nebenbei auch gute Einsatzleiter nicht auf Prognosen ein, sondern Szenarien, in denen die wahrscheinlichsten Ergebnisse aufgestellt werden. Für den Ukraine-Krieg habe ich dazu auf der Seite des stark von der Spieltheorie geprägten Zukunftsinstituts 8 mögliche Szenarien gefunden. [2] Future War: 8 Szenarios über den Ausgang eines unvorhersehbaren Krieges, https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ , . Interessant ist dabei, dass im Netzwerk des Instituts Prof. Christian Riek mitwirkt, dessen YouTube-Channel “Spieltheorie” ich in meiner Link-Liste habe. [3]https://www.youtube.com/channel/UCSExr_QUT6h-4sGW5hGjrCA Vor dem Ukraine-Krieg kam er zum Ergebnis, dass Putin den Krieg nicht führen wird, weil der Krieg ein “dummer” Spielzug ist. Allerdings wurde er damit nicht zum Scharlatan, da er immer wieder betont keine Prognosen zu erstellen, sondern Szenarien analysiert.

Im März analysierte er die öffentlich übelst bepöbelte Aussage des Philosophen Precht, in der er die Aufgabe der Ukraine als eine Option darstellte. Es ist und bleibt ein denkbares Szenario. Aber rational ist es nur bei zwei Annahmen zu favorisieren. 1. Russland gewinnt auf kurz oder lang den Krieg. 2. Bei einer Kapitulation lässt Putin die Bevölkerung in Ruhe. Im Falle eines sich anschließenden Terrorregimes (wovon ich persönlich ausgehe), scheidet die Kapitulation aus.

In die Kategorie Denkfehler fällt für mich auch die Aussage, dass “Schwere Waffen” zu einer Provokation führen, die Putin zum Anlass für einen Atomschlag nehmen könnte. Nicht seine Gegner bestimmen, was eine Provokation ist, sondern er ganz alleine. Fraglich ist, wie er sie anderen in seinem Umfeld überzeugend verkauft. Ob ein Justizminister Buschmann, FDP nach rechtlicher Prüfung meint, dass die Lieferung der Waffen völkerrechtlich gedeckt ist oder nicht, geht einem Putin am bekannten Allerwertesten vorbei. Wie seine Haltung zu Völkerrecht ist, hat er brachial bewiesen. Zumindest ist zu Bedenken, dass die Lieferung als ein möglicher Anlass geeignet ist. Allerdings kann genauso gut angenommen werden, dass Putins Masterplan ohnehin die Eskalation in einen Atomkrieg ist oder blufft. Wir wissen es nicht.

Das Gebaren einiger Politiker finde ich nicht sonderlich hilfreich. Die Situation ist kein Brettspiel zur Unterhaltung gelangweilter Vorstädter in Einfamilienhäusern. Überall läuft alles auf Hochtouren. Die Nachrichtendienste, ihre Berichterstatter, Analysten, arbeiten Rund-um-Uhr. Ein Heer von hoch qualifizierten Beratern aus den militärischen Bereichen, den Think-Tanks, erarbeiten verschiedene Szenarien und versuchen zu ermitteln, wie man hierauf am erfolgreichsten reagieren kann. Wer glaubt, dass ein Kanzler oder andere Regierungsführer einsam und alleine ihre Ideen umsetzen, ist naiv. Dem normalen Volk sei dies zugestanden, aber nicht Politikern und schon gar nicht, die Manipulation für irgendwelche Machtspielchen. Keiner von den Gegnern Putins ruft ihn einfach mal an und reist ohne Absprachen nach Russland. Gleichsam trifft Deutschland die Entscheidung über die schweren Waffen nicht ohne Absprache mit den NATO-Partnern. Was wäre, wenn die für den Fall eines Übergriffs auf andere Staaten in den Vorhalt genommen werden? Jeder, der mal in einem Führungsgeschehen involviert war, weiß um die Rollenverteilungen. Eine pöbelt, ein anderer macht auf verbindlich, die nächste gibt die Verständnisvolle, alles orchestriert für ein gemeinsames Ziel. Wenn Scholz weniger Präsenz zeigt, wird dies Gründe haben.

Ich habe bei Putin einen Eindruck, der den Pazifismus gegenstandslos werden lässt. In meinen Augen ist er kein politisch denkender Mann, sondern mich erinnert er an einen Schwerkriminellen. Was wäre zum Beispiel, wenn er tatsächlich Anschläge initiierte, bei denen russische Bürger starben und die dann den Tschetschenen untergeschoben wurden? Was, wenn die Welt es bei Putin mit einem Psychopathen zu tun hat, der keinerlei Skrupel, Hemmungen oder irgendetwas in dieser Richtung empfindet? Da bleibt jedem von uns nur noch die spirituelle Sicht und die sich daraus ergebende Frage: Was lade ich auf mich, wenn ich töte?
Einem Politiker kann man mit Geld, Staatsbankrott, die Aussicht auf die Vernichtung des eigenen Volkes kommen. Doch was war z.B. mit Adolf Hitler? Der war vom Volk enttäuscht und kam zum Ergebnis, dass es dann auch keine Überlebensberechtigung hat. Es sind keine einfachen Zeiten angebrochen. Am Ende bleibt dem “normalen” Menschen nur das hilflose Zusehen und darauf zu hoffen, dass nicht das 8te Szenario [4]Das Ende der Welt oder: Das UnvorstellbareEin lang anhaltender Mehrfrontenkrieg bricht aus, der sich atomar hochschaukelt.Große Teile des eurasischen Kontinents und Amerikas werden … Continue reading eintritt.
Zumindest sollte man dies berücksichtigen.

Quellen/Fußnoten

Quellen/Fußnoten
1 Rolf Dobelli, Die Kunst des klaren Denkens, 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen, dtv-Verlag, 2014, S.57, der Rückschaufehler, engl. hindsight bias
2 Future War: 8 Szenarios über den Ausgang eines unvorhersehbaren Krieges, https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ ,
3 https://www.youtube.com/channel/UCSExr_QUT6h-4sGW5hGjrCA
4 Das Ende der Welt oder: Das Unvorstellbare
Ein lang anhaltender Mehrfrontenkrieg bricht aus, der sich atomar hochschaukelt.
Große Teile des eurasischen Kontinents und Amerikas werden verwüstet,
200 Millionen Menschen sterben sofort, weitere 300 Millionen an Hunger
und den Folgeschäden. Trotzdem stirbt die Menschheit nicht aus, Afrika
und Südamerika, China sowie die pazifischen Räume sind weitgehend
verschont geblieben. Im Jahr 2035 eröffnet Elon Musk die erste Aussiedler-Stadt auf dem Mars mit dem Namen Newkrainehttps://www.zukunftsinstitut.de/artikel/szenarien-ukraine-krieg-matthias-horx/ , abgerufen am 19.4.2022, 23:00 Uhr
Oktober 31 2021

Die Randerscheinungen einer Pandemie

blue and brown cake on black table Lesedauer 5 Minuten

Ich lebe in der Großstadt Berlin. Tagtäglich sehe ich deutliche Zeichen dafür, dass eine Vielzahl meiner Zeitgenossen mit so ziemlich alles sind, aber nicht vernünftig und verständig. Warum sie diese beiden, dem Menschen grundsätzlich gegebenen Fähigkeiten des Großhirns, Verstand und Vernunft, nicht zur Anwendung bringen o. sie derer beraubt wurden, hat vielerlei Gründe. Doch darauf will ich gar nicht näher eingehen. Ob es sich nun um Verkehrsteilnehmer, Leute, die ihren Müll in Grünanlagen entsorgen oder Hundehalter, die zwar den Kot in eine Plastiktüte packen, aber sie dann an einen Zaun hängen.

Mit Sicherheit ist es zweckmäßig darüber nachzudenken, was da in der Gesellschaft vor sich geht, damit dagegen gesteuert werden kann. Wenn man denn will! Da habe ich meine Zweifel. Aber selbst, wenn der Wille bestände, muss jeder erst einmal mit dem Vorlieb nehmen, was die Realität ist. Mit diesem geistigen Zustand von Teilen der Bevölkerung müssen wir derzeit leben und einen Umgang finden. Dies gilt für notwendige Maßnahmen zur Unterlassung weiterer Eingriffe in die Natur und das Klima, gleichsam beim Weg durch die weltweite (dies scheint bei einigen nicht anzukommen) Pandemie.


In der Pandemie gibt es viel zu beobachten, was nicht unmittelbar mit der Krankheit zu tun hat. Da wären die Künstler, die naturgemäß narzisstische Tendenzen aufweisen und den Zuspruch eines Publikums benötigen. Es brauchte eine Weile, aber irgendwann zeigten sich Entzugserscheinungen. Weiterhin die Zeiterscheinung, Prominente in Interviews zu Themen zu befragen, die sich weit jenseits ihrer Kompetenzen bewegen. Da muss man einem Jürgen Klopp Respekt zollen, wenn er in einem Interview auf die Frage nach seiner Meinung über Maßnahmen in der Pandemie gefragt wird und den Reporter an Mediziner verweist. Dies wäre auch für einen jungen Fußballer, wie Joshua Kimmich ratsam gewesen. Ich käme nicht auf die Idee bei einem juristischen Problem einen Friseur nach Rat zu fragen.

Interessant hat sich beim Thema Impfen die Rhetorik entwickelt. Während sich bei einem Teil Freude und Begeisterung über einen Impfstoff breit machte, wurden andere von dem Begriff “Gentechnik” getriggert. Ich unterstelle, dass sich die meisten der hierdurch Empörten beim alltäglichen Einkauf nicht die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite der Verpackungen durchlesen oder die Nummern der Zusatzstoffe dekodieren, geschweige denn sich Gedanken über das machen, was die geschlachteten Tiere zu fressen und gespritzt bekamen. Dabei macht es einen logischen Unterschied, ob ich mich gegen die gentechnische Veränderung des Erbguts einer Pflanze oder eines Tieres wende, oder ich mich mit Viren, die nicht einmal Lebewesen sind, auseinandersetze. Jeder, der sich mit Impfen auseinandersetzt, müsste theoretisch ein wenig erleichtert sein, weil endlich die Risiken einer Verunreinigung durch die Zucht auf tierischen Material noch weiter minimiert werden können. Immerhin war dies über Jahrzehnte ein schwerwiegendes Argument von Impfgegnern.

Bürger von Wohlstandsstaaten sind Meister des Verdrängens. Die meisten Krankheiten, die in Ballungsräumen der Schrecken der Menschheit waren, sind im Wesentlichen unter Kontrolle. Pest, Cholera, Lepra, Kinderlähmung, Diphtherie, Tuberkulose u.a. sind aus dem Blickfeld der meisten Leute verschwunden. Gleichermaßen ist der Bezug zum Tod verschwunden. Er findet allzu häufig nicht zu Hause statt und wenn wird der Leichnam zügig entfernt. Wer, wenn nicht beruflich dazu gezwungen, macht sich schon ein Bild von Intensivstationen oder einem Hospiz? Langes Leben erscheint als das Normale und wenn eine/r vor dem Erreichen des theoretisch möglichen Alters von durchschnittlich ca. 80 Jahren stirbt, heißt es, dass der Tod zu früh eintrat. Ob dies nun eine Drehtür für die nächste Inkarnation (Buddhismus) oder der Weg, wahlweise Hölle oder Himmel ist (Christentum, Islam) oder schlicht ein absolutes Ende, ist eine Frage des Glaubens. Es gibt weder eine richtige, noch eine falsche Zeit für den Tod. Mit der Geburt eines Lebewesens beginnt das Sterben, welches dann mit Tod endet. Tatsächlich starben die Menschen mangels medizinischer Versorgung früher deutlich vor dem biologisch theoretisch machbaren Alter. Und Impfen hat daran einen großen Anteil. Insofern sind all die Debatten über vermeintliche Langzeitfolgen eher ein klassisches “I. Welt -Thema”.

In der Debatte tauchte auch ein Konstrukt auf, was sich “verdeckte Impfpflicht” nennt. Durch die Regeln und einem sozialen Druck würden die Bürger so oder so quasi gezwungen werden. Und wenn? Wer in Deutschland lebt, steht ständig unter einem sozialen Druck, der mit der Erziehung beginnt und sich später durch Werbung, Berechtigungen und Sozialleistungen im erwachsenen Alter fortsetzt. Impfen, ein solidarischer Akt, weil erst eine hohe Prozentzahl (weltweit!) Geimpfter wirksam diejenigen schützt, welche sich nicht impfen lassen können, ist nun der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt? Dies ist wahrlich grotesk. Der Philosoph Rüdiger Precht, betonte kürzlich in einem Podcast, kein Impfgegner zu sein, setzte aber diverse widersprüchliche “ABER” entgegen. Bis zu dem Zeitpunkt, wo sich nicht jeder impfen lassen konnte, weil schlicht nicht genug Impfstoff vorhanden war, wären die Regeln korrekt gewesen. Nun seien aber genug Impfdosen vorhanden und der Staat sei nicht dafür da, jeden vor sich selbst zu schützen. Ich finde es arg befremdlich, dass er geflissentlich übersieht, dass wir es mit einer weltweiten Pandemie und nicht mit einer Epidemie zu tun haben. Demnach muss ein wenig weiter gedacht werden.

Außerdem erneuert er die alte Argumentation, die in den 90ern seitens Impfgegner aufgebaut wurde. Die griffen in die Kiste mit den Krankheiten, deren Ursache noch nicht zufriedenstellend geklärt ist. Autismus, plötzlicher Kindstod, Pseudokrupp, Neurodermitis, wurden bei ihnen Langzeitschäden nach Impfungen. Beweisen konnten sie es nicht, aber dies war denen egal. Rüdiger Precht stimmt den “klassischen” Impfungen zu, doch mutmaßt nun mögliche Spätfolgen bei den neuen Impfstoffen. Hierzu sinniert er über die Risiken für das Immunsystem von Kindern. Exakt dies wird auch seitens der Gegner (zumeist Homöopathen/innen, Heilpraktiker/innen) bezüglich der anderen Standardimpfungen vorgetragen. Man wird dies auf einen längeren Zeitraum nicht klären können. Wie soll man 10 Jahre später eine Kausalität herstellen? Überdies kommen noch die zahlreichen Schadstoffe durch die Belastungen der Luft, Wasser, Boden, hinzu.

Fraglich ist, wie ich die Gefährlichkeit einschätze. Den weltweiten Berichten nach will man bei Coronanicht volle Packung bekommen. Aus nie geklärten Gründen hatte ich als Kind böse Hustenanfälle und hab das auch weitervererbt. Ich weiß, was es heißt, ständig zu husten und deshalb keine Luft zu bekommen. Aber gut, vor der Gefahr die Augen zu schließen ist äußerst menschlich. Obwohl man sich fragt, was Mediziner und Krankenhauspersonal noch tun müssen, um die Leute davon zu überzeugen, dass es sich nicht um einen harmlosen grippalen Infekt handelt. Hinter der Ignoranz und dem Verweis auf den sozialen Druck scheint ein Muster zu sein. Allem, was den Leuten nicht in den Kram passt, sie nicht mehr im Verhältnis zu vielen anderen Ländern auf diesem Planeten, nahezu obszönen Lebensstil pflegen lässt, wird damit begegnet. Klima, Energieverbrauch, Produkte, Müll, alles wird zur vermeintlichen Panikmache, religiösen Verhalten usw. Auch einer dieser Effekte, die ich zur Genüge aus meiner polizeilichen Vergangenheit kenne. “Ach, so schlimm wird es schon nicht kommen!” Also wird erstmal mit wenig Personal und Material begonnen, um dann richtig Schiffbruch zu erleiden. Die daraus gelernt haben, müssen dann Spott und Häme über sich ergehen lassen, wenn sie mit einem großen Aufgebot ausrücken und sich ausnahmsweise alles im unteren Level abspielt. Doch wie wäre es ausgegangen, wenn es doch geknallt hätte und zu wenige eingesetzt gewesen wären?


Bei der Pandemie stellt sich die Frage nicht. Jeder konnte die Auswirkungen in den Ländern verfolgen, die schlicht wenig unternehmen konnten. Bei den anderen genannten Sachverhalten stellt sich die Frage, vorausgesetzt man lässt sich nicht blenden oder verdrängt alles, weil man sich in der trügerischen Sicherheit eines reichen Landes wähnt, ebenfalls nicht. Alle Alarmsignale, auch die bezüglich nicht zu kontrollierender Kriege zur Sicherung von Ressourcen, stehen auf Rot. Eine kleine Provokation hier, da, ein kleiner Vorstoß, ein schwelender Cyberkrieg, dort ein noch begrenzter, aber unübersichtlicher Stellvertreter – Krieg. Dies lässt den Beobachter nicht wirklich ruhig bleiben. Und von einer Perversität kann man blind ausgehen. Die entsprechenden Strategen bei den Nachrichtendiensten haben mit absoluter Sicherheit die Reaktionen in den jeweiligen Ländern analysiert und ihnen die Schwachstellen der Gegner gezeigt. Teilbereiche der deutschen Gesellschaft lassen sich schon mit harmlosen Dingen zuverlässig instabil machen. Da geht noch einiges mehr und die Wirkung wird breiter werden. Wenn ich eine echte stabile demokratische Gesellschaft haben will, muss ich alles dran setzen, mündige und verständige Bürger zu sozialisieren. Bei uns passiert genau das Gegenteil. Habe ich nicht ausreichend davon, bleibt mir nur noch der soziale Druck, die Regulierung im Rahmen der geltenden Gesetze oder der manipulative Einsatz der üblichen Kampagnen im Zusammenspiel mit Prominenten. Doch leider sind die noch auf dem alten Trip, bei dem die Vernunft ausgeschaltet werden soll, in dem sie gegen Bezahlung irgendwelche Produkte in die Kamera halten.

Oktober 22 2021

Die Freischärler der Konservativen Revolution – The Republic

Lesedauer 7 MinutenVorab eine Anmerkung zum Titel. Im Gegensatz zum CSU – Mitglied Alexander Dobrindt bin ich mir der Bedeutung des Begriffs u. des historischen Hintergrunds der Konservativen Revolution durchaus bewusst. (siehe auch hierzu ein umfassendes Essay von Thomas Meyer beim Deutschland Funk,2018) Meyer beendet sein verlinktes Essay mit:

“… Es wird schwierig werden, sehr schwierig sogar, soviel sollte klargeworden sein. Man sollte sich keinen Illusionen hingeben: Die Bewährungsprobe des demokratischen Deutschlands kommt noch!”

Hierbei stimme ich ihm in Gänze zu.

Armin Petschner-Multari gründete kürzlich die Plattform “The Republic” mit dem Ziel eine “konservative Gegenbewegung” zu initiieren. In der Stuttgarter Zeitung ist hierzu am 21.10.21 zu lesen:

Mit seiner Agentur will er nun offenbar etwas mehr Beinfreiheit nutzen um eine Art Gegenöffentlichkeit aufzubauen. „Wir bedienen die Logik der Plattformen, das machen andere auch.“ Also eine Art Guerillatruppe für die C-Parteien? „Wir wollen für konservative Positionen werben, die ein oder andere Schlagzeile produzieren und Debatten für uns entscheiden.“ Viele Unterstützer seien mittelständische Unternehmer, die ihre Sicht zur Sprache kommen lassen wollten. Auch Politiker hätten Unterstützung zugesagt.

Soweit alles in Ordnung. Aber was ist die Logik der Plattformen? Dies lässt sich nur mit einem Blick auf die Seite https://www.therepublic.de/ beantworten. Wäre ich Ausländer, überkäme mich nach einem groben Überblick der Eindruck, dass der sich der deutsche Durchschnittsbürger in einer Defensive befindet, wenn nicht sogar kämpfend auf dem Rückszugsgefecht von der letzten Verteidigungslinie, verzweifelt wartend auf die entsetzenden Truppen, in Gestalt der Plattform, die das Blatt beim Kampf zwischen Gut und Böse im letzten Augenblick wenden. Die Armeen von Mordor, mit Rekrutierten aus allem, was das Böse zu bieten hat, nämlich Umweltaktivisten, Autonomen, GRÜNEN, Sozialdemokraten, Greenpeace, dem “Öffentlich rechtlichen Rundfunk”, Feministen, Gewerkschaften, Minderheitenvertretungen, Gesellschaftskritikern, Künstlern, Literaten, sind auf dem Vormarsch und das letzte Aufgebot der Union schaut besorgt auf das Schlachtfeld. In dieser bedrängten Situation kann man schon mal die Geister der Toten bemühen.

Vor wenigen Tagen schrieb ich einen BLOG – Post zum Thema Zapfenstreich und erwähnte das Zitat aus längst vergangener deutscher Geschichte: “Das Vaterland darf jedes Opfer fordern.”  Auf der Plattform ist es etwas ausformuliert und ausgeschmückt:

Im Gegenteil, die Bundeswehr und so auch jeder einzelne Soldat hat diesem Staat geschworen, treu zu dienen und dessen Recht und Freiheit tapfer zu verteidigen. Dieser Staat, der seine Soldaten ausgeschickt hat, genau das immer wieder zu tun – für das Wohl der Bundesrepublik Deutschland wie selbstverständlich persönliche Belange hinten an zu stellen, die eigene persönliche Unversehrtheit bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens in die Waagschale zu werfen, für die Sicherheit des eigenen Vaterlandes und die seiner Bürger einzutreten, so auch in Afghanistan – muss nun aber auch klar dieser perfiden und anmaßenden Argumentation entgegentreten: Zum Schutz und zur Wiederherstellung der Ehre der Soldaten der Bundeswehr!

Quelle: https://www.therepublic.de/blog/verkommenheit-hat-ein-tolerantes-diverses-und-wokes-gesicht/ 22.10.21/10:26 Uhr

Ich behaupte, dass der Militarismus, die Bundeswehr und ihre Bestimmung,  in Deutschland aus nachvollziehbaren historischen Gründen ein sensibles Thema ist. Normalerweise gehört es zum guten Ton der älteren Generation ein wenig Nachsicht walten zu lassen. Die bisher auf der Plattform aktiven Autoren haben schon ein wenig Abstand zur deutschen Nachkriegsgeneration und erst Recht zur Kriegsgeneration. Andersherum ist es in Deutschland Teil der Verantwortung, die die deutsche Staatsbürgerschaft mit sich bringt, die Erinnerung und die Schlussfolgerungen zweier Weltkriege weiterzugeben. Einfach mal so, völlig undifferenziert und “unverschämt” mit der Kritik umzugehen, geziemt nicht für jemanden mit deutscher Staatsbürgerschaft.

Bis zum 21.10.21 (https://web.archive.org/web/20211021080120/https://www.therepublic.de/blog/verkommenheit-hat-ein-tolerantes-diverses-und-wokes-gesicht/) befand sich auf der Plattform noch ein Absatz mit dem Wortlaut:

Diese Art von fehlender Empathie, der Nichtanerkennung von militärischen Leistungen und Opfern und der mangelnden Bereitschaft sich mit individuellen Schicksalen von Soldaten auseinanderzusetzen, galt bislang nur für die Soldaten der Großvätergeneration und Soldaten der Wehrmacht – einer verratenen Generation, die sich nicht mehr wehren kann. Diese wurde und wird fortgesetzt als Verbrechergeneration verunglimpft und damit jedes institutionelle aber auch individuelle Gedenken vermieden. Neu ist, dass auch pauschal der Bogen der Kritiker bis zu den Soldaten und Opfern der Bundeswehr gezogen wird. Es war schon anmaßend und anrüchig einem 19-jährigen Soldaten, der vor Moskau im Winter 1941 fern der Heimat erfroren ist, dieses Gedenken und die Achtung vor seinem Opfer zu verweigern, dies aber nunmehr auch auf die Soldaten, die im Chara Darah oder in Baghlan für Deutschland gefallen sind, zu übertragen, ist kaum noch aushaltbar!

Am folgenden Tag war er nicht mehr auf der Seite zu finden. Irgendjemand hatte wohl erkannt, dass da dann doch zu viel “Sprengstoff” enthalten war. Allerdings zeigt sich hier deutlich, welches Geisteskind hier am Werk ist. All die differenzierten Debatten über die Rolle der Wehrmacht beim Holocaust und mindestens Zuarbeit an die SS scheint an dem/der Verfasser/in vorbeigegangen zu sein.

Ich will für diese Plattform gar nicht zu viel Zeit verschwenden. Zunächst ist sie eine unter zahlreichen. Angeblich soll mal wieder Friedrich Merz seine Finger mit im Spiel haben. Ein alter Bekannter, wenn es um PR Kampagnen mit fragwürdigen Methoden geht. Besorgniserregend ist etwas ganz anderes.

Zu meiner Grundschulzeit hatten diverse Themen der aktuellen Zeit schlicht keine Relevanz. Ich hatte eine Mitschülerin aus Griechenland, einen Mitschüler aus der Türkei und einen aus Sri Lanka. Unser Umgang miteinander war von gegenseitiger Neugierde geprägt und soweit ich das verfolgen konnte, machte alle ihren Weg, der bei dem einen aus anderen Gründen bereits früh tragisch endete. Die Gnade der Geburt als West – Berliner verschonte einen weitestgehend vor religiösen Auseinandersetzungen. Später gab es unter den meisten eine stille Übereinkunft, der nach alle innerhalb der Einmauerung Lebenden einigermaßen miteinander klarkommen und alles von jenseits der Mauer skeptisch betrachtet wird. Das rechte Spektrum existierte, hatte es aber niemals leicht.

Heute, in einer Gesellschaft, die von vielerlei Nationalitäten, Herkunftsländern, unterschiedlichen Aussehen, diversen Kulturen und Religionen geprägt ist, sieht es anders aus. Neue Aufgabenstellungen erfordern neue Antworten und Lösungen. Es ist eben nicht die seitens der Gestrigen geforderte Gemeinschaft, sondern eine Gesellschaft. Selbst beim Begriff Konservativ bedarf es einer genaueren Betrachtung. Mit der eigentlichen Bedeutung, der Besinnung auf alte Werte ist es nicht getan. Z.B. war das Berlin der 20er – Jahre aufgeschlossen, fortschrittlich und Magnet für Progressive aller Nationen. Es bedarf eines Fixpunktes, auf den man sich bezieht.

Deutschtümliches Einigeln, Nationalismus, das Festhalten an längst überholten Werten, die eher Verirrungen des 20. Jahrhunderts sind, ein Leugnen der Eigenarten, die den Faschismus in Deutschland einen fruchtbaren Boden anboten, gelten allgemein als konservativ, doch wird man den Leuten, die sich an denen orientieren, welchen das vergangene Deutschland stets die kalte Schulter zeigte, nicht gerecht. Dies würde bedeuten, den Philosophen, Intellektuellen, sozialdemokratischen, kommunistischen, anarchistischen Vordenker einer freien Welt, damals avantgardistischen Künstler, des Dadaismus, Kubismus, Ex – u. Impressionismus, posthum nochmals Unrecht anzutun. Außerdem legte man sie auf diese Art ins Grab mit ihren Widersachern und Peinigern. Schlimm genug, wenn moderne faschistoid Denkende, wie Anhänger der AfD, dies mit Heinrich Heine tun, oder Querdenker mit Anne Frank und den Geschwistern Scholl.

Die Welt steht, gerüstet mit alten Werkzeugen, Denkmodellen, vor völlig neuen Aufgaben. So als ständen verzweifelte Techniker vor einem havarierten Reaktor und einige Schlaumeier rufen einen 90 – jährigen Mechaniker für Druckkessel herbei. Das kostet wertvolle Zeit, die niemand hat. Wobei ein Kessel vielleicht gar nicht einmal das falsche Bild ist. Es brodelt gewaltig und der Druck wird höher.

Allzu selten nehmen wir, ich schließe mich dabei ein, die Rolle des neutralen Beobachters oder gern auch Beobachterin, ein. Noam Chomsky nennt dies die Alien – Perspektive. In nahezu allen europäischen Staaten nehmen die Proteste aus allen Richtungen zu. Augenscheinlich sind die politischen Systeme nicht dazu in der Lage befriedigende Antworten zu geben. Es ist der innige Wunsch, dass es möglich ist, mittels parlamentarischer Demokratie eingebettet in eine kapitalistische Weltwirtschaft friedliche Lösungen zu finden, die größt mögliche Freiheiten garantieren. Aber irgendwo scheint der Wurm drin zu sein. Es gilt den Fehler zu lokalisieren.
Besonders in Deutschland ist zu beobachten, dass die Anhänger des “Konservativismus” ab dem Moment Aufwind bekamen, wo den Deutschen langsam ins Bewusstsein rückte, dass die liebgewordenen Annehmlichkeiten des “German Way of Life” in Gefahr geraten.

Aus der anderen Richtung melden sich die zu Wort, die gerade diesen auf den Prüfstein legen.

Du bist jemand, wenn Du einen Arbeitgeber findest, dem Deine Arbeitskraft und Deine erlangten Kompetenzen eine Entlohnung wert sind. Hierfür gehst Du zum Friseur, ziehst Dich “akzeptabel” an und machst ein Foto, welches Dich von Deiner besten Seite zeigt. Hast Du diesen Arbeitgeber gefunden, kannst Du ein eigenständiges Leben führen und Dir Konsumgüter zulegen, die Dir eine gesellschaftliche Anerkennung verschaffen. Im eigentlichen Sinne eigenständig ist das nicht, da es von der Gunst des Arbeitgebers abhängig ist. Wirklich frei auch nicht, weil Du an den Konsum, die Banken und dem Streben nach mehr gebunden bist.

Als Beobachter sehe ich, dass gerade Jüngeren eine vermeintlich selbstverständliche Welt vorgegaukelt wird. Dies und jenes hat man halt als schnödes Mitglied der Gesellschaft. Hast Du es nicht, wird es schleunigst Zeit, dass Du das änderst. Jeder Ältere weiß, wie sich einige Youngster umschauen werden, wenn ihnen ihre Kredite, windigen Aktiengeschäfte oder Geschäftsideen um die Ohren fliegen. Einige sehen auch, wo sie der “anständige” Weg hinbringen wird. Es ist keine attraktive Vorstellung nach Jahrzehnten ordentlicher Arbeit Pfandflaschen zu sammeln oder sich von ebenfalls schlecht bezahlten Leuten den Hintern abwischen zu lassen. Wen wundert es, wenn einige versuchen, mangels anderer Möglichkeiten eine risikoreiche Abkürzung zu nehmen, die allzu häufig vor dem Richter landet. Ein anderer Weg besteht darin, sich diesem Modell von Anfang zu verweigern und es im Zweifel zu bekämpfen.

Begleitet wird dies alles von einer Erstarrung des Modells. Die globalen Folgen werden schlicht ignoriert. In der Psychotherapie gibt es ein Motto: Du kannst nicht innerhalb eines Umfelds gesunden, welches für Deine Krankheit verantwortlich ist. Das Geschehen um uns herum ist schlicht krank. Dabei ist es egal, ob es um den Klimawandel, die Vermüllung und Verpestung des Planeten oder der Umgang mit anderen Lebewesen ist. Was diverse Leute nicht daran hindert, es alles mit Methoden zu behandeln, die die Krankheit verursachten.

Zurück zur Plattform “The Republic”.  Die Macher/innen sind blutjung und dies ist das an sich wirklich gruselige. Das Vergangene erfüllt sich mit ihnen den Wunsch der Ehrung eines Lebenswerks, ohne sich die schrecklichen Irrtümer eingestehen zu müssen. Ja, der lang andauernde heimische Frieden und die Befreiung von der Angst eines neuen kommenden Krieges auf eigenem Grund und Boden, ist ein Verdienst. Allerdings haben hierfür andere auf dem Planeten einen hohen Blutzoll erbracht. Der herrschende Wohlstand hat zwei deutschen Generationen ein gutes Leben beschert. Doch spätestens ab Ende der 70er Jahre war bekannt, zu welchem Preis dies stattfindet und es wurde der breiten Bevölkerung verschwiegen. Nun gerät alles in Bewegung und die Alten sehen sich naturgegeben überfordert.

Die Modelle der Vergangenheit inklusive ihrer Fehlentwicklungen haben ausgedient. Heute 30 – jährige Frauen und Männer müssen sich Gedanken über neue, innovative und progressive Lösungen machen und bitte nicht bewundernd die abgetragenen Kleider und Anzüge der Alten anziehen. Deutschland ist schon angestaubt genug. Eine alte Weisheit besagt, dass wer in die Fusstapfen eines anderen tritt, ihn nicht überholen wird.

The Republic ist die Aufforderung auf der Stelle zu treten, den Kapitän zu bestechen, sich bis zum Untergang des Kreuzfahrtschiffes alles vom Oberdeck der I. Klasse beim Champagner – Cocktail anzusehen und festzustellen: Man bin ich froh den Untergang der Titanic nachempfinden zu können.

August 6 2021

Das irrationale System

earth globe with googly eyes on gray background Lesedauer 7 Minuten

“Wir müssen zwischen Spiritualität im Allgemeinen, die darauf abzielt, uns zu besseren Menschen zu machen, und Religion unterscheiden. Die Annahme einer Religion bleibt optional, aber ein besserer Mensch zu werden ist wesentlich.”

Matthieu Ricard, Buddhistischer Mönch u. Molekularbiologe

Die Tatsache meiner Geburt, die Zeit und den Ort konnte ich mir wie alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten nicht aussuchen. Gleichsam ergab sich mit Zeit und Ort ohne mein Zutun vieles andere. Die medizinische Versorgung, die wirtschaftlichen Umstände und das System in dem ich künftig leben würde. All diese Voraussetzungen waren bereits da.

Genauso hätte es statt Deutschland oder der Kontinent Europa, Afrika werden können. Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus, alles andere wäre auch möglich gewesen. Als Nachwuchs in einem indigenen Stamm, hätten mir meine Eltern beigebracht, wo und wie ich Nahrung finde, die Landschaft lese, mich orientiere und wie ich mit der Natur lebe, ohne zu sterben. Ich erinnere mich an einen Bericht des Survival – Experten Rüdiger Nehberg. Er schilderte, wie er mit einem Stamm im Dschungel unterwegs war und nicht mehr weiter konnte. Er kam sich ziemlich klein vor, weil ihm ein kleiner Junge den Weg zurück zum Dorf zeigen musste. Der konnte sich im Gegensatz zu ihm am Aussehen der Bäume orientieren.

In Deutschland müssen Eltern, Schule und Umgebung den Kindern andere Sachen beibringen. Teile davon nennen wir Sozialisation. Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Menschen miteinander leben und damit das funktioniert, ist dem Ganzen ein System hinterlegt. Zumindest sieht so die Theorie aus. Auf jeden Fall basiert dieses System auf niedergeschriebenen und informellen Regeln und Sanktionen, die von Menschen erdacht und aufgestellt wurden. Damit ist schon einmal etwas Wesentliches klar: Menschen haben diese Regeln erdacht! Im Idealfall würden sie auf rationalen, logischen, verständigen und von Urteilskraft geprägten Aspekten beruhen.

Jeder junge Mensch wird eines Tages die Worte zu hören bekommen: “Das ist so, finde Dich damit ab und hör auf ständig zu diskutieren!”

Wer diese Lektion beherzigt befindet sich auf der sicheren Seite. Anderenfalls wird es kompliziert. In diesem bei uns uns installierten System lautet eine der mächtigsten und gleichzeitig gefährlichsten Fragen: “Warum ist das so und nicht anders?” In vielerlei Hinsicht genügt unser System eben nicht den oben genannten Kriterien. Es ist überall irrational und bedient niedere Instinkte, Motive und rudimentäre Verhaltensmuster. Wie wir immer mehr erfahren müssen, bringt uns dies an den Rand des Untergangs. Bereits in vergangenen Zeiten hatten dieses Problem mittlerweile untergegangene Hochkulturen. Doch bisher geschah dies aufgrund des technischen Entwicklungsstandes regional begrenzt. Wenn z.B. die Bewohner alter Millionen Städte zu sehr die Ressourcen ausbeuteten, verschwanden sie einfach und sind heute Betrachtungsgegenstand von Archäologen.

Autorität, einst eine Bezeichnung, die mit Weisheit, Wissen, Lebenserfahrung, Können, verbunden war, ist bei uns allzu häufig vom Konto – Stand, institutionell oder simplen Status durch Geburt ersetzt. Macht, früher die Akzeptanz anderer, dass eine oder einer versuchen darf Ideen durchsetzen, ist zum Selbstzweck geworden, bei dem es nur noch um das Herrschen über andere geht. Geld, welches das Leben durch den Ersatz des beschwerlichen Tauschhandels vereinfachen sollte, hat sich zu einem Fetisch entwickelt, der über den Menschen und seine Bedürfnisse gestellt wird. Das immer mehr haben wollen, über Jahrtausende hinweg in Religionen, Weisheitslehren, Riten, schlecht angesehen, verpönt, geächtet, zur Sünde erklärt, ist zur Basis des Systems gemacht worden. Dabei dachten sich unsere Vorfahren bestimmt etwas dabei. Wir können nicht einmal in Anspruch nehmen, dass das eben alles so ist und der Mensch diesen Verhaltensmustern ausgeliefert ist. Wäre es an dem, würden Angehörige indigener Völker, die Opfer unseres Systems sind, nicht Gegenteiliges leben und auf unseren Irrsinn hinweisen.

Die Behauptung, dass der Mensch zum Fortschritt und dem Streben nach immer mehr quasi verdammt ist, stellt kein Naturgesetz dar, sondern ist lediglich eine Aussage, die sich als unwahr erweist, wenn es nur einen einzigen Menschen gibt, der nicht danach lebt. Historisch und in der Gegenwart gab und gibt es ganze Völker, die anders leben. Womit die Behauptung widerlegt ist. Es besteht damit die Möglichkeit eine bewusste rationale Entscheidung zu treffen.

Einer Person, die die Autorität zur Entscheidung aufgrund von jahrelangem Opportunismus und gefälligen Entscheidungen zur Begründung ähnlicher Autorität höher gestellter Personen erlangt hat, zu folgen, ist absurd. Rational wird es, wenn dieser Person nach verständiger und vernünftiger Prüfung die Sach – und Fachkompetenz zur Lösung einer Aufgabe zugetraut wird. Bei uns läuft es anders. Eine der ersten Lektionen, die ein junger Mensch in unserem System erlernt. Eine weitere, nicht minder irrationale Lektion ist die weit verbreitete Maxime: “Alles ist erlaubt, was nicht in einem Gesetz verboten ist.” Sie ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem innerhalb aller Lebensbereiche staatliche Institutionen mit Regulierungen beauftragt wurden. Der Verlust selbst verständig, vernünftig und verantwortlich zu handeln ist noch das geringste Problem. Die völlige Übertragung der Verantwortung auf gesetzgebende Institutionen legitimiert jeden Asozialen auf noch nicht regulierten Neuland schädlich zu handeln. Außerdem bedeutet es den Verlust der Freiheit. Wir spüren dies gerade in der Pandemie. Teile der Bevölkerung haben den Bezug zu echter Freiheit verloren. Das Tragen einer Maske oder eine Impfung sind rationale verantwortliche Entscheidungen, die für ein Zusammenleben notwendig sind. Anders: Mit allem, was nicht nur mich alleine betrifft oder schädigt, werde ich zum Teil der Allgemeinheit. Alles werde ich niemals vermeiden können und einiges muss hingenommen werden, weil der Mensch fehlbar ist. Doch Masken und eine Verweigerung der Impfung, insofern keine Prädispositionen vorliegen, ist ein vorsätzlicher asozialer Akt.

Ich möchte noch zwei weitere Beispiele für die Irrationalität des Systems anführen. Die Geschichte der atomaren Waffenentwicklung geht u.a. auf Physiker zurück, die genau wussten, welches Monster sie schufen. Wie so häufig in der Geschichte lautete das Ergebnis ihrer Überlegungen: Wenn wir es nicht tun, machen es andere. Unvernünftige schließen von sich auf andere und am Ende wird beschlossen, in die Vorlage zu gehen. Faktisch kommen sie an eins nicht vorbei: Sie waren die Ersten und kein anderer! Dabei ist es egal, ob die anderen es tatsächlich getan hätten. Im nächsten Zug erreichte das atomare Wettrüsten, dass der Einsatz des Waffenarsenals die Erde zigfach zerstören kann. Einmal würde völlig ausreichen. Mit Ratio hat dies nichts zu tun.

Weltweit produzieren Hersteller unter Freisetzung schädlicher Emissionen und immensen Energie – und Wasserverbrauch, was das natürliche Lebenssystem und damit die Grundlage von allem ebenfalls mannigfaltig schädigt bzw. zerstört, Produkte, die zu großen Teilen nicht zum Leben benötigt werden und nur von einem Bruchteil der Weltbevölkerung genutzt werden können. Wenn die Produkte nicht mehr funktionsfähig sind oder ihre Bestimmung verloren haben, werden sie nochmals schädigend entsorgt. Damit die Hersteller dies unterlassen wird entweder gefordert, dass der Verbraucher, oftmals vom Hersteller selbst in Richtung Konsum manipuliert, den Kauf/Verbrauch einstellt oder dem Hersteller für das Unterlassen von der Gemeinschaft Geld gegeben wird. Wenn irgendwo in einer Bar vier Schläger alles kurz und klein Hauen, ein paar Tage später zwei finster drein schauende Typen erscheinen und vor weiteren Belästigungen bezahlten Schutz anbieten, nennen wir dies eine Schutzgelderpressung. Im Falle der Hersteller, sprechen wir von Marktwirtschaft, Handelsabkommen, Wettbewerb und ähnlichen Humbug, dabei ist es simples irrationales globales asoziales Verhalten und jeder Beteiligte, ist Mittäter.

Neuerdings hat unser System einen neuen Dreh erfunden. Aus allem wird eins herausgegriffen. Das CO2, lediglich ein Teilproblem, soll reduziert werden. Der Energieverbrauch an sich wird nicht infrage gestellt. Die bestehende und künftig gesteigerte Energiebedarf soll aus der Elektrizität kommen, die mit das Klima nicht schädigenden Verfahren erzeugt wird. Ein Haken ist hierbei die Speicherung der erzeugten Energie. Die bisher vorhandenen Speicheroptionen sind alles andere als unschädlich. Hierzu muss man sich nur die Vorgänge in der Atacama Wüste ansehen. Wie die industrialisierten Staaten sich auch Drehen und Wenden volkstümlich gesagt wird mit dem Arsch eingerissen, was vorn gebaut wurde.

Was fehlt, ist die rationale Einsicht: Unsere Lebensart ist schädlich. Sie ist die Wurzel von allem Übel.

Immer wieder ist zu lesen, dass es dieses oder jenes früher auch schon gab und die Erde sich trotzdem weiter drehte. Die Entwicklung des Menschen, die irgendwann entstandene Dominanz der Siedler gegenüber den Nomaden, die Entstehung von Massengesellschaften, die Industrialisierung und die Kolonialisierung, das Atomzeitalter, sind Abschnitte eines Prozesses. Ich kann nicht von Geschehnissen vor 1000 Jahren auf die Auswirkungen eines späteren Abschnitts schließen. Wer dies unternimmt versucht sich zu beruhigen und verschließt die Augen. Auch das ist irrational. Wer mit 250 km/h über die Autobahn rast und sich damit beruhigt, dass bis zu diesem Zeitpunkt auch immer alles gut ging, vor allem wenn man zuvor einen VW Käfer mit 120 km/h Spitzengeschwindigkeit bei Rückenwind fuhr, hat einiges nicht verstanden.

Von Kindesbeinen an werden wir darauf getrimmt, das Irrationale als gegeben und richtig hinzunehmen. Doch damit wird es nicht rational und im Innern spürt jeder, das da etwas nicht richtig ist. Nur, wie soll man es ändern? Die Auswirkung ist eine instinktive Ohnmacht. Das Gefühl, dem ausgeliefert zu sein ohne etwas dagegen tun zu können. Die Folgen sind weitreichend und ziehen sich quer durch das gesamte gesellschaftliche Leben. Wie der oder die Einzelne dies kompensiert ist unterschiedlich, doch die Wurzel ist identisch. Besonders gut ist es bei den Jugendbewegungen zu beobachten. Vieles läuft auf die Frage hinaus: Was zum Teufel macht ihr Älteren da? Die Angesprochenen reagieren nicht mit rationalen Gegenargumenten, wie auch, wenn es keine gibt, sondern entweder mit dem Verweis auf den Fetisch Geld oder diffamierend. Leistungsverweigerer, Chaoten, Gören, Träumer, Naivlinge, Alternativ, linksversifft und ähnlich lauten die Bezeichnungen. Sie sollen erst einmal verzichten, dann könne man sie für voll nehmen.

Dabei gilt es festzustellen, dass der aktuelle Status des Planeten nicht denen anzulasten ist, sondern den Älteren. Gleiches gilt für das System inklusive der benannten Modalitäten, die es Herstellern möglich macht, die Verantwortung von sich zu weisen und dem Verbraucher aufzubürden. Weiterhin haben die Älteren sie bisher dahingehend sozialisiert und ihnen die “schöne” Welt des Konsums vorgesetzt. Außerdem haben wenige Ältere gegen die Manipulationen, die Bedürfnisse erzeugen, welche es ohne die Hersteller gar nicht geben würde, rebelliert. Ich denke, die meisten, welche heftig auf Neubauer, Thunberg, FFF u.a. reagieren, fühlen sich in ihrer Ohnmacht, mit der sie sich ein Leben lang irgendwie arrangierten, ertappt. Es ist eine ähnliche Reaktion wie nach dem Dritten Reich und Niedergang der DDR. Was kritisiert ihr uns? Ihr wart nicht dabei und könnt nicht sagen, ob ihr rebelliert hättet. Die Aussage ist korrekt! Rational ist sie jedoch kein Widerspruch gegen eine aktuelle Rebellion. Mit Sicherheit ist fraglich, ob die in voller Tragweite sehen, wo die Forderungen hinführen. Deshalb sind die Forderungen nicht falsch.

Utopie hat bei uns einen negativen Beigeschmack. Meiner Meinung nach völlig zu Unrecht. Utopien sind nichts anderes als die Ausformulierung von Zukunftszielen. Hingegen sind Dystopien Hochrechnungen für ein möglicherweise eintretenden Zustand, wenn keine Kurskorrekturen vorgenommen werden und alles seinen Lauf gelassen wird. Eine Utopie ist das Ergebnis einer rationalen Überlegung: Da wollen wir hin! Nun müssen wir schauen, wie wir dahin kommen. Sich einfach treiben zu lassen, sich ohne Kompass und Plan von technischen Innovationen in die Zukunft geleiten zu lassen, sich der Gier und den Manipulationen über das Belohnungssystem des Gehirns hinzugeben, kommt einem Kontrollverlust gleich und führt geradewegs ins von Naturwissenschaftlern prognostizierte Verderben.


Juli 2 2021

Meinungsfreiheit

Lesedauer 7 Minuten

Kürzlich führte ich ein spannendes Gespräch über das Thema Meinungs – und Kunstfreiheit. Aufhänger war der unter Umständen anstehende Auftritt des Sängers Xavier Naidoo auf der Spandauer Zitadelle in Berlin. Einige sprachen sich für ein Untersagen aus und andere merkten an, dass sich in Deutschland zunehmend ein innergesellschaftlicher Kampf um eine Interpretationshoheit bezüglich des Statthaften und eben Nichtzulässigen ausbreitet. Vorweg: Ich gehörte zur letzteren Fraktion.

Zunächst einmal tritt der Mann als Musiker und nicht als Redner auf. Allerdings wäre es naiv anzunehmen, dass nicht die passenden Anhänger erscheinen und er auf der Bühne einschlägige Sprüche ablässt, wenn nicht ohnehin schon im Liedtext vorhanden. Ein schräger Typ, Mystiker, verwirrter Erzähler von wilden Geschichten, Reichsbürger und religiöser Fanatiker. Vermutlich ist diese Aufzählung nicht abschließend. Kurzum ein Spinner mit einer viele ansprechenden Stimme stellt sich auf die Bühne und trällert gefällige Melodien, in denen merkwürdige Texte versteckt sind. Damit ist er wahrlich nicht alleine. Die Geschichte des Pop und Rock ’n’ Roll ist voll davon und oftmals ist das in Deutschland nicht aufgefallen, weil kaum ein Fan jemals die Texte übersetzte.

Einige in der Runde merkten an, dass von ihm und seiner Hetze eine Gefahr ausgehe. OK, dies ist die allgemein gängige Argumentation. Aber was wäre ein Hetzer ohne Zuhörer und Gefolgschaft? Ich glaube, es war Oscar Wilde, der sinngemäß schrieb: “Warum erzählen wir anderen von unserer Meinung? Weil wir Angst haben mit ihr alleine zu sein!” Einer von vielen Spinnern, die die Straße entlang laufen und wirres Zeug erzählen. Ich wohne in der Nähe einer psychiatrischen Einrichtung. In der näheren Umgebung begegnen einen immer mal wieder Leute, die sich in sich und ihre Wahnvorstellungen zurückgezogen haben. Keiner käme auf die Idee ihnen zu folgen oder gar zu huldigen. 

Wem verbieten, wem erlauben?

Bei Leuten wie Xavier Nadoo oder Attila Hildmann geht es nicht um nachvollziehbare Ideologien oder real umsetzbare politische Forderungen, sondern um Wahn, der dem Weltbild einer Sekte entspricht. Wie immer, sollte man Sekten nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. In Relationen zur gesamten Bevölkerung wird die Zahl der Anhänger immer begrenzt bleiben. Dennoch können sie gefährlich werden und eine Menge Schaden anrichten. Wie gehen wir sonst damit um?

Was wäre mit Leuten, die daran glauben, dass auf der Erde einst ein epischer Kampf von Außerirdischen stattfand und sich eine außerirdische Rasse auf eine Art Geistebene zurückzog, die sich in menschliche Körper eingenistet haben. Nach ihren Vorstellungen erfuhren die Auserwählten von der vor Urzeiten so oder ähnlich stattgefundenen Geschichte durch eine schillernde Persönlichkeit. Einen Mann, der mehrfach in der US – Navy scheiterte, Tomaten auf Schmerzempfinden untersuchte, sich Okkulten Zirkeln anschloss, dort selbst einem Aleister Crowley zu schräg ( … und den konnte vermutlich wenig beeindrucken) wurde, Sci Fy – Romane schrieb. Dies ist mindestens so schräg, wie der Kram, den die beiden aktuellen Galionsfiguren der deutschen Mystiker Szene von sich geben. Sollte man denen Auftritte, das Verbreiten von Büchern, Filmen und Musikauftritte verbieten? Vielleicht, aber wir tun es nicht. Ganz im Gegenteil, diese Leute scheffeln Millionen und füllen die ganz großen Bühnen. Wer es noch nicht bemerkt hat: Die Rede ist von Scientology.

Da draußen laufen eine Menge Gestalten herum, die mir persönlich ziemlich seltsam vorkommen. Hierzu gehören auch die ca. 2,5 Millionen christlichen Fanatiker aus der evangelikalen Bewegung. Hört man sich die Texte von Xavier Nadoo an, kommt schnell der Verdacht auf, dass er denen nicht unbekannt ist und es verwundern auch nicht die auf den Corona – Demos mitlaufenden assoziierten Mitglieder. Krisen, Epidemien, Naturkatastrophen, haben in der Geschichte der Menschheit schon immer diese Wirkung auf einen Teil der Bevölkerung betroffener Gebiete gehabt. Warum auch immer dies so ist. Historiker, Psychologen, Psychiater und Soziologen suchen seit Jahrzehnten nach einer Antwort. Vermutlich ist der innere Drang alles zu erklären derartig ausgeprägt, dass das dem Menschen nicht zugängliche eben mit eigenen, und wenn sie noch so fantastisch sind, Erzählungen erklärt werden. Gleiches gilt, wenn es eine handfeste Ursache gibt, sie aber nicht in das eigene Weltbild hineinpasst.

Mit Verboten ist dem nicht zu begegnen. Im Gegenteil, sie befeuern die Mythen. In deren Logik ist das Verbot ein sicheres Zeichen dafür, dass sich finstere Mächte vor einer Entdeckung schützen wollen. Prinzipiell fallen diese Menschen in eine Zeit lange vor der Aufklärung zurück. Sie und ihre Vorfahren haben sich die Entwicklung mit Technologie, Naturwissenschaften, Entmystifizierung eine Weile angeschaut, um nun darauf hinzuweisen, dass dies auch alles nichts gebracht hat, weil alle immer noch im gleichen Dilemma stecken, nur mit Abwandlungen. 

Was resultiert aus Verboten?

Ich glaube mittlerweile, dass es dynamische Prozesse gibt, an denen man zwar teilhaben kann, aber es keinerlei Garantie dafür gibt, dass sie den von einem selbst gewünschten Verlauf nehmen bzw. gezielt Einfluss nehmen kann. Man agiert innerhalb, woraufhin eine Wirkung nicht ausbleibt, aber wie die dann aussieht, weiß keiner. Sich dem zu entziehen ist unmöglich. Statt das Aussprechen von Meinungen, Leugnungen oder Lügen zu untersagen, sollte man meiner Auffassung nach schlicht mit einem Verhalten antworten, welches den eigenen Ansprüchen genügt. Gleiches gilt für die Art und Weise der Formulierung. Verbote, Repressionen, Eindämmungen, Kampf, erzeugen erfahrungsgemäß eine Gegenreaktion. Ich finde, aktuell ist dies gut bei den Auseinandersetzungen zu denen Themen Rassismus, Gendern und Sexismus zu beobachten. Wozu hat das kämpferische Auftreten der Akteure geführt? Diejenigen, welche ohnehin aufgeschlossen waren, sind es geblieben, einige sind genervt und die, welche geändert werden sollen, verschanzen sich. Mir kann man entgegenhalten, dass sich in der Geschichte vieles ohne Kampf nicht geändert hätte. Das ist korrekt und zu bedenken. Aber wenn ich schon in den Kampf ziehe, dann nicht kopflos und brachial, sondern taktisch klug. Ich halte es dabei mit Sun Zi und seinen Ausführungen darüber, wie man einen Krieg gewinnt. Hinzu kommen noch die in China bestens bekannten 36 Strategeme aus der dem chinesischen General Tan Daoji zugeschriebenen Sammlung von Kriegstaktiken.

Bei den genannten Themen handelt es sich nicht um meine Baustellen. Ich bin hellhäutig, heterosexuell und meine Identifikation mit meinem Geschlecht ist für mich eindeutig. Gleichzeitig ist mir dies im Kontakt mit Mitmenschen nicht wichtig. Damit ist es nicht mein Kampf. Es wird erst zu meinem, wenn ich attackiert werde. Versuche, mich auf der einen oder anderen Seite als Kombattanten einzuspannen, wehre ich ab. Gleichsam halte ich den Kampf der Minderheiten an sich für legitim. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich die Art, wie sie ihn führen, für effektiv, zielführend und erfolgversprechend halte. Entscheidend ist bei solchen Geschichten stets die Umfeldgestaltung, die von diesen Leuten ausgeht. Ja, der Ton und Umgang wird in manchen Bereichen vergiftet. Aber noch kann man sich dem entziehen.

Strategische Entscheidungen basieren auf Einschätzungen, die entweder abstrakt hergeleitet werden oder auf konkreten Informationen über das Umfeld und seine Entwicklung basieren. Eine wesentliche Information ergibt sich aus dem, was die Leute von sich geben. Wenn sich einer oder mehrere als Holocaust Leugner outen, bekomme ich die Möglichkeit, sie als solche zu erkennen, den Rest ihrer Gedankenstrukturen zu erfahren, sie einzuschätzen und letztlich Konsequenzen daraus zu ziehen. Weiterhin ist es informativ, wer diesen Leuten in welchem Umfang mit welchen Motiven folgt. Es heißt nicht umsonst: Wer fragt, der führt, und das sich jemand um Kopf und Kragen redet. Ich nehme mal die Position von Xavier Naidoo ein. Sollte er jemals wieder wach werden oder es vielleicht bereits getan haben, hat er längst den Punkt überschritten, von dem aus er nochmals zurückkönnte. Der 50 – jährige muss jetzt sein Ding durchziehen und kann nur hoffen, dass das bisher verdiente Geld bis zum Lebensende ausreicht. Ein wenig wird er noch aus der Anhängerschaft herausholen. Bei Attila Hildmann sieht es genauso aus. Seine aktuelle Strategie ist recht durchsichtig. In all seinen Kommunikationskanälen bietet er seiner Anhängerschaft seine Produkte an. Beide setzen sie auf eine sich zukünftig verschärfende Krise und versuchen daraus Geld zu schlagen. Auch dabei sind sie nicht alleine. Findige Geschäftemacher die in der Esoterik – Szene unterwegs sind, machen nichts anderes.

Aussagen/Meinungen demaskieren

Mir selbst bleibt die Beobachtung des Geschehens und die Analyse, wie ich mich am besten innerhalb des Geschehens bewege. Noch scheint alles in Ordnung zu sein. Die Zahl der Anhängerschaft ist überschaubar. Selbst bei der AfD setzt ein Prozess ein, in dem sich die Protagonisten durch ihre Äußerungen immer mehr der Lächerlichkeit preisgeben. Ein prägnantes anderes Beispiel liefern junge politische Newcomer, wie Benedikt Brechtken von der FDP oder auch ein Manuel Ostermann von der DPolG. Ich musste herzhaft beim Lesen einer Diskussion einiger Wikipedia – Autoren lachen. Es ging darum, ob der Eintrag für Brechtken bestehen bleiben soll oder nicht. Einer brachte das Argument ein, dass man eine gewisse Verantwortung habe und dem jungen Mann nicht die Zukunft verbauen solle, weil er vermutlich ab einer gewissen Reife seine in der Vergangenheit gesagten Worte bereuen wird. Bei Ostermann, der nach dem einfachen Schwarz – Weiß – Schema alles jenseits der Werteunion sind gefährliche Extremisten vorgeht, fragt sich der Beobachter, was in seinem erprobten und erfahrenen Förderer Rainer Wendt vorgeht.

Andere Gruppen, wie zum Beispiel die Leugner des Klimawandels, oder die viel mehr gefährlichen Personen, nämlich jene, die durchaus erkennen was passiert, aber aus reinem Eigennutz heraus ein Handeln verweigern, bereiten mir größere Sorgen. Doch auch von ihnen erfahre ich nur, in dem ich sie frei sprechen lasse. Wenn sie es denn mal alle täten! Viele von denen sind schlau genug, es nicht zu tun. Ein wesentlicher Punkt im aktuellen Zeitgeschehen. Die Leute, deren Handlungen eine tatsächliche mich unmittelbar selbst betreffende Auswirkung haben, täuschen, tarnen, verstecken sich hinter Propaganda und äußern ihre echte Meinung nicht.

Gelassenheit

Unabhängig von alledem, halte ich ein wenig Abstand für angezeigt. Natürlich bin ich von meiner Meinung überzeugt, sonst hätte ich sie nicht. Gleiches muss ich allen anderen zugestehen. Später werden andere befinden, ob sie richtig war oder überhaupt ins Gewicht fiel. In der uns bekannten Geschichte der Menschheit gab es immer Menschen, deren Meinung in ihrer Zeit geächtet wurde und spätere Generationen zu einer vollkommen anderen Auffassung kamen. Im Gegenzuge amüsieren wir uns nachträglich über Auffassungen, Ansichten, Meinungen, aus vergangenen Zeiten, die damals absoluter Mainstream waren. Wobei ich betone, dass das von Leuten wie Xavier Nadoo oder Attila Hildmann Verbreitete für mich keine Meinung, sondern wirres Zeug ist. Würde ich ihre Worte für voll nehmen, müsste ich gleichzeitig 2 + 2 = 6 hinnehmen.
Aussagen oder Meinungen nicht zuzulassen, ist immer ein Zeichen der Schwäche und Angst. Selbst das Grundgesetz und die nachgeordnete Gesetzgebung sind davon geprägt. Hinter den Gesetzen, die sich auf Volksverhetzung oder Leugnen des Holocaust beziehen, steht die Sorge, dass Rattenfänger es vermögen andere zu verführen und zu manipulieren. Anders: Die Deutschen trauen sich selbst  oder wenigstens Teilen aus einer grauenhaften Historie heraus diesbezüglich nicht über den Weg. Dies bedeutet gleichsam, dass rudimentär immer noch Verhaltensmuster herumgeistern, die in die damalige Katastrophe führten. Dem kann ich folgen. Aus diesem Grund bin ich vehement gegen eine Erweiterung der Plebiszitären Elemente. In der deutschen Gesellschaft schlummert etwas, auf das immer geachtet werden muss. Im Idealfall ändert sich dies innerhalb der kommenden Jahrzehnte. Ich glaube nicht daran und wenn man die Aussagen der etablierten Politiker hört, habe ich keinerlei Veranlassung dies zu ändern. Spätestens wenn Worte wie Führungsrolle, militärische Stärke, Deutsche Leitkultur, Deutsche Tugenden, Marke Deutschland pp., fallen, schrillen bei mir die Alarmglocken. Ich kämpfe nicht dagegen an. Dafür fehlen mir schlicht die Mittel. Hierzu hätte ich bereits vor mindestens zwei Jahrzehnten andere Weichen stellen müssen. Was ich tun kann, ist ein anderes Leben zu führen und im absoluten Notfall die Sachen packen.

Fazit: Lasst den Mann auftreten. Wir werden das aushalten. Parallel lassen wir auch andere ihr Programm abziehen und schauen, wer mehr Zuspruch bekommt.

März 17 2021

Polizei AfD

Lesedauer 13 Minuten

In den Social Media und in Presse wird oftmals über die Affinität von Polizisten zur rechts außen Partei AfD geschrieben. Meistens bleibt es eher vage, wie die konkreten Zahlen der parteilich engagierten Personen aussehen und vor allem, um welche Art von Polizisten es sich handelt. Ich denke, niemand käme auf die Idee, allgemein von Mitarbeitern eines Konzerns zu sprechen. Es macht einen Unterschied, ob sich eine oder einer aus dem Vorstand oder jemand aus den Niederungen der Produktion präsentiert. Polizei ist nicht mehr oder weniger, denn ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Tätigkeiten und damit differenzierender beruflicher Sozialisation. Nicht ganz unerheblich ist auch die Länge der Zugehörigkeit bis hin der Abstand zum alltäglichen Arbeitsumfeld. Um der Sache mal ein wenig näherzukommen, hab ich mir die Zusammensetzung der AfD im Bundestag angesehen.

Relevant sind dort CHristoph Neumann (auf die Schreibweise mit den beiden großen Anfangsbuchstaben legt er eigenen Aussagen nach viel Wert), Martin Hess, Martin Hohmann, Karsten Hilse, Lars Hermann und Verena Hartmann. Die beiden letzteren haben, nachdem sich die ersten Bestrebungen einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz abgezeichnet hatten, vorgezogen aus der Partei auszutreten.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Neumann_(Politiker)
Abfrage 16:30 MEZ, 14.3.2021
https://www.bundestag.de/en/members/522308-522308
Abfrage 16:30 MEZ, 14.3.2021

zum Thema Flügel:

Rechtsaußen Ulrich Oehme setzt der Parteitag auf den achten Listenplatz, den " Flügel" -Sympathisanten Christoph Neumann auf Platz neun. Der einzig " gemäßigte"  Kandidat auf den vorderen Plätzen ist vielleicht Karsten Hilse auf Platz vier. Und selbst bei ihm gibt es mittlerweile Zweifel, weil er mit den " Querdenkern"  liebäugelt.

Freie Presse, 08.02.2021, S. 4 / Nachrichten | Chemnitzer Zeitung, Autor:  Kai KOllenberg

CHristoph Neumann

Der 56 – jährige Neumann erlernte laut Wikipedia zunächst in der DDR Tischler und studierte dann bis 1989 Maschinenbau. Um dann in den letzten Zügen der DDR 1989 als Offizier bei den Grenztruppen an der Berliner Mauer aufzutauchen. 1990 wurde er vom Bundesgrenzschutz zunächst übernommen, wurde dann aber bereits nach zwei Jahren Verwaltungsbeamter in München. Dort blieb ebenfalls nicht lange. Mit einem einjährigen Aufbaustudium (keine Ahnung was das ist) wurde er PR-Berater. Eine Tätigkeit, die ihn von 1997 – 2000 nach Moskau führte, und 2003 – 2011 nach Kiew. Seit 10 Jahren ist er Inhaber der REALDOMUS – Relocation Agentur, die Dienstleistungen für ausländische Arbeitskräfte, vornehmlich Führungskräfte, anbietet, damit die sich problemlos einfinden können.

Trotz dieser Biografie, die wahrlich wenig mit Polizei zu tun hat, wird er immer wieder eben genau mit jenem Beruf erwähnt. Bemerkenswert ist die Nähe eines ehemaligen Offiziers aus der DDR zu Russland, der nunmehr gemäß medialen Berichten mit dem sogenannten Flügel der AfD sympathisiert.

Karsten Hilse

Ebenfalls 1964 in der DDR (Hoyerswerda) geboren erlernte er zunächst den Beruf eines Elektromonteurs und wechselte 1986 zur Volkspolizei, bei der er als Verkehrspolizist seinen Dienst versah. Nach der Wende geriet er 1991 als Polizeimeister in die Auseinandersetzungen in Hoyerswerda. In einem Bericht der ZEIT (September 2016, 16:30 Uhr Titel: Angst als Antrieb) gibt er sich weltoffen und skeptisch ggü. diverser Forderungen der AfD. Immerhin kann man ihm nicht eine schillernde Nebenkarriere zur Polizei als “Journalist”, “Model” und Kleindarsteller in Filmproduktionen absprechen.

Ich habe mich bemüht einige Redebeiträge anzuhören. Seine Reden sind im Wesentlichen eine Aneinanderreihung von Phrasen aus dem Labor irgendwelcher PR Agenturen, um den menschlich verursachten Klimawandel zu leugnen. Kurzum, der Mann hat die eigene Botschaft verloren und plappert ferngesteuert Phrasen nach.

Die Pandemie scheint ihm zugesetzt zu haben. November 2020 wurde er erst von Claudia Roth gerügt, weil er mit einem “Querdenker” T – Shirt ans Pult trat und dann wurde er bei einer Demo ohne Maske angetroffenen. Hierzu legte er als (Dienstfähiger?) freigestellter (?) Polizist ein Attest vor, welches angezweifelt wurde, woraufhin es zu Widerstandshandlungen gekommen sei. Das entspricht nicht gerade einem Polizei-typischen Verhaltensmuster.

Aber auch rückblickend muss man konstatieren: Der Lockdown wäre vermeidbar gewesen, wenn man das gemacht hätte, was die AfD von Beginn an gesagt hat - die Grenzen dichtmachen und niemanden ins Land lassen, der aus einem Risikogebiet kommt.

Stuttgarter Zeitung, 12.09.2020, S. 6 / Stuttgart; Lokales | Kornwestheim-Marbach
„Die Einladung der Kollegen in den Bundestag war eine reine Show-Veranstaltung, die zwei Zwecken diente: Gegner der überzogenen Corona-Maßnahmen mit Extremisten in einen Topf zu werfen und von der fatalen Polizeipolitik der Bundesregierung abzulenken“, erläutert Hess. „Deshalb haben wir es nicht nötig, uns der heuchlerischen und letztlich respektlosen Symbolpolitik der Regierungsparteien anzuschließen“, sagt Hess.

Der Tagesspiegel vom 11.09.2020, Seite 4 / POLITIK,"Sitzenbleiber“ empören die Polizei





Martin Hess

Der 50 – jährige Hess startete seine Polizeikarriere 1990 direkt nach dem Abitur in Baden – Württemberg. Da er 2001 auf die Fachhochschule ging, gehe ich davon aus, dass er zunächst im Mittleren Dienst startete und dann nach 8 Jahren Bereitschaftspolizei in den Gehobenen Dienst wechselte. Nach Ernennung zum Kommissar ging er in die Führungsgruppe, um dann 5 Jahre in einer BFE (Beweissicherung – und Festnahmeeinheit) Dienst zu leisten. Ab da ging es in die Lehrtätigkeit für Waffenrecht, Unmittelbarer Zwang und Weiterbildung zum Schießtrainer, später dann Dozent. Man kann ihm nicht absprechen, in 27 Jahren teilweise echten Polizeidienst hinter sich zu haben. Vielleicht ist genau dies das Problem. Wie auch immer, der Mann ist innerhalb der Polizei sozialisiert worden. In seinen Reden hat er sich auf den Islamismus, Gefährder und Linksextremismus spezialisiert. In ihnen bastelt er wie alle anderen aus der AfD markige Schlagworte zusammen. Dabei muss man ihm lassen, dass er im Gegenteil zu den meisten anderen eine Rede halten kann. Da kommt ihm die Erfahrung in der Polizeischule zugute.

Bei den Demonstrationen der “Kritiker” an den Corona – Maßnahmen zeigte er ggü. dem Berliner Tagesspiegel eine Doppelmoral (siehe linksseitig), die selbst vom Vorsitzenden der DPolG (Entgegengesetzt vielfacher Ansicht gibt es mehrere Gewerkschaften, welche die Belange von Angehörigen der Polizei vertreten.) Rainer Wendt gerügt wurde. Fakt ist, dass uniformierte Polizisten in Unterzahl die Stürmung des Reichstagsgebäudes verhinderten. Nicht übersehen werden darf dabei der Umstand, dass diese Personen u.a. Reichskriegs – und Reichsflaggen mitführten und in Chats, als auch auf der Bühne, klar von “Umsturzfantasien” gesprochen wurde.

Befremdlich ist, dass er als ehem. Fachlehrer für das Verbot einer nur in den Köpfen von Verschwörungstheoretikern existierenden Gruppierung “Antifa” eintritt, in diesem Zusammenhang sogar selbst einräumt, dass sich unter diesem Credo mehrere Gruppierungen und Strömungen sammeln. Ein wenig unredlich versucht er sich selbst das Bild eines “Polizeiinteressenvertreters” zu geben. Dem Politiker sei Populismus und eine überzogene Darstellung in der politischen Debatte zugestanden, im Interesse der Polizei, die mit zig Einsatzstunden eine verhältnismäßig kleine Gruppe, u.a. bestehend aus einem aufgepeitschten Mob (siehe u.a. Dresden/Berlin), Esoterikern und Angehörigen der “Neuen Rechten” betreuen muss, ist dies sicher nicht.

Die Qualifikation ehemaliger Polizist kann ihn dazu befähigen, Auskünfte aus seinen ehemaligen Fachbereichen zu geben, doch allwissend wird er damit nicht. Er kennt die BFE, Waffen – und Polizeiliches Eingriffsrecht, vermutlich kann er gut mit der Waffe umgehen, außerdem verfügt er über polizeitaktisches Wissen und kennt sich mit Stäben aus, aber weder ist er Virologe, Soziologe, Psychologe, Kriminologe, noch spezialisiert auf Organisierte Kriminalität, Schwerstkriminalität oder Terrorismus (augenscheinlich weiß er z.B. nichts bezügl. der Voraussetzungen einer “Terroristischen Vereinigung”).

Mit dem stetig wiederholten Hinweis “Polizei” erfüllt er eine Funktion. Ganz im Gegenteil zur Social Media Kampagne unter dem Hashtag #Polizeiproblem verfügt die Polizei gerade im Bürgertum über den Status “seriös” und “vertrauenswürdig”. Dies will die AfD nutzen und schadet damit gleichzeitig dem Ansehen. Da ist die Reaktion der GdP, der nach keine für die AfD politisch aktiven, Mitglieder, in der Solidargemeinschaft geduldet werden, somit auch ein deutliches Zeichen, welches nach außen in die Bevölkerung gesendet wird, um weiteren Schaden abzuwenden. Eine ähnliche Situation gab es bereits es in den 80ern in Bezug auf die Republikaner.

Martin Hohmann

Der 78 – jährige Hohmann ist ein alter Bekannter. 1998 bis 2005 war er bis zum Parteiausschluss für die CDU im Bundestag. Er stolperte über eine Rede, in der ihm Antisemitismus vorgeworfen wurde.

Der ehemalige Major der Bundeswehr studierte und landete für 4 Jahre im Höheren Dienst beim Bundeskriminalamt. Weitere Polizeihintergründe existieren in seiner Biografie nicht. Es erscheint mir mehr als fraglich, bei ihm von einem Mann zu sprechen, der innerhalb der Polizei sozialisiert wurde. Wenn, dann dürfte die Zeit bei der Bundeswehr prägend gewesen sein.

AfD Parteitag Weinböhla Vorstellung Listenplatz 6 Lars Herrmann

Lars Hermann

Der 44 – jährige Hermann, freigestellter Polizist im Gehobenen Dienst, hat die Notbremse gezogen und ist aus der Partei ausgetreten. Wenn man ihm in seinen Interviews zuhört, bekommt man den Eindruck, dass er da in etwas hineingeraten ist. Absolut typisch für einen Polizisten unterscheidet er zwischen einer Realität, die er als Polizist kennenlernte und eine ahnungslose “Außenwelt”, die quasi als Traumtänzer unterwegs sind. Ich finde es beinahe honorig, dass er den Schritt nach draußen gegangen ist und die Sache mit der AfD vermutlich als Episode in seinem Leben abhaken wird. Ganz ohne ist er allerdings nicht:

Im nebenstehenden Video bezichtigt sich Herr Hermann der Untätigkeit im Jahr 2015, weil er als Polizist nicht passend auf die Geflüchteten reagiert hätte. (Wobei er es nicht unterlässt in AfD – typischer Art und Weise die Personen zu diffamieren: … Fachkräfte für spontane Eigentumsübertragung). Doch er unterscheidet zwischen “guten” und “schlechten” Schutzsuchenden. Zu den schlechten gehören die “arabischen jungen Männer”, die “Omans und Hassans dieser Welt”, Somalier, Afghanen, Tunesier, Algerier. (Aus irgendwelchen Gründen lässt er Syrien, Ägypten, Libanon, Libyen, Emirate, Jordanien, aus) Mehrfach weist er auf seine Erfahrungen als Beamter mit Zuständigkeit “Abschiebung” hin. Nicht nur bei ihm stellt sich mir die Frage, wie man bei den vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten, ausgerechnet ihn auf diese Stelle setzte. Mal ganz davon abgesehen, dass er dort nie wieder Dienst versehen kann. Bei jedem Vorfall freut sich jeder Rechtsanwalt über diese offen zur Schau gestellten Rassismus. Denn nichts anderes ist es, wenn ich jemanden allein aufgrund seines Geburtslands jegliche Qualifikation in Abrede stelle bzw. kriminelle Neigungen unterstelle, ohne die individuellen Umstände zu berücksichtigen.

Anfrage im Bundestag Drucksache 19/1444, 22.3.2018

Zitat: “Behinderun-gen entstehen u. a. durch Heiraten innerhalb der Familie (www.rbb-online.de/ kontraste/ueber_den_tag_hinaus/migration_integration/die_cousine_als_ehefrau. html). Eine britische Studie kam zu dem Schluss, das 60 Prozent der Todesfälle und Erkrankungen betroffener Kinder hätten vermieten werden können, „wenn die Inzucht beendet würde“ (www.taz.de/!5111122/, http://www.tagesspiegel.de/berlin/ verwandte-eltern-vererben-doppeltes-gesundheitsrisiko-studien-belegen-hoehere- zahl-von-totgeburten-und-behinderungen/416322.html)” …

Wie viele der in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Schwerbehinder-ten (bitte hier alle Arten von Behinderungen zusammenfassen) besitzen keine deutsche Staatsbürgerschaft (bitte nach Jahren seit 2012 aufschlüsseln)?

Anfrage gestellt von den Abgeordneten: Nicole Höchst, Franziska Gminder, Jürgen Pohl, Verena Hartmann und der Fraktion der AfD

Höchst, Studienrätin; Gmindner, Dipl. -Kauffrau; Pohl, ehem. Grenztruppen DDR, heute: Rechtsanwalt

Verena Hartmann

Die 47 – jährige aus Sachsen stammende Polizistin hat eine für interessante berufliche und politische Karriere, inklusive des Austritts aus der AfD, hinter sich. Aufgewachsen in Sachsen, gewechselt nach Berlin, Wachleiterin und stets dabei sich weiterzubilden. Faszinierend finde ich ihr Zeitmanagement. 1998 Abschluss der Ausbildung, innerhalb von ein oder zwei Jahren Beförderung zur Oberkommissarin, kurze Zeit Wachleiterin, Lehrgang Controlling, um dann als Sachbearbeiterin im Bereich “Häusliche Gewalt” aufzutauchen, zwei Kinder, eine externe Zusatzausbildung, und dann auch noch einen Wahlkreis außerhalb Berlins, später Berlin – Pankow, zu vertreten. Ich habe mir ihre Rede zum 30. Jahrestag der “Wiedervereinigung” angesehen. Dabei fragte ich mich, ob sie sich sicher ist, dass sie jemals in die AfD eintreten wollte. Die Worte hätte auch jede Abgeordnete der “LINKE” finden können. Tiefer übler Frust über den Verlauf der der letzten 30 Jahre Wiedervereinigung, die mehr ein Beitritt waren.

Doch bei etwas genauerer Betrachtung taucht ein Phänomen auf: die Schuldzuweisung nach Oben. Meiner Erfahrung nach eins, welches im Besonderen in festen Hierarchien mit direktiver Führung, aber auch Allgemein zu beobachten ist. An allem Übel sind die “Oben” schuldig. Die Veränderungen beim Klima werden erst damit zum Problem, weil die “Oben” es zu einem gemacht haben. Covid-19 wird erst gefährlich, weil die es so gesagt haben und Straftaten passieren, weil die “Oben” Ausländer hineingelassen haben. Und im Fall der Wiedervereinigung, weil die Wessis (vermeintlich in der Hierarchie höher stehend) sind wie sie sind.
Fehlt nur noch der “Dämon” gegen die Mutter/Vater (Oben) hätten etwas tun müssen. Wahlweise die Kommunisten, Linken, slawischen Horden oder Migranten. Spätestens an dieser Stelle wird es problematisch. Frau Hartmann beteiligte sich als Politikerin, aber auch als Frau, die u.U. eines Tages wieder in die Rechte anderer Menschen eingreifen muss, an der nebenstehenden klar erkennbaren tendenziösen Anfrage. In meinem Beitrag “Missionare einer neuen Kirche” habe ich auf die von Umberto ECO herausgearbeiteten 14 Punkte des Ur – Faschismus hingewiesen. Ich sehe hier mehrere Übereinstimmungen. Spätestens an dieser Stelle habe ich weniger ein Problem mit dem politischen Engagement, sondern mit der gezeigten Weltanschauung einer zeitweiligen Vorgesetzten in Personalführungsverantwortung.

Nachdem in der Schweiz ein psychisch kranker Mann im Juli 2019 ein Kind vor einen Zug gestoßen hatte, twitterte sie:

Frau Merkel, was wollen Sie uns noch antun? Sie werden nie wissen, was es bedeutet Mutter zu sein, weder für ein Kind, noch für dieses Land! Aber ich verfluche den Tag Ihrer Geburt!

Mit solchen Tweets steht sie nicht alleine, aber im Gegensatz zu anderen muss bei ihr ein anderer Maßstab angelegt werden. Als Polizistin muss ihr bewusst sein, dass nicht die Herkunft eines Menschen eine Rolle spielt, sondern die individuelle Vorwerfbarkeit der Tat. Zweitens hat die Bundeskanzlerin mit der Angelegenheit gar nichts zu tun, drittens ist das Mäßigungsgebot weit überschritten und obendrauf unterstellt sie zwischen den Zeilen, dass Ausländer per se zu solchen Taten neigen.

Damit ist ihr zu unterstellen, dass ihr die notwendigen Fähigkeiten fehlen, Straftaten, egal wer auch immer sie begeht, individuell zu betrachten. Hierdurch ist sie in der Personalführung und auch als Ermittlerin untragbar.

Polizei und Politik

Nationalismus
verwendete Definition

Übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der Bedeutung der eigenen Nation. Im Gegensatz zum Nationalbewusstsein und zum Patriotismus (Vaterlandsliebe) glorifiziert der Nationalismus die eigene Nation und setzt andere Nationen herab. Zugleich wird ein Sendungsbewusstsein entwickelt, möglichst die ganze Welt nach den eigenen Vorstellungen zu formen.

Quelle: https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16503/nationalismus

Zahlen

Bezüglich des Anteils von Polizisten in der AfD lassen sich keine Zahlen ermitteln. Egal, wer von vielen spricht, die AfD selbst oder Kritiker, treffen eine unseriöse Aussage. Gleiches gilt für das Wahlverhalten.
Alle Aussagen beziehen sich auf die Vermutung, dass Angehörige der Polizei “einen starken Staat” wünschen. Hierzu bliebe aber auch die Wahl der CDU/CSU. Außerdem werden den Mitarbeitern der Polizei andere Themen wie Ökologie, Wirtschaft, soziale Gleichheit, abgesprochen. Eine äußerst gewagte Vorgehensweise. Hinzu kommt, dass bei der Annahme keinerlei Unterschiede zwischen Bereitschaftspolizei, Kriminalpolizei, Sachbearbeitung, technische Dienste, Verwaltung pp. gemacht werden.

Gesinnungsunterstellung

Es entspricht dem Ton der Zeit, dass jegliche Symbolik bis ins Detail zerlegt werden und gern rechten Strömungen zugeordnet werden. Tatsächlich gibt es diverse zusätzliche psychologische Aspekte. In einigen Bereichen ist Teamgeist und Zusammenzugehörigkeitsgefühle unabdingbar notwendig. Anders lassen sich Aggressionen und Konflikte in Gemeinschaftsunterbringungen, tagelanger gemeinsamer Dienst auf einem Fahrzeug nicht kompensieren oder geschlossene Vorgehensweise in potenziell lebensgefährlichen Situationen leisten.
Symbole sind oftmals nicht mehr oder weniger als Ausdruck der Zugehörigkeit. – weltweit. Spezialeinheiten haben z.B. die Sitte einen gemeinsamen Coin zu besitzen, der internationale Anerkennung hat.

Der sich stets erhöhende Krisendruck, in den nächsten 10 – 20 Jahren durch Klimawandel bedingte Widerstände, soziale Probleme/Spannungen (siehe auch Frankreich, Spanien, Nord – Irland), wird in Zukunft die Riots verstärken und in einzelnen Situationen “bürgerkriegsähnliche” Formen einnehmen. Teile der geschlossenen Polizeieinheiten versehen keinen klassischen Polizeidienst mehr und mutieren zu paramilitärischen Riot – Einheiten, wie sie in manchen europäischen Staaten bereits existieren. Dies mag einigen nicht gefallen. Aber anders werden sich solche Ereignisse nicht mehr regeln lassen und die Polizeieinheiten müssen darauf vorbereitet werden. Mit links/rechts hat dies alles nichts zu tun. Dies sind schlicht die realen erwartbaren Folgen der fortschreitenden Lageentwicklung.

Einheiten mit solchen Aufgabenstellungen bedürfen spezieller Führung und Ausbildung.

Ich habe hier lediglich die im Bundestag für die AfD als “Polizisten/innen” in Erscheinung tretenden Personen betrachtet. Auf die gesamte Republik betrachtet sind es im Verhältnis zu anderen Berufsgruppen (Rechtsanwälte/innen, Akademiker/innen, selbstständige Handwerker/innen) relativ wenig. Aber dies ist nicht der Punkt. Jeder Beruf fordert passende Fähigkeiten, Haltung und Selbstverständnis ab. Im Idealfall bewerbe ich mich in einer Behörde auf eine Stelle, welche wiederum ein Anforderungsprofil innehat. In einem Assessmentcenter wird geprüft, ob ich dafür geeignet bin oder meine Stärken unter Umständen an anderer Stelle besser zum Tragen kommen. Ermittler bei der Kriminalpolizei dürfen sich nicht von Vorurteilen, Eingenommenheit oder gängigen Denkfehlern leiten lassen. Führungskräfte sollten psychisch stabil und gesund sein. Außerdem ist ein gewisses Maß an Empathie und die Fähigkeit sich auf Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedenen Altersphasen einzulassen gefordert. Bei geschlossenen Einheiten kommen noch Resilienz, taktisches Verständnis und eine natürliche Autorität hinzu. Bei einem Fachlehrer darf neben dem Interesse am zu lehrenden Wissen, zusätzlich eins an Didaktik, Dialektik, Methodik und Pädagogik gefordert werden. In Spezialbereichen, wie Organisierte Kriminalität, religiös und politisch motivierter Terrorismus, Jugendkriminalität, politisch motivierte Straftaten, pp., ist Fach – und Hintergrundwissen notwendig.

Führung und Aufstieg sind in der Polizei seit Jahrzehnten heikle Themen. Über lange Zeiträume wurden wenig die notwendigen psychologischen Voraussetzungen berücksichtigt. Seit einigen Jahren werden bei der Berliner Polizei Kommunikationstraining, Konfliktseminare und weitergehende Bildungsangebote für sogenannte Perspektivkandidaten bereitgehalten. Aber die Teilnehmer beenden diese nicht mit einem Erfolgszertifikat, sondern lediglich mit einer Teilnahmebescheinigung. Kurzum: Sie haben mal etwas darüber gehört! Zeitweilig wurde etwas Ähnliches wie ein Mentoring ausprobiert. Eine echte Supervision, wenigstens bedingt, ist mir nur aus dem Abschiebegewahrsam bekannt. (lasse mich gern eines Besseren belehren).
Mit dem öffentlichen Erscheinen und Preisgabe ihres Denkens, Interpretation des Weltgeschehens, dem Auftreten, der Wortwahl, zeigen die in der AfD politisch aktiven Polizisten/innen für Außenstehende ein internes Problem öffentlich. Wie kann es passieren, dass Frauen und Männer, die mit allen auf dem Staatsgebiet lebenden Personen der BR Deutschland ein nationalistisches Weltbild innehaben, andere (jüngere) Beamte/innen führen und ausbilden? Dies erwartet man in anderen Ecken der Welt. Gleichsam verhält es sich mit dem offen in Reden propagierten Rassismus. Ich halte mich nicht für jemanden der diesen Begriff exzessiv dehnt, doch Personen aus bestimmten Regionen per se asoziales Verhalten zu unterstellen, Primitivität anzunehmen, halte ich für eindeutig.

Hier müssen bei Behördenleitern Fragen aufkommen. Unvermeidlich kommen Außenstehende zum Schluss, dass gerade eben solche Denkmuster für den Aufstieg sorgen. Ich kann nicht erwarten, dass die wissen, was ein Abschiebeposten wegen erkannter Problematiken ist.

Ich stelle mir diese Frage nicht ausschließlich bei der AfD. Mir ist es völlig egal, wenn ein Kaufmann, Akademiker, Jurist oder welche Berufsrichtung auch immer, sich in populistischen Vorurteilen, Schnellurteilen, mangelnder Analyse oder ausschließlich in provokanter Kommunikation ergeht. Dies ist nun einmal der politische Stil des 21. Jahrhunderts: Keine sachliche Argumentation oder Darstellung der realen Inhalte, sondern Wählerfang mit den Mitteln der kommerziellen Werbebranche. Doch bei Staatsanwälten, Richtern, Polizisten oder ehemaligen Amtsleitern frage ich mich ständig, wie machen oder wie machten sie ihren eigentlichen Job? Wie gesagt, dabei ist es egal, ob bei der AfD, den GRÜNEN, SPD, CDU/CSU, LINKEN.

Kommende schwierige Aufgaben

Keine Polizei darf sich an Wunschvorstellungen oder idealistischen Bildern orientieren, die von etwas ausgehen, was sein sollte, sondern muss sich auf das einstellen, was ist. Die weltweiten Vorzeichen sprechen dafür, dass das in der Vergangenheit verursachte Elend und Ungleichheit nicht mehr einzugrenzen sind. Diese Wunschvorstellungen, auf deren Basis Entwicklungsgelder (Wiedergutmachungen), Hilfsprojekte oder gar Zahlungen an eher zweifelhafte Systeme (Türkei, Libyen) gingen, lassen sich nicht mehr aufrecht halten. Manche Philosophen sprechen bereits von einem unethischen Verhalten, wenn Staaten wie Deutschland die weltweiten Folgen des 19. und 20. Jahrhunderts aussperren wollen. Das Phänomen internationale Organisierte Kriminalität, eine auf den identischen Prinzipien zur legalen Wirtschaft funktionierende Schattenwirtschaft, und damit untrennbarer Teil des als “legal” definierten Wirtschaftssystem, weitet sich aus, so sehr, dass kaum noch Grenzen auszumachen sind, sondern fließende Übergänge festzustellen sind.

Fakt ist, dass die politischen Entscheidungen, in Heimen, Lagern, Geschehnissen während der Flucht, gemäß polizeilicher Erfahrung potenziell schwierige Persönlichkeiten formt. Ebenso ist es nicht zu übersehen, dass diverse Regierungen zum Schutz der eigenen profitablen Grauzonen den Erlass geeigneter Gesetze gegen kreative internationale Geldflüsse, Geldwäsche, gemeinschädliches Gebaren unterlassen. Es ist nicht die Aufgabe der Polizei, an diesen Stellen politisch zu intervenieren. Gleiches gilt für die Vorgehensweise des politischen Establishments, welches sich in unhaltbaren Sicherheits – und Beschwichtigungsversprechen ergeht. Auch hier steht es der Polizei in ihrer Funktion nicht zu, jedenfalls nicht im bestehenden Staatssystem, öffentlich politisch aktiv zu werden. Sie kann bezüglich der Umsetzbarkeit und der notwendigen Mittel beraten, doch dieser Beratungsprozess ist nur ein Teilaspekt des Handelns.

Im Prinzip findet ein dauerhafter Polizeieinsatz statt, welcher von einem Einsatzleiter (Regierung) geleitet wird. Diese Regierung verfügt über Berater, die ihr sagen kann, was konkret durchführbar ist. Wenn anderes oder weitergehendes gefordert wird, muss seitens der Polizei formuliert werden, was dafür an Personal und Ausstattung notwendig ist. Im Zweifel muss auf die Undurchführbarkeit verwiesen werden. Ähnliches muss 2015 stattgefunden haben. Welche Folgen treten ein, wenn wir dieses oder jenes machen (Frage an BND, BuPo, Bundeswehr, Landespolizei, DRK, THW) ? Was können sie wie gewährleisten? Und dann gilt es eine Entscheidung, vom Einsatzleiter (Regierung) ausgehend, zu treffen. Staaten, in denen es anders läuft, werden im Allgemeinen als Polizeistaat bezeichnet. Was im Großen passiert, geschieht auch bei “kleineren” Einsätzen. Anlässlich von Demonstrationen sogenannter Querdenker bekommt der Einsatzleiter aus allen Ecken Informationen übermittelt. Mit Sicherheit ist zum Beispiel der Einsatz eines Wasserwerfers eine Einsatzoption. Aber nicht, wenn alte Frauen, Männer, Kinder im Pulk sind. Wenn dann Polizisten, egal welcher Couleur dagegen wettern, haben sie den Beruf verfehlt.

Die Polizei benötigt besonnene Mitglieder, die mit den kommenden schwerwiegenden Aufgaben klarkommen. Wer die die Ursachen gesetzt hat, ist für eine/n Polizisten/in irrelevant. Sich in Parteien aller Ausrichtung engagierende Polizisten/innen, die sich in Schlagworten, Kampfbegriffen, Verallgemeinerungen, Vorurteilen, ergehen, sind dabei absolut kontraproduktiv. Ich möchte meine Aussagen in keiner Form als Verharmlosung oder Relativierung verstanden wissen. Ich habe in 32 Jahren eindeutig rassistische Äußerungen, Handlungen und Beamte/innen erlebt. Genau so wie sexuelle Übergriffe, Diskriminierung, Machtmissbrauch u.ä., sowie entweder Verharmlosung oder sogar Unterstützung von rechten Strömungen. Aber ich habe auch eine Polizei und jede Menge Leute erlebt, die dagegen antraten und ich betone – diese Minderheiten – zu bekämpfen. Fakt ist dabei auch, dass die Schmerzgrenzen bei Polizisten, welche in der alltäglichen Konfrontation mit sozialen Schwierigkeiten, Gewalt, Abgründen der Spezies Mensch, im Verhältnis zu anderen Gesellschaftsmitgliedern in eher wohlbehüteten Milieus anders sind. Diesbezüglich lehne ich mich ein wenig aus dem Fenster: Ohne einen gewissen Grad der Dissoziation von Gefühlen, Ratio und empathischen Verhalten ist der Dienst auf der Straße nicht möglich. Deshalb plädiere ich auch dafür, Polizisten/innen, die auf der Straße gearbeitet haben, nach spätestens 30 Jahren in die Pension zu entlassen.

FF